50
| Um das Jahr 50<p><strong><em>Europa</em></strong> * Das Urchristentum verurteilt jeden Krieg und jede Form von Gewalt, da der Krieg eine Konsequenz der <em>„Erbsünde“</em> ist.</p> |
350
| Um das Jahr 350<p><strong><em>Rom</em></strong> * Als im 4. Jahrhundert - nach der Bekehrung Konstantins - das Römische Imperium ein christliches Reich wird, muss sich das Christentum der veränderten Situation anpassen.</p> <p>Augustinus entwirft die Theorie des <em>„gerechten“</em> Krieges: <em>„Gerecht werden die Kriege genannt, die Unrecht rächen“</em>. Und weiter: <em>„Ich glaube nicht, dass der Soldat, der einen Feind tötet, wie auch der Richter und der Henker, die einen Verbrecher hinrichten, sündigen, denn mit ihrem Handeln gehorchen sie dem Gesetz“</em>.</p> <p>Nur ein Krieg mit dem Ziel Reichtümer und Ehre zu gewinnen, gilt als unstatthaft. Ein <em>„gerechter Krieg“</em> sollte dagegen Unrecht strafen und wieder gutmachen.</p> |
638
| 638<p><strong><em>Jerusalem</em></strong> * Jerusalem fällt an die Muslime.</p> |
650
| Um das Jahr 650<p><strong><em>Rom</em></strong> * Im 7. Jahrhundert wird die <em>„augustinische Definition“</em> präzisiert: <em>„Gerecht ist ein Krieg, der nach Warnung geführt wird, um Güter zurückzugewinnen oder Feinde zurückzuschlagen.“</em></p> <p>Genau dieses Argument dient zur Rechtfertigung der Kreuzzüge, die sich zum Ziel gesetzt haben, die <em>„heiligen Stätten“</em> zurückzugewinnen, da sie unzulässigerweise von den <em>„Ungläubigen“</em> besetzt worden sind.</p> |
957
| 957<p><strong><em>Untergiesing</em></strong> * Der Bischof von Freising erhält die <em>„Mühle zu Kiesingenum“</em> samt dem dazugehörigen Grundbesitz vom Edlen Wolftregil übertragen.</p> <p>Sie ist die älteste Mühle von Giesing und steht in der Lohstraße 46, nahe dem Candidplatz, dort wo heute der Mittlere Ring - lärmend und stinkend - den Auer Mühlbach überquert.</p> |
1071
| 1071 Jerusalem * Der türkische Truppenführer Atsiz besetzt die Stadt Jerusalem, die bis dahin im Besitz der schiitischen Kalifen war. |
1076
| 1076<p><strong><em>Jerusalem</em></strong> * Im <em>„Heiligen Land“</em> kommt zu heftigen Kämpfen zwischen Seldschuken und Schiiten. Die seldschukischen Türken behalten die Oberhand und richten unter den schiitischen Muslims ein Blutbad an.</p> <p>Im christlichen Viertel Jerusalems bleibt es offenbar ruhig und auch die <em>„Grabeskirche“</em> ist für die Pilger - trotz der türkischen Herrschaft - weiterhin zugänglich. Allerdings behindern die Kriegswirren die christliche Wallfahrt.</p> |
1095
| 1095 Jerusalem * Jerusalem und andere „heilige Stätten“ befinden sich seit über vierhundert Jahren in der Hand der Muslimen. |
| März 1095<p><strong><em>Rom</em></strong> * Papst Urban II. wird von einer Gesandtschaft des byzantinischen Kaisers Alexios I. um Hilfe gegen die türkischen Seldschuken gebeten. Diese haben das Byzantinische Reich im Sturm erobert und kommen der Hauptstadt Konstantinopel bedrohlich nah.</p> |
| Ab August 1095<p><strong><em>Frankreich</em></strong> * Zwischen August 1095 und September 1096 unternimmt der damals etwas über sechzig Jahre alte Papst Urban II. eine mehr als dreitausend Kilometer lange Reise durch Frankreich. Er wird dabei von einer Eskorte von Erzbischöfen und Bischöfen begleitet. Man nimmt an, dass die im Gefolge angeschlossenen Haushalte den Zug auf mehrere Kilometer anwachsen ließen.</p> <p>Die Reiseroute ist zuvor so festgelegt worden, dass das Eintreffen des Papstes in den Städten mit den Ehrentagen wichtiger Schutzpatrone zusammenfällt.</p> |
| Ab 18. November 1095<p><strong><em>Clermont</em></strong> * Ein Höhepunkt der Reise von Papst Urban II. ist das Konzil, das bis zum 27. November 1095 in der Hauptkirche von Clermont tagt. Unter dem Vorsitz des Papstes werden finanzielle und organisatorische Angelegenheiten der französischen Kirche abgearbeitet.</p> <p>Am Ende des Konzils hält das Kirchenoberhaupt auf einem Feld vor der Stadt eine Rede, in der es den anwesenden Rittern und Klerikern zunächst die Ergebnisse des Konzils darlegt, danach gegen den Kaiser und den Gegenpapst wettert und anschließend die Befreiung der Kirche von aller weltlichen Gewalt fordert.</p> <p>Schließlich ruft Papst Urban II. die Anwesenden zum Kriegszug zur Vertreibung der Türken aus Kleinasien auf. Als die Menge die päpstliche Predigt am Ende begeistert mit den Worten <em>„Deus lo vult - Gott will es!“</em> quittiert, bestimmt der oberste Kirchenmann, dass dies der Schlachtruf sein soll.</p> |
| Ab Dezember 1095 Frankreich * Auf seiner weitere Reise wird der Papst nicht müde zu betonen, dass die Teilnehmer an diesen gewalttätigen Auseinandersetzungen einen „Befreiungskrieg gegen die muslimische Tyrannei“ führen, bei dem es einerseits um die Befreiung der christlichen Glaubensbrüder und Glaubensschwestern und andererseits darum geht, „das Heilige Grab aus den Händen der Heiden zu befreien“. Zur „Beruhigung des Gewissens“ versichert der Papst seinen Zuhörern, dass das Unternehmen eine Umsetzung „christlicher Barmherzigkeit“ ist, bei dem die „Kreuzfahrer“ ihr Leben aus Liebe zu Gott und „zu ihrem Nächsten“ aufs Spiel setzen werden. Die noch fast ein Jahr andauernde „Predigtreise“ spielt eine wichtige Rolle bei der Mobilisierung der Menschen. Der alternde Papst versteht es hervorragend, die Emotionen seiner Zuhörer zu wecken. Papst Urban II. nimmt für sich in Anspruch, im Namen Jesu Christi zu sprechen. |
1096
| März 1096<p><strong><em>Frankreich</em></strong> * Von einer Woge populärer Begeisterung getragen, machen sich - gegen dem Wunsch des Papstes - die ersten Kreuzfahrer-Kontingente auf den Weg. Die meisten dieser Kreuzzugs-Pilger entstammen dem einfachen Sozialmilieu des Bauernstandes und der Städte. Viele von ihnen verkaufen ihre geringe Habe, um die Reise nicht völlig ohne Barschaft antreten zu müssen. Wegen des dadurch entstandenen Überangebots fallen die Preise dramatisch, sodass sich der Verkauf oft kaum mehr lohnt. Andere lassen einfach alles liegen und stehen und schließen sich einem Pilgerzug in den Nahen Osten an.</p> <p>In den nächsten sechs Jahren folgen etwa 130.000 Frauen und Männer ihrem Beispiel. Aus dem Stand des Adels und der Ritter kommen kaum zehn Prozent der Kreuzfahrer. Allerdings übernimmt diese Gruppierung die Führerschaft und - neben den sie begleitenden Priestern - die Verantwortung für die nachfolgend beschriebenen Judenpogrome. Nach den Beweggründen für die Teilnahme an den Kreuzzügen zu suchen ist müßig. Sie sind nicht rational sondern ideologisch begründet. Die meisten, die den Aufrufen der Päpste folgen, bereuen später ihr - in einer durch Predigt und Propaganda bewusst ausgelösten Atmosphäre religiöser Hysterie - abgelegtes Gelübde.</p> <p>Die meisten dieser am sogenannten <em>„Vor-Kreuzzug“</em> beteiligten Pilger kommen nicht weiter als bis zum Balkan. Besteht für die Kirche die Rechtfertigung für den „ersten Kreuzzug“ in der Besetzung Jerusalems durch die Muslime, so entfesselt die Kreuzzugsbewegung aber auch gewalttätige Emotionen in eine andere Richtung.</p> <p>Viele der christlichen Kreuzfahrer nehmen, bevor sie sich überhaupt ins <em>„Heilige Land“</em> aufmachen, erst einmal Rache an den Juden, die - nach ihrer Auffassung - für die <em>„Kreuzigung des Heilands“</em> verantwortlich sind. Die aus einfachsten Verhältnissen stammenden Kriegsteilnehmer haben bis dahin ein sehr bescheidenes Dasein gefristet und setzen nun als <em>„Wagemutige“</em> ihre Existenz aufs Spiel. Und dass etliche Juden durch ihre Geschäfte reich geworden sind, steht im krassen Gegensatz zur kirchlichen Doktrin, wonach die Juden als Strafe und Zeugnis für den ihnen zur Last gelegten <em>„Gottesmord“</em> sichtbar in <em>„Knechtschaft unter den Christen“</em> leben sollen - und nicht umgekehrt.</p> <p>Da die Kreuzfahrer ihr gegen die Muslime gerichtetes Feindbild und die damit verbundenen Aggressionen problemlos auch gegen die Juden anwenden können, entsteht eines der dunkelsten Kapitel in der eh schon so grausamen Kreuzzugs-Geschichte.</p> |
| 10. April 1096<p><strong><em>Trier</em></strong> * In Trier gestaltet sich das Zusammenleben der Juden und der Christen bislang weitgehend friedlich.</p> <ul> <li>Doch jetzt drohen die Kreuzfahrer den Juden mit einem Massaker, wenn sie nicht auf ihre Geldforderungen eingehen. In ihrer Todesangst geben ihnen die Juden alles, was sie haben.</li> <li>Daraufhin ziehen die Kreuzfahrer weiter, doch kommt dann der zweite Trupp und verlangt ebenfalls Geld und Wertsachen. Die Juden kratzen den Rest zusammen und geben es hin.</li> <li>Der Trupp zieht ab und schon bald kommen die nächsten Kreuzfahrer-Kontingente, die zum Teil auch mit Bürgern der Städte und den Landbewohnern gemeinsame Sache machen. Nun haben die Juden nichts mehr, weshalb fundamentalistische Geistliche in den Reihen der Kreuzfahrer die Losung ausgeben: <em>„Wer einen Juden erschlägt, dem werden seine Sünden vergeben“</em>.</li> </ul> <p>Berufen können sie sich auf den Abt des Klosters, aus dem auch Papst Urban II. stammt, Pierre de Cluny. Sein Leitspruch lautet: <br /> <em>„Es ist sinnlos die Feinde unseres Christenglaubens in der Fremde zu bekämpfen, wenn diese Juden, die schlimmer als die Muslims sind, in unseren Städten ungestraft unseren Herrn Jesus Christ beleidigen dürfen.“ </em></p> <p>Insgesamt kommen anlässlich des Ersten Kreuzzuges mindestens 2.500 Angehörige der deutschen Judengemeinden ums Leben. Nur wer sich nach christlichem Ritus taufen lässt, kann sein Leben retten. Viele Juden ziehen allerdings der Zwangstaufe den Freitod vor.</p> |
| August 1096<p><strong><em>Naher Osten</em></strong> * Erst die militärisch besser ausgestatteten Kreuzfahrer-Kontingente haben mehr Erfolg. Das zügige Fortkommen der Kreuzfahrer behindern allerdings arme Pilger, die sich ihnen angeschlossen haben. Dadurch erreichen sie Konstantinopel erst Ende des Jahres 1096/Anfang 1097.</p> <p>Nachdem die Kreuzfahrer von der dortigen Bevölkerung feindlich aufgenommen sowie vom byzantinischen Kaiser nur widerwillig unterstützt und nur mit knapp bemessenem Proviant versorgt werden, ziehen sie auf eigene Faust durch Kleinasien weiter. Seit sie islamisches Gebiet betreten haben, gibt es kein funktionierendes System für Versorgung mit Nachschub mehr. Um Überleben zu können, müssen die Kreuzfahrer plündern.</p> <p>Die bewaffneten Pilger besiegen die Türken bei Dorylaeum und Eregli. Nach einem anstrengenden Marsch gelangen sie nach Antiochia. Sie belagern die Stadt siebeneinhalb Monate und schlagen in deren Verlauf zwei muslimische Verstärkungsarmeen.</p> |
1097
| 19. Juni 1097 Nicäa * Die Kreuzfahrer nehmen Nicäa, die erste bedeutende Stadt unter islamischer Herrschaft, ein. Das Heer des Ersten Kreuzzugs besteht aus 40.000 Personen, von denen nur 4.500 Ritter oder Adelige sind. Der Rest sind nicht-waffenfähige Handwerker, Städter und Bauern. Das missfällt zwar den Führern der Kreuzzüge, da die Armen ernährt werden müssen. Doch die Kreuzzüge sind ja zugleich Pilgerfahrten. |
1098
| 10. März 1098<p><strong><em>Edessa</em></strong> * Balduin von Boulogne erobert die Grafschaft Edessa und gründet den ersten Kreuzfahrerstaat.</p> |
| 3. Juni 1098 Antiochia * Antiochia fällt in die Hände des Kreuzzugsheeres. Doch nun werden die Kreuzfahrer selbst von einer muslimischen Armee belagert. |
| 10. Juni 1098 Antiochia * In der Nacht vom 10. zum 11. Juni ist die Kampfmoral der in Antiochia belagerten Christen derart gesunken, dass Panik entsteht und die Befehlshaber der Kreuzfahrer einen Massenausbruch verhindern müssen. Kurz darauf kommt es zu Visionen eines erschienenen, den Sieg verheißenden Christus und der Entdeckung einer Lanze, die angeblich den Gekreuzigten durchbohrt hat. Die Stimmung verbessert sich dadurch erheblich. |
| 28. Juni 1098<p><strong><em>Antiochia</em></strong> * Die Pilgerkrieger wagen einen Ausfall aus Antiochia und erringen den Sieg gegen die Muslime.</p> |
| Um Oktober 1098<p><strong><em>Syrien</em></strong> * Der Kreuzzug kommt in Nordsyrien zum Stehen. Doch die Mehrheit des Kreuzfahrerheeres zwingt die Führer zum Weitermarsch nach Jerusalem.</p> |
1099
| Mitte Januar 1099 Syrien * Die Kreuzfahrer ziehen weiter. Sie besetzen auf ihrer Route einige wichtige Festungen. |
| 7. Juli 1099 Jerusalem * Die Kreuzfahrer sind am Ziel ihrer Reise: Jerusalem. Mit ihrer inzwischen mehrfach erprobten und von Erfolg gekrönten Taktik und Technik belagern sie die Stadt. |
| 15. Juli 1099<p><strong><em>Jerusalem</em></strong> * Die Kreuzfahrer können Jerusalem erobern. Damit haben die Pilger endlich den Ort der Verheißung erreicht. Die ganze Zeit ist ihnen von den Predigern versprochen worden, hier wäre das Land, in dem Milch und Honig fließen. Bisher haben die meisten Kreuzfahrer gehungert. Über 100.000 Pilger haben sich ins Heilige Land aufgemacht; kaum 20.000 sind dort angekommen. </p> <p>Da die Kleriker die Eroberung einer muslimischen Stadt durch Christen für etwas Selbstverständliches halten, empfinden sie es folgerichtig als Unrecht, wenn die Muslime ihr Eigentum verteidigen. Wie aber die Christen reagieren, möglicherweise aufgeputscht von den Propaganda-Lügen über die von den Muslims angeblich geschändeten und entweihten Kirchen, ist grausam und unverzeihlich. Die anwesenden Chronisten beschreiben unvorstellbare Szenarien.</p> <p>Raimund von Aguilers schreibt: <em>„Wir kamen zum Tempel Salomons, wo sie ihren Ritus und ihre Gesänge pflegten. Aber was geschah dort? Wenn ich die Wahrheit sage, wird man mir es nicht glauben. Es mag genügen, dass sie im Tempel Salomons und im Vorhof bis zu den Knien und den Zügeln ihrer Pferde im Blut ritten. Wahrlich ein gerechtes Gericht, dass der Ort das Blut derjenigen empfing, deren Gotteslästerung er so lange erdulden musste.“</em></p> <p>Die byzantinische Chronistin Anna Comnena notiert: <em>„Viele Sarazenen und Juden in der Stadt wurden abgeschlachtet.“ </em></p> |
| 22. Juli 1099<p><strong><em>Jerusalem</em></strong> * Eine Woche nachdem die Kreuzfahrer das Heilige Grab mit blutbesudelten Händen aus der <em>„Macht der Heiden“</em> befreit haben, wählen sie Gottfried von Bouillon zum Herrscher von Jerusalem.</p> |
| 11. August 1099<p><strong><em>Askalon</em></strong> * Die Kreuzfahrer besiegen ein großes ägyptisches Entsatzheer nahe Askalon.</p> |
1100
| 18. Juli 1100<p><strong><em>Jerusalem</em></strong> * Gottfried von Bouillon stirbt. Sein Nachfolger als König von Jerusalem wird Balduin von Boulogne.</p> |
1101
| 17. Mai 1101 Caesarea * Die Kreuzfahrer erobern Caesarea. Die alte Römerstadt wird zum Sitz eines weltlichen Herrn und eines Bischofs. |
1103
| 6. Januar 1103 Mainz * Mit dem durch Kaiser Heinrich IV. verkündeten Reichslandfrieden stehen alle Juden unter dem persönlichen Schutz des Kaisers. Das bedeutet aber, dass sie ab sofort keine Waffen mehr tragen dürfen und darauf angewiesen sind, sich von des Kaisers Truppen beschützen zu lassen. Das Gesetz begründet
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1104
| 1104 Israel * Hugo von Payns ist ein Herr aus dem mittleren Adel und stammt aus der Champagne. Seine Spuren sind nur sehr rar gestreut, weshalb sich seine Teilnahme am Ersten Kreuzzug nicht mit Sicherheit bestätigen lässt. Tatsache ist aber, dass er sich anno 1104 auf den Weg zu einer Pilgerfahrt ins Land der Heiligkeit macht und Graf Hugo von der Champagne begleitet. |
1118
| 1118 Jerusalem * Balduin II. von Boulogne wird Herrscher von Jerusalem. |
1122
| 1122<p><strong><em>Jerusalem</em></strong> * Kaiser Friedrich II. ermahnt die Tempelherren, den Angehörigen des aufstrebenden Deutschherren-Ordens wegen des Tragens ihrer weißen Ordensmäntel keine Schwierigkeiten zu machen.</p> |
1126
| 1126<p><strong><em>Jerusalem</em></strong> * Graf Hugo von der Champagne tritt dem Templer-Ritterorden bei - und damit beginnen die Schenkungen zu strömen.</p> |
1129
| 13. Januar 1129 Troyes * Hugo von Payns nimmt am Konzil von Troyes teil, auf dem der Templer-Orden eine feste Regel erhält. Anschließend kehrt der Großmeister mit dreihundert Rittern aus den edelsten Familien Frankreichs und gewaltigen Geldmitteln in das Heilige Land zurück. Die Templer werden so das erste stehende Heer des Mittelalters. |
1136
| 24. Mai 1136 Frankreich * Spätestens seit dem Tod Hugo von Payns und der zwischenzeitlich erfolgten explosionsartigen Ausbreitung der jungen Ordensgemeinschaft der Tempelherren ist eine Überarbeitung der Statuten notwendig geworden. |
1144
| 25. Dezember 1144 Edessa * Dem kometenhaften Aufstieg der Templer im Osten und der erfolgreichen Tätigkeit im Westen folgt ein langsamer, sich immer mehr beschleunigender Niedergang des Ritterordens. Er beginnt am Weihnachtsabend des Jahres 1144, als der islamische Herrscher von Aleppo und Mosul, Imad al-Din Zengi, Edessa erobert. 278 Templer fallen während der Kampfhandlungen. In der islamischen Welt wird die Eroberung Edessas als Triumph im Glaubenskrieg gefeiert. Immerhin war die Stadt seit dem Jahr 1098 in den Händen der Lateinischen Christen. |
1153
| 20. April 1153<p><strong><em>Clairvaux bei Lyon</em></strong> * Bernhard von Clairvaux, der Chefideologe der Templer und des Ordens der Zisterzienser, stirbt, ohne einen weiteren Kreuzzug in die Wege geleitet zu haben. Dennoch hat mindestens eine seiner Parolen für die kommenden Generationen von Kreuzfahrern über viele Jahrhunderte hinweg Bestand.</p> <ul> <li>Diese lautet: <em>„Vollständige Ausrottung der Heiden oder sichere Bekehrung“</em>. Vor diese Alternative - <em>„Tod oder Taufe“</em> - stellen die Kolonisatoren die Bevölkerung der von ihnen eroberten Kontinente. </li> </ul> <p>Der Verfasser dieser Ideologie wird nur einundzwanzig Jahre nach seinem Tod heiliggesprochen.</p> |
1164
| 1164 Untergiesing * Die „Giesinger Mühle“ wird an das „Prämonstratenser-Kloster Schäftlarn“ geschenkt. Sie bleibt bis zur „Säkularisation“ - mit kurzen Unterbrechungen - im Eigentum des „Klosters Schäftlarn“, das die Mühle zum „Leibgeding“ verpachtet. |
1174
| 1174 Rom-Vatikan * Bernhard von Clairvaux wird heilig gesprochen. |
1177
| November 1177 Montgisard * An dem Sieg der „Kreuzfahrer“ vor Montgisard sind die „Tempelherren“ beteiligt. |
1179
| 1179 Rom-Vatikan * Papst Alexander III. sieht sich veranlasst, die „Templer“ und die „Johanniter“ zu einem Friedensschluss zu bewegen. |
1184
| 1184 Nazareth * Die „Templer“ stellen sich mit 150 „Ordensrittern“ bei Nazareth der 7.000 Mann starken Armee des „Sultans“ Saladin in den Weg - und werden aufgerieben. |
1191
| 1191 Zypern * Trotz aller Rückschläge und Niederlagen bleiben die „Tempelherren“ reich, privilegiert und versuchen in immer neuen Vorstößen an einen eigenen „Ordensstaat“ zu kommen. Anno 1191 kaufen sie König Richard Löwenherz das von diesem eroberte „Zypern“ um 100.000 „Goldbyzantiner“ ab. So verfügen am Ende die „Johanniter“ und der „Deutsche Orden“ über einen eigenen Staat, nicht aber die „Tempelherren“. |
1231
| 1231 Rom-Lateran * Die „Inquisition“ wird durch den Papst den Bettelorden der „Dominikaner“ und „Franziskaner“ anvertraut. |
1235
| 1235 Naher Osten * Die „Templer“ und die „Johanniter“ geraten wegen einiger Mühlen im „Heiligen Land“ heftig aneinander. |
| 1235 Rom-Lateran * Die „Folter“ wird mit dem Ziel eingerichtet, um die „Häresie“ [„Ketzerei“] auszurotten. Sie wird damals den „Bettelorden“ anvertraut, den „Franziskanern“ und vor allem den „Dominikanern“, deren Berufung der „Kampf gegen die Häresie“ ist. |
1241
| 1241 Liegnitz * Angehörige des „Templer-Ordens“ kämpfen zwischen polnischen Rittern und schlesischen Edelleuten bei Liegnitz. Alle „Ordensritter“ werden fallen. |
1244
| 1244 La Forbie * Eine Niederlage bei La Forbie in Palästina kostet dem „Templer-Orden“ dreihundert Tote. Nur dreiunddreißig „Ritter“ überleben. |
1250
| 1250 Mansura * Die „Templer“ zeichnen sich bei Kämpfen um Mansura aus. Hinterher haben sie 280 Gefallene zu beklagen. |
1252
| 1252 Rom-Lateran * Papst Innozenz IV. sieht in der Bulle „Ad extirpendam“ die „Folter“ ausdrücklich als Mittel vor, um in Fällen der „Häresie“ die Wahrheit ans Licht zu bringen. |
1253
| 1253 Rom-Lateran - Deutschland * In Deutschland entdeckt man eine ketzerische Teufelsanbetung, deren charakteristischen Züge Papst Gregor IX. beschreibt: Man findet hier
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1259
| 1259<p><strong><em>Akkon</em></strong> * In Akkon kommt es zu einer Straßenschlacht zwischen Templern und Johannitern mit Einsatz von Waffen. Das Abendland ist entsetzt und fordert die Zusammenlegung der beiden so ähnlichen Orden. Selbst das Konzil von Lyon beschäftigt sich mit dem Vorgang.</p> |
1265
| 1265 Viterbo * Papst Clemens IV. bestätigt ausdrücklich die Anwendung der „Folter“. |
1291
| 5. April 1291 Akkon * Beginn der Belagerung von Akkon. |
| 18. Mai 1291 Akkon * Akkon wird nach mehreren Wochen der Verteidigung von den Muslimen erobert. Die Templer leisten aus ihrem turmartigen Haus weiterhin Widerstand. Als jedoch die Situation für die Verteidiger immer aussichtsloser wird, verspricht ihnen Sultan al-Aschraf Halil den freien Abzug. Kaum haben die Ordensritter den Turm verlassen, stürzen sich die Angreifer auf sie, nehmen sie fest und schlagen ihnen die Köpfe ab. Als die sich noch im Turm befindlichen, aber verwundeten Tempelherren dies bemerken, setzen sie sich mit letzter Kraft wieder zur Wehr. Daraufhin beginnen die Belagerer mit dem Unterminieren des Turmes. |
| 28. Mai 1291 Akkon * Der von den Islamisten unterminierte Turm in Akkon stürzt ein und begräbt die Templer sowie viele Angreifer unter sich. Circa dreihundert Ordensritter verlieren dabei ihr Leben. Sehr viel mehr sind auch nicht im Einsatz. Der Großmeister der Templer zieht sich auf die Insel Zypern zurück. Durch eine Serie von Niederlagen hat der einstmals vortreffliche Ruf des Ordens stark gelitten. |
| Nach Juni 1291<p><strong><em>Akkon - Zypern</em></strong> * Nachdem auch Akkon, dieser letzte befestigte Platz des Königreichs fällt, wird der Sitz der Zentralregierung nach Zypern verlegt. Der Ordenssitz der Templer bleibt aber immer im Orient, oder wie die Tempel-Ordensherren sagten: <em>„Diesseits des Meeres.“</em></p> <p>Es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bis ihre Gegner laut vernehmbar an die Öffentlichkeit treten und den Tempelherren die vielen wirtschaftlichen Aktivitäten, ihren Reichtum und ihre Privilegien, ihre Macht und ihren Einfluss neiden.</p> <ul> <li>So sind die Bischöfe über die direkte Unterstellung der Tempelherren unter den Heiligen Stuhl verärgert,</li> <li>Geschäftsleute beschweren sich über die angeblichen Beeinträchtigungen ihrer Handelsrechte durch die Ordensmänner und</li> <li>der Weltklerus muss ohnmächtig zusehen, wie die Tempelherren in ihren Pfarreien umfassende Kollekten organisieren und dadurch örtliche Projekte leiden müssen.</li> <li>Die anderen Ritterorden, ganz besonders die Johanniter, neiden den Tempelrittern ihre nahezu uneingeschränkten Finanzmittel.</li> <li>Und selbst weil der Großmeister der Templer Vortritt gegenüber dem Johanniter-Großmeister hat, kommt es zu weitreichenden Rivalitäten.</li> </ul> <p>Aus den Neidern werden Feinde, die Material für kommende Auseinandersetzungen sammeln.<br /> Und das wird den Tempel-Rittern dann gefährlich, als sich ein machtvoller politischer Wille gegen sie wendet.</p> <p>Wie in den heutigen politischen Auseinandersetzungen, so werden auch damals Einzelfälle aufgebauscht, ausgeschlachtet und zu wahren Horrorgeschichten ausgebaut. Freilich findet man unter den. Tempel-Rittern einen Trunksüchtigen, einen Sodomistischen, einen Homosexuellen, einen Jähzornigen oder einen glaubensmäßig Unsicheren.</p> |
1303
| 1303 Aragon * Der König von Aragon gibt seine „Kronjuwelen“ der „Templerburg Monzon“ zur sicheren Aufbewahrung. Der König, seine Familie, seine Beamten, Kaufleute und verschiedene Seigneurs zählen - neben den „Würdenträgern der Tempelherren“ - zum Kundenstamm der „Templer-Banken“. Der sich immer in Geldnöten befindende französische König will sich das riesige Vermögen des „Tempelordens“ sichern, obwohl es gerade der „Tempelorden“ war, der immer wieder den französischen Staat vor dem Staatsbankrott gerettet hat. |
1304
| 1304 Paris * Die Missgunst steigert sich immer mehr, nachdem der „Templer-Orden“ ganz offiziell den „Kampf gegen die Heiden“ aufgibt, der „Großmeister“ sich ins damals schon als flott bekannte Paris zurückzieht und viele „Tempelherren“ in ihrer Heimat, vor allem in Frankreich, wichtige Positionen bekleiden - allerdings ohne der französischen Krone Rechenschaft schuldig zu sein. Die reichen und arroganten „Templer“, dieser „Staat im Staat“, stört den französischen König Philipp IV., den man „den Schönen“ nennt. Er ist ein durchaus tüchtiger Herrscher, der etwas von der Macht versteht und deshalb weis, dass es „Macht ohne Geld“ nicht gibt. Doch gegen die gut ausgebildeten und disziplinierten „Templer“ hat selbst der französische König militärisch nichts entgegenzusetzen. |
1305
| 1305 Paris * Besorgniserregende Gerüchte über die „Templer“ tauchen auf. Es geht dabei um „Ketzerei, Götzenkult und Sodomie“. |
| 5. Juni 1305 Avignon * Frankreichs König Philipp IV. gelingt es, seinen Wunschkandidaten Bertrand de Got, den Erzbischof von Bordeaux, durch ein französisch dominiertes Kardinalskollegium, auf den Papstthron zu setzen. Der neue Pontifex maximus Clemens V. lässt sich nicht nur außerhalb Roms krönen, sondern residiert dauerhaft in Avignon. Das bedeutete eine Abkehr vom päpstlichen Universalismus. Denn während der Papst in Rom und dem Kirchenstaat einigermaßen autonom ist, besitzt er um Avignon herum nur wenig Ländereien, die zudem vollständig vom französischen Staatsgebiet umschlossen sind. Das Papsttum gerät damit in Abhängigkeit zur französischen Krone. Der Papst verliert seine überparteiliche Autorität. |
1307
| Um Januar 1307 Paris * Die Denunziationen gegen die „Tempelherren“ werden zur Anklage aufgebauscht. Von Seiten des französischen Königs Philipp IV. wird ein Verfahren wird eröffnet. |
| Juni 1307 Paris * Der „Templer-Ritterordensmeister“ Jakob von Molay beruft ein „Ordenskapitel“ nach Paris ein. Dort diskutiert man über die verbreiteten Gerüchte. |
| August 1307 Avignon * Papst Clemens V. will die „Johanniter“ und die „Templer“ vereinen. Der Versuch scheitert jedoch. |
| 24. August 1307 Avaginon * Papst Clemens V. ordnet von sich aus eine Untersuchung gegen die Templer an. Aus Angst, dass sich dadurch die Untersuchung verzögern oder im schlimmsten Fall sogar mit einem Freispruch enden könnte, nimmt die königliche Polizei die Sache selbst in die Hand und schafft damit vollendete Tatsachen. |
| 13. Oktober 1307 Paris * Zur Überraschung von Papst Clemens V. werden im Morgengrauen - gleichzeitig in ganz Frankreich - die Templer verhaftet, ihre Güter beschlagnahmt und die Ordenshäuser unter königliche Aufsicht gestellt. Der Überraschungscoup gelingt und es gibt keinen militärischen Widerstand der Tempelritter. Trotzdem kann der Großmeister der Tempelherren, Jacques de Molay, noch kurz vor der Massenverhaftung Bücher und Dokumente des Ordens verbrennen. Die Zahl der Verhaftungen lässt sich nur schwer abschätzen. In Paris gibt es 138 Festnahmen. Lediglich zwölf bis zwanzig Ordensritter können vor der Razzia fliehen, darunter nur ein hoher Würdenträger. Der Brief von König Philipp IV., datiert vom 14. September [Tag der Kreuzerhebung], hat den folgenden Inhalt:
Und weiter heißt es:
Zur Aufdeckung der Wahrheit werden „ausnahmslos alle Mitglieder des selbigen Ordens unseres Königreichs festgenommen, gefangengehalten und dem Urteil der Kirche vorbehalten“. Alle ihre Güter, „bewegliche und unbewegliche“, werden „beschlagnahmt, von uns eingezogen und getreu verwahrt werden“. |
| 14. Oktober 1307 Paris * Ein Manifest wird veröffentlicht, das die Verbrechen der Templer beinhaltet:
Nach bis heute durchaus geläufigen Methoden konstruiert König Philipp IV. ein Anklagegebäude, dessen Vorwürfe er durch unter der Folter erpresste Geständnisse erhärtet. Im Templerprozess lässt Philipp IV. durch den französischen Generalinquisitor Anklage auf Häresie und Blasphemie gegen den Orden erheben, wobei in der Regel die Geständnisse der zahlreich angeklagten Ordensmitglieder unter der Folter erpresst werden. |
| 16. Oktober 1307 Paris * Frankreichs König Philipp IV. informiert die europäischen Herrscher über die Operation Templer und fordert sie umgehend zum Handeln im Sinne seiner Politik der vollendeten Tatsachen auf. Zur Untermauerung enthält das königliche Schreiben die gegen die Tempelherren erhobenen Vorwürfe:
Und weiter schreibt der König:
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| Um den 20. Oktober 1307 Paris * Die Verhöre der verhafteten Templer beginnen. |
| 24. Oktober 1307 Paris * Der Großmeister des Templerordens, Jakob von Molay, bestätigt die Erklärungen des Präzeptors der Normandie, Gottfried von Charneys, und des Generalvisitors der Templer, Hugo von Pairauds. Darin haben sie und rund 230 Tempelherren - unter der Folter - zugegeben,
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| 27. Oktober 1307 Avignon * Papst Clemens V., der ja eigentlich die direkte Gerichtsgewalt über die Templer hat, zeigt sich lediglich gekränkt und schreibt: „Euer überstürztes Vorgehen ist eine Beleidigung gegen Uns und die römische Kirche.“ Gleichzeitig protestiert er gegen den Gebrauch der Folter. |
| 30. Oktober 1307 London - Paris * König Eduard II. von England antwortet dem Regenten der Franzosen, König Philipp IV., er glaube kein Wort von den gegen die Templer erhobenen Vorwürfe. |
| Dezember 1307 Paris * Der „Großmeister der Templer“, Jacques de Molay, und die anderen „Templer-Würdenträger“ widerrufen ihr Geständnis vor zwei vom Papst entsandten Bischöfen und begründeten dieses mit ihrer Angst vor der Folter. |
1308
| Februar 1308 Avignon - Paris * Der Papst, der inzwischen von der Unschuld der „Tempelherren“ überzeugt ist, suspendiert die Vollmachten der „Inquisitoren“. Die inhaftierten „Templer“ bleiben allerdings in den Gefängnissen des Königs. |
| März 1308 Paris - Avignon * Frankreichs König Philipp IV. überhäuft den Papst mit Drohungen, lässt ihn der „Häresie“ bezichtigen und schickt ihm gleichzeitig ausgewählte „Tempelherren“, die ihre früheren Geständnisse wiederholen. |
| Mai 1308 Poitiers * Papst Clemens V. wird bei der Zusammenkunft in Poitiers endgültig der Wille zum Widerstand genommen. Mit den führenden „Templern“, Jacques de Molay und Hugues de Pairaud, die in Chinon inhaftiert sind, trifft der „Pontifex maximus“ nie zusammen, weshalb sie ihm auch nie ihre Sicht der Dinge erklären können. Deshalb beginnt der Papst allmählich selbst an der Unschuld der „Tempelherren“ zu zweifeln und hebt die „Suspension der Inquisitoren“ wieder auf. |
1309
| Ab 8. August 1309 Paris * Die päpstliche Kommission nimmt in Paris ihre Arbeit auf und verhört insgesamt 546 Templer, die aus dem ganzen Königreich Frankreich kommen. |
1310
| 1310 Paris * Vier Vertreter des „Templer-Ordens“ sagen vor der „Päpstlichen Kommission“ aus: Man habe „außerhalb des französischen Königreichs, auf der ganzen Welt keinen einzigen Templerbruder gefunden, der diese Lügen sagt oder gesagt hat, woraus man recht deutlich den Grund ersieht, weshalb diese Lügen im französischen Königreich ausgesprochen werden: weil diejenigen, die sie gesagt haben, durch Furcht, Gebete oder Geld korrumpiert waren“. |
1311
| 1311 Avignon * Papst Clemens V. befiehlt, dass die „Templer“ dort, wo dies noch nicht geschehen ist, der „Folter“ zu unterziehen sind. Das ist die Iberische Halbinsel, Norditalien, Deutschland und England. |
| 16. Oktober 1311 Vienne * Auf dem Konzil zu Vienne wird der Templerorden aufgehoben. Gleichzeitig entscheidet das Konzil aber auch, dass die Templer der ihnen vorgeworfenen Häresie und Blasphemie nicht überführt sind. Bis dahin geht der König rücksichtslos gegen die Templer vor. Geständnisse werden durch die Folter erzwungen und der Widerruf durch Verbrennen geahndet. Trotzdem sterben viele Templer lieber im Feuer, als ihren Widerruf zurückzuziehen. |
1312
| 22. März 1312 Avignon * Ungeachtet der Konzilsmeinung hebt Papst Clemens V. den „Templerorden“ durch die Bulle „Vox in excelso“ auf. In der Begründung heißt es, dass allein schon durch den nunmehr schlechten Ruf des Ordens eine derartige Maßnahme notwendig sei, um weiteren Schaden von der Gesamtkirche abzuwenden. Anschließend übereignet der Papst durch die Bulle „Ad providam“ die Güter des Ordens den „Johannitern“. In Deutschland übernimmt der „Deutschherrenorden“ den „Templer-Reichtum“ für sich. Doch der Vollzug dieser Anordnung geht nur langsam vonstatten, und in Frankreich eignet sich König Philipp den größten Teil des verfügbaren Besitzes an, da er für die Abwicklung des Prozesses entsprechende Rechnungen stellt. |
1313
| 1313 Untergiesing * Die „Giesinger Mühle“ liefert jährlich „11 Metzen Getreide, 30 Pfennig Regensburger Währung, 100 Eier und 10 Käse“ an das „Kloster Schäftlarn“. Wann der „Schrafnagel-Müller“ die Mühle seinen Besitz nennen kann, ist ungeklärt. |
1314
| 18. März 1314<p><strong><em>Avignon - Paris</em></strong> * Die Verfügungsgewalt über die höchsten Würdenträger des Templer-Ordens hat sich der Papst vorbehalten. Sie werden von einem Kardinalskollegium zu lebenslanger Haft verurteilt. Zwei von ihnen, der Großmeister Jacques de Molay und der Praeceptor der Normandie, Geoffroy de Charnay, pochen auf ihre Unschuld und lehnen das Urteil ab.</p> <p>Jacques de Molay und Geoffroy de Charnay werden - ohne Rücksicht auf den Papst - noch am gleichen Tag auf der Ile de la Cité in Paris verbrannt. Der letzte Templer-Großmeister soll den Papst und den König noch auf dem Scheiterhaufen verflucht haben, weshalb Clemens V. später <em>„der verfluchte Papst“</em> genannt wird. Der Templer-Prozess ist bis heute einer der ganz großen Justizskandale geblieben. Dem Templer-Orden wurde bis zum heutigen Tage keine Genugtuung erteilt.</p> <p>Das Hauptziel der Verfolgung der Tempelherren durch König Philipp <em>„dem Schönen“</em>, sich das bewegliche Vermögen des Ritterordens anzueignen, war allerdings gescheitert. Der sagenhafte Schatz der Templer wird nie gefunden, sein Verbleib nie geklärt. Das bildet wiederum die Grundlage für eine Vielzahl von Spekulationen. Und kein Orden bot so viel Anlass zu Spekulationen wie der der Templer.</p> <p>Durch ihr Engagement im Heiligen Land kamen die Tempelritter mit Traditionen der jüdischen Welt, des Islam und nicht zuletzt der Antike in Berührung, die ihren mittelalterlichen Horizont enorm erweiterten. Ihre beachtlichen Erfolge auf technischem und finanziellem Gebiet lassen sich darauf zurückführen. Sie entwickelten ein eigenes Weltbild, das höchstwahrscheinlich als Fernziel die Vereinigung der monotheistischen Religionen anstrebte. </p> <p>Gleichzeitig musste der Ritter-Orden erkennen, dass sein neu erworbenes Wissen für das abergläubische mittelalterliche Europa noch nicht nachvollziehbar war und deshalb Schwierigkeiten heraufbeschwören musste. So wurde vieles geheim gehalten, und aus diesen Geheimnissen entstanden sowohl die „Arroganz der Wissenden“ als auch viele Legenden.</p> |
| Nach April 1314 Paris * Wirklich aufgehoben wird der „Orden der Tempel-Ritter“ nur in Frankreich. In Aragón werden sie ähnlich wie in Frankreich behandelt, in England ergreift King Edward II. zunächst die Partei des Ordens und schwenkt später - nur widerwillig - auf die päpstlich-französische Linie ein, sodass die „Tempelritter“ der Verfolgung größtenteils entgehen. In Schottland wird die „päpstliche Bulle“ nie verkündet, weshalb der „Templerorden“ dort ungehindert fortleben kann. Im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ findet eine Verfolgung der „Templer“ nicht statt. Sie schließen sich nach der offiziellen Auflösung des „Ordens“ den „Johannitern“ oder dem „Deutschen Orden“ an. |
| 20. April 1314<p><strong><em>Roquemaure</em></strong> * Der <em>„verfluchte Papst“</em> Clemens V. stirbt im Jahr der Ermordung der Tempelherren in Roquemaure in Frankreich.</p> |
| 29. Dezember 1314 Frankreich * Frankreichs König Philipp IV., der sich bei der Verfolgung der Templer hervorgetan hat, stirbt. |
1318
| 1318 Portugal * In Portugal werden die „Tempel-Ritter“ durch einen Untersuchungsausschuss von jedem Verdacht freigesprochen. Sie ändern ihren Ordensnamen in „Christusorden“. Dieser widmet sich in der Folgezeit der Seefahrt und hat so berühmte Mitglieder wie Vasco da Gama und Heinrich den Seefahrer. |
1330
| 1330 Au * Die Münchner bauen in der Höhe der heutigen Marienklausenbrücke ein Wehr in die Isar, um damit das Flusswasser für die Festungsgräber, die Mühlen, die Floßlände und die Holztrift zur Stadt hin aufstauen zu können. Dadurch entsteht zwischen der Isar und dem Hochufer ein Streifen Trockenland - die Au. |
1443
| 1443 Untergiesing * Der Müller Oswalt Rueshaimer ist im Besitz der „Giesinger Mühle“ „für drei Leben“, was soviel bedeutete, wie für die Lebenszeit von drei Familienangehörigen, hier: Vater, Mutter, Kind. |
1511
| Wahrscheinlich 1511 Au * Herzog Wilhelm IV. lässt in der Au ein Jagdschoss erbauen, das spätere „Schloss Neudeck“. |
1515
| Ab 1515 Untergiesing * Der Müller Kunz Hochstetter ist Besitzer der „Giesinger Mühle“. |
1530
| 1530 Untergiesing * Die Familie Rampoger besitzt die „Giesinger Mühle“. |
1555
| 1555 Au * Die „Riegermühle“ wird durch Herzog Albrecht V. neu erbaut. |
| 29. Oktober 1555 Au * In einem Lehensbrief wird die Übergabe der Mühle in der Au an Melchiors Sohn, Ulrich Diefstetter, beschrieben. „Von gottes genaden Wir Albrecht Pfalenzgraue bei Rhein, Hertzog in Obern und Nidern Bairn Bekennen mit dem offen brief, Das Wir Ulrichen Diefsteter Klingenschmid dem Mullschlag Ihenhalb [jenseits] der Iser an dem Rain auf dem pach zwischen der Mull Neideckh vnnd der Yserbrukchen, darauf yetzt ain Plathamer vnnd Schleifmull stet, mit sambt den Wasserflussen daselbey, in vnnserm Lanndgericht Wolfertzhausen gelegen, [...] zur rechten lehen verliehen haben, vnnd verleihen Ime solches alles vnnd yedes mit seinen erenrechten gerechtigkaiten ein vnnd zuegehorungen hiemit wissentlich vnnd crafft ditz briefs [...].“ |
1597
| 1597 Untergiesing * Hanns Spätt ist Müller auf der „Giesinger Mühle“. |
1631
| 1631 Untergiesing * Hans Spätts Sohn Georg betreibt die „Giesinger Mühle“. |
1635
| 1635 Untergiesing * Vater und Sohn Schmid besitzen die „Giesinger Mühle“. Diesen folgen bis zum Jahr 1800 die Familien der Streicher, Brand und Loiblmayer. |
1690
| 1690 Au * Die Münchner Bäcker errichten - sehr zum Ärger der Auer Bäcker - ein „Brothäusl“ auf dem innerhalb des „Münchner Burgfriedens“ gelegenen Gasteigbergs. |
1705
| 1705 Schottland - Portugal - Norditalien * Da der „Templerorden“ in Schottland, Portugal und Norditalien nie offiziell aufgelöst wird, kann er sich als „militärisch-christlicher Laienritterorden“ neu formieren und die „Ordensstatuten“ neu verabschieden. |
1710
| 23. Januar 1710 Meißen * Kurfürst August der Starke von Sachsen und König von Polen gründet Europas erste Manufaktur für Hartporzellan, nachdem es dem Alchymisten Johann Friedrich Böttger im Jahr zuvor gelungen war, erstmals Porzellan herzustellen. |
1724
| 18. August 1724 Au * Johann Georg Messerer erhält die Weißbiergerechtigkeit und bald darauf auch die Braunbier- und Branntwein-Ausschank-Gerechtigkeit. Messerer muss viel Geld in den Umbau des Hauses und die Urbarmachung seiner Gründe investieren. Die Falkenau ist noch zu Beginn des 18. Jahrhunderts eine Isarau. Auch einige Häuser sind entstanden. Da aber Herzog Ferdinand Maria Innocenz, der Bruder des Kurfürsten Carl Albrecht, um das Jahr 1730 die Falkenau zur Hühnerjagd nutzen will, dürfen auf den öden Gründen keine weiteren Häuser errichtet werden. Man überlegt sogar, die vorhandenen Tagwerkerhäuser abzutragen, „weil in den Gebüsch der Auen allerhandt herrnlose Pursch und zimblich ybl renomiertes Angesindl zu großer Beschwerdte vnd besorglichen Unhäyls der ganzen Nachbarschaft“ sich aufhält. |
1729
| 1729 München * Kurfürst Carl Albrecht stellt den Dresdner „Glas- und Spiegelmacher“ Elias Vater an, weil dieser behauptet, er könne Porzellan herstellen. Wie sich bald herausstellt, ist Vater aber nur ein Hochstapler. |
1747
| 1. November 1747 Au * Im ehemaligen Hofmarkschloss Neudeck beginnt der Münchner Hafnermeister Franz Ignatz Niedermayer mit der Herstellung von Hartporzellan. Er kommt aber über feine Hafnerware nicht hinaus. Das Datum gilt trotzdem als Gründungsdatum der Nymphenburger Porzellanmanufaktur. |
1753
| September 1753 Au * Joseph Jakob Ringler aus der Wiener „Kaiserlichen Porzellanmanufaktur“ kommt in die Au. Er kennt die richtige Zusammensetzung der Rohporzellanmasse und versteht etwas vom Bau der Brennöfen. |
1760
| Um 1760 Untergiesing * Der „Hofbankier“ und „Kommerzienrat“ Franz Anton von Pilgram erweitert seine Grundstücke durch weitere Zukäufe. Er baut auf seinem Grund - „am Weg nach Harlaching“ - ein Schlösschen mit einer herrlichen Gartenanlage und beantragt anschließend beim Kurfürsten Carl Theodor die Erhöhung seines Hauses zu einem „Edelsitz“. In seinem Antrag führt der „Hofbankier“ aus, dass er ein „nächst Obergiesing nahe der Isar liegendes, dem Revier Ehre machendes und denen Baulauten zu Gutem gediehenes Gebäude und Garten in einem Umfang von 5 - 6 Tagwerk“ besitzt, worauf er „bei seinen treibenden konfiderablen Geschäften ein und andere Täge mit Beschaulichkeit des nützlichen Landlebens verbringe und welchen Besitz er seinen Erben als ehrendes Andenken hinterlassen möchte“. Dann folgt die Bitte, dem bestehenden und durch Zukäufe noch zu erweiternden Besitz zum „Adelssitz Pilgramsheim“ zu erheben. |
1763
| 18. April 1763<p><strong><em>München-Nymphenburg - Neuhausen</em></strong> * Franz Anton Bustelli stirbt im Alter von 40 Jahren. Er wird am Friedhof an der Winthirstraße beigesetzt.</p> |
1765
| 1765 Schloss Nymphenburg * Die „Nymphenburger Porzellanmanufaktur“ beschäftigt 187 Personen. |
1803
| 1803 Untergiesing * Mit der „Säkularisation“ und der damit verbundenen Klosterauflösung wird der „Kurfürstentum Baiern“ Eigentümer der „Giesinger Mühle“. |
| 5. September 1803 Au * Das Landgericht München bezieht die Räume im ehemaligen Kloster Lilienberg. Es umfasst neben den Orten des Gerichts ob der Au das Amt Perlach vom Landgericht Wolfratshausen, das Gebiet Neuhausen vom Landgericht Dachau, die Gebiete Gauting und Germering aus dem Landgericht Starnberg sowie Fröttmaning und Garching aus dem Landgericht Kranzberg. Dazu die Orte Ismaning, Ober- und Unterföhring, Daglfing und Englschalking aus dem kurz zuvor staatlich eigenständigen Fürstbistum Freising. |
1825
| 11. September 1825 München-Kreuzviertel - Königreich Baiern * Als drittes Gesetz wird zu den Bestimmungen über Heimat, Ansässigmachung und Verehelichung noch das Gesetz über das Gewerbewesen beschlossen, um „die Hindernisse des Kunstfleißes zu beseitigen“ und „die Ausbildung in den Gewerben zu befördern“. Während die Fabrikbesitzer die völlige Gewerbefreiheit fordern, wollen die Vertreter des Handwerks letztlich die bestehende Zunftverfassung behalten und sogar noch erweitern. Die Ständeversammlung beschließt einen Kompromiss, in dem ein Konzessionssystem im Mittelpunkt steht. Danach ist die Ausübung eines Gewerbes von der Erteilung einer Gewerbekonzession abhängig. Diese wird von der staatlichen Polizeibehörde erstellt. Sie darf nicht versagt werden, wenn
Die bestehenden Realrechte, worunter man die Verkäuflichkeit und Vererbbarkeit des Handwerks versteht, bleiben von dieser Reform ebenso wie die radizierten Gewerbe unberührt. |
1827
| 1827<p><strong><em>München</em></strong> * In München gibt es drei öffentliche Aborte. Sie befinden sich an den Stadtbächen und sind einfache Bretterverschläge. Die Entsorgung der Ausscheidungen erfolgt in den nahegelegenen Bach, der später in die Isar mündet. </p> |
1866
| 21. August 1866 München-Englischer Garten * Der Zoo des Kaufmanns Benedikt Benedikt am Westrand des Englischen Gartens ist nach drei Jahren schon wieder bankrott. Die Versteigerung des auf 118.000 Gulden geschätzten Geländes wird anberaumt, doch es findet sich kein Käufer. Das Gelände übernimmt die Stadt, die Wirtschaftsgebäude werden für den Betrieb eines Kaffeehauses verpachtet. |
1871
| 1871 München-Untergiesing * Die Untergiesinger Lederfabrik ist zu einem der bedeutendsten Unternehmen Münchens aufgestiegen. |
1873
| Ab 1873 München * Dritte „Cholera-Epidemie“ bricht in München aus. Sie führt zur Umsetzung der von Professor Max von Pettenkofer vorgeschlagenen hygienischen Maßnahmen der Stadtsanierung:
Damit wird München, als eine der schmutzigsten Städte die „sauberste Stadt Europas“. |
1880
| 30. Juli 1880 München-Au * Die Gesellschaft für Lindes Eismaschinen, Wiesbaden, kauft die Spießmühle in der Au mit den dazugehörigen Wasserechten. |
1881
| 1881 München-Au * Installation der Wasserturbine und der Linde-Kälteanlage für das Eiswerk mit einer Leistung von 80 Tonnen Blockeis am Tag. |
1900
| Um 1900 München * Der durchschnittliche Stundenlohn für eine Speisträgerin, ein sogenanntes Mörtelweib, liegt bei 22 Pfennige. Ein männlicher Mörtelträger erhält für die gleiche Arbeit 50 Pfennige in der Stunde. Die Mörtelweiber arbeiten im Akkord und bilden zu je Zweien eine Partie, die in einer Trage den Mörtel, auch Speis genannt, zu den Maurern hinaufbringen. Besonders in den Bauboom-Jahren vor der Jahrhundertwende sind die Mörtelweiber in ihren dicken, unförmigen und langen Röcken, ihren kalkzerfressenen Blusen und den straff gebundenen Kopftüchern, aus dem Münchner Stadtbild nicht wegzudenken. Den robusten und anspruchslosen Frauen und Mädchen, die für Hungerlöhne Fronarbeit leisten, ist der Aufbau Münchens in der Gründerzeit zu verdanken. Der Arbeitstag dieser Frauen beginnt um sechs Uhr früh; dabei befindet sich die Baustelle oft in der entgegengesetzten Richtung, irgendwo in Schwabing oder in Nymphenburg, was erstmals einen - zum Teil - mehrstündigen Fußmarsch - schon vor Arbeitsbeginn - bedeutet. Zur Brotzeit „gönnt“ man sich eine Halbe Bier, ein paar „Maurerloabe und einige Radi“. Mittags gibts einen Krug Bier, mehrere Scheiben Brot und „ein Fünftel warmen Leberkäs’ minderer Sorte“. Das „Nachtessen“ besteht aus Bergen von gerösteten Kartoffeln mit Zwiebeln. |
1930
| 23. August 1930 München-Untergiesing * Der Cowboy Club München Süd beteiligt sich am „Großen Kinderfest“ im Tierpark Hellabrunn. Als Motto wird ausgegeben: „Ein Tag bei den Indianern.“ |
1933
| 30. Januar 1933 Berlin * Der Tag der sogenannten Machtübernahme. Adolf Hitler wird vom Reichspräsidenten Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Er leitet eine Koalitionsregierung bestehend aus NSDAP, DNVP und Stahlhelm. |
1938
| 1938 München-Untergiesing * Neben der „Bäcker-Kunstmühle“ wird ein 4.500 Tonnen fassender Getreide-Silo errichtet. |
1945
| 8. Mai 1945 Deutschland * Der Tag der bedingungslosen Kapitulation oder Tag der Befreiung vom Nazi-Terror. Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland verloren. |
1974
| 15. August 1974 München-Untergiesing * „Der Wettbewerb unter den Mühlenbetrieben wurde in den folgenden Jahren so hart, dass die von der Einkaufs- und Liefergenossenschaft als Pächterin betriebene Mühle immer stärker in die roten Zahlen geriet“, erklärt der Obermeister der Bäckerinnung, der damalige Stadtrat Heinrich Traublinger. Jetzt flattert die schwarze Fahne auf dem Dach des traditionsreichen Mühlenbetriebs. Die Bäcker-Kunstmühle wird in diesem Jahr aufgrund eines Gesetzes „Zum Abbau von Überkapazitäten im Mühlengewerbe“ - für die Entschädigungssumme von 1,7 Millionen DMark - eingestellt. Das Grundstück wird an das Ingenieurbüro Obermayer vergeben, dass das heute an dieser Stelle stehende Bürohochhaus erbaut. |
1986
| 26. April 1986 München-Untergiesing * Ein Wasserkraftwerk an der Bäcker-Kunstmühle entsteht. Die Verhandlungen zwischen Günter Tremmel und der Landeshauptstadt München ziehen sich bereits sieben Jahre hin, bis sich schließlich die Katastrophe im Kernkraftwerk von Tschernobyl ereignet. Diese führt dazu, dass sich erstmals breite Gesellschaftsschichten mit den Gefahren der Kernkraft konfrontiert sehen. Die bislang nur in kleinen Gesprächszirkeln diskutierten Fragen nach alternativen Energie- und Technologieformen erfasst nun auch das Interesse der Öffentlichkeit und führen zum Umdenken. Nicht mehr einzelne Energieformen sind gefragt, sondern ein Mix aus einer Vielzahl von alternativen und wieder erneuerbaren Energien werden das Ziel, Forderungen nach einem Ausstieg aus der Atomkraft werden erstmals laut formuliert. |
| Oktober 1986 München-Untergiesing * Tschernobyl beschleunigt auch die zähen Verhandlungen mit der Stadt, sodass ein auf dreißig Jahre befristeter Pachtvertrag unterschrieben werden kann. |
2014
| 31. März 2014<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Der Mietvertrag des Sanitärgroßhandels im Kegelhof in der Au läuft aus. Nun kann die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG mit der Weiterentwicklung des Komplexes Kegelhof beginnen. </p> |
| 31. Juli 2014 München-Au * Das Konzept für das Großprojekt Kegelhof wird vorgestellt. Das Gebäude entlang dem Auer Mühlbach wird abgerissen und mit 27 Wohnungen für Senioren neu aufgebaut. Unter dem Gelände entsteht eine Tiefgarage. Der Gebäudekomplex am Imma-Mack-Weg wird saniert und umgebaut. Unten bezieht die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG Büros, darüber kommen elf Wohnungen. |
| 12. September 2014 München-Untergiesing * Im Tierpark Hellabrunn wird die einhundert Jahre alte Kuppel des Elefantenhauses gesprengt. Das Ammoniak im Urin der Tier hat dem byzantinischen Kuppelbau aus dem Jahr 1914 so zugesetzt, dass er bereits 2010 wegen akuter Einsturzgefahr gesperrt werden musste. Jetzt soll das Ensemble saniert und originalgetreu wieder aufgebaut werden. Dabei soll es mehr Platz für die Tiere geben. |
