Stadtteilspaziergänge

Fakten - Der Gasteig - Ein Stück Alt-München

808

12. Februar 808<p><strong><em>Haidhausen</em></strong> * Haidhausen wird erstmals urkundlich erwähnt. Der Priester Erlaperth schenkt dem Bischof von Freising eine kleine Kirche samt Haus und Hof.&nbsp;Haidhusir&nbsp;ist damals aber bereits ein fertiges Bauerndorf.</p>

1180

Um 1180

München * Die erste Isarbrücke entsteht.  

Der Verlauf der „Salzstraße“ findet sich heute in der „Einstein-“ und in der Fortsetzung in der „Inneren-Wiener-Straße“ wieder.  
Beim später entstandenen „Leprosenhaus“ führt sie über den Streckenabschnitt „Am Gasteig“ (= gacher Steig = steiler Weg) mit einem starken Gefälle hinunter zur Isar, die durch mehrere Inseln in viele Flussläufe geteilt ist. 


1213

1213

München * Die „Leprosen“ selbst - nicht das „Leprosenhaus am Gasteig“ - werden mit einer Stiftung des venezianischen Kaufmanns Berhardus Teutonikus an die „malsani de Munich“, die Leprosen Münchens, bedacht.

Das setzt eine Organisation voraus, weshalb man auch auf das Vorhandensein eines „Leprosenhauses“ schließt.


1294

19. Juni 1294

München * Im Rudolfinum, dem aus 22 Artikeln bestehenden Grundgesetz der Stadt München, bestätigt Herzog Rudolph I. der Stadt alle Rechte seiner Vorgänger. Die Stadt München bekommt die Gerichtsbarkeit mit Ausnahme der drei Fälle, die zum Tode führen.

Im Rudolfinum wird bereits der Begriff Burgfrieden als ein Bereich außerhalb der Stadtmauern formuliert, der zum Rechtskreis der Stadt gehört. Wörtlich heißt es dort: „in der stat oder darumbe, daz doch zu der stat gehöret.“ 


1315

6. Mai 1315

München * König Ludwig der Baier äußert sich zum Burgfrieden wie folgt: „in der stat und uberal in den gerichtt, daz zu derselben stat gehört“.

22. Dezember 1315

Freising * Im Auftrag des Freisinger Bischofs Konrad III. dem Sendlinger wird eine Diözesan-Beschreibung gefertigt, die sogenannte Konradinische Matrikel. 

Sie beinhaltet sämtliche fürstbischöfliche Besitzungen und zählt gleichzeitig alle Einnahmen auf. Daneben enthält sie eine präzise Diözesanbeschreibung, die alle Kirchen, Kapellen, Klöster und Friedhöfe aufführt.  

  • Nach der Konradinischen Matrikel ist das Bistum Freising in 18 Dekanate eingeteilt, die insgesamt 233 Pfarreien, 564 Filialkirchen und 22 weitere Kapellen umfassen.
  • Das rechte Isarufer gehört bis hinunter zur Menterschwaige zur Pfarrei Bogenhausen, die wiederum dem Dekanat Ismaning unterstellt ist.
  • ​Die Pfarrei Bogenhausen umfasst die Filialkirchen mit Begräbnisstätten in Haidhausen, die Leprosenkirche am Gasteig, sowie die in Giesing, Trudering, Riem, Gronsdorf, Haar und Harthausen, einer im Dreißigjährigen Krieg untergegangenen Siedlung bei der heutigen Menterschwaige.
  • Aus der Konradinischen Matrikel geht auch hervor, dass die zum Dekanat Ismaning gehörende Pfarrkirche in Baumkirchen eine Filialkirche in Pachem besitzt.  
  • In dieser Matrikel findet sich erstmals eine farbige Abbildung des Hochstiftswappen, das den Freisinger Mohr enthält. 

1316

1. Mai 1316<p><strong><em>Haidhausen</em></strong> * König Ludwig der Baier&nbsp;erlässt für die Siechen am Gasteig&nbsp;eine Hausordnung. Die Ordnung enthält unter anderem eine Vorschrift, wonach <em>„aus der ganzen Versammlung der siechen Menschen”</em> ein Hausmeister&nbsp;und eine Hausmeisterin&nbsp;benennen sind, die auf die Einhaltung der Hausordnung&nbsp;zu achten haben. Die Spital-Insassen&nbsp;müssen ihnen Gehorsam leisten.</p> <p>Übertretungen einzelner Bestimmungen haben zum Teil sehr empfindliche Strafen für die Kranken&nbsp;zur Folge.&nbsp;Disziplinierungsmittel&nbsp;sind vorgesehen. Sie reichen von Geldstrafen&nbsp;bis zu Fasten bei Wasser und Brot, dem Essen auf dem Stubenboden, der Verrichtung von vorgeschriebenen Gebeten&nbsp;- kniend auf dem Stubenboden - in Anwesenheit der anderen Spitalinsassen.&nbsp;Selbst Strafen in der Kheichen, dem Kerker, bei Wasser und Brot, sind unter bestimmten Umständen möglich.</p> <ul> <li>Mit vier Stunden nehmen die religiösen Übungen und Gebete den größten Teil des Tages ein.</li> <li>Die Arbeitszeiten&nbsp;zugunsten des Leprosenheims&nbsp;werden auf dreieinhalb Stunden pro Tag begrenzt.</li> <li>Commissionäre&nbsp;überwachen die Arbeit im Siechen-Spital. &nbsp;</li> </ul> <p>Mittelalterliche Spendentätigkeit&nbsp;hat sehr viel mit dem Seelenheil des Geldgebers&nbsp;zu tun. Je größer deren Spendierfreudigkeit&nbsp;ausfällt, desto länger sind die Gebete der Almosenempfänger&nbsp;und desto schneller kommen die Reichen dem <em>„Paradies“</em> ein Stückchen näher.</p> <p>Das Leprosenhaus&nbsp;ist vornehmlich für Münchner Bürger und die in der Stadt Dienenden bestimmt. &nbsp;<br /> Nur sie erhalten hier unentgeltliche Aufnahme und Verpflegung. Für die <em>„Auswärtigen Siechen”</em> müssen die zuständigen Landgerichte&nbsp;die anfallenden Kosten übernehmen.</p>

1319

1319

Haidhausen * König Ludwig der Baier befreit das Leprosenhaus am Gasteig von allen landesherrlichen Abgaben, Steuern sowie Diensten und übergibt ihm Grundbesitz, um die Pflege der Kranken zu gewährleisten.


1327

13. Februar 1327<p><strong><em>München-Angerviertel</em></strong> * Beim <em>„ersten Hahnenschrei“</em> bricht im Angerkloster&nbsp;ein Feuer aus, das zum verheerendsten Stadtbrand&nbsp;der Geschichte Münchens wird.&nbsp;Fast ein Drittel der Stadt wird ein Opfer der Flammen.&nbsp;Dreißig&nbsp;Menschen sterben bei dem Großfeuer.&nbsp;</p>

1340

1340

München * Im Münchner „Stadtrechtsbuch“ finden sich Bestimmungen über den Umgang im Brandfall.

Dort heißt es: „Wenn es in der Stadt brennt, müssen zu dem Feuer kommen, sobald die Sturmglocke läutet, alle Bader und ihre Gehilfen, die Amt haben, und ihre Badergeräte mitbringen, die Maurer und Zimmerer mit ihren äxten und die Kornmesser und Salzmesser und die Salzlader und die Auflader und die Holzleut mit ihren äxten und was sie haben, das dem Feuer gut ist; - wer nicht kommt, verliert sein Recht in der Stadt für ein Jahr - was ihnen verdirbt, wird von der Stadt ersetzt“.


1347

1347

München * Die heutige „Ludwigsbrücke“ wird im „Stadtrechtsbuch“ sinngemäß beschrieben: 

„Im Abstand von 36 Schuh [9,36 Meter] werden Joche, die aus einer Reihe von senkrecht zur Strömung gerichteten Baumstämmen bestehen, in den kiesigen Untergrund getrieben.

Dann sägt man sie auf gleicher Höhe ab und verbindet sie mit Querhölzern.
Sechs Balken liegen von Joch zu Joch.
Auf diese Balken werden Bohlen von 16 Schuh [4,67 Meter] Länge quer aufgebracht.
Dies ergibt die Brückenbreite.
Über diese Bohlen wird Kies geschüttet.

Die Höhe über den mittleren Wasserstand ist so ausgelegt, daß ein Mann, der auf einem Floß oder Kahn unter der Brücke hindurchfährt, mit ausgestrecktem Arm die Hauptträger nicht berühren kann“.


1361

1361

Haidhausen * Aus diesem Jahr stammt die älteste Urkunde über die Zugehörigkeit des „Kotterhofes“ in der Haidhauser Kirchenstraße zum „Leprosenhaus am Gasteig“.


1391

17. März 1391<p><strong><em>München</em></strong> * Die Stadt und der Burgfrieden&nbsp;bilden einen einzigen Gerichtsbezirk.</p>

1422

1422

Au * Eine „Wasserstube am Gasteigberg“ wird erstmals genannt.


1444

1444

München - Haidhausen * Die Stadt kauft von den „Hochmeistern des Siechen- und Leprosenhauses“ 24 Bifang Lehmerde in Haidhausen.


1460

24. Oktober 1460

München * Die Grenzen des Münchner Burgfriedens werden im Burgfriedensbrief festgelegt. Das auf der rechten Isarseite gelegene Gebiet gehörte ursprünglich zum Landgericht Wolfratshausen, das dort auch die Jurisdiktion, die Gerichtsbarkeit, ausübte. Die Stadtherren beantragten bei den regierenden Herzögen Johann und Sigmund die Erweiterung des Münchner Burgfriedens.  

In dem Erlass wurde daraufhin für den Bereich des Gasteigs bestimmt: „Es soll auch das Siechhaus auf dem Gastay enhalb der Yserpruckh vnnd auch dieselb Yserpruckh auch In vnnserer Statt München Burckfrid ligen. Doch so behalten wir vnns den wasserstromb der Yser, das vnns der mit Herrlichkeit soll beleiben vnnd zustehen“.


1467

1467

Au * Der städtische „Brunnenmeister“ und seine Knechte arbeiten an der am „Gasteigberg“ gelegenen „Wasserstube“ und am Rohrleitungssystem.


1481

1481

München * Das Amt des „Bettelmeisters“ wird in München von zwei dazu Beauftragten ausgeführt.

Sie üben ihre Aufgabe ehrenamtlich aus und bekommen zu ihrer Unterstützung städtisch besoldete „Bettelknechte“ zur Seite gestellt.


1492

1492

München * Andrea de Franceschi, der spätere „Großkanzler von Venedig“, beschreibt München als eine vornehme Stadt, „citta noblissima“, mit prächtigen, mit Kieslsteinen gepflasterten Straßen und mit breiten Plätzen, in deren Mitte sich Brunnen befinden.


1493

1493

München * Der von Michael Wolgemut gefertigte Holzschnitt in der „Hartmann Schedel‘schen Weltchronik“ ist die älteste Darstellung von München.  

  • Es sind noch keine Isarinseln zu sehen,  
  • dafür wird am unteren Bildrand die am „Gasteigberg“ gelegene „Wasserstube“ gezeigt. 

1500

1500<p><strong><em>München</em></strong> * München hat 13.500 Einwohner.&nbsp;Es gibt 14 berufsmäßig betriebene Badstuben.</p>

1511

1511

Au * Münchens ältestes „Brunnhaus“, das „Wasserhaus am Isarberg“, wird gebaut und in der Folgezeit mehrmals umgebaut und auf den technisch neuesten Stand gebracht.

Die aus dem Isarhochufer austretenden Quellen werden gefasst und danach in Bleirohren dem „Brunnhaus“ zugeführt. Mit einem „Wasserhebewerk“ aus Holz wird dann das Quellwasser in einen kupfernen Kessel im obersten Stockwerk des „Wasserturms“ gedrückt.

Vom Kessel wird das Wasser mit Druck „in hölzerne Deichen über die Isar in die Stadt geleitet, und durch unzählige äste vertheilt. Es läßt sich leicht denken, daß bey diesem großen Wasserreichtume, in den vielen Privatgärten an herrlichen Springwässern, kein Mangel sey“.


1530

1530

München * Der Rat der Stadt ändert die schon länger bestehende „Bettelordnung“.

Sie verbietet allen „Bürgern und Gästen beiderlei Geschlechts“ das „Betteln“ und gestattet es nur denjenigen, die vom „Rat“ die ausdrückliche Erlaubnis dazu haben.
Diese drückt sich eben im Tragen des „Bettelzeichens“ aus.

Zur Erteilung der „Bettelerlaubnis“ muss aber zuvor die „Bedürftigkeit“ nachgewiesen werden.

  • Dazu gehört neben der Darlegung des Personenstandes, der Kinderzahl und der Vermögensverhältnisse,
  • die Bestätigung des „Beichtvaters“, dass der Antragsteller im vergangenen Jahr mindestens einmal gebeichtet und die „Absolution“ erhalten hat.

Der „Hausbettel“ ist nach der „Bettelordnung“ strengstens verboten.
Hauptsächlich vor den Kirchentüren, nicht aber im Kircheninneren ist das „Betteln“ erlaubt.

  • Missgestaltete, behinderte Bettler müssen ihre „Gebersten“ bedecken, damit „schwangere Frauen“ durch den Anblick „nicht Schaden nehmen“.
  • Es dürfen auch keine „gemalten Bilder, wunderliche Tiere und sonstige Schaustücke“ gezeigt werden.
  • Lediglich Singen ist ihnen gestattet.
  • Den Schülern ist das „Betteln“ nur dann zu genehmigen, wenn sie in der Schule „fleißig und gehorsam“ waren und für bettelnde „Wöchnerinnen“ werden gesonderte Zeichen bereitgehalten.

Es werden vier „Bettelmeister“ bestellt.

  • Deren Hauptaufgabe ist die „gerechte Auswahl“ der „berufsmäßigen Bettler“.
  • Halbjährlich müssen sie die Inhaber der „Bettelzeichen“ - gemeinsam mit ihren Kindern - an einem Ort zusammenkommen lassen und prüfen, ob ihre Bedürftigkeit auch weiterhin besteht.
  • Für die Einhaltung der „Bettelordnung“ sind die „Bettelknechte“ verantwortlich.

Sie müssen vor ihrem Amtsantritt „geloben und schwören“, dass sie niemanden bevorzugen oder benachteiligen und dass sie sich nicht bestechen lassen.

Nach dem 11. Juni 1530

München * Die zweitälteste Stadtansicht von München wird von Hans Beham in Holz geschnitten. Im Vordergrund ist der Einzug Kaiser Carl V. mit seinem Heer dargestellt. 


1541

1541

München-Angerviertel * Der Brauer Jörg Heiß gründet an der Ostseite der Sendlinger Straße den späteren „Singlspielerbräu“.


1553

1553

München * Festlegung der „Brauperiode für untergäriges Bier“ auf die Zeit vom 29. September (Michaeli) bis 23. April (Georgi).

Sie gilt bis 1850.


1554

1554

München-Kreuzviertel * Die Stadt lässt nördlich des „Neuhauser Tores“ ein zweites „Brunnwerk“ errichten, das sogenannte „Gasteiger Brunnhaus“ am heutigen „Künstlerhaus“.


1555

1555

München * Die ältesten Münchner „Wasserbriefe“ beurkunden die Wasserabgabe aus den städtischen „Brunnhäusern“ an Privatpersonen.


1556

1556

Au * Das „Wasserhaus auf dem Isarberg“ wird auf den neuesten Stand der Technik gebracht.


1561

31. Oktober 1561

München * Im sogenannten Albertinischen Rezeß wird der Grenzverlauf des Münchner Burgfriedens neu festgelegt und dabei das rechtsisarische Gebiet erheblich erweitert. Herzog Albrecht V. bestimmt, dass der „Wasserturm und der Farthweg auf dem Gasstach“ zum Münchner Burgfrieden gehören soll.


1562

1562

München * In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ändert sich die Einstellung zu den „Armen“ grundlegend.

Martin Luther und später auch die katholischen Reformer lehnen jede Form von „Bettel“ ab und fordern eine Versorgung aller „Arbeitsunfähigen“ auf Kosten der Gemeinde.

Dies findet in der letzten rein städtischen „Münchner Bettelordnung“ ihren Niederschlag. Die „Armenversorgung“ wird auf die Basis eines „Unterstützungsfonds“, dem „Stock-Almosen“, gestellt.

Freiwillige Spenden, Gelder aus Opferstöcken, Sondersammlungen in Kirchen und Klöstern und die Erträge aus den Haussammlungen sollen eine gezielte Versorgung der „Armen“ gewährleisten. Dazu ziehen jeden Freitag vier „Biedermänner“ mit Sammelbüchsen von Haus zu Haus und ersetzen damit die bisher üblichen Bettelgänge der „Armen“.

Die Sammlungen erhalten den Namen „Freitagsbrot“.


1572

1572

München * Eine neue „Bettelordnung“ wird veröffentlicht.

In ihr zeichnet neben dem „Rat der Stadt“ erstmals auch der „Landesherr“ verantwortlich.

  • Unter dem Einfluss Herzog Albrechts V. wird in dem Gesetzeswerk
  • ein „absolutes Bettelverbot“ ausgesprochen.
  • Wirte und allen Einwohnern war die Beherbergung „nichtansässiger Bettler“ verboten.
  • Den „Bettelrichtern“ zahlt man „Fangprämien“ und
  • den Festgenommenen drohen schwere Strafen.
    Im besten Fall ihre „Ausweisung“, im schlimmsten Fall aber „Hängen“.

Doch schnell wird klar, dass sich in München ein „absolutes Bettelverbot“ und die Versorgung der „Armen“ aus der Gemeindekasse nicht verwirklichen lassen.
Die Einnahmen der Sammlungen reichen einfach nicht aus.

„Sondersieche“, also mit ansteckenden Krankheiten Behaftete, und „Blinde“ haben sich mit „betteln“ zu ernähren, da sie keine Arbeit finden können.

Außerdem sammeln die „Biedermänner“ das „Freitagsbrot“ nun zusätzlich am Mittwoch.


1578

1578

München * Die Klagen über die Teuerung des Weines verstummen nicht mehr.

Die „Baierische Landesordnung“ vermerkt, dass immer mehr Leute bei den „Bierbrauern“ zum Essen einkehren.


1581

1581

Haidhausen * Der Turm der „Nicolai-Kirche“ am Gasteig wird abgetragen und innerhalb von 40 Tagen als schlanker, achteckiger Zwiebelturm wieder aufgebaut.


1587

1587

Au - Haidhausen * Die „herzoglichen Brunnwerke“ am „Lilienberg“ und im „Brunnthal“ gehen in Betrieb.


1589

27. September 1589

München-Graggenau * Die Hofkammer will die Geldverschwendung für den Durst der Hofschranzen eingeschränkt sehen, weshalb sie einen Antrag für den Bau eines „aigen Preuhaus“ formuliert. Das Datum gilt seither als offizieller Gründungstermin des Hofbräuhauses.

Einen Brand beim alten Hennen- und Badhaus im Alten Hof erkennt man als Zeichen des Himmels und umgehend beginnen die Arbeiter in der Nähe des Zerwirkgewölbes die Wände einzureißen, die Keller einzuschachten und Sudanlagen zu installieren. Der Keller diente zuvor dem Herzogshof als Vorratsraum. Der Standort am Alten Hof kam den Verantwortlichen aufgrund der „besseren Überwachung bezüglich der möglichen Veruntreuungen“ gerade recht.

Darin wird zunächst nur braunes Bier gebraut. 

14. Oktober 1589

München-Graggenau * Ein Kostenvoranschlag für den Bau des Hofbräuhauses wird vorgelegt. 


1593

1593

München-Angerviertel * Die „Eberlbrauerei“ und der „Faberbräu“ werden gegründet.

Ihre Sud- und Schankstätten befinden sich in der Sendlinger Straße.


1600

1600

München * Mit 74 bürgerlichen Brauereien - plus 6 Klosterbrauereien - erreicht man den Höchststand in der Geschichte Münchens.

Ab 1600

Au * Die durchgeführte vollständige Erneuerung des „Isarberg-Brunnhauses“ verschlingt über 5.000 Gulden.

Um das Jahr 1600<p><strong><em>München</em></strong> * Unter Herzog Maximilian I. wird erstmals nach den Ursachen der Armut&nbsp;gefragt. Folgende Erkenntnisse fassen die Untersucher zusammen: Verantwortlich für die Armut&nbsp;ist</p> <ul> <li>die Überbevölkerung der Städte,</li> <li>die Überbesetzung der Zünfte und Gewerbe,</li> <li>die allzu großen Freiheiten des Handels,</li> <li>die Vernachlässigung der Polizeigewalt&nbsp;und</li> <li>der Verfall der Religion und der Sitten.</li> </ul> <p>Das Ergebnis ist die Einführung restriktiver Maßnahmen. Dazu gehören unter anderem Zuzugsbeschränkungen&nbsp;sowie Festnahmen und Einkerkerung von Bettlern und Vagabunden.</p>

1602

1602

München * In der „Haußpolicey“ findet man zu den Schauspielern folgenden Text: 

„Nicht die geringste ursach warumb die Jugent in die unzucht und geilheit gerahtet seind die Comedien Spektackel und Schawspiel / welche an etlichen orten an den Fürstlichen Höfen oder in den Heusern der Mechtigen oder in den offentlichen darzu bestimbten Heusern gehalten werden. 

Dann sie [die Schauspieler] seindt gemeinklich eitele / liderliche / verschlagene / arglistige / unverschambte und gottlose leut / ja was mehr ist / man findt under jhnen Landverwisene / ehvergessene / Landstürtzer / Zigeiner und arge Ketzer.“

Es ist die Zeit der „Gegenreformation“ und schon deshalb hat alleine das „Schauspiel der Jesuiten“ Niveau und ist staatlicherseits legitimiert worden.


1612

1612

Einbeck - München * Der aus Einbeck - im hohen protestantischen Norden - stammende „Bierbrauer“ Elias Pichler wird vom baierischen Herzoghaus ans „Hofbräuhaus“ nach München angeworben, um hier ein Bier nach „ainpöckischer Art“ zu Brauen.

Bevor er seine Tätigkeit aufnimmt, muss er aber noch schnell zum katholischen Glauben konvertieren.

Er braucht zwar noch einige Experimente, aber dann gibt‘s statt des bis dahin gebrauten „Plempels“ ein würziges, süffiges und bekömmliches „Bockbier“ aus dem „Herzoglichen Hofbräuhaus“.

Das wird aber erst im Jahr 1614 sein. 


1614

Um den 1. Mai 1614<p><strong><em>München-Graggenau</em></strong> * Braumeister&nbsp;Elias Pichler kredenzt in München erstmals das von ihm gebraute Bier nach original <em>„Einbecker Art“</em>, das später über <em>„ainpöckisch Bier“</em> den Namen <em>„Bockbier“</em> erhalten wird.</p> <p>Aufgrund der merkantilistischen wirtschaftspolitischen Grundprinzipien ist Herzog Maximilian I. - auch beim Bier - der Meinung, dass es wirtschaftlich besser ist, Fertigwaren auszuführen und allerhöchstens die Rohstoffe einzuführen, um dann am erzielten Mehrwert zu verdienen. Deshalb werden ab dem Jahr 1612, mit der Anwerbung des aus Einbeck stammenden Braumeisters&nbsp;Elias Pichler, auch die Lieferungen von Einbecker Bier&nbsp;für den Münchner Hof eingestellt.</p> <p>Schon zuvor ist am Münchener Herzogshof&nbsp;der Bedarf an dem Gerstensaft aus dem hohen deutschen (protestantischen) Norden durch den Aufschwung, den das <em>„Weiße Bier“</em> hier genommen hat, stark zurückgegangen.</p> <p>Das Luxusgetränk&nbsp;mit seinen mehr als 16 Prozent Stammwürze und über sieben Prozent Alkoholgehalt bleibt auch weiterhin ein Privileg des Landesfürsten. Herzog Maximilian I. lässt - auf nachhaltiges Drängen - zwar den <em>„Bock“</em> auch an seine <em>„Landeskinder“</em> ausschenken, erklärt aber die Herstellung des Bockbieres&nbsp;- wie schon zuvor des Weißbieres&nbsp;- zum fürstlichen Regal, also zum Monopol der Landesherrschaft.</p> <p>Aus dem <em>„ainpöckischen Bier“</em> wird im Volksmund bald der <em>„Bock“</em>. Im Kanzleideutsch&nbsp;aber ist noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein vom <em>„Ainbock“</em> die Rede.&nbsp;</p>

1619

5. Februar 1619<p><strong><em>München</em></strong> * Nach einer Anordnung Herzog Maximilians I. ist die Stadt München für den ordentlichen Zustand der Salzstraße&nbsp;zuständig.</p>

1621

Ab der Brausaison 1621

München-Graggenau * Die von Elias Pichler kreierte neue „Bier-Spezialität“, das „Bockbier“, taucht bei allen Abrechnungen der Sudstätte als eigener Rechnungsposten auf. 


1624

1624

München * In einem Bericht an Kurfürst Maximilian I. betont der Stadtrat, dass er starke „Bettler und Bettlerinnen“ in „Eisen schlagen“ und anschließend zur „Zwangsarbeit beim Schanzenbau“ einsetzen lässt.

Mit diesen Zwangsmaßnahmen wollen die „Stadt- und Landesherren“ den „Arbeitsscheuen“ den „Teufel des Müßiggangs“ austreiben.
Doch nach ihrer Entlassung finden die „Bettler“ trotzdem keine Möglichkeit der Beschäftigung vor.


1630

1630

Haidhausen * Oswald Schys von Peillenstein, „Kurfürstlicher Geheimrat“, „Hofkammerpräsident“ und „Pfleger von Rottenburg“, kauft dem „Leprosenhaus“, dort, wo sich die Straße nach Rosenheim und die „Salzstraße“ zweigen, einen kleinen Platz ab.

Dort lässt er drei Kreuze aufrichten.


1632

15. Mai 1632

München * Die schwedische Schutzgarde wird nach München verlegt und nimmt Einquartierungen in den „Klöstern und Häusern der Vornehmen in München, deren Insassen meist nach Tirol oder Italien geflohen waren“.

Die innerhalb der Stadtummauerung lebenden Münchner kommen wieder einmal glimpflich davon. Die Soldateska plündert, verwüstet, drangsaliert und vergewaltigt dafür um so stärker in den Vororten - besonders in der bevölkerungsreichen Au und in Haidhausen.

17. Mai 1632<p><strong><em>München - Haidhausen</em></strong> * Unterwürfig überreichen die Münchner Stadtväter dem anrückenden Kriegsherrn Gustav II. Adolf am Gasteig die Stadtschlüssel. Der schwedische König zieht daraufhin in München ein, um in der Münchner Residenz&nbsp;Quartier zu nehmen.</p> <p>Sein Weg führt ihn über die Isarbrücke zum Roten Turm und weiter durch das Isartor in die Stadt. In seiner Begleitung befinden sich der <em>„Winterkönig“</em> Friedrich V., Pfalzgraf August von Sulzbach, die Herzöge Bernhard und Wilhelm von Weimar sowie Johann von Holstein. Ihnen folgen drei Regimenter.</p> <p>Der Überlieferung nach soll Gustav Adolf von München so begeistert gewesen sein, dass er am liebsten die Residenz mit nach Schweden genommen hätte. Tatsächlich wird berichtet, er habe die Stadt – angesichts ihres vergleichsweise kargen Umlandes – mit einem <em>„goldenen Sattel auf einem mageren Pferd“</em> verglichen. Seine angebliche Schwärmerei für die Residenz ist jedoch wohl eine spätere Ausschmückung. Überliefert ist vielmehr, dass ihm besonders ein Ofen gefiel und er gewünscht habe, <em>„dass dieser Ofen zu Stockholm wäre“</em>.</p> <p>Die Schweden besetzen die bayerische Haupt- und Residenzstadt. Der Historiker Siegmund Riezler schrieb dazu: <em>„Im Übrigen aber wurde weder Eigentum noch Person angetastet.“</em> Ganz zutreffend ist das nicht. Wie so oft leiden vor allem die Bewohner der Vorstädte. Die Hauptarmee lagert nicht innerhalb der Stadtmauern, sondern in den Dörfern vor den Toren. Dort plündern und rauben die Soldaten, was sie finden können, und verkaufen es anschließend in der Stadt. So gelangen die Münchner zu billigsten Preisen an Waren – doch der Preis dafür wird außerhalb der Mauern bezahlt.</p>
19. Mai 1632

München * König Gustav II. Adolf besucht die Michaelskirche und lässt sich das Gottesdienstritual genauestens erklären. Der schwedische König fordert von der Stadt 300.000 Reichstaler, um München vor der Zerstörung zu verschonen. Die in der Stadt verbliebene Bürgerschaft versucht daraufhin, soviel wie möglich von der geforderten Summe zusammenzutragen.

Selbst die Ärmsten der Stadt müssen sich daran beteiligen. Und auch die schon so stark gebeutelten Einwohner der Au, Haidhausens und Giesings haben für die Zahlungen ihr Schärflein beizutragen. Exakt 940 Gulden und 43 Kreuzer steuern sie aus ihren sowieso schon begrenzten Mitteln bei. Und dennoch reicht es nicht. 

Gerade mal 144.273 Gulden bringt die Geldeintreibung ein. Das ist nicht mal ein Drittel der geforderten Summe, worauf der Schwedenkönig je 22 weltliche und geistliche Geiseln verlangt.


1642

1642

München-Angerviertel * Der Brauer Philipp Hölzl kauft die spätere „Singlspielerbrauerei“, nachdem er sie seit 1635 gepachtet hatte.


1660

1660

Haidhausen * Die „Nicolai-Kirche“ am Gasteig erhält ihre heutige barocke Form.


1669

1669<p><strong><em>Au</em></strong> * Unter Kurfürst Ferdinand Maria wird in der Au ein <em>„Seidenhaus“</em> eingerichtet. Doch als Arbeitskräfte werden dann - zum Teil sogar gegen den ernsten Willen der Eltern - auch Kinder eingestellt und nicht arbeitsuchende Stadtarme. Das Seiden-Unternehmen&nbsp;ist allerdings bereits im Jahr 1676 finanziell wieder am Ende.</p>

1672

1672

München-Angerviertel * Der Brauer Philipp Hölzl übergibt die spätere „Singlspielerbrauerei“ an seine Tochter Katharina.


1673

1673

Au * Der „Prunnknecht“ Sebastian Gaißreitter lässt am „Gaisberg“, dem heutigen „Lilienberg“, eine „Capellen aufrichten und darin zu seiner privaten Andacht und zur Erwirkhung der vorbeygehenten Leuth Andacht ein Figur vom Passion Christi“ aufstellen.

1673

München-Angerviertel * Katharina Hölzl heiratet den ihrer Brauerei den Namen gebenden Münchner Metzgersohn Franz Singlspieler.


1678

1678

Haidhausen * Die „Loretto-Kapelle“ oder später „Altöttinger-Kapelle“ am Gasteig wird aus Mitteln des verstorbenen „Verwalters des Leprosenhauses“, Schauermayr, erbaut.

Das winzige Kircherl reicht gerade bis zur heutigen ersten Bankreihe.


1679

Ab 1679

Au * In der Au entsteht - am Standort des „Seidenhauses“ - eine „Tuchfabrik für Militäruniformen“.


1682

1682

Au * Sebastian Gaißreitter erwirbt am „Gaisberg“ neben seiner winzigen, höchstens drei bis vier Betern Platz bietenden und auffällig rot angemalten Kapelle ein kleines Stück Land in dem er einen Garten anlegt und das Ganze umzäunt.

4. Juni 1682

München-Angerviertel * Kurfürst Max Emanuel lässt ein kurfürstliches Zuchthaus bauen. In ihm sollen „übermütige Herrendiener, schlechte Ehehalten [Dienstboten], liederliche Handwerksburschen, ungeratene Kinder, freche Menscher [Mägde], langsame Zimmer- und Maurergesellen, faule Tagwerker und Müßiggänger untergebracht werden, nach Umständen in Eisen und Band, bei geringer Nahrung und Karbatschenhieben“

Das Korrektions- und Arbeitshaus befindet sich an der Stadtmauer und nimmt die ganze Südseite des heutigen Viktualienmarktes ein.


1688

1688

Au * Sebastian Gaißreitter kauft am „Gaisberg“ zusätzlichen Grund und erweitert damit sein Anwesen um die Kapelle.


1690

1690

Au * Die Münchner Bäcker errichten - sehr zum Ärger der Auer Bäcker - ein „Brothäusl“ auf dem innerhalb des „Münchner Burgfriedens“ gelegenen Gasteigbergs.

1690

Au * Alleine die „holländische Tuchmacherei“ in der „Tuchfabrik für Militäruniformen“ gibt fast 2.000 Personen Brot und Lohn.

Neben „erstklassigen gelernten Arbeitern“ beschäftigt man „ausgediente Soldaten, arme Weiber und Kinder“, dazu kommen „eingewiesene Bettler und Nichtsnutze“. Anno 1682 schrieb die „Hofkammer“, dass „Arme im Wollhause zu München Beschäftigung finden, Faulenzer dagegen ins Zuchthaus“ eingeliefert würden.

Auch dieser Unternehmung war kein langes Leben beschieden.

Ab 1696 ging es auch mit der „Fabricca“ wieder bergab. Anno 1720 war sie am Ende.


1693

1693

Au * Das „Patrizier-Ehepaar“ Johann Maximilian von Alberti und seine Ehefrau Maria Franziska, die aus dem angesehenen Hause Prielmeyer stammt, werden auf die Gebäude des zur Au gehörenden „Gaisberges“ aufmerksam und lassen neben der „Gaißreitterischen Kapelle“ ein kleines Haus errichten.


1694

1694

Au * In dem kleinen „Albertinischen Haus“ auf dem „Gaisberg“ siedeln drei „Jungfrauen“, die als Laienschwestern hier ein gottgefälliges Leben führen wollen.


1695

1695

Au * Sebastian und Agathe Gaißreitter überlassen den drei „Jungfrauen vom Gaisberg“ ihren Garten und die Kapelle schenkungsweise.

Damit ist der Weg zum Bau eines richtigen Klosters frei.


1696

1696

Au * Johann Maximilian von Alberti holt beim Freisinger Bischof die Baugenehmigung für ein „Kloster am Gaisberg“ ein, erwirbt den noch notwendigen Baugrund und lässt einen Garten anlegen.


1699

1699

Au * Am „Gaisberg“ entsteht eine aufwändige Klosteranlage mit zentraler Kapelle und zwei Seitenflügeln, die mit ihren Terrassen und Gärten eher einem noblen Schloss als der Niederlassung von geistlichen und der Armut verpflicheten Schwestern gleicht.


1701

27. Januar 1701

Freising * Der Geistige Rat in Freising beschließt, dass den Paulanern die pfarrlichen Rechte am Gaisberg zustehen. Dagegen wehrt sich Johann Maximilian von Alberti.


1702

25. März 1702

München-Burgfrieden * Die Kirche zur Unbefleckten Empfängnis Maria am Gaisberg wird eröffnet.

6. Juni 1702

Au * In der Kirche zur Unbefleckten Empfängnis Maria am Gaisberg (Lilienberg) wird die erste Heilige Messe gefeiert.


1705

1705

Au * Johann Maximilian von Alberti lässt die „Sakramentspendung“ der „Frauen vom Gaisberg“ durch einen „Benediktiner“ erledigen. 

Dieser liest täglich die Messe und nimmt den Ordensfrauen die „Osterbeichte“ ab.

Selbst die Regeln, nach denen die Klosterfrauen leben, sind stark der „Benediktiner-Regel“ angepasst worden.

16. Oktober 1705

Au * Die Kirche zur Unbefleckten Empfängnis Maria am Gaisberg wird geweiht. Von jetzt an dürfen Messen in der Kapelle gelesen, das Allerheiligste jedoch noch nicht darin aufbewahrt werden.


1709

14. Oktober 1709

Au - Freising * Johann Maximilian von Alberti wendet sich an den ihm gewogenen Bischof von Freising, um „das hochwürdigste Gut für ständig in der Kapelle einsetzen und zeitweilig zur öffentlichen Anbetung aussetzen“ zu dürfen. Da es sich bei dem Kirchlein am Gaisberg um eine Privatkapelle handelt, ist dazu die Zustimmung durch die höchste katholische Instanz notwendig, den Papst.

19. Dezember 1709

Rom-Vatikan - Au * Papst Clemens XI. gibt sein Einverständnis für die ständige Aufbewahrung des Allerheiligsten in der Kapelle am Gaisberg.


1710

29. Mai 1710

Haidhausen - Au * Nachdem es mit den Paulaner-Patres zu Problemen wegen der Überführung des Allerheiligsten gekommen ist, wendet sich Johann Maximilian von Alberti erneut an den Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck. Dieser erlaubt ihm die Übertragung des Allerheiligsten aus der Haidhauser Sankt-Johann-Baptist-Kirche.

Die eifersüchtig auf ihre Rechte pochenden Paulaner befürchten, dass auf sie eine Schmälerung ihrer Einnahmen durch Lesen von Messen in der Kapelle am Gaisberg, aber auch bei den Spenden im Opferstock zukommen und letztlich für die Mariahilf-Wallfahrt eine starke Konkurrenz erwachsen würde. 

1. Juni 1710

Haidhausen - Au * Unter Beteiligung höchster Herrschaften wird das Allerheiligste von der Haidhauser Sankt-Johann-Baptist-Kirche in die von Johann Maximilian von Alberti erbaute Kirche zur Unbefleckten Empfängnis Maria am Gaisberg übertragen.

30. August 1710

Au * Mit der Erbschaft seiner verstorbenen Frau nimmt Bürgermeister Johann Maximilian von Alberti die nächste Phase der Klosterwerdung auf dem Gaisberg in Angriff. Er stellt einen mit 12.000 Gulden dotierten „Fundationsbrief zur Aufrichtung eines Jungfrauenklosters nach der Regel des hl. Benedikt“ aus.

16. November 1710

Au * Johann Maximilian von Alberti heiratet in der Gaisberg-Klosterkirche die 22-jährige Maria Katharina von Joner, nachdem seine Frau in der Zwischenzeit verstorben ist.


1711

1711

Au * Johann Maximilian von Alberti lässt den noch fehlenden Flügel rechts von der Kapelle ausführen.

Damit bietet das „Kloster auf dem Gaisberg“ Platz für zwölf „Jungfrauen“.

11. Dezember 1711

Au * Die Eifersüchtig auf ihre Einkünfte achtenden Paulaner-Patres verzögern die Genehmigung des Klosters auf dem Gaisberg über ein Jahr. Erst dann kann der Papst die Konzessionsurkunde ausstellen.


1714

22. November 1714

Saint Cloud - Au * Die fehlende Zustimmung des Landesherrn aus Schloss Saint Cloud für das Kloster am Gaisberg trifft ein. Dort lebt Kurfürst Max Emanuel im Exil.


1715

21. November 1715

Au * Die ersten zwei Klosternonnen vom Kloster Niedernburg treffen am Gaisberg ein. Maria Agnes Dascher wird als Priorin das Kloster leiten, Maria Antonia von Eiseneck als Wirtschaftsleiterin die Geschicke der Klostergemeinschaft lenken.

Danach unterstellt man ihnen die sechs schon vorhandenen Nonnen und erhebt die Gemeinschaft zum Benediktinnerinnenkloster, für das sich bald der Name Lilienberg einbürgert.


1719

1719

München-Angerviertel * Franz Singlspielers Sohn Joseph Joachim übernimmt den „Singlspielerbräu“.


1723

23. August 1723

Au * Johann Maximilian von Alberti richtet eine Bitte an der Kurfürsten. Er soll das Benediktinnerinnenkloster am Lilienberg in den Münchner Burgfrieden einbeziehen.


1724

1724

München * Im Kurfürstentum wird eine „Tanzsteuer“ eingeführt.

Die Weinwirte in München, Landshut, Straubing, Burghausen und Ingolstadt müssen 4 Gulden im Jahr bezahlen, in den übrigen Städten und Märkten 2 Gulden.

Die „Bierbrauer“ zahlen nur einen Gulden „Tanzsteuer“.

13. Januar 1724

München - Au * Gegen den Willen des Stadtrats erfüllt Kurfürst Max Emanuel die Bitte von Johann Maximilian von Alberti und stimmt der Erweiterung des Münchner Burgfriedens um das Kloster am Lilienberg zu.


1728

28. Januar 1728

München-Ludwigsvorstadt * Der Bierbrauer Bernhardt Rüdt will einen Bierkeller an der heutigen Landsberger Straße erbauen lassen. Der Märzenkeller ist beim Stadtrat nicht erwünscht, weshalb durch eine Expertenrunde Argumente gegen das Bauwerk gesucht werden sollen. 


1729

1729

München - Haidhausen * Der Münchner „Weinwirt“ Hillebrand erhält eine „100-Dukaten-Strafe“, weil er in seinem Haus den „Kaiserlichen und Königlichen jüdischen Hoffaktor“ Wertheimer das „Laubhüttenfest“ fast öffentlich hat feiern lassen.

Davon werden die zwei Marmorfiguren der Muttergottes und des Apostels Johannes für die Kreuzigungsgruppe am Gasteig angefertigt.


1745

1745

München-Hackenviertel * Johann Paul Reiz, der Besitzer des „Faberbräu“ in der Sendlinger Straße, wandelt seine Malztenne in einen „Komödienstadl“ um.


1748

1748

München * Nach der unter Kurfürst Max III. Joseph erlassenen „Bettelordnung“ werden aufgegriffene „Bettler“ zuerst mit 15 bis 20 „Stockhieben“ bestraft und dann für ein halbes Jahr in das „Zuchthaus“ gebracht.

Ausländische „Bettler und Vaganten“, darunter versteht man alle „nichtbaierischen“, werden nach ihrer Festnahme mit einem „B“ gebrandmarkt.

Verlassen sie nicht innerhalb von vier Tagen das Land, droht ihnen die Todesstrafe.

28. Juni 1748

Haidhausen * Der Bierbrauer Mathias Porttenlenger vom Hallmaierbräu erhält vom Stadtrat die Erlaubnis, am Isarberg, heute etwa Rosenheimer Straße 13, einen „eichenen Stadel zur Unterbringung von Fässern“ und gleichzeitig auch einen Märzenkeller zu erbauen.  

  • Der jährliche Bodenzins beträgt 10 Gulden.  
  • Der Bau einer Wohnung wird verweigert.  
  • Ohne Genehmigung der Stadtkammer dürfen die Baulichkeiten weder erweitert noch an einen anderen Besitzer übergeben werden.  
  • Die gleiche Einschränkung gilt auch für die Aufnahme einer Hypothek. 

1749

1749

München-Angerviertel * Johann Jochner, der „Braumeister des Klosters Wessobrunn“, kauft den „Singlspielerbräu“.

19. Februar 1749<p><strong><em>Au</em></strong> * Priorin und Konvent&nbsp;beschließen die Erweiterung des Klosters am Lilienberg&nbsp;durch einen Neubau.&nbsp;Der Konvent&nbsp;der Benediktinerinnen&nbsp;umfasst inzwischen 23 Professen&nbsp;und 4 Schwestern.</p>

1750

Um 1750

München * Der Rat der Stadt lässt 19 Ketten-, Zieh- und Galgenbrunnen „nach französischer Art“ umbauen.

Die neue Form der „Pumpbrunnen“ bezeichnet man als „Leyrerbrunnen“ oder „Leyrergumpter“.

Ab 1750

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die Pfeiler der „Inneren Ludwigsbrücke“ werden erstmals aus Stein erbaut.

Die Arbeiten dauern bis 1752.

23. August 1750

Au * Der Abt von Andechs weiht das neue Haus des Klosters am Lilienberg.


1753

1753

Au * Das „Kloster am Lilienberg“ erreicht mit 32 Schwestern  - 24 „Professen“ und 8 „Laienschwestern“ - seinen Höchststand.

26. März 1753

Woburn * Benjamin Thompson, der spätere Graf Rumford, wird in Woburn, einer kleinen Stadt im Staate Messachusetts im Nordosten der USA, in der Nähe von Boston, als Sohn eines Farmers geboren.


1755

ab 1755

Haidhausen - Au * Trotz erheblichen Widerstands von den Behörden lassen die ersten Münchner Brauer mit erheblichen Kostenaufwand am Gasteigberg Bierkeller ins Isarhochufer graben und mauern.

Zunächst werden auf dem gekiesten Untergrund Linden, später Kastanien angepflanzt.


1758

1758

München-Angerviertel * Der „Singlspielerbräu“ wird an Lukas Pruckmayr verkauft, der zuvor als „Brauknecht im Kurfürstlichen Weißen Bräuhaus“ gearbeitet hatte.


1760

Ab 1760

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die „Äußere Ludwigsbrücke“ wird vollständig in Steinbauweise ausgeführt.


1767

Ab 1767

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die „Innere Ludwigsbrücke“ wird in Steinbauweise erbaut.


1770

1770

München * Das traditionelle „Almosengeben“ wird unter Strafe gestellt, lässt sich aber nicht rasch ausrotten.


1773

1773

Haidhausen * Peter von Osterwald kauft vom „Leprosenhaus“ einen Acker, um darauf ein astronomisches „Observatorium“ zu errichten.

1773

Haidhausen * Ein Johann Peyrl wird als „Kotterbauer und Gasteigischer Unterthan zu Haidhausen“ bezeichnet.


1775

1775

Au * Die „Kurfürstliche Hofkammer“ erwirbt von dem Münchner Bürger und Maurermeister Caspar Trisberger den an der Ecke Rosenheimer- und Hochstraße gelegenen Braukeller für das „Hofbräuhaus“.


1778

1778

Haidhausen * Peter von Osterwald stirbt und hinterlässt seinen gesamten Besitz am Gasteig seiner Frau Regina.

1778

London * Benjamin Thompson erhält in London das Amt eines „Unterstaatssekretärs für die amerikanischen Kolonien“.


1779

1779

London * Benjamin Thompson wird „Mitglied der Königlichen Britischen Akademie der Wissenschaften“.

1779<p><strong><em>München-Angerviertel - Au</em></strong> *&nbsp;Lukas Pruckmayrs Witwe Katharina heiratet den aus Rottach am Tegernsee stammenden Brauer Johann Messner. Dieser kauft zum <em>"Singlspielerbräu"</em> noch den <em>„Märzenkeller vor dem Isarthor an der Ramersdorfer Straße“</em> dazu.</p>

1782

1782

München * Lorenz von Westenrieder stellt fest:

„Allgemein nimmt der Bürger und Handwerker kein Frühstück. 
Man setzt sich um 11 Uhr zur ersten und um 6 Uhr nachmittags zur zweiten Mahlzeit.

Rind-und Kalbfleisch, Bier und Brot sind das gewöhnlichste, was er genießt. Schweine-, Kalbs- und Gänsebraten sind seine besten Gerichte und Bier sein bester Trank.

Wein und Branntwein werden ordentlicherweise nicht getrunken, auch kein Toback geschmaucht“.

So ist seit Aventin in den unteren Schichten des Volkes der Wein völlig vom Bier verdrängt worden.


1783

19. August 1783

Au - Haidhausen * Der Schleibinger Bräu und andere namentlich nicht genannte Brauer werden beschuldigt, schlechtes Märzenbier in ihren Kellern auszuschenken. 


1784

1784

München * Sir Benjamin Thompson kommt in das Kurfürstentum Baiern und wird zunächst „Oberst“ eines Kavallerieregiments.

9. Januar 1784

Au * Die Wirte der Au beschweren sich über die auf dem Gasteigberg erbauten Märzenkeller.  Die dortigen Bierbrauer bewirten im Sommer und Herbst ihre Gäste mit Bier, das mass- und halbmassweise ausgeschenkt wird. Außerdem gestatten sie das Musizieren und Tänzen und bieten Kugelplätze [= Billard] und Spieltische an. Die Oberlandesregierung soll im kurfürstlichen Auftrag diese Exzesse abstellen. 

19. Januar 1784

München * Auswärtiges Bier darf erst dann eingeführt werden, wenn das Bier der Münchner Brauer verkauft ist. Der Stadtrat legt dazu eine Reihenfolge des Ausschanks vor.  

  • Im ersten Los darf nur das Bier aus den Kellern der Stadt ausgeschenkt werden.  
  • Im zweiten Los wird jedem Brauer freigestellt, ob er sein Bier in der Stadt oder am Gasteig ausschenkt. Die Stadtkeller müssen aber vor den Märzenkellern am Gasteig öffnen.  
  • ​Im dritten Los darf das Bier nur vor der Stadt ausgeschenkt werden.
  • ​Der Brauer, der noch keinen Bierkeller hat, soll einen bauen oder mieten.  

Außerdem sollen die Brauer über die einzusiedende Biermenge eine Übereinkunft treffen und diese dem Magistrat zur Genehmigung vorlegen. 

31. März 1784<p><strong><em>München</em></strong> * Der Stadtrat ermahnt die Bierbrauer und droht ihnen mit Geldstrafen und mit <em>„unliebsameren Strafen“</em>. Der Grund sind die Beschwerden der Auer Wirte. Die Brauer dürfen künftig nur noch in der Zeit, in der sie den <em>„ordentlichen Kranz“</em> besitzen, in ihren Märzenkellern&nbsp;Gäste mit Bier bewirten, Kugelplätze und Spieltische betreiben sowie durch Musikanten zum Tanzen aufspielen lassen.&nbsp;</p>

1785

1785

München * Sir Benjamin Thompson wird zum „Kammerherrn“ am „baierisch-pfälzisch kurfürstlichen Hof“ in München ernannt.


1787

1787

München * Kurfürst Carl Theodor ernennt Sir Benjamin Thompson zum „Geheimen Rat“.


1788

1788

München - Au * Auf Initiative des „Hofkammerrats“ Piaggino soll in München ein „Arbeitshaus für beschäftigungslose arme Menschen“ errichtet werden. 

Doch staatliche und städtische Stellen wollen kein Geld für dieses Projekt bereitstellen. 

Stattdessen wird Piaggiono aufgefordert, selbst einen Vorschuss in Höhe von 8.000 Gulden zu leisten.
Als Gegenleistung soll er die uneingeschränkte Verfügungsgewalt über alle Gewinne der Anstalt haben. - Und natürlich auch für alle Verluste haften.

1788

Haidhausen * Nach Regina von Osterwalds Tod geht ihr Besitz am Gasteig an ihre beiden Neffen Peter Paul von Schneeweiß, „Hofrat“ und „Pflegsverweser von Hohenschwangau“, und Franz Joseph von Schneeweiß, der dem „Inneren Rat“ der Stadt München angehört, über.

Von den Brüdern erhält das Gebäude den Namen „Schneeweißschlösschen“ oder „Schneeweißenburg“. Man nennt es auch nach dem in der Nähe befindlichen „Gasthaus zum Schwane“ die „Schwanenburg“.

29. März 1788<p><strong><em>München</em></strong> * Das von Sir Benjamin Thompson vorgelegte <em>„Memorandum zur Verbesserung des baierischen Militärwesens“</em> wird von der kurfürstlichen Kommission angenommen.&nbsp;Thompson wird zum Kriegsminister&nbsp;im Rang eines Generalmajors&nbsp;befördert.&nbsp;Sein Vorgänger, Freiherr Johann Ernst Theodor von Heyen gen. Belderbusch, wird <em>„ungnädig wegen missfälliger Verwaltung“</em> entlassen und als Militärgouverneur&nbsp;nach Mannheim versetzt.</p>
Dezember 1788

München - Au * Zwischen „Hofkammerrats“ Piaggino und der „Oberlandesregierung“ wird ein Vertrag zur Errichtung eines „Arbeitshauses für beschäftigungslose arme Menschen“ geschlossen.


1789

1789

München * Über das „Bettlerunwesen“ schreibt Sir Benjamin Thompson die nachfolgenden Zeilen: 

„Man konnte in München nicht über die Straße gehen, ohne von Bettlern angefallen und gezwungen zu werden, ihren lärmenden Forderungen genüge zu leisten.

Die Kirchen waren überschwemmt von Bettlern, welche während des Gottesdienstes die Andächtigen so lange quälten, bis ihre Wünsche befriedigt wurden.

Der Kinderdiebstahl war im Schwunge.
Die Bettler stachen den armen Kleinen die Augen aus, verrenkten ihnen die Glieder, um das Mitleid der Vorübergehenden zu wecken.
Sie stellten ihre Kinder völlig nackt und fast verhungert in die Straßen, damit das jämmerliche Geschrei der Unglücklichen die Leute zum Almosengeben bewog“
.

Januar 1789

München - Au * Sir Benjamin Thompson stellt im Rahmen seiner „Militär-Reorganisation“ seine finanziell vielversprechenden Pläne zur Errichtung eines „Militärischen Arbeitshauses“ vor.

April 1789

München - Au * „Hofkammerrat“ Piaggino gibt seine Pläne zur Errichtung eines „Arbeitshauses für beschäftigungslose arme Menschen“ auf. 

In der Folge kommt es zwischen Piaggino und Thompson zur Auseinandersetzung über die Urheberschaft des „Arbeitshausplanes“.

1. Juli 1789

München * Sir Benjamin Thompson erhält die Oberaufsicht über die Militärischen Arbeitshäuser in München und Mannheim.

25. August 1789

Au * Kurfürst Carl Theodor ernennt eine Armen-Instituts-Deputation, die auch die Vorstadt Au mit betreut. 


1790

1. Januar 1790

München * Am Tag des Almosengebens lässt Sir Benjamin Thompson in München 2.600 Bettler aufgreifen. Die Gesunden und Arbeitsfähigen müssen sich am nächsten Tag im Militärischen Arbeitshaus in der Au einfinden, „wo Arbeit, Verdienst und Verpflegung ihrer harrte“. Die Arbeitsunfähigen werden vom Armeninstitut unterstützt und verköstigt.


1791

1791

Haidhausen * Gabriel Zistl lässt in der Kellerstraße auf dem Gasteigberg den „Zengerbräukeller“ erbauen.

13. Mai 1791

Haidhausen - Au * Die Oberste Landesregierung verbietet aufgrund einer Beschwerde der umliegenden Bierbrauer „nachdrücklichst“, dass die Brauer in ihren Märzenkellern am Gasteig und am Lilienberg Gäste bewirten. 


1792

13. Juli 1792

Haidhausen - Au * Die Oberste Landesregierung erinnert erneut an ihr Verbot des „Gästesetzens in den Märzenkellern“ auf dem Gasteig und am Lilienberg vom 13. Mai des Jahres. 


1795

1795

München-Angerviertel - Au * Katharina Messners Sohn aus erster Ehe, Josef Pruckmayr, übernimmt die „Singlspielerbrauerei“.

14. April 1795<p><strong><em>Haidhausen</em></strong> * Die Brüder Peter Paul und Franz Joseph von Schneeweiß verkaufen die ehemalige Sternwarte&nbsp;an die Münchner Armendeputation.&nbsp;Diese will darin ein Armenversorgungshaus&nbsp;eröffnen.</p>

1796

1796

München * Graf von Rumfords Essay „Über Speise und vorzüglich über Beköstigung der Armen“ erscheint. 

Darin gibt er viele vernünftige und praktische Ratschläge zur Zubereitung von Speisen.

1796

Au * In den Auseinandersetzungen des „Ersten Koalitionskrieges“ wird das „Kloster am Lilienberg“ von den „Kaiserlichen“ besetzt und deshalb von den Franzosen beschossen.

6. April 1796<p><strong><em>Haidhausen</em></strong> *&nbsp;Im Armenversorgungshaus auf dem Gasteig&nbsp;werden die ersten Pfründner&nbsp;untergebracht.</p>
18. August 1796

München * Die französischen Revolutionstruppen unter Jean-Victor Moreau nehmen München ein und besetzten das linke Isarufer. Der französische Befehlshaber Moreau gibt der Münchner Stadtbevölkerung die Zusage, dass die Stadt verschont bleibt. Zum Ausgleich plündern sie allerdings die umliegenden Dörfer.  

Als Verteidiger belagern die Kaiserlichen und die Condéer das rechtsseitige Isarhochufer. Die Kämpfe dauern bis zum 8. September. Durch einen - von den Österreichern verursachten - Brand wird die Häuserzeile in der Kirchenstraße, vom Hofmarkschloss bis zum Mesmerhaus, in Schutt und Asche gelegt. Den geschundenen Vorstädtern ist es freilich vollkommen egal, ob sie ein Condéer terrorisiert, ein Österreicher drangsaliert oder ein Franzose ausplündert. 


1798

11. Juli 1798

München - Haidhausen - Au * Die Oberlandesregierung fordert den Magistrat eindringlich dazu auf, keinerlei „Minutoverschleiß“ von Bier, gemeint ist die mass- und halbmassweise Abgabe des Gerstensafts, am Gasteig und am Lilienberg zuzulassen. Auch darf das Bier nicht in den kleineren Halbeimer-Fässern [= 30 Mass]  abgegeben werden. 


1799

1799

Au * Angesichts der drohenden „Säkularisation“ richten die „Benediktinerinnen am Lilienberg“ eine Mädchenschule im Kloster ein, um so ihr Überleben zu sichern.

5. August 1799

Au - München * 16 Bierwirte aus der Au beschweren sich bei der Generallandesdirektion darüber, dass die Münchner Brauer auf dem Gasteig und dem Lilienberg - trotz Verbotes - in ihren Märzenkellern ihr Bier in kleinen Portionen abgeben. Gemeint ist damit der sogenannte Minuto-Verschleiß

Die Generallandesdirektion droht bei nochmaligem Vorkommen mit Strafen von 60 Reichstalern. 

11. Dezember 1799

Haidhausen * Markus Sedlmair folgt Johann Jakob Paul als Großwirt von Haidhausen und Besitzer des Kotterhofs. Im Kataster wird er als „Freistifter des Lazaretts am Gasteig“ bezeichnet.

20. Dezember 1799

München * Der Bierzwang wird aufgehoben. Damit entfällt die Verpflichtung der Münchner Wirte ihr Bier bei den Münchner Brauereien zu beziehen. Nur bei Biermangel oder wenn der neue Sud noch nicht angesetzt war, durften die Wirte bisher ihr Bier von auswärtigen Brauereien einführen. 


1802

Um den 1. Mai 1802<p><strong><em>Au</em></strong> * Im Bendektinerinnenkloster am Lilienberg&nbsp;leben 17 Chorfrauen&nbsp;und sechs Laienschwestern&nbsp;im Konvent.&nbsp;Zwei Novizinnen&nbsp;werden sofort entlassen, eine 73-jährige geistesgestörte Nonne wird in die <em>„Irrenanstalt“</em> gebracht.&nbsp;</p>
22. Mai 1802

Au * Den Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg wird ihre Versetzung mitgeteilt. Jeder wird erlaubt, ihr Bett und den übrigen Hausrat ihrer Zelle mitzunehmen. Um jegliches Aufsehen zu vermeiden wird einigen Nonnen erlaubt, ihre Eltern und Verwandten in München in geschlossenen Wägen zu besuchen. 

29. Mai 1802

Au * In der Frühe um 4 Uhr werden die ersten der zwanzig verbliebenen Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg in das ständische Kloster der Benediktinerinnen nach Geisenfeld gebracht. 

31. Mai 1802

Au * Die restlichen  Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg werden in die ständischen Klöster der Benediktinerinnen nach Kühbach und Hohenwart gebracht. Die Mädchenschule wird von zwei weltlichen Lehrerinnen weitergeführt. 

4. Oktober 1802

Au * Eine weltliche Lehrerin betreibt die ehemalige Klosterschule am Lilienberg. Nachdem Ende Mai die Benediktinerinnen vom Kloster Lilienberg weggebracht worden waren, hatten achtzig Schülerinnen keine Lehrerin mehr. 


1803

Bis 1803

München * Das heutige Stadtgebiet gehört - neben dem „Münchner Burgfrieden“ zu vier verschiedenen „Gerichtsbezirken“: den „Landgerichten“

  • Dachau,
  • Starnberg,
  • Wolfratshausen und
  • Kranzberg sowie
  • der als Ausland geltenden „Grafschaft Ismaning“.
1803

München-Angerviertel - Au * Der Auer Wirt Kaspar Barthmann kauft die „Singlspielerbrauerei“ mit allen Zubehör: von der Bettwäsche und den Zinntellern über Brauerei- und Schäfflerrequisiten, Wagen und Pferde, Häuser, Märzenkeller und Wiesengründe.

23. August 1803

Haidhausen * Die Heilige Stiege zum Kruzifix am Gasteigberg wird abgerissen. 

September 1803

Au * Die „Mädchenschule“ im ehemaligen „Benediktinerinnenkloster am Lilienberg“ wird geschlossen.

5. September 1803

Au * Das Landgericht München bezieht die Räume im ehemaligen Kloster Lilienberg. Es umfasst neben den Orten des Gerichts ob der Au das Amt Perlach vom Landgericht Wolfratshausen, das Gebiet Neuhausen vom Landgericht Dachau, die Gebiete Gauting und Germering aus dem Landgericht Starnberg sowie Fröttmaning und Garching aus dem Landgericht Kranzberg. Dazu die Orte Ismaning, Ober- und Unterföhring, Daglfing und Englschalking aus dem kurz zuvor staatlich eigenständigen Fürstbistum Freising.

14. November 1803

Haidhausen * Nachdem die Heilige Stiege auf dem Gasteig beseitigt worden ist, wird der Grund an den Kreuzbräu Mathias Rottenkolber und den Kreuzlgießergartenwirt Hagn verkauft. Für die beiden Figuren und das Kruzifix behält sich die Stadt das Eigentumsrecht vor. 


1804

1804

München * Franz Maria Schweiger gehört der Schauspielertruppe des Lorenz Lorenzoni an.


1812

1812

München * Der „Faber-Bräu“ wird mit der „Eberlbrauerei“ vereinigt.

4. Januar 1812

München * König Max I. Joseph genehmigt, „daß den hiesigen Bierbrauern gestattet sein soll,

  • auf ihren eigenen Märzenkellern in den Monaten Juni, Juli, August und September ihr selbstgebrautes Märzenbier in Minuto zu verschleißen und
  • ihre Gäste daselbst mit Bier und Brot zu bedienen.
  • Das Abreichen von Speisen und anderen Getränken bleibt ihnen aber ausdrücklich verboten.“ 

Die Verordnung wird als die Geburtsurkunde des Münchner Biergartenlebens bezeichnet.


1813

13. September 1813

Vorstadt Au - Haidhausen * Ein Hochwasser reißt die Hälfte der Äußeren Ludwigsbrücke weg. Eine pervers neugierige Menschenmenge hat auf der Äußeren Brücke gewartet, um dabei zu sein, wenn der nahe gelegene Kaiserwirt in sich zusammenfallen und in den Isarfluten mitgerissen wird. Die Schaulustigen glauben sich auf der aus Stein erbauten Brücke in Sicherheit, da sie gerade ihr eine hohe Standfestigkeit unterstellen.

Der Fuhrknecht eines Brauwagens, der den Flussübergang gerade passiert hatte, warnte die Gaffer, dass die Brücke wankt. Eine Totengräberin, die auf einem Schubkarren ein Kruzifix über die Brücke rollt, ruft: „Schauts auf, da Tod kummt!” Unmittelbar danach „knickte der östliche Brückenpfeiler ein, die Brückendecke senkte sich und stürzte dann in die Fluten“. Zwei weitere Bögen folgen nach. 108 Menschen stürzen in den tosenden Gebirgsfluss, nur sechs können gerettet werden.


1814

1814

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die Wiederaufbauarbeiten für die heutige Ludwigsbrücke beginnen. Sie werden aber nie beendet.


1817

1817

Vorstadt Au * In der „Eisenfronfeste am Lilienberg“ sitzen 40 Häftlinge ein.


1819

1819

Haidhausen * Nachdem das „Nicolai-Spital“ in Schwabing aufgelöst worden war, kommen die „Unheilbaren“ zum Gasteig.

Ab dem Zeitpunkt erhält das ehemalige „Leprosenhaus am Gasteig“ den Namen „Spital der Unheilbaren“.


1820

1820

Haidhausen * Andreas Obermayr, der „Benefiziat der Nicolai-Kirche“ am Gasteig, lässt - ohne Erlaubnis - die „Schauermayr‘sche Kapelle“ abreißen und neu und größer wieder aufbauen.

Um 1820

München-Maxvorstadt * Josef Schweiger öffnet seine „Vorstadtbühne“ den Wiener Autoren. 

7. Dezember 1820

Haidhausen * Die Altöttinger-Kapelle am Gasteig wird eingeweiht.


1823

1823

München-Ludwigsvorstadt - München-Lehel * Josef Schweiger muss sein „Theater vor dem Karlstor“ verschuldet schließen.

Bis 1925 gibt er ein kurzes Intermezzo beim Wirt auf der „Praterinsel“.


1825

1825<p><strong><em>München-Ludwigsvorstadt</em></strong> * Josef Schweiger öffnet sein <em>„Theater vor dem Karlstor“</em> an alter Stelle wieder. So lange, bis der Neubau der protestantischen Matthäuskirche&nbsp;in der Sonnenstraße sein Budentheater&nbsp;verdrängt.</p>

1827

1827

Haidhausen * Der „Kreuzlgießergarten“, der spätere „Salzburger Hof“ an der Ecke Gasteig und Rosenheimer Straße, wird folgendermaßen beschrieben:

„Das Wirtshaus ein Neubau, ebener Erde 2 Gastzimmer, ein Keller auf 40 Banzen Bier, ein geschlossener Hofraum, Stallungen für 20 Pferde, im ersten Stock ein geschmackvoller Tanz-Saal mit 3 Nebenzimmern“.

1827

Haidhausen * Die „Altöttinger-Kapelle“ am Gasteig muss nach nur sieben Jahren schon wieder renoviert werden.

1827<p><strong><em>München</em></strong> * In München gibt es drei öffentliche Aborte. Sie befinden sich an den Stadtbächen und sind einfache Bretterverschläge. Die Entsorgung der Ausscheidungen erfolgt in den nahegelegenen Bach, der später in die Isar mündet.&nbsp;</p>

1828

1828

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Eine hölzerne, fünfbogige „Notbrücke“ über die Isar wird eingeweiht.

Sie erhält den Namen „Ludwigsbrücke“.
Sie ist bis dahin die einzige Isarüberführung zwischen Bogenhausen und Schäftlarn.

1828

Haidhausen * Dem Wirt des „Kreuzlgießergartens“ an der Rosenheimer Straße 1 wird die Aufstockung seines Gebäudes erlaubt.


1830

1. Mai 1830<p><strong><em>Vorstadt Au</em></strong> * Josef Schweiger tritt mit seinem Ensemble in seinem Theaterbau im Garten des&nbsp;<em>„Gasthauses zum Kaisergarten“</em> in der Vorstadt Au,&nbsp;in der heutigen Lilienstraße 42, auf.</p> <p>Die Spielzeiten des <em>„Schweigerischen Volkstheaters in der Vorstadt Au“</em> dauert von Ende April bis Ende September. Täglich finden zwei Aufführungen statt. Josef Schweigers <em>Holztheater</em>&nbsp;bietet Platz für bis zu 500 Zuschauer. Der billigste Platz kostet 6 Kreuzer, was dem Preis einer Maß dunklen Bieres entspricht. Dies können sich auch die weniger bemittelten Theaterbesucher leisten.</p> <p>Da man der <em>„Schweigerbühne“</em> eine <em>„Sitten zerrüttende Wirkung auf das Publikum“</em> nachsagt, lebt Josef Schweiger in ständigem Kampf um die Theaterkonzession.&nbsp;</p>

1831

1831

München-Isarvorstadt * Mit der hölzernen „Reichenbachbrücke“ kommt ein zweiter Flussübergang über die Isar hinzu.

7. August 1831

Vorstadt Au * Das ehemalige Kloster am Lilienberg wird zum Amtssitz des Bezirksamtes links der Isar.


1832

1832

München * In der Brausaison 1832/33 kommt erstmals Natureis zur Kühlung der Bierkeller zur Anwendung. Bis dahin bewerkstelligte man die Kühlung lediglich durch Kaltluftzufuhr.


1833

1833

Haidhausen * An der Ecke Innere-Wiener- und Preysingstraße entsteht der Hallerbräukeller, der nach seinem Besitzer auch Schützinger Keller genannt wird. An seiner Stelle entsteht später ein Wohnhaus, das in seinem Erdgeschoss das Kaffee- und Gasthaus Gasteig beherbergt. Heute ist dort das Café Atlas.


1834

16. Mai 1834

Vorstadt Au * Johann Nestroys „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ erlebt im Schweiger‘schen Volkstheater in der Vorstadt Au seine Münchner Premiere. Erst knapp vier Wochen später wird das Bühnenstück im Königlichen Hof- und Nationaltheater gespielt.

Juni 1834

München-Graggenau * Johann Nestroys „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ wird im Königlichen Hof- und Nationaltheater nachgespielt.


1846

1846

Haidhausen - Vorstadt Au * Aus einer Beschwerde geht hervor, dass auf den Bierkellern „Feuerwerk, großartige Beleuchtung, Harmonie-Musik, Dienées u. dergl.“ stattfinden.


1854

8. Dezember 1854

Vatikan * Papst Pius IX. verkündet das dritte Marianische Dogma, das besagt: „Maria hat unbefleckt empfangen.“  Es geht darum, dass bereits Maria ohne Erbsünde geboren worden ist.  

Damit entscheidet das Oberhaupt der katholischen Kirche einen Jahrhunderte alten theologischen Streit. Doch nicht nur der Inhalt des Dogmas erregt Aufsehen, sondern auch die Tatsache, dass der Papst diese Entscheidung ohne ein Konzil und damit völlig eigenmächtig getroffen hat. Dogmen gelten in der katholischen Kirche als geoffenbarte Glaubenswahrheit und sind deshalb für alle Katholiken verbindliche und unumstößliche Glaubenssätze.  

Ignaz von Döllinger und viele deutsche Theologen sind entsetzt über dieses Dogma. Döllinger kann aber weder in der Heiligen Schrift noch in der Überlieferung der alten Kirche etwas auffinden, das diesen Glaubenssatz gerechtfertigten würde. Die Münchner theologische Fakultät rät dem Papst jedenfalls in einem Gutachten von diesem Schritt eindringlich ab. Ignaz von Döllinger hält sich dabei noch zurück. 


1857

4. April 1857<p><strong><em>München-Haidhausen - Bogenhausen</em></strong> * König Max II. lässt die Maximiliansanlagen&nbsp;durch den 26-jährigen Hofgärtner&nbsp;Carl Effner anlegen.&nbsp;Die Arbeiten für den Landschaftspark&nbsp;dauern bis 1866.</p>
24. September 1857

Breslau * Carl Gabriel wird in Bernstadt in der Nähe von Breslau als Sohn eines Menageriebesitzers geboren.


1860

1860

München * Das Sommersud-Verbot wird aufgehoben und damit das ganzjährige Brauen erlaubt. Es dauert aber noch weitere zwanzig Jahre, bis die Münchner Brauer die Möglichkeit auch nutzen.

19. September 1860

Ebenried * Coletta Möritz kommt in Ebenried bei Pöttmes im Landkreis Aichach als zweites lediges Kind ihrer Mutter zur Welt.


1862

6. Dezember 1862

München-Haidhausen * Das neuerbaute Gasteig-Spital - an der Stelle des ehemaligen Armenversorgungshauses - wird eingeweiht.


1865

15. September 1865

München-Isarvorstadt - München-Au * Am Ende bringt die politisch stärkere Konkurrenz die Schweiger-Theater zur Strecke. Als das Aktien-Volkstheater am Gärtnerplatz eröffnet wird, müssen die Schweiger-Theater schließen.


1866

1866

München-Hackenviertel * Joseph Wild kann die Leistung seiner Singlspielerbrauerei auf 9.000 Scheffel Malz erhöhen. Er erreicht dabei aber auch die Grenzen seiner finanziellen Leistungskraft.


1867

16. April 1867

München * Die II. Compagnie der Freiwilligen Feuerwehr München kann gegründet werden.


1868

1868

München - Russland * Die Münchner Bierbrauer stellen triumphierend fest, dass der Bierverbrauch allein in München ebenso hoch liegt wie in ganz Russland.


1869

8. Dezember 1869

Rom-Vatikan * Für diesen Tag lädt Papst Pius IX. zum Ersten Vatikanischen Konzil, ohne dass er in der Einladung die zu beratenden Punkte angibt.


1870

1870

München * Stadtbaurat Arnold Zenetti wird Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr München.

1870

Rom-Vatikan - München * Das Erste Vatikanische Konzil beschäftigt sich mit der Lehrgewalt des Papstes, bei der die Mehrzahl der Bischöfe die „Unfehlbarkeit des Papstes“ in Glaubensfragen bejaht. Daraufhin spalten sich - unter Führung von Ignaz Döllinger - die Altkatholiken von der römisch-katholischen Kirche ab, da sie die Konzilsentscheidung nicht anerkennen wollen.

Ab dem 1. Januar 1870

Deutschland - Österreich - Schweiz * In den deutschsprachigen Ländern verzeichnet man einen enormen Anstieg des Bierkonsums, sodass sich der Pro-Kopf-Verbrauch bis zum Ersten Weltkrieg verdreifacht.

18. Juli 1870<p><em><strong>Rom-Vatikan</strong></em> • Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil wird die Unfehlbarkeit des Papstes verkündet. Von dem umstrittenen Dogma wird nur einmal Gebrauch gemacht.&nbsp;</p>
18. Juli 1870

Rom-Vatikan * Die Konzilsmehrheit beschließt auf dem Ersten Vatikanischen Konzil die „Unfehlbarkeit des Papstes“ in Fragen des Glaubens und des Lebens der Christen sowie seine oberste und alleinige Rechtsgewalt in der Kirche. Ignaz von Döllinger sieht durch das Dogma von der päpstlichen Unfehlbarkeit die apostolische Tradition verraten.

Doch die Reaktion der römischen Kurie folgt umgehend. Alle Katholiken, die aus Gewissensgründen die neuen Glaubenssätze nicht annehmen und ihnen öffentlich widersprechen, werden exkommuniziert, also aus der sakramentalen Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen.


1871

1871

München-Haidhausen * Der Magistrat der Stadt München überlässt - gegen den geharnischten Protest der katholischen Kirche - den Alt-Katholiken die Nikolaikirche am Gasteig für insgesamt elf Jahre.

17. April 1871

München * Ignaz von Döllinger wird vom Erzbischof von München und Freising, Gregor von Scherr, in aller Form exkommuniziert. Er bleibt es bis an sein Lebensende. In der Karwoche 1871 liest er in der Hofkapelle zum letzten Mal die Messe. 

Daraufhin beschließen die Ratskollegien der Stadt, Magistrat und Kollegium der Gemeindebevollmächtigten, ihm „wegen seiner mutigen Haltung gegen Rom“ das Ehrenbürgerrecht der Stadt München zu verleihen. Doch das lehnt Ignaz von Döllinger ab. 

Mai 1871

München * In einer Zusammenkunft bei Ignaz von Döllinger unterschreiben dreißig Gegner der neuen Dogmen der römisch-katholischen Kirche die „Münchner Pfingsterklärung“, in der sie die gegen sie verhängten Maßregelungen als ungültig und unverbindlich erklären.

29. Juli 1871

München-Maxvorstadt * Die Universität wählt Ignaz von Döllinger zu ihrem Rektor.

3. August 1871

München * Das Münchner Ordinariat untersagt den Theologiestudenten den Besuch der Vorlesungen von Ignaz von Döllinger.

September 1871

München * Auf Anregung Ignaz von Döllingers tagt in München der erste Altkatholikenkongress. Der Gelehrte hat das Stichwort von der „alten katholischen Kirche“ geprägt und meint damit „alt“ im Sinne von „ursprünglich“. Döllinger warnt zwar eindringlich vor der sich anbahnenden Kirchenspaltung, doch ist die Gründung der Altkatholischen Kirche unumgänglich.


1873

1873

München * König Ludwig II. ernennt Ignaz von Döllinger zum „Präsidenten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften“.

Die „Universitäten“ Oxford, Edinburgh, Wien und Marburg verliehen ihm die „Ehrendoktorwürde“.

Ab 1873

München * Dritte „Cholera-Epidemie“ bricht in München aus.

Sie führt zur Umsetzung der von Professor Max von Pettenkofer vorgeschlagenen hygienischen Maßnahmen der Stadtsanierung:

  • den Bau der „Schwemmkanalisation“,
  • einer „zentralen Wasserversorgung“ und
  • dem zentralen „Schlacht- und Viehhof“.

Damit wird München, als eine der schmutzigsten Städte die „sauberste Stadt Europas“.

November 1873

München-Maxvorstadt * Carl von Lindes erste „Kompressions-Kältemaschine“ kommt in der „Spatenbrauerei“ an der Marssstraße zum Einsatz.

Die 4 Tonnen schwere Eis-Maschine wird mit „Methyläther“ betrieben.

Spätestens als eines nachts die Pumpe explodiert, war die ungünstige Wahl des Kältemittels bewiesen.


1880

30. Juli 1880

München-Au * Die Gesellschaft für Lindes Eismaschinen, Wiesbaden, kauft die Spießmühle in der Au mit den dazugehörigen Wasserechten.


1881

1881

München * Coletta Möritz erzählt, wie sie der Maler Friedrich August von Kaulbach im Jahr 1881 auf die Leinwand gebannt hat, als „draußen auf der Wiesn das große deutsche Bundesschießen stattfinden sollte. [...] Dort kam ihm plötzlich der Einfall: „Die Coletta - die mal ich als Wirtshausschild“.

Und weiter erzählte die betagte Maßkrugschlepperin: „Gleich ist’s ans Modellstehen gegangen, Krügl hab ich in der Hand tragen und den Fuß hab i heben müssen, als tät ich auf einem Fuß tanzen, und der Kaulbach hat gezeichnet und dann daheim im Atelier die Schützenscheibe g’malt“.


1882

1882

Schwabing * Coletta Möritz heiratet den Schwabinger Gastwirt Franz Xaver Buchner.


1883

November 1883<p><strong><em>München-Lehel</em></strong> * Ein Artikel in den <em>„Münchner Neuesten Nachrichten“</em> befasst sich mit der Bedeutung des Isarquaies für München. Der Verfasser betont darin die städtebaulich <em>„unvergleichlich günstige Lage des Mariannenplatzes“</em>, der sogar als Bauplatz für den Justizpalast&nbsp;in Erwägung gezogen worden ist.</p> <ul> <li>Der evangelischen Kirchenverwaltung erscheint der Bauplatz als sehr teuer, weshalb sie noch das Gelände der <em>„I. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung“</em> am Isartorplatz ins Gespräch bringt.</li> <li>Die Lokalbaukommission&nbsp;schlägt ihrerseits noch Standorte auf der südlichen&nbsp;beziehungsweise nördlichen Kohleninsel&nbsp;vor. &nbsp;Schließlich einigt man sich doch auf den Mariannenplatz als Standort für die Lukaskirche. &nbsp;</li> </ul> <p>Das Gotteshaus sollte eigentlich die protestantische Kirche für den Münchner Osten werden, doch bereits 1889 wurde am Preysingplatz in Haidhausen die Johanneskirche&nbsp;als evangelische Notkirche&nbsp;erbaut.<br /> Nun haben die Protestanten auch ihren Sammelpunkt jenseits der Isar. Doch das war bestimmt kein Zufall, denn der Architekt beider Kirchen ist Albert Schmidt, der gleichzeitig - heute kaum vorstellbar - den acht Mitgliedern der protestantischen Kirchenverwaltung&nbsp;in München angehörte.&nbsp;</p> <p><em>„Der soziale Status der protestantischen Gemeindemitglieder lag deutlich über dem Durchschnitt. Viele gehörten der geistigen und finanziellen Oberschicht an“</em>, weshalb die Gruppierung sehr selbstbewusst auftrat, was im fundamental katholischen Bayern ganz bestimmt auch nötig war [und ist?].&nbsp;</p>

1884

24. Januar 1884

München * Dr. Hermann Schülein wird in München geboren.


1885

31. Dezember 1885

München * Der Pro-Kopf-Bier-Verbrauch liegt in München bei 465 Liter.


1888

1888

München-Angerviertel * Das Hauptfeuerhaus am heutigen Jakobsplatz wird aufgestockt.

27. Juni 1888

München - München-Haidhausen * Die „protestantischen Einwohner der Vorstädte rechts der Isar“ erheben bei der Lokalschulkommission die Forderung nach Errichtung je einer ersten und zweiten Klasse in Haidhausen. 

Die Schulbehörde ist jedoch - aufgrund der in Haidhausen herrschenden Schulraumnot - nicht in der Lage, dem Antrag zu entsprechen, stellt aber die Errichtung der gewünschten Klassen nach der Fertigstellung des Erweiterungsbaues der Wörthschule für das Jahr 1891/92 in Aussicht. 


1889

20. Oktober 1889

München-Haidhausen * Aktive Protestanten haben über 30.000 Mark an Spendengeldern gesammelt, um am Haidhauser Preysingplatz eine Notkirche, die Johannes-Kirche, mit 200 Sitzplätzen zu errichten. An diesem Tag wird die Kirche eingeweiht. 


1890

10. Januar 1890

München * Ignaz von Döllinger stirbt - exkommuniziert und unversöhnt mit der römisch-katholischen Kirche.

15. März 1890<p><strong><em>München</em></strong> * Der bayerische Ministerpräsident Johann von Lutz stellt die Trennung der Altkatholiken&nbsp;von der Katholischen Kirche&nbsp;fest. Die Altkatholiken&nbsp;verlieren dadurch die Rechte einer öffentlichen Korporation.&nbsp;</p>
30. September 1890

Berlin * Das stets befristete Ausnahmegesetz „Gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ läuft aus. Reichskanzler Otto von Bismarck ist im März 1890 grollend abgetreten.


1891

9. Mai 1891

München * Die Private Münchener Gasgesellschaft, die das Beleuchtungsmonopol in München bis zum Jahr 1899 besitzt, unterzeichnet einen Ablösungsvertrag. Dadurch kann die Stadtgemeinde eine Kraftanlage zur Erzeugung von Strom aufbauen.

1. November 1891

München-Haidhausen * Die evangelischen ABC-Schützen aus Haidhausen können je eine erste und zweite Klasse im Alten Schloßschulhaus bilden. 


1892

1892

München * Carl Gabriel kommt nach München.


1893

22. Juni 1893

München-Haidhausen * Der protestantische Kirchenbauverein wendet sich an die Lokalschulkommission, um eine dritte und vierte evangelische Klasse in Haidhausen zu errichten. 


1894

Januar 1894

München-Haidhausen * Johann Karl Bernhard Müller vermacht der Stadt seinen gesamten Münchner Immobilienbesitz, um dafür ein Bad „für das unbemittelte Volk“ zu errichten.

20. Februar 1894<p><strong><em>München-Haidhausen</em></strong> * Die Stromerzeugungsanlage&nbsp;im ehemaligen Muffatwerk auf der Kalkofeninsel&nbsp;liefert erstmals Strom für die Straßenbeleuchtung. 278 Bogenlampen erhellen nun die Stadt.</p>
10. März 1894<p><strong><em>München-Hackenviertel</em></strong> * Der Schausteller&nbsp;Carl Gabriel eröffnet gemeinsam mit dem Wachsplastiker&nbsp;Emil Eduard Hammer im ehemaligen Vogl'schen Kaufhaus&nbsp;in der Neuhauser Straße 1/Ecke Färbergraben das <em>„I. Internationale Handels-Panoptikum“</em>.&nbsp;Es ist das größte und bedeutendste Panoptikum&nbsp;Münchens und wird als <em>„ein Bedürfnis der werdenden Großstadt“</em> bezeichnet.&nbsp;</p> <p>Es gibt rund 2.000 Exponate zu betrachten, davon etwa 500 Wachsfiguren und Wachspräparate.&nbsp;Der Eintrittspreis beträgt 50 Pfennig, Kinder und Soldaten zahlen die Hälfte.&nbsp;Das Panoptikum&nbsp;ist täglich von 8 bis 21 Uhr geöffnet.</p> <p>Als besondere Attraktion befindet sich in der dritten Etage das Anatomische Museum&nbsp;und ein Extrakabinett&nbsp;mit über 600 Exponaten.&nbsp;Das Extrakabinett&nbsp;dürfen nur Personen über 18 Jahren betreten.&nbsp;Personen beiderlei Geschlechts ist die gemeinsame Besichtigung polizeilich verboten.&nbsp;Am Dienstag und Freitag ist die Anatomische Abteilung&nbsp;ab 14 Uhr nur für Damen geöffnet.</p> <p>Im Keller befindet sich die Inquisitionsabteilung&nbsp;mit einer Sammlung von Folterwerkzeugen, deren Anwendung an lebensgroßen Wachsfiguren dargestellt werden.&nbsp;In der angeschlossenen Verbrecher-Galerie&nbsp;werden hauptsächlich zeitgenössische Massenmörder&nbsp;als Wachsimitate gezeigt.</p>
1. November 1894

München-Haidhausen * Die Nebenwache IV der Berufsfeuerwehr bezieht ihre Unterkunft in der Kellerstraße 2 a.


1895

28. Dezember 1895

Paris * Die Brüder Louis und Auguste Lumiére zeigen im Pariser Grand Café mit einem „Cinematographe“ genannten Gerät „lebende Bilder“. Umgehend nimmt Carl Gabriel Verhandlungen auf und erreicht die Absendung eines Operateurs nach München.


1896

1. Januar 1896

München-Haidhausen * Das Muffatwerk erzeugt jetzt Strom mit 600 PS.

26. Mai 1896

München-Graggenau * Der letzte Biersud wird im alten Hofbräuhaus am Platzl gebraut.

11. Juli 1896

München-Hackenviertel * In der bayerischen Haupt- und Residenzstadt werden erstmals „lebende Bilder“ gezeigt. Die Aufführung findet - „unter lebhafter Anteilnahme des Münchner Publikums“ - in Carl Gabriels und Emil Eduard Hammers Panoptikum statt. Der Vorführapparat wird mit Theaterkulissen umspannt und dann „drauflos gekurbelt“. Die Vorführungen richtet Carl Gabriel nach französischem Vorbild ein.

Das ganze Programm ist circa 100 Meter lang und läuft innerhalb von einer Viertelstunde ab. Drei bis fünf kleine Filme werden gezeigt:

  • Ein heranbrausener Eisenbahnzug,
  • Eine Schlangendomteuse,
  • Ein Kettensprenger und
  • Das Aufziehen der Hauptwache.

Schon einer der ersten Filme verursacht einen Skandal. Er heißt „Endlich allein“ und zeigt ein Brautpaar am Hochzeitstag. Die Schlussszene wird umgehend zensiert.


1898

1898

München-Haidhausen - München-Lehel * Der Kabelsteg - Münchens schönste und meistfotografierte Brücke - wird zur Kabelüberführung errichtet.


1899

1899

München-Hackenviertel * Schon einer der ersten im Internationalen Handels-Panoptikum gezeigten Filme verursacht einen Skandal. Er heißt „Endlich allein“ und zeigt ein Brautpaar am Hochzeitstag. Die Schlussszene wird umgehend zensiert. Auch in den folgenden Jahren sorgen Filme wie „Im Bad einer Pariserin“ oder „Im Chambre séparée“ für Aufregung.

Die Neue Bayerische Zeitung schreibt über das neue Medium Kino: „Es scheinen für dieses Etablissement überhaupt nur Nacktheiten als sehenswert und interessant zu existiren. Wir enthalten uns jeglicher weiterer Ausführungen und stellen nur die ergebene Anfrage: Wo bleibt die Münchner Sittenpolizei? Schläft sie oder existirt sie nicht mehr?“ 

Freilich werden neben solchen Filmen auch regelmäßig Aufnahmen von den verschiedenen und aktuellen Kriegsschauplätzen gezeigt.

16. Mai 1899

München-Au * Friedrich von Thiersch und das Baugeschäft Heilmann & Littmann unterzeichnen Pläne für die Erweiterung des Münchner-Kindl-Kellers an der Rosenheimer Straße. Thiersch gestaltet einen in den Proportionen wesentlich verbesserten Bau in Formen des Jugend- und Heimatstils. Die Fassadengestaltung strahlt eine Münchner Behäbigkeit aus.

Der weit über Münchens Grenzen hinaus bekannte Biertempel wird so beschrieben: „Die neue Hauptfront des Erweiterungsbaues ist in Deutschrenaissance gehalten. Die Mitte des Baues besteht aus einem 25 Meter hohen Giebel, an dessen beiden Seiten Türme angebracht sind; eine geräumige Terrasse, von Kreuzgewölben getragen, mit seitlichen Treppentürmchen versehen, erstreckt sich in der Höhe des ersten Stockwerkes.

Dass man sich vor einem modernen Bierpalast befindet, kennt man sofort an der originellen, dekorativen Weise, in der der Bau ausgeführt ist. Die an Maßkrugdeckel erinnernden Turmhauben und das große Bild des Münchner Kindls aus farbigen Tonplatten an der oberen Giebelfläche ist der beste Beweis hierfür”.

  • Mit einem Flächeninhalt von 1.600 Quadratmetern und einem Fassungsvermögen von über 5.000 Personen entsteht hier der größte Saalbau Münchens und der viertgrößte im Reich.
  • Hinzu kommt noch ein 500 Plätze fassendes „Bräustüberl” und ein Biergarten, in dem ebenfalls 5.000 Sitzplätze zur Verfügung stehen.

Am weithin sichtbaren Giebel, der von zwei Türmen mit kupfergedeckten Hauben flankiert ist, findet sich ein Mosaik mit dem Münchner Kindl. Zwischen den Turmgeschossen sind stilisierte Eichenbäume mit Blattwerk angebracht. An der Ecke zur Hochstraße, an der die Stützmauer des Biergartens mit schönen alten Kastanienbäumen die Höhe eines Vollgeschosses erreicht, schiebt sich ein Balkon zur Straße vor, überwölbt von einem Bogen, auf dem ein maßkrugschwingendes „Münchner Kindl“ steht.

Thiersch hat die Baugruppe zu einem Blickfang an der von der Isar her ansteigenden Rosenheimer Straße gestaltet. Die Formensprache seines Anbaus zeigt keinerlei Anklänge an die Renaissancearchitektur des bestehenden Altbaus, der streng symmetrisch gegliedert war. 

Sehr geschickt löst er die Aufgänge zum Biergarten und die Stützmauern aus Sichtbeton. Als Abschluss des Wirtschaftsgartens ist an der südlichen Grenze desselben noch eine gedeckte hölzerne Halle errichtet, die die unschönen Brandmauern der benachbarten Brauereien abdeckt.

13. September 1899

München-Bogenhausen * Die Isar schwillt auf 1.290 Kubikmeter in der Sekunde an. Bei diesem sogenannten Jahrhunderthochwasser wird die Luitpoldbrücke in Bogenhausen von den Fluten des Gebirgsflusses weggerissen.

Dezember 1899

München * Bereits 2.000 Münchner Haushalte sind an das öffentliche Elektrizitätsnetz angeschlossen.


1900

Um 1900

München * Die Brauereien stehen unangefochten an der Spitze der Münchner Wirtschaft.

1900

München * Der Verein der Brauereibesitzer in München nennt sich in Verein Münchner Brauereien um.

Bis 1900

München - München-Haidhausen - Perlach * Es gibt nur eine einzige evangelische Gemeinde in München. Danach wird für alle östlich der Isar gelegenen Stadtteile die Kirchengemeinde St. Johannes, mit der Notkirche in der Haidhauser Preysingstraße, gebildet.

Auch in Perlach gibt es viele evangelische „Linksrheiner“; doch diese gehören damals noch nicht in den Burgfrieden Münchens.


1901

10. Mai 1901

München-Haidhausen * Erstmals dürfen sich die Bürger Münchens in die Fluten des Müller‘schen Volksbades stürzen.

Um den 6. Juni 1901

München-Haidhausen * In Haidhausen gibt es vier evangelische Knaben- und fünf evangelische Mädchenklassen. Da aber die protestantischen Klassen in der Unterbringung gegenüber den katholischen Klassen wesentlich benachteiligt sind, fordert der evangelische Kirchenbauverein die Erbauung eines evangelischen Schulhauses in Haidhausen. 

20. Juni 1901

München-Haidhausen * Die Lokalschulkommission entspricht dem Antrag des evangelischen Kirchenbauvereins auf Errichtung einer evangelischen Schule in Haidhausen. 


1904

11. Juli 1904

München-Angerviertel * Die Hauptfeuerwache der Berufsfeuerwehr an der Blumenstraße 34 ist bezugsfertig.

3. Oktober 1904

München-Haidhausen * Die Flurschule wird als 5. Haidhauser Schule eröffnet. Sie ist zugleich die 5. evangelische Schule in München.

1. Dezember 1904

München-Au * Das Landgerichtsgefängnis München II am Lilienberg wird geschlossen.

12. Dezember 1904

München - München-Haidhausen - München-Au * Die Generalversammlung der Aktionäre der Münchner Kindl AG beschließt die Fusion mit der Haidhauser Unionsbrauerei. Die neue Unionsbrauerei steigt dadurch zu einer der fünf größten Münchner Brauereien auf.


1905

22. Januar 1905

Petersburg * Der Petersburger Blutsonntag. Zaristische Truppen erschießen zahlreiche Demonstranten einer friedlichen Kundgebung in Petersburg.

3. Februar 1905<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Im Münchner-Kindl-Keller&nbsp;findet eine Solidaritätskundgebung zu Gunsten der Opfer der ersten Russischen Revolution statt.</p>

1907

31. Dezember 1907

München * Die Brauereien nehmen mit etwa 4.000 Beschäftigten den 9. Platz unter den wichtigsten Gewerbezweigen ein.


1908

1908

München-Haidhausen * Der Zustand der Nicolai-Kirche am Gasteig ist derartig schlecht, dass ihr Abbruch ins Auge gefasst wird. Man einigt sich dann jedoch auf das Trockenlegen und Neuaufrichten der Wände. Das geschieht allerdings erst im Jahr 1912.


1909

4. Juli 1909

Bozen * Ritter Karl von Müller, der Sponsor des Volksbades, stirbt in der Nähe von Bozen. 

4. September 1909

München-Au * Karl Valentin tritt - neben vielen anderen Künstlern - beim Bürgerrechts-Verein München-Ost und dem Sozialdemokratischen Verein, Sektion München-Ost im Münchner-Kindl-Keller - an herausgehobener Position - als Instrumental-Karikaturen-Komiker auf. 


1910

31. Dezember 1910

München * Der Pro-Kopf-Bier-Verbrauch liegt in München bei 309 Liter.


1911

26. September 1911

München * Der Münchner Magistrat beschließt die Automobilisierung der Berufsfeuerwehr.


1912

Februar 1912

München-Au - München-Haidhausen * Im Münchner-Kindl-Keller und im Eberl-Bräukeller finden in den Faschingswochen „Arbeitslosen-Massenveranstaltungen“ statt. 


1914

21. März 1914

München-Au * Rosa Luxemburg hält im brechend vollen Münchner-Kindl-Keller eine mitreißende Rede zum Thema „Militarismus und Volksfreiheit“. Sie fordert auf, die Waffen nicht gegen die ausländischen Klassenbrüder zu erheben und das Wettrüsten zu stoppen. Die Sozialdemokraten gehen zu diesem Zeitpunkt noch davon aus, dass der Krieg zu verhindern ist. 

Rosa Luxemburg sagt: „Wenn ein Mann von Blut und Eisen wie Bismarck trotz Ausnahmegesetz nicht mit uns fertig geworden ist, wie wollen das die Knirpse fertig bringen, die heute an der Spitze stehen!“

29. Juni 1914

München-Haidhausen * Der Grundstein für die evangelische Johanneskirche in Haidhausen wird gelegt. Mit dem Anwachsen der evangelischen Kirchengemeinde ist der Behelfsbau zu klein geworden. Eine neue Kirche auf dem gleichen Platz muss her. 

Als Architekt wird Albert Schmidt erkoren, der zuvor schon die Lukas-Kirche erbaut hat. Außerdem hat er sich einen Namen gemacht mit dem Bau der Synagoge, der Deutschen Bank und des Löwenbräukellers. 


1916

1. April 1916<p><em><strong>München-Haidhausen</strong></em> * Schon am Tag vor der Einweihung der evangelischen Haidhauser Johanneskirche&nbsp;läuten schon deren Glocken.&nbsp;Sie tragen die Inschriften: <em>„Ehre sei Gott in der Höhe“, „Friede auf Erden“</em> und <em>„Den Menschen ein Wohlgefallen“</em>.&nbsp;</p> <p>Die Glocken waren ursprünglich für eine Gemeinde in Ostpreußen bestimmt, die durch die Kriegszerstörungen keine Kirche und keinen Turm mehr hatte.&nbsp;</p>
2. April 1916<p><em><strong>München-Haidhausen</strong></em> * Die evangelische Johanneskirche&nbsp;in Haidhausen wird eingeweiht. Die Kirchenchronik vermerkt:&nbsp;<em>„Ein erstaunlicher Vorgang ist die Fertigstellung und Einweihung der St.-Johannes-Kirche in Haidhausen.&nbsp;</em></p> <p><em>In einer Zeit, in der alle Kräfte des Volkes angespannt werden müssen, um dem Krieg seinen Tribut zu zollen, kann die protestantische Gemeinde Münchens ihr sechstes Gotteshaus erstellen und in Gebrauch nehmen.&nbsp;Die große neuromanische Kirche mit ihrem hohen Turm tritt an die Stelle der Notkirche von 1889“</em>.</p>

1917

2. November 1917

München * Die Verordnung über die Zusammenfassung von Brauereibetrieben leitet einen Konzentrationsprozess ein.


1918

1918<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Das <em>„Gabriels Tonfilmtheater“</em> erhält einen neuen Namen und heißt nun <em>„Museum Lichtspiele“</em>. Das Vorbild für den Namen war das im Bau befindliche technische Museum auf der Kohleninsel, das bereits im Oktober 1915 eröffnet werden sollte.</p> <p>Durch die Wirren des Ersten&nbsp;Weltkriegs musste die Eröffnung des nahegelegenen „Deutschen Museums“ bis zum 7. Mai 1925 verschoben werden.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>

1919

2. April 1919<p><strong><em>München-Au</em></strong> * In einer Versammlung im Münchner-Kindl-Keller&nbsp;wird von den Teilnehmern die Forderung erhoben, sämtliche Mietshäuser des Stadtgebiets, mit Ausnahme der Einfamilienhäuser, zu enteignen. Zur Bekräftigung des Beschlusses will man ab 15. April keine Miete mehr bezahlen.&nbsp;</p>
5. Mai 1919

München-Haidhausen * Der 19-jährige Konrad Zeller sagt als Zeuge der Erschießungen im Hofbräukeller folgendes aus: „Gleich nach unserer Ankunft im Hofbräukeller mussten wir in Reihe antreten. Jemand, wer weiß ich nicht, gab den Befehl: ‚Ludwig raus‘. Ludwig wurde von 2 Soldaten hinter das Auto geführt. Gleich darauf krachte es 2 oder 3 mal. Ich glaube, dass Ludwig sofort erschossen worden ist“.

Gegen Mittag werden die übrigen elf Perlacher von Erschießungskommandos hingerichtet. Bei den Ermordeten handelt es sich um den bereits erwähnten Hafnermeister Josef Ludwig sowie die Hilfsarbeiter Artur Koch, Johann Keil, Sebastian Hufnagel, Albert Dengler, sowie den Arbeiter Albert Krebs, der Schweizer Staatsbürger war, weiters um den Schreiner Georg Jakob, den Maurer Josef Jakob, den Eisenbahnarbeiter Georg Eichner, den Arbeiter Konrad Zeller, den Korbmacher August Stöber und den Former Johann Fichtl.

Josef Ludwig ist Vorsitzender des Perlacher Arbeitersrats, dem aus dem Kreis der Ermordeten noch Josef Jakob und August Stöber angehören. Außerdem ist Ludwig Mitglied im Gemeindeausschuss und steht dem wichtigen Lebensmittelausschuss vor. 

Von den zwölf Ermordeten sind zehn Mitglieder der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - USPD. Zwei der Getöteten sind Junggesellen; insgesamt werden zehn Frauen zu Witwen, die sich um 46, davon 35 minderjährige Kinder [!], sorgen müssen. 

16. Oktober 1919

München-Haidhausen * Adolf Hitler hält im Hofbräukeller am Wiener Platz die erste parteipolitische Rede seines Lebens.


1920

5. September 1920

München-Au * Adolf Hitler hält im Münchner-Kindl-Keller eine Rede vor 3.000 Zuhörern, in der er die Juden verurteilt, da sie hinter dem Elend Deutschlands stecken. Wenn man erst mal die Macht habe, so sagt Hitler weiter, dann „werde man den Fetzen von einem Friedensvertrag zerreißen”.

Der NSDAP-Parteivorsitzende führt aus, dass Deutschland zwar geknebelt und wehrlos ist, sich aber nicht vor einem Krieg gegen Frankreich scheuen darf. Seine Rede beendet er mit dem Schiller-Wort: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, nicht trennen uns in Not und Gefahr“.

1. Oktober 1920

München * Das Rettungswesen, das von der Münchner Freiwilligen Rettungsgesellschaft und der Freiwilligen Sanitätskolonne des Roten Kreuzes betrieben wurde, geht jetzt auf die Berufsfeuerwehr über.

4. Dezember 1920

München-Haidhausen * Die Eberl-Faber-Aktiengesellschaft am Gasteig, die zuletzt im Besitz der Paulaner-Salvator-Brauerei Aktiengesellschaft war, geht in das Eigentum der Landeshauptstadt München über. Sie wird unter dem Namen „Stadtkeller“ weitergeführt.


1921

5. Januar 1921

München * Die Aktionäre der Löwenbräu AG stimmen der Fusion mit der Unionsbrauerei rückwirkend zum 1. Oktober 1919 zu. Obwohl Friedrich Ritter von Mildner offiziell den Posten des Vorstandsvorsitzenden übernimmt, leitet dennoch Dr. Hermann Schülein das Großunternehmen.


1923

8. November 1923<p><strong><em>München-Haidhausen</em></strong> * Adolf Hitler stürmt mit einem bewaffneten Stoßtrupp den Bürgerbräukeller, in dem die Freie Vereinigung von Erwerbsständen&nbsp;zu einer Veranstaltung eingeladen hatte, und erklärte die <em>„Nationale Revolution“</em> für <em>„ausgebrochen“</em>.</p> <p>Am nächsten Tag machen sich die Putschisten&nbsp;auf den Weg in die Innenstadt. An der Feldherrnhalle&nbsp;kommt es zu einer Schießerei mit der Landespolizei. Sechzehn Putschisten&nbsp;und vier Polizisten kommen dabei ums Leben.</p>
11. November 1923<p><strong><em>Landsberg am Lech</em></strong> • Adolf Hitler kommt in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech in Schutzhaft.&nbsp;</p>
14. November 1923<p><strong><em>Landsberg am Lech</em></strong> • Adolf Hitler, der sich seit dem 11. November 1923 in Landsberg am Lech in Schutzhaft befindet, wird nun in Untersuchungshaft genommen. Für die Dauer des Prozesses [ab 1. April 1924] wird er nach München verlegt.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>

1924

1924<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Zwischen 1924 und 1926 leitet Josef Liebl die Museum-Lichtspiele.&nbsp;&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>
26. März 1924<p><strong><em>München-Maxvorstadt</em></strong> * Nach dem Tod von Friedrich Ritter von Mildner übernimmt Dr. Hermann Schülein als Generaldirektor&nbsp;und Vorstandsvorsitzender&nbsp;dessen Nachfolge in der Löwenbräu AG.&nbsp;</p>
18. April 1924<p><strong><em>München-Haidhausen</em></strong> * Die Unionsbrauerei&nbsp;in der Äußeren-Wiener-Straße in Haidhausen wird geschlossen.</p>

1925

Um 1925<p><em><strong>München</strong></em> * Der Pro-Kopf-Bier-Verbrauch hat sich in München bei etwa 200 Liter eingependelt. Das entspricht in etwa dem Doppelten des heutigen Verbrauchs, wobei man Touristen und Gäste der Stadt berücksichtigen muss.</p>
1925<p><em><strong>München</strong></em> * Die Werke Richard Wagners sind derart populär, dass eine Simlicissimus-Karikatur&nbsp;einen Biergartenbesucher philosophieren lässt: <em>„Wagner kann man bloß in München hören - in Bayreuth gibt's nur in den Pausen Bier“</em>.</p>
1925<p><em><strong>München-Giesing - München-Haidhausen</strong></em> * Die evangelischen Giesinger trennen sich von <em>„St.-Johannes“</em> in Haidhausen und gründen die selbstständige <em>„Martin-Luther-Gemeinde“</em>.</p>
7. Mai 1925

München-Isarvorstadt * Das Deutsche Museum auf der Kohleninsel wird eröffnet.


1926

1926<p><em><strong>München-Haidhausen</strong></em> * Die Altöttinger-Kapelle&nbsp;am Gasteig wird entfeuchtet, restauriert und umfassend erneuert. Aus dieser Zeit stammt auch der Umgang mit den 14 Kreuzwegstationen aus Majolika.</p>
7. August 1926<p><em><strong>Berlin</strong></em> * Das Reichsgericht&nbsp;in Berlin bestätigt die Freisprüche&nbsp;der beiden Hauptverantwortlichen der Perlacher Arbeitermorde&nbsp;im Hofbräukeller, Leutnant&nbsp;Georg Pölzing und Vizewachtmeister&nbsp;Erich Prüfert.&nbsp;</p>

1928

1928<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Wilhelm van Laak und Valentin Neumeier übernehmen die Museum-Lichtspiele.&nbsp;Im gleichen Jahr wird das Lichtspielhaus umgebaut und das Fassungsvermögen auf 280 Plätze erhöht.&nbsp;</p>

1930

1930<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Die Museum-Lichtspiele&nbsp;gehen an Erich König, der es bis zum Jahr 1933 betreibt.</p>

1931

1. Juli 1931

Berlin - München * Die Berliner Industrie- und Handelskammer will in einer Anfrage über die Cenovis-Werke wissen, ob das Unternehmen für Lieferungen an Behörden geeignet ist.

Die umgehend erfolgte Antwort führt dazu aus, dass die Firma „als durchaus leistungsfähig und zuverlässig zu gelten hat. Das Unternehmen kann deshalb auch für die Lieferung an Behörden als geeignet bezeichnet werden. Der Generaldirektor des Unternehmens ist Herr Dr. Julius Schülein aus der bekannten, hochangesehenen, alteingesessenen Brauerfamilie, der die Aktienbrauerei zum Löwenbräu gehört“.


1933

1933<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Von 1933 bis zum Jahr 1937 leitet Anton Rösch die Museum Lichtspiele.&nbsp;</p>
30. Januar 1933<p><strong><em>Deutsches Reich</em></strong> * Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 und der Einsetzung des Reichspropagandaministers Joseph Goebbels herrschte auch rund um die Lichtspieltheater eine Atmosphäre der Einschüchterung, Gleichschaltung und Gewalt. Schon vor der Gründung der Reichsfilmkammer wurden die Betreiber und Besitzer auf Veranlassung des Reichspropagandaministeriums reglementiert, kontrolliert, überwacht und in ihren freien Einscheidungen eingeschränkt.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>
30. Januar 1933

Berlin * Der Tag der sogenannten Machtübernahme. Adolf Hitler wird vom Reichspräsidenten Paul Ludwig Hans Anton von Beneckendorff und von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Er leitet eine Koalitionsregierung bestehend aus NSDAP, DNVP und Stahlhelm.

1. April 1933<p><strong><em>Berlin</em></strong> * Die NSDAP ruft zum reichsweiten <em>„Judenboykott“</em> auf.&nbsp;Über 600 jüdische Firmen in München werden boykottiert,<em> „zum Schutz der Inhaber und zur Belehrung des Publikums durch Posten gesichert und durch Plakatierung gekennzeichnet“</em>.&nbsp;Der reichsweite <em>„Boykott jüdischer Geschäfte“</em> dauert bis zum 3. April an.</p>
3. April 1933

Gießen * Die Universitäts-Klinik Gießen fragt bei der IHK München an, ob die „Cenovis eine christliche Firma“ ist.

7. April 1933<p><strong><em>München</em></strong> * Auf die Anfrage der&nbsp;Universitäts-Klinik Gießen, ob die <em>„Cenovis eine christliche Firma“</em> ist, antwortet die IHK München. Sie führt dabei aus, dass sich <em>„das Kapital der Firma Cenovis München teils in christlichen, teils in israelitischen Händen befindet“</em>.&nbsp;</p>
22. September 1933<p><strong><em>Deutsches Reich</em></strong> * Mit der Errichtung der <em>„Reichsfilmkammer“</em> muss jeder in der Filmbranche Tätige Mitglied dieser obersten Kontrollbehörde sein. Das kann er aber nur bei <em>„politischer Zuverlässlichkeit“</em> und <em>„arischer Abstammung“</em> werden.&nbsp;</p> <p>Das bedeutet in der Praxis ein Berufsverbot für die jüdischen Kinobetreiber. Dazu zählt auch Wilhelm van Laak, der die Museum-Lichtspiele zwischen 1928 und 1930 geführt hat.&nbsp;</p>
23. September 1933

München-Berg am Laim • Der NSDAP-Stadtrat W. Holzwarth stellt den Antrag auf Umbenennung der Schüleinstraße und des Schüleinplatzes in Berg am Laim. In seiner Begründung gibt er an, dass der „Kommerzienrat Joseph Schülein keine besonderen Verdienste, weder in sozialer Hinsicht, noch um die Stadtgemeinde München im Besonderen, nachgewiesen werden können“ und aus diesem Grund „keine Veranlassung besteht, dass in einem nationalsozialistischen Staate eine Strasse und ein Platz nach einem Juden benannt werden. 

Schülein war Hauptaktionär und Aufsichtsrat-Vorsitzender der Löwenbrauerei und bei seinem nicht unbeträchtlichen Einkommen und grossem Vermögen, dürfte es wohl nicht als besonderes Verdienst anzurechnen sein, wenn er von diesen Geldern wieder einen kleinen Bruchteil der Allgemeinheit für bestimmte Zwecke zur Verfügung stellte. [...]

Ausserdem hat meines Wissens gerade Schülein dafür gesorgt, dass der grösste Teil der Landbrauereien Bayerns [mehrere 1.000 Betriebe] durch die Löwenbrauerei aufgekauft wurden. Sämtliche aufgekauften Betriebe wurden sofort geschlossen, wodurch die in Bayern blühende Land-Bier-Industrie vollständig vernichtet wurde. Die daraus sowohl für die einschlägige Industrie und das Handwerk, als auch für den Arbeitslosenmarkt entstandenen und zugefügten Schäden sind gar nicht zu übersehen.“

7. Dezember 1933

München-Berg am Laim * Die Berg am Laimer Schüleinstraße und der Schüleinplatz werden aufgrund des Antrags des NSDAP-Stadtrats in Halserspitzstraße und Halserspitzplatz umbenannt.

10. Dezember 1933

München-Maxvorstadt * Der Kommerzienrat und Handelsrichter Emil Zeckendorf, Eigentümer des Hauses Richard-Wagner-Straße 11, stirbt.


1935

25. Juni 1935

Berlin * Das Luftschutzgesetz verpflichtet alle Deutschen zu „Dienst- und Sachleistungen sowie zu sonstigen Handlungen, Duldungen und Unterlassungen [...], die zur Durchführung des Luftschutzes erforderlich sind“. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern muss ein Sicherheits- und Hilfsdienst unter der Leitung des Polizeipräsidenten aufgestellt werden. Er erhält später den Namen Luftschutzpolizei. 

Die Feuerwehr untersteht somit bei kriegsbedingten Einsätzen dem örtlichen Luftschutzleiter, bei „normalen“ - friedensmäßigen - Einsätzen ist weiterhin der Oberbürgermeister ihr höchster Dienstvorgesetzter in der Stadt.

8. Oktober 1935

München * In München wird die erste Luftschutzübung abgehalten.

2. Dezember 1935

München * Die NSDAP befragt die IHK München, ob der Generaldirektor der Cenovis-Werke arischer Abstammung ist.


1937

1937<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Von 1937 bis zum Kriegsende Ende April 1945 ist&nbsp; Wilhelm Sensberg der Betreiber des Filmtempels in der Au.</p> <p>Welche politische Gesinnung die Betreiber des Lichtspielhauses während der NS-Zeit bevorzugten, ist nicht bekannt. Auf alle Fälle standen die Kinobetreiber und -besitzer in dieser Zeit unter strenger Aufsicht nationalsozialistischer Aktivisten.</p>
22. Januar 1937

München-Au * Das Stammkapital der Cenovis-Werke beträgt 1,5 Millionen Reichsmark. Davon befinden sich Geschäftsanteile in Höhe von 815.000 RM in jüdischer Hand. Von den fünf Aufsichtsräten sind zwei Juden, von den zwei Vorsitzenden Einer. Die Industrie- und Handelskammer - IHK München stellt deshalb fest:

  • „Bei dem Unternehmen kann daher sowohl nach Besitz wie auch nach Führung nicht von einer arischen Firma gesprochen werden.
  • Diese Tatsache schließt unseres Erachtens eine Berücksichtigung bei Heereslieferungen aus.“

1938

1938

München-Au * Das „Bezirksamt am Lilienberg“ wird in „Landratsamt“ umbenannt.

März 1938

Berlin * In einem „Erlaß des Reichswirtschaftsministeriums“ heißt es:

Zur „Voraussetzung für die Anerkennung als nichtjüdischer Gewerbebetrieb [ist] grundsätzlich zu verlangen, dass auch im Aufsichtsrat kein jüdisches Mitglied mehr vorhanden ist und dass bezüglich des Gesellschafterkapitals eine Dreiviertelmehrheit der nichtjüdischen Gesellschafter besteht“.

Mai 1938

München-Au - Berlin * Verhandlungen zwischen der „Cenovis-Werke“ und der „Maggi Gesellschaft mbH“ in Berlin über den Verkauf der in jüdischen Händen befindlichen Anteile der Firma beginnen.

10. Juni 1938

München * Die IHK München setzt die Cenovis-Werke unter Druck und verlangt, dass das Unternehmen bis zum 31. Juli 1938 nach dem Erlass des Reichswirtschaftsministeriums vom März 1938 „umzustellen“ ist. Ansonsten wird die Gesellschaft aus dem Verzeichnis der nichtjüdischen Betriebe gestrichen.

Zusätzlich fordert die Hauptvereinigung der deutschen Brauwirtschaft eine Bestätigung des Gauwirtschaftsberaters, wonach die Firma „in jeder Hinsicht als ein rein arisches Unternehmen angesehen werden kann“. Bis zur Erfüllung der Forderung lehnt der Brauwirtschaftsverband ab, Malzabholscheine bei den Cenovis-Werken einzulösen.

21. Juni 1938

München - Berlin * Die in jüdischen Händen befindlichen Anteile der Cenovis-Werke gehen an die Maggi GmbH Berlin über.

13. Juli 1938

München-Au * Die Cenovis-Werke schreiben an die IHK München die Zeilen: „[…] teilen wir Ihnen hierdurch mit, dass die Gesamtanteile an unserer Gesellschaft nunmehr in arischen Besitz übergegangen sind.
Die Cenovis-Werke GmbH in München sind infolgedessen sowohl in personeller wie auch in kapitalmässiger Hinsicht eine reine arische Unternehmung“
. Dann folgte das obligatorische „Heil Hitler“ und die Unterschrift „Altenrath“.

Dr. Julius Schülein kann gerade noch rechtzeitig vor der sogenannten Reichs-Kristallnacht in die USA emigrieren.

28. August 1938

München-Maxvorstadt * Jenny Zeckendorf, Eigentümerin des Anwesens Richard-Wagner-Straße 11, stirbt. Das Haus geht in den Besitz der Kinder Dr. Walter und Nelly Zeckendorf über, die aber bereits nach New York emigriert sind. Sie bleiben offizielle Besitzer bis zum Jahr 1941.

23. November 1938

München - Mit dem Gesetz über das Feuerlöschwesen endet die kommunale Selbstständigkeit der Feuerwehren. Die Münchner Berufsfeuerwehr wird in die unter Reichsverwaltung stehende Feuerschutzpolizei integriert. Ab sofort sind die Uniformen und die Fahrzeuge grün.


1939

Nach dem 8. November 1939

München-Kreuzviertel * Kardinal Michael von Faulhaber schreibt nach dem Attentat von Georg Elser auf Adolf Hitler im Bürgerbräukeller diesem ein Telegramm und beglückwünscht ihn zu seiner „glücklichen Rettung“. Zudem bittet er Gott, „er möge auch ferner seinen schützenden Arm über Sie halten“

8. November 1939

München-Haidhausen * Die von Georg Elser im Bürgerbräukeller installierte Bombe explodiert zum vorgesehenen Zeitpunkt, doch Hitler verlässt die Veranstaltung der „Alten Kämpfer“ dreizehn Minuten zu früh.

9. November 1939

München * Nach dem Attentat auf Hitler im Bürgerbräukeller wird die kirchliche Presse angewiesen, das „besondere Walten der Vorsehung“ hervorzuheben. 


1940

Ab dem 29. Mai 1940

München * Am 29. und 30. Mai 1940 regnete es in Strömen und ununterbrochen. Beim gewaltigsten Hochwasser der Isar stürzen 1.440 Kubikmeter Wasser in der Sekunde durch das Flussbett. 


1942

29. August 1942

München * In dieser Nacht kommt es zu den ersten wirklich schweren Luftangriffen über München. 

5. November 1942<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Unter <em>„Ausnutzung der Verdunkelung“</em> überfällt der 33-jährige Wilhelm Heppert die Kassiererin der Museum-Lichtspiele&nbsp;und raubt den Betrag von 150 Mark. Der Räuber wird von einem Wehrmachtsangehörigen gefasst und der Polizei übergeben. Er wird vor ein Sondergericht&nbsp;gestellt und als <em>„Volksschädling“</em> zum Tode verurteilt. Eine Begnadigung lehnt das Gericht ab.</p>

1943

27. Januar 1943

München-Obergiesing * Wilhelm Heppert, der die Kassiererin der Museum-Lichtspiele überfallen und die Kasse um 150 Mark erleichtert hat, wird im Strafgefängnis München-Stadelheim durch den Scharfrichter hingerichtet. Sein Leichnam wird dem Anatomischen Institut zur Verfügung gestellt.


1944

19. September 1944

München * München erlebt den schwersten Luftangriff. Er hat 7.105 Brände zur Folge.


1945

19. März 1945<p><strong><em>Berlin</em></strong> * Reichskanzler&nbsp;Adolf Hitler befiehlt:&nbsp;<em>„Alle militärischen, Verkehrs-, Nachrichten-, Industrie- und Versorgungsanlagen, die sich der Feind für die Fortsetzung seines Kampfes irgendwie sofort oder in absehbarer Zeit nutzbar machen kann, sind zu zerstören“</em>.&nbsp;Und weiter: <em>„Entgegenstehende Weisungen sind ungültig“</em>.&nbsp;Für Gauleiter&nbsp;Paul Giesler ist&nbsp;nun der Zeitpunkt gekommen, alle Isarbrücken Münchens zu sprengen.</p>
Ende April 1945<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Ende April 1945 werden die Museum-Lichtspiele kriegsbedingt geschlossen.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>
24. April 1945

Berlin - München * Reichsleiter Martin Bormann schreibt an den Münchner Gauleiter und Reichsverteidigungskommissar Paul Giesler ein Telegramm mit dem Inhalt: „Verteidigen Sie Ihren Gau mit Rücksichtslosigkeit und Schärfe!“

Aus München sollte ein „positives Stalingrad“ werden.

8. Mai 1945

Deutschland * Der Tag der bedingungslosen Kapitulation oder Tag der Befreiung vom Nazi-Terror. Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland verloren.

7. August 1945

München-Berg am Laim * Die Berg am Laimer Halserspitzstraße und Halserspitzplatz werden wieder in Schüleinstraße und Schüleinplatz zurück benannt.


1946

12. Juni 1946<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Die Museum-Lichtspiele können mit dem Alfred-Hitchcock-Film <em>„Im Schatten des Zweifels“</em> wieder für das Kino-Publikum eröffnet werden.</p>

1951

17. Dezember 1951

München-Berg am Laim * Die Feuerwache 5 an der Anzinger Straße wird bezogen.


1959

10. Juni 1959

München-Haidhausen * Die aus zwei Marmorfiguren und einem Bronze-Kruzifix bestehende Kreuzigungsgruppe wird in der Grünanlage nahe dem ehemaligen Leprosenhaus aufgestellt. Sein ursprünglicher Standort befand sich zuvor auf der gegenüberliegenden Straßenseite, beim heutigen Kulturzentrum. 


1964

1. April 1964<p><strong><em>München-Berg am Laim</em></strong> * Die Adresse der Feuerwache 5&nbsp;wird in Anzinger Straße 41 umbenannt.</p>

1970

Februar 1970<p><strong><em>München-Haidhausen</em></strong> * Die von der Firma Stahlgruber&nbsp;gemieteten Räume der ehemaligen Eberl-Faber-Aktiengesellschaft&nbsp;an der Rosenheimer Straße werden nach dem Umzug des Unternehmens in die Einsteinstraße abgerissen.</p>
24. September 1970

München-Au * Das Haus des Deutschen Ostens am Lilienberg wird als „Geschenk des bayerischen Staates an die vertriebenen Mitbürger“ den Heimatvertriebenen und ihren Verbänden übergeben und damit eröffnet. Die nichtrechtsfähige öffentliche Anstalt wird als Behörde des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung geführt.


1971

20. Juli 1971<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Der Grundstein für das neue Auto- und Einkaufszentrum&nbsp;an der Rosenheimer Straße wird gelegt. Bauherrn des inzwischen auf 100 Millionen DMark bezifferten Projekts sind die Treuhandgesellschaft mbH &amp; Co KG Berlin-München&nbsp;und die Europaen Hotel Company.</p>

1973

1973<p><strong><em>München-Haidhausen</em></strong> * Das Muffatwerk&nbsp;wird wegen Unwirtschaftlichkeit aufgelassen.</p>

1974

1974<p><strong><em>München-Haidhausen</em></strong> * Der Metzgermeister Sepp Krätz arbeitet als Schankkellner&nbsp;im Hofbräukeller, später im Hirschgarten.&nbsp;</p>

1975

September 1975

New York * Die „Rocky Horror Pictures Show“ wird in New York uraufgeführt.

Dezember 1975<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Hartmut Hinrichs übernimmt die <em>„Museum-Lichtspiele“</em> und wandelt es zu einem Spezialkino für Musicalfilme&nbsp;um.</p>

1976

April 1976

New York * Die New Yorker stürmen die Kinokassen.

Der Film „Rocky Horror Pictures Show“ zieht die Menschen nur so an. Sie Kinobesuch mit Netzstrümpfen und Korsagen.

Sie sprechen die Texte und singen die Lieder mit. Die Fans tanzen synchron mit den Stars auf der Leinwand und machen den Film durch ihr eigenes Einbringen und Zutun noch immer zum absoluten Hit.

Deshalb gehört es auch zum Ritual, sich an der Kinokasse ein Set mit Utensilien zu kaufen, das Reis, Luftschlangen, „Wunderkerzen“ und anderes beinhaltet.

Während der Trauungsszene werfen die Fans mit Reis; wenn Janet und Brad durchs Unwetter stapfen, halten sie sich eine Zeitung über den Kopf und zum Song „There’s a Light“ schwenken sie rhythmisch die „Wunderkerzen“.


1980

Oktober 1980

Avilla di Buia * Die wiederaufgebaute Kirche in Avilla di Buia wird eingeweiht - mit der „Madonna della Saluta“ im Mittelpunkt.

Ein großes Glasbild zeigt unter anderem das Dorf Haidhausen.


1985

10. November 1985

München-Haidhausen * Die Philharmonie im Gasteig-Kulturzentrum wird feierlich eröffnet.


1987

6. April 1987<p><strong><em>München-Haidhausen</em></strong> * Die denkmalgeschützte Mälzerei&nbsp;des Hofbräukellers&nbsp;brennt ab.&nbsp;Der Sachschaden wird mit 14 Millionen DMark beziffert.</p>

1988

1988<p><strong><em>München-Au</em></strong> * Die Museum-Lichtspiele&nbsp;kommen&nbsp;- neben weiteren Münchner Filmtheatern - in den Genuss der Filmtheater-Prämie&nbsp;in Höhe von 10.000 DMark. Oberbürgermeister Georg Kronawitter kann den Preis übergeben.</p> <p>Bundesweit werden 98 Kinos ausgezeichnet.&nbsp;Doch an keinen Ort gehen mehr Auszeichnungen wie an München.</p>
1988

München-Haidhausen * Der neubarock ummantelte Kamin des Muffatwerks wird für fast 2 Millionen DMark renoviert.


1991

4. Oktober 1991

München-Au * 15 Jahre nachdem der Film Rocky Horror Pictures Show in den Museum-Lichtspielen angelaufen war, feiern die Fans den Kino-Weltrekord im Guiness-Buch der Rekorde.


1993

1. Juli 1993

München-Haidhausen * Die Muffathalle wird als Kultur-Projekt betrieben.


1996

1. Januar 1996

München-Hackenviertel * Der Standort der Hauptfeuerwache der Berufsfeuerwehr wird von Blumenstraße 34 in An der Hauptfeuerwache 8 umbenannt.


2001

2001<p><strong><em>München-Au</em></strong> *&nbsp;Die Museum-Lichtspiele&nbsp;werden vom <em>„FilmFernsehFonds Bayern“</em> mit einer Prämie von 15.000 DMark ausgezeichnet.</p>

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