Stadtteilspaziergänge

Fakten - München - allgemein

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Vor 322 v.u.Z. 4

xxx * Nach den Lehren des Aristoteles [+ 322 v. Chr.] besteht jeder Stoff aus den vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer. 

Durch eine Änderung der Anteile der Elemente in einem Stoff wollte man diesen umwandeln - und so beispielsweise Blei zu Gold machen. 


166

166<p><strong><em>Alpenvorland</em></strong> * Aus dem <em>„Partherkrieg“</em> zurückkehrende Soldaten schleppen die Pest in das Römische Reich ja&nbsp;ein. Auch im Alpenvorland sterben viele Menschen an der Epidemie.&nbsp;</p>
Um Dezember 166

Donau * Die Markomannen überschreiten die Donau. Die Zeit friedlicher Entwicklung im Voralpenland ist damit vorbei. 


306

Circa 306

Elvira * Im 4. Jahrhundert hat man die ersten rechtlichen Bestimmungen zur „Ehelosigkeit“ und zur „Sexuellen Enthaltsamkeit von Priestern“ erlassen. 


321

3. März 321

Rom ? • Der Kaiser Konstantin der Große erklärt den Sonntag, den Heiligen Tag des Christentums und des Mithraskultes, für arbeitsfrei – für „alle Richter und Einwohner der Städte, auch die Arbeiter aller Künste“. Einzig landwirtschaftliche Arbeiten bleiben sonntags erlaubt. Das Edikt des Kaisers gilt als die Geburtsstunde des staatlich geschützten Ruhetags. 

3. Juli 321

Rom ? • Das Dekret Kaiser Konstantin des Großen, in dem er den Sonntag als gesetzlichen Ruhetag im römischen Reich erklärt, tritt in Kraft. 


354

Um den 25. Dezember 354

Rom * Papst Liberius verlegt das Fest Christi Geburt vom damals üblichen Termin, dem 6. Januar, auf den 25. Dezember. An diesem Tag feiert man im Römischen Reich den Tag der unbesiegbaren Sonne. Ein Fest zu Ehren von Mithras. Damit tritt die Geburt Christi an die Stelle eines heidnischen Festes.

An diesem Tag wird das Weihnachtsfest in der westlichen Welt noch heute gefeiert, im Gegensatz zur orthodoxen und orientalischen Kirche, die Weihnachten an Epiphanie [= 6. Januar] begeht.


420

Um 420

Algerien * Aurelius Augustinus, einer der vier lateinischen „Kirchenlehrer“ der Spätantike, hat sich bereits im frühen 5. Jahrhundert mit dem beschäftigt, was wir heute unter den Begriffen „Hexe“ und „Schadenszauber“ verstehen.

Es geht ihm aber weniger um die Angst vor einer „schädlichen Magie“, sondern vielmehr darum, den christlichen Glauben von allen Verunreinigungen durch den „heidnischen“ und „abergläubischen“ Irrglauben zu reinigen.

Augustinus will die „absolute Überlegenheit“ des katholischen Christentums propagieren und deutet deshalb die heidnischen Götter und Göttinnen zu „teuflischen Dämonen“ um, die „Luzifer“ hierarchisch unterstellt wären.

Wer also in diesem Sinne „Magie“ betreibt, macht sich automatisch des „Teufelspaktes“ schuldig. 


431

22. Juni 431

Ephesus * Das Konzil von Ephesus beginnt. Es dauert bis zum 31. Juli. Auf dem Konzil wird das erste Marianische-Dogma der katholischen Kirche verkündet. Es lautet: „Maria ist Mutter Gottes.“


550

Um den 550

China - Persien * Um selbst Seide herstellen zu können, muss zunächst das Geheimnis der Seidenproduktion gelüftet und die nützlichen Seidenraupen beschafft werden.

Das gelingt zwei persischen Mönchen aus der christlichen Sekte der Nestorianer. Sie haben sich in China die notwendigen Kenntnisse angeeignet und schmuggelten nun Eier der Seidenraupe sowie Maulbeersamen in ihren hohlen Pilgerstäben. 


553

5. Mai 553

Konstantinopel * Das „Konzil von Konstantinopel“ beginnt.  
Es dauert bis 2. Juni.  

Das „Konzil von Konstantinopel“ verkündet den zweiten „Marianischen Glaubensgrundsatz“.  
Er lautet: „Maria hat Jesus als Jungfrau empfangen und geboren“


716

Um 716

Freising - Salzburg - Regensburg - Passau * Herzog Theodo teilt das Herzogtum Baiern unter seinen vier Söhnen Theodebert, Grimoald, Theodold und Tassilo auf.

Vermutlich residiert Tassilo im Teilherzogtum Passau, Theodebert in Salzburg, Grimoald in Freising und Theodold in Regensburg. 


747

2. April 747<p><strong><em>Aachen</em></strong> * Der spätere Kaiser Karl der Große&nbsp;wird in Aachen geboren. Das Geburtsjahr könnte aber auch 748 gewesen sein.&nbsp;</p>

750

3. Juli 750

Erching * Der Freisinger Bischof Joseph von Verona erhält von Herzog Tassilo III. Grundbesitz im benachbarten Erching, wozu auch Bauerngüter in Föhring gehören. Damit beginnt die Besitzgeschichte der Freisinger Bischöfe in Föhring. 


760

760

Sendling * Erstmalige Nennung von Sendling.


763

763

Pasing - Gräfelfing * Erstmalige Nennung von Pasing und Gräfelfing.


771

771

Frankenreich * Karl „der Große“ wird alleiniger Herrscher des „Frankenreichs“


778

778

Frankenreich * Baiern wird dem „Frankenreich“ unter Karl „dem Großen“ gewaltsam einverleibt. 


782

782

Schwabing * Erstmalige Nennung von Schwabing.


800

25. Dezember 800

Rom * Karl der Große wird von Papst Leo III. in Rom zum Kaiser gekrönt. 


806

806

Haching * Erstmalige Nennung von Haching.


814

28. Januar 814

Aachen * Kaiser Karl der Große stirbt in Aachen. Sein Nachfolger wird sein Sohn Ludwig der Fromme. 


895

895

Ungarn * Die Ungarn tauchen in der zuvor von den „Awaren“ bewohnten Tiefebene an Donau und Theiss auf. 

Die Gegend trägt seitdem ihren Namen. 


903

903

Föhring - Freising * Durch ein Diplom König Ludwig „des Kindes“ kann Freising den ganzen einstigen Herzogs- und nachmaligen karolingischen „Königshof Föhring“ erwerben. 


907

4. Juli 907

Bratislava * Die Ungarn vernichten nahe Pressburg (Bratislava) fast das gesamte baierische Heer und einen Großteil der baierischen Führungsschicht.  

Die als Hunnen bezeichneten magyarischen Reiterhorden verbreiten Angst und Schrecken. Sie werden als „wilde Gestalten“ beschrieben, „mit braungelben Gesichtszügen, tief liegenden Augen, heißerer Stimme und bis auf drei Zöpfe abgeschorenem Haar, die das Blut geschlachteter Tiere trinken und ihre Toten verbrennen“. 


955

10. August 955

Lechfeld * Die dreitägige „Schlacht auf dem Lechfeld“ beginnt.  

Die „Hunnen“ genannten ungarischen Reiterhorden werden von einem zusammengewürfelten Heer aller deutschen Stämme (Sachsen, Franken, Baiern und Schwaben) besiegt.  

Anschließend setzen die „Panzerreiter“ Ottos des Großen den Flüchtenden nach, werden „eingeschlossen und von Bewaffneten niedergemacht“.  
Weitere Tausende Ungarn ertrinken angeblich in den Fluten des Lechs, dessen Wasser vom Blut der vielen Toten rot gefärbt ist.  
Das „Schlachtfeld“ am Lech ist mit Toten übersät.  

Die „Schlacht auf dem Lechfeld“ gilt unter Historikern als eines der bedeutendsten Ereignisse in der deutschen Geschichte.
Man spricht sogar von der „Geburtsstunde der deutschen Nation“

Um den 1. September 955

Keferloh * Nach der Schlacht auf dem Lechfeld verkaufen die Männer des Grafen Eberhard von Ebersberg in Keferloh angeblich mehr als 17.000 herrenlose Pferde der Ungarn. Damit begründen sie den Keferloher Markt, der bis heute besteht. Es gibt dazu aber weder Dokumente noch archäologische Funde. 


962

962

Rom * Papst Johannes XII. krönt den römisch-deutschen König Otto I. „der Große“ in Rom zum Kaiser. 

Seitdem besteht eine unverbrüchliche Verbindung zwischen den beiden Funktionen.  
Der deutsche König versteht sich automatisch als Anwärter auf das Kaisertum.  
Der Papst gilt als der richtige „Koronator“ für den Papst.  

Damit entsteht eine besondere Beziehung zwischen dem römisch-deutschen König und dem Papst.  

Die Päpste werden im Umkehrschluss  

  • ihr Recht ableiten, die Eignung des zukünftigen Kaisers zu überprüfen und  
  • auf die Erhebung zum deutschen König Einfluss zu nehmen. 

996

1. November 996

Bruchsal * Kaiser Otto III. überträgt dem Bischof von Freising, Gottschalk von Hagenau, Grundbesitz im Raum von Neuhofen an der Ybbs im heutigen Niederösterreich. In dieser Urkunde taucht erstmals der Name „Ostarrichi“ für Österreich auf.

Ostarrichi gehört zu dieser Zeit zum Herzogtum Baiern, bis es 1156 als Herzogtum Österreich unabhängig wird. 


1000

Um den 1000

Griechenland - Süditalien - Frankreich * Die Seidenraupenzucht verbreitet sich um das Jahr 1000 von Griechenland aus nach Süditalien, Sizilien und Frankreich.

Um das Jahr 1000

Europa * Der Begriff Hexe taucht in unseren Breitengraden erst vor gut tausend Jahren auf und dürfte sich vom althochdeutschen „hagazussa“ ableiten. Das lässt sich  mit „Geist oder Mensch, der in der Hecke wohnt oder sitzt“ [hag = Hecke, zussa = sitzend] übersetzen. 


1115

1115

Scheyern * Die Grafen von Scheyern nennen sich jetzt „von Wittelsbach“.  

Der Name leitet sich von der im Stadtgebiet von Aichach gelegenen Burg ab. 


1117

??? 1117

Kelheim * Der künftige Herzog Otto I. aus dem Geschlecht der Wittelsbacher kommt in Kelheim zur Welt.


1139

1139

Rom-Vatikan * Papst Innozenz II. erklärt die „Spende der Weihen“ zu einem „trennenden Ehehindernis“.  

Damit können verheiratete Männer nur noch dann zu Priestern geweiht werden, wenn sie ihre Frau durch Ablegung eines „Keuschheitsgelübdes“ freigibt.  

Für die Erlangung der „Bischofswürde“ ist sogar der Eintritt der Ehefrau in ein Kloster Voraussetzung. 


1140

3. Mai 1140

Freising * Der „Stauferkönig“ Konrad III. verleiht dem Freisinger Bischof in einer Urkunde das Privileg, wonach  

  • im gesamten Bistum die „Münzstätten“ bischöflich sein müssen,  
  • der Stadt Freising ein „vollberechtigter Fernhandelsmarkt“ für Salz und andere Großgüter gewährt wird und  
  • gleichzeitig die Errichtung weiterer „Fernhandelsmärkte“ im Bistum ohne königliche Legitimation ausdrücklich verboten wird.  

Bischof Otto I. von Freising, aus dem Geschlecht der Babenberger, will den Raum seines „Bistums“ alleine seinen Interessen unterordnen.  
Die monopolistische Politik des „Kirchenfürsten“ richtet sich zunächst gegen den amtierenden Herzog, das war Ottos eigener Bruder Leopold IV., aber auch gegen alle künftig regierenden Herzöge.  

In der Folge verlegt der Kirchenfürst das „Freisinger Marktrecht“ kurzerhand an das wesentlich verkehrsgünstiger gelegene Föhring.  
Damit maßt er sich ein ihm nicht zustehendes „königliches Privileg“ an.  

Dieser Flussübergang stellt jedoch für den geschäftstüchtigen „Freisinger Bischof“ eine sichere, lukrative, aber auch kostengünstige Einnahmequelle dar, da die zum Salz- und Warentransport benutzten „Saumpferde“ zuvor lange Zeit auf den herzoglichen Straßen unterwegs sind, um nur kurz vor der Isarbrücke auf „Freisinger Gebiet“ zu wechseln und es danach ebenso schnell wieder zu verlassen.  
Dazwischen kassieren die „bischöflichen Zöllner“.  

Außerdem lässt Bischof Otto I. hier eine „Salzniederlage“ und „Zollstätte“ errichten, mit der er sich den ganzen „Handel mit Salz“ zinsbar macht, und das, obwohl es für Föhring gar keine „Marktverleihungsurkunde“ gibt.  

Der Markt in Föhring beruht nur auf dem „Herkommen“, also auf einem „Gewohnheitsrecht“


1141

18. Oktober 1141

Niederaltaich * Herzog Leopold IV. stirbt in Niederaltaich überraschend ohne eigene Kinder.  


1143

1143

Regensburg * Heinrich XI. „Jasomirgott“, der Bruder von Herzog Leopold IV., wird Herzog von Baiern und Markgraf von Österreich. 

Er residiert in Regensburg, der damaligen Hauptstadt Baierns.


1144

1144

Europa * Ab dem 12. Jahrhundert beginnt die Blütezeit der Alchemie auch im christlichen Abendland. Die europäischen Alchemisten übernehmen das über den jüdisch-muslimischen Kulturkreis entwickelte Wissen und lassen sich vom abwägend-kritischen Denken ihrer orientalischen Kollegen inspirieren.

Bedeutende arabische Alchemiebücher werden ins Lateinische übersetzt. Das erste ist das „Buch über die alchemischen Mischungen“ aus dem Jahr 1144. Dadurch kann sich die Alchemie zu einer weit verbreiteten Form früher Naturwissenschaft entwickeln. Dabei ist die neue Sicht auf die Natur wesentlich, die bis dahin - wenn überhaupt - lediglich als Beiwerk der auf den Menschen konzentrierten Schöpfung aufgefasst wird. 


1154

Juni 1154

Goslar * Auf dem „Reichstag in Goslar“ erhält Herzog Heinrich „der Löwe“ von Kaiser Friedrich Barbarossa das Herzogtum Baiern zuerkannt.  

Es wird aber noch bis zum 8. September 1156 dauern, bis der Babenberger-Herzog Heinrich XI. „Jasomirgott“ offiziell auf das Herzogtum verzichtet. 


1156

6. April 1156<p><strong><em>Worms</em></strong> * In Worms erklärt Kaiser Friedrich Barbarossa in einer Urkunde alle Zölle am Main - bis auf wenige Ausnahmen - für aufgehoben. Fernhändler hatten sich bei ihm beschwert, dass sie zwischen Bamberg und Mainz allzu oft von regionalen Herrschern zur Kasse gebeten würden. Die Anmaßung königlicher Befugnisse durch die Fürsten widerspricht aber den politischen Zielen Kaiser Friedrich Barbarossas, weshalb er diesen Missbrauch eindämmen will.</p> <p>Der Kaiser setzt den Grundherren daraufhin eine Frist, binnen der sie die Berechtigung dieser Zollerhebungen anhand königlicher Privilegien nachzuweisen haben. Nur die wenigsten Betroffenen können den geforderten Nachweis erbringen. &nbsp;</p> <p>Gut vorstellbar, dass sich vor diesem Hintergrund auch ein heftiger Streit über die bischöflichen Einnahmen&nbsp;aus dem Zoll, dem Markt, der Münze&nbsp;und der Isarbrücke&nbsp;in Föhring entzündet hat. &nbsp;<br /> Man muss davon ausgehen, dass Herzog Heinrich XII. „der Löwe“ die unsicheren Rechtsgrundlagen des Freisinger Bischofs Otto I. über seine selbstherrlich geschaffenen Einrichtungen bewusst sind.</p> <p>Außer den Ansprüchen der beiden Kontrahenten spielt dabei natürlich auch das machtpolitische Interesse des Kaisers mit. Dieser tritt zwar vordergründig als unparteiischer Richter oder Schlichter auf, kann aber im Hintergrund agierend so seine Interessen und Ziele dennoch verwirklichen. Der Herzog und der Kaiser ziehen also am gleichen Ende des Seiles.</p>
8. September 1156

Konstanz * Der 26-jährige Welfenherzog Herzog Heinrich XII. der Löwe erhält von seinem Cousin Kaiser Friedrich I. Barbarossa das Herzogtum Baiern übertragen. Der Herzog verfügt damit aber nicht über ein in sich geschlossenes Areal, sondern muss auf seinem Herrschaftsgebiet unter anderem eine bischöfliche Enklave tolerieren, zu der neben dem Freisinger Dombezirk auch die Brücke in Föhring gehört. Zwei wichtige ehemalige Römerstraßen durchziehen das Herzogtum Baiern von Ost nach West, um sich bei Augsburg zu vereinen:  

  • Die von Salzburg kommende Straße überschreitet die Isar bei Grünwald, wobei der beschwerliche Übergang bereits gegen Ende des ersten Jahrtausends aufgegeben worden ist.
  • Der andere, der von Wien über Wels kommende Verkehrsweg, überquert die Isar bei Föhring und zieht dadurch den gesamten Fernhandelsverkehr auf sich. Dieser Isarübergang liegt also auf dem Gebiet des Freisinger Bischofs Otto I., dem Onkel Kaiser Friedrich Barbarossas. 

1157

Um 1157

München - Haidhausen * Im Jahr 1157 - zuvor und danach war Herzog Heinrich XII. „der Löwe“ nicht in Baiern - wird die „Salzstraße“ nach „Munichen“ umgeleitet.  

Die „Salzstraße“ muss man sich als „Trampelpfad“ vorstellen, denn der Lastentransport erfolgt noch nicht mit Fuhrwerken oder Karren, sondern mit „Saumpferden“.  

Sie führt noch nicht über den „Gasteig“ (= gacher Steig = steiler Weg) hinunter zur Isar, sondern nutzt eine „Fuhrt“ etwa auf der Höhe der heutigen „Maximiliansbrücke“.  

Dass der Welfenherzog ein elementares Interesse an der Aufhebung des unrechtmäßig in Föhring eingerichteten bischöflichen „Fernhandelsmarktes“ hat, ist naheliegend, da er der größte Nutznießer dieser Entscheidung ist.  
Und der Freisinger Bischof will nach den Erfahrungen von Worms retten, was noch zu retten ist.  
Schon deshalb ziehen die beiden Kontrahenten gemeinsam mit dieser Angelegenheit vor den Kaiser. 


1158

14. Juni 1158

Augsburg - München * Ein vergilbtes Stück Pergament im Format 34 mal 44 Zentimeter gilt als Geburtsschein der bayerischen Landeshauptstadt. Die von Kaiser Friedrich Barbarossa auf dem Reichstag in Augsburg unterzeichnete Urkunde geht als „Augsburger Schied“ in die Geschichte ein. Dieses Kaiserdiplom wird als „conventio“, also Übereinkunft, bezeichnet.  

  • „Mit Zustimmung und Willen der beiden streitenden Parteien“ wird darin vereinbart:  
  • Der Markt, der bisher zu Föhring abgehalten wurde, die Zollbrücke und die Münze, werden dort künftig nicht mehr bestehen.  
  • Als Ersatz hat unser Vetter Herzog Heinrich der Kirche von Freising ein Drittel des Gesamteinkommens aus seinem Marktzoll zu München übertragen, sei es aus Abgaben für Salz, sei es für andere dort ein- und ausgehende Groß- und Kleinstückwaren.  
  • Was den Zöllner betrifft, so soll nach Gutdünken jeder von Euch seinen eigenen haben oder, wenn das für gut erscheint, beide zusammen einen, der jedem von Euch verantwortlich sein soll.  
  • Mit der Münze soll es ähnlich gehalten werden, indem ein Drittel der Einkünfte der Bischof erhält, zwei Drittel aber für den Gebrauch des Herzogs bestimmt sind.  
  • Eine Münzstätte soll nach Gutdünken des Herzogs errichtet werden.  
  • Endlich soll eine Freisinger Münzstätte auch der Bischof errichten dürfen, wenn er will. Von deren Einkünften soll der Herzog nur ein Drittel erhalten und er soll diesen Anteil, er sei groß oder klein, nach dem Wunsch des Bischofs als Lehen weitergeben, wie er es auch bereits getan hat.  

Von einem Unrecht oder gar einer Freveltat des Welfenherzogs findet sich in dieser kaiserlichen Urkunde kein Wort. Als Zeugen für die Richtigkeit des Rechtsspruchs werden vier hohe geistliche Würdenträger und vier weltliche Herrscher benannt. 

Doch auch wenn die Kaiserurkunde den Charakter einer gütlichen Einigung in sich trägt, so ist sie in ihrem Kern doch ein regalienrechtlicher Spruch des Kaisers. Mit diesem Kompromiss kann Kaiser Friedrich I. Barbarossa einen Interessenausgleich zwischen dem Bischof von Freising und dem baierischen Herzog erzielen und damit beide zufrieden stellen. 

22. September 1158

Freising - Citeaux • Der Freisinger Fürstbischof Otto I. stirbt - im Alter von 46 Jahren - auf einer Reise zum Generalkapitel in Citeaux im Zisterzienserkloster Morimund. Sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wird Albert I. von Harthausen. 

Nach dem 11. November 1158

Roncaglia * Zwischen dem 11. und 26. November 1158 findet in Roncaglia ein Reichstag statt. Dabei erlässt Kaiser Friedrich Barbarossa ein Gesetz, das jede nicht genehmigte Erhebung von Abgaben untersagt.  

Darunter fällt freilich auch die unrechtmäßige Verlegung des Marktrechts von Freising nach Föhring durch - den inzwischen verstorbenen - Bischof Otto I.. Auffällig ist dabei die Nähe dieses Gesetzes und der Wormser Urkunde vom 6. April 1156 zum Föhringer Konflikt. 


1169

Um 1169

Kelheim ? * Der spätere baierische Herzog Otto I. heiratet in Kelheim (?) die Gräfin Agnes von Loon.


1171

1171

Jerusalem * Nach der im Jahr 1171 vom Patriarchen Albert zu Jerusalem gegeben Ordensregel müssen die „Karmeliter“

  • in abgewandten Zellen leben,
  • sich abwechselnd bei Tag und in der Nacht mit Handarbeiten und Gebet beschäftigen,
  • dürfen nichts Eigenes besitzen,
  • niemals Fleisch essen
  • und haben zu bestimmten Stunden gänzlich zu schweigen.

Der „Orden der Brüder der Seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel“ ist - neben den „Franziskanern“, „Dominikanern“ und den „Augustiner-Eremiten“ - einer der vier großen Bettelorden der katholischen Kirche.

Die Bezeichnung „Karmelit“ leitet sich von „Karmel“, einer rund fünfzig Kilometer langen, aus dem Meer auf eine Höhe von bis zu 552 Metern aufragende Gebirgskette in Palästina, ab.

„Karmel“ bedeutet „Baumgarten“ und bezieht sich auf den vorhandenen Wasserreichtum, der einen fruchtbaren Bergwald entstehen ließ.
In den zahlreichen Klüften und Höhlen des Bergmassivs siedelten sich bereits im Altertum „Propheten“ an.

Nach der Eroberung Palästinas durch die Kreuzritter ließen sich auf den „heiligen Bergen“ Einsiedler und Mönche nieder, um hier - nach dem Ideal weltabgewandter Askese und in strengster Armut - zu leben.


1172

Februar 1172

Regensburg * Nach einem „Landtag in Regensburg“ bricht Herzog Heinrich „der Löwe“ ins „Heilige Land“ auf. 

Dezember 1172

München * Herzog Heinrich „der Löwe“ kehrt aus dem „Heiligen Land“ wieder zurück und bringt einen Teil der Gebeine des heiligen „Onuphrius“ mit. 


1173

23. Dezember 1173

Kelheim * Herzog Ludwig I. der Kelheimer wird in Kelheim geboren.


1176

Um den 1. Februar 1176

Chiavenna * Es kommt zum Bruch zwischen Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen, nachdem der Herzog in Chiavenna am Comer See dem Kaiser die militärische Unterstützung für dessen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Lombardei versagt. Denn als Gegenleistung verlangt Herzog Heinrich der Löwe die Kaiserpfalz Goslar und deren reichen Silberminen. Eine Forderung, die der Kaiser strikt ablehnt.  

Es kommt angeblich zum Kniefall des Kaisers vor dem mächtigen und uneinsichtigen Herzog - und damit kommt es unausweichlich zum Konflikt. Nun beginnt der Stern des Löwen zu sinken, denn ein kaiserlicher Kniefall gehört zum Zeremoniell der staatlichen Ordnung und gilt zugleich als ein Verfassungselement. Da sich aber der Welfenherzog auch durch diese kaiserliche Geste nicht erweichen lässt, verletzt er die Regeln, was ihm als Überheblichkeit, Hochmut und Verachtung gegenüber dem Reich und dem Kaiser ausgelegt wird. 

Um den März 1176

München * Im Februar und März 1176 hält sich Herzog Heinrich „der Löwe“ zum letzten Mal seinem baierischen Herzogtum auf.  

Denn je rasanter es mit Münchens Wirtschaft aufwärts geht, desto steiler vollzieht sich der Abstieg des „Welfenherzogs“.  
Der Grund liegt in der Verweigerung Heinrichs des Löwen an, den Kaiser in seinen kriegerischen Auseinandersetzungen in der Lombardei zu unterstützen. 

29. Mai 1176

Legano * In der Schlacht bei Legano nordwestlich von Mailand werden die kaiserlichen Truppen Friedrich Barbarossas vom lombardischen Fußvolk besiegt. Damit ist Kaiser Friedrich Barbarossas Italienpolitik gescheitert, weshalb er stattliche Besitzungen abgeben muss. 


1177

24. Juli 1177

Venedig * In Venedig kommt es zu einem Verständigungsfrieden zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa mit Papst Alexander III.. 


1178

Um April 1178

Sachsen * Der „Kölner Fürstbischof“ Philipp überfällt mit einem gewaltigen Heer die Stammlande Herzog Heinrichs „des Löwen“.  

Da der Herzog zu dieser Zeit gerade einen Kriegszug gegen die „Slawenfürsten“ unternimmt, kommen für ihn und seine Untertanen die Überfälle und Plünderungszüge des „Kölner Fürstbischofs“ völlig überraschend.

11. November 1178

Speyer * Herzog Heinrich XII. der Löwe erhebt auf dem Hoftag zu Speyer Klage gegen den Fürstbischof Philipp von Köln und andere Fürsten, weil diese ihm Unrecht zugefügt haben.

Der ebenfalls anwesende Kölner Bischof hat zwar mit seiner Gegenklage einen schwachen Stand, doch Kaiser Friedrich Barbarossa greift nicht Herzog Heinrichs, sondern die Klage seiner Gegner auf und setzt zur Behandlung dieser Angelegenheit einen Hoftag in Worms an. 


1179

13. Januar 1179

Worms * Auf dem Hoftag zu Worms wird der eigentliche Ankläger Herzog Heinrich als Angeklagter vorgeladen. Er ist sich über die gegen ihn eingeleitete Aktion im Klaren und glaubt nicht mehr daran, sein Recht zu erlangen. Die Verweigerung von Chiavenna hat ihn in die Isolierung geführt. Aus den verschiedensten und zum Teil weit zurückliegenden Gründen haben sich der Kaiser, der Kölner Erzbischof sowie viele sächsische Bischöfe und Adelige gegen den Löwen verbündet.

Der Gerichtstag bringt ihnen den ersten Erfolg: Da sich Heinrich weigert zu erscheinen, macht er sich, da er „die Majestät verachtete“, der Rechtsverweigerung, der contumancia, schuldig.

Kaiser Friedrich I. Barbarossa kommt das Nichterscheinen des Herzogs gerade recht, da er sich auf diesem Wormser Hoftag die schwäbischen Welfenbesitzungen, die er nur wenige Wochen zuvor trotz des Erbvertrags zwischen Welf VI. und Heinrich dem Löwen gekauft hatte, formell übertragen lässt. 

24. Juni 1179

Magdeburg * Da der Welfenherzog Heinrich der Löwe auf dem Hoftag in Magdeburg - trotz Ladung - wieder nicht erscheint, verfällt er der Ächtung, die nach Ablauf von einem Jahr das Verfahren mit der Oberacht abschließt.

Mit dem Aussprechen der Oberacht würde der Herzog alle Besitzungen und Lehen verlieren. Würde er sich aber „unterwerfen“, dann wäre der Kaiser berechtigt, ihn wieder in seine Gnade aufzunehmen und teilweise oder vollständig von Neuem in seine Güter und Rechte einzusetzen. Herzog Heinrich hat also ein Jahr Zeit, sein „Unrecht“ wieder gutzumachen. 

Juli 1179

Köln * Unter der Führung des „Fürstbischofs“ Philipp von Köln überlagert die Mehrzahl der Fürsten und Bischöfe das kaiserliche „volksrechtliche Verfahren“ mit einem Zweiten nach der strengen „lehnsrechtlichen Prozessordnung“.

Es geht ihnen dabei nicht um die Beschleunigung der Angelegenheit, sondern darum, dass der Kaiser das Urteil nicht mehr abmildern und die dem Löwen entzogenen Lehen und Ämter am Ende doch wieder an ihn zurückgeben kann.  

Gerade Erzbischof Philipp von Köln geht es um diese Rechtssicherheit.  
Der von der Kölner Kirche beherrschte westfälische Teil des „Herzogtums Sachsen“ soll nicht wieder gefährdet sein und vor allem vor einer etwaigen Rückgabe an den Herzog geschützt werden.  
Deshalb verwundert es nicht, dass es erneut der „Kölner Fürstbischof“ war, der das Verfahren nicht nur konsequent fordert, sondern es auch in Gang bringt.

17. August 1179

Kayna * Nach der strengen „lehnrechtlichen Prozessordnung“ wird Herzog Heinrich der Löwe im Abstand von jeweils sechs Wochen dreimal geladen. Erstmals am 17. August 1179 auf den Hoftag in Kayna, letztmals zum 13. Januar 1180 auf den Hoftag in Würzburg. Herzog Heinrich der Löwe erscheint auf keinem Hoftag. 


1180

Um 1180

München * Die erste Isarbrücke entsteht.  

Der Verlauf der „Salzstraße“ findet sich heute in der „Einstein-“ und in der Fortsetzung in der „Inneren-Wiener-Straße“ wieder.  
Beim später entstandenen „Leprosenhaus“ führt sie über den Streckenabschnitt „Am Gasteig“ (= gacher Steig = steiler Weg) mit einem starken Gefälle hinunter zur Isar, die durch mehrere Inseln in viele Flussläufe geteilt ist. 

13. Januar 1180

Würzburg * Auf dem Hoftag zu Würzburg fällen die Fürsten wegen „Nichterscheinen des Beklagten“ ihr Urteil: Herzog Heinrich werden - noch vor dem Aussprechen der Oberacht - alle Reichslehen abgesprochen und Kaiser Friedrich Barbarossa zur Neuverteilung übertragen. Dieses Urteil kann der Kaiser weder abmildern noch darauf in anderer Form einwirken.   

Verfahrenstechnisch entscheidend für den Kölner Erzbischof Philipp ist die Vollstreckung des lehnrechtlichen Urteils noch vor der Verkündigung der volksrechtlichen Oberacht. 

13. April 1180<p><strong><em>Köln</em></strong><em> * </em>Fürstbischof&nbsp;Philipp von Köln hat sein Ziel erreicht:&nbsp;Er erhält den gewünschten westlichen Teil des Herzogtums Sachsen&nbsp;übertragen. Sein Verbündeter, Bernhard aus dem Haus der Askanier, erhält den östlichen Teil.</p>
Um den 28. Juni 1180

Regensburg * Kaiser Friedrich Barbarossa verhängt auf dem Reichstag zu Regensburg über den Welfenherzog Heinrich XII. dem Löwen die „Oberacht“. Erstmals wird auch über die Neuvergabe des Herzogtums Baiern beraten.

13. Juli 1180

Regensburg * Auf dem Reichstag zu Regensburg widerruft Kaiser Friedrich Barbarossa die Belehnung des Herzogtums Baiern an Herzog Heinrich dem Löwen. Das Regensburger Urteil, der zweiten für die Gründung Münchens wichtigen Kaiserurkunde, wird vom selben Fürstengremium getroffen, das den Herzog zuvor abgesetzt hat und steht damit natürlich in einem engen Zusammenhang mit der Entmachtung Heinrichs des Löwen.  

Erstmals ist darin von der Zerstörung der Brücke und der gewaltsamen Verlegung des Marktes von Föhring die Rede. Die Regensburger Kaiserurkunde bezieht sich allerdings mit keinem Wort auf den Augsburger Schied vom 14. Juni 1158. Dafür heißt es:  „Es mögen daher in Gegenwart und Zukunft alle Getreuen des Reiches wissen, dass unser geliebter Albert, Bischof von Freising, vor unserer Majestät erschienen ist und untertänig vor uns Klage geführt hat, dass der Edelmann Heinrich von Braunschweig, vormals Herzog von Baiern und Sachsen, den Markt mit der Brücke in Föhring, den seine Kirche seit uralten Zeiten ungestört in Besitz gehabt hatte, zerstört und ihn gewaltsam in den Ort München verlegt habe“.  

Die Darstellung ist knapp und sehr ungenau. Welchen Markt und welche Brücke sollte denn der Löwe zerstört haben? Lautete der erste Punkt des „Augsburger Schieds“ vom 14. Juni 1158 doch: „Der Markt, der bisher zu Föhring abgehalten wurde, die Zollbrücke und die Münze, werden dort künftig nicht mehr bestehen“.  

Für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Stadt enthält der vierte Absatz des Kaiserdiploms eine regalrechtliche Regelung. Demnach wird dem Freisinger Bischof der Markt und die Zollbrücke übertragen. Wie künftig die Einkünfte der Münze aufgeteilt werden, darüber trifft die Urkunde jedoch keine Aussage.  

Um diesen Sachverhalt und die Berechtigung der Klage zu untermauern und eine spätere eventuelle Zurücknahme der Entscheidung zu verhindern, bietet der Freisinger Bischof eine Reihe von hochrangigen Würdenträgern als Zeugen auf.

Damit ist die Rechnung des Klage führenden Bischofs von Freising aufgegangen, indem er sich an das knapp einen Monat zuvor abgeschlossene landrechtliche Verfahren angehängt und gewonnen hat. Er hat in dieser Verfahrensweise die Gelegenheit gesehen, über eine Verurteilung des Welfenherzogs als Friedens- und Rechtsbrecher einen Gewinn für die eigene Kirche herauszuholen. Die Münchner Stadtherrschaft der Freisinger Bischöfe wird bis zum Jahr 1240 andauern. 

16. September 1180

Altenburg * Auf dem Hoftag zu Altenburg wird die Steiermark vom Herrschaftsgebiet Baiern abgetrennt. Das restliche Kern-Baiern erhält der Wittelsbacher Herzog Otto I. zum Lehen.

Ab 16. September 1180

München * Die Wittelsbacher führen den Adler als Symbol des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation in ihrer Funktion als baierische Pfalzgrafen und als Münchner Gerichtsherren in ihrem Wappen. 


1181

11. November 1181

Erfurt * Herzog Heinrich der Löwe muss sich auf dem Hoftag zu Erfurt  den Kaiser zu Füßen werfen und um Gnade bitten. Mit dieser Geste ist die Entmachtung des einst einflussreichen Herzogs vollstreckt. Der Kaiser ist durch das lehnsrechtliche Urteil ohne jede Handlungsmöglichkeit.

Nur noch die Rückgabe des Eigenbesitzes gesteht man dem Ex-Herzog Heinrich dem Löwen unter der Voraussetzung zu, dass dieser sich zu einem Exil am Königshof in London - bei seinem Schwiegervater - bereit erklärt. Die deutschen Fürsten meinen, er soll künftig nicht mehr ihrem Stand angehören. 


1183

11. Juli 1183

Kelheim * Herzog Otto I. stirbt in Kelheim. Seine Grabstätte befindet sich im Benediktinerkloster Scheyern. Nachfolger auf dem Thron des baierischen Herzogs wird sein Sohn Ludwig I., genannt der Kelheimer.


1184

11. November 1184

Freising * Der Freisinger Bischof Albert I. von Harthausen stirbt. Sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wird Otto II. von Berg. 


1191

26. März 1191<p><strong><em>München - Scheyern</em></strong> * Agnes von Loon, die Ehefrau von Herzog Otto I., stirbt.&nbsp;Ihre Grabstätte befindet sich im Benediktinerkloster Scheyern.</p>

1198

1198

Rom-Vatikan * Papst Innozenz III.  erklärt, dass „alle, die öffentliche Frauen aus dem Bordell führen und sie zu Ehefrauen machen, den Ablass ihrer Sünden erhalten“.  

Wohlgemerkt, der Ehemann erhält den „Ablass“, nicht die „Ex-Prostituierte“


1200

Um das Jahr 1200<p><strong><em>München-Graggenau - München-Angerviertel</em></strong> * Die Stadtumfassung wird bis zum Kalten- oder Katzenbach&nbsp;erweitert. An dieser Stelle befindet sich vorübergehend ein Kaltenbachtor&nbsp;genanntes, isarseitiges Stadttor.&nbsp;</p>

1204

Oktober 1204

Kelheim * Herzog Ludwig I. „der Kelheimer“ heiratet Ludmilla, die Witwe des Grafen von Bogen, in Kelheim.


1207

1207

München * Das „Cartular“ des „Klosters Ebersberg“ bezeichnet München als „civitas“.  

Das ist die erste Nennung Münchens als „Bürgergemeinde“ = Stadt. 


1208

Um das Jahr 1208

München-Angerviertel * Das „Heiliggeist-Spital“ wird gegründet. 


1211

1211<p><strong><em>Herzogtum Baiern</em></strong> * Ganz Baiern wird - nach den Annalen des&nbsp;Klosters Weihenstephan&nbsp;- von einer großen&nbsp;Pest&nbsp;und einer gewaltigen Hungersnot heimgesucht.&nbsp;</p>

1214

Um den September 1214

Rheinpfalz * Die Wittelsbacher Herzöge erben die „Rheinpfalz“


1215

Anno 1215

Rom-Lateran * Mit der Gründung des „Ordens der Reuerinnen der Heiligen Magdalena“ wird den „Prostituierten“ die Möglichkeit eröffnet, in ein „sündenfreies Leben“ zurückzukehren. 


1220

17. März 1220<p><strong><em>Freising</em></strong> * Der Freisinger Bischof Otto II. von Berg stirbt. Sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wird Gerold von Waldeck.&nbsp;</p>

1221

1221

Kloster Schäftlarn - München * In den „Annalen des Klosters Schäftlarn“ wird München erneut als „civitas“ (= Stadt) bezeichnet.


1222

Mai 1222

Worms * Herzog Otto II. heiratet in Worms Agnes, die Tochter Heinrichs des Schönen, Pfalzgraf bei Rhein und Herzog von Sachsen und dessen Ehefrau Agnes, Tochter Konrads, Pfalzgraf bei Rhein.


1225

1225

München-Angerviertel * Erstmals wird die „Peterskirche“ urkundlich erwähnt. 


1226

1226

Rom-Lateran * Die Ordensgemeinschaft der „Einsiedlerbrüder vom Berge Karmel“ erhält ihre päpstliche Bestätigung.

Mit dem Vordringen der Muslime gehen viele Eremitenmönche im 13. Jahrhundert nach Zypern, Sizilien, Südfrankreich und England.
Dort wenden sie sich einer mehr weltzugewandten Richtung zu, sodass Papst Innozenz IV. die „Karmeliter“ unter die Bettelorden eingereiht und ihnen so die Möglichkeit der Niederlassung in den Städten gibt.


1228

Seit 1228

 Pfalzgrafschaft Rhein * Herzog Otto II. regiert die „Pfalzgrafschaft Rhein“.


1229

1229

München - Regensburg * In einer Regensburger Urkunde wird als jüdischer Zeuge ein „Abraham von München“ genannt.

Ein Hinweis, dass es bereits zu dieser Zeit Juden in München gegeben hat.

13. April 1229

Heidelberg * Herzog Ludwig II., später genannt „der Strenge“, wird in Heidelberg geboren.


1231

29. März 1231<p><strong><em>Freising</em></strong> * Der Freisinger Bischof Gerold von Waldeck stirbt. Er wird von Papst Gregor IX. abgesetzt und exkommuniziert, weil er im Jahr 1230 die Stadt Freising den Wittelsbachern als Lehen überlassen will.&nbsp;Dazu kam es durch überwiegend selbst verschuldeter Finanzschwierigkeiten. Sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wird Konrad I. von Tölz und Hohenburg.&nbsp;</p>
15. September 1231

Kelheim * Herzog Ludwig I. der Kelheimer wird auf der Donaubrücke in Kelheim von einem Unbekannten ermordet. Seine Grabstätte befindet sich im Benediktinerkloster Scheyern. Nachfolger auf dem Thron des baierischen Herzogs wird sein Sohn Otto II., der bereits seit 1228 die Pfalzgrafschaft Rhein regiert.


1232

1232

Landshut * Herzogin Ludmilla von Baiern, die Ehefrau von Herzog Ludwig I. „der Kelheimer“, gründet in  der Nähe von Landshut das „Zisterzienserinnenkloster Seligental“.

2. Dezember 1232

Rom-Lateran * Papst Gregor IX. überträgt den Dominikanern die Aufgabe, die Orthodoxie des christlichen Glaubens zu schützen und deren Feinde aufzuspüren. Gemeint ist damit das Beharren auf bestimmten traditionellen Lehrmeinungen, Ideologien oder Handlungsweisen. Das steht im Gegensatz zu den Erneuerungsbewegungen, der Heterodoxie. 

Dadurch engagieren sich die Dominikaner verstärkt in der Verfolgung der neuen Hexen-Ketzer-Sekte. 


1235

19. November 1235

Landshut * Herzog Heinrich XIII. wird in Landshut geboren.


1239

28. Mai 1239

München * Das älteste erhaltene Stadtsiegel findet sich auf einer Urkunde, in der die Bürgerschaft erstmals neben dem stadtherrlichem Richter auftritt. Das Siegel zeigt einen Mönchskopf mit überzogener Kapuze in einem von zwei Türmen flankierten offenen Tor, über dem ein Adler erscheint. Den Adler als Symbol des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation führen die Wittelsbacher Herzöge in ihrer Funktion als baierische Pfalzgrafen und als Münchner Gerichtsherren seit 1179 in ihrem Wappen. -

Der Stadtherr ist zu diesem Zeitpunkt noch der Bischof von Freising, Konrad I. von Tölz, den die Wittelsbacher Herzöge aber aus „ihrer” Stadt verdrängen wollen und werden. 


1240

1240

München * Die Wittelsbacher verdrängen den Freisinger Bischof aus München.  

Die Zeit, in der die Freisinger Bischöfe in München regieren, liegt ebenso im Düsteren wie die Zeit vor Herzog Heinrich dem Löwen.  
Das liegt daran, dass es schon bald zu Streitigkeiten mit dem neuen baierischen Herzogshaus der Wittelsbacher kommt, die sogar in kriegerische Auseinandersetzungen münden.  

Am Ende des weit über fünfzig Jahre andauernden Konflikts, einigen sich die Kontrahenten auf die Vernichtung aller streitbezogenen Dokumente.  
Dieser Maßnahme fallen viele wichtige Informationen zum Opfer.

Der Bischof muss seine „Münchner Rechte“ gegen eine jährliche Entschädigung an den Herzog abtreten.  
Diese Gebühr wird bis 1802 bezahlt. 

5. August 1240

Landshut * Herzogin Ludmilla von Baiern, die Ehefrau von Herzog Ludwig I. dem Kelheimer, stirbt in Landshut. Ihre Grabstätte befindet sich im Zisterzienserinnenkloster Seligental bei Landshut.


1249

1249

Werdenfelser Land * Ritter Swiker von Mindelberg verkauft sein Gut, „das Garmisch genannt wird“, um 250 Pfund Augsburger Pfennige an den Freisinger Bischof Konrad I. von Tölz und Hohenburg, „mit allem was dazu gehört“


1250

Um das Jahr 1250

Italien * Thomas von Aquin greift die Ideen des „Kirchenlehrers“ Aurelius Augustinus aus dem frühen 5. Jahrhundert wieder auf und entwickelt die weitreichende Theorie des „explizit“ [= ausdrücklich] und „implizit“ [= stillschweigend] geschlossenen „Teufelspaktes“, nach dessen Abschluss die Dämonen dem „Magier, Zauberer oder Wahrsager“ hilfreich zur Seite stehen.

Neben seiner Lehre vom „Teufelspakt“ spekuliert Augustinus darüber, ob der Geschlechtsverkehr zwischen Frau und Dämon möglich sei und ob daraus Nachwuchs hervorgehen könne.

Auch Thomas von Aquin vertritt die Auffassung, dass es zwischen Menschen und Dämonen zu Sexualkontakten kommen kann.  
Da aber alle „Schöpferkraft“ nur bei Gott liegt, können sie keine Kinder zeugen.

Deshalb muss der Dämon zuerst in Gestalt einer „succuba“ [= weiblicher, unten liegender Dämon] einem Mann den Samen entziehen, um ihn dann in Gestalt eines „incubus“ [= männlicher, oben liegender Dämon] einer Frau einzupflanzen.

Diese Theorie wurde ebensolange diskutiert wie die Frage, ob solche im Prinzip vom Menschen abstammenden Kinder eine zu taufende „Seele“ hätten oder nur „teuflische Wechselbälger“ seien.

Ja, mit so einem Unsinn können sich intelligente Menschen scheinbar intensiv beschäftigen. 


1253

29. November 1253

Landshut - Scheyern * Herzog Otto II. stirbt in Landshut. Seine Grabstätte befindet sich im Benediktinerkloster Scheyern. Herzog Ludwig II. der Strenge regiert zwischen 1253 und 1255 gemeinsam mit seinem Bruder Heinrich XIII. das Herzogtum Baiern und die Pfalzgrafschaft Rhein. 


1254

2. August 1254

Landshut * Herzog Ludwig II. der Strenge heiratet in Landshut Herzogin Maria von Brabant und Lothringen.


1255

28. März 1255

Herzogtum Baiern • Das Herzogtum Baiern wird in das „Obere Baiern“ und das „Niederland“ geteilt. Das Teilherzogtum Oberbaiern und die Pfalzgrafschaft Rhein erhält Herzog Ludwig II. der Strenge, das Teilherzogtum Niederbaiern fällt an Herzog Heinrich XIII..


1256

18. Januar 1256

Donauwörth * Herzogin Maria von Baiern, die Ehefrau von Herzog Ludwig II. dem Strengen, wird in Donauwörth enthauptet. Ihre Grabstätte befindet sich in der Heiligkreuzkirche in Donauwörth.


1257

13. Januar 1257

Rom-Lateran * Papst Alexander IV. erteilt einen Ablassbrief für das Franziskanerkloster in München. Der Ablass gilt an den Festen der Heiligen Franziskus, Antonius und Klara sowie acht darauffolgende Tage. Es ist die erste sichere Kunde vom Bestehen des Franziskanerklosters. 


1258

18. Januar 1258

Freising * Der Freisinger Bischof Konrad I. von Tölz und Hohenburg stirbt. Sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wird Konrad II. Wildgraf von Dhaun. 


1260

24. August 1260

München ? * Herzog Ludwig II. der Strenge heiratet Herzogin Anna von Schlesien-Glogau.


1267

16. August 1267

München - Scheyern * Herzogin Agnes von Baiern, die Ehefrau von Herzog Otto II., stirbt. Ihre Grabstätte befindet sich im Benediktinerkloster Scheyern.


1271

25. Juni 1271

München - Fürstenfeld * Herzogin Anna von Baiern, die zweite Ehefrau von Herzog Ludwig II. dem Strengen, stirbt in München. Ihre Grabstätte befindet sich in der Kirche des Zisterzienserklosters Fürstenfeld.


1273

1. Oktober 1273

Frankfurt am Main * Die Kurfürsten wählen Rudolf von Habsburg zum römisch-deutschen König. Herzog Ludwig II. der Strenge ist als Pfalzgraf bei Rhein einer der sieben Kurfürsten. Zugleich nimmt er das Amt des Reichsvikars wahr, des Stellvertreters des Königs bei dessen Abwesenheit oder bei Thronvakanz. 

Um den 24. Oktober 1273

Aachen * Herzog Ludwig II. der Strenge heiratet in Aachen die Gräfin Mechthild von Habsburg.


1274

4. Oktober 1274

Basel * Herzog Rudolph I. wird in Basel (?) geboren.


1276

1276

Augsburg * Das „Augsburger Stadtrecht“ unterstellt die „varnden freulin“ der Rechtsaufsicht des „Henkers“.  

  • Dieser Schritt bedeutet einerseits, dass sich die „Reichsstadt Augsburg“ mit der ständigen Anwesenheit der „Prostituierten“ abgefunden hat und  
  • andererseits sind die Augsburger „Dirnen“ - welch ein Fortschritt - nicht mehr „rechtlos“, sondern einem „Sonderrecht“ unterworfen und  
  • können sich bei Willkürentscheidungen des „Henkers“ an den „Vogt“ als Schiedsinstanz wenden. 

1279

1279

Landshut * Die umherziehenden „Lustdirnen“, die später oft noch als „Fahrende Fräulein“ bezeichnet werden, werden in Landshut der Gruppe der „Fahrenden“ zugeschlagen.  

Sie sind zwar geduldet, aber dennoch missachtet, weshalb sich ihre Häuser am äußeren Stadtrand befinden. 


1282

Februar 1282

München * Herzog Ludwig IV., der spätere Kaiser Ludwig der Baier, wird in München geboren. Er entstammt der dritten Ehe von Herzog Ludwig II. dem Strengen mit Gräfin Mechthild von Habsburg.


1284

1284

München * München hat einen „Rat der Stadt“, den man „consules civitatis Monacensis“ nennt. 


1285

1285

München - München-Graggenau * Ein Münchner Jude soll einen christlichen Knaben ermordet und sein Blut für rituale Zwecke missbraucht haben, obwohl der jüdische Glauben den Genuss von Blut verbietet.

Die Juden der Stadt sterben als „jüdische Glaubenszeugen“ in den Flammen der von Christen angezündeten „Synagoge“.


1288

Um 1288

Ockham * Wilhelm von Ockham oder Occam wird in Ockham in der Grafschaft Surrey in England geboren.


1290

3. Februar 1290

Burghausen - Landshut * Herzog Heinrich XIII. stirbt in Burghausen. Seine Grabstätte befindet sich im Zisterzienserinnenkloster Seligental bei Landshut.


1294

2. Februar 1294

Heidelberg * Herzog Ludwig II. der Strenge stirbt in Heidelberg. Seine Grabstätte befindet sich in der Kirche des Zisterzienserklosters Fürstenfeld. Herzog Rudolph I. übernimmt die Regierungsgeschäfte. Sein Bruder, der zwölfjährige Herzog Ludwig IV., den man später den Baiern nennen wird, erhält seine Erziehung am Habsburger Hof in Wien.

12. März 1294

Freising - Werdenfelser Land * Der Freisinger Bischof Emicho Wildgraf erwirbt von Berchtold Graf zu Eschenloch die Grafschaft ze Mittenwald und Partenkirchen. In der Kaufurkunde taucht erstmals der Name „Werdenfels“ auf. 

19. Juni 1294

München * Im Rudolfinum, dem aus 22 Artikeln bestehenden Grundgesetz der Stadt München, bestätigt Herzog Rudolph I. der Stadt alle Rechte seiner Vorgänger. Die Stadt München bekommt die Gerichtsbarkeit mit Ausnahme der drei Fälle, die zum Tode führen.

Im Rudolfinum wird bereits der Begriff Burgfrieden als ein Bereich außerhalb der Stadtmauern formuliert, der zum Rechtskreis der Stadt gehört. Wörtlich heißt es dort: „in der stat oder darumbe, daz doch zu der stat gehöret.“ 


1296

7. April 1296

Kelheim * Herzog Otto II. wird in Kelheim geboren.


1301

1301

Wien * König Albrecht I. von Habsburg, der Onkel der baierischen Herzöge, verhilft Ludwig den Baiern zur Mitregierung in den oberbaierischen-pfälzischen Gebieten.


1302

5. Januar 1302

München-Kreuzviertel - München-Hackenviertel * Das Neuhauser Tor wird erstmals in einer Urkunde genannt. 


1304

Juni 1304

München - Fürstenfeldbruck * Herzogin Mechthild von Baiern, die dritte Ehefrau von Herzog Ludwig II. „dem Strengen“, stirbt.

Ihre Grabstätte befindet sich  in der Kirche des „Zisterzienserklosters Fürstenfeld“.


1305

1305

Freising - Mittenwald * Im „Freisinger Urbar“ wird Mittenwald als „forum“ mit einem Richter erwähnt. 

5. Juni 1305

Avignon * Frankreichs König Philipp IV. gelingt es, seinen Wunschkandidaten Bertrand de Got, den Erzbischof von Bordeaux, durch ein französisch dominiertes Kardinalskollegium, auf den Papstthron zu setzen. Der neue Pontifex maximus Clemens V. lässt sich nicht nur außerhalb Roms krönen, sondern residiert dauerhaft in Avignon. 

Das bedeutete eine Abkehr vom päpstlichen Universalismus. Denn während der Papst in Rom und dem Kirchenstaat einigermaßen autonom ist, besitzt er um Avignon herum nur wenig Ländereien, die zudem vollständig vom französischen Staatsgebiet umschlossen sind. Das Papsttum gerät damit in Abhängigkeit zur französischen Krone. Der Papst verliert seine überparteiliche Autorität.


1306

Februar 1306

??? * Wilhelm von Ockham wird zum Subdiakon gewählt. Er gehört damals bereits dem Franziskanerorden an.


1308

Um 1308

München * Herzog Ludwig der Baier heiratet Herzogin Beatrix von Schlesien-Schweidnitz, „die Tochter des edlen Polenherzogs Balko I.“

1308

Oxford * Wilhelm von Ockham beginnt sein Studium der Theologie an der „Universität Oxford“.


1309

1309

Landshut * Herzog Ludwig der Baier wird - gegen den erklärten Willen der Mutter - Vormund der unmündigen Kinder seines verstorbenen Vetters Stephan I. und regiert dessen Teilherzogtum in Niederbaiern.

1309

Rom - Avignon * Die Päpste regieren nicht mehr in Rom, sondern in Avignon, wohin Papst Clemens V. seine Residenz verlegt. 


1310

1310

München-Lehel * Die „Floßlände“ - nördlich der heutigen „Ludwigsbrücke“ - wird erstmals genannt. 

1310

München * Die Juden dürfen den Christen die Teile geschlachteter Tiere verkaufen, die zu verzehren ihnen verboten sind.

1310

München-Graggenau * Erstmals wird ein „Rathaus“ in München genannt, das als „der Stadt Haus“ oder als „Haus der Bürger“ bezeichnet wird. 

Über die innere Einteilung dieses älteren Rathauses kann keine Aussage gemacht werden. 

1. Oktober 1310

München * Herzog Ludwig IV. der Baier setzt bei seinem älteren Bruder Herzog Rudolph durch, dass Baiern durch eine Nutzungsteilung in einen Landesteil Baiern-Ingolstadt-Amberg, in dem Ludwig regiert, und in einen Landesteil München-Burglengenfeld, in dem Rudolph das Sagen hat, zerlegt wird.


1312

1312

München - Landshut * Herzog Ludwig der Baier wird Vormund der unmündigen Kinder seines verstorbenen Vetters Otto III. und regiert nun auch dessen Teilherzogtum in Niederbaiern. Auch Ottos III. Witwe wehrt sich gegen diese Vormundschaft und hätte ihre Söhne lieber in österreichischer Obhut gesehen.

Außerdem sieht Herzog Rudolph den Machtzuwachs seines Bruders mit argwöhnischen Augen.


1313

21. Juni 1313

München * Die Herzöge Rudolph I. und Ludwig IV. der Baier schließen einen Hausvertrag, in dem wieder die gemeinsame Herrschaft festgeschrieben wird. Außerdem soll Herzog Rudolph I. die Kurwürde vorenthalten bleiben.

24. August 1313

Bounconvento/Siena * Der römische König Heinrich VII. von Luxemburg stirbt und damit beginnt ein Feilschen um seine Nachfolge. Vier Fürsten bewerben sich um seine Nachfolge. 

  • Die meisten Chancen werden Heinrichs Sohn, König Johann von Böhmen, und dem österreichischen Herzog Friedrich der Schöne zugeschrieben.
  • Als wenig chancenreich werden dagegen die Bewerbungen von Graf Wilhelm III. von Holland-Hennegau und Herzog Ludwig IV. von Baiern angesehen.
9. November 1313

Gammelsdorf * In der Schlacht bei Gammelsdorf, unweit von Moosburg, schlägt Herzog Ludwig IV. der Baier die Truppen der Habsburger und seines Bruders Rudolph.

Sein schneller Sieg wird durch das schlechte Wetter und einen dementsprechend morastigen Kampfplatz begünstigt. Im Aufgebot Herzog Ludwig des Baiern kämpfen oberbaierische Adelige und Bürger niederbaierischer Städte gegen österreichische und niederbaierische Ritter.

Die militärische Auseinandersetzung flammte auf, nachdem Österreich - unterstützt von Herzog Rudolph - Einfluss auf die niederbaierischen Angelegenheiten nehmen wollte. Dabei geht es konkret um die Vormundschaft der drei unmündigen Herzöge von Niederbaiern, den Kindern der verstorbenen Herzöge Stephan I. und Otto III..


1314

1314

Freising * Konrad III. „der Sendlinger“ wird zum Bischof von Freising gewählt. 

August 1314

Frankfurt am Main * Auf Vorschlag des Mainzer Erzbischofs verzichtet die luxemburgische Partei auf die Kandidatur König Johanns von Böhmen zum römischen König und unterstützt dagegen Herzog Ludwig den Baiern.

Da sich trotz des Kandidatenwechsels keine eindeutigen Mehrheitsverhältnisse abzeichnen, droht eine Doppelwahl mit anschließendem Thronkampf.

19. Oktober 1314

Sachsenhausen * Baierns Herzog Rudolph I., der Kölner Kurfürst, der Herzog von Sachsen-Wittenberg und der Böhmenkönig aus dem Haus der Herzöge von Kärnten wählen in Sachsenhausen bei Frankfurt den Habsburger Friedrich den Schönen zum Deutschen König.

20. Oktober 1314

Frankfurt am Main * Die Kurfürsten von Mainz, Trier und Brandenburg sowie der Herzog von Sachsen-Lauenburg wählen Herzog Ludwig den Baiern ebenfalls zum Deutschen König.

25. November 1314

Bonn - Aachen * Herzog Friedrich der Schöne, in dessen Besitz sich die Reichskleinodien befinden, wird vom richtigen Coronator, dem Erzbischof von Köln, am falschen Ort - in Bonn - zum König gekrönt. 

Herzog Ludwig der Baier wird am richtigen Ort, der Pfalzkapelle in Aachen, vofalschen Coronator, den Mainzer Erzbischof, zum König gekrönt. Ein Thronkampf ist damit unvermeidlich geworden.


1315

1315

München * Die herzoglichen Brüder Rudolph und Ludwig der Baier vereinbaren ihre Zusammenarbeit. Rudolph kennt Ludwig als Römischen König an.

18. Februar 1315<p><strong><em>München</em></strong> * König Ludwig IV. der Baier&nbsp;gewährt<em> „den Münchner Bürgern, ihrem Gut und ihren Boten“</em> Schutz und Geleit im ganzen Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation&nbsp;und natürlich in den baierischen Herzogtümern.&nbsp;</p>
18. April 1315<p><strong><em>München</em></strong> * König Ludwig IV. der Baier&nbsp;ist - nach seiner Krönung - erstmals wieder in München.&nbsp;</p>
21. April 1315<p><strong><em>München-Angerviertel</em></strong> * König Ludwig IV. der Baier&nbsp;befreit das Angerkloster&nbsp;von allen Steuern.&nbsp;</p>
29. April 1315<p><strong><em>München</em></strong> * Die vier baierischen Herzöge [König Ludwig IV. der Baier&nbsp;und die Herzöge Rudolf, Heinrich und Otto] treffen sich in München zu einer Unterredung.&nbsp;</p>
6. Mai 1315

München * König Ludwig der Baier äußert sich zum Burgfrieden wie folgt: „in der stat und uberal in den gerichtt, daz zu derselben stat gehört“.

6. Mai 1315

München * König Ludwig IV. der Baier schließt mit seinem Bruder Herzog Rudolph I. einen Sühnevertrag, in dem sie  

  • ihre Zusammenarbeit vereinbaren und  
  • Herzog Rudolph I. seinen Bruder Ludwig IV. als Römischen König anerkennt. 
6. Mai 1315

München * König Ludwig IV. der Baier erteilt allen Kaufleuten „sicheres Geleit“ im Münchner Stadtgebiet. 

Um den 15. Mai 1315

??? * Herzog Ludwig V., später genannt der Brandenburger, wird als Sohn König Ludwigs IV. der Baier an einem nicht bekannten Ort geboren. 

16. Juli 1315

München * König Ludwig IV. der Baier erteilt der Stadt München das Recht, „schädliche Leute“ im ganzen Herzogtum Baiern zu fangen und vor dem Stadtgericht zu verurteilen, nicht jedoch hinzurichten

21. Juli 1315

München * König Ludwig IV. der Baier erlässt das erste Münchner Judenrecht. Es entspricht dem Augsburger Judenrecht und hebt gleichzeitig alle entgegenstehenden Vorschriften auf. 

22. Dezember 1315

Freising * Im Auftrag des Freisinger Bischofs Konrad III. dem Sendlinger wird eine Diözesan-Beschreibung gefertigt, die sogenannte Konradinische Matrikel. 

Sie beinhaltet sämtliche fürstbischöfliche Besitzungen und zählt gleichzeitig alle Einnahmen auf. Daneben enthält sie eine präzise Diözesanbeschreibung, die alle Kirchen, Kapellen, Klöster und Friedhöfe aufführt.  

  • Nach der Konradinischen Matrikel ist das Bistum Freising in 18 Dekanate eingeteilt, die insgesamt 233 Pfarreien, 564 Filialkirchen und 22 weitere Kapellen umfassen.
  • Das rechte Isarufer gehört bis hinunter zur Menterschwaige zur Pfarrei Bogenhausen, die wiederum dem Dekanat Ismaning unterstellt ist.
  • ​Die Pfarrei Bogenhausen umfasst die Filialkirchen mit Begräbnisstätten in Haidhausen, die Leprosenkirche am Gasteig, sowie die in Giesing, Trudering, Riem, Gronsdorf, Haar und Harthausen, einer im Dreißigjährigen Krieg untergegangenen Siedlung bei der heutigen Menterschwaige.
  • Aus der Konradinischen Matrikel geht auch hervor, dass die zum Dekanat Ismaning gehörende Pfarrkirche in Baumkirchen eine Filialkirche in Pachem besitzt.  
  • In dieser Matrikel findet sich erstmals eine farbige Abbildung des Hochstiftswappen, das den Freisinger Mohr enthält. 

1316

19. Februar 1316

Ingolstadt * König Ludwig IV. hebt das „Grundruhrrecht“ auf der Isar und allen anderen baierischen Gewässern auf. Dadurch gehört das auf einem gestrandeten Schiff oder Floß befindliche Gut nicht mehr dem Finder oder demjenigen, an dessen Grundstück es ans Land gespült wird, sondern es bleibt weiterhin im Eigentum des Eigentümers. 

26. März 1316

München-Kreuzviertel - München-Hackenviertel * Die Kaufingerstraße [= „Kaufringergazz“] wird erstmals genannt. 

7. August 1316

Leyden * Der 67-jährige französische Kardinal Jacques Duèze - in deutschen Quellen auch Jakob von Cahors genannt - wird in Leyden in den Niederlanden nach einem vierzigtägigen Conclave zum Papst gewählt. Als Johannes XXII. besteigt er den Apostolischen Stuhl in Avignon.

Zuvor hatte Dante die sieben italienischen Kardinäle beschworen, einen Italiener zum Papst zu wählen, der die Kurie wieder nach Rom bringen sollte. Das Ansinnen hatte jedoch gegen die 17 französischen Kardinäle keine Chance. Johannes XXII. ist der zweite in Avignon residierende Papst.

Im deutschen Thronstreit nimmt Johannes XXII. lange eine abwartende Haltung ein und betrachtet den Thron des Reiches als vakant.


1317

26. Februar 1317

München * Die herzoglichen Brüder Rudolf und Ludwig der Baier treffen eine Übereinkunft. Danach überlässt Herzog Rudolph I. seinem königlichen Bruder Baiern und die Pfalz, so lange Ludwig der Baier Krieg gegen den Habsburger Friedrich den Schönen führt. 


1318

1318

Mittenwald * Das Speditionswesen ist in Mittenwald durch den „Verein der bürgerlichen Fuhrleute“, der sogenannten „Rott“, organisiert.

Die „Strata inferior“, die „Untere Straße“, die über den „Brenner“ durch die „Grafschaft Werdenfels“ führt, ist eine der „Haupttransitstrecken“.
Zahlreiche Ortschaften entlang dieses Verkehrsweges verdanken ihren Aufschwung diesem spätmittelalterlichen Handel und Verkehr. Neben den Städten Bozen, Meran, Innsbruck oder Schongau, sind dies in der „Grafschaft Werdenfels“ Mittenwald und Partenkirchen.  

Für diesen Handel bildet sich ein Frachtwesen heraus, das unter dem Namen „Rottfuhrwesen“ bekannt ist.  

Und so ist die „Rott“ organisiert:
An der Handelsstraße werden in Tagesabständen [20 bis 30 Kilometer] „Rottstationen“ [= Niederlagen] errichtet.
Den „Rottfuhrleuten“ dieser Stationen steht das alleinige und ausschließliche Recht zu, „Rottgüter“ gegen „Niederlagegeld“ und „Fuhrlohn“ von ihrer Station zur nächsten zu befördern.

Außerdem wird bereits von einem regen „Floßverkehr“ auf der ab Mittenwald floßbaren Isar berichtet. 

??? 1318

Tirol * Margarete von Tirol, später genannt „Maultasch“, die Erbtochter Herzog Heinrichs von Kärnten und Tirol und Titularkönigs von Böhmen, wird geboren.


1319

12. August 1319

England * Herzog Rudolph I. stirbt in England (?).

10. September 1319

München - Freising * König Ludwig der Bayer verkauft um 100 Mark Silber die Herrschaft über die Orte Ismaning, Niederföhring (heute Unterföhring), Oberföhring, Englschalking und Daglfing an das Hochstift Freising. Fürstbischof Konrad III. der Sendlinger von Freising wird erster Landesherr der aus diesen Orten gebildeten Grafschaft auf dem Yserrain, der späteren Grafschaft Ismaning, die bis zur Säkularisation 1802/03 Bestand haben wird. 


1320

Um 1320

London * Wilhelm von Ockham übersiedelt nach London, wo er im „Studienhaus der Franziskaner“ unterrichtet.


1322

12. April 1322<p><strong><em>Freising</em></strong> * Konrad III. <em>„der Sendlinger“</em>, Bischof von Freising, stirbt in Freising. Angeblich hat ihn einer seiner Diener vergiftet.&nbsp;</p>
16. Juni 1322

Avignon - Bamberg * Papst Johannes XXII. ernennt Johann Wulfing von Schlackenwerth zum Bischof von Bamberg. 

24. August 1322

München - München-Kreuzviertel * Königin Beatrix von Baiern, die erste Ehefrau von König Ludwig IV. dem Baiern, stirbt in München. Ihre Grabstätte befindet sich in der heutigen Münchner Frauenkirche. Mit ihrer Bestattung wird die Marienkapelle zur Hofkirche erhöht. 

28. September 1322<p><em><strong>Erharting</strong></em> * Ludwig der Baier und Friedrich der Schöne treffen mit jeweils Tausenden Kämpfern im Nordosten von Mühldorf aufeinander. Sie standen sich in über sieben Jahren sechs Mal gegenüber, wichen aber einer militärischen Auseinandersetzung immer wieder aus. Doch jetzt wollen die feindlichen Parteien endlich eine Entscheidung erzwingen.</p> <p>Die kriegerische Auseinandersetzung gilt als die letzte große Ritterschlacht auf deutschem Boden. Das Gefecht zieht sich übermehrere Stunden hin und fordert eine Unzahl von Toten. Der Thronkampf endet mit einem Sieg des taktisch klüger agierenden Königs Ludwig des Baiern.&nbsp;König Friedrich der Schöne&nbsp;wird gefangen genommen und auf die Burg Trausnitz&nbsp;bei Nabburg in der Oberpfalz gebracht.&nbsp;</p> <p>Das Kampffeld lag westlich der Gemeinde Erharting. Die Kriegshandlung ging aber als Schlacht bei Mühldorf beziehungsweise als Schlacht bei Ampfing in die Geschichte ein.&nbsp;</p>
Oktober 1322

Avignon * Papst Johannes XXII. erkennt Ludwig den Baiern nicht als römischen König an, weil ihm König Friedrich der Schöne Unterstützung im Kampf gegen die großen oberitalienischen Stadtkommunen in Aussicht gestellt hat. Daraufhin unterstützt König Ludwig der Baier die Visconti in Mailand, die sich dadurch erfolgreich gegen einen päpstlichen Kreuzzug erwehren können.

Papst Johannes XXII. eröffnet deshalb einen Prozess gegen König Ludwig des Baiern. Er ihn bezichtigt ihn 

  • der Anmaßung königlicher Rechte und
  • seiner Regierung ohne päpstliche Approbation [Anerkennung, Genehmigung] sowie
  • der Unterstützung der als Ketzer verurteilten italienischen Signori.

1323

1323

London * Wilhelm von Ockham wird der „Häresie“ bezichtigt.  

Die Anklageschrift zählt 56 Lehrsätze auf, die als „Irrtümer“ angeprangert werden.

Um April 1323

Nürnberg * Herzog Leopold von Österreich übergibt König Ludwig dem Baiern in Nürnberg die Reichskleinodien. Die Insignien der Macht werden umgehend in Ludwigs Residenzstadt München gebracht und in der eigens für diesen Anlass neu ausgestatteten Lorenzkapelle im Alten Hof untergebracht. Die Reichsinsignien werden dort bis 1350 aufbewahrt.

April 1323

München * Der achtjährige Herzog Ludwig V., später genannt der Brandenburger, wird von seinem Vater König Ludwig IV. mit der Markgrafschaft Brandenburg belehnt. Damit wird Ludwig V. der Brandenburger zu einem der sieben Kurfürsten

Um den 5. Mai 1323

Freising * Das „Freisinger Domkapitel“ wählt den Freisinger „Dompropst“ Albert von Enn zum Bischof.  

Nachdem der Salzburger Erzbischof Friedrich III. von Leibnitz die Wahl nicht bestätigen will, muss Papst Johannes XXII. in Avignon eine Entscheidung herbeiführen.  

12. November 1323

Vienne * Papst Johannes XXII. bezieht auf dem Konzil von Vienne abschließend Stellung zur sogenannten Armutsfrage. Die Lehre, wonach Christus und die Apostel kein Eigentum besessen haben, sei eine Entstellung der Evangelien, womit diese Lehre grundsätzlich für irrtümlich und ketzerisch erklärt wird.

23. Dezember 1323

Avignon - Freising * Papst Johannes XXII. ernennt Johann Wulfing von Schlackenwerth zum Freisinger Bischof. 


1324

1324

Avignon * Wilhelm von Occham reist nach Avignon, um sich dem gegen ihn angestrengten Prozess zu stellen.

25. Februar 1324

Köln * König Ludwig der Baier heiratet in Köln Gräfin Margarete von Holland, Seeland und Friesland. 

20. März 1324<p><strong><em>Bamberg - Freising</em></strong> * Der vom Papst Johannes XXII. zum Freisinger Bischof ernannte Johann Wulfing von Schlackenwerth begibt sich erst jetzt von Bamberg in sein neues Bistum.&nbsp;</p>
23. März 1324

Avignon * Der in Avignon residierende Papst Johannes XXII. spricht den Bannfluch wegen Häresie über König Ludwig den Baiern aus. Er schließt ihn damit aus der Gemeinschaft der Kirche aus, in die Ludwig bis zu seinem Tod nicht wieder aufgenommen werden wird. In der katholischen Kirche gilt er bis heute als exkommuniziert.  

Gleichzeitig enthebt ihn der Papst seiner königlichen Rechte und belegt das Reich mit Interdikt, also dem Verbot der Spendung der Sakramente. Der Bannfluch wird Ludwig bis zu seinem Tod verfolgen.

26. April 1324

Freising * Der Freisinger Bischof Johann Wulfing von Schlackenwerth ist gerade einmal 5 Wochen und zwei Tage an seinem neuen Wirkungsort, dann stirbt er. 

22. Mai 1324

Sachsenhausen * In der Sachsenhausener Appellation bezeichnet König Ludwig der Baier Papst Johannes XXII. wegen seiner Haltung in der viel diskutierten Armutsfage als „Schützer und Gönner ketzerischer Bosheit“ und klagt ihn der Häresie an. Der König benutzt dabei die Formulierung: „Johannes, der sich Papst nennt“ und dass er „ein Feind des Friedens“ sei.

4. Juli 1324

Avignon - Brixen - Freising * Albert von Enn wird von Papst Johannes XXII. zum Bischof von Brixen ernannt. Damit endet die Auseinandersetzung um die Besetzung des Freisinger Bischofstuhls, der an Konrad IV. von Klingenberg übertragen wird. 

5. Juli 1324

Avignon - Freising * Papst Johannes XXII. ernennt Konrad IV. von Klingenberg zum neuen Bischof von Freising.

August 1324

Freising - Konstanz * Obwohl das königstreue Freisinger Domkapitel den neuen Bischof nicht anerkennt, zieht Konrad IV. von Klingenberg in Freising ein. Ende August kommt es zu einem kleinen Gefecht zwischen den Anhängern König Ludwigs IV. des Baiern und den Gefolgsleuten Bischof Konrads IV. von Klingenberg. Bei der Auseinandersetzung wird der Bischof verletzt und muss nach Konstanz fliehen. 

30. November 1324

Wørdingborg * Der neunjährige Herzog Ludwig V. „der Brandenburger“ wird mit Margarete, der 18-jährigen Tochter des dänischen Königs, in Wørdingborg verheiratet.

23. Dezember 1324

Brixen * Albert von Enn tritt seine Bischofsstelle in Brixen an. 


1325

13. März 1325<p><strong><em>Nabburg</em></strong> * Mit der sogenannten „<em>Trausnitzer Sühn“</em> versöhnt sich König Ludwig der Baier&nbsp;mit Friedrich dem Schönen&nbsp;auf der&nbsp;Burg Trausnitz&nbsp;bei Nabburg in der Oberpfalz.&nbsp;Friedrich erkennt Ludwig als römischen König&nbsp;an und verpflichtet sich, ihn bei seinem Kampf gegen den Papst zu unterstützen.&nbsp;Dafür erhält er die Freiheit.</p>
12. Juni 1325

Freising * Bei seinem Besuch stellt König Ludwig IV. der Baier die Stadt Freising unter seinen besonderen Schutz. 

5. September 1325

München * Im Münchner Vertrag vereinbaren König Ludwig der Baier und Herzog Friedrich der Schöne eine gleichberechtigte Doppelregentschaft, der den Habsburger zum Mitregenten macht.


1326

Januar 1326

München - Avignon * König Ludwig der Baier bietet Papst Johannes XXII. einen Amtsverzicht zugunsten seines Vetters Friedrich den Schönen an. Doch der Papst geht auf das Angebot nicht ein.


1327

14. Februar 1327

München * Verheerend wirkt sich der große „Stadtbrand“ aus.

Er erfordert einen Neubau von „Franziskaner-Kloster“ und „Klosterkirche“, der erst nach großzügigen Spenden der „Kaufmannsfamilie“ Ridler im Jahr 1392 abgeschlossen werden kann.

Um März 1327

München * König Ludwig der Baier bricht zu seinem Feldzug gegen Italien auf.

3. April 1327<p><strong><em>Avignon - München</em></strong> * Papst Johannes XXII. spricht König Ludwig IV. sogar das Herzogtum ab. Aus dem <em>„Dux Bavarie“</em> wird nun <em>„Ludovicus de Bavaria“</em>, also <em>„Ludwig aus Baiern“</em> oder eben <em>„Ludwig der Baier“</em>.&nbsp;</p>
17. Mai 1327

Mailand * König Ludwig der Baier zieht in Mailand ein. Um seinen Herrschaftsanspruch auf Italien zu demonstrieren, lässt er sich mit der „Eisernen Krone der Langobarden“ krönen.

11. Oktober 1327

Pisa * Nach einer einmonatigen Belagerung zieht König Ludwig der Baier triumphal in Pisa ein. Er macht die Stadt zu seinem wichtigsten Stützpunkt in Italien.

November 1327

Freising * Nachdem König Ludwig IV. der Baier im März nach Italien aufbrechen ist, kann sich Bischof Konrad IV. von Klingenberg die Unterstützung des niederbaierischen Herzogs Heinrich XIV. erschleichen und in Freising einziehen. 

1. Dezember 1327

Avignon * Der Ordensgeneral der Franziskaner, Michael von Cesena, trifft, von Papst Johannes XXII. nach Avignon zitiert, in der Stadt ein. Er wohnt dort im Franziskanerkonvent, wo auch Wilhelm von Ockham untergebracht ist.

Ockham, der sich bisher auf theologische und philosophische Fragen konzentriert hatte und kirchenpolitisch kaum hervorgetreten war, sieht sich zur Auseinandersetzung mit dem Armutsstreit veranlasst. 

Michael von Cesena überzeugt Wilhelm von der Richtigkeit der Armutsforderung und dass die gegenteiligen Verordnungen des Papstes häretisch sind. Daraus ziehen die beiden Franziskaner die Konsequenz, dass der Papst vom wahren Glauben abgefallen sei.

21. Dezember 1327

Pisa - Rom * König Ludwig der Baier bricht von Pisa in Richtung Rom auf.


1328

7. Januar 1328

Rom * König Ludwig der Baier erreicht mit seinem Heer aus etwa 4.000 Reitern und zahlreichem Fußvolk die Ewige Stadt Rom.

17. Januar 1328

Rom * König Ludwig IV., der Baier, wird in Rom unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und in feierlicher Zeremonie erstmals zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gekrönt. An Stelle des Papstes vollziehen zwei kaisertreue - und gebannte - Bischöfe die Krönung.

18. April 1328<p><strong><em>Rom - Avignon</em></strong> * Kaiser Ludwig der Baier&nbsp;setzt Papst Johannes XXII. unter dem Vorwurf der Häresie&nbsp;ab und lässt den Beschluss durch eine Volksversammlung bestätigen.</p> <p>Papst Johannes XXII. schickt daraufhin im Gegenzug eine Bannbulle&nbsp;nach Rom, worauf Ludwig der Baier&nbsp;für ihn die Todesstrafe wegen Ketzerei&nbsp;verkündet.</p>
12. Mai 1328

Rom * Kaiser Ludwig der Baier lässt den Franziskaner Pietro Rainalducci vom römischen Volk zum Papst Nikolaus V. wählen.

26. Mai 1328

Pisa * Michael von Cesena, Wilhelm von Ockham und die Franziskaner Bonagratia von Bergamo und Franz von Marchia fliehen aus Avignon und begeben sich auf dem Seeweg nach Pisa. Dort treffen sie auf König Ludwig den Baiern. Dieser stellt die flüchtigen Franziskaner unter seinen Schutz.

27. Mai 1328

Rom * Kaiser Ludwig der Baier und Papst Nikolaus V. krönen sich gegenseitig. Größere Bedeutung erlangt Nikolaus V. nie. Nach Ludwigs Kaiserkrönung und seiner Abreise aus Rom findet er nicht einmal mehr genug Anhänger in Italien. Sein eigentliches Ziel, den Papst in Avignon zu schwächen, ist gescheitert.

20. Juli 1328

Avignon * Wilhelm von Ockham wird von Papst Johannes XXII. exkommuniziert. Er wird nun zu einem Vorkämpfer der Gegner des Papstes und beginnt sich intensiv mit politischen und kirchenrechtlichen Grundsatzfragen zu befassen. Insbesondere dem Verhältnis zwischen weltlicher und geistlicher Macht und den Grenzen der Befugnisse des Papstes.


1329

1329

Tirol * Die elfjährige Margarete von Tirol, später genannt „Maultasch“, wird mit dem siebenjährigen Johann Heinrich, dem Sohn König Johanns von Böhmen aus dem Hause Luxemburg, verheiratet.

4. August 1329

Pavia * Mit dem Vertrag von Pavia versöhnt sich Kaiser Ludwig der Baier mit den Söhnen seines verstorbenen Bruders Rudolph I. [Rudolph II. und Rupprecht I.] und räumt ihnen die Pfalz am Rhein und die Oberpfalz als eigenes Landesfürstentum ein.

Beim Aussterben der einen Linie soll die andere ihre Territorien erben.


1330

1330

Tirol * Die zwölfjährige Margarete „Maultasch“ von Tirol wird mit dem drei Jahre jüngeren Johann Heinrich von Luxemburg verheiratet. 

Um Januar 1330

München * Wilhelm von Ockham trifft mit seinen Gefährten in München ein, wo er bis zu seinem Tod bleibt.

Er kann seine Stellung als Berater des Kaisers festigen und hilft Kaiser Ludwig den Baiern auch im Ehestreit um Margarete von Tirol mit einem Gutachten.

Februar 1330

Freising * Nach der Rückkehr Kaiser Ludwigs IV. des Baiern aus Italien flüchtet der Freisinger Bischof Konrad IV. von Klingenberg nach Österreich. Das Bistum wird seither vom Freisinger Dompropst Leutold von Schaunberg verwaltet.  

Aus Verärgerung lässt Bischof Konrad IV. von Klingenberg das Domkapitel durch Papst Benedikt XII. exkommunizieren - allerdings ohne jede Wirkung. 

28. April 1330

Ettal * Kaiser Ludwig der Baier stiftet das Kloster Ettal.

25. August 1330

Avignon * Nachdem man ihm Leben und Pension zugesichert hat, verzichtet der Gegenpapst Nikolaus V. auf sein Amt, unterwirft sich Papst Johannes XXII. und begibt sich nach Avignon.


1332

1332

München * Kaiser Ludwig der Baier hat festgelegt: „Es mögen auch die Ritter alle Kurzweil vol treiben, mit Pyrsen, mit Paizzen, mit Jagen“.

In der Folge werden die zur Falkenjagd notwendigen und kunstvoll gearbeiteten Gerätschaften zum Statussymbol und zum Kennzeichen der Zugehörigkeit zur Oberschicht. Damit ist die Falknerei zum festen Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens an den Fürstenhöfen geworden.

6. November 1332

München * Kaiser Ludwig IV. der Baier bestätigt der Stadt München das Recht der Salzniederlage und des Salzhandels. Er gibt ihr damit ein regelrechtes Salzhandelsmonopol. Von Wasserburg her darf das Salz zwischen Landshut und dem Gebirge nur bei München über die Isar gebracht werden. Die Urkunde wird - wegen ihrer wirtschaftlichen Bedeutung - mit einer Goldbulle besiegelt. Sie gilt als Magna Charta der Stadt.  

Der Salzhandel ist - neben dem Handel mit Wein - die wichtigste Quelle des wirtschaftlichen Aufstiegs der Stadt und war schon 1158 ein Auslöser der Marktverlegung von Föhring nach Munichen. 


1333

1333

Tirol * Die Ehe zwischen Herzog Ludwig „der Brandenburger“ und Margarete (von Dänemark) wird „vollzogen“.

16. Oktober 1333

Avignon * Der als Gegenpapst gescheiterte Nikolaus V. stirbt in Avignon, wo er in der Franziskanerkirche beigesetzt wird.


1334

4. Dezember 1334

Avignon * Papst Johannes XXII. stirbt in Avignon. Sein Nachfolger wird Benedikt XII..


1336

2. November 1336

Brixen * Albert von Enn, der Bischof von Brixen und für die selbe Stelle in Freising vom Domkapitel gewählt, aber vom Papst nicht anerkannt, stirbt in Brixen. 


1338

Mai 1338

??? * Kaiser Ludwig der Baier manifestiert die Unabhängigkeit des gewählten Römischen Königs von einer Anerkennung durch den Papst.


1339

1339

Tirol * Johann Heinrich von Luxemburg übernimmt die Regentschaft in Tirol.


1340

1340

München * Im Münchner „Stadtrechtsbuch“ finden sich Bestimmungen über den Umgang im Brandfall.

Dort heißt es: „Wenn es in der Stadt brennt, müssen zu dem Feuer kommen, sobald die Sturmglocke läutet, alle Bader und ihre Gehilfen, die Amt haben, und ihre Badergeräte mitbringen, die Maurer und Zimmerer mit ihren äxten und die Kornmesser und Salzmesser und die Salzlader und die Auflader und die Holzleut mit ihren äxten und was sie haben, das dem Feuer gut ist; - wer nicht kommt, verliert sein Recht in der Stadt für ein Jahr - was ihnen verdirbt, wird von der Stadt ersetzt“.

7. April 1340

Ulmerfeld * Bischof Konrad IV. von Klingenberg stirbt in Ulmerfeld (heute Gemeinde Amstetten/Niederösterreich). 

Um Mai 1340

Berlin * Herzogin Margarete (von Dänemark), die erste Ehefrau von Herzog Ludwig V. „dem Brandenburger“, stirbt in Berlin.

Ihre Grabstätte befindet sich in der dortigen „Franziskanerkirche“.

4. Juni 1340

München * Für die erstmalige Anwendung der Hinrichtung durch das Rad erhält der Münchner Henker eine Sonderzahlung von 60 Pfennigen. 

20. Dezember 1340

München - Au * Erstmals wird die spätere Vorstadt Au in einem amtlichen Schreiben genannt. In dieser Urkunde übereignet Kaiser Ludwig IV. der Baier dem Heiliggeistspital drei Mühlen in der Au zu Giesing. 

21. Dezember 1340

Landshut * Die niederbaierische Linie Herzog Heinrichs XIII. stirbt mit dem elfjährigen Herzog Johann das Kind aus. Niederbaiern fällt an das Herzogtum Oberbaiern zurück.


1341

1341

Freising * Johannes Hake wird als Johannes II. Bischof von Freising.  

Das Freisinger „Domkapitel“ wehrt sich gegen diese Ernennung und benennt seinerseits bis zum Jahr 1342 den „Gegenbischof“ Ludwig von Kamerstein und danach Leutold von Schaumburg-Julbach. 

2. November 1341

Tirol * Nachdem die elf Jahre andauernde Ehe zwischen Margarete von Tirol, später genannt „Maultasch“, und Johann Heinrich von Luxemburg kinderlos geblieben war, nimmt die 23-jährige Margarete ihr Schicksal selbst in die Hand. Bei der Rückkehr von einem Jagdausflug findet ihr 20-jähriger Ehemann das Tor von Schloss Tirol verriegelt vor.

Um 10. Dezember 1341

Tirol * Kaiser Ludwig der Baier erklärt die Ehe der Tiroler Gräfin Margarete und ihrem Gatten Johann Heinrich von Luxemburg für „nicht vollzogen“ und damit für ungültig. 

Dass Margarete von Tirol ihren Ehemann Johann Heinrich von Luxemburg aus Schloss Tirol aussperrt, ist vermutlich mit Kaiser Ludwig dem Baiern abgestimmt gewesen, da sich dieser äußert, dass „sogleich die ganze Erde aussterben würde, käme die Fähigkeit zum Beischlaf abhanden“.


1342

Um Januar 1342

Freising - Tirol * Der Freisinger Gegenbischof Ludwig von Kammerstein verunglückt auf dem Weg nach Tirol und stirbt. Er sollte die erste Ehe der Margarete „Maultasch“ von Tirol mit Johannes von Böhmen auflösen und die neue mit dem Kaisersohn Ludwig V. den Brandenburger schließen.  

Daraufhin erklärt Kaiser Ludwig IV. der Baier die Ehe der Tiroler Gräfin Margarete und ihrem Gatten Johann Heinrich von Böhmen (Luxemburg) für „nicht vollzogen“ und damit für ungültig.

Der Nachfolger des Freisinger Gegenbischofs wird Leutold von Schaumburg-Julbach.

28. Januar 1342

Tirol * Herzog Ludwig der Brandenburger, der älteste Sohn Kaiser Ludwigs des Baiern und künftiger Ehegatte der Gräfin Margarete von Tirol, erlässt den Großen Tiroler Freiheitsbrief. Darin

  • bestätigt er den Tirolern die Rechte des Landes und
  • verspricht ihnen, keine Steuern ohne Zustimmung der Landstände zu erheben, sowie
  • die Regierung nur nach Rücksprache mit den Landständen zu führen.
  • Außerdem darf er keine Ausländer - auch keine Baiern - in Dienst nehmen und
  • ​Margarete nicht außer Land bringen.
10. Februar 1342

Schloss TirolHerzog Ludwig V. der Brandenburger, der älteste Sohn Kaiser Ludwigs des Baiern, heiratet auf Schloss Tirol die Gräfin Margarete von Tirol, später genannt „Maultasch“. Das Paar lebte - kirchenrechtlich gesehen - 17 Jahre in wilder Ehe.

11. Februar 1342

Meran * Kaiser Ludwig der Baier belehnt Herzog Ludwig den Brandenburger und dessen Ehefrau Margarete im Hof des Trienter Bischofs in Meran mit der Grafschaft Tirol und dem Herzogtum Kärnten.

7. Mai 1342

Avignon * Der Erzbischof von Sens und Rouen sowie Bischof von Arras, Pierre Roger, wird nach zehntägiger Sedisvakanz zum neuen Papst gewählt. Der 1338 zum Kardinal erhobene Kleriker nimmt den Namen Clemens VI. an. 

8. Mai 1342

München * Kaiser Ludwig IV. der Baier erteilt der Stadt in einem 2. Gunstbrief die volle Zuständigkeit und Entscheidungsgewalt in allen Bauangelegenheiten. Bisher besaß die Kommune dieses Recht nur für den Marktplatz [siehe 4. Mai 1315].

Kaiser Ludwig vereinbart mit der Stadt - zur Verhütung von Bränden - das Verbot der feuergefährlichen Stroh- und Schindeldächer. Neu erbaute Häuser und Stadel sollen künftig mit Ziegeln gedeckt und - wenn der Bauherr das erforderliche Vermögen besitzt - auch die Wände aus Stein gemauert werden. Schmieden, die nicht aus Mauerwerk bestehen, werden abgerissen.

Durch strenge Strafbestimmungen soll der Ausbruch von Bränden verhütet werden. Feuergefährliche Betriebe müssen vor die Stadtmauern. 

19. Mai 1342

Avignon * Papst Clemens VI. wird in Avignon inthronisiert. 


1343

1343

Nürnberg * Eine Verordnung befasst sich mit „Glocken und Schellen an der Kleidung“

1343

Nürnberg * Eine Verordnung befasst sich mit „Glocken und Schellen an der Kleidung“


1344

9. März 1344

Landshut * Herzog Meinhard III. wird in Landshut geboren. Er ist der Sohn von Herzog Ludwig dem Brandenburger und dessen Ehefrau Margarete von Tirol.


1347

1347

München * Die heutige „Ludwigsbrücke“ wird im „Stadtrechtsbuch“ sinngemäß beschrieben: 

„Im Abstand von 36 Schuh [9,36 Meter] werden Joche, die aus einer Reihe von senkrecht zur Strömung gerichteten Baumstämmen bestehen, in den kiesigen Untergrund getrieben.

Dann sägt man sie auf gleicher Höhe ab und verbindet sie mit Querhölzern.
Sechs Balken liegen von Joch zu Joch.
Auf diese Balken werden Bohlen von 16 Schuh [4,67 Meter] Länge quer aufgebracht.
Dies ergibt die Brückenbreite.
Über diese Bohlen wird Kies geschüttet.

Die Höhe über den mittleren Wasserstand ist so ausgelegt, daß ein Mann, der auf einem Floß oder Kahn unter der Brücke hindurchfährt, mit ausgestrecktem Arm die Hauptträger nicht berühren kann“.

9. April 1347<p><strong><em>München-Graggenau</em></strong> * Wilhelm von Ockham, der berühmte mittelalterliche Philosoph, Theologe und kirchenpolitische Schriftsteller stirbt in München als Exkommunizierter.</p>
11. Oktober 1347

Fürstenfeld - München-Kreuzviertel * Kaiser Ludwig der Baier stirbt in der Nähe des Klosters Fürstenfeld. Seine Grabstätte befindet sich in der Münchner Frauenkirche.


1348

4. Juli 1348

Avignon * Papst Clemens VI. wendet sich in einer Bulle gegen die Verfolgung von Juden als Verursacher der Pest. Doch niemand hält sich an die Worte des Oberhaupts der katholischen Kirche. 

26. September 1348

Avignon * In einer zweiten päpstlichen Bulle, in der Papst Clemens VI. die Juden vor dem Vorwurf in Schutz nimmt, Verursacher von Brunnenvergiftungen und der Pest zu sein. Er droht den Verfolgern die Exkommunikation an. 


1349

1349

München - Herzogtum Baiern * Die „Pest“ tobt im ganzen Land. 

Die „Mattseer Annalen“ sprechen von einem Drittel der Menschen, die von der „grauenvollsten Pest“ hingerafft werden. Unter den am meisten heimgesuchten Orten werden Braunau, München und Landshut genannt.

Deshalb werden in Salzburg und München, aber auch in anderen Städten, „aus ruchloser übler Nachrede, die Juden verbrannt, geschlachtet, zerstückelt und auf sonstige Weise abgeschlachtet und getötet“.

3. Oktober 1349

Freising - Avignon * Johannes II. Bischof von Freising stirbt in Avignon. 

20. Oktober 1349

Avignon * Papst Clemens VI. verbietet das Flagellantentum. Die Flagellanten sind nach Beginn der Pest gekommen. Sie ziehen durch die Städte, singen Hymnen und schlagen sich mit Peitschen, um damit Vergebung für die Sünden der Menschen zu erflehen. 

Um den 28. Oktober 1349

Freising * Albert II. von Hohenberg wird von Papst Clemens VI. zum Bischof von Freising ernannt. Das Domkapitel wird dabei bewusst übergangen.  


1350

1350

München * Drei Jahre nach dem Tod Kaiser Ludwig des Bayern müssen die Wittelsbacher die Reichsinsignien an den Luxenburger Karl IV. abgeben. Ein herber Verlust für die Herzöge und die Residenzstadt München. 

1350

Freising - Wien * Der vom Freisinger „Domkapitel“ im Jahr 1342 gewählte „Gegenbischof“ Leutold von Schaunberg tritt zurück und geht nach Wien ins Exil. 


1351

1351

München * Herzog Ludwig „der Brandenburger“ teilt seine Länder.

Die „Markgrafschaft Brandenburg“ übergibt er seinen jüngeren Halbbrüdern Ludwig „den Römer“ und Otto. Er selbst behält sich Oberbaiern.

Damit reicht das baierische Herrschaftsgebiet von der Donau im Norden bis nach Trient.

Seine Regierungssitze sind der „Alte Hof“ in München und „Schloss Tirol“.


1352

6. Dezember 1352

Avignon * Papst Clemens VI. stirbt. Er wird in der Abtei La Chaise-Dieu beigesetzt. Sein Nachfolger auf dem apostolischen Stuhl wird Innozenz VI.. 


1353

1353

Regensburg * Der Regensburger Domherr Konrad von Mergenberg beschreibt die Zucht der Seidenraupen und die Verarbeitung der Seide.

Dort heißt es: „Solche Raupen werden auch an manchen Orten Deutschlands gezüchtet und besonders in unserer königlichen Stadt Regensburg. Aus der Seide dieser Raupen werden aber in höherem Maße Frauenschleier gewebt als andere Seidenstoffe“


1356

1356

Speyer * In Speyer erlässt der Rat eine Vorschrift über 

  • die „Zahl der Falten und Rüschen an den Schleiern“,  
  • die „Tiefe des Dekolletés“ und  
  • das „bartlose Gesicht der Männer“
1356

Freising - Wien * Der Freisinger „Gegenbischof“ Leutold von Schaunberg stirbt in Wien. 

23. Juni 1356

Quesnoy - Valenviennes * Margarete I. von Holland, auch Margarete von Avesnes oder Margarete von Hennegau genannt, die zweite Ehefrau von Kaiser Ludwig dem Baiern, stirbt in Quesnoy. Ihre Grabstätte befindet sich in der Minoritenkirche in Valenviennes. 


1359

1359

Tirol - Rom-Vatikan * Die Ehe zwischen der Gräfin Margarete Maultasch von Tirol und dem Markgrafen Johann Heinrich von Mähren, die Kaiser Ludwig der Baier anno 1341 für ungültig erklärt hatte, wird nun auch vom Papst annulliert. Erst damit wird die 17 Jahre andauernde „Wilde Ehe“ von Herzog Ludwig dem Brandenburger mit Margarete von Tirol kirchenrechtlich sanktioniert. 

25. April 1359

Stein am Rhein * Albert II. von Hohenberg, der amtierende Bischof von Freising, stirbt in Stein am Rhein. 

15. Mai 1359

Freising * Paul von Jägerndorf wird Bischof von Freising

4. September 1359

Passau * Der 15-jährige baierische Herzog Meinhard III. wird in Passau mit der 13-jährigen Herzogin Margarete von Österreich verheiratet.


1361

1361

Landshut * Die sowohl ältesten als auch einzigen „Kleiderordnungen“ in „Altbaiern“, die nicht vom Fürsten, sondern vom Rat der Stadt erlassen wurden, enthält das „Landshuter Stadtbuch“.  

Neben „Kleidervorschriften“ befasst sich die Verordnung auch Fragen der Bewirtung der Gäste bei Hochzeiten sowie der Anwesenheit von Frauen am Wochenbett und Geschenke für das Taufkind und die Mutter.  

Obwohl Landshut in dieser Zeit in besonderer wirtschaftlicher Blüte steht, will der Rat der Stadt, dass sich die Bürgerin bescheidener kleidet.  

Den Landshuter Frauen ist verboten, Perlen, Samt, Gold, Goldstoffe und Hermelin zu tragen.  
Nur den „Reichen“ ist eine Goldborte „von der Breite eines kleinen Fingers“ um den Busen und am Mantel erlaubt.  
Bis auf wenige Knöpfe ist den Frauen jeglicher Silberschmuck an den Kleidern verboten.  

Es war eine reine „Luxusbeschränkung“, die noch kaum eine standesgemäße Trennung vorsieht.  
Es entsteht eher der Eindruck, dass diese Verordnung nur deshalb erlassen wurde, um den Ehemännern und Vätern den Kostenaufwand für die Einkleidung ihrer Frauen, Töchter und Söhne zu begrenzen. 

18. September 1361

Zorneding - München-Kreuzviertel * Herzog Ludwig der Brandenburger stirbt in der Nähe von Zorneding. Seine Grabstätte befindet sich in der Münchner Frauenkirche.


1363

13. Januar 1363

Schloss Tirol * Herzog Meinhard III. stirbt auf Schloss Tirol. Herzog Stephan II., der Bruder Herzog Ludwig des Brandenburgers, übernimmt das Teilherzogtum Baiern-München und die Grafschaft Tirol.

Um den 20. Januar 1363

Tirol * Herzogin Margarete von Baiern-München überträgt die Grafschaft Tirol an ihren habsburgischen Vetter Herzog Rudolf IV. von Österreich.

21. Januar 1363

München * Erstmals werden die Stadtviertel Münchens in lateinischer Sprache benannt.
Es sind dies

  • das quarta fori pecorum, das Viertel des Rindermarktes,
  • dann das quarta secunda ad gradus superioris institarum, das Zweite Viertel zu den oberen Kramen,
  • weiter das quarta tercia apud fratres heremitanos, das Dritte Viertel bei den [Augustiner-] Eremiten,
  • und zuletzt das quarta ultima apud Chunradum Wilbrechtum, das Letzte Viertel beim Konrad Wilbrecht.

Das Tal schließt sich als eigener Bereich an, der jedoch nicht als Viertel bezeichnet wird. 

22. Mai 1363

München * Weigert sich ein Bürger das Bürgermeisteramt zu übernehmen, muss er 100 Pfund Pfennige als Strafe zahlen. 

29. September 1363

Tirol * Margarete „Maultasch“ von Tirol, die Witwe des baierischen Herzogs Ludwig V. der Brandenburger, verzichtet endgültig auf ihre Besitzungen und überlässt sie ihren habsburgischen Verwandten. 

November 1363

München - Tirol * Der oberbaierische Herzog Stephan II. nimmt den Verlust der „Grafschaft Tirol“ nicht so ohne weiteres hin.

Es kommt zum „Tiroler Erbfolgekrieg“.


1364

8. Februar 1364

Tirol * Herzog Rudolf IV. von Österreich wird von seinem Schwiegervater, Kaiser Carl IV., offiziell mit der Grafschaft Tirol belehnt. Die Belehnung wird von Baiern jedoch nicht zur Kenntnis genommen. Der Krieg geht weiter.

31. Mai 1364

München * Weigert sich ein Bürger das Amt des Kämmerers oder des Steuerers anzunehmen, wird er mit einer Strafe von 31 Pfund Pfennigen belegt. 


1369

1369

München * München hat 11.237 Einwohner. 

29. September 1369

Tirol * Nach mehr als sechs Jahren Krieg und trotz zäher Gegenwehr muss Herzog Stephan II. die Grafschaft Tirol gegen eine Entschädigung von 116.000 Gulden an die Habsburger abtreten. Die Grenzgerichte Schärding, Kufstein, Rattenberg und Kitzbühel bleiben bairisch und werden in der Folgezeit dem Teilherzogtum Baiern-Ingolstadt zugeteilt.

3. Oktober 1369

Wien * Herzogin Margarete von Baiern-München und Gräfin von Tirol stirbt in Wien. Ihre Grabstätte befindet sich in der dortigen Minoritenkirche zum Heiligen Kreuz.

Margaretes Beiname „Maultasch“ taucht erst seit dem späten 14. Jahrhundert auf. Von Zeitgenossen wird sie als schöne Frau beschrieben. Es ist wohl mehr die luxemburgische und päpstliche Propaganda, die mit diesem abwertenden Beinamen das „wenig rollenkonforme Verhalten“ der Herzogin brandmarken und sie in ein schiefes Licht bringen soll.


1370

1370

Straßburg * Eine Verordnung aus Straßburg dreht sich um „korsettähnliche Unterkleider, die den Busen heben“


1371

Anno 1371

München-Kreuzviertel * Eine Frau Aerdingerin verkauft ihre Häuser mit dem Hausnamen „Venediger“ und „Der Stern“, die beide „in unserer Frauen-Pfarrei an der Ringmauer, bei unserer Herren Thor [= Schwabinger Tor] gelegen“ waren. Die Häuser standen entweder auf dem Gebiet der heutigen Theatinerkirche oder am Salvatorplatz. 

  • Im Haus „Venedig“ ist vermutlich ein ehemaliges Hospiz für Venedig-Fahrer untergebracht;  
  • der „Stern“ beherbergt Münchens erstes erwähntes Bordell, das als Privatunternehmen geleitet wird. 
18. April 1371<p><strong><em>München</em></strong> * Der Münchner Rat&nbsp;setzt die Bürgerrechtsgebühr&nbsp;auf fünf Pfund fest und damit in eine - für Arbeiter, Taglöhner, Kleinhandwerker, Dienstboten und Knechte, Mägde und Handelsdiener - unerreichbare Höhe.&nbsp;</p> <p>Um das Gemeinwesen und damit das Stadtsäckel&nbsp;durch den Zuzug unvermögender Personen nicht übermäßig zu belasten, werden besitz- und gewerbslose Zuwanderer in der jungen, aufstrebenden Stadt schon ziemlich früh zu <em>„unwillkommenen Gästen“ </em>erklärt.&nbsp;Der Rat der Stadt&nbsp;will nicht Armut, sondern leistungsfähige und finanzkräftige Menschen einbürgern.&nbsp;Umgekehrt müssen die Aufgenommen mindestens zehn Jahre in der Stadt bleiben, sonst haben sie mit einer Strafsteuer von 31 Pfund zu rechnen.&nbsp;</p>

1376

1376

Avignon - Rom-Vatikan * Der mittlerweile regierende Papst Gregor XI. verlegt seine Residenz von Avignon nach Rom.


1377

23. Juli 1377

Freising ? * Der Freisinger Bischof Paul von Jägerndorf stirbt in Freising oder Österreich. 


1378

27. März 1378<p><strong><em>Rom-Vatikan</em></strong> * Als Papst Gregor XI. stirbt, befürchten die Römer, dass der neue Papst wieder nach Avignon zurückkehren wird. Auch deshalb, weil sich an der französischen Dominanz im Kardinalskollegium&nbsp;nichts geändert hat.</p>
April 1378

Freising * Leopold von Sturmberg wird Bischof von Freising. 

7. April 1378<p><strong><em>Rom-Vatikan</em></strong> * Bewaffnete römische Bürger stürmen das Konklave&nbsp;und fordern die Wahl eines Römers zum Papst.</p>
8. April 1378<p><strong><em>Rom-Vatikan</em></strong> * Die Kardinäle einigen sich zwar nicht auf einen Römer, wohl aber auf einen Italiener, den Erzbischof von Bari namens Bartolomeo Prignano.&nbsp;Weil jedoch das Konklave&nbsp;am Wahltag erneut von römischen Bürgern gestürmt wird, schiebt man <em>„</em><em>um sich zu retten"</em>&nbsp;für kurze Zeit den Seniorkardinal Tebaldeschi als angeblich neu gewählten Papst vor.</p>
9. April 1378<p><strong><em>Rom-Vatikan</em></strong> * Erst einen Tag nach der Wahl wird die Ernennung Bartolomeo Prignanos zum Papst Urban VI. bekannt gegeben.&nbsp;Die Wirren des Konklaves&nbsp;bietet den Kardinälen später die Möglichkeit, das Wahlergebnis öffentlich anzufechten.</p>
August 1378

Rom-Vatikan * Papst Urban VI. regiert sehr autokratisch und unerbitterlich streng.

Insbesondere die elf französischen Kardinäle und der Spanier Peter von Luna rücken daher von ihm ab und monieren, dass die Wahl unter Zwang stattgefunden und der Gewählte sich zudem als „unfähig und geisteskrank“ erwiesen hat - und erklären ihn für abgesetzt.

Papst Urban VI. ernennt daraufhin 29 neue Kardinäle, wodurch das Kollegium erheblich vergrößert wird.

Dagegen protestieren nun auch italienische Kardinäle, denn üblicherweise entscheiden Papst und Kardinäle gemeinsam über die Ernennung neuer Purpurträger.

An einer Ausweitung des Kreises haben die Kardinäle kein Interesse, weil die Einkünfte des Kollegiums dann auf mehr Köpfe verteilt werden muss.

20. September 1378

Fondi * Die protestierenden Kardinäle verlassen den päpstlichen Hof, schließen sich mit den Franzosen zusammen und wählen in Fondi Robert von Genf zum Papst Clemens VII.. Damit ist das Schisma besiegelt: Zwei Päpste konkurrieren um den Anspruch, der „wahre Inhaber der kirchlichen Höchstgewalt“ zu sein.

Das Abendländische Schisma unterscheidet sich gegenüber früheren Kirchenspaltungen fundamental. Waren es in vergangenen Zeiten meistens Könige und Kaiser, die im Streit mit dem Papst ihnen genehme Gegenpäpste einsetzten, so war die jetzige Trennung aus der Mitte der Kirche entstanden. Außerdem gleicht es einem revolutionärer Akt, dass sich das Kardinalskollegium selbst die Kompetenz zusprach, einen Papst abzusetzen und einen Nachfolger zu wählen.

Frankreich, England und Spanien erklären Clemens VII. zum rechtmäßigen Papst. Das deutsche Reich ist uneins, aber Kaiser Carl IV. und sein Nachfolger Wenzel unterstützten Urban VI., ebenso Schottland, Ungarn und weitere Territorien.


1380

20. Januar 1380

München * Im Gerichtsbuch der Stadt München erscheint erstmals der wörtliche Begriff Burgfrieden.


1381

1381

Mittenwald * Den Mittenwalder Fuhrleuten wird das Recht zugestanden, die in Partenkirchen gesetzlich festgelegte „Warenniederlage“ nicht beachten zu müssen. 

5. August 1381

Freising * Der Freisinger Bischof Leopold von Sturmberg stirbt bei einem Unfall. 

Um September 1381

Freising * Berthold von Wehingen wird Bischof von Freising. 


1383

1383

Regensburg * Das Regensburger Fernhandelshaus Runtinger kauft seit dem Jahr 1383 griechische und syrische Seide roh, gesponnen oder als fertiges Gewebe in Venedig ein. 


1388

26. Mai 1388

Andechs * Auf dem halbverfallenen Burgberg in Andechs machen die Herzöge Stephan und Johann unter dem Altar zufällig einen Fund. Sie entdecken eine eisenbeschlagene Holztruhe, die selbst 150 Jahre nach der Zerstörung der Andechser Burg, nicht einmal nennenswert Rost angesetzt hat, und in welcher zahlreiche Reliquien eingelagert sind. Darunter befinden sich  

  • drei Hostien,  
  • das Spottzepter und  
  • das Schweißtuch Christi,  
  • ein Teil der Dornenkrone,  
  • ein Stück der Lanze des Longonius,  
  • das Brautkleid und das Kreuz der heiligen Elisabeth,  
  • das Siegeskreuz Karls des Großen,  
  • sowie zahlreiche Hirnschalen, Rippen, Fuß- und Armknochen.  

Allerdings war bis zu ihrem wundersamen Auftauchen von diesen Reliquien niemals die Rede.  

Die baierischen Herzöge bringen das Schatzkästlein samt Inhalt in die Lorenzkapelle des Alten Hofes. Die Kapelle hat schon vorher zur Aufbewahrung der Reichsinsignien gedient. Der Aufbewahrungsort und die Art der Reliquien sind eine bewusste Anspielung auf die verlorenen Reichsinsignien.  

Ob es Zufall oder ein geschickt eingefädelter Coup ist, lässt sich heute nicht mehr feststellen. Auch deshalb, weil gleichzeitig eine Vernebelungstaktik beginnt. Die Einträglichkeit eines solchen Fundes ist den Herzögen freilich bekannt. Und der seit 1385 begonnene Bau der Neuen Veste kostet viel Geld. 


1389

1389

München-Kreuzviertel * Das „Sternfrauenhaus“ heißt jetzt offiziell „Frauenhaus“ und ist in städtischen Besitz übergegangen.  

Denn als „Frauenhaus“ bezeichnet man ein „Bordell“ nur dann, wenn es sich in städtischem oder landesherrlichem Besitz befindet. 

7. März 1389

München-Graggenau * Erstmals wird die „neue veste“, die künftige Residenz, genannt. 

2. Mai 1389

Prag * Die 13-jährige Sophie, Tochter Herzog Johanns II., heiratet den 28-jährigen römischen und böhmischen König Wenzel. 

Angeblich wird wegen Sophie - der Legende nach - im Jahr 1393 „Johannes ne Pomuk“ [Johann von Pomuk] ertränkt, weil er dem König den Inhalt der Beichte seiner Frau nicht preisgeben will.
Es ging bei der Auseinandersetzung aber nicht um das „Beichtgeheimnis“, sondern um kirchenpolitische Angelegenheiten. 

Um den 6. Dezember 1389

München-Graggenau * Die Andechser Heiltümer kommen nach München und werden in die Lorenzkirche im Alten Hof gebracht. Die Reliquien werden zeitweise der Öffentlichkeit gezeigt. Zahlreiche päpstliche und bischöfliche Ablässe werden erteilt. 


1390

18. März 1390<p><em><strong>Andechs - München-Graggenau</strong></em> * Erstmals wird das Andechser Heiltum, die Andechser Reliquien, in der Lorenzkirche im Alten Hof zu&nbsp;München öffentlich gezeigt.&nbsp;</p>
6. April 1390<p><strong><em>München-Graggenau</em></strong> * Berthold von Wehingen, der Bischof von Freising, gewährt allen Gläubigen, die &nbsp;</p> <ul> <li>die herzogliche Lorenzkapelle&nbsp;besuchen und die Andechser Reliquien&nbsp;bewundern, &nbsp;</li> <li>dort beichten und &nbsp;</li> <li>ein Almosen opfern, &nbsp;</li> </ul> <p>einen <em>„vollen Ablass“</em> ihrer weltlichen Sünden. &nbsp;</p> <p>Entscheidend für die Anziehungskraft der Andechser Reliquien&nbsp;ist die ihnen zugesprochene Fähigkeit Wunder zu wirken.&nbsp;</p>
16. September 1390

Nürnberg * König Wenzel hebt in Nürnberg alle Judenschulden in Baiern auf. Die Juden erhalten ihr Geld nicht mehr zurück. Die davon profitierenden Schuldner müssen aber dem König Ersatzleistungen zahlen. 


1391

17. März 1391<p><strong><em>München</em></strong> * Die Stadt und der Burgfrieden&nbsp;bilden einen einzigen Gerichtsbezirk.</p>

1392

1392

München-Graggenau * Die Umbauarbeiten am Vorläuferbau des „Alten Rathauses“ dauern bis 1394. 

Es wird ein Saal eingebaut, der in der folgenden Bürgerrevolution Tagungsort des „Großen Rats der Dreihundert“ ist. 

Ab 17. März 1392<p><strong><em>Rom-Vatikan - München</em></strong> * Papst Bonifaz IX. gewährt für die Zeit vom 17. März bis zum 1. August 1392 einen auf München und seinen Burgfriedensbezirk beschränkten Ablass. Er gilt für alle Sünden, außer für vorsätzliche Tötungen. Es war das erste <em>„Gnadenjahr“</em> außerhalb Roms. Die Ablasserbitter müssen in dieser Zeit &nbsp;</p> <ul> <li>nach München pilgern, &nbsp;</li> <li>dort sieben Tage verweilen, &nbsp;</li> <li>je dreimal die Frauenkirche, &nbsp;</li> <li>die Peterskirche, &nbsp;</li> <li>die Jakobskirche am Anger und &nbsp;</li> <li>die Spitalskapelle besuchen und &nbsp;</li> <li>mindestens einmal die ausgestellten Reliquien verehren, &nbsp;</li> <li>beichten und &nbsp;</li> <li>ein vom Beichtvater festgelegtes Almosen spenden. &nbsp;</li> </ul> <p>Die ganze Aktion ist nur darauf angelegt, dieses <em>Almosen</em>, eine versteckte Steuer, den Gläubigen aus der Tasche zu ziehen. ´Der Zugang zum Himmel muss mit barem Geld erkauft werden. Der Kirche ist es höchst effektvoll gelungen, den um ihre arme Seele fürchtenden Gläubigen einzureden, sie könnten sich durch Beichte und milde Gabe von der Strafe des Fegefeuers loszukaufen: <em>„Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!“</em> &nbsp;</p> <p>Nonnen wollen trotz Klausur nach München.&nbsp;Ihre Kirchenoberen können es ihnen nur unter Androhung der Exkommunikation und des Kerkers verbieten. Damit die Pilger ihr Geld nur an die vorbestimmte Stelle bringen, wird eine eigene Straßenpolizei gegründet. &nbsp;</p> <p>Die Masse der kleinen Leute ist es, die das Geld nach München bringt. Die Geschäftsleute Münchens machen einen enormen Schnitt. Auch die Jakobidult&nbsp;erlebt ab dem Gnadenjahr einen ungeheueren Aufschwung. &nbsp;</p> <p>Ursprünglich hat man geplant, die Einnahmen je zur Hälfte den genannten Kirchen und dem Papst zuzugestehen. Später wird auch Herzog Stephan ein Viertel zugesprochen.&nbsp;Da die Münchner einen Teil der Einnahmen abzweigen und der Papst dadurch leer ausgeht, werden über die „ruchlose Stadt“ die höchsten Kirchenstrafen verhängt: Bann und Interdikt. Das gesamte kirchliche Leben der Stadt muss solange ruhen, bis die Gelder zurückerstattet werden.&nbsp;</p>

1394

1394

München-Graggenau * Im Münchner „Franziskaner-Kloster“ wird der „Arm des heiligen Antonius“ wiederentdeckt.  

Nach ihrer Wiederauffindung des in der Zeit der „Großen Pest“ eingemauerten Oberarmknochens bildet die „Reliquie des hl. Antonius“ das Ziel zahlreicher Wallfahrer.  
Den „Antonius-Arm“ hatte Ludwig IV. „der Baier“ nach München gebracht, doch während eines Stadtbrandes ist er „verloren“ gegangen.  

Die „Franziskaner“ wollen mit dem „Antonius-Arm“ an den Triumph der „Andechser Reliquien“ anknüpfen.  

Doch der „Antonius-Reliquie“ gelingt es nicht, München zum „Wallfahrtsort“ zu machen.


1396

Mai 1396

München * Vermutlich herrscht um diese Zeit in München eine Pest. 


1398

1398

Paris * Ein Gutachten der Pariser „Theologischen Fakultät“ wertet alle Zauberei als „Götzen- und Teufelsanbetung“


1402

1402

Paris * „Magie“, so ein Traktat, kann immer nur mit Hilfe des Teufels ausgeübt werden und ist deshalb als „Apostasie“ [= Abfall vom Glauben] und „Ketzerei“ [= das Abweichen von einer allgemein als gültig erklärten Meinung] zu bewerten. 


1405

7. Dezember 1405

München * Der Rat der Stadt erlässt Vorschriften zur Bekämpfung des Luxus. Neben dem Laden und Bewirten von Gästen bei Hochzeitsfeierlichkeiten und Taufen geht es auch um Kleidervorschriften.


1407

1407

Mittenwald * Aufgrund des starken Güteraufkommens wird in Mittenwald zusätzlich ein Rottfuhr-Unternehmen auf der vorbeifließenden Isar gegründet, die „Nasse Rott“

1407

Andechs * Die „Andechser Reliquien“ werden wieder nach Andechs gebracht.  

Damit ist der Versuch, die „Andechser Reliquien“ fest in München zu etablieren, fehlgeschlagen. 

März 1407

Savona * Das „Schisma“ wird von Anfang an als Skandal empfunden, weshalb man erhebliche Anstrengungen unternimmt, die Kircheneinheit wieder herzustellen.

Deshalb wird der Ruf nach der „Einberufung eines allgemeinen Konzils“ immer lauter. In Savona kommt es zu Verhandlungen zwischen den beiden Machtblöcken.

Juni 1407

Livorno * Dreizehn „Kardinäle“ treffen sich in Livorno.

Ihr Ziel ist die Beendigung der Kirchentrennung [„Schisma“]. Sie berufen ein „Konzil“ nach Pisa ein.

20. Juni 1407

Mittenwald * Der Freisinger Fürstbischof und Landesherr über das Werdenfelser Land, Berthold von Wehingen, verleiht dem Markt Mittenwald ein eigenes Wappen und Siegel.


1409

25. März 1409<p><strong><em>Pisa</em></strong> * Das Konzil von Pisa&nbsp;beginnt.&nbsp;Noch nie zuvor hat ein Kardinalskollegium&nbsp;- ohne Rücksprache mit Papst oder Kaiser - ein allgemeines Konzil der Gesamtkirche einberufen.&nbsp;Die Initiative der Kardinäle&nbsp;stößt auf breite Zustimmung: Über 600 Kleriker nehmen am Konzil von Pisa&nbsp;teil.</p> <p>Die parallel einberufenen Konzilien&nbsp;der beiden Päpste Gregor XII. in Cividale und Benedikt XIII. in Perpignan haben nicht annähernd so viele Teilnehmer.&nbsp;Die überwiegende Zustimmung des Klerus zum Konzil in Pisa&nbsp;isoliert die beiden Päpste auf Dauer.</p> <p>Das Konzil von Pisa&nbsp;zitiert die Päpste Gregor XII. und Benedikt XIII. nach Pisa und macht ihnen nach deren Weigerung einen förmlichen Ketzerprozess&nbsp;als hartnäckige Schismatiker.&nbsp;Damit ist die entscheidende Grundlage für das weitere Vorgehen geschaffen.</p>
5. Juni 1409

Pisa * Das Konzil von Pisa setzt die beiden Päpste Gregor XII. und Benedikt XIII. ab.

24. Juni 1409

Pisa * Zum Nachfolger wählt das Konzil von Pisa Papst Alexander V.. Weil jedoch Benedikt XIII. und Gregor XII. auch weiterhin auf ihre Ansprüche beharren, gibt es nunmehr statt zwei drei Päpste. Doch nun bekennen sich die wichtigsten Mächte zu Papst Alexander V. und dessen Nachfolger, Johannes XXIII.. Nur Spanien unterstützt auch weiterhin Papst Benedikt XIII..


1410

1410

Wien * Berthold von Wehingen, der Bischof von Freising, stirbt in Wien. 

3. Mai 1410

Bologna * Papst Alexander V., der hauptsächlich in Bologna regiert, stirbt.

Sein Nachfolger wird Papst Johannes XXIII.. 

17. Mai 1410

Bologna * Baldassare Cossa wird in Bologna zum Papst gewählt. Er wird den Namen Johannes XXIII. annehmen. 

24. Mai 1410

Avignon * Der eine Woche zuvor zum Papst Johannes XXIII. gewählte Baldessare Cossa erhält die Priesterweihe

25. Mai 1410

Avignon * Der zum Papst Johannes XXIII. gewählte Balassare Cossa erhält die Bischofskonsekration. Am späten Nachmittag des selben Tages wird er schließlich zum Papst gekrönt. 


1411

23. März 1411<p><strong><em>Avignon - Freising</em></strong> *&nbsp;Papst Johannes XXIII. ernennt Konrad V. von Hebenstreit - gegen des Willen des Domkapitels&nbsp;- zum Bischof von Freising.&nbsp;</p>

1412

Um April 1412

Straßburg - Freising - Bischoflack * Der von Papst Johannes XXIII. zum Freisinger Bischof ernannte Konrad V. von Hebenstreit macht sich nach seiner Berufung von Straßburg aus auf den Weg in seine Freisinger Besitzungen.  

In Bischoflack wird er im Schloss von einer Freisinger Gesandtschaft empfangen.  
In der selben Nacht aber von seinen Dienern ermordet. 

26. Juli 1412

Avignon - Freising * Hermann von Cilli wird von Papst Johannes XXIII. - auf Intervention des deutschen Kaisers Sigismund - zum Bischof von Freising ernannt. 


1413

1413

Lodi * Der neue deutsche König Sigismund will das dreifache „Schisma“ ein für alle Mal beenden.
Neben religiösen Aspekten verbindet er damit die Hoffnung auf die Kaiserkrone.

Sigismund trifft sich mit Papst Johannes XXIII. in Lodi und zwingt diesen zur Einberufung des „Konzils von Konstanz“


1414

12. Juli 1414

München * Ein Hochwasser beschädigt die Isarbrücke. 

Um den September 1414

Arlbergpass * Papst Johannes XXIII. bricht zum „Konzil“ nach Konstanz auf.

Als sein Wagen am „Arlbergpass“ umstürzt, schreit er wenig päpstlich und zornig: „Hier liege ich in Teufels Namen!“ 

3. November 1414

Konstanz * Jan Hus trifft zwei Tage vor Beginn des Konzils in Konstanz ein. 

Ab dem 5. November 1414

Konstanz * Das Konzil von Konstanz beginnt. Es dauert bis zum 22. April 1418. Der wichtigste Tagesordnungspunkt des Konzils ist die Beendung des Abendländischen Schisma und damit die Wiederherstellung der Einheit der Kirche. Die Lösung besteht darin, alle drei Päpste abzusetzen und einen neuen, von allen anerkannten Papst zu wählen. 

Doch auf dem Konzil wird nach kurzer Zeit eine ungewöhnliche Reform des Stimmrechts unternommen: Fortan gilt nicht mehr das Prinzip ein Teilnehmer, eine Stimme, sondern es wird nach Nationen abgestimmt, wobei jede Nation nur eine Stimme haben soll. Damit haben die Italiener nur noch eine Stimme, die gegen die drei anderen Nationen England, Deutschland und Frankreich sowie die des Kardinalskollegiums steht.

Dem Kirchenkritiker Jan Hus, dem König Sigismund freies Geleit zugesichert hatte, wird auf dem Konzil von Konstanz der Prozess gemacht und am Scheiterhaufen verbrannt. 

28. November 1414

Konstanz * Jan Hus wird während des Konzils von Konstanz gefangen genommen. 

Ab dem 6. Dezember 1414

Konstanz * Jan Hus wird auf der Dominikanerinsel in Konstanz in einem Verlies inhaftiert. Weil Jan Hus seine Thesen nicht widerrufen will, wird der Geleitbrief des Königs für den Kritiker für ungültig erklärt, weil jetzt nicht mehr die weltliche Ordnung für ihn zuständig sei, sondern die kirchliche.

Außerdem war die Zusage - nach damaliger Rechtsauffassung - sowieso ungültig, weil es gegenüber einem Häretiker keine verpflichtende Zusage geben kann.

24. Dezember 1414

Konstanz * König Sigismund trifft in Konstanz ein. Er ärgert sich zwar über den von ihm ausgestellten und von den Kirchenoberen gebrochenen Geleitbrief für Jan Hus, unternimmt aber nichts zur Hilfe des Kirchenkritikers. 


1415

20. März 1415<p><strong><em>Konstanz - Schaffhausen</em> </strong>*&nbsp;Papst Johannes XXIII., als dessen Gefangener Jan Hus gilt, flüchtet - heimlich und als Knappe verkleidet - von Konstanz nach Schaffhausen. Er befürchtet, dass man ihm wegen früherer Fehltritte den Prozess machen könnte.&nbsp;</p>
24. März 1415

Konstanz * Schlecht genährt und krank wird Jan Hus vom Verlies auf der Dominikanerinsel in Konstanz in eine gesündere Unterkunft gebracht. Er kommt in den Gewahrsam des Bischofs von Konstanz. Der Kirchenkritiker soll zwar seine Thesen widerrufen, doch ein toter Jan Hus nützt niemanden. 

6. April 1415<p><strong><em>Konstanz</em></strong> *&nbsp;Auf dem Konzil von Konstanz&nbsp;wird die&nbsp;Hoheit des Konzils über den Papst&nbsp;wird festgeschrieben.&nbsp;</p>
29. April 1415

Heidelberg * König Sigismund lässt Papst Johannes XXIII. gefangen nehmen und im Heidelberger Schloss inhaftieren. 

29. Mai 1415

Konstanz * Das Konzil von Konstanz erklärt Papst Johannes XXIII. für abgesetzt. Nun muss sich das Konzil mit den beiden anderen Päpsten beschäftigen.

  • Papst Gregor XII., bereits über 80 Jahre alt, lenkt bald ein. Er erkennt das Konzil von Konstanz als legitimes Konzil der Kirche an und erklärt seine Resignation. 
  • Papst Benedikt XIII., der inzwischen in Perpignan residiert, erklärt sich zwar zu einer Abdankung bereit, knüpft daran jedoch Bedingungen, die ihm allerdings nicht bewilligt werden. Daraufhin hält er seinen Anspruch aufrecht und flieht nach Peñiscola in Spanien.

König Sigismund erreicht aber, dass ihm die spanischen Königreiche die Unterstützung entziehen und als fünfte Konzilsnation nach Konstanz kommen. Damit ist Papst Benedikt XIII. endgültig isoliert. Wegen „Verweigerung der Resignation“ wird ihm der Prozess gemacht.

31. Mai 1415

Heidelberg - Konstanz * Papst Johannes XXIII. erhält während seiner Gefangenschaft auf Schloss Heidelberg seine vom Konzil in Konstanz ausgesprochene Absetzung. Er erklärt sich mit seinem Rücktritt unter der Bedingung einverstanden, dass auch die beiden anderen Päpste abtreten. 

5. Juni 1415

Konstanz * Jan Hus kommt in das Franziskaner-Kloster in Konstanz. Dort wird er bis zum 8. Juni verhört. 

Bis um den 30. Juni 1415

Konstanz * Böhmische und mährische Adlige haben erreicht, dass Jan Hus auf dem Konzil von Konstanz sich selbst und seine Lehren öffentlich verteidigen kann. Das Konzil verlangt von Jan Hus „den Widerruf und die Abschwörung seiner Lehren“. Der als Häretiker Angeklagte lehnt dies jedoch ab. 

4. Juli 1415

Konstanz * Kurfürst Ludwig III. von der Pfalz, ein religiös sehr engagierter Mann, bringt den römischen Papst Gregor XII. dazu, zu resignieren. Der Greis wird im Gegenzug zum päpstlichen Legaten auf Lebenszeit ernannt. 

6. Juli 1415

Konstanz * Jan Hus wird am Vormittag wegen seiner Lehre von der „Kirche als der unsichtbaren Gemeinde der Prädestinierten“ als „Häretiker“ zum Feuertod verurteilt.

Am Nachmittag wird Jan Hus zusammen mit seinen Schriften auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Seine Asche wird in den Rhein gestreut. 


1416

29. März 1416<p><em><strong>München</strong></em> * Die Münchner Juden erhalten von den Herzögen Ernst und Wilhelm einen Platz für einen Friedhof zugewiesen, <em>„gelegen bey dem perg zwischen Mossach und dez Rennweges“</em>. Er liegt in der Gegend des heutigen Maßmannbergls, mit dem Rennweg ist die Schleißheimer Straße gemeint.&nbsp;</p>

1417

26. Juli 1417

Konstanz - Avignon * Der Avignoner Gegenpapst Benedikt XIII., der erst gar nicht zum Konzil von Konstanz erschienen ist, wird für abgesetzt und sein Papsttum für ungültig erklärt.

Nach der Absetzung beziehungsweise der Abdankung der drei Päpste ist der Weg frei für eine Neuwahl. Das in Konstanz versammelte Kardinalskollegium erklärt sich bereit, an der Wahl auch die Vertreter der Nationen zuzulassen.

8. November 1417

Konstanz * Das Konklave beginnt mit der Wahl des neuen Papstes.

11. November 1417

Konstanz * Das Konklave entscheidet sich für den Italiener Oddo di Colonna, der sich den Namen Martin V. gibt. Damit hat die Kirche wieder einen von allen anerkannten Papst. Das Abendländische Schisma gilt damit als beendet. 


1420

Um das Jahr 1420

Paris * Der nächste Schritt zur Kriminalisierung der „Magie“ kristallisiert sich zwischen 1400 und 1430 heraus und ist eine Folge der politisch motivierten „Magie- und Schadenszauberprozesse“ am französischen Königshof.

Eine neue Tätergruppe wird gefunden in den „gotteslästerlichen, die göttliche wie obrigkeitliche Ordnung verleugnende Ketzersekte der schadenstiftenden Hexen“, die sich zu ihren nächtlichen „Verschwörungsorgien“ an „heimlichen Orten“ auf „allerlei Fluggeräten“ auf den Weg machen.

Daraus leitet sich ab: der „Pakt“, die „Buhlschaft“, der „Flug“, der „Sabbat“ und der „Schadenszauber“.

Das ist der Beginn einer breiten „Hexenverfolgung“ in den Tälern der Westalpen. 

Um Oktober 1420

München * Um diese Zeit herrscht in München die Pest. 


1421

13. Dezember 1421

Freising * Der Freisinger Bischof Hermann von Cilli stirbt. 


1422

29. März 1422

Rom-Vatikan * Papst Martin V. ernennt den von Herzog Heinrich XVI. dem Reichen von Baiern-Landshut unterstützten Nikodemus della Scala zum Bischof von Freising. 


1424

9. April 1424<p><strong><em>München</em></strong> * Eine Kleidervorschrift&nbsp;wird beraten.&nbsp;Es geht um das Tragen der Schleier und <em>„Stauchen“</em> durch die Frauen.&nbsp;Die <em>„Stauchen“</em>, der <em>„Stauch“</em> oder das <em>„Stäuchel“</em>&nbsp;ist&nbsp;ein mehrfach um den Kopf geschlungenes Tuch.</p>

1425

1425

München-Angerviertel * Der „Dekan“ von „Sankt Peter“, in dessen Pfarrei sich das „Haus des Scharfrichters“ und damit das „Stadt-Bordell“ liegt, fordert die Beseitigung dieser „Stätte der Unzucht“.  

Doch der Münchner Rat lehnt dieses Ansinnen mit dem Hinweis auf „das Herkommen und das Alter“ dieser Einrichtung kategorisch ab. 

Um 1425

Norditalien - Mittelitalien * Bernardino von Siena, ein „franziskanischer Bußprediger“, der später „heiliggesprochen“ wird, predigt auf seinen „Missionsreisen“ durch Nord- und Mittelitalien vehement gegen „Juden“, „Häretiker“, „Sodomiten“ und „Ehebrecher“.

Auch glaubt er, überall auf „magische Praktiken, Wahrsagerei, Zauberei und das Wirken von Dämonen“ zu treffen.
Er bezeichnet die „Hexerei“ als eines der verabscheuungswürdigsten Verbrechen, für dessen Duldung Gott die Menschheit hart bestrafe.

Seine Zuhörer fordert der „heilige Mann“ auf, die „Hexen, Wahrsager und Zauberer“ aufzuspüren und zu vernichten.
Seine Predigten enden regelmäßig in regelrechten Verfolgungen und Hinrichtungen.

Das „Verfolgunsgebiet“ ist so erweitert worden. 


1430

1430

Savoyen * Herzog Amadeus VIII. von Savoyen, der spätere „Gegenpapst“ Felix V., lässt einen fünfbändigen Entwurf für einen „christlichen Idealstaat“ erarbeiten.

Darin dürfen keinerlei „Normverstöße“, erst recht keine „Gotteslästerung, Häresie und Zauberei“ geduldet werden.
Als weltlicher Herrscher führt er in seinem Herzogtum bereits schärfere Gesetze gegen „sittliche und religiöse“ Verstöße ein.

Dabei führt Herzog Amadeus - „der Friedfertige“ - das „inquisitorische Verfahren“ gegen „Ketzer“ wie gegen „Zauberer“ ein und ermuntert seine Amtsleute, mit „dominikanischen und franziskanischen Inquisitoren“ zusammenzuarbeiten. 

Um Oktober 1430

München * Die Pest sucht die Stadt heim. 


1433

3. Oktober 1433

München * Die neue, vom Rat der Stadt erlassene Bußordnung enthält neugefasste Sätze über die Bewirtung der Gäste bei Hochzeiten und Taufen. Nach der Bußordnung ist die Sperrstunde im Sommer um 9 Uhr, im Winter um 8 Uhr. Die Beschränkungen beim Kleiderluxus werden aufgeweicht.


1435

12. Oktober 1435

Straubing * Agnes Bernauer, die nicht-standesgemäße Frau des späteren Herzogs Albrecht III., wird in Straubing in der Donau ertränkt. 


1437

22. Januar 1437

München * Herzog Albrecht III. heiratet Anna von Braunschweig. 

9. März 1437

München-Angerviertel * Die Vorarbeiten am Münchner „Frauenhaus“ [= Bordell] beginnen. Für 15 ½ Pfund Pfennige werden 17.000 Mauersteine gekauft.  

Um den 28. Oktober 1437

München-Angerviertel * Das neue Stadtbordell wird eröffnet. Es befindet sich in der Mühlgasse am Anger, Ecke Rossmarkt und Blumenstraße. Umgeben ist das Gebäude von einem kleinen Garten. 

Das Münchner Frauenhaus ist ein zweigeschossiges, äußerlich an ein oberbaierisches Bauernhaus erinnerndes Gebäude mit 32 großen und zwei kleinen Fenstern. In jedem Geschoss ist eine Stube untergebracht, in der die Kontakte zwischen dem Freier und den Prostituierten hergestellt werden. Hier kann aber auch gezecht und vermutlich gespielt werden. Sie sind also ein Ort der Geselligkeit.  

Um diese Stuben, die als einzige Räume beheizbar sind, gruppieren sich insgesamt zwölf abschließbare Kammern. Diese sind mit je einem Bett bestückt. Sehr wahrscheinlich sind das die einzigen Einrichtungsgegenstände dieser Räume. Das Münchner Frauenhaus“ähnelte demnach eher einem modernen Barbetrieb mit angeschlossenen chambres separées als einem heutigen Eroscenter.  

Das Frauenhaus ist nicht weit vom Haus des Scharfrichters entfernt. In dem direkt an das Haus angebauten Gebäude mit dem Aufzuggiebel ist lange Zeit der städtische Schinder, Wasenmeister oder Abdecker untergebracht, der ebenso wie der Henker bis zum Ende des 18. Jahrhunderts als „ehrlos“ gilt und nicht im bürgerlichen Wohnbereich geduldet wird. 

Um den 30. Oktober 1437

München-Angerviertel * Die Dirne Aellen wird im Frauenhaus (= Stadtbordell) ermordet. Der Scharfrichter muss sie auf der Freistatt, einem henkereigenen Begräbnisplatz, verscharren.


1438

2. Juli 1438

München * Herzog Albrecht III. übernimmt den baierischen Herzogsthron von seinem Vater Ernst. 


1439

Ab 21. September 1439

München • Ein Exibitionist hält sich in der Stadt auf und zeigt den Frauen „den zers“, das männliche Glied. 

5. November 1439

Basel * Herzog Amadeus VIII. von Savoyen, genannt der Friedfertige, wird zum Gegenpapst Felix V. gewählt, aber lediglich von Baiern, Aragonien, Ungarn und der Schweiz in dieser Funktion anerkannt. 

5. Dezember 1439

München * Über das abgelaufene Jahr berichtet der Stadtschreiber Dr. Hans Rosenbusch von einem Pestjahr. 


1440

7. Februar 1440

München * An der Isarbrücke verfängt sich ein Fass, dass eine Selbstmörderin enthält, die sich durch Erhängen das Leben genommen hatte. Recherchen im Landgericht Wolfratshausen ergeben, dass man dort die Frau nicht begraben wollte und man sie deshalb in dem Fass auf das Wasser der Isar setzte. Die Münchner legen sie daraufhin wieder in das Fass und lassen sie weiter isarabwärts treiben.

Es war durchaus üblich, dass man Leichen oder Delinquenten, mit denen man nichts zu tun haben wollte, auf einem Floß auf der Isar aussetzte. 

23. Mai 1440

Prag * Herzog Albrecht III. wird auf einem Landtag in Prag fast einstimmig zum böhmischen König gewählt. Er nimmt aber die Wahl nicht an. 


1442

1442

München * Herzog Albrecht III. vertreibt alle Juden aus dem Teilherzogtum München-Oberbaiern.

Die „Synagoge“ wird in eine „Marienkapelle“ umgewandelt.

Die Vertreibung bedeutet zudem das Ende der mittelalterlichen jüdischen Gemeinde in München.


1448

25. Juni 1448

München * Der Rat der Stadt erlässt eine Rennordnung für das sogenannte Scharlachrennen. Die selbe Rennordnung gilt auch für das Fräuleinlaufen, bei dem sich „die freylein“ einen Wettlauf „umb das parchanttuech“ liefern. Das Hurenlaufen ist ein großes jährliches Spektakel. 


1449

1449

Mittenwald * Der Freisinger Landesherr über das „Werdenfelser Land“, Bischof Johann III. Grünwalder, gewährt den Mittenwaldern die Abhaltung von zwei Jahrmärkten. 


1450

1450

Mittenwald * In Mittenwald entsteht ein eigener, 50 Meter langer und 16 Meter breiter „Ländhafen“ für den Flusswarentransport, der „Nassen Rott“

Um 1450

Spanien * Die Araber führen die Seidenproduktion in Spanien ein.

Aber selbst im 15. Jahrhundert wird noch immer die Seide aus China importiert, weil diese als hochwertiger gilt und die europäischen Fabrikate den Bedarf nicht decken können. Man importiert jedoch hauptsächlich Rohseide, da es hier bereits genügend Arbeitskräfte zum Weben und Verarbeiten gibt. 


1452

20. Januar 1452

München * Es tobt wieder die Pest in der Stadt. Zur Beratung wird für 26 Pfennige Malvasier-Wein für den Stadtrat gekauft. 


1454

16. September 1454

München-Graggenau * Der Franziskaner-Pater Johann von Capistran predigt auf dem Schrannenplatz so eindringlich, dass sich angeblich „gemeine Töchter“ [= Prostituierte] zum Besseren bekehren und Münchner ihre Spielbretter und Karten verbrennen. Der Asket erhält dafür von der Stadt ein üppiges Gastgeschenk in Form von Wein, Fischen und Fleisch [!] und reist am selben Tag wieder ab. Doch kaum eine Woche später geben sich die Stadtbewohner wieder den Lustbarkeiten hin. 


1459

1459

München * Der Rat der Stadt erlässt in einem Nachtrag zur „Bußordnung“ vom 3. Oktober 1433 acht neue Sätze und Artikel mit „Kleidervorschriften“

Die hauptsächlich die Frauenmode betreffenden Vorschriften befassen sich mit Regelungen über Pelzbesätze, die Art der Ärmel, die Länge der Röcke und Mäntel.

Sie verbieten Männern wie Frauen Röcke aus Samt und Seide, Perlenbesatz und Brusttücher für die Frauen.

22. März 1459

Wiener Neustadt * Maximilian I., der spätere Kaiser aus dem Hause Habsburg, wird in Wiener Neustadt geboren. 


1460

29. Februar 1460

München * Nach dem Tod Albrechts III. werden seine Söhne Johann IV. und Siegmund Herzöge im Teilherzogtum Baiern-München.

24. Oktober 1460

München * Die Grenzen des Münchner Burgfriedens werden im Burgfriedensbrief festgelegt. Das auf der rechten Isarseite gelegene Gebiet gehörte ursprünglich zum Landgericht Wolfratshausen, das dort auch die Jurisdiktion, die Gerichtsbarkeit, ausübte. Die Stadtherren beantragten bei den regierenden Herzögen Johann und Sigmund die Erweiterung des Münchner Burgfriedens.  

In dem Erlass wurde daraufhin für den Bereich des Gasteigs bestimmt: „Es soll auch das Siechhaus auf dem Gastay enhalb der Yserpruckh vnnd auch dieselb Yserpruckh auch In vnnserer Statt München Burckfrid ligen. Doch so behalten wir vnns den wasserstromb der Yser, das vnns der mit Herrlichkeit soll beleiben vnnd zustehen“.


1461

1461

München * Die „Stadtkammer“ lässt „91 Schiltlein“ anfertigen und an die offiziell zugelassenen „Stadtarmen“ verteilen.  

Diese müssen künftig diese Schilder beim „Betteln“ offen auf der Brust tragen.  
Wer ohne diese Erlaubnis bettelt, wird in die „Schergenstube“ gebracht und auf den „Pranger“ gestellt.  

Die Stellung dieser „gewerbsmäßigen Bettler“ lässt sich auch an ihrer offiziellen Teilnahme an der „Fronleichnamsprozession“ ablesen, in der sie in der Gruppe der „Handwerker“ den Abschluss bilden. 


1462

1462

Rom-Vatikan * Papst Pius II. bestätigt die Gültigkeit der „Augustinischen Lehre“ zur „Prostitution“

1462

Perugia * Der Franziskanerpater Barnabas gründet in Perugia das erste Leihhaus. Man will damit den Wucher bekämpfen und Menschen, welche vorübergehend in Not geraten sind, vor der Vernichtung ihrer Existenz retten.

Weitere solche Einrichtungen folgen auf italienischem Gebiet. Über Frankreich verbreiten sich die Leihhäuser bald über ganz Europa. Sie heißen damals „Montes pietatis“. Das bedeutet soviel wie „Berg oder Haus des Mitleids“. Die Leihhäuser haben zu dieser Zeit einen ausgesprochenen karitativen Charakter.


1464

3. Juni 1464

München * Umfangreiche und 107 Pfund und 11 Pfennige teuere Arbeiten an der Isarbrücke beginnen und dauern bis 7. Oktober an. 


1465

1465

München * Nach dem „Eidregister“ ist der „Frauenmeister“ verpflichtet, eine jede „Dirne“ an der Verehelichung zu hindern. 

10. September 1465

München * Herzog Albrecht IV. wird Mitregent seines Bruders Sigmund im Teilherzogtum Baiern-München.


1467

3. September 1467

Schloss Blutenburg * Herzog Sigmund verzichtet - wegen „Blödheit meines Leibes" - auf das Herzogamt im Teilherzogtum Baiern-München und zieht sich zu einem bequemen Leben auf Schloss Blutenburg zurück.


1470

1470

Mittenwald * Für die aufgespeicherten Waren wird in Mittenwald ein gemeindliches „Ballenhaus“ gebaut. 


1474

1474

Rom-Vatikan * Heinrich Institoris wird zum „Inquisitor der oberdeutschen Ordensprovinz“ ernannt.

Das ist das deutschsprachige Gebiet zwischen Böhmen und Frankreich, Vorderösterreich, der deutschsprachigen Schweiz und dem Elsass. 

1474

München-Graggenau * Das „Richtfest“ für den „Fest- und Tanzsaalbau des Alten Rathauses“ wird gefeiert. 


1475

1475

München-Graggenau * Das „Alte Rathaus“ wird mit Lärchenschindeln gedeckt.

Inzwischen haben auch die Arbeiten für den „Fest- und Tanzsaal“ begonnen.
Der Saal nimmt mit seinen 31 x 17 Meter das gesamte Obergeschoss ein.

Eine „Himmelsleiter“ führt vom Marktplatz direkt in den Saal.
Das Tonnengewölbe ist 10,5 Meter hoch und mit Tannenbrettern verschalt.

Hier ist der Ort, an dem die „Moriskentanzfiguren“ von Erasmus Grasser aufgestellt werden. 

7. April 1475

München * Nachdem den Bürgern die Anzahl der Schweine und die damit verbundene Verunreinigungs- und Geruchsbelästigung zu hoch geworden ist, verbietet der Rat der Stadt die Schweinehaltung in der Innenstadt ganz und schränkt sie in der äußeren Stadt auf sechs Stück je Schweinehalter ein. 

14. November 1475

Landshut * Bei der Landshuter Fürstenhochzeit heiratet der 22-jährige Prinz Georg von Baiern-Landshut die polnische Königstochter Jadwiga (oder Hedwig).


1477

1477

München-Graggenau * Die „heraldische“ Ausschmückung des „Fest- und Tanzsaales im Alten Rathaus“ ist fertiggestellt. 


1480

14. August 1480

München * Die Stadt zahlt 150 Pfund 4 Schilling an Meister Erasmus Grasser für die Herstellung von 16 Moriskentanzfiguren für den Festsaal im Alten Rathaus. 

Oktober 1480

Thiene bei Vicenza • Kajetan von Thiene kommt in Thiene bei Vicenza zur Welt. 


1481

Ab 1481

Konstanz * Die „Verfolgungskampagne“ des Heinrich Institoris, des „Inquisitors der oberdeutschen Ordensprovinz“, in der „Diözese Konstanz“ ist - nach seinen eigenen Angaben - erfolgreich verlaufen.

Zwischen 1481 und 1485 werden hier 48 Frauen als „Hexen“ hingerichtet. 


1482

1482

Mittenwald * In Mittenwald sollen mindestens 32 Wagen für die Rott bereitgehalten werden. 


1483

20. Juli 1483

München * Die Stadt finanziert mehrere Wallfahrten gegen die Pest. 


1484

1484

Rom-Vatikan * Der Verfasser des „Hexenhammers“, Heinrich Kramer [„Henricus Institoris“], erwirkt von Papst Innozenz VIII. die Bulle „Summis desiderantes“, in der er die von „Hexen“ begangenen Schäden beklagt, die in den „Erzbistümern“ Köln, Mainz, Trier, Salzburg und Bremen aufgetreten sein sollen.

Gleichzeitig kritisiert er den Widerstand, mit dem viele Städte und Territorien eine „Hexenverfolgung“ verweigern. 

1. Januar 1484

München * Noch immer herrscht die Pest in München. Wer kann, verlässt die Stadt. 

5. Februar 1484

München * Der Rat sagt der Gemain zu, für das Jahr 1483 keine Steuer zu erheben. Das Marktleben und der Handel waren durch die herrschende Pest zum Erliegen gekommen. 

21. Februar 1484

München * Während der Pestzeit haben die meisten Stadträte die Stadt verlassen. Diejenigen, die die Amtsgeschäfte weitergeführt haben, erhalten jetzt vom Rat eine Aufwandsentschädigung zugebilligt.


1485

1485

Brixen * Die „Hexenverfolgung“ des Heinrich Institoris, des „Inquisitors der oberdeutschen Ordensprovinz“, in der „Diözese Brixen“ scheitert, nachdem der dortige Bischof für den Abbruch des Verfahrens sorgt und Institoris hinaus wirft.

Seine Prozessführung ist offensichtlich so wirr, rechtsbrüchig und skandalös, dass der Bischof keinen anderen Weg als diesen sieht. 


1486

1486

Speyer * Der berüchtigte „Hexenhammer - Malleus maleficarum“, ein „Lehrbuch des Hexenglaubens und der Hexeninquisition“, wird veröffentlicht.

Der „Dominikanermönch“ Heinrich Institoris, der zudem „Inquisitor der oberdeutschen Ordensprovinz“ ist, schreibt das Buch, nachdem er mit einer Inquisition in Innsbruck in der „Diözese Brixen“ gescheitert ist.

Nach dieser Niederlage will er seine Position stärken und die „Hexenverfolgung“ vor deren Gegnern zu rechtfertigen.

Das Buch wird als Vorbild für die künftig in Deutschland geführten „Hexenprozesse“ dienen und wird bis ins 17. Jahrhundert hinein in 29 Auflagen erscheinen. 

6. August 1486

Regensburg * Herzog Albrecht IV. zieht in Regensburg ein, um die Stadt gemäß deren Wunsch in Besitz zu nehmen. 


1487

1487

Udine * Erstmals wird in Udine eine Bronzemadonna auf eine Marmorsäule gestellt. 

1487

Mittenwald * Die Venetianer Kaufleute verlassen Bozen als ihren Hauptstapelplatz für Waren nach einem Streit mit der dortigen Regierung. 

Als Ersatzstandort erwählen sie Mittenwald, in dem sie bis 1679 den sogenannten „Bozener Markt“ abhalten und die „welschen“ - sprich fremden - Waren angebieten, verkaufen und verfrachten.

Auf Saumtieren und Karren werden die Güter über die steilen Gebirgspässe gebracht und gelangen schließlich über Zirl und Seefeld hinab nach Scharnitz und Mittenwald.
Den Weitertransport übernehmen heimische Fuhrleute.

Gehandelt wird mit: Gewürzen, Südfrüchten, Ballen mit Baumwolle, Pfeffersäcke, Säcke mit Johannisbrot, Safran und Ingwer, Ballen mit Schreibpapier, Borten, Schleier, Ölfässer, Fässer mit Feigen, Zucker, Welsch- und Etschwein. 

Um 1487

Bozen * Herzog Sigmund von Tirol lässt auf dem „Bozener Markt“ 130 venezianische Kaufleute verhaften und erklärt darüber hinaus der „Republik Venedig“ den Krieg.

Aus diesem Grund schlagen die venezianischen Händler ihre Kaufstände seither im bischöflich-freisingischen Mittenwald auf.

3. Januar 1487

Innsbruck * Der 39jährige Baiernherzog Albrecht IV. entführt und ehelicht die 21-jährige Kaisertochter Kunigunde in Innsbruck. 


1488

1488

München * Die strenge Regel im „Eidregister“, wonach der „Frauenmeister“ verpflichtet ist, eine jede „Dirne“ an der Verehelichung zu hindern, fällt weg. 


1489

22. Mai 1489

München * Der Rat der Stadt erlässt eine 27 Artikel umfassende Weinschenken-Ordnung. 

27. Dezember 1489

München-Graggenau * Die Pfarrer der Peterskirche und der Frauenkirche beschweren sich bei den Franziskanermönchen, dass diese durch ihre Predigten eine scharfe geistliche Konkurrenz gegenüber den weltlichen Stadtpfarreien ausüben. 

Man einigt sich darauf, dass die Franziskaner zu bestimmten Zeiten das Predigen an Vormittagen unterlassen. 


1490

1490

Rom-Vatikan * Der päpstliche Vikar Giacomo Botta erlässt ein Dekret, das allen Klerikern und Laien bei Androhung der „Exkommunikation“ und des „Verlustes der Ämter und Pfründe“ das „öffentliche oder heimliche Halten von Konkubinen“ verbietet.  

Papst Innozenz VIII., das ist übrigens auch der mit dem „Hexenhammer“, lässt den Erlass umgehend zurücknehmen und erklärt, dass das „Konkubinat“ nicht verboten sei.  
In der Folge gibt es in der heiligen Stadt Rom kaum noch einen Priester oder „Kurialen“, der ohne „Konkubine“ lebt. 

6. Januar 1490

München - Au * Balthasar Pötschner erhält von Herzog Albrecht IV. das Recht, „zu Giesing under dem perg, genannt Neydeck, ain papirmul zu pawen“. Gleichzeitig bekommt er das Produktionsmonopol für Papier auf 20 Jahre. 


1491

2. Oktober 1491

Nürnberg * Ein Gutachten des Dominikaners Heinrich Institoris über die Verfolgung von Hexen in der Reichsstadt Nürnberg, nimmt der Rat sofort unter Verschluss. Für die Nürnberger Juristen sind die Ansichten des Inquisitors der oberdeutschen Ordensprovinz nicht zu realisieren. 


1492

1492

Walchensee - Königssee * Die „Kesselbergstraße“ wird ausgebaut.

Der holprige Weg vom Walchensee zum Königssee ist bereits seit dem Jahr 1120 als „Königspfad“ bekannt.
Er war allerdings - trotz des Namens - ein wenig einladender „Saumpfad“.

Dieser wird jetzt auf Anregung des Münchner Ratsherrn Heinrich Barth zu einer Straße ausgebaut, die in neun Kehren die beiden Seen miteinander verbindet.

Der aufblühende „Bozener Markt“ in Mittenwald profitiert von dieser neuen Route.
Bisher mussten die Fuhren nach München entweder die häufig überschwemmte Straße durchs „Murnauer Moos“ und das „Loisachtal“ nehmen, oder sie waren auf das enge Tal der Isar angewiesen.

1492

Regensburg * Herzog Albrecht IV. muss Regensburg auf kaiserlichen Druck an das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ zurück geben. 


1493

1493

München * Der von Michael Wolgemut gefertigte Holzschnitt in der „Hartmann Schedel‘schen Weltchronik“ ist die älteste Darstellung von München.  

  • Es sind noch keine Isarinseln zu sehen,  
  • dafür wird am unteren Bildrand die am „Gasteigberg“ gelegene „Wasserstube“ gezeigt. 

1495

25. Juli 1495

München * Es herrscht immer noch Pest. In Abstimmung mit dem Stadtrat ordnet Herzog Albrecht IV. an, dass die Jakobi-Dult nicht abgehalten werden soll. 

18. September 1495

Grünwald * Wegen der in München herrschenden Pest wird das fünfte KInd des Herzogpaares Albrecht und Kunigunde, der spätere Herzog Ludwig X., auf der Burg Grünwald geboren. 


1496

1496

München * Die „Syphilis“ tritt epidemieartig auf.  

Diese „Geschlechtskrankheit“ betrachtet man als „Strafe Gottes“ für einen „ausgelassenen Lebenswandel“.  
Sie bringt aber nicht die Schließung der „städtischen Frauenhäuser“

Um den 25. Juli 1496

München-Angerviertel * Die Jakobi-Dult findet trotz der noch anhaltenden Pest statt. 

19. September 1496

Landshut * Herzog Georg der Reiche von Baiern-Landshut bestimmt in seinem Testament, dass seine Tochter Elisabeth, ihr zukünftiger Ehemann Ruprecht von der Pfalz und ihre etwaigen Söhne das Teilherzogtum erben sollen. Herzog Georg und seine Gemahlin Hedwig von Polen hatten keine gemeinsamen männliche Erben. 


1497

8. Mai 1497

München * Eine Schlichtungsvereinbarung zwischen den Meistern und Gesellen des Messerschmiedehandwerks regelt in dreißig Artikeln das Verhalten der Messerschmiedegesellen. Der Inhalt spannt sich von Bekleidungsvorschriften über Essens- und Trinkgebahren oder so detailierte Vorschriften, wonach kein Geselle Semmeln in Wein tränken und danach essen soll.

Dazu gibt es auch das Verbot, mit einer „gemeinen Frau“, gemeint ist eine Prostituierte, zu tanzen. Die Ordnung schließt mit dem berühmten Artikel 30, in dem es heißt: „Es sol auch kain gesell täglich in dem frawnhauß ligen.“


1498

1498

Nürnberg * In Nürnberg kann ein städtisches Leihhaus eröffnen.


1499

10. Februar 1499

Landshut * Herzogin Elisabeth von Baiern-Landshut und Herzog Ruprecht von der Pfalz - Cousine und Cousin - heiraten. Ruprechts Mutter Margarete war die Schwester von Herzog Georg dem Reichen von Baiern-Landshut. 


1500

1500

München * München hat 13.447 Einwohner. 

Um den 1500<p><strong><em>München</em></strong> * Es gibt keine Verordnung in Bezug auf die Hygiene der Prostituierten. &nbsp;Das hindert jedoch niemanden am Besuch eines Bordells.&nbsp;Zwar gibt es schon Verbote, den Freiern&nbsp;kranke Frauen zuzuführen, doch ansonsten begreift man zu dieser Zeit eine Krankheit als <em>„Strafe für ein ausschweifendes und wollüstiges Leben“</em>.&nbsp;</p>
24. Februar 1500

Gent * Carl V., der spätere Kaiser aus dem Hause Habsburg, wird in Gent geboren. 

10. September 1500

Augsburg * Auf dem Reichstag in Augsburg wird eine große „Reichspolizeyordnung“ beschlossen. Sie beinhaltet auch Fragen der Kleiderordnung. 


1501

Um den 5. Januar 1501

München - Landshut * Die Regenten der beiden Teilherzogtümer Baiern-München, Herzog Albrecht IV., und Baiern-Landshut, Herzog Georg, nehmen eine große Reichspolizeiordnung, die am 10. September 1500 auf dem Augsburger Reichstag erlassen worden war, zum Anlass, für ihren jeweiligen Bereich entsprechende Kleiderordnungen zu erlassen. 

Inhaltlich beruhen sie auf einer Pfälzer Ordnung aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts, die entsprechend modifiziert und den ober- und niederbaierischen Verhältnissen angepasst werden. Im Gegensatz zu Landshut ist das Landgebot „Ueberfluß und Unmaas der Bekleidung und anders hiernachfolgendes berührend“ die erste Kleiderordnung für München.


1502

1502

Rom-Vatikan * Ein Brief beschreibt die Situation im Vatikan derart:  

„Die Häufigkeit des außerehelichen Beischlafs, des Inzests, der Vergewaltigungen von Knaben und Mädchen, die Zahl der Huren, die im Palast des heiligen Petrus herumlungern, und der Herden von Kupplern, die dort umherlaufen, übersteigt in ihrer Schamlosigkeit jene der Bordelle und der Freudenhäuser“.  

An der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit sind also „Konkubinat“ und „Hurerei“ beim römischen Priestertum sehr weit verbreitet. 

10. April 1502

Amberg * Herzog Ottheinrich, der Sohn der niederbaierischen Herzogin Elisabeth und Herzog Rupert von der Pfalz, wird in Amberg geboren. 


1503

8. Januar 1503

München * Eine Nachricht aus dieser Zeit besagt, dass man den Münchner Bordellwirt doch noch ermordet hat. Die Suche nach dem Täter weitet man sogar bis nach Landshut und Burghausen aus. 

10. März 1503

Alcalá de Henares * Ferdinand I., der spätere Kaiser und Bruder von Carl V., kommt in Alcalá de Henares bei Madrid zur Welt. 

12. November 1503

Heidelberg * Herzog Philipp, der zweitgeborene Sohn Sohn der niederbaierischen Herzogin Elisabeth und Herzog Rupert von der Pfalz, wird in Heidelberg geboren. 

1. Dezember 1503

Landshut * Herzog Georg der Reiche vom Teilherzogtum Baiern-Landshut stirbt. In der Folge kommt es zum Landshuter Erbfolgekrieg gegen das Teilherzogtum Baiern-München. 

Nach dem 1. Dezember 1503

München - Landshut * Herzog Albrecht IV. von Baiern-München akzeptiert das Testament von Herzog Georg dem Reichen nicht, wonach seine Tochter Elisabeth, ihr Ehemann Ruprecht von der Pfalz und ihre etwaigen Söhne das Teilherzogtum erben sollen.

Das Testament widerspricht dem Wittelsbachischen Hausvertrag, nach dem beim Aussterben einer männlichen Linie die Besitzungen an die jeweils andere Linie fällt. Das Testament ist aus oberbaierischer Sicht ein Vertragsbruch. Deshalb kommt es zum Landshuter Erbfolgekrieg. 

13. Dezember 1503

Landshut * Auf dem noch von Herzog Georg dem Reichen nach Landshut einberufenen Landtag, macht Herzog Albrecht IV. von Baiern-München seine Erbansprüche geltend. 


1504

5. Februar 1504

Augsburg * König Maximilian I. lädt die streitenden Parteien der Teilherzogtümer Oberbaiern-München und Niederbaiern-Landshut ins Augsburger Rathaus ein. Er stellt sich als Vermittler zur Verfügung, erhebt aber an beide Seiten Gebietsansprüche für diese Tätigkeit. 

Um den 10. April 1504<p><em><strong>München</strong></em> * Herzog Albrecht IV. von München-Oberbaiern erklärt sich bereit, die&nbsp;Gerichte Kufstein, Kitzbühel und Rattenberg&nbsp;an König Maximilian I. für seine Vermittlungstätigkeiten abzutreten.&nbsp;König Maximilian I. sagt ihm daraufhin eine finanzielle Unterstützung und 10.000 Mann als Hilfstruppe&nbsp;zu.&nbsp;</p>
17. April 1504

Landshut - Burghausen * Der nach dem Landtag vom 13. Dezember 1503 gegründete Regentschaftsrat wird von Herzog Elisabeth von Landshut-Niederbaiern und Herzog Ruprecht von der Pfalz aufgelöst. 

Landshut, Burghausen und andere niederbaierische Städte werden von pfälzischen Truppen besetzt. Herzog Ruprecht von der Pfalz wird von seinem Vater, Pfalzgraf Philipp der Aufrechte, von Frankreich, Böhmen und Baden unterstützt, so dass er über ein Heer von 30.000 Mann verfügen kann.

23. April 1504

Augsburg * König Maximilian I. belehnt den Münchner Herzog Albrecht IV. mit den Ländern von Herzog Georg „dem Reichen“ und verhängt über Herzog Ruprecht von der Pfalz und seinen Anhängern die „Reichsacht“.

Herzog Albrecht IV. und sein Sohn Herzog Wilhelm IV. verfügen über ein Heer von insgesamt 60.000 Mann. Diese setzen sich zusammen aus baierischen und königlichen Truppen sowie der „Reichstadt“ Nürnberg, die alleine 5.000 Mann stellt, und andere Unterstützer wie der „Schwäbische Bund“, Herzog Ulrich von Württemberg und Markgraf Friedrich II.. 

21. Juni 1504

München - Landau an der Isar * Der Landshuter Erbfolgekrieg beginnt. Mit einem Heer, bestehend aus 12.000 Mann Fußtruppen und 2.000 Reiter, belagert Herzog Ruprecht von der Pfalz Landau an der Isar und erobert es nach Beschießung mit Bomben. 

13. Juli 1504

Altdorf bei Landshut * Es kommt zur ersten größeren Auseinandersetzungen zwischen den oberbaierischen Truppen von Herzog Albrecht IV. und den Truppen des Rupert von der Pfalz. Die Schlacht endet mit einem Sieg für Albrecht IV.  Der mit Albrecht verbündete Götz von Berlichingen verliert dabei seine Hand.

18. Oktober 1504

München - Bogenhausen - Grünwald * Die pfälzischen Truppen belagern München im Landshuter Erbfolgekrieg ohne Erfolg. Doch alle Dörfer im Isartal, von Bogenhausen bis Grünwald werden verwüstet. 


1505

30. Juli 1505

Köln * Der Kölner Schiedsspruch des römisch-deutschen Königs Maximilian I. beendet den Landshuter Erbfolgekrieg.  

  • Die wittelsbachischen Teilherzogtümer München-Oberbaiern und Landshut-Niederbaiern werden wieder vereinigt.  
  • Das Landshuter Erbe wird geteilt zwischen dem Pfalzgrafen, den bairischen Herzögen und König Maximilian I..  
  • Das Fürstentum Pfalz-Neuburg wird gebildet. 
9. November 1505

München * Ein erstmals genannter Tändlermarkt wird wegen der Pest abgesagt.


1506

8. Juli 1506

München * Herzog Albrecht IV. legt mit dem Primogeniturgesetz die Unteilbarkeit Baierns fest. Künftig soll nur mehr der erstgeborene Sohn im Baiernland herrschen. Für die nachgeborenen Söhne müssen sich die herzoglichen Familienväter anderswo Einnahmen und Finanzquellen eröffnen.

1. September 1506

München * Es ist wieder ein Pestjahr. Der Schulmeister der städtischen Poeten- oder hohen Schule wird entlassen, weil wegen der Pest die Schüler nicht mehr zur Schule kommen.

1. November 1506

München * Wegen der herrschenden Pest muss die Stadt zunächst für drei Wochen zusätzliche Totenträger einstellen. 

Dezember 1506

München - Landshut * Wegen der in München grassierenden Pestepidemie residiert Herzog Albrecht IV. in Landshut. 

31. Dezember 1506

München * Vermutlich wegen der Pest werden in diesem Jahr keine Steuern erhoben. 


1507

16. Mai 1507

München-Angerviertel * Erzürnten Gesellen gelingt erneut die Erstürmung des Frauenhauses, wofür sie zur Strafe in der Schergenstube eingesperrt werden. 

September 1507

München-Kreuzviertel * Ein Handwerkerehepaar kauft das „Sternhaus“, worauf es nicht mehr in den „Steuerbüchern“ auftaucht. 


1508

4. Februar 1508

Trient * König Maximilian I. wird im Dom zu Trient zum Kaiser des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ gekrönt. 

Um März 1508

München-Graggenau * In der „Schergenstube“ sitzen erneut mindestens zehn Personen wegen eines Angriffs auf das „Frauenhaus“ ein. 

18. März 1508<p><strong><em>München</em></strong> * Herzog Albrecht IV. stirbt.&nbsp;Sein minderjähriger Sohn Wilhelm IV. wird Herzog von Baiern unter der Vormundschaft seines Onkels Wolfgang.&nbsp;</p>

1509

1509

Reichenhall - München * Die Reichenhaller Salzsiedestellen gehen in den Besitz Herzog Wilhelm IV. über.

Damit verfügt er über das einträgliche Monopol für die Salzgewinnung. 


1510

Um ??? 1510

Nürnberg * Der Nürnberger Peter Henlein erfindet die Taschenuhr. 

Inzwischen wird die Erfindung als eine Fälschung aus dem späten 19. Jahrhundert bezeichnet. 


1514

14. Oktober 1514

Rattenberg * Die herzoglichen Brüder Wilhelm IV. und Ludwig X. vereinbaren im Rattenberger Vertrag, dass sie das Herzogtum Baiern künftig gemeinsam regieren wollen - bei getrennter Verwaltung. 


1515

1515

München * Weder das „Ratsprotokoll“ noch die „Kammerrechnung“ erhalten Hinweise auf das Herrschen einer Pest in München. 


1516

Nach dem 11. Mai 1516

München-Angerviertel * Eine Prostituierte aus dem „Frauenhaus“ [= „Stadtbordell“] stirbt.  

Sie wird aus der Stadt gebracht und vom „Züchtiger“ auf freiem Feld begraben. 


1517

1517

München * Weder die vorhandenen „Ratsprotokolle“ noch die „Kammerrechnungen“ enthalten den geringsten Hinweis auf das Herrschen einer Pest in München. 

Auf dieses „Pestjahr" geht - angeblich - der im „Glockenspiel des Neuen Rathauses“ dargestellte „Schäfflertanz“ und der „Metzgersprung“ zurück.
Der „Schäfflertanz“ entwickelt sich auch erst im 18. Jahrhundert.

1517

München * Herzog Wilhelm IV. zieht einen Schlussstrich unter den sogenannten „Bäcker-Brauer-Streit“ um die „Hefezubereitung“.

1517

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Zwischen 1517 und 1519 wird der „Rote Turm“ zur Verteidigung der „Isarbrücke“ erbaut.

31. Oktober 1517

Wittenberg - München * Martin Luther schlägt seine 95 Thesen an das Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg. Umgehend setzt eine Diskussion über den künftigen Umgang mit den Prostituierten und ihren Einrichtungen ein.  

Das erste städtische Frauenhaus wird noch in diesem Jahr geschlossen. Der Prozess zieht sich aber bis zum Jahr 1595 hin, dauert also weit über siebzig Jahre. Er beginnt in den evangelisch beeinflussten Ortschaften und in den Reichsstädten.  

In den katholischen Gebieten setzt der Prozess später ein und dauert entsprechend länger. Das Münchner Frauenhaus ist eines der letzten, wenn nicht sogar das Letzte, das geschlossen wird. 


1519

12. Januar 1519

Wels * Kaiser Maximilian I. stirbt gegen 3 Uhr früh auf der Burg in Wels im Alter von 60 Jahren. Zur Buße hat er verfügt, dass seine Leiche gegeißelt, seine Haare geschoren und seine Zähne eingeschlagen werden. Dennoch seien seine Pferde in Tränen ausgebrochen und hätten in tiefer Trauer tagelang nichts gefressen. 

28. Juni 1519

Frankfurt am Main * Carl V. wird in Abwesenheit in Frankfurt am Main einstimmig zum römisch-deutschen König gewählt.  


1520

1520

Deutschland * Martin Luther, der Verfechter der neuen Lehre, schreibt in seinem Pamphlet „An den christlichen Adel deutscher Nation“ zum Thema „Frauenhäuser“ folgendes:  

„Zuletzt, ist das nicht ein jämmerlich Ding, dass wir Christen unter uns sollen halten freie, gemeine Frauenhäuser; so wir alle sind zu Keuschheit getauft?  
Ich weiß wohl, was etliche dazu sagen [...], besser ein solches, denn etliche und Jungfrauen-Personen oder noch ehrlichere zu Schanden machen.  

Sollten aber hier nicht bedenken weltlich und christlich Regiment, wie man demselben nicht mit solch heidnischen Weise möchte zuvorkommen“

20. September 1520

München * Wegen der grassierenden Pest wird die Erhebung der Steuern vorläufig ausgesetzt. 

23. Oktober 1520

Aachen * Der römisch-deutsche König Carl V. wird im Aachener Dom durch den Kölner Erzbischof Hermann V. von Wied zum „erwählten römischen Kaiser“ gekrönt. 

26. Oktober 1520

Rom-Vatikan * Papst Leo X. willigt ein, dass Carl V. den Titel „erwählter römischer Kaiser“ führen kann. 


1521

Ab Januar 1521

München * Die Herzöge residieren 24 Wochen lang in Grünwald und Menzing [„Blutenburg“], die herzoglichen Räte in Dachau. 

Angeblich sterben bei dieser Pest alleine in München 400 Menschen.

3. Januar 1521

Rom-Vatikan * Martin Luther wird durch die päpstliche Bannbulle „Decet Romanum Pontificem“ exkommuniziert. 

17. April 1521

Worms * Martin Luther wird auf dem Reichstag zu Worms am 17. und 18. April 1521 „angehört“. Er lehnt jeden Widerruf ab, solange er nicht aus der „Schrift“ oder aus Vernunftgründen widerlegt würde. 

8. Mai 1521

Worms * Als Folge der päpstlichen Bannbulle vom 3. Januar 1521 wird in Worms von Kaiser Carl V. das Edikt gegen Martin Luther erlassen.

  • Über Luther wird die Reichsacht verhängt und außerdem
  • das Lesen und die Verbreitung seiner Schriften verboten. 
  • Luther kann von jedermann, der seiner habhaft wird, an Rom ausgeliefert werden. 
  • Seine Beherbergung ist bei Strafe verboten. 
23. August 1521

Augsburg • Jakob Fugger der Reiche unterzeichnet - auch im Namen seiner verstorbenen Brüder Georg und Ulrich - die Stiftungsurkunde für eine Reihenhaussiedlung für bedürftige Augsburger, die Fuggerei. 


1522

Januar 1522<p><em><strong>München-Kreuzviertel</strong></em> * Der Augustinereremit&nbsp;Leonhard Beier, ein Münchner Bürgersohn, wird für drei Jahre in den Falkenturm&nbsp;gesperrt, nachdem er die <em>„Wittenberger Artikel“</em> in das Münchner Kloster bringt.&nbsp;Sie stellen unter anderem jedem Mönch frei, das Kloster zu verlassen.&nbsp;</p>
5. März 1522

München * Im Religionsmandat beziehen die gemeinsam regierenden Herzöge Wilhelm IV. und Ludwig X. Stellung gegen Martin Luther und die neue Lehre. Das Lesen und die Verbreitung lutherischer Schriften wird unter Strafe gestellt. 


1523

31. Mai 1523

Rom * Papst Hadrian VI. spricht - auf Betreiben Herzog Georgs des Bärtigen von Sachsen - den Bischof Benno von Meißen, den späteren Münchner Stadtpatron, heilig. 

Juli 1523

München * Ein namentlich nicht bekannter Bäckerknecht wird wegen seines lutherischen Glaubens mit dem Schwert enthauptet.

Es ist dies die erste in München verhängte Todesstrafe wegen des neuen Glaubens.


1524

24. Juni 1524

Rom • Papst Clemens VII. bestätigt die Gründung des Theatiner-Ordens. Er war als Regularkleriker-Orden zur religiösen Erneuerung des Klerus gegründet worden. Die Klostergemeinschaft wird auf Initiative von Gian Pietro Caraffa, dem späteren Papst Paul IV., und von Kajetan von Thiene ins Leben gerufen. 


1526

1526

München - Landshut * Von den Herzögen Wilhelm IV. und Ludwig X. wird im wiedervereinigten Baiern erneut eine „Ordnung der Klaider“ mit dem Untertitel „Von Überflißigkeit der Klaider“ erlassen.

Diese mit den „Landständen“ abgestimmte „Bekleidungsvorschrift“ ist sehr umfangreich und ausführlich. Sie teilt die baierische Bevölkerung in 17 Gruppen ein, was jedoch keine rangmäßige Einstufung bedeutet.

So bilden die Frauen und Töchter des „Adels“, der „Patrizier-Geschlechter“, der „Kaufleute und reichen Bürger“ sowie der „Handwerksmeister“ jeweils eine eigene Gruppe.Die dem „Hofgesindt“ zugerechneten oberen Beamten wie die „fürstlichen Räte“ und die „nicht-adeligen Sekretäre“ sind mit den „Patrizier-Bürgergeschlechtern“ gleichgestellt.

Der ebenfalls zum „Hofgesindt“ gehörende höhere Beamtenstand, wozu die „fürstlichen Pfleger, Richter, Kastner, Mautner, Zöllner, Ungelter, Forstmeister, oberste Jäger, Futterschreiber, Küchenschreiber“ und „Mundköche“ gehören, sind kleidungstechnisch im selben Rang wie die „Kaufleute und die reichen Bürger“.

Der „gemeine Bürger“ ist dem „Handwerksgesellen“ und der „Tagelöhner“ dem „Bauern“ gleichgestellt.
Das ergibt insgesamt acht „Standesgruppen“.


1527

8. Februar 1527

München * Der erste „Wiedertäufer“ wird in München durch Verbrennen auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. 

Es handelt sich um den „Klosterwagner von Fürstenfeld“ Georg Wagner aus Emmering bei Bruck.

6. Mai 1527

Rom * Der „Sacco di Roma“ beginnt. Die Erstürmung, Plünderung und Besetzung Roms durch deutsche Landsknechte dauert bis zum 17. Februar 1528. Die Stadt fällt den Landsknechten wie eine reife Frucht in den Schoß, weil die völlig korrupte und seit Jahrzehnten ein Lotterleben führende römische Oberschicht nicht in der Lage ist, sich gegen die enthemmt wütende Soldateska zu wehren.  

Die Kirchen Roms werden zu Pferdeställen, Bordelle und öffentlichen Toiletten umgewandelt. Die Mätressen, aber auch die Nichten der Kirchenfürsten, die Frauen und Töchter der Fürsten und Herzöge sowie jede Nonne, die sie fangen, vergewaltigten sie und tun das am Liebsten unter dem Hochaltar.  

Sie notzüchtigten die Damen des Adels im Beisein ihrer Ehemänner, Väter und Brüder. Sie foltern die Häupter der ältesten und reichsten römischen Feudalgeschlechter viele Wochen lang. So lange, bis sie auch die letzten Verstecke verraten, in denen sie ihre Frauen und ihr Gold versteckt haben. 

Juni 1527

München * Der aus Weißenburg im Bistum Eichstätt stammende ehemalige Priester Leonhard Dorfbrunner predigt in München als „Wiedertäufer“ und tauft vier Bürger.

31. Juli 1527

Wien * Maximilian II., der spätere Kaiser, wird in Wien geboren. 

12. November 1527

München * Mit Jakob Wagner aus Windach bei Landsberg wird ein weiterer Wiedertäufer auf dem Münchner Richtplatz enthauptet, nachdem er widerrufen hat.

15. November 1527

München * Herzog Wilhelm IV. erlässt ein „Baierisches Landgebot gegen die Wiedertäufer“, in dem er für diesen Personenkreis die Todesstrafe anordnet.


1528

6. Januar 1528

München * 29 Angehörige der Münchner Wiedertäufergemeinde werden verhaftet, verhört und gefoltert. Nur neun Mitglieder bleiben ihrem Glauben treu. Das bedeutet für sie das Todesurteil, das am 30./31. Januar vollstreckt werden wird.

7. Januar 1528

München * Drei Wiedertäufer (Augustin und Christoph Perwamger aus Günzlhofen und Vogach sowie ein Müller aus Mittelstetten) werden in München geköpft, nachdem sie ihren Glauben widerrufen haben.

Um den 15. Januar 1528

München * Ein weiterer Wiedertäufer (Jörg  Prenner aus Schmiechen bei Friedberg) wird mit dem Schwert hingerichtet.

25. Januar 1528

München * Der Wiedertäufer Hans Grintz von Hilzingen, der als Prediger tätig ist, wird nach dem Widerruf seines Glaubens in München enthauptet.

30. Januar 1528

München * In München werden sechs Wiedertäufer, biedere Münchner Handwerker zumeist, die ihrem Glauben treu geblieben sind, „an gewöhnlicher Brandstatt“, in einer eigens gefertigten Stube, verbrannt. Es handelt sich um die Brüder Meister Michel und Meister Caspar, beide Steinmetzen, um einen Scheffle Christoph, um Dietrich Kramer, Melchior Oxenfurter und Jörg Noichinger.

31. Januar 1528

München * Drei Frauen, die der Münchner Wiedertäufergemeinde angehören und ebenfalls zum Brand verurteilt worden sind, werden zuerst in der Isar ertränkt und danach verbrannt. Es sind die Ehefrauen des Schäfflers Christoph und des Dietrich Kramer sowie eine Paungartnerin.

2. Februar 1528<p><strong><em>München</em></strong> * Von den zwanzig begnadigten Wiedertäufer&nbsp;werden 19 barfuß, barhäuptig, jeder mit einer brennenden Kerze und ein hölzernes Kreuz tragend vor die Peterskirche&nbsp;und die Frauenkirche&nbsp;geführt. Dort müssen sie in Begleitung von Seelschwestern&nbsp;stehen. Die Prozedur wiederholt sich an den beiden folgenden Sonntagen.</p>
17. Februar 1528

München * Von den zwanzig begnadigten Wiedertäufern werden zehn aus der Haft entlassen. Die restlichen Zehn werden Ende Februar, im März, im Mai und einer erst im August entlassen.

24. April 1528

München * Ein Wiedertäufer namens Buntzer wird in München mit dem Schwert hingerichtet.

27. April 1528

München * Herzog Wilhelm IV. erlässt ein weiteres „Mandat gegen die Wiedertäufer“.


1530

Anno 1530

München * Der Rat der Stadt erlässt eine „Ordnung wider die Laster“, die sich vor allem gegen die „Winkelhurerey“ außerhalb des „Frauenhauses“ wendet.  

In dem Dekret heißt es:  
„Glaubhaften Berichten zufolge trieben etliche unverschämte Weibspersonen öffentlich innerhalb und außerhalb der Stadt, unter den Kramen am Marktplatz, in Ställen, in der Au etc., bei Tag und bei Nacht Unzucht“

24. Februar 1530

Rom-Vatikan * Kaiser Carl V. gibt Papst Clemens VII. das Versprechen, „die lutherische Ketzerei in Deutschland mit Stumpf und Stil auszurotten“.

10. Juni 1530

München * Kaiser Carl V. hält sich vom 10. bis zum 14. Juni in München auf. Der Besuch des Kaisers ist natürlich der gesellschaftliche Höhepunkt der Residenzstadt in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Als sich am Freitag vor Pfingsten der ranghöchste deutsche Adelige in Begleitung seines Bruders, König Ferdinand von Böhmen, mehreren Herzögen, Mark- und Pfalzgrafen sowie geistlichen Würdenträgern, den Mauern der Stadt nähert, veranstalten die Münchner ein Riesenspektakel mit einer unglaublichen Prachtentfaltung. 

10. Juni 1530

Ramersdorf - Haidhausen - München * Die kaiserliche Gefolgschaft wird kurz hinter Ramersdorf, auf einer Lüften genannten Schafweide, von einer festlich herausgeputzten Ritterschar begrüßt, die den Rahmen für ein Manöverspiel bilden.

Wie der Historiker Sigmund Riezler in seiner Baierischen Geschichte berichtet, ist hier „mit den herzoglichen Heerpaukern und Trompetern die Reiterei der Landsassen und Hofbeamten aufgestellt, 550 Pferde stark, darunter etwa 300 in vollständiger Rüstung, Blankharnisch, Armzeug, Knieköpfen, die Rosse mit Eisenstrinen, alle in roten Röcken mit dem herzoglichen Wappen auf dem Ärmel, eine buntschimmernde Masse, überragt von langen, schwarz und weiß bemalten Spießen mit schwarzen Fransen. An den Anführern bewundert man damastene Röcke, goldene Ketten und vergoldete Waffen“.

Jeder Reiter hat hinter sich einen Pagen, der ihm die Lanze und den Helm mit wallenden Federn trägt. Ein alter Kriegsmann, der Ritter Dietrich von Knöringen, befehligt diese glänzende „cavalli alla borgognona“.

Um den Empfangsplatz bilden einhundert Feldgeschütze - Quartanen, Schlangen, Falkonetlein und Mörser - einen Halbkreis, wobei die Zuschauer ganz besonders eine achtzehn Fuß lange, hölzerne, mit Eisenringen umwickelte Büchse interessiert. Diese haben baierische Truppen im Jahr 1525 vor Rastatt den aufständischen Bauern abgenommen. 

10. Juni 1530

München - Haidhausen * Der eigentliche Höhepunkt soll aber erst rund achthundert Meter weiter kommen, etwa an der Stelle des heutigen Rosenheimer Platzes. Dort ist innerhalb von wenigen Tagen - fast nach Hollywood-Manier - eine wehrhaft aussehende Burg mit vier Türmen und Bastionen aus Holz, Leinwand und Farbe errichtet worden. Alles wirkt sehr realistisch.

In der Festung warten einhundert schwerbewaffnete Männer, bis die Gäste auf der Ehrentribüne Platz genommen haben. Auf ein Zeichen Herzog Wilhelms IV. rücken die von Ramersdorf kommenden Angreifer heran und es kommt unausweichlich zur Schlacht, bei der sechzehnhundert Mann unter ohrenbetäubendem Kriegsgeschrei das Schloss stürmen.

Nachdem einige an die Mauern gelehnte Sturmleitern von den Verteidigern der Burg umgestoßen worden sind und sich dabei die Angreifer und das nachdrängende Fußvolk etliche Blessuren zugezogen haben, „überkam beide Seiten eine große, unbändige Wut“, schreibt unser Zeitzeuge. Und da es sich sowohl bei der Burgbesatzung als auch bei den Angreifern um „temperamentvolle, rauflustige und keine Schmähung duldende Altbaiern” handelt, wird aus dem zur Ergötzung des Kaisers veranstaltetem Scheingefecht sehr schnell blutigster Ernst.

Die Manöver-Gegner dreschen derart rabiat aufeinander ein, dass am Ende acht Tote und eine unbekannte Zahl von Männern verletzt liegen bleibt. Das wird von den Ehrengästen auf ihren Tribünen natürlich nicht bemerkt. Immerhin erhalten die Getöteten ein Begräbnis auf dem Salvatorfriedhof und deren Witwen und Waisen ein jährliches Gnadengeschenk aus der landesherrlichen Privatschatulle.

Auf dem Manöverfeld schießen die Angreifer die Burg später schließlich noch in Trümmer und Fetzen. Der Chronist vermerkt: „Mit ungeheuerem Krachen entluden sich alle Geschütze auf einmal.” Immerhin zeigt sich Kaiser Carl V. von dem Manöver und der dabei gezeigten baierischen Kampfkraft mächtig beeindruckt.

10. Juni 1530

München - Haidhausen * Nach der Schlacht bei Haidhausen setzt sich der Zug wieder in Richtung München in Bewegung. Als die hochgestellten Persönlichkeiten von der Stadt aus sichtbar werden,

  • beginnen alle Glocken Münchens zu läuten,
  • von den Türmen und Stadtmauern begrüßen Freudenschüsse die Gäste,
  • von der Isarbrücke aus gibt es ein Fischerstechen zu sehen und
  • über dem Isartor schwebt ein Ballon in Gestalt eines fliegenden Drachens.
  • Hoch in der Luft, noch über dem Ballon, werden weißblaue Fahnen mit dem baierischen Wappen sichtbar, die ein Taubenschwarm trägt.

Auf dem weiteren Weg können von den hochrangigen Gästen dann noch die damals so beliebten lebenden Bilder besichtigt werden. Sie stoßen auf um so größeres Interesse, je blutiger es dabei zugeht. Und die Münchner sollen an diesem Pfingstfreitag voll auf ihre Kosten kommen.

  • Auf einer Bühne bei der Hochbrücke im Tal sehen die Besucher die Geschichte der Königin Esther, die als Gemahlin des persischen Königs Xerxes ihren jüdischen Glaubensbrüdern zu blutiger Rache verhilft.
  • Das zweite Bild zeigt die Skythenkönigin Tomiris, wie sie das abgeschlagene Haupt des Cyrus in einen Eimer voll Blut stößt. „Der Schauplatz bei den städtischen Fleischbänken war dafür nicht übel gewählt“, schreibt Sigmund Riezler lapidar dazu.
  • Auf der dritten Bühne - an der Burgstraße - lässt der Perserherrscher Kambyses einen ungerechten Richter schinden und mit dessen Haut einen Sessel polstern, auf den sich der Sohn des Bösewichts setzen muss, um als Nachfolger seines Vaters später einmal gerecht zu urteilen.
  • Andere Bilder zeigen das Herausreißen des Herzens aus einer geöffneten Brust durch einen Wilden und ähnliche Grässlichkeiten, die aber durchwegs mit Wohlgefallen und Zustimmung aufgenommen werden.

Nur der Kaiser zeigt sich - nach Aussage eines Augenzeugen - „ein wenig befremdet ob des vielen Blutes”.

Dem päpstlichen Legaten Campeggi „schien es gut zu sein, Seiner Majestät zu sagen, dass die Szenen nicht ohne geheime Anspielung gemacht seien, und dass man sie auf die Ketzer beziehen könne, gegen welche man, wenn sie den von Seiner Majestät gebotenen Gottesfrieden nicht annehmen wollen, die eisernen Ruten brauchen werde“

10. Juni 1530

München-Graggenau * Am Abend brennen die Münchner Gastgeber auf dem Schrannenplatz noch ein gewaltiges Feuerwerk ab, wobei man am Schluss ein aus Pappe und Stoff zusammengezimmertes, schlossähnliches Bauwerk den Flammen übereignet. 

Nach dem 11. Juni 1530

München * Die zweitälteste Stadtansicht von München wird von Hans Beham in Holz geschnitten. Im Vordergrund ist der Einzug Kaiser Carl V. mit seinem Heer dargestellt. 

11. Juni 1530

München - Perlach * Das Programm für Kaiser Carl V. geht weiter. Die Gäste und die Gastgeber pflegen das Waidwerk und begeben sich zur Hirschjagd auf die Perlacher Haid. Mehr als einhundert Hirsche finden bei dieser eingestellten Jagd den Tod. Der päpstliche Legat Campeggi würdigt das Abschlachten von zuvor eingefangenen Tieren später als „schönste Hirschjagd der Welt“

11. Juni 1530

München-Graggenau * Danach gibt es im Lusthaus im Hofgarten ein Menü. „Um ein Uhr nachts“, nach dem 32. Gang, gibt der Kaiser das Zeichen zum Aufbrechen. Man verlässt den Hofgarten, um anschließend am Tanz im Rathaus teilzunehmen, wo „die schönsten Frauen des Landes bis gegen vier Uhr früh morgens im Reigen sich schwangen“.

Der 70.000 Gulden teuere Prunk und Glanz soll beim Habsburger Kaiser den Eindruck entstehen lassen, dass bei den Wittelsbachern kein Mangel besteht. Das dazu notwendige Geld hat der Baiernherzog Wilhelm IV. ein Jahr zuvor dem Volk als Türkenkriegssteuer abgepresst. 

14. Juni 1530

München - Augsburg * Kaiser Carl V. und sein Gefolge verlassen München in Richtung Augsburg, wohin er einen Reichstag einberufen hat. Dort sollen die Religionsparteien geeinigt werden, doch der Kaiser will „die lutherische Ketzerei in Deutschland mit Stumpf und Stil ausrotten“. Denn genau dieses Versprechen hat er am 24. Februar 1530 Papst Clemens VII. ja gegeben.


1531

14. September 1531

Ingolstadt * Philipp Apian wird als Philipp Bienewitz [oder Bennewitz] in Ingolstadt geboren. 


1532

1532

Regensburg * Die von Kaiser Carl V. erlassene „peinliche Halsgerichtsordnung” - „Constitutio Criminalis Carolina“ - setzt auf „Zauberei“, die den Menschen Schaden zufügt, den „Feuertod“

23. Juli 1532

Nürnberg * Kaiser Carl V. schließt mit den evangelischen Reichsständen den Nürnberger Religionsfrieden. Gegen Bezahlung einer Türkenhilfe dürfen sie ihre Religion vorläufig frei ausüben. 


1533

Im Jahr 1533

München * Man lässt mehrere „liederliche, öffentliche Unzucht treibende Weibspersonen“ an den „Pranger“ stellen, züchtigen und anschließend aus der Stadt treiben.  

Fallen diese nichtregistrierten „Lustmädchen“ in die Hände des „Frauenwirts“, so kann er sie ohne weiteres in das „Gemeine Haus“ überführen und dort solange behalten, „bis sie ihr Leben von Sünde und Schande zur Bußfertigkeit kehrten“

3. September 1533

München * Vor dem Münchner Rat erscheint „das gantz hantwerck“ und bittet für Hans Walts, der seit drei Tagen wegen eines „rumors“ im Frauenhaus in Arrest sitzt, um Gnade. Hans Walts wird ermahnt und freigelassen. Im Gegenzug gelobten die Gesellen, „frid gegen [den] frauenwirt und den [= die] seinen“ zu halten. 


1534

1534

München-Angerviertel * Angriffe auf das Münchner „Frauenhaus“ gibt es auch im diesem Jahr.  

Hier ist ein Überzeugungstäter am Werk, der seinen Mitbürgern vorleben will, wie der „Kampf gegen das Laster“ zu führen sei. 

1534

Rom * Die Gesellschaft Jesu wird von dem ehemaligen Offizier Ignatius von Loyola gegründet und wie ein Militärverband aufgebaut. Ihr Tätigkeitsfeld sehen die Jesuiten vor allem in der geistigen Erneuerung und Seelsorge. In der Folgezeit entwickelt er sich zum Kampforden der katholischen Kirche.

Der Jesuit Lamormain wird viele Jahre später behaupten: „Wenn es nicht die Schulen der Gesellschaft gegeben hätte, die nach dem weisen Ratschluss der Kaiser und Erzherzöge in Wien, Prag, Graz, Olmütz und anderenorts in Deutschland gegründet wurden, dann wäre von der katholischen Religion kaum eine Spur übrig geblieben.“

5. Mai 1534

München * Herzog Wilhelm IV. bittet den Pfalzgrafen Ottheinrich von Pfalz-Neuburg, „Wiedertäufer“ aufzuspüren, sie zu bestrafen und ihnen kein freies Geleit durch sein Land zu geben.


1536

1536

Nürnberg * Der Rat der Reichsstadt Nürnberg verbietet den scheinbar weit verbreiteten „Besuch von Zauberern und Wahrsagern“


1541

5. April 1541<p><strong><em>Regensburg</em></strong> * Bis zum 29. Juli 1541 findet beim Reichstag&nbsp;in Regensburg ein <em>„Religionsgespräch“</em> statt. Nach ihrem Scheitern wird der <em>„Nürnberger Religionsfrieden“</em> vom 23. Juli 1532 erneuert.&nbsp;</p>

1542

1542

München * Ein „Ratsbefehl“ verpflichtet die Wirte alle „verdächtigen Personen, Aufrührer, Gotteslästerer und Spieler“ sogleich zu melden.

1542

Rom * Auf Betreiben des Jesuiten Ignatius von Loyola wird in Rom das Kloster Santa Marta gegründet, das als „Zufluchtstätte für bußwillige Kurtisanen“ gedacht ist. Es muss wegen mangelnden Zulauf im Jahr 1573 in ein gewöhnliches Kloster umgewandelt werden. 


1544

1544

München - Herzogtum Baiern * Im Herzogtum Baiern orientiert man sich vorläufig noch an dem „Strafrechtskommentar“ des Andreas Perneder.  

Diese ist für die „Strafrechtspraxis“ im Herzogtum wichtiger als die von Kaiser Carl V. im Jahr 1532 erlassene „Constitutio Criminalis Carolina“.  

Der baierische Kommentar kennt nur die „Strafbarkeit des Schadenszaubers“.
Den sonstigen „Aberglauben“, insbesondere die „weiße Magie“, hält Perneder dagegen nicht für strafbar. 


1547

7. August 1547

Neapel • Kajetan von Thiene, der Mitbegründer des Theatinerordens, stirbt in Neapel. 


1550

1550

Rom * Das Verbot des Gebrauchs von Kutschen für „Kurtisanen“ ist ein harter Schlag für das „Kurtisanenwesen“, weil sich Kutschen als besonderer Luxus und somit als Statussymbol ersten Ranges darstellen.  

Das Verbot ist das am häufigsten überschrittene Gesetz und eine reich sprudelnde Einnahmequelle des „Kirchenstaates“.  

Andere Maßnahmen erschweren zwar das Leben der „Kurtisanen“, können die gehobene „Prostitution“ aber nie ernsthaft eindämmen.  
Das liegt freilich auch an der wenig konsequenten Durchführung der Maßnahmen. 


1552

1552

Ingolstadt * Der 21-jährige Philipp Apian übernimmt die Druckerei seines Vaters und erhält im selben Jahr eine Professur an der „Universität Ingolstadt“.   

Er lehrt hier Mathematik und beginnt parallel dazu ein Medizinstudium. 

18. Juli 1552

Wien * Rudolf II., der spätere deutsch-römische Kaiser, wird in Wien geboren. 


1553

1553

München * In der „Landesordnung“ wird das Verbot für Juden, sich im Herzogtum Baiern aufzuhalten, bestätigt.


1554

1554

Ingolstadt * Herzog Albrecht V. erteilt Philipp Apian den Auftrag, das Herzogtum Baiern kartographisch zu erfassen. 

Der Herzog gefällt sich als Förderer der Wissenschaft, weshalb er seinen Ingolstädter Studienkollegen mit diesem Mammutprojekt betraut.
Die Karten sollen die 1526 bis 1533 entstandene „Bairische Chronik“ des Johannes Aventinus ergänzen.

„Sechs oder schier sieben Summer“, von 1554 bis 1561, reitet Philipp Apian mit seinem Bruder Timotheus und einem Vermessungsgehilfen Ober- und Niederbaiern, die Oberpfalz, das Erzbistum und Hochstift Salzburg und das Bistum Eichstätt und führt Landvermessungen durch.   

Das zu bearbeitende Gebiet umfasst rund 50.000 Quadratkilometer. 

17. Dezember 1554

München * Herzog Ernst von Baiern wird geboren. Um ihn standesgemäß zu versorgen, wird für ihn eine kirchliche Laufbahn vorgesehen. Als Sekundogenitur wird der Kölner Bischofsstuhl ins Auge gefasst. 


1555

25. September 1555

Augsburg * Auf dem Augsburger Reichstag wird ein Reichsgesetz verkündet, das die religiös-politischen Verhältnisse im Reich regelt und damit die Glaubensspaltung festschreibt.

Im Augsburger Religionsfrieden werden lutherische Protestanten - nicht die Reformierten - den Katholiken reichsrechtlich gleichgestellt. Der Landesherr kann über die Konfession seiner Untertanen bestimmen. Andersgläubige dürfen das Land verlassen. Später wird der Grundsatz auf die griffige Formel „Cuius regio, eius religio“ [„Wessen die Herrschaft, dessen Glaube (gilt)“] gebracht.


1556

23. August 1556

Regensburg ? * Kaiser Carl V. verzichtet zu Gunsten seines Bruders Ferdinand I. auf die Kaiserwürde. 


1557

24. Februar 1557

Wien * Matthias, der spätere Kaiser, wird in Wien geboren. 


1558

21. September 1558

San Jerónimo de Yusta • Der Ex-Kaiser Carl V. stirbt im Kloster San Jerónimo de Yusta. 


1559

1559

München * Mit der Ankunft der Jesuiten in München entsteht langsam ein Klima für die Hexenjagd. Die Jesuiten betätigen sich als Berater der Herzöge und als fanatische Massenprediger.

Unter Herzog Wilhelm V. und seinem Sohn Maximilian I. schießt in Baiern der Hexenwahn üppig ins Kraut und München sowie Baiern bleiben davon nicht verschont. Hinzu kommt, dass sich auch in den anderen mitteleuropäischen Staaten das Blatt wendet. 

Februar 1559

Schloss Tilly * Johann Tserclaes Graf von Tilly wird in Brüssel oder in dem 35 Kilometer südlich der Hauptstadt gelegenen Schloss Tilly geboren.


1560

Nach 1560

Europa * Die Missernten haben aufgrund der Klimaveränderung nach 1560 stark zugenommen.

Der Mechanismus einer „Agrarkrise“ lässt sich vereinfacht wie folgt darstellen:  
Das Ergebnis einer klima- oder unwetterbedingten „Missernte“ ist die „Verknappung der Grundnahrungsmittel“, was bis ins 19. Jahrhundert hinein immer das „Brotgetreide“ betrifft.

Die unmittelbare Folge davon ist eine „Teuerung“, die dazu führt, dass große Teile der Bevölkerung hungern oder an Unterernährung leiden.
Dieser verschlechterte Allgemeinzustand bewirkt oft das Auftreten von epidemischen Krankheiten oder eine stark erhöhte Krankheitsanfälligkeit.

Dieser Zyklus dauert bis zur nächsten Ernte, also bis zum Spätsommer des folgenden Jahres.
Folgt aber in der Zwischenzeit eine weitere „Missernte“, erhöht sich der Schaden um ein Vielfaches.

Die „Perioden der Teuerung“ treten um das Jahr 1560 häufiger auf und dauern länger.
Diese „Hungerkrisen“ betreffen große Teile Europas, weshalb neue „Hexenverfolgungen“ beginnen und in den verschiedenen Ländern zu einer Verschärfung der „Hexen-Gesetzgebung“ führen.

Die Verfolgung der „Hexen“ ist nicht von der konfessionellen Überzeugung der Verfolger abhängig.
Auch drängen sich nach der „Reformation“ die katholisch gebliebenen Gebiete - wie man gerne unterstellt - nicht in den Vordergrund.

Im Gegenteil: In Spanien hat sich die „Inquisition“ seit dem Jahr 1526 auf eine sehr gemäßigte Position zurückgezogen.
In Italien führt eine Debatte in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts zu einem deutlichen Widerstand gegen die „Hexenverfolgungen“ in den oberitalienischen Alpentälern.

Anders verhält es sich mit den „Hexenverfolgungen“ in Deutschland.
Hier beginnen die „Protestanten“ achtzig Jahre später dort, wo die „Katholiken“ in den 1480er Jahren aufgehört haben, nämlich im deutschen Südwesten. 


1561

1561

Herzogtum Baiern * Bereits während der Regierungszeit des Baiernherzogs Albrecht V., wird in Altbaiern der Versuch unternommen, Maulbeerbäume anzupflanzen.

Nennenswerte Erfolge bleiben seinerzeit allerdings aus. Jedenfalls wird von einem nutzbringenden Erfolg später nicht mehr berichtet. 

Ab 1561

Ingolstadt * Nach der Vermessung des Landes arbeitet Philipp Apian an der Ausarbeitung der großen „Baiernkarte“

31. Oktober 1561

München * Mit dem Albertinischen Rezeß kommt es zu einer weiteren verfassungsrechtlichen Verbesserung für die Stadt München. Damit werden die Müller, Kalt- bzw. Kupferschmiede und die Bierbrauer der Gerichtsbarkeit der städtischen Obrigkeit unterstellt. Bis zu diesem Zeitpunkt hat dieser Personenkreis eine Sonderstellung eingenommen.  

Außerdem wird die vermutlich schon vorher tatsächlich ausgeübte Blutgerichtsbarkeit der Stadt durch Herzog Albrecht V. als gegeben hingenommen. Umgekehrt nimmt nun aber der Landesherr verstärkt Einfluss auf die Auswahl und die Besetzung der Stadtrichter. So muss sich der Stadtoberrichter als höchster städtischer Richter, bei seinem Amtsantritt erst den Blutbann vom Herzog übertragen lassen. Damit ist die Doppelbindung des obersten städtischen Juristen an Stadt und Herzog festgeschrieben. 


1562

1562

München * Der Rat der Stadt verbietet das „Hurenlaufen“ mit der Begründung, dass die „gemeinen Weiber“ großes Ärgernis erregen, da sie „so schändlich liefen und sich dabei gar hoch entblößten“

1562

Ingolstadt * Die in Holz geschnitzte „Wappensammlung“ von Philipp Apian umfasst insgesamt 646 Wappen der baierischen Geistlichkeit, des Adels und der Städte und Märkte Baierns. 

14. Mai 1562

Prag * Maximilian II. wird in Prag zum König von Böhmen gekrönt. 

3. August 1562

Südwestdeutschland * Ein großes Hagelunwetter vernichtet - zu Beginn der Erntezeit - den Wein und das Getreide - und damit das täglich Brot. Das Unwetter löst die erste große Hexenjagd der Neuzeit aus. Alleine in der kleinen protestantischen Herrschaft Wiesensteig werden 63 Hexen verbrannt. Die Verfolgungen werden relativ spontan und gesetzlos durchgeführt. 

30. November 1562

Frankfurt am Main * Maximilian II. wird in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt. 


1563

1563

Schottland * Mit dem schottischen „Witchcraft Act“ findet sich erstmals nicht der „Schadenszauber“, sondern der „Teufelspakt“ als Wesensmerkmal des „Hexerei-Delikts“

1563

München * Spätestens seit der Beendigung des „Trienter Konzils“ führen die Herzöge eine strenge Aufsicht über die „Konkubinen“ der Geistlichen. 

1563

München * Petrus Canisius, der wortgewaltige jesuitische Ordensprovinzial für Oberdeutschland, schreibt: „Überall bestraft man die Hexen, welche merkwürdig sich mehren.  Ihre Freveltaten sind entsetzlich. [...]  Man sah früher in Deutschland niemals die Leute so sehr dem Teufel ergeben und verschrieben. [...]  Sie schaffen viele durch ihre Teufelskünste aus der Welt und erregen Stürme und bringen furchtbares Unheil über Landleute und andere Christen. Nichts scheint gesichert zu sein gegen ihre entsetzlichen Künste und Kräfte“.

Ohne jeden Zweifel an der Existenz der Hexenverbrechen oder Kritik an den angewandten ungesetzlichen Inquistitionsverfahren, das gegen alle strafprozessrechtlichen Bestimmungen der „Carolina“ verstößt, predigt er im Augsburger Dom über die in Wiesensteig und im schwäbischen Raum stattfindenden Hexenverfolgungen.

Die juristischen und medizinischen Einwände interessieren den Jesuiten nicht. Für ihn steht die Theologie weit über der Jurisprudenz

1563

München * Philipp Apian legt Herzog Albrecht V. die von ihm in Auftrag gegebene circa sechs mal sechs Meter große „Baiernkarte“ vor. 

12. April 1563<p><strong><em>München-Isarvorstadt</em></strong> * Der Alte Südliche Friedhof&nbsp;vor den Mauern der Stadt wird eingeweiht. Das Anwachsen der Stadt hat eine Erweiterung der bestehenden Beerdigungsplätze - gerade für die einfache Bevölkerung - notwendig gemacht. Er dient der Stadt aber auch als Pestfriedhof.&nbsp;</p>
16. Juli 1563

Pressburg * Maximilian II. wird in Pressburg zum König von Ungarn und Kroatien gekrönt. 


1564

16. April 1564

Rom-Vatikan - München * Papst Pius IV. gestattet den „Laienkelch“, also die „Kommunion in beiderlei Gestalt“, auch im Herzogtum Baiern. Das päpstliche Breve kommt zu spät, da Herzog Albrecht V. seine Meinung inzwischen geändert hat und nun gegen den „Laienkelch“ kämpft. 

25. Juli 1564

Wien * Kaiser Ferdinand I. stirbt in Wien. 

Sein Nachfolger als Kaiser und Landesherr im Erzherzogtum Österreich wird Maximilian II., der bereits am 24. November 1562 zum römisch-deutschen König gewählt worden war. 

1. Oktober 1564

München * Herzog Albrecht V. veröffentlicht den ersten Index verbotener Bücher, der von einer Kommission des Konzils von Trient erarbeitet worden ist. 


1565

Um Oktober 1565

Freising * Da Herzog Albrecht V. seinen zehnjährigen Sohn Ernst auf einen Bischofsstuhl unterbringen will, gibt der Freisinger Bischof Moritz von Sandizell seine „Resignation“ zugunsten des Prinzen bekannt.  


1566

1566

Rom-Vatikan - München * Papst Pius V. gibt die „Toleranz“ gegenüber dem „Dirnenwesen“ auf.  

Am Ende appellieren sogar die katholischen Pfarrer an den Rat der Stadt, das „Frauenhaus“ zu schließen.  
Sie beziehen sich dabei - wie die „Reformierten“ - auf die Aussagen der Bibel gegen die „Hurerei“

1566

München * Philipp Apian lässt auf der Basis der „Großen Karte“ von Jost Amman Holzschnitte im kleineren Maßstab von 1 : 144.000 anfertigen.

Diese in 24 Holzschnitten aufgeteilten sogenannten „Bairischen Landtafeln“ verlegt Philipp Apian in seiner eigenen Druckerei.
Die Genauigkeit der Landkarten wird erst im 19. Jahrhundert übertroffen. 

1566

Augsburg * Auf dem Augsburger „Reichstag“ nehmen Kaiser Maximilian II. und die katholischen Fürsten die Beschlüsse des „Konzils von Triest“ an. 

14. Januar 1566

München * Kaiser Maximilian II. zieht in München ein. Er bleibt fünf Tage in der Stadt. 

16. März 1566

München * Die „Zunft der Weinschenken“ erhält neue „Sätze und Ordnung“

18. Oktober 1566

Rom-Vatikan - Freising * Nach längeren Verhandlungen genehmigt Papst Pius V. die Resignation [= freiwilliger Amtsverzicht] des Freisinger Bischofs Moritz von Sandizell. Damit kann der elfjährige Baiernprinz Ernst zum Bischof von Freising gewählt werden. 

16. November 1566

München * Herzog Albrecht V. erlässt ein religiöses Mandat  

  • zur Einhaltung des sonn- und feiertäglichen Gottesdienstes,  
  • die Aufforderung zu einem gottesfürchtigen Leben und  
  • zur täglichen Verrichtung des Türkengebets.  

Außerdem wird den Wirten verboten, an gebotenen Fasttagen, auch Freitagen und Samstagen, Fremden und Inländern öffentlich Fleisch zu essen zu geben. 

9. Dezember 1566

München * Da im Frühjahr des kommenden Jahres ein Übergreifen der Türken von Ungarn aus nach Österreich zu befürchten ist, befiehlt Herzog Albrecht V. die Musterung in den Stadtvierteln. 


1567

1567

Stuttgart * In der „Württembergischen Landesordnung“ wird das neue „Hexerei-Delikt“ ausformuliert: 

„Wo aber jemandt sich mit dem Teuffel, zu Nachtheil und Beschädigung der Menschen in Bündnuß eingelassen und damit noch niemandts Schaden gethon hette, der soll gestrafft werden nach Gelegenheit der Sach“


1568

1568

Lüttich - Köln * Johann Tserclaes Graf von Tilly muss mit seinen Eltern die Niederlande verlassen, weil sich sein Vater an den aufrührerischen Aktivitäten der „Geusen“ beteiligt hatte.

Er erhält seine Erziehung in Lüttich und Köln.


1569

1569

Ingolstadt * Als überzeugter Protestant muss Philipp Apian - auf Betreiben der Jesuiten - die Universität Ingolstadt verlassen. Er geht nach Tübingen. 


1571

1571

München * München war schon immer reich an Hunden.

Alleine zur herzoglichen Hofjagd gehören etwa 220 Hunde.

7. Oktober 1571

Lepanto * Im Ionischen Meer findet die Seeschlacht von Lepanto statt. Oberbefehlshaber der Heiligen Liga ist Don Juan de Austria. Die Flotte des Osmanischen Reichs führt Ali Pascha an. Er stirbt während der Seeschlacht, die als jene mit den meisten Toten an einem Tag in die Geschichte eingeht. 


1572

1572

Sachsen * Die „Kursächsischen Konstitutionen“ nimmt für den „Teufelspakt“ die „Todesstrafe“ auf. 

24. August 1572<p><strong><em>Paris</em></strong> * In der Nacht zum 24. August 1572, dem Namenstag des Heiligen Bartholomäus, beginnt gegen 3 Uhr in Paris eine wahre Hetzjagd auf Menschen anderen Glaubens, in diesem Falle Protestanten. Bis zu 10.000 Hugenotten fallen in dieser Nacht und den folgenden Tagen dem grauenhaften Gemetzel zum Opfer.</p> <p>Veranlasst wurde der Progrom, der als <em>„Pariser Bluthochzeit“</em> oder <em>„Bartholomäusnacht“</em> in die Geschichte einging, von Katharina von Medici, der Mutter des französischen Regenten Karls IX. Vorausgegangen war die Hochzeit des protestantischen Heinrich von Navarra mit Margarete von Valois, die das Pulverfass der Gewalt entzündete.&nbsp;</p>

1573

1573

Rom * Das Kloster Santa Marta in Rom, das 1542 als Zufluchtstätte für bußwillige Kurtisanen gegründet worden war, muss wegen mangelnden Zulauf in ein gewöhnliches Kloster umgewandelt werden. 

1573

Hildesheim * Der 19-jährige Ernst von Baiern wird zum Bischof von Hildesheim gewählt.

17. April 1573

München • Maximilian I., der spätere baierische Herzog und Kurfürst, wird als drittes Kind des herzoglichen Thronfolgerpaares Wilhelm V. und Renata von Lothringen in München geboren. 


1574

1574

Spanien * Johann Tserclaes Graf von Tilly tritt in das „Spanische Heer“ ein.


1575

1575

Rom * Herzog Ernst von Baiern, Bischof von Freising und Hildesheim, wird in Rom ertappt, wie er frühmorgens - von einer Kurtisane kommend - über eine Strickleiter in sein Quartier zurückkehrt.

27. Oktober 1575

Regensburg * Rudolf II. wird in Regensburg zum römisch-deutschen König gewählt. 

1. November 1575

Regensburg * Rudolf II. wird in Regensburg zum römisch-deutschen König gekrönt. 


1576

1576

München-Graggenau * Im Auftrag von Herzog Albrecht V. fertigt Philipp Apian einen Globus, der im „Bibliotheksraum“ im Obergeschoss des „Antiquariums der Residenz“ aufgestellt wird.

9. September 1576

München * Herzog Philipp Wilhelm von Baiern, der spätere Fürstbischof von Regensburg, wird in München geboren. Er ist der Sohn von Herzog Wilhelm V. und Renata von Lothringen und ein Bruder des späteren Kurfürsten Maximilian I.. 

12. Oktober 1576

Regensburg * Kaiser Maximilian II. stirbt überraschend auf dem Reichstag in Regensburg. Sein Nachfolger als Kaiser und in den österreichsichen Erblanden wird sein Sohn Rudolf II. 


1577

1577

Landshut - München * Nach neunjähriger Hofhaltung als Erbprinz in Landshut muss Wilhelm V. seinem Vater 300.000 Gulden Schulden eingestehen.

10. April 1577<p><strong><em>Köln</em></strong> * Herzog Ernst von Baiern wird in das Kölner Domkapitel&nbsp;aufgenommen.&nbsp;</p>
6. Oktober 1577

München * Ferdinand, der spätere Kurfürst und Erzbischof von Köln, wird in München geboren. Er ist ein Sohn von Herzog Wilhelm V. und dessen Ehefrau Renata von Lothringen. Sein Onkel ist der Kölner Erzbischof Ernst. Sein ältester Brüder ist der spätere Kurfürst Maximilian I.. 


1578

1578

München * Die ursprüngliche Bezeichnung für „Hexe“ ist in München „Unholdin“.

Dieser Begriff taucht erstmals auf, als die Barbara Beyrl unter den Verdacht der „Hexerei“ gerät und in die „Schergenstube“ gesperrt wird.
Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt.

1578

München * Der Rat der Stadt erhält von Herzog Wilhelm V. den Auftrag, die „Schlafweiber“ genannten „Pfaffenhuren“ (Konkubinen) aus der Stadt zu vertreiben.  

Dabei sieht der Stadtrat nicht nur die menschliche Seite des Problems, sondern sorgt sich auch um die unversorgten Kinder, sodass er drei Jahre später wegen „Nachlässigkeit im Kampf gegen die Konkubinen“ zu einer Geldstrafe von 500 Gulden verurteilt wird. 

11. März 1578

Bozen - München * Die aus Bozen stammende Margarete Schiller wird als erste Hexe in München verbrannt. „Sie hatte in der Folter gestanden eine Unholdin zu sein, Gott geleugnet und dem bösen Feind sich ergeben zu haben, vielmals fleischlich mit ihm verkehrt und auf der Gabel ausgefahren zu sein, viele Menschen durch Zauber ums Leben gebracht, den Bauern das Vieh verzaubert und zuletzt das Wetter, das auf Starnberg und Weilheim niederging gemacht zu haben“.

Das war ein typisches Hexengeständnis, das in qualvollen Folterprozeduren erpresst wurde. 

9. Juli 1578

Graz * Der spätere deutsch-römische Kaiser Ferdinand II. wird in Graz geboren. 


1579

1579

München * Angaben, wonach Herzog Wilhelm V. das „Frauenhaus“ auflöst und sieben der „gemeinen Tochterlein“ freiwillig zu Nonnen und die anderen mit jungen Männern verheiratet werden, lassen sich nicht nachweisen. 

1579

München - Regensburg * Der dreijährige Herzog Philipp Wilhelm von Baiern wird Fürstbischof von Regensburg.

Mit Philipp Wilhelms Wahl soll das hoch verschuldete Bistum Regensburg stärker an das baierische Herzogtum gebunden werden. Gerade auch deshalb, weil sich in der Reichsstadt Regensburg die Protestanten eine einflussreiche politische Position erarbeiten konnten. 


1580

Seit 1580

München - Wien * Verschiedene geistliche Fürsten unternehmen - unterstützt von Baiern und Österreich - die ersten Versuche, die protestantische Glaubensausübung zu unterbinden.

Um 1580

München-Kreuzviertel * Der in München ansässige Jesuitenpater und Hofprediger Jeremias Drexel predigt in der Michaelskirche: „Oh ihr Feinde der göttlichen Ehre! Befiehlt denn nicht das göttliche Gesetz ausdrücklich: Die Zauberer sollst du nicht leben lassen? Hier rufe ich so laut ich kann und auf göttliches Geheiß zu den Bischöfen, Herren, Fürsten, Königen: Lasset die Zauberer nicht am Leben! Mit Feuer und Schwert muss diese entsetzliche Pest ausgerottet werden.

Ausgerissen muss dieses Unkraut werden, dass es nicht in übergroßer Fruchtbarkeit emporschieße, wie wir es leider sehen und beklagen. Ausgeräumt soll werden mit den Gottlosen, dass die Pest nicht weiter greift, brennen sollen die Aufrührer Gottes. [...].“

Insgesamt haben die Verfolgungsbefürworter am herzoglich-baierischen Hof ein größeres Gewicht als die kritischen Stimmen. 


1581

1581

Werdenfelser Land * Elsbeth Schlamp aus Garmisch, „ein seltsames Mensch von Ansehen“, und Maria Neuwirth aus Klagenfurt werden in der „Grafschaft Werdenfels“ der „Zauberei“ beschuldigt. 

Ihnen wird die Erzeugung einer Seuche und eines schwerer Hagelschauers vorgeworfen. 

Da aber weder der „Pfleger der Grafschaft“, noch die „Freisinger Regierung“ an einer Verfolgung interessiert sind, verläuft der Vorgang im Sand. 

1581

München * Der Rat der Stadt wird von Herzog Wilhelm V. wegen „Nachlässigkeit im Kampf gegen die Konkubinen“ zu einer Geldstrafe von 500 Gulden verurteilt. 

1581

Lüttich * Dem 26-jährigen Ernst von Baiern wird auch noch das Bistum Lüttich übertragen.  

Damit ist er Herr über die drei Bistümer Freising, Hildesheim und Lüttich.


1582

4. Oktober 1582

Rom-Vatikan * Papst Gregor XIII. reformiert den auf die Antike zurückgehenden Julianischen Kalender, um damit die Nachtgleichen wieder mit dem Kalender in Übereinstimmung zu bringen. Auf den 4. Oktober soll der 15. Oktober 1582 folgen.

Kaiser Rudolph II. fordert daraufhin die Reichsstände auf, den neuen Gregorgianischen Kalender einzuführen. Doch während die Katholischen Stände den Kalender annehmen, lehnen ihn die Evangelischen Stände aus konfessionellen Gründen ab.

Damit werden im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation zwei Kalender mit unterschiedlicher Tageszählung benutzt, was die Handels- und Rechtsgeschäfte massiv beeinträchtigt. Das bleibt so bis zum 17. Februar 1700 so.


1583

1583

Köln * Beim „Kölner Krieg“ nimmt Johann Tserclaes Graf von Tilly als „Fähnrich“ eines wallonischen Regiments teil.

1583

Tübingen * Philipp Apian verliert nach 14-jähriger Lehrtätigkeit an der „Universität Tübingen“ seinen Posten, weil er sich weigert, den „Calvinismus“ zu verdammen.

Bis zum Ende seines Lebens widmete sich Apian der Vervollständigung seines topografischen Werkes. 

Zusammen mit einer Beschreibung des Landes Bayern sollte die Sammlung die Darstellung des Landes auf den Landtafeln ergänzen und vervollständigen.  

Philipp Apian ist über der Arbeit an Sammlung und Beschreibung verstorben. 

Um Februar 1583

Freising - Köln * Als bei der Auseinandersetzung um die Besetzung des Kölner Bischofsstuhls die Anwesenheit Bischof Ernsts von Baiern dringend notwendig ist, kann er sich nicht von seiner Freisinger Liebschaft losreißen.  

Sein Bruder, der regierende baierische Herzog Wilhelm V. schreibt damals:  
„Das sei gewislich die einzige und vornehmliche Ursach, daß der Bruder darum nicht hinab nach Köln wolle, weil sein Fetl nicht hinab zu bringen sei“

Um April 1583

Köln * Die Kurie nimmt Bestechung nicht nur hin, sondern beteiligt sich sogar aktiv daran, sodass „Nuntius“ Malspina schreibt: „Nie habe ich käuflichere Leute gefunden als in diesem Kölner Kapitel“.

Zunächst wird der junge Graf Hans Philipp von Manderscheid-Gerolstein bewogen, für zweihundert Dukaten und eine jährliche Pension auf seinen Kapitelplatz zu verzichten.
Dann wird auf ähnliche Weise drei ältere Vorrechte auf seine Nachfolge abgelöst.

22. Mai 1583

Köln * Das Kölner Domkapitel wählt den 28-jährigen baierischen Wittelsbacher Ernst, der bereits Herr über die drei Bistümer Freising, Hildesheim und Lüttich ist, zum Erzbischof von Köln. Da „die unschätzbare Freundschaft Baierns nur durch außergewöhnliche Opfer erkauft werden kann“, übersieht die Römische Kurie den  

  • ungebührlichen Lebenswandel des wittelsbachischen Erzbischofs und den  
  • Verstoß gegen das Pfründenhäufungsverbot des Trienter Konzils.  
  • Außerdem unterläuft der Wittelsbacher in vier von fünf Fällen das für die Übernahme eines Bistums vorgeschriebene Mindestalter und  
  • selbst die Residenzpflicht wird für ihn aufgehoben.  

Die Kurie nimmt Bestechung nicht nur hin, sondern beteiligt sich sogar aktiv daran, sodass Nuntius Malspina schreibt: „Nie habe ich käuflichere Leute gefunden als in diesem Kölner Kapitel.“ Zunächst wird der junge Graf Hans Philipp von Manderscheid-Gerolstein bewogen, für zweihundert Dukaten und eine jährliche Pension auf seinen Kapitelplatz zu verzichten. Dann wird auf ähnliche Weise drei ältere Vorrechte auf seine Nachfolge abgelöst.  

Herzog und Fürstbischof Ernst von Baiern wird Kölner Erzbischof und Kurfürst. Mit dieser Wahl erhält er den ersten Kurhut für die baierisch-wittelsbachischen Fürsten. Mit der Wahl Ernsts zum Kurfürsten wird eine protestantische Mehrheit im Kurkolleg, das den Kaiser wählt, verhindert. Kurfürst Ernst kann allerdings nur geschützt von baierischen Waffen in Köln einziehen. 

4. Oktober 1583

Trier * Das Fürstbistum Trier übernimmt den Gregorianischen Kalender. Auf den 4. folgt der 15. Oktober 1583.


1584

1584

Münster * Der Kölner Kurfürst Ernst erhält - trotz seines Lebenswandels - noch das Bistum Münster.

Damit besitzt er die fünf Bistümer Köln, Freising, Hildesheim, Lüttich und Münster.


1586

13. September 1586

München * Drei Wiedertäufer werden zum Tod mit dem Schwert verurteilt, weil sie trotz der Folter ihrem Glauben nicht abschwören wollen. Nach dem Verlesen des Todesurteils widerrufen zwei Delinquenten, weshalb nur ein Einziger hingerichtet wird.


1587

1587

Dillingen * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden Dillingen gibt es zwischen 1587 und 1591 aufgrund der „Hexenverfolgungen“ mindestens 17 weibliche Todesopfer.

8. Mai 1587

Turin • Herzog Victor Amadeus I. von Savoyen, der Vater von Henriette Adelaide, der späteren Kurfürstin von Baiern, wird in Turin geboren. 


1588

10. Januar 1588

München * In München findet bis 6. April ein Landtag statt, auf dem Herzog Wilhelm V. den Ständen eine Schuldenlast von 1.992.736 Gulden bekanntgeben muss. Alleine 700.000 Gulden hat der Kölner Krieg verschlungen.

Dezember 1588

München-Angerviertel * Beim Einsammeln des sogenannten „Leibpfennigs“ suchen die Kapläne Graßmann und Ostler von der „Sankt-Peters-Pfarrei“ auch das „Stadtbordell“ auf und zechen mit dem Wirt und seiner „Gesellschaft“.

Als sich die „genachbarten Knappen“ vor dem Haus zusammenrotten, wagen sie sich nicht mehr aus dem „Bordell“ und verbringen die Nacht in demselben.


1589

1589

München * Eine Münchner Brauersgattin namens „Kalteneckerin“ wird der „Hexerei“ bezichtigt und die Brauerei „von Gerichts wegen“ geschlossen.

1589

Trier * Peter Binsfeld, der „Weihbischof“ und „Generalvikar“ von Trier, veröffentlicht sein Buch „Von Bekanntnuss der Zauberer und Hexen“.

Er trägt damit entscheidend zur Förderung des „Hexenwahns“ bei und ist für die größten deutschen „Hexenverfolgungen“ des 16. Jahrhunderts, die von 1585 bis 1591 dauern, verantwortlich.

Binsfelds Buch ist hier weitaus einflussreicher als der „Hexenhammer“

1589

Schwabmünchen * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden Schwabmünchen beginnen die „Hexenverfolgungen“, wo der als „Hexenbischof“ bekannte Marquard II. vom Berg bald das Gefängnis erweitern lassen muss, um die Angeklagten unterzubringen.

Hierher kommt der Biberacher „Hexenspezialist“ Christoph Hiert.

Das Ergebnis des bischöflichen „Hexenwahns“ sind 27 Hinrichtungen. 

1589

Ingolstadt * Im Zuge der großen „Hexenverfolgungen“ im Herzogtum Baiern wird auch Ingolstadt vom „Hexenwahn“ ergriffen.

Mehrere unschuldige Frauen werden verhaftet, verhört und gefoltert.
Bis zum Jahr 1592 werden in Ingolstadt 13 unschuldige Frauen als „Hexen“ zum Tode verurteilt. 

21. Januar 1589

München * In einem von Herzog Wilhelm V. herausgegebenen Mandat wird erstmal die Bäckerschelle erwähnt. Sie ist zunächst als Strafe für Gotteslästerer und Flucher gedacht, wird aber ab 1596 auch für betrügerische Bäcker angewendet, die zu kleine Brote backen. 

Um März 1589

Ingolstadt * Maximilian I., Sohn Wilhelms V. und späterer baierischer Herzog und Kurfürst, studiert an der „Hohen Schule“ in Ingolstadt „Rechtswissenschaften“.

Sein Lehrer ist der „Doktor beider Rechte“ Johann Baptist Fickler, der „Hexerei“ als eine Realität betrachtet und sie als einen „Fluch des Teufels“ bezeichnet, dem mit „allen Strafmitteln“ begegnet werden muss.

Dem „Hexenwahn“ steht der studierte „Jurist“ ebenso mit Arglosigkeit und Kritiklosigkeit gegenüber, wie sein Zögling Herzog Maximilian I..

Man lässt den damals gerade 17-jährigen Prinzen der „Folterung von Hexen“ beiwohnen.
Nach solcher Vorbereitung auf den Regentenberuf kann es nicht überraschen, dass Maximilian I. der ärgste „Hexenverfolger“ unter den baierischen Fürsten wird. 

Juli 1589

Schongau - München * Das Zentrum des „ersten altbaierischen Hexenprozesses“ ist Schongau bei Weilheim, das vom Bruder Wilhelms V., Herzog Ferdinand, verwaltet wird. 

Herzog Ferdinand reagiert empfindlich, als ihm sein „Landrichter von Schongau“ von „Hagelschäden, Ernteausfällen“ und den damit verbundenen „Einnahmeverlusten“ berichtet.

Zum Glück kann „Richter“ Hans Friedrich Herwarth von Hohenburg gleich die für die Katastrophe Verantwortlichen benennen: die „Hexen“

24. Juli 1589

München - Schongau * Herzog Ferdinand befiehlt seinem Landrichter, alle „bösen Leute und Unholden“, denen er habhaft werden kann, umgehend zu verhaften. Ihre Wohnungen sollen nach Salben, Amuletten, wächsernen und durchstochenen Bildern, menschliche Knochen und ähnlichen Zaubermitteln durchsucht werden. Benennen die Angeklagten freiwillig Mitschuldige, soll man ihnen einen Straferlass versprechen.

Den Grund dafür, weshalb der „böse Feind“ an Macht gewonnen hat, sieht der Herzog im Zusammenhang mit dem sündhaften Leben der Untertanen. Nur deshalb lässt Gott dem Teufel und seinen Werkzeugen freie Hand. Die Pfarrer und Prediger im Landgericht Schongau sollen deshalb das Volk zur Buße und Besserung des Lebens ermahnen.  

Herzog Ferdinand fordert zur Unterstützung der unerfahrenen baierischen Hexenjäger den darin geschulten Nachrichter von Biberach an.
Er soll die Verdächtigten auf „Hexenmale“ untersuchen.

„Dann wir gesinet, auf alle in Schwung geende und wachsende hochsträfliche Laster, sonderlich das ungeheur Unholdwerckh ernstliche Inquisition und Straf furnemmen“

Ab August 1589

Schongau * In dem ohne gesetzliche Grundlage durchgeführten und „Hexenprozess“ werden unter rücksichtslosester Anwendung der „Folter“ die unsinnigsten Geständnisse erpresst.

Die Frauen gestehen unter anderem

  • das „Wettermachen“,
  • das „Töten von Tieren“ durch Beschmieren mit der „Hexensalbe“,
  • das „Ausgraben und Sieden von Kindern“ zur Salbenherstellung,
  • „sexuellen Umgang mit dem Teufel“ und
  • „nächtliche Ausfahrten auf der Heugabel“ zu teuflischen Festen.

Die Aussagen der so gepeinigten Angeklagten werden mit einer entsprechenden Empfehlung des „Schongauer Landrichters“ Hans Friedrich Herwarth von Hohenberg an Herzog Ferdinand gesandt, der dann den „Hinrichtungsbefehl“ gibt. 

1. September 1589

München * Der Weinsiegler Hanns Reiter und seine Ehefrau sollen sich bis Michaeli [29. September] „katholisch erklären“ oder das Land verlassen.

27. September 1589

München-Graggenau * Die Hofkammer will die Geldverschwendung für den Durst der Hofschranzen eingeschränkt sehen, weshalb sie einen Antrag für den Bau eines „aigen Preuhaus“ formuliert. Das Datum gilt seither als offizieller Gründungstermin des Hofbräuhauses.

Einen Brand beim alten Hennen- und Badhaus im Alten Hof erkennt man als Zeichen des Himmels und umgehend beginnen die Arbeiter in der Nähe des Zerwirkgewölbes die Wände einzureißen, die Keller einzuschachten und Sudanlagen zu installieren. Der Keller diente zuvor dem Herzogshof als Vorratsraum. Der Standort am Alten Hof kam den Verantwortlichen aufgrund der „besseren Überwachung bezüglich der möglichen Veruntreuungen“ gerade recht.

Darin wird zunächst nur braunes Bier gebraut. 

28. September 1589

Freising - Werdenfelser Land * In der zum Fürstbischof von Freising gehörenden Grafschaft Werdenfels beginnt mit der Verhaftung der 55-jährigen Ursula Klöck sowie Elsbeth Schlamp und ihre Tochter Appolonia eine große Hexenverfolgung, in deren Verlauf fünfzig Frauen und ein Mann der Hexerei beschuldigt werden.

Als Landesherr des Freisinger Kirchenstaates steht ebenfalls ein Bruder des baierischen Herzogs Wilhelm V. an der Spitze: Fürstbischof Ernst von Freising ist zugleich Kurfürst des Fürstbistums Köln am Rhein. 

14. Oktober 1589

München-Graggenau * Ein Kostenvoranschlag für den Bau des Hofbräuhauses wird vorgelegt. 

30. Oktober 1589

Freising - Werdenfelser Land * Aus Freising geht der Befehl in die Grafschaft Werdenfels, gegen die der Hexerei Angeklagten Ursula Klöck sowie Elsbeth Schlamp und ihre Tochter Appolonia die Folter anzuwenden.

Damit ist der Ausweitung des Hexenprozesses Tür und Tor geöffnet. Durch die über die Folter herausgepressten Geständnisse werden etwa 180 Personen in den Prozess einbezogen. Am Ende werden 50 Frauen und ein Mann der Hexerei schuldig befunden und zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. 

15. November 1589

Tübingen * Der Mathematiker, Arzt, Kartograph und Heraldiker Philipp Apian stirbt in Tübingen. 


1590

1590

München-Kreuzviertel * Herzog Wilhelm V. lässt im Hofgarten der späteren „Herzog-Max-Burg“ Wein anpflanzen.

Der daraus gekelterte Wein soll in manchen Jahren „bey 50 Eimer gehabt haben“ (= ca. 3.200 Liter).

Ab 1590

Oberstdorf * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden Oberstdorf werden zwischen 1590 und 1592 noch einmal 68 Frauen als „Hexen“ verbrannt. 

Um 1590

Rettenberg * In dem zum „Hochstift Augsburg“ gehörenden „Pfleggericht Rettenberg“ werden 25 „Hexen“ ermordet. 

1590

Au * Die Au ist nach Auffassung des „herzoglichen Hofkastenamtes“ so stark besiedelt, dass man sich zu ersten Gegenmaßnahmen entschließt. 

Um 1590

München * Während der Hexenverfolgungen werden einige Ehefrauen Münchner Bierbrauer der Hexerei verdächtigt.

Darunter die Frauen des „Gilgenrainerbräus“ Viereck, des „Unterspatenbräus“ Jörg Spät und des „Kalteneckerbräus“ Galle Stoltz, der seine Brauerei „von Gericht wegen“ schließen musste. Betroffen war auch die Anna Freykamerin.

In einer Zeitung heißt es zu den Hexenverbrennungen: „Volgends um den anfang des Monats Julii sind irer bey fünffen in München verbranndt worden. Under welchen eine wolbekannte Prewin gewesen, die ausgesagt sol haben, wie sie und etlich hundert mit ir in dem Mertzenbier, eh sie dies ausgeschenkt, gebadet habe“.

10. März 1590<p><strong><em>München</em></strong> * Dr. Johann Georg Herwarth von Hohenburg wird zum Geheimen Rat&nbsp;und Obristkanzler&nbsp;ernannt.&nbsp;Mit seiner Berufung ändert sich die Einstellung gegenüber den Hexenverfolgungen.&nbsp;Der Jurist versucht diese mit den Mitteln des geltenden Strafprozessrechts&nbsp;einzudämmen und bestreitet jedes Ausnahmerecht.</p> <p>Der Grund dafür ist, dass hier Ermittlungen, Verfolgungen und Verurteilungen wegen Hexerei und Zauberei&nbsp;ohne entsprechende landesherrliche Gesetze und Vorgaben eingeleitet und vollstreckt werden.&nbsp;Zu zahlreich sind die Übergriffe und Unregelmäßigkeiten geworden.</p> <p>Um den gesetzlosen Zustand zu beenden, leitet Dr. Johann Georg Herwarth von Hohenburg - noch während im baierischen Herzogtum die Hexenprozesse&nbsp;in Schongau, Ingolstadt und München laufen - eine Gesetzgebung gegen das Hexenverbrechen&nbsp;und damit die Eindämmung der Hexenverfolgung&nbsp;im Herzogtum Baiern ein.&nbsp;</p>
2. April 1590<p><strong><em>München</em></strong> * Herzog Wilhelm V. fordert zur Unterstützung des Verfahrens zur <em>„Gesetzgebung gegen das Hexenverbrechen“</em> vom Hofrat&nbsp;und von der juristischen und theologischen Fakultät&nbsp;der Universität Ingolstadt&nbsp;ein <em>„Gutachten über die zu ergreifenden Maßnahmen gegen die überhand nehmende Hexerei“</em> an.</p> <p>Darin führt der <em>Herzog</em> aus, Gott selbst habe wegen der schrecklichen Sünden der Menschen diese mit der <em>„neuen Pest der Hexerei“</em> gestraft.&nbsp;Und weil die <em>Hexerei</em>&nbsp;die größte aller Sünden wäre, würde Gott wiederum beleidigt werden. Er, Wilhelm V., sei als <em>Fürst</em> Gott verantwortlich und müsse durch <em>„Bestrafung und Ausrottung der Hexen“</em> die <em>„Ehre Gottes“</em> retten und wiederherstellen.</p> <p>Die Argumentation, dass sich nach dieser Logik Gott eigentlich selbst beleidige, wird ignoriert.&nbsp;Es geht&nbsp;auch nicht so sehr um die Ehre Gottes, sondern um die Angst vor weiteren göttlichen Strafen.&nbsp;</p>
6. April 1590<p><strong><em>München - Ingolstadt</em></strong> * In dem <em>Gutachten des Hofrates</em>&nbsp;werden zunächst ausdrücklich die Meinungen derjenigen protestantischen <em>Hexenverfolger</em>&nbsp;zurückgewiesen, die gemäßigt auftreten.&nbsp;Dazu gehören Johannes Brenz aus Stuttgart und seine Anhänger, die jede Möglichkeit eines tatsächlichen <em>Wetterzaubers</em>&nbsp;abstreiten.&nbsp;Wetter sind eine Angelegenheit der Natur oder Gottes, nicht aber Sache <em>„alter Weiber“</em> oder gar des <em>„Teufels“</em>.</p> <ul> <li>Nach dem Hofratsgutachten&nbsp;ist den Katholiken&nbsp;künftig jeder Zweifel an der Existenz der Hexen,&nbsp;des Teufelspakts, des Hexenflugs&nbsp;und des Schadenszaubers&nbsp;ebenso verboten wie jede inhaltliche Kritik.&nbsp;</li> <li>Auch das von vier Theologieprofessoren&nbsp;ausgearbeitete Ingolstädter Gutachten,kommt zum Ergebnis, dass <em>„die Obrigkeit mit Eifer und Strenge gegen die Hexen“</em> vorgehen und es den Untertanen zur Pflicht machen soll, <em>„Verdächtige zu denunzieren“</em>. &nbsp;</li> </ul> <p>Die Gutachten&nbsp;folgen alleine den katholischen Autoren&nbsp;und unter diesen wiederum nur denjenigen, die die härtesten Ansichten zur Hexenverfolgung&nbsp;vertreten, die jemals in der europäischen dämonologischen und juristischen Literatur&nbsp;zum Hexenprozess&nbsp;geäußert worden sind.&nbsp;</p>
Mai 1590

München * Der Hofrat erlässt die „Gemeine General Instruction. Wie sich alle und jede Pfleger, Richter und Beamte [...] mit den Unholden und Hexenwerckhs verleumbden Personen in Erkennung, Einziehung und Besprachung [...] zu verhalten haben.“  Damit ist die Strafbarkeit des Hexereidelikts im baierischen Herzogtum landesherrlich gebilligt. Die Verrechtlichung des Hexerei-Tatbestands führt zunächst aber zum Rückgang der Verfolgungen.

Den zuständigen Unterbeamten erscheint die Einleitung eines Verfahrens juristisch offensichtlich zu kompliziert und risikoreich. Und nicht jeder Landrichter ist Jesuitenschüler und versteht die dahinter stehende theologische Logik. Hinzu kommen die Widersprüchlichkeiten der Hexenprozess-Ordnung und die ständig eintreffenden einschränkenden Vorgaben. 

10. Mai 1590

München-Kreuzviertel * Bei einem Gewitter stürzt der Turm der neuen Michaels­kirche ein. Für die Jesuiten ist es eindeutig und naheliegend, dass das Unglück von den Hexen beeinflusst ist: „Ist vergangene Tage so ein grewlich wetter abgegangen, dem Thurm und gebew nitt wenig befürderung mechte geben haben; dann vill die meinung, daß sollich ungewonliche gewütter von den maledeutten bösen Weibern gemacht werden.“ 

14. Mai 1590

Ingolstadt - München * In mehreren Briefen, unter anderem in dem vom 14. Mai 1590, berichtet der Student Maximilian I. - völlig unberührt - an seinen Vater von den entsetzlichsten Folterungen, die er in den Ingolstädter Hexenprozessen erlebt hat. Auch nach seinem Regierungsantritt huldigt der Herzog und Kurfürst Maximilian I. dem Hexenwahn. 

Um Juni 1590

München * In München findet ein Hexenprozess statt, in dessen Zusammenhang vier Frauen verbrannt werden. Der Münchner Falkenturm fungiert als Hexenturm.

Leider haben sich die Akten nur lückenhaft überliefert, sodass weder ein Zusammenhang des Hexenprozesses mit dem Einsturz des Turms der Michaelskirche, noch mit der Nennung von vier Brauerinnen hergestellt und bewiesen werden kann. Das bedeutet aber im Umkehrschluss, dass es auch wesentlich mehr als die vier bekannten Opfer gewesen sein können. 

2. Juli 1590

München * Der von Herzog Wilhelm V. ausgehende Hexenprozess ist zu Ende. Die Anklage gegen vier „Weibspersonen“ unterschiedlichen Alters lautet auf

  • Buhlschaft mit dem Teufel,
  • Leichenraub und Leichenschändung,
  • Hostienentweihung sowie
  • Hexerei.

Die vier Frauen, Anna Anbacherin, Brigitte Anbacherin, Regina Bollingerin und Regina Lutzin, machen die üblichen Geständnisse: Ausfahrt mit dem Teufel über Felder und in verschiedene Weinkeller. Eine andere gestand, sie habe ein totes Kindlein auf dem Gottesacker vor dem Sendlinger Thor ausgegraben und daraus eine wässrige, zähe und wasserfarbige Salbe bereitet.

Aufgrund des erdrückenden Beweismaterials werden alle vier Frauen als Hexen zum Tode verurteilt. Wegen ihres hohen Alters werden sie - auf Fürbitte hoher fürstlicher Personen - vorher erdrosselt und danach ihre geschundenen Körper verbrannt. 

Um den 14. August 1590

Landshut * Der weithin bekannte venezianische Goldmacher Marco Antonio Bragadino reitet auf einem Berberhengst durch das Landshuter Stadttor ein. Er ist mit den erlesensten und teuersten Stoffen gekleidet und wird von Dienern und zwei großen schwarzen Doggen begleitet.  

Der anwesende baierische Herzog Wilhelm V. begrüßt den vornehmen Ankömmling mit überschwänglicher Freude. Der Baiernregent erhofft sich von dem Fremden die Lösung seiner gesundheitlichen und - vor allem - seiner finanziellen Probleme, da dieser mit dem „Lapis philosophorum” den Stein der Weisen besitzt. 

3. September 1590

Landshut * Marco Bragadino berichtet in einem Brief nach Padua über seine Erfahrungen mit Herzog Wilhelm V.:  

„Ich befinde mich bei diesem Fürsten von Baiern, einem Herrn voll der frömmsten Gedanken und Sitten und jeder einzigartigen Tugend, der mich liebt und so sehr meine völlige Zufriedenheit wünscht, dass ich wirklich sagen kann, ich sei der eigentliche Herr und Gebieter, ja noch mehr sagen könnte, wenn ich es wagte“

4. September 1590

Landshut - Augsburg * Der Goldmacher Marco Bragadino reist von Landshut nach Augsburg, um dort Chemikalien für seine Kunst einzukaufen. 

10. September 1590

Padua - Landshut * Marco Bragadino lässt seine „Familia“ aus Padua nachkommen. Der Zug mit insgesamt elf Personen macht sich auf den Weg nach Landshut. Die Reisegruppe kommt aber nur langsam voran, da Bragadinos Lebensgefährtin Laura Canova, eine verwitwete Vilmerca, hochschwanger ist, nicht reiten darf und deshalb in einer Sänfte reisen muss, was die Reisekosten enorm in die Höhe treibt. 

19. September 1590

Landshut * Marco Bragadinos Familia erreicht die Tore von Landshut. Marco Bragadino ist nicht in der Stadt, da er am 4. September 1590 nach Augsburg aufgebrochen ist, um dort Chemikalien einzukaufen. Seine Rückreise geht über München. 

Um den 28. September 1590

Landshut * Marco Bragadino trifft wieder in der niederbaierischen Residenzstadt ein. 

Oktober 1590

Ingolstadt * In einem Gutachten der „Universität Ingolstadt“ gegenüber der „Hochstiftlichen Regierung in Freising“ wird festgestellt, dass den von den „Scharfrichtern“ ermittelten „Hexenmalen“ keine Beweiskraft mehr zukommt, weil sich ein „so gewöhnlicher und verworfener Mensch“ wie ein „Nachrichter“ bei der „Erkennung der Hexenzeichen“ durchaus täuschen könne.

Damit ist die sogenannte „Nadelprobe“, die zum hoch geschätzten Gutachterwissen der „Scharfrichter“ gehört, für das Verfahren wertlos geworden. 

16. Oktober 1590

Landshut * Durch den unerwarteten Tod der Herzogin Anna, der Mutter Herzog Wilhelms V., wird der Aufenthalt auf der Burg Trausnitz in Landshut für die Herzogsfamilie und der Gefolgschaft des Goldmachers Marco Bragadino jäh beendet. 

18. Oktober 1590

München-Kreuzviertel * Der Alchemist Marco Bragadino trifft in München ein. Vermutlich wohnt der Goldmacher mit seinem Gefolge wie sein Auftraggeber in der Wilhelminischen Veste, der heutigen Herzog-Max-Burg. Dadurch kann der Herzog viele Stunden mit seinem neuen Günstling verbringen, ohne dass dies großes Aufsehen erregt. 


1591

1591

München * Herzog Wilhelm V. beklagt sich über die stark überhand nehmende „Unmoral“ in der Stadt.  

Dabei haben selbst die Repräsentanten der Amtskirche Probleme mit der eigenen „Lust“.  
Nur in einem sehr schwierigen Prozess gelingt es, die geistlichen Herren auf Dauer von ihren - „Schlafweiber“ genannten - „Konkubinen“ zu trennen. 

1591

München * Peter Binsfelds Buch „Von Bekanntnuss der Zauberer und Hexen“ erscheint in München in deutscher Sprache.

Der Münchner „Stadtgerichtsassessor“ Bernhard Vogel hat das Werk aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt.
Der „Verleger“ Adam Berg lässt es im Einverständnis mit dem „Geistlichen Rat“ drucken.

Gewidmet ist das Buch „Von Bekanntnuss der Zauberer und Hexen“ Herzog Ferdinand, der den „Schongauer Hexenprozess“ der Jahre 1589/90 führte und nachträglich für seine abscheuliche Tat gerühmt werden soll.

Adam Berg schreibt im Vorwort des Buches, dass es gerade jetzt notwendig sei, da man „zu diser zeit etliche Personen finden möchte, die sagen dörfften, man thue den Leuthen unrecht“.  
Das Buch verfolge also vornehmlich den Zweck, „das diejenigen, so irgent hierinn zweiflen, ein Bericht haben und nit also freventlich die hohe Obrigkeit in Straffung solcher Laster urtheilen und Nachreden“

1591

Kelheim * Anna Pämb [50] lebt mit ihrem Mann Paulus [48] und den Söhnen Gumpprecht [13], Michael [11] und Hansel [ein Jahr alt] im „Kelheimer Armenhaus“.

Vater Paulus bietet seine Arbeitskraft als „Kesselflicker“ an.
Mit seinen älteren Söhnen verdingt er sich auch als „Abortgrubenräumer“, als sogenannter „Pappenheimer“.

Im „Armenhaus“ von Kelheim lernt Anna Pämb eine gewisse Zieglerin kennen.
Die Frauen verstehen sich auf Anhieb. 

5. November 1591

Werdenfelser Land * Mit Brigitta Krätzler und Barbara Feurer werden die beiden letzten Beschuldigten des Werdenfelser Hexenprozesses hingerichtet. Dann endet zunächst die Hexenverfolgung im Werdenfelser Land. Das liegt einerseits am verstärkt auftretenden Widerstand aus der Bevölkerung, andererseits an den hohen Kosten.

Alleine der Nachrichter erhält für jede Besichtigung zwei Gulden, dazu täglich ein Wartegeld von zwei Gulden und für jede Hinrichtung nochmal acht Gulden. Auch Verpflegung und Unterkunft trägt die Staatskasse. Insgesamt kostet der Werdenfelser Hexenprozess rund 4.000 Gulden.

Am Ende dieser Verfolgungs-Periode zählt man 49 auf dem Scheiterhaufen zum Teil lebendig verbrannter Angeschuldigter, zum Teil werden sie vorher erwürgt oder geköpft. Zwei Frauen sterben während ihres Gefängnisaufenthalts, eine davon verübt Selbstmord. 

14. Dezember 1591

München * Herzog Wilhelm V. befiehlt, dass neben den Beamten auch alle Offiziere, bürgerliche Obrigkeiten, Stadt- und Marktschreiber, Gerichtsprokuratoren und Schulmeister den „Eid auf den Glauben“ ablegen müssen. 


1592

1592

Schongau * Nach einem drei Jahre dauernden Prozess endet die „Schongauer Hexenverfolgung“ mit der Hinrichtung von 63 Frauen durch das Schwert.

Die Leichen der „Hexen“ werden anschließend verbrannt. 


1593

1593

München * Herzog Wilhelm V. muss den „Landtag“ erneut um die Übernahme seiner Schulden in Höhe von 1.300.000 Gulden bitten.

Seit 1593

München * Der 20-jährige Erbprinz Maximilian I. ist als Vertreter seines Vaters Herzog Wilhelm V. in Regierungsangelegenheiten tätig.

1593

München * Der „Bildhauer“ Hubert Gerhard erschafft die mit 2,17 Meter überlebensgroße, ursprünglich feuervergoldete und als Bronzehohlguss hergestellte „Mondsichelmadonna“, die im Jahr 1638 auf der „Mariensäule“ Aufstellung fand.  

Sie gilt als das Hauptwerk Hubert Gerhards. 

1593

Rom * Reformbewegungen führen zur Spaltung und zur inneren Reform des „Karmeliter-Ordens“.

Die Hauptträger der Erneuerung des „Karmels“ - Theresia von Avila und Johannes vom Kreuz - greifen auf die alten Regeln, ohne die späteren Milderungen, zurück.

Im Volk nennt man die Mitglieder dieser Reformklöster die „Unbeschuhten Karmeliter“.
Nach langen Konflikten losen sich die „Unbeschuhten Karmeliter“ vom „Beschuhten“ Stammorden los.

Der Papst will die „Unbeschuhten“, ähnlich wie die anderen Reformorden, vordringlich zur Erneuerung des kirchlichen Lebens in den Städten, zur Abwehr der „Häretiker“ und zur Ausbreitung des Glaubens in den Missionsgebieten einsetzen.


1594

Seit 1594

Regensburg * Der „Reichstag“, die „Ständevertretung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“, tagt bis dahin in unregelmäßigen Abständen in verschiedenen Städten. 

Seither wird er nur noch im „Reichssaal“ des „Regensburger Rathauses“ abgehalten. 


1595

1595

München-Graggenau * Die „Stadtschreiberei“ und das „Amt für Goldwäscherei“ ziehen in das „Ridlerhaus“ im Tal um.

Der „Weinstadel“ bleibt im Haus Dienerstraße 20/ Burgstraße 5.

Um 1595

Wien * Johann Tserclaes Graf von Tilly tritt in kaiserliche Dienste ein und steigt bis 1605 zum „Feldmarschall“ auf.

1595

Arnsberg * Um seiner Mätresse Gertrud von Plettberg näher zu sein, zieht sich Ernst, der Kurfürst von Köln und Chef der fünf Bistümer Köln, Freising, Hildesheim, Lüttich und Münster, in seine Arnsberger Neben-Residenz zurück.  

Dort hat er zwischenzeitlich das Palais „Landsberger Hof“ errichten lassen.  

Gemeinsam mit Gertrud von Plettberg hat Bischof Ernst einen Sohn: Wilhelm Freiherr von Höllinghofen.  
Er wird anno 1650 zum „Fürstabt der Reichsabtei Stablo-Malmedy“ ernannt.  

Außerdem wird der 17-jährige Baiernprinz Ferdinand zum „Koadjutor“ (= Nachfolger) seines Onkels Ernst auf dem Kölner Bischofsstuhl gewählt. 

1. Januar 1595

München * Herzog Wilhelm V. überträgt seinem Sohn Maximilian I. die Mitregierung in Form der Stellvertretung. Die Landstände hatten den Herzog aufgrund seiner Verschuldung und der Unordnung in der Hof- und Staatsverwaltung zu diesem Schritt gedrängt. Doch die „Verwirrung im Finanzwesen“ wird durch die Doppelregierung noch schlimmer. Es wird eine Abdankung auf Raten. 

6. Februar 1595

Nancy • Herzog Maximilian I. von Baiern und Herzogin Elisabeth Renata von Lothringen heiraten in Nancy. 

15. Mai 1595

München * Da die Nachfrage nach Seidenartikeln im Herzogtum Baiern unverändert hoch ist, versuchen italienische Handelsleute die Marktlücke zu schließen. Deshalb will sich der Mailänder Händler Hieronymus Peverollj in München niederlassen und „einen handsladen von sament unnd seyden aufrichten“.

Herzog Maximilian I. empfiehlt in einem Schreiben dem Rat der Stadt die Annahme des Gesuchs, „weil man dann die Waren soll wohlfeiler haben können, wan man nicht immer an einen handlsman gebunden ist [...]. Auch Wir hätten bei diesem vorschlag nuz vnd vortheil“.

Der Münchner Bürgermeister informiert vor der Zusage und „zur verhüettung khonftiger Irrung“ zuerst die „handlsleuth und Cramer“, die allerdings keinerlei Bedenken äußern. 

18. November 1595

München * Die letzte Meldung über das Münchner Frauenhaus taucht auf. An diesem Tag wird dem Hanns Ernst und seiner Hausfrau Rosina Selberin, „verschidener zeit gewester wirtin im gemainen haus alhie“, von der Stadtkammer die zehn Gulden Büßerinnen-Prämie ausbezahlt, die man jeder Prostituierten überreicht, wenn sie aus dem Bordell ausscheidet. 


1596

1596

München-Kreuzviertel - Au * Als Ersatz für die 34 Bürgerhäuser, die dem Bau der „Michaelskirche“ geopfert werden müssen, befasst sich der Magistrat der Stadt München erstmals mit dem Gedanken der Eingemeindung der Au.

Man nimmt aber wieder Abstand davon, nachdem Herzog Wilhelm V. auf eine jährliche Steuer von 600 Gulden verzichtet. 

19. August 1596

Amberg * Friedrich V., der spätere Kurfürst von der Pfalz und böhmische König wird in Amberg geboren. 

3. Dezember 1596

München * Peter Ungelter, ein aus Augsburg stammender Weber, wird als Wiedertäufer mit dem Strang hingerichtet. Noch am Vortag erklärte er, dass er sich bekehren würde. Als ihm jedoch der Priester erklärte, dass er dennoch sterben müsse, bleibt Ungelter seinem Glauben treu.

18. Dezember 1596

Regensburg - Rom * Der Regensburger Fürstbischof Philipp Wilhelm wird im Alter von 20 Jahren von Papst Clemens VIII. zum Kardinal erhoben. 


1597

1597

München-Kreuzviertel * Die Bauarbeiten an der „Michaelskirche“ sind vollendet.

Es ist das erste „Jesuiten-Colleg“ mit einer Kirche nördlich der Alpen.

19. Juni 1597

München * Eine eingesetzte Kommission verlangt zur Verhütung des Staatsbankrotts die Abdankung von Herzog Wilhelm V..

6. Juli 1597

München-Kreuzviertel * Die Michaelskirche in der Neuhauser Straße wird eingeweiht. 

15. Oktober 1597

München * Herzog Wilhelm V. verzichtet zugunsten seines Sohnes Maximilian I. auf die Regierung des Herzogtums. Der Grund ist hauptsächlich in der Verschuldung Baierns zu suchen. Das Land steht kurz vor dem Generalanstand, also dem Staatsbankrott.

23. Dezember 1597

Wien - München * Herzog Maximilian I. wird vom Kaiser mit dem Herzogtum Baiern belehnt.


1598

1598

München * Eine aus 18 Personen bestehende „Zaubergesellschaft“ sitzt in der „Schergenstube“ in Haft, deren Mitglieder  

  • „Zauberbücher“ und glückbringende „Alraunenwurzeln“ besaßen, 
  • sich unter dem „Galgen“ oder
  • in der oberen Stube des Alexander Freisinger in der Au trafen und  dort „Beschwörungen“ zur Wiedergewinnung gestohlener oder verlorener Sachen und „Ansegnungen gegen den bösen Feind“ betrieben.

Eine eigene „Ratskommission“ wird gebildet, die sich aus Mitgliedern des „Inneren“ und „Äußeren Rats“ zusammensetzt.

Die Urteile sind glimpflich.

  • Die meisten werden auf die „Schragen“ gestellt, zum Teil mit umgehängten „Zauberbüchern“.
    Diese Strafe ist - im Gegensatz zum „Pranger“ - nicht „ehrlos“.
  • Einige werden zusätzlich zu den Jesuiten zur „Beichte und Kommunion“ geschickt,
  • zwei erhalten eine Geldstrafe und
  • einer wurde zu vier Jahren „gegen den Erbfeind der Christenheit“, die Türken, verurteilt. 
1598

Stolberg-Weringerode * Der Alchemist Essaias Stumpfeld bietet dem Fürsten von Stolberg-Wernigerode die Rezeptur für den Stein der Weisen an. 

Bei einer Arbeitsprobe entstehen wenige kleine rote „Rubinlein“, die aus Arsen-, Antimon- und Quecksilbersulfid bestehen. Und tatsächlich kann man scheinbar mit den „Rubinlein“ Silber in Gold verwandeln. Denn wenn man ein Silberblech mit den „Rubinlein“ bedampft, erscheint dieses unter dem dünnen, gelben Belag von Arsensulfid golden. 

1598

München - Landshut * Die Wittelsbacher Herzöge haben bereits 778 Gemälde zusammengetragen - und sie sammeln weiter.

18. Januar 1598

Wien - Rom-Vatikan * Erzherzog Ferdinand II. bedankt sich bei Papst Clemens VIII. für die erteilte Ehedispens mit Herzogin Maria Anna von Baiern. Zuvor waren von protestantischer Seite Angriffe auf das Paar unternommen worden.

Beanstandet wurden der beträchtliche Altersunterschied, wobei die 24-jährige Maria Anna lediglich vier Jahre älter als Ferdinand II. war, dann die Hässlichkeit der Braut und schließlich die nahe Verwandtschaft der Geschwisterkinder. [Ferdinands Mutter Erzherzogin Maria war die Schwester von Maria Annas Vater Wilhelm V..]  Schon deshalb musste der päpstlicher Dispens eingeholt werden.

4. Februar 1598

München * Die Beamten, Lehensvasallen und Untertanen werden von ihrem Eid gegenüber Herzog Wilhelm V. entbunden und auf Herzog Maximilian I. vereidigt.

13. März 1598<p><strong><em>München</em></strong> *&nbsp;Herzog Maximilian I. erlässt ein ausführliches <em>„Religions- und Sittenmandat“</em>.&nbsp;Zur Überwachung der Vorschriften werden eigens geheime Kundschafter, sogenannte <em>„Aufsteher“</em>, bestellt.&nbsp;Diese Spitzel&nbsp;müssen jede Übertretung des Mandats anzeigen.</p> <ul> <li>Auf Fluchen werden Strafen bis zum Verlust von Gliedmaßen und bis zum Tode ausgesetzt.</li> <li>Übertretungen des Fastengebots müssen angezeigt werden.</li> <li>Andersgläubige, auch Wiedertäufer, werden im Land nicht mehr geduldet.</li> <li>Nach ketzerischen Büchern wird ohne Voranmeldung gefahndet.</li> <li>Priesterkonkubinen&nbsp;werden verfolgt, gegen Unzucht, Leichtfertigkeit und ungebührliches Spielen werden Strafen ausgesetzt.</li> </ul>
21. Mai 1598

Dachau * Der 21-jährige Kardinal und Fürstbischof von Regensburg, Philipp Wilhelm, stirbt in Dachau. Er wird in der Münchner Frauenkirche beigesetzt. 


1600

1600

München * München hat 18.000 Einwohner. 

1600

München * Mit 74 bürgerlichen Brauereien - plus 6 Klosterbrauereien - erreicht man den Höchststand in der Geschichte Münchens.

Um das Jahr 1600

München * Unter Herzog Maximilian I. wird erstmals nach den Ursachen der „Armut“ gefragt.

Folgende Erkenntnisse fassen die Untersucher zusammen:
Verantwortlich für die „Armut“ ist

  • die „Überbevölkerung der Städte“,
  • die „Überbesetzung der Zünfte und Gewerbe“,
  • die allzu großen „Freiheiten des Handels“,
  • die „Vernachlässigung der Polizeigewalt“ und
  • der „Verfall der Religion und der Sitten“.

Das Ergebnis ist die Einführung restriktiver Maßnahmen.
Dazu gehören unter anderem „Zuzugsbeschränkungen“ sowie „Festnahmen und Einkerkerung von Bettlern und Vagabunden“.

Februar 1600

Altmannstein * Die Familie Pämb lebt beim Kleinbauern Ulrich Schölz bei Riedenburg.

Da taucht der Amtmann von Altmannstein auf und verhaftet die komplette Familie bis auf den inzwischen zehnjährigen Hansel, der bei den Bauersleuten zurückbleibt.
Ein verurteilter, inzwischen in Wörth an der Isar hingerichteter Dieb namens Geindl hat die beiden Pämb-Brüder Michael und Gumpprecht als angebliche Komplizen angeschwärzt.

Schnell kann der wahre Hintergrund aufgeklärt werden.
Geindl und Michael Pämb haben sich einmal geschlägert, wobei Geindl unterlegen ist.
Wutentbrannt hat der Dieb danach geschworen, er werde es den Pämbs schon noch heimzahlen.

Der Amtmann sieht ein, dass die Denunziation wohl nur ein Racheakt gewesen war, schickte das Protokoll nach München und wartet auf die Nachricht, dass die Familie freizulassen sei. 

März 1600

Altmannstein * Die aus München kommende Antwort ordnet die „hochnotpeinliche Befragung“ der Familie Pämb an.

Unter der „Tortur“ der „Folterknechte“ gestehen die 59-jährige Anna, der 57-jährige Paulus und die Söhne Michael [20] sowie Gumpprecht [22] jede Menge Diebstähle, Brandstiftungen und Raubüberfälle.
Michael und Gumpprecht bekennen sich zudem, „Hexer“ zu sein.

So wirr, unlogisch und widersprüchlich die unter der „Folter“ erpressten „Geständnisse“ auch sind, der Altmannsteiner Amtmann verständigt daraufhin umgehend den „Hofrat“ in München. 

16. April 1600

Altmannstein - München * Die Familie Pämb nach München überführt und im Falkenturm eingekerkert. Die Männer kommen in einzelne, „Keuchen“ genannte Zellen. Nur Hansel durfte bei seiner Mutter bleiben. Nun beginnt der sogenannte Pappenheimer-Prozess. 

17. April 1600<p><strong><em>München-Graggenau</em></strong> * Eine vierköpfige Kommission untersucht die <em>Landfahrerfamilie</em>&nbsp;Pämb.&nbsp;Auf Wunsch von Herzog Maximilian I. soll zunächst geprüft werden, ob sich die Familie tatsächlich für ein öffentlichkeitswirksames Exempel eignet.&nbsp;Die Kommission scheint zufrieden.&nbsp;Denn vor ihnen stehen zwei alte, ausgezehrte Menschen und zwei Burschen, die alle vier bereits durch die <em>Folter</em>&nbsp;gezeichnet sind, dazu ein zehnjähriges Kind.&nbsp;Sie sind davon überzeugt: diesen Delinquenten kann man alles mögliche andichten, auch eine <em>Teufelsanbetung</em>.&nbsp;Begeistert erstattet man dem Herzog davon Bericht.</p> <p>Den <em>Hexen-Prozess</em>&nbsp;leitet der <em>Hofratskommissar&nbsp;</em>Dr. Johann Simon Wagnereckh.&nbsp;Zunächst befragt er den kleinen Hansel. Mit anwesend sind dabei die <em>Hofräte</em>&nbsp;Jacob Hainmüller und Ernst von Roming, ein <em>Schreiber</em>&nbsp;sowie der <em>Eisenmeister</em>&nbsp;Sebastian Georg, der zugleich der Verwalter des <em>Falkenturms&nbsp;</em>und oberster <em>Folterknecht</em>&nbsp;ist.</p> <p>Zunächst soll Hansel nur sagen, ob seine Brüder jemals <em>abgeschnittene Kinderhände</em>&nbsp;mit sich geführt hätten.&nbsp;Schockiert schüttelt Hansel den Kopf und gab damit das Zeichen für die <em>Folterknechte</em>.&nbsp;Nach der <em>Tortur</em>&nbsp;gesteht der Zehnjährige alles, was man ihm an Unterstellungen über seine Brüder eingeredet hat.&nbsp;</p> <ul> <li>Ja, sie haben Kindern die Hände abgeschnitten,</li> <li>ja, sie haben Schwangere ermordet, um an die Hände der Ungeborenen zu kommen.</li> <li><em>„Ja“</em>, immer wieder <em>„ja“</em>.&nbsp;</li> </ul>
19. April 1600<p><strong><em>München-Graggenau</em></strong> * Die Inquisitoren&nbsp;nehmen sich den Vater Paulus Pämb vor.&nbsp;Er kommt an den Wippgalgen, bei dem man an nach hinten gestreckten Armen und einem Gewicht an den Füßen hochgezogen wird.&nbsp;Auch sein Widerstand bricht schnell und er bestätigt jede nur mögliche Grausamkeit, die man ihm und seinen erwachsenen Söhnen unterstellt.</p> <p>Die Verhandlungsführer&nbsp;gehen immer nach dem gleichen Muster vor.&nbsp;Die gewünschten Antworten werden quasi vorformuliert und müssen von dem Opfer nur noch bestätigt werden.&nbsp;Was dann im Geständnis&nbsp;steht, ist also in der Regel der Phantasie der Befrager&nbsp;entsprungen.</p>
23. April 1600

Wien * Maria Anna, die Schwester von Herzog Maximilian I., wird mit Erzherzog Ferdinand II. von Innerösterreich, dem späteren Kaiser, verheiratet.

Um den 24. April 1600

München-Graggenau * Nach dem Vater muss Michael in den Wippgalgen. Doch der Bursche hält länger durch als sein Vater. Erst als man ihn zusätzlich mit einer brennenden Fackel unter den Achseln foltert, ist auch sein Wille gebrochen.

Er bestätigt, dass er Kinderhände zum Zaubern genutzt hat, gesteht Morde, Brandstiftungen, Einbrüche, Raubzüge und alle sonstigen Verbrechen, die man ihm suggeriert. Die Mutter habe ihm das Hexen beigebracht.

Bei seinem älteren Bruder Gumpprecht erzwingen die Folterknechte die Bestätigung für alles sowie weitere Gräueltaten. 

28. April 1600

München-Graggenau * Zuletzt widmen sich Hofkommissar Dr. Johann Simon Wagnereckh und die Hofräte Hainmüller und Roming der betagten Mutter Anna. Bei ihr fragt man nicht erst nach Morden oder anderen Verbrechen, sondern widmet sich gleich dem schlimmsten aller Verbrechen: der Hexerei und Teufelsanbetung. Dabei steht gar nicht zur Frage, ob sie eine Hexe sei. Das wird als Tatsache vorausgesetzt.

Die gemarterte Frau erfindet äußerst wilde Geschichten von der alten Zieglerin und dem Knecht, der der Satan gewesen sei, um den Qualen endlich ein Ende zu bereiten. Insgesamt gibt Anna Pämb zu, dass sie 100 Kinder und 19 alte Menschen mit ihren Zauberkünsten brutal ermordet habe. Ferner nennt sie rund 400 weitere Personen, die ebenfalls Hexerei betreiben. 

Um den 30. April 1600<p><strong><em>München-Graggenau</em></strong> * Einige Tage nach ihrem Folterverhör, nachdem sich die alte <em>„Pämbin“</em> wieder ein wenig erholt hat, widerruft sie ihre Aussage. Der Widerruf führt sie jedoch direkt zurück in die Folterkammer, wo sie erneut alles zugibt, was ihr die Inquisitoren&nbsp;des Herzogs Maximilian I. unterstellen.&nbsp;</p>
Mai 1600

München-Graggenau * Unter der „Tortur“ bezichtigen die Pämbs auch die Familie des Klostermüllers aus dem niederbaierischen Tettenwang der „Hexerei“.

Der Klostermüller, seine Frau Anna und beider Tochter Agnes, später auch Ursula genannt, sowie weitere Bekannte der Pämbs werden umgehend verhaftet, nach München gebracht und dort so lange gefoltert, bis auch sie grauenhafte, hexerische Untaten gestehen.

Dabei hatte der Klostermüller von Tettenwang den Pämbs lediglich geholfen und den fahrenden Bettlern Unterkunft und Essen gewährt. 

Mai 1600

München-Graggenau * Zur Erpressung von „Geständnissen“ unter der Anwendung der „Folter“ gehört auch das Denunzieren von Mitmenschen als „Hexen, Zauberer“ und „Teufelsbündler“.

Es war deshalb nicht verwunderlich, dass bei Erreichen des Höhepunkts der „Hexenverfolgung“ im Herzogtum Baiern der „Falkenturm“ bald überfüllt ist und aus diesem Grund ein „Stadtmauerturm“, unmittelbar neben der „Alten Münze“, als zusätzlicher „Hexenturm“ eingerichtet werden muss. 

Mai 1600

München-Graggenau * Paulus, Michael und Gumpprecht bestätigen im Lauf der nächsten Wochen, selbst „Hexer“ zu sein, den Teufel anzubeten und grässliche Verbrechen, die sie durch „Zauberei“ begangen haben.

Paulus Pämb hat im „Dienst des Teufels“ 44 Morde begangen.
Gumpprecht hat sogar 54 Menschen auf seinem jungen Gewissen und als ganz besonders blutrünstig erweist sich Michael mit 103 Morden.

Dass die über 300-fachen Mörder außerdem unzählige „Schadenzauber“, Diebstähle und Brandstiftungen begangen haben, spielt da kaum noch eine Rolle.

Aufgrund der „Denunziation“ werden zwei ihrer skrupellosen Gefährten verhaftet und mit den Pämbs vor Gericht gestellt: der Bauer Ulrich Schölz sowie ein Schneider namens Georg Schmälzl, die ebenfalls „gefoltert“ und zu „Geständnissen“ gezwungen werden.

Einzig den kleinen Hansel verschont man mit weiteren „Folterungen“

26. Juli 1600

München * Die Hofkommissare unter der Leitung von Dr. Johann Simon Wagnereckh fällen ihr Urteil. Nachdem sie es ausformuliert haben, begeben sie sich in den Falkenturm, wo sie den Malifikanten die Geständnisse vorlesen.

Es ist üblich, den Delinquenten drei Tage vor der Hinrichtung diese sogenannten Urgichten noch einmal zur Kenntnis zu geben, damit sie die Gelegenheit zur Korrektur haben und eventuell Denunziationen zu widerrufen. Aus panischer Angst vor weiteren Folterungen verzichten die Pämbs und ihre Mitangeklagten darauf, den Urgichten zu widersprechen. Danach gewährt man ihnen eine Henkersmahlzeit, die auch gebratenes Fleisch und Wein umfasst. 

29. Juli 1600

München-Graggenau * Am Morgen führt eine Delegation von berittenen Amtmännern, zwei Priestern und bewaffneten Soldaten die Delinquenten in Ketten vom Falkenturm zum Schrannenplatz, dem heutigen Marienplatz, zum „Malefizrechtstag“. Der gerade elf Jahre alt gewordene Hansel muss beim Bußamtmann der Stadt München auf dem Pferd mitreiten und alles mit ansehen.

Eine geifernde Menschenmenge wartet vor dem Rathaus und hofft auf eine spektakuläre Hinrichtung der Pämbs und ihrer Leidensgenossen. Obwohl der Herzog den Prozess führt, muss die Stadt München den Schauprozess und die Hinrichtung ausrichten. Als der Bannrichter Christoph Neuchinger schließlich die Todesurteile verkündet, wollen die Jubelschreie der Münchner kein Ende nehmen. 

29. Juli 1600

München * Nun demonstriert die herzogliche Justiz ihre unvorstellbare Bestialität. Noch auf der Freitreppe des Rathauses reißen der Henker und seine Helfer den Männern mit glühenden Zangen jeweils sechs Fleischstücke aus den Armen und dem Oberkörper. Danach schneidet man Anna Pämb die Brüste ab und schmiert sie ihr und den beiden Söhnen dreimal „umb das Maul“, mit dem Hinweis, dass aus diesen Brüsten solche abscheuliche Bubenstücke „gesogen“ wurden.

Schließlich verfrachtet man die Schwerstverwundeten auf zwei Schandkarren, um sie zum Galgenberg zu bringen, der vor den Toren der Stadt liegt, etwa an der Stelle, an der heute die Hackerbrücke auf die Landsberger Straße trifft. Tausende Schaulustige begleiten die Wagen, Hansel Pämb reitet auf dem Pferd des Bußamtmanns mit. 

29. Juli 1600

München-Maxvorstadt * Am Galgenberg werden die fünf Männer gerädert. Dazu bindet  man die Malefikanten auf ein scharfkantiges Balkengerüst und zerschmettert ihnen mit einem eisenbeschlagenen Richtrad die Gliedmaßen. Für gewöhnlich beginnt diese Bestialität bei den Unterschenkeln. Die Zahl und der Rhythmus der Schläge sowie die Reihenfolge der Gliedmaßen sind genau vorgeschrieben. Paulus Pämb wird nun zusätzlich „gespießt“. Der Henker rammt ihm einen kurzen Jagdspieß durch den After in den Unterleib.

Der letzte Akt der Justizwillkür im Namen des Herzogs Maximilian I. ist der Feuertod. Man zerrt die Pämbs und ihre Bekannten zu ihren Scheiterhaufen, bindet sie an - Anna setzt man dabei auf einen Stuhl- und verbrennt die „Teufelsbrut“ lebendig und „unter jämmerlichem Geschrei“

29. Juli 1600

München-Maxvorstadt * Das wohl mit weitem Abstand Verabscheuungswürdigste der Hinrichtung aber ist, dass der inzwischen elfjährige Hansel Pämb, auf dem Pferd des Bußamtmanns sitzend, der qualvollen Hinrichtung seiner Eltern und Brüder beiwohnen muss. Doch auch dem Kind bleibt der spätere Feuertod nicht erspart, da Hansel ja schon „im Mutterleibe dem Teufel geweiht und an seiner Stelle ein anderes gestohlenes Kind getauft worden sei“

11. August 1600

München-Graggenau * Die zwanzigjährige Agnes Klostermüller wird elfmal „aufgezogen“, davon zehnmal belastet mit einem fünfzig Pfund schweren Stein. Das Mädchen bleibt standhaft, obwohl ihm alle Glieder zerrissen werden. Nichts, außer der Beteuerung ihrer Unschuld, ist aus ihr herauszubringen.

Vor dem Beginn der Folter spricht Hofrat Dr. Johann Simon Wagnereckh lateinische Verse und Psalme über sie, um sie zu „entzaubern“. Da hier der Name Jesus vorkommt, sagt Agnes Klostermüller: „sie wolle diesen Jesus nit [in dessen Namen man Unschuldige martert] sondern wolle den haben, der sie erschaffen und für sie am Stamme des Kreuzes gelitten“.

Nach der Folter lässt man Agnes für etwa zehn Wochen in Ruhe. 

20. Oktober 1600

München-Graggenau * Agnes Klostermüller wird erneut zur Tortur geschleppt. Dann, nach viermaligen Aufziehen ist ihre Kraft endgültig gebrochen.

24. Oktober 1600

München-Graggenau * Ein Selbstmordversuch der eingesperrten und gefolterten Agnes Klostermüller scheitert. Gebrochen und verzweifelt erzählt sie nun alles, was man von ihr hören will: 

  • „Sie habe eine Menge Kinder umgebracht,
  • habe an dreißig Herzlein [von Kindern] gegessen,
  • habe acht alte Leute durch Bestreichen mit der Salbe getötet,
  • sei ausgefahren, besonders zu Brunn im Schloss in den Keller, wo sie guten Wein getrunken.
  • Des Edelmanns Weib dort habe sie ‚erkrümbt‘. 
  • Sie habe an 20 Rinder gefällt, vielen Kühen die Milch benommen, fünf Wetter [...] gemacht.“ 
13. November 1600

Vatikan * Papst Clemens VIII. teilt den Karmeliter-Orden in zwei selbstständige Kongregationen auf.

  • In eine Spanische, die für die Länder der spanischen Krone, also Spanien, Portugal und Mexiko, zuständig ist.
  • Und in eine Italienische, die sich in der übrigen Welt ausbreiten soll.
26. November 1600

München-Maxvorstadt * Die Scheiterhaufen auf dem Münchner Galgenberg lodern erneut. Diesmal befindet sich neben der Agnes Klostermüller und ihrer Mutter Anna, der Weber Hans Stumpf, Glashansl genannt, und der Brotträger Augustin Baumann. Auch der elfjährige Hansel Pämb wird dem Feuer übergeben.

Der alte Klostermüller stirbt noch im Falkenturm. Es ist ungewiss, ob an den Qualen der Folter oder durch einen Selbstmord. 


1601

1601

Lüttich * Der Baiernprinz Ferdinand wird Bischof im Bistum Lüttich. 


1603

1603

Rom * Der „Karmeliter-Pater“ Dominicus a Jesu Maria ist in Rom tätig.


1604

1604

München-Kreuzviertel * Der heilige Benno wird von Herzog Maximilian I. zum „Stadtpatron Münchens“ erklärt.

Der triumphbogenartige „Bennobogen“ wird in der „Frauenkirche“ erstellt.


1606

10. Februar 1606

Paris • Christine Marie von Frankreich, die spätere Mutter der baierischen Kurfürstin Henriette Adelaide, kommt in Paris zur Welt. 

26. April 1606

Donauwörth * In Donauwörth zieht die katholische Minderheit - unter Verletzung des „Augsburger Religionsfriedens“ - aus Anlass einer jährlich stattfindenden „Bittprozession“ mit „fliegenden Fahnen“ vom „Kloster Heiligenkreuz“ aus. 

Es kommt zum Konflikt mit der protestantischen Mehrheit, die die Katholiken spontan verprügelt.

Donauwörth ist eine der acht „Freien Reichsstädte“, in denen nach den Bestimmungen des „Augsburger Religionsfriedens“ Katholiken und Protestanten das „Recht freier Religionsausübung“ genießen.

Juni 1606

Donauwörth * Laurentius von Brindisi, ein führendes Mitglied des Kapuzinerordens, befindet sich auf dem Weg ins kaiserliche Wien. In der Reichsstadt Donauwörth wird er von einer Menge umzingelt und mit den Worten „Kapuziner, Kapuziner, Speck, Speck!“ verunglimpft und am Weitergehen behindert.


1607

1607

München-Kreuzviertel * Der alte „Drei­flügelaltar“ aus dem 15. Jahrhundert wird im Rahmen der Neugestaltung des „Chorraumes“ der „Frauenkirche“ abgerissen.  

An seine Stelle tritt ein Provisorium, für das die von Hubert Gerhard geschaffene „Madonna mit dem Kind“ verwendet wird.  
Allerdings fehlt dieser Lösung die absolut nötige Monumentalität für den Chorabschluss der „Frauenkirche“

16. März 1607

Wien - München - Donauwörth * Kaiser Rudolf II. bevollmächtigt Herzog Maximilian I. mit dem Schutz der katholischen Minderheit von Donauwörth.

26. April 1607

Donauwörth * Zur nächsten „Markusprozession“ schickt der Kaiser „Kommissare“ nach Donauwörth, die einen geregelten Ablauf sicherstellen sollen.

Doch die Protestanten belagern das „Kloster Heiligkreuz“ und lassen weder die „Kommissare“ noch die „Katholiken“ zur Prozession aus dem Kloster.
Der ausschließlich aus Protestanten bestehende Stadtrat toleriert dieses Verhalten.

3. August 1607

Wien - Donauwörth * Kaiser Rudolf II. verhängt - auf Antrag Herzog Maximilians I. - die Reichsacht über Donauwörth und beauftragt den baierischen Herzog mit ihrer Exekution.

17. Dezember 1607

Donauwörth * Donauwörth muss vor der baierischen Militärmacht kapitulieren.


1608

1608

München * Die „schwarze Christlin“ mit etlichen „Ansegenweibern, die sich des Ansegnens und Zauberwerks gebrauchen“ kommen in Haft. 

April 1608

Regensburg * Auf dem „Regensburger Reichstag“ kommt es zum Eklat zwischen Protestanten und Katholiken.

Die katholischen Fürsten stellen einen Antrag auf „Restitution aller Kirchengüter“, die seit 1552 säkularisiert worden sind. 
Davon betroffen wären rund 500 Klöster und Konvente vor allem in Niedersachsen und Württemberg, die Erzbistümer Bremen und Magdeburg sowie 15 reichsunmittelbare Bistümer in Norddeutschland.

Die protestantischen „Landesstände“ verlassen daraufhin den „Reichstag“.

Das „Restitutionsedikt“ wird erst 1629 beschlossen.

12. April 1608<p><strong><em>München</em></strong> * Dr. Johann Simon Wagnereckh präsentiert einen ersten Entwurf des von ihm ausgearbeiteten baierischen Aberglaubens- und Hexenmandat.&nbsp;Mehrere Räte&nbsp;kritisierten seine <em>„übergroße Schärfe“</em>.</p> <p>Zu einer Verabschiedung des Mandats&nbsp;kommt es nicht mehr, weil dadurch ein Machtkampf zwischen den Zelanten&nbsp;[= Eiferer] und den Politikern&nbsp;ausgebrochen ist und sich die beiden Gruppen gegenseitig blockieren.&nbsp;</p>
Mai 1608

Markt Schwaben * Der „Beyerin von Winden“, einer Bäuerin aus der Gegend um Markt Schwaben, wird der Prozess gemacht. 

„Ankläger“ ist erneut der „Hofrat“ Dr. Johann Simon Wagnereckh.

Es kommt wiederholt zur Auseinandersetzung mit dem „Hofoberrichter“ Dr. Bernhard Barth von Hermatingen, sodass sich der Prozess monatelang hinzieht und die Frau im Mai 1608 einen Selbstmord verübt. 

14. Mai 1608

Auhausen * Aufgrund der Donauwörther Ereignisse und zunehmender Spannungen mit den Katholiken gründen protestantische Reichsstände in Auhausen an der Wörnitz im Fürstentum Ansbach die Union, ein Defensivbündnis. Durch den Beitritt weiterer Stände wächst die Zahl der Mitglieder auf insgesamt acht Fürsten, den Grafen von Oettingen und 17 Städte an. 

Christian I. von Anhalt-Bernburg übernimmt das Direktorium der Union, die er durch Bündnisse mit England, den Niederlanden und Schweden außenpolitisch absichert. 

26. Mai 1608

Donauwörth * Während der Fronleichnams-Prozession geht ein schweres Gewitter über der Stadt Donauwörth nieder, das man sich nur mit Schadenszauber und Hexerei erklären kann. Birgit Schuster und Paul Ritter werden als Verursacher des Unwetters verhaftet.

Birgit Schuster gesteht unter der Tortur, nennt über hundert weitere Hexen und wird verbrannt. Paul Ritter wird ebenfalls den Flammen übergeben. Durch die Denunziation werden weitere 17 „Unholdinnen“ angeklagt. 

13. Juli 1608

Graz * Ferdinand III., der spätere Kaiser, wird in Graz geboren. 


1609

1609

München * Herzog Maximilian I. will eine Verbesserung der mittelalterlichen Stadtbefestigung, da diese den Anforderungen der neuen Kriegstechnik nicht mehr entspricht.

Der Stadtmagistrat lehnt den Vorschlag aus Kostengründen ab.

März 1609

Wemding * Der „Donauwörther Hexenprozess“ greift durch Denunziation auf Wemding über.

Auch der dortige „Pfleger“ Konrad Bemelberg d. J., der Sohn des Donauwörther „Statthalters“, erhält vom Münchner „Hofrat“ Dr. Johann Simon Wagnereckh eine „Blankovollmacht“ zur „Folteranwendung“.
Das Amt des „Richters“ übt Dr. Gottfried Sattler aus.

Neun Frauen und ein Mann werden daraufhin der „Hexerei“ bezichtigt und später hingerichtet. 

3. Juni 1609

München - Wien * Herzog Maximilian I. präsentiert dem Kaiser für die Exekution von Donauwörth eine Rechnung in Höhe von 255.403 Gulden. Kaiser Rudolf II. verpfändet daraufhin dem baierischen Herzog dafür die Reichsstadt DonauwörthMaximilian I. lässt umgehend die Ausübung des protestantischen Glaubens verbieten und führt die Gegenreformation und damit die Rekatholisierung ein.

9. Juli 1609

Prag * Kaiser Rudolf II. und zugleich König von Böhmen stellt den sogenannten Majestätsbrief aus. Er gewährt den evangelischen Landständen des Königreichs Böhmen besondere Privilegien zu. Der Majestätsbrief beinhaltet

  • das Recht der Stände den König zu wählen,
  • er erlaubt den Protestanten den Bau von Kirchen und Schulen in den Städten und auf dem Land,
  • er beendet die gegenreformatorischen Bestrebungen der katholischen Adeligen, indem er die gewaltsame Bekehrung der Untertanen verbietet, und
  • er überträgt den Protestanten die bis dahin angeeigneten Kirchengüter.
10. Juli 1609

München * In München gründen katholische Fürsten die Liga, die zunächst nur ein Bündnis oberdeutscher katholischer Reichsstände darstellt. Baierns Herzog Maximilian I. wird ihr Bundesoberst.

30. Juli 1609

München * Die drei geistlichen Kurfürsten (Köln, Mainz, Trier) treten der katholischen Liga bei.


1610

1610

München - Mainz * Die „Liga“ wird in ein oberländisches und ein rheinisches Direktorium unter der Leitung von Maximilian I. und dem Mainzer Kurfürsten eingeteilt.

Die militärische Leitung der Gesamt-“Liga“ bleibt beim baierischen Herzog.
Johann Tserclaes Graf von Tilly wird „Bundesfeldherr der katholischen Liga“.

13. Januar 1610

Graz • Maria Anna, die Tochter des römisch-deutschen Kaisers Ferdinand II. und der baierischen Herzogin Maria Anna, spätere zweite Ehefrau des baierischen Kurfürsten Maximilian I., kommt in Graz zur Welt. 

30. März 1610

Bamberg * Friedrich Förner hat in Bamberg ein „Aberglaubens- und Hexenmandat“ erlassen. 

Um Mai 1610

München * Noch während die „Wemdinger Hexenprozesse“ laufen, nutzt der „Hofratskanzler“ Dr. Johann Simon Wagnereckh die Gunst der Stunde und bringt seinen abgeschmetterten Vorschlag für ein „Aberglaubens- und Hexenmandat“ wieder aufs Tablett. 

6. Juni 1610

Annecy • Das erste Kloster des Ordens der Heimsuchung Mariens wird in Annecy, der Stadt, in der Franz von Sales als Bischof lebt, gegründet. Der Orden wird von Franz von Sales und Franziska von Chantal gegründet.

Die Ordensgründer wollen mit diesem Namen die aktive Tätigkeit des Neuen Ordens ausdrücken: Heimsuchungsschwestern sollten Arme, Kranke und Bedürftige daheim aufsuchen, um sie zu unterstützen. 

Oktober 1610

Augsburg * Bischof Heinrich V. von Knöringen erlässt ein entsprechendes „Aberglaubens- und Hexenmandat“ für das „Hochstift Augsburg“.

Sie alle stehen damit in einer Linie mit den fränkischen Bischöfen und den Fürsten in München sowie Köln und zählten zu den von Papst Urban VIII. so bezeichneten „Zelanten“


1611

1611

München * Der Münchner Rat verhält sich gegenüber der Ausweisung der „Schlafweiber“ weiterhin so zurückhaltend, dass in den Jahren 1611, 1612 und 1613 der „Befehl wegen Ausweisung der Priesterkonkubinen“ von Herzog Maximilian I. wiederholt werden muss.  

Der Befehl sieht bei der Vernehmung der „Konkubinen“ auch die Anwendung des „Daumenstocks“ vor. 

24. Januar 1611

München * Der Jurist Dr. Cosmas Vagh, der wegen seinen Positionen und seiner Härte in der Hexenverfolgung berüchtigt ist, hat ein „Landgebott wider die Aberglauben, Zauberey, Hexerey und andere sträffliche Teuffelskünste“ verfasst, das er nun persönlich dem Gremium des Hofrats in aller Ausführlichkeit vorträgt. Zuvor war es inhaltlich mit den Jesuiten abgestimmt worden. Die Hofräte verabschieden das Hexen-Mandat noch in der gleichen Sitzung. 

Februar 1611

München * Abschließend wird das baierische „Aberglaubens- und Hexenmandat“ dem „Hofratskanzler“ Dr. Johann Simon Wagnereckh zur abschließenden Kontrolle vorgelegt, bevor es in der Druckerei der „Anna Bergin wittib“ im Februar 1611 auf Papier gebracht wird.

Wie so oft, handelt „Hofratskanzler“ Wagnereckh auch hier wieder eigenmächtig.

Das Werk geht in Druck, bevor es Herzog Maximilian I. unterzeichnet hat - und damit nicht rechtskräftig ist. 

12. Februar 1611

München * Das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ liegt in gedruckter Form vor. 

28. März 1611

München * Der Geheime Rat kann sich erst jetzt mit dem Hexen-Mandat befassen. Er nimmt - besonders an den Paragraphen, in denen es um die Konfiszierung von Eigentum geht - umfangreiche Korrekturen vor und erklärt, dass er das Mandat in der vorliegenden gedruckten Form nicht veröffentlichen will. 

23. Mai 1611

Prag * Die Böhmischen Stände krönen Kaiser Rudolfs II. Bruder Matthias zum Böhmischen König, nachdem er die im Majestätsbrief gegebenen Bestimmungen zugesagt hat.

Um Juli 1611

München * Der aus Ingolstadt stammenden Dr. Schober mit der Untersuchung der „Prozess-Umstände“ von Wemding beauftragt.  

Schobers Urteil ist für den „Hexenrichter“ Dr. Gottfried Sattler niederschmetternd, woraufhin alle in München und Wemding Angeklagten auf Befehl des „Hofrats“ freigelassen werden müssen.

Dafür wird Dr. Sattler verhaftet und in den „Falkenturm“ nach München gebracht.
Die Kosten der Untersuchung durch Dr. Schober und die Unterbringung der vier Verdächtigen im „Falkenturm“ werden dem „Hexenrichter“ Sattler und dem „Gerichtsschreiber“ aufgebrummt.

Bei den Vernehmungen kommen nicht nur die „Unterschlagungen und Veruntreuungen“ in Höhe von 3.000 Gulden ans Tageslicht, sondern auch ein „adulterium“, eine unzüchtige sexuelle Handlung.

Damit ist die Geduld des „Hofes“ erschöpft und das Todesurteil über den „Hexenrichter“ schnell gefällt.
Und das, obwohl er aus dem Kreis der „Hofräte“, die sich zur „Partei der Hexenprozess-Befürworter“ zählen, massive Unterstützung erhält. 


1612

1612

München * Das Kräfteverhältnis im „Hofrat“, dem zentralen kurfürstlichen Entscheidungsträger in der „Justiz“, hat sich zu Gunsten der verfolgungskritischen „Politiker“ verändert. 

Ab 1612

Bamberg * In den fränkischen „Hochstiften“ erreichen die „Hexenverfolgungen“ einen neuen Höhepunkt.

Vor allem der Bamberger „Weihbischof“ Friedrich Förner tut sich als Antreiber hervor.
In der Zeit von 1610 bis 1630, in der er sein einflussreiches Kirchenamt ausübt, fordert er fanatisch die „Ausrottung der Trudner“, wie man hier die „Hexen“ bezeichnet.

Noch während der ersten „Verfolgungswelle“ der Jahre 1612/13 kommt es zur „Hinrichtung“ von 15 „Hexen“

19. Januar 1612

München * Wegen zu erwartender kriegerischer Auseinandersetzungen mit der protestantischen Union fordert Herzog Maximilian I. erneut den Aus- und Umbau der Münchner Stadtbefestigung. Er argumentiert zusätzlich mit der Möglichkeit einer Erweiterung des ummauerten Stadtgebiets. Doch auch die Landstände Versagen ihre Zustimmung aus finanziellen Gründen.

20. Januar 1612

Prag * Kaiser Rudolf II. stirbt in Prag. Sein Bruder Matthias wird daraufhin Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Entgegen seinem Versprechen hält er sich jedoch nicht an die den Böhmischen Ständen gegebenen Zusagen im Majestätsbrief. 

21. Januar 1612

München * Der Geheime Rat schickt das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ wieder zurück, weshalb es den Beamten erst im März 1612 zugänglich gemacht werden kann. Die für den voreiligen Druck verantwortlichen Hofräte Dr. Cosmas Vagh und Dr. Hieronymus Faber mussten die Korrekturen als Strafarbeit persönlich in die anderen Exemplare übertragen.

Das Verhalten des Hofrats gegenüber dem Geheimen Rat löst auch die Untersuchung der Vorgänge in Wemding aus. 

17. Februar 1612

Arnsberg - Köln * Kölns Kurfürst und Erzbischof Ernst stirbt bei einem Jagdausflug im westfälischen Arnsberg in Westfalen. Er wird im Kölner Dom beigesetzt. Sein Nachfolger wird der jüngste Sohn von Herzog Wilhelm V., Herzog Ferdinand von Baiern, der Bischof von Lüttich.

Er erhält nun zusätzlich das Bistum Köln einschließlich der Kurfürstenwürde, dazu die Bistümer Hildesheim und Münster, ohne dass dagegen der Papst, der Kaiser oder die Fürsten einschreiten. Nur das Freisinger Domkapitel widersteht allen Einschüchterungsversuchen des Münchner Hofs. 

Ferdinand zeigt sich als kompromissloser Vorkämpfer einer kirchlichen Restauration auf der Grundlage des Trienter Konzils. Trotzdem weigert er sich lebenslang, die höheren Weihen zu empfangen und als konsekrierter Bischof seiner Ämter zu walten. Selbst die Jesuiten in seiner Umgebung, die als ständige Berater und Beichtväter die einflussreichsten Positionen einnehmen, können Ferdinand diese Entscheidung nicht abringen. 

März 1612

München * Erst jetzt ist das „Herzogliche Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ den Beamten zugänglich gemacht.

Das „Landgebott wider die Aberglauben Zauberey Hexerey und andere sträffliche Teufelskünste“ umfasst 40 Seiten und ist das umfangreichste „Gesetz gegen die Hexerei, Zauberei und Aberglauben“, das jemals in Mitteleuropa publiziert worden ist.

Es listet 52 strafbare Formen von „Aberglauben“ auf.
Darunter beispielsweise Wahrsagen, Astrologie, Geisterbeschwörung, Ausgraben von Leichen und Alraunen, abergläubisches Schatzsuchen, Ungezieferbeschwörung, Wetter- und Bildzauber, Bannung von Geistern und Krankheiten durch Ansegnen, Missbrauch von Scharfrichterutensilien und so weiter.

Ausdrücklich wird „guter“ und „schlechter Zauber“ gleichgesetzt.
Auch harmloser „Aberglaube“ gilt als „Vorstufe zum Hexenverbrechen“.

Jede Form von „Zauberei“ muss ausgerottet werden, weil sonst „Gott der Allmechtig zu billichem Zorn gegen uns Menschen bewegt und unser Landt und Leuth mit thewrung Krieg und Pestilentz auch andern mannigfaltigen Plagen straffen und angreiffen möchte“.  
Schließlich ist es Aufgabe der Obrigkeit, die „Ehre Gottes“ zu retten.

Als besonders tatverdächtig werden im Bereich des „Aberglaubens“ die „Schmiede auf dem Lande“, die „alten Weiber“ und die „Nachrichter“ genannt.

Erstmals wird für den Bereich des Herzogtums Baiern nun auch der „Teufelspakt“ als Straftat ausformuliert. 

21. Juli 1612

München * Zur Veröffentlichung des Hexenmandats muss dieses von der Kanzel verlesen werden. Doch der Landrichter von Friedberg berichtet, dass sich die Priesterschaft im Bezirk der Verlesung des Hexenmandats verweigern würde und führt dies auf den Einfluss der zuständigen Bischöfe zurück.

Außerdem untersagt der Geheime Rat dem Hofrat die Veröffentlichung des Mandats in den Hofmarken. Damit zeigt das Mandat keine allzu große Wirkung. 


1613

1613

München * Tobias Volckmer sticht den ältesten „Stadtplan Münchens aus der Vogelperspektive“ in Kupfer. 

1613

München * Der Münchner „Henker“ Hans Stadler wird angeklagt, weil er gestohlene Sachen durch „Zaubern“ wieder zurückholen kann und diese „Kunst“ für 12 Gulden einem Mitglied aus der Adelsfamilie der Taufkirchner zur Verfügung stellte. 

23. Mai 1613

München - Markt Schwaben * Herzog Maximilian I. macht der Vorschlag, das Urteil gegen Dr. Gottfried Sattler außerhalb von München zu vollstrecken, um so ein größeres Aufsehen zu vermeiden. Dr. Gottfried Sattler wird wenig später in Markt Schwaben hingerichtet. Es ist aber nicht die willkürliche Art seiner Prozessführung, die zu seiner Verurteilung führt, sondern

  • die „Unterschlagung und Veruntreuung“ und damit
  • die „Schmälerung der landesherrlichen Einnahmen“

Erst nach dem Wemdinger Fiasko setzt sich beim Hofrat eine vorsichtigere Verfolgungspraxis durch. Die Außenbeamten werden jetzt sorgfältiger überwacht und voreilige Maßnahmen frühzeitiger gerügt. In der Folgezeit endeten die meisten Untersuchungen wegen Zauberei mit strengen Verweisen. 

23. Oktober 1613

Wien * Kaiser Matthias will die katholische Liga mit der Einrichtung eines dritten Liga-Direktoriums für Erzherzog Maximilian unter habsburgische Kontrolle bringen.

11. November 1613

Neuburg * Magdalena, eine Schwester von Herzog Maximilian I., geht in München eine Ehe mit dem protestantischen Herzog Wolfgang-Wilhelm von Pfalz-Neuburg ein. Der Pfalzgraf konvertiert bei dieser Gelegenheit zum katholischen Glauben.


1614

1614

München * Die Gebrüder Bettaga bitten um Aufnahme als Bürger und wollen ebenfalls eine Seidenhandlung eröffnen. Und das, obwohl „ein Verschleiß in nicht katholischen Ländern besser ist“.

Sie begnügen sich jedoch nicht mit einem einfachen Geschäft, sondern errichten dazu eine Seidenspinnerei. Das Unternehmen soll „jährlich bis zu 7.000 Seelen, arme, meist junge Leuthe abrichten und ernehren, welche sonst dem müssiggang und Petl nachgehen“.

Die Bettegas führen das Geschäft ganze sieben Jahre. 

1614

Neuburg * Pfalz-Neuburg tritt aus der protestantischen „Union“ aus.

1614

München * Der zwölfjährige Onophrius Mießl kommt in den Verdacht der „Hexerei“, nachdem er dreimal hintereinander eine geronnene Milch heimbrachte.

Mit vorformulierten Fragen stimuliert das „Kürschnerehepaar“, bei dem er angestellt ist, ihn zu „Hexereigeständnissen“.

Auf Anraten eines Paters wird der „Stadtrichter“ vom Verdacht informiert und der Junge unter Einsatz der „Folter“ verhört.

Der Rat der Stadt stellt abschließend fest, dass das Geständnis ein „erdichtetes Lügen- und Fabelwerk“ sei und sperrt statt des Knaben das „Kürschnerehepaar“ acht Tage bei „Wasser und Brot“ ins Gefängnis. 

1. März 1614

München * Mit einem herzoglichen Mandat wird wieder einmal der Versuch gestartet, Bettler, müßiggehendes Gesindel und herrenlose, bewaffnete Soldaten zu bekämpfen. 

25. April 1614

München * Nach einem Befehl des Stadtrats müssen alle fremden Bettler durch die städtischen Amtsleute aus dem Münchner „Burgfrieden“ geschafft werden. 

Wer wieder zurückkommt, wird mit Peitschenhieben bestraft werden.

20. Juni 1614

München-Angerviertel * Für den Wiederaufbau des im Jahr 1607 durch Blitzschlag abgebrannten Turm der Peterskirche genehmigt der Stadtrat 1.000 Gulden Bausteuer. Weitere städtische Zuschüsse werden folgen. 

4. November 1614

München * Maria Pettenbeck, die Gemahlin von Herzog Ferdinand, stirbt. 

21. November 1614

München * Gabriel Ridler bittet den Stadtrat, seinen Sohn Ernst „wegen seiner vielen Schulden und seines liederlichen Lebenswandels“ im Turm einzusperren. Der Rat der Stadt bewilligt die Bitte, da man schon öfter „ungeratene Kinder auf diese Weise coerciert“ hat. 


1615

8. August 1615

München * Das ständige Drängen Herzog Maximilians I. zeigt Erfolg. Der Magistrat der Stadt gibt seine Zustimmung zum Ausbau der Festungsanlagen.

12. September 1615

München-Graggenau * Ohne eigenes Zutun kommt das Münchner Stadtgericht zu einem Hexenprozess. Eine Bettlerin wird nach einem Selbstmordversuch festgenommen und diese erklärt dazu völlig unerwartet, dass sie, Barbara „Bärbl“ Schwerzin, „vom Teufel besessen“ und sie, ihre Schwester Elisabeth „Elsl“ und besonders ihre Mutter Katharina Hexen seien. An diesem 12. September beginnt der Hexenprozess. 

4. Dezember 1615

München-Graggenau * Der Stadtrat beschließt die Hinrichtung der drei Hexen: Barbara „Bärbl“, Elisabeth „Elsl“ und Katharina Schwerzin. Auch der Hofrat schließt sich dem Vorschlag an. Doch nun stellt sich Herzog Maximilian I. gegen die Auffassung des Stadtrats und seiner eigenen Justizbehörde.  

Auf Drängen Herzog Maximilians I. nimmt dieser städtische Hexenprozess beinahe wieder ausufernde Formen an. Getreu der Doktrin: „Wo eine Hexe ist, da sind noch mehr zu finden.“ 


1616

Ab 1616

Bamberg * In der zweiten „Verfolgungswelle“ des Bamberger „Weihbischofs“ Friedrich Förner zwischen 1616 und 1622 müssen erneut 159 Menschen als „Hexen“ sterben. 

Ab 1616

Würzburg - Tübingen * In Würzburg kommt es unter „Fürstbischof“ Julius Echter von Mespelbrunn zu ersten Verfolgungen.

In einem Tübinger Bericht berichtet ein anonymer Verfasser über den aufkeimenden „Hexenwahn“ im Hochstift:

„Auß dem Bißthum Würzburg: Gründliche Erzehlung der Bischof zu Würzburg das Hexenbrennenim Frankenland angefangen, wie er dasselbeforttreiben, und das Ungeziffer gentzlich außrotten wil, und allbereit zu Geroltzhoffen starke Brände gethan, hinführe alle Dienstag thun will“

14. Januar 1616

München * Herzog Maximilian I. legt nach erbitterten Auseinandersetzungen das Bundesobristenamt der katholischen Liga nieder.

21. Januar 1616

München * Der Hexenprozess gegen Barbara, Elisabeth und Katharina Schwerzin wird wieder aufgenommen. Nach den Geständnissen der Elsl Schwerzin unter der Folter werden vier weitere Frauen verhaftet, jedoch im Mai wieder entlassen. Am letzten Gerichtstag widerrufen die Mutter Katharina und ihre Tochter Bärbl alles vorher gesagte; nur Elsl bleibt bei ihren früheren Aussagen.

Das Stadtgericht nimmt nun den Prozess mit verstärkter Anwendung der Folter wieder auf, prüft aber die erzwungenen Aussagen besser nach und muss feststellen, dass die Aussagen frei erfunden und erlogen sind. 

25. Juni 1616

München * Aufgrund der großen und langanhaltenden Hitze beginnt man mit der Getreideernte. Fünf Bittprozessionen werden abgehalten. Doch die Hitze schadet den Feldern so sehr, dass Getreidemangel eintritt und jede Ausfuhr von Hafer, Flachs, Hanf, Garn, Wolle und Schmalz verboten wird. 

Um den 14. September 1616

München * Nach der Hitzeperiode lässt ein Hochwasser die Flüsse über die Ufer treten. 

29. September 1616

München * Mit dem Landrecht Herzog Maximilians I. wird die endgültige Rechtseinheit in Baiern hergestellt, die alle Rechtsgebiete umfasst. Damit ist Baiern eines der wenigen deutschsprachigen Territorien, das über eine systematisch erfasste und in allen Rechtsangelegenheiten abgestimmte Landesgesetzgebung verfügt.  

Die Landes- und Polizeiordnung enthält:  

  1. Eine Polizeiordnung.  
  2. Das Landrecht, das einheitlich für Ober- und Niederbaiern gültige Zivilrecht, das bis 1756 in Kraft bleibt.  
  3. Eine Gerichtsordnung, die den ordentlichen Prozess auf der Grundlage der Gerichtsordnung von 1520 regelt.  
  4. Die summarische Prozessordnung, die bis 1753 Gültigkeit hat.  
  • Sie schreibt unter anderem das Wandern der Handwerksgesellen als Grundlage für den Erwerb der Meisterschaft vor.  
  • Sie enthält eine allgemeine Fischordnung für Donau, Salzach, Isar und den Inn usw..  
  • Sie schafft in der Malefizordnung die Strafe des Ertränkens ab.
29. September 1616

München * Herzog Maximilian I. erneuert das Aufenthalts-, Handels- und Gewerbeverbot für Juden in Baiern.

8. November 1616

München * „Elsl“ Schwerzin wird als Hexe hingerichtet, die „Alte“ Schwerzin freigelassen und von der Stadt versorgt. „Bärbl“ gibt in ihrer Verwirrung immer neue Geständnisse ab, denen der Stadtrat aber keinen Glauben mehr schenkt. 


1617

Anno 1617

Rom * Papst Paul V. lässt die Bronzefigur einer „Maria Immaculata“ in Rom bei „Santa Maria Maggiore“ auf eine antike Säule stellen. 

1617

Eichstätt * Im „Bistum Eichstätt“ beginnen die Hexen-Verfolgungen.

Dort ist es Johann Christoph von Westerstetten, der sich bereits im „Bistum Ellwangen“ als fanatischer „Hexenbischof“ hervortat und an seiner neuen Wirkungsstätte die „Hexen-Verfolgungen“ forciert.

In seiner Amtszeit zwischen 1617 und 1630 lassen sich mindestens 155 Hinrichtungen [133 Frauen und 22 Männer] nachweisen. 

Mit seinem Tod enden auch die Verfolgungen.
Auch in Eichstätt gehen die Verfolgungen durch alle sozialen Schichten, Opfer werden Bürgermeister, Ratsherren und deren Frauen ebenso wie der „Klosterrichter“ und andere. 

27. Mai 1617

München * Herzog Maximilan I. gründet zusammen mit Würzburg, Bamberg, Eichstätt und Ellwangen eine neue katholische Liga.

29. Juni 1617

Prag * Aufgrund seines angegriffenen Gesundheitszustandes wählen die böhmischen Landstände Erzherzog Ferdinand - noch zu Lebzeiten von Kaiser und König Matthias - zum designierten König von Böhmen, nachdem auch er die im Majestätsbrief garantierten Freiheiten und Privilegien beeidet. Erzherzog Ferdinand II. wird von dem böhmischen Ständen - trotz seines bekanntermaßen kämpferischen Katholizismus - zum König gewählt und im Prager Veitsdom feierlich gekrönt.

Doch die an den herzoglichen, königlichen und kaiserlichen Höfen sitzenden und Einfluss habenden Jesuiten wollen - ebenso wie der spanische Hof - die Bestimmungen des Majestätsbriefes rückgängig machen. Sie ersinnen eine Gegenstrategie, in deren Folge zwei protestantische Kirchen abgerissen werden.


1618

1618

Ungarn * König Ferdinand II. wird vom ungarischen Reich als König anerkannt.

1618

Augsburg * Besonders unverständlich erscheint uns die nicht zu unterschätzende Anzahl von „Hexenprozessen gegen Kinder“

In der „Reichsstadt Augsburg“ finden in den Jahren zwischen 1618 und 1730 acht derartige Verfahren statt, in denen 45 Kinder und Jugendliche betroffen sind.

Ein Drittel davon sind Mädchen, der Rest sind Knaben, die alle dem „Unterschichtenmilieu“ entstammten. 

Um Januar 1618

München-Angerviertel * „Bärbl“ Schwerzin wird dem „Heiliggeist-Spital“ übergeben.

„Das Costgelt trag die Stadtchammer“

Um März 1618

Prag * Die protestantischen „Landstände“ in Böhmen rufen einen „Landtag“ ein, auf dem sie die im „Majestätsbrief“ gewährten Rechte verletzt sehen und beim Kaiser Beschwerde einlegen.

Dessen Antwort ist kurz und bündig. Er verbietet weitere Sitzungen des „Landtags“ und setzt damit den „Majestätsbrief“ faktisch außer Kraft.

21. Mai 1618

Prag * Obwohl Kaiser Matthias das Zusammentreten des böhmischen Landtags - bei Strafe - verboten und damit den Majestätsbrief faktisch außer Kraft gesetzt hatte, kommen die Ständevertreter zur Versammlung. 

23. Mai 1618

Prag * Die Ständevertreter begeben sich in das Schloss auf dem Hradschin, um die kaiserlichen Beamten zur Rede zu stellen. Es kommt zu einem heftigen Streit, in dessen Folge die Aufständischen zwei Statthalter Ferdinands samt deren Sekretär aus einem Fenster der Burg werfen. Doch die katholischen Statthalter überleben, was in der katholischen Propaganda umgehend zu einer Engels- und Marienerscheinung und damit zu einem Wunder umgedeutet wird.

Weniger pathetische Stimmen sprechen von einem Misthaufen der den Sturz abgemildert hat. Doch auch einen Misthaufen hätten - nach einem freien Fall aus 18 Metern Höhe - drei Ungeübte nicht so leicht überstanden, dass sie hinterher noch in der Lage gewesen wären wegzulaufen. Die Lösung liegt wahrscheinlich an der unter dem Fenster schräg verlaufenden Wand. Durch die kleinen Fenster konnten die Delinquenten nicht mit Schwung „defenestriert“ werden und so nach unten rutschen.

Die Ereignisse auf der Prager Burg stilisieren die katholischen Propagandisten zur Staatsaffäre hoch. Der Prager Fenstersturz ist die Initialzündung für den Dreißigjährigen Krieg.

1. Juli 1618

Preßburg * Ferdinand II. wird in Preßburg zum König von Ungarn gekrönt. Sofort beginnt man mit einer gegenreformatorischen Politik. 

31. Juli 1618

Prag * Die Böhmische Konföderation, ein Bündnis der nicht-katholischen Stände, wird in Prag gebildet.

  • Der König als monarchisches Oberhaupt wird weitgehend entmachtet.
  • Die Regierungsgewalt wird in die Hände der Stände gelegt.
  • In der Konföderationsakte erklären die böhmischen Stände sich zur „freien, ständisch verfassten Wahlmonarchie“.
  • Die Stände der Nebenländer Mähren, Schlesien, Ober- und Niederlausitz werden denen Böhmens gleichgestellt. Sie dürfen fortan an der Königswahl teilnehmen.
  • Der Protestantismus wird zur Staatsreligion erklärt. 
21. November 1618

Pilsen * Peter Ernst II. Graf von Mansfeld gelingt nach einem 15-stündigen Kampf die Einnahme der habsburgtreuen Stadt Pilsen. Es ist der erste Belagerungskampf des Dreißigjährigen Krieges. Pilsen gilt als bedeutendster Stützpunkt der katholischen Kaisertreuen und hatte sich dem Böhmischen Aufstand nicht angeschlossen.

Der Söldnerführer Graf von Mansfeld lässt nach der gewonnenen Schlacht einen Galgen errichten, an dem als Erster der Pilsener Henker sein Leben lässt. Ihm wird nachgesagt, dass er sich bei der Verteidigung der Stadt als Scharfschütze mit einer stets treffenden Teufelskugel hervorgetan hätte. Die meisten Verteidigererhalten aber einen freien Abzug, heuern aber hinterher bei der Mansfeldschen Armee an.

Nach dem Fall von Pilsen bekommt die protestantische Sache in Böhmen großen Auftrieb. Der Kaiser verhängt zur Strafe die Reichsacht über Mansfeld. 

26. November 1618

München * Herzog Maximilian I. befiehlt die sofortige Schätzung der für den Festungsbau benötigten Grundstücke.

13. Dezember 1618

Paderborn * Kurfürst Ferdinand von Köln, der Inhaber der Bistümer Köln, Lüttich, Hildesheim und Münster, wird zum Bischof von Paderborn gewählt. 


1619

1619

München * Der Ausbau der Stadtmauer zu einem barocken Befestigungsgürtel mit Wall und Gräben beginnt. 

20. März 1619<p><strong><em>Wien</em></strong> * Matthias, der Kaiser des <em>Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation</em>,&nbsp;stirbt in Wien.&nbsp;Umgehend, als sei nichts gewesen, teilt König Ferdinand den <em>Böhmischen Ständen</em>&nbsp;in Prag mit, dass er gewillt sei, jetzt die Regierung anzutreten.&nbsp;Im gleichen Brief bestätigt er den <em>böhmischen Landständen</em>&nbsp;alle bisherigen Privilegien und Freiheiten.</p> <p>Doch die Böhmen glauben die Zusagen des Habsburgers nicht mehr und akzeptieren unter den gegebenen Umständen den als <em>Gegenreformatoren&nbsp;</em>bekannten <em>Erzherzog</em>&nbsp;nicht mehr als ihren König.&nbsp;Als Alternative schlagen sie Jan Smirický, einen schwerreichen böhmischen Adeligen zur Wahl vor.&nbsp;Das ist - in dieser stockaristokratischen Welt - nun wirklich <em>„revolutionär“</em>.</p>
August 1619

Reichenhall - Traunstein * Die Soleleitung von Reichenhall zur neuen Saline in Traunstein wird in Betrieb genommen. Sie ist eine technische Meisterleistung. Die Sole fließt von Reichenhall durch eine hölzerne Leitung nach Traunstein. Dabei muss sie auf ihren 32 Kilometern einen Höhenunterschied von 260 Metern überwinden. Hofbaumeister Hans Reiffenstuel und sein Sohn Simon haben dazu ein System von sieben Pumpstationen entwickelt.

Im österreichischen Salzkammergut gibt es zwar eine noch ältere Soleleitung. Diese folgt aber nur dem natürlichen Gefälle. Deshalb wird die bayerische Soleleitung als die „älteste Pipeline der Welt“ bezeichnet. 

19. August 1619

Prag * Die böhmischen Stände setzen den Habsburger Ferdinand II. als ihren König ab. 

26. August 1619

Prag * Die aufständischen böhmischen Stände wählen den pfälzischen Kurfürsten Friedrich V. statt des am 19. August abgesetzten Habsburgers Ferdinand II. zu ihren König. Friedrich V. wird als tragischer Winterkönig in die Geschichte eingehen. 

28. August 1619

Frankfurt am Main * Erzherzog Ferdinand II. wird in Frankfurt am Main zum Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation gekürt.

29. August 1619

Amberg * Der in Amberg weilende pfälzische Kurfürst Friedrich V. erfährt erst jetzt, dass er von den böhmischen Ständen am 26. August zum König gewählt worden ist. 

12. September 1619

Rothenburg ob der Tauber * Die in Rothenburg ob der Tauber tagende protestantische Union rät dem pfälzischen Kurfürsten Friedrich V., sich nicht in die böhmischen Angelegenheiten einzumischen. 

Um den 24. September 1619

Heidelberg - Prag * Der pfälzische Kurfürst Friedrich V. nimmt die Wahl als böhmischer König an. 

27. September 1619

Heidelberg - Prag * Der pfälzische Kurfürst und König von Böhmen, Friedrich V., begibt sich von Heidelberg aus mit großer Gefolgschaft auf die Reise nach Prag. 

8. Oktober 1619

München * Herzog Maximilian I. von Baiern sichert Kaiser Ferdinand II. im Münchner Vertrag die Unterstützung der Liga - unter seinem Oberbefehl - gegen das aufständische Böhmen zu. Kaiser Friedrich II. sagt dem Baiernherrscher

  • das uneingeschränkte Direktorium über die katholische Liga zu 
  • und garantiert ihm Ersatz für alle Unkosten, die er beim Krieg gegen Böhmen haben würde. 
  • Bis zur endgültigen Abrechnung sind ihm pfandweise österreichische Länder zu übertragen.

Nur mündlich erhält Herzog Maximilian I. das kaiserliche Versprechen, dass Kurfürst Friedrich V. geächtet und die pfälzische Kurwürde nach Baiern verlagert wird.

31. Oktober 1619

Prag * Friedrich V., pfälzischer Kurfürst und böhmischer König, zieht mit insgesamt 568 Personen und fast 100 Wagen in Prag ein, wo man ihn begeistert willkommen heißt. 

4. November 1619

Prag * Der pfälzische Kurfürst Friedrich V. wird im Veitsdom in Prag zum König von Böhmen gekrönt. Nach der Krönung nimmt der neue König die Huldigung der Stände entgegen. 

Dezember 1619

München * Das Ergebnis der von Herzog Maximilian I. befohlenen Schätzung der für den Festungsbau benötigten Grundstücke liegt vor.

Es beläuft sich auf 25.990 Gulden.

Dezember 1619

Würzburg * In Würzburg beschließt die katholische „Liga“ die Aufstellung eines Heeres - und damit den Eintritt in den Krieg.


1620

1620

München-Kreuzviertel * Die „Madonnenplastik“ vom provisorischen Hochaltar der „Frauenkirche“ wird entfernt und durch ein riesiges Altargemälde von Peter Candid ersetzt, das allein schon im Format alles übertrifft, was es im baierischen Herzogtum an Altarbildern gibt, und das „Mariae Himmelfahrt“ zeigt.  

Die „Madonna“ wird 18 Jahre später auf der „Mariensäule“ wieder verwendet. 

Januar 1620

München-Graggenau * Die „Schanzarbeiten“ beginnen vor dem „Schwabinger Tor“ und verlaufen in Richtung „Kosttor“.

200 Männer und 300 Frauen werden von der Stadt für die Arbeiten am Festungsbau bezahlt.
Straftäter werden nicht mehr des Landes verwiesen, sondern zum „Schanzbau“ zwangsverpflichtet, Bettler und Landstreicher aus allen Rentämtern werden dem Großbauvorhaben zugeführt.

Im ersten Jahr sind etwa 2.000 auswärtige Arbeiter in München im Ausbau der Festung beschäftigt.

Mai 1620

Schärding * Der bereits 60-jährige „Karmelitengeneral“ Dominicus a Jesu Maria geht auf päpstliche Weisung nach Baiern.

Noch in Rom hat er den Sieg von Prag vorausgesagt:
„Wenn die Schlacht anfangen wird, werde ich auf einem mutigen Pferd sitzen, durch die Glieder des Kriegsheeres reiten, die Soldaten anfrischen: Die mich erblickenden Feinde werden aufschreien: Was für ein Teufel aus der Hölle kommt zu dem katholischen Kriegsheer?“

In Schärding am Inn, wo die „Liga“ ihre Truppen gesammelt hat, trifft der „Karmeliter-Pater“ Dominicus a Jesu Maria erstmals auf Herzog Maximilian I. und dessen Ehefrau Elisabeth Renata von Lothringen.

Gemeinsam begeben sich die zur „Strafaktion“ versammelten Regimenter und Maximilians Hofstaat nach Böhmen.
Der „Karmeliter-Pater“ reist in einer Sänfte.

In einem von den böhmischen Aufständischen zerstörten Dorf findet der Ordensmann ein kleines Bild, das die Geburt Jesu darstellt.

Calvinistische Bilderstürmer haben Maria und Josef die Augen ausgekratzt.
Sofort hängt sich der „Karmelit“ dieses „Gnadenbild“ um den Hals.

30. Juni 1620

Wien - München * Kaiser Ferdinand II. erteilt dem baierischen Herzog Maximilian I. den Auftrag, im Land ob der Enns (Oberösterreich) mit der Niederwerfung des Aufstandes zu beginnen. 

23. Juli 1620

Haag am Hausruck - Schloss Aistersheim * Herzog Maximilian I. von Baiern überschreitet mit einem aus 30.000 Mann bestehendem Heer der Katholischen Liga die Grenze nach Österreich. Das von Tserclaes von Tilly geleitete Heer erobert das von Bauern besetzte Schloss Aistersheim

31. Juli 1620

Ulm * Im Ulmer Vertrag wird - durch französische Vermittlung - ein Neutralitätsabkommen zwischen der katholischen Liga und der protestantischen Union geschlossen, das sich aber nicht auf Böhmen erstreckt.

Damit ist Herzog Maximilian I. vor einem Angriff der Union sicher und kann mit seinem stattlichen Heer, bestehend aus 24.500 Mann zu Fuß und 5.500 Reiter, vor der oberösterreichischen Grenze aufmarschieren. 

4. August 1620

Linz * Das von Baiern geführte Heer der Katholischen Liga zieht mit Herzog Maximilian I. an der Spitze ins Schloss der Landeshauptstadt Linz ein. 

20. August 1620

Linz * Baierns Herzog Maximilian I. erzwingt von den oberösterreichischen Landständen die Auslieferung der Konföderationsurkunde mit Böhmen und empfängt die Huldigung. 

26. September 1620

Böhmen * Baiernherzog Maximilian I. von Baiern überschreitet mit seinem Heer der Katholischen Liga, das sich zuvor dem kaiserlichen Heer vereinigt hatte, die böhmische Grenze. 

Oktober 1620

Prag * Für Erzherzog Ferdinand ist die „Rebellion von Prag“ der erhoffte Anlass, um gegen die „böhmischen Stände“ loszuschlagen.

Die „Ständevertreter“ interpretieren ihre Gewalttat als Notwehr, doch für den habsburgischen Kaisersohn ist die kriegerische Niederwerfung der „Aufständischen“ unausweichlich geworden.
Die dafür notwendige Finanzierung soll durch die eingezogenen Güter der „Rebellen“ sichergestellt werden.
Außerdem soll „der Schrecken der Hinrichtungen die Stände zum Gehorsam zwingen“.

In Prag geht inzwischen das Gerücht um, dass die „Jesuiten“ eine „Bluthochzeit“, also die Ermordung der Protestanten, planen. Andererseits streuen die kaiserlich Gesinnten das Gegengerücht, wonach die „böhmischen Stände“ vom „türkischen Kaiser Hilfe begehrt hätten“.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den „Kaiserlichen“ und den „Böhmischen“ beginnen.

Am Abend des 7. November 1620

Prag * Die katholisch- kaiserliche Armee steht westlich vor Prag.

Am Morgen des 8. November 1620

Prag * Der Karmeliten-Pater Dominicus a Jesu Maria tritt mit einem von kalvinistichen Bilderstürmern geschändeten Marienbild um den Hals und dem Kreuz in der Hand vor die Söldnertruppen und ruft im mitreißenden Glaubenseifer zum Kampf auf. Engel würden die katholische Sache zum Sieg führen. Der Schlachtruf lautet: „Maria!“

Am Weißen Berg entbrennt der Kampf gegen das böhmische Ständeheer. Eine Übermacht von 32.400 kaiserlichen Infanteristen und 7.550 Reitern tritt gegen 8.000 böhmische Fußsoldaten und 5.000 Kavalleristen an. In nur einer einzigen Stunde erringen die Kaiserlichen einen triumphalen Sieg über die böhmischen Rebellen.

Domenicus a Jesus Maria stilisiert anschließend den Kampf zu einer Schlacht des Katholizismus gegen den Unglauben hoch. Die vernichtende Niederlage des protestantischen Heeres wird dementsprechend als Sieg des Katholizismus und schließlich als göttliches Wunder umgedeutet.

Im Morgengrauen des 9. November 1620

Prag * Der „Winterkönig“ Friedrich V. flieht Hals über Kopf von der Burg. Der Prager Hradschin ist damit wieder fest in der Hand des katholischen Kaisers.

Friedrich V. wird zum Rädelsführer einer „im Reich teutscher Nation niemalen erhört, gesehenen noch gelesenen Rebellion“ erklärt und unter „des Heiligen Reichs Acht“ gestellt. „Seine Liebden“ Maximilian habe über das Heer der Rebellen „durch Verleyhung Göttlicher Gnaden und Beistand obgesiegt“.


1621

22. Januar 1621

Wien * Kaiser Ferdinand II. erklärt Friedrich V. zum Reichsfeind - ohne die üblichen Formvorschriften zu erfüllen. Dadurch kann der Habsburger sein Versprechen gegenüber Herzog Maximilian I. von Baiern erfüllen: Die Belehnung mit der pfälzischen Kur. 

29. Januar 1621

München - Wien * In Wien trifft die von Herzog Maximilian I. beauftragte baierische Gesandtschaft ein. Sie soll eine möglichst schnelle Klärung der Pfandherrschaft über Oberösterreich herbei führen. 

15. Februar 1621

Wien * Ein Pfandschaftsrezeß wird unterzeichnet. Er beinhaltet die pfandweise Überlassung von Oberösterreich einschließlich des Kammergutes, dessen wichtigster Faktor das Salzwesen bildet, an Baiern. 

6. März 1621

Wien - Linz * Kaiser Ferdinand II. informiert die Landstände in Linz, dass Oberösterreich an das Herzogtum Baiern verpfändet wird. 

24. April 1621

Heilbronn * Die protestantische Union löst sich beim Unionstag in Heilbronn - unter dem Eindruck der militärischen Überlegenheit der kaiserlichen Heere und der katholischen Liga - selbst auf.

21. Juni 1621

Prag * Nach dem Zusammenbruch des Böhmischen Aufstands und der Flucht des Winterkönigs Friedrich V. lässt Kaiser Ferdinand II. - vor dem Altstädter Rathaus in Prag - ein blutiges Gericht über seine Anhänger halten.

43 Todesurteile gegen protestantische böhmische Adelige werden gesprochen, 27 werden an diesem Tag öffentlich vollstreckt. 24 durch das Schwert, drei am Galgen. Zwölf der abgeschlagenen Köpfe werden zur Abschreckung am Prager Brückenturm aufgesteckt und erst zehn Jahre später durch die sächsische Besatzungsmacht entfernt. 

22. September 1621

Wien - München • Herzog Maximilian I. von Baiern erhält von Kaiser Ferdinand II. die pfälzische Kurwürde. Die Übertragung wird aber geheim gehalten. 

8. Dezember 1621

München * Maximilian Heinrich, der spätere Fürstbischof und Kurfürst von Köln, wird in München geboren. Er ist ein Sohn von Herzog Albrecht VI. und dessen Ehefrau Mechthildis von Leuchtenberg.  

Sein Bruder Albrecht Sigismund wird Bischof von Freising und Regensburg. Zu seinen Onkeln zählen Kurfürst Maximilian I. sowie der Erzbischof und Kurfürst Ferdinand von Köln. 


1623

Ab 1623

München-Graggenau * Der „Hofgarten“ wird in die Umwallung einbezogen.

7. Januar 1623

Regensburg * Der Regensburger Fürstentag beginnt. Um die Verhältnisse nach der Niederschlagung des Böhmischen Aufstands zu regeln, lädt Kaiser Ferdinand II. die Regenten aus Köln, Mainz, Trier, Kursachsen, Brandenburg, Braunschweig-Wolfenbüttel, Pommern, Hessen-Darmstadt, Baiern, Salzburg und Bamberg zu einem Treffen nach Regensburg.

Bis auf Hessen-Darmstadt lehnen alle protestantischen Fürsten die Teilnahme ab. Sachsen und Brandenburg entsenden lediglich Beobachter zu dieser Besprechung. 

25. Februar 1623

Regensburg * Kaiser Ferdinand II. löst sein Versprechen ein und belehnt Herzog Maximilian I. von Baiern auf dem Regensburger Fürstentag mit der pfälzischen Kur des gestürzten Winterkönigs Friedrich V.. Wie verabredet erhält er die Kurwürde nur auf Lebenszeit. Außerdem wird ihm die Oberpfalz zugesprochen. Die Rheinpfalz kommt unter baierische und spanische Verwaltung.

Damit ist die katholische Mehrheit im siebenköpfigen Kurfürstenkollegium gesichert. Die baierischen Wittelsbacher besitzen nun - mit Köln - über zwei der sieben Kurwürden. 

13. Mai 1623

München * Als die Gebrüder Beniamin und Sinj aus Florenz das Unternehmen der Gebrüder Bettega übernehmen wollen, laufen die Münchner Handwerker der „Loder, Leinweber, Strumpfwürckher und Gschlachtgwandter“ dagegen Sturm, da ihnen die besten Spinnerinnen „von den Italiänern abgerungen werden [...] und das clainod vnd fürnembste comercium des landts, das gewerbe mit loden, Tuech, federrith, handschuech und strimpf geht zu grund“.

Der Münchner Bürgermeister unterstützt den Protest der ansässigen Handwerker mit dem Argument, dass der Holzverbrauch der Seidenwirker unvergleichlich hoch sei.

Doch Herzog Maximilian I. erhebt sich über die Proteste und erteilt für die „besonders lieben Beniamin und Sinj“ am 13. Mai 1623 das erbetene Privileg, da sie „weeder mit einer abwerbung der gespunstleüth noch in ander weeg den loders etc. khainen eintrag thuen“. Außerdem dürfen für die Arbeiten nur Leute beschäftigt werden, die aus Orten kommen, die fünf Meilen entfernt sind. 

11. Juli 1623

München * Kurfürst Maximilian I. verlangt von seiner Haupt- und Residenzstadt einen Beitrag zu den Kriegskosten in Höhe von 50.000 Gulden. Zur Finanzierung des Betrags muss die Stadt ihrerseits eine Anleihe bei ihren Bürgern aufnehmen. München wird unter der so herbeigeführten Verschuldung noch jahrzehntelang leiden.

5. August 1623

München • Herzog Albrecht Sigismund, der spätere Fürstbischof von Freising und Regensburg sowie Hofmarkherr von Berg am Laim, wird in München geboren. Seine Eltern sind der baierische Herzog Albrecht VI. und Mechthilde von Leuchtenberg. 

5. Dezember 1623

München * Albrecht Sigismund, der spätere Bischof von Freising und Regensburg, kommt in München zur Welt. Er ist der Sohn von Herzog Albrecht VI. und seiner Ehefrau Mechthilde von Leuchtenberg, der Tochter des Landgrafen Georg Ludwig von Leuchtenberg. 


1624

4. Oktober 1624

Wien - Oberösterreich * In das von Kaiser Ferdinand II. an das Herzogtum Baiern verpfändete Oberösterreich soll eine Reformkommission die evangelisch gewordenen Untertanen wieder katholisch machen. Durch ein Patent Kaiser Ferdinands II. wird die Ausweisung aller evangelischen Schulmeister und Prediger im Lande ob der Enns verfügt.

Da die freigewordenen Pfarrstellen nicht mit einheimischen Pfarrern besetzt werden können, holt man italienische Priester aus dem italienischen Teil Tirols. Diese sprechen kaum deutsch und können deshalb die Messe, wie es zuvor üblich war, nicht in der Landessprache halten. 


1625

1625

Dänemark * König Christian IV. von Dänemark greift auf der Seite der von Frankreich, England und den Niederlanden unterstützten „Protestanten“ in den Krieg ein.

Damit wird aus dem „Böhmisch-Pfälzischen Krieg“ der „Dänisch-Niederländische Krieg“.

1625

München * In einem Reskript befiehlt Kurfürst Maximilian I., „in dero Fürstenthumb und landen zu deroselben wie auch der underthanen prouit [Profit], nuzen und aufnehmen mehrere Comercia und gwerschafften, auch eine von Seidenwerkh zu introducieren“.

Dazu fordert er seine Verwaltungsleute auf, Rückmeldungen über bereits vorhandene Maulbeerbäume zu liefern. Seine Untertanen ermuntert er, „an allen tauglichen Orten Maulbeerbäume zu pflanzen“. Aus den Berichten geht hervor, dass der Maulbeerbaum an verschiedenen Orten in Baiern wohl bekannt ist. Dennoch sind sich die Berichterstatter nahezu einstimmig einig, dass „das Klima im allgemeinen in Baiern für die Kultur des Maulbeerbaumes zu rau sein dürfte“

In den Folgejahren nimmt dann - kriegsbedingt - das Interesse an der Seidenzucht stark ab. Der Dreißigjährige Krieg lässt alle weiteren Versuche scheitern. 

Ab 1625

Bamberg * Unter „Fürstbischof“ Johann Georg II. Fuchs von Dornheim sollen alleine zwischen 1625 und 1630 nicht weniger als 236 Menschen verbrannt worden sein.

Insgesamt werden im „Fürstbistum Bamberg“ zwischen 1616 und 1630 mindestens 630 Menschen als vermeintliche „Hexen“ hingerichtet. 

Januar 1625

Natternbach - Oberösterreich * Der Dechant Blasius de Livo und der von ihm eingesetzte italienische Pfarrer von einigen Hundert Bauern mit Steinen beworfen und verjagt.

Das bleibt zunächst ohne Konsequenzen, bringt aber eine Reihe von Ereignissen in Gang die im Oberösterreichischen Bauernkrieg enden. 

15. Mai 1625

Frankenburg * Ein Zentrum des oberösterreichischen Aufstands gegen die baierische Besatzungsmacht ist der Ort Frankenburg bei Völklabruck. Hier wird ein Exempel statuiert.

Man treibt rund 5.000 Bauern aus Frankenburg und Umgebung auf dem „Haushamer Feld“ zusammen und erklärt den 36 Anführern, dass sie wegen Widerstands zum Tode verurteilt sind. Aus Gnade wolle man aber der Hälfte das Leben schenken. Um diese Hälfte zu ermitteln, werden Paare gebildet, die um ihr Leben würfeln sollen. An 16 Verlierern wird das Todesurteil sofort vollstreckt, zwei Todgeweihte werden begnadigt.

Das Frankenburger Würfelspiel wird zum Auslöser für den großen oberösterreichischen Bauernaufstand im Mai 1626.

10. Oktober 1625

Wien - Oberösterreich * Nach einer kaiserlichen Instruktion wird in dem von Baiern besetzten Oberösterreich durch ein Religionsedikt die totale Gegenreformation eingeführt.

Alle protestantischen Einwohner Oberösterreichs müssen bis Ostern 1626 katholisch werden - oder auswandern. Wer sich zu diesem Schritt entschließt, muss zehn Prozent seines Vermögens als Nachsteuer bezahlen. 

8. Dezember 1625

Ungarn * Ferdinand III. wird zum König von Ungarn gekrönt. 


1626

Ab 1626

Bamberg * Der Neffe des Bamberger „Fürstbischofs“ Johann Georg II. Fuchs von Dornheim, Philipp Adolf von Ehrenberg, ein „Eiferer“, weitet in den Jahren 1626 bis 1630 die „Hexenverfolgungen“ massiv aus.

Dabei geraten - im Gegensatz zum üblichen Verlauf der Verfolgungen - zahlreiche Adelige und Bürger, aber auch „Ordensleute“ und sogar das „Verfolgungspersonal“ selbst in den Sog der „Trudenjagd“.

Nach der Beendigung der „Hexenverfolgung“ durch eine Entscheidung des „Reichskammergerichts“ und dem Einmarsch der schwedischen Truppen sind in der Stadt Würzburg 220 Personen und im „Hochstift Würzburg“ über 900 Menschen als „Hexen“ erst geköpft und dann verbrannt worden. 

1626

München * Selbst unter den „Jesuiten“ gibt es erste Stimmen, die sich entschieden gegen die „Verfolgung der Hexen“ aussprechen.

Dazu gehört der „Jesuitenpater“ Adam Tanner, der sich im dritten Band seines Werkes „Theologiae Scholasticae“ vehement gegen die Ansicht wehrt, dass Gott es zulassen würde, dass neben vielen „Schädlichen“ auch viele „Unschuldige“ sterben müssten.

Tanner bejaht zwar die Existenz der „Hexen“, glaubt grundsätzlich an den „Teufelspakt“ und sieht in der „Hexerei“ ein „todeswürdiges Verbrechen“, dem der Prozess zu machen sei.

Er verlangt aber auch, dass bis zum Beweis des Gegenteils von der „Unschuld der Angeklagten“ auszugehen sei.
„Geständnisse unter der Folter“ dürfen keine Begründung für einen „Urteilsspruch“ sein. 

Seine Forderungen bringen dem „Jesuiten“ Adam Tanner mannigfache Anfeindungen ein.
Erboste „Inquisitoren“ drohen ihm sogar die „Folter“ an. 

7. Februar 1626

München - Au * Der Alt-Herzog Wilhelm V. stirbt in München.
Seine Grabstätte befindet sich in der „Michaelskirche“

Sein Lieblingssohn, Herzog Albrecht VI., erbt die „Hofmark Neudeck“

Um den 12. Mai 1626

Lembach im Mühlkreis - Oberösterreich * Mit dem Frankenburger Würfelspiel sollte ein Exempel statuiert werden. Doch wächst dadurch der Zorn der protestantischen Bauern noch stärker, worauf im Mai 1626 der Bauernkrieg durch erste Kampfhandlungen in Lembach im Mühlkreis beginnt. Bei einer Rauferei im Markt Lembach werden sechs baierische Soldaten getötet.

Der Oberösterreichische Bauernkrieg richtet sich gegen Kurfürst Maximilian I. und die baierische Besatzungsmacht. Zehntausende Bauern versammeln und organisieren sich. Über ihren Haufen wehen schwarze Fahnen, die mit Totenköpfen geschmückt sind.

Eines ihrer Kampfleder lautet:
„Von Baiern Joch und Tyrannei,
Und seiner großen Schinderei,
Mach uns, o lieber Herr Gott, frei!“ 

21. Mai 1626

Peuerbach - Oberösterreich * Eine Strafexpedition soll die Unruhen im Mühlkreis niederschlagen. Doch die geschickt operierenden und zahlenmäßig überlegenen Aufständischen können die Truppen des Statthalters in Peuerbach vernichtend schlagen. 

24. Juni 1626

Linz * Die unter baierischer Pfandschaft stehende oberösterreichische Landeshauptstadt Linz wird von aufständischen Bauern belagert und kann von ihnen trotz mehrerer Sturmangriffe nicht eingenommen werden. 

26. Juni 1626

München * Kurfürst Maximilian I. erlässt eine Kleiderordnung, die die Bevölkerung in sieben Gesellschaftsgruppen einteilt. 

10. September 1626

Linz * Ein Waffenstillstand zwischen den baierischen Truppen und den aufständischen oberösterreichischen Bauern wird für die Zeit vom 10. bis einschließlich 18. September 1626 geschlossen. Damit scheint der Oberösterreichische Bauernkrieg für beendet. 

17. Oktober 1626

München - Oberösterreich * Kurfürst Maximilian I. schreibt an Albrecht Wenzel Eusebius von Waldstein, genannt „Wallenstein“, er möge einen Teil seiner Armee „zur Stillung der Unruhen nach Oberösterreich“ senden. 

26. Oktober 1626

Bologna • Agostino Barelli, der spätere Architekt der Theatinerkirche, wird in Bologna geboren. 

November 1626

Oberösterreich * Erst eine baierische Elite-Armee unter Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim besiegt die aufständischen Oberösterreicher unter großen Mühen.

Um den 25. November 1626

Oberösterreich * Eine baierisch-kaiserliche Armee besiegt in vier blutigen Schlachten die sich tapfer und verzweifelt wehrenden Bauern in Oberösterreich vollständig. 8.000 Bauern kommen dabei ums Leben.

Ende November herrscht wieder Ruhe im Land. Ein weiterer Widerstand der Untertanen ist nicht mehr zu befürchten. 


1627

1627

Jütland * Die „kaiserlich-katholischen Truppen“ besetzen Jütland. 

1. März 1627

Eichstätt * Ursula Bonschab wird der Hexerei beschuldigt. Sie wurde aufgrund von 16 Denunziationen gefangen genommen und „gütlich und peinlich vernommen“. 20 Tage hält sie den Qualen einer extrem grausamen und sich immer steigernden Folterprozedur stand, erst dann ist die selbstbewusste Frau gebrochen.

Sie gesteht schließlich alles, was man ihr vorsagt: „Wetterzauber, Kinderausgraben, Coitus mit dem ‚bösen Feind‘, Schadzauber mit Pulver und Salben an Menschen und Tieren“. Außerdem nennt sie noch 34 „Gespielinnen“, an denen sich die fürstbischöflichen Kommissare im Anschluss ebenfalls vergehen. 

8. Mai 1627

Eichstätt * Ursula Bonschab wird „von Rechts wegen“ als Hexe mit dem Schwert der Kopf abgeschlagen und ihr Körper anschließend auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Das nicht unbeträchtliche Vermögen der Bürgermeisterin wird vom Fürstbischof Johann Christoph von Westerstetten, seinen Terrorkommissaren, Foltermeistern und Henkerknechten geraubt. 

Oktober 1627

Kurfürstentum Baiern * Die „Pest“ verbreitet sich in ganz Baiern.

27. November 1627

Böhmen - Prag * Ferdinand III. wird zum König von Böhmen gekrönt. 


1628

1628

Mecklenburg - Pommern * Die „kaiserlich-katholischen Truppen“ besetzen Mecklenburg und Pommern. 

Ab 1628

Neuburg * Das Jahr ist von einer extrem kalten Witterung geprägt, die zu Ernteausfällen und „Pestepidemien“ führt.

Im „Fürstentum Pfalz-Neuburg“ sterben zwischen 1628 und 1630 etwa achtzig der „Hexerei“ bezichtigte Personen, in Neuburg sind es 22. 

22. Februar 1628

München - Wien * Kurfürst Maximilan I. ist durch die Aufstände die Freude an seinem oberösterreichischen Pfandbesitz abhanden gekommen. In einem in München geschlossenen Vertrag wird das Land gegen den Besitz der Oberpfalz und Gebieten der Rheinpfalz an Kaiser Ferdinand II. zurückgegeben.

22. Februar 1628

München * Der zweite Münchner Vertrag zwischen Kaiser Ferdinand II. und Kurfürst Maximilian wird unterzeichnet. Er beinhaltet, dass

  • die am 25. Februar 1623 nur auf Lebenszeit verliehene Kurwürde auch auf Maximilians Erben übertragen wird, 
  • die Oberpfalz und die rechts des Rheins liegenden Gebiete der unteren Pfalz um 13 Millionen verkauft werden,
  • Baiern Oberösterreich wieder an den Kaiser zurückgibt. 
4. März 1628

München * Kurfürst Maximilian I. von Baiern erhält die erbliche Kurwürde offiziell verliehen. Die ihm am 25. Februar 1623 übertragene Kurwürde war nur „auf Lebenszeit“. Jetzt ist die baierische Kurwürde erblich, doch der 55-jährige Kurfürst Maximilian I. hat noch keinen Erben. Die Rangerhöhung Baierns vom Herzogtum zum Kurfürstentum wird im ganzen Land kundgetan.

Im siebenköpfigen Kurfürstenkollegium scheint damit die katholische Mehrheit auf Dauer gesichert. Gleichzeitig fühlen sich aber die protestantischen Reichsstände zu erhöhtem Widerstands- und Kampfeswillen herausgefordert. 

27. April 1628

München - Amberg * Kurfürst Maximilian I. erlässt, nachdem er mit der Oberpfalz belehnt worden ist, ein Religionsmandat mit dem eine radikale Gegenreformation eingeleitet wird. 

5. Mai 1628

München - Linz * Oberösterreich wird von Baiern an die Bevollmächtigten des Kaisers übergeben. 

28. September 1628

München * Im Haus des Geheimen Rats Bartholomäus Richel stirbt eine Magd vermutlich an der Pest. Umgehend werden alle Kontaktpersonen der Verstorbenen für zwanzig Wochen in Gartenhäusern vor der Stadtmauer isoliert. Durch diese Maßnahme kann eine Verbreitung der Seuche vermieden und die Zahl der Opfer klein gehalten werden.


1629

1629

Schweden * König Gustav II. Adolf lässt sich von den schwedischen „Ständen“ finanzielle Mittel „für einen Krieg von drei Jahren in Deutschland“ gewähren.  

Der Schwedenkönig sieht seine Vormachtstellung im Ostseeraum durch die Ausdehnung der Habsburger Macht in den Norden gefährdet. 

1629

Paris - München * Kardinal Richelieu, der Leiter der französischen Politik, bietet Baiern ein „Defensivbündnis“ an.

Ab 1629

Wemding * Im „Kurfürstentum Baiern“ ist Wemding von 1629 bis 1630 erneut das Zentrum einer „Hexenverfolgung“.

Die baierische Enklave liegt auf fränkischem Gebiet und ist umgeben von den Auswirkungen der dortigen „Hexenverfolgungen“.

„Denunziation“ aus dem „Herzogtum Pfalz-Neuburg“ und der „Grafschaft Oettingen“ führen auch hier zu einer neuen Verfolgungswelle - trotz der gemachten schlechten Erfahrungen.

Vierzig Personen werden Opfer des „Hexenwahns“

1629

Ingolstadt * Auch Ingolstadt bekommt einen Hexenprozess. Das Strafurteil fällt die Juristenfakultät der Universität Ingolstadt, die zwar im Allgemeinen milder urteilte, als es dem Herzog gefiel, dennoch einige Todesurteile fällte. Verurteilt wird die Hofschneiderin Catharina Nickhlin wegen „Teufelsbündnis, Teufelsvermischung, Absagung Gottes, Schädigung von Mensch und Vieh“ und wegen „Verunehrung der Hostien“.

Catharina Nickhlin stammt aus Eichstätt und wird aus dem Kreis der dort wegen Hexerei verbrannten Frauen und Männer denunziert. Sie flieht nach Ingolstadt, wird aber dort auf Ersuchen der Eichstätter Behörden am 13. Februar 1629 verhaftet. Nachdem sich die Stadt Ingolstadt gegen den Hexen-Prozess wehrt, muss ein Dr. Wolfgang Kolb auf Befehl des Münchner Hofrats die Tortur durchführen. Dr. Kolb hat vorher schon als Hexen-Kommissar in Eichstätt gedient.

6. März 1629

Wien * Kaiser Ferdinand II. erlässt - in Übereinstimmung mit den Kurfürsten von Mainz, Köln, Trier und Baiern - das Restitutionsedikt, das jede „Entfremdung von katholischem Kirchengut nach dem Stichjahr 1552 für unrechtmäßig“ erklärt.

Davon betroffen sind rund 500 Klöster und Konvente vor allem in Niedersachsen und Württemberg, die Erzbistümer Bremen und Magdeburg sowie zwölf reichsunmittelbare Bistümer in Norddeutschland. Nur Meißen, Merseburg und Naumburg werden dem Kurfürsten von Sachsen aus politischen Rücksichten vorerst überlassen. Es erhebt sich nicht nur bei den protestantischen Reichsständen lauter Protest. Selbst der Papst äußert Bedenken.

6. Juli 1629

Ingolstadt * Die Juristenfakultät der Universität Ingolstadt stellt das Todesurteil gegen Catharina Nickhlin aus, nachdem der Hofrat zuvor die Hinrichtung durch Verbrennen befohlen hat.

Dr. Kolb exekutiert in Wallerstein zwischen 1628 und 1630 zwanzig Hexen, in Wemding ist er im Jahr 1629 für die Hinrichtung der ersten neun Delinquenten verantwortlich. Den „Erfolg“ von Dr. Wolfgang Kolb führt man auf die Einführung einer neuen Foltermethode zurück: auf den „Bock“, den er erstmals im Kurfürstentum Baiern anwendet. 

8. Oktober 1629

Rom • Papst Urban VIII. spricht Kajetan von Thiene, den Mitbegründer des Ordens der Theatiner, selig. 

1. November 1629

München-Kreuzviertel * Die ersten vier Mönche des Ordens der Brüder der Seligen Jungfrau Maria vom Berge Karmel treffen aus Prag kommend in München ein.

4. November 1629

Freising * Bischof Veit Adam von Freising bewilligt die erste Niederlassung der Karmeliter und weist ihnen die Nikolauskapelle in unmittelbarer Nähe der Wilhelminischen Veste [= Herzog-Max-Burg] als vorläufige Unterkunft zu.

20. November 1629

München-Kreuzviertel * Die Karmeliter übernehmen die Nikolauskapelle, die Herzog Wilhelm V. als Ersatz der älteren, durch den Bau der Michaelskirche abgebrochenen Kirche errichten hat lassen.


1630

29. Januar 1630

Amberg * Im Zuge der Rekatholisierung der Oberpfalz lässt Kurfürst Maximilian I. vor den Toren von Amberg 11.183 unkatholische Bücher verbrennen. Diese wurden zuvor von den baierischen Beamten bei systematischen Hausdurchsuchungen eingezogen. Propagandistisch wird die Bücherverbrennung als Strafgericht inszeniert und durch Jesuitenschüler musikalisch unterstützt.

Die Rekatholisierung der Oberpfalz wird bis zum Jahr 1675 weitestgehend abgeschlossen sein. 

3. Juli 1630

Regensburg * Kaiser Ferdinand II. eröffnet den Regensburger Kurfürstentag. Er wird bis November dauern. Auf dem Kurfürstentag will Kaiser Ferdinand II.

  • die Wahl seines Sohnes Ferdinand III. zum deutsch-römischen König sichern und
  • Unterstützung gegen die niederländischen Generalstaaten einfordern.

Doch die Kurfürsten verweigern die Zustimmung zur Wahl Ferdinands III. und fordern stattdessen

  • eine Verringerung der kaiserlichen Armee und
  • eine Milderung der Kriegskosten.
  • Der kaiserliche Oberbefehlshaber Albrecht von Wallenstein wird seines Postens enthoben.
    Der 71-jährige Johann Tserclaes Graf von Tilly erhält dafür zusätzlich zu seinem Kommando der katholischen Liga nun auch noch den Oberbefehl über das kaiserliche Heer.
  • Der Kaiser einer Überprüfung des Restitutionsedikts zustimmen. 
6. Juli 1630

Pommern * Der schwedische König Gustav II. Adolf landet mit einem Heer von 13.000 Mann an der Küste Pommerns und greift in die kriegerischen Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Krieges ein. Ihm werden zwei siegreiche Schlachten genügen, um die kaiserlich-katholische Position in Norddeutschland zu zerschlagen und bis an die habsburgischen Erblande vorzudringen. 


1631

12. Januar 1631

München * Durch ein weiteres Hexen-Mandat wird den Hexen Begnadigung zugesagt, wenn sie sich freiwillig stellen. 

Mai 1631

Fontainebleau - München * In Fontainebleau wird eine „Defensiv-Allianz“ zwischen Frankreich und Baiern geschlossen.

Der Vertrag ist zwar für die Dauer von acht Jahren geschlossen, wird aber bereits im Frühjahr 1632 hinfällig.

Mai 1631

München * Die Schrift „Cautio Criminalis“ des „Jesuitenpaters“ Friedrich Spee erscheint, in der er sich - erstmals im katholischen Bereich - kritisch mit der Anwendung der „Folter“ und den „Hexen-Verfolgungen“ auseinander setzt.

Die Schrift muss „anonym“ erscheinen.
Auch ein aussagekräftigerer Titel - wie etwa „Wider den Hexenwahn“ - wäre ein eindeutiger Verstoß gegen die allgemein herrschende Überzeugungen gewesen und geeignet, neben dem Verfasser auch noch den Drucker und den Verleger in Verdacht zu bringen, dass sie „Hexen“ in Schutz zu nehmen und somit die „Partei des Satans“ stärken würden.

Der „Jesuitenpater“ Friedrich Spee hatte während seiner Aufenthalte in den Zentren der „Hexenverfolgung“ in Köln, Trier, Würzburg, Mainz, Speyer und Paderborn „Hexenprozesse“ verfolgt und kam dabei zur Überzeugung, dass die „Folter“ nicht zur „Wahrheitsfindung“ geeignet sei.

Das verstößt freilich gegen die damalige „Rechtsauffassung“, denn daraus lässt sich ableiten, dass die verdächtigten Frauen - trotz ihrer Geständnisse unter der „Tortur“ - unschuldig sind.

Innerhalb der „Gesellschaft Jesu“ bleibt die Autorenschaft des „Paters“ Friedrich Spee nicht verborgen.
Zeitweise droht ihm sogar die Entlassung aus dem „Jesuitenorden“

10. Mai 1631

Magdeburg * Das „Massaker von Magdeburg“ beginnt. Rund 26.800 kaiserliche Soldaten unter Führung des katholischen Oberbefehlshabers Tilly, belagern die Stadt Magdeburg, die eine der bedeutendsten Städte in Deutschlands ist und in der rund 35.000 Menschen leben. 

17. Mai 1631

Magdeburg * Die katholische Liga beginnt mit der Bestürmung Magdeburgs. 

20. Mai 1631

Magdeburg * Es kommt zu einem ersten schweren Geschützfeuer auf die Stadt Magdeburg und die umliegenden Dörfer. Am frühen Morgen dringen die katholischen Kaiserlichen, angeführt vom katholischen Oberbefehlshaber Graf Johann Tserclaes von Tilly und General Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim, in die Stadt ein und richten ein grausliches Blutbad an. Magdeburg versinkt in einer Orgie aus Gewalt, Zerstörung und Plünderung. Entsetzte Offiziere bitten Graf von Tilly dagegen einzuschreiten und erhalten die knappe Antwort: „Der Soldat muss etwas haben für seine Gefahr und Mühsal.“

Gegen Mittag fängt die Stadt zu Brennen an. Ob planmäßige Feuer gelegt worden sind, womöglich durch die Verteidiger der Stadt, wird nie geklärt. Jedenfalls verlieren dabei mehr als 15.000 Menschen - nach anderen Quellen sogar bis zu 30.000 Menschen - ihr Leben.  

Die sogenannte „Magdeburger Hochzeit“ gilt als das größte und schlimmste Massaker während des Dreißigjährigen Krieges, über das man in ganz Europa entsetzt ist. Es heißt, die Taten und der Schrecken sind in ihrer Entsetzlichkeit „nicht in Worte zu fassen und nicht mit Tränen zu beweinen“

1. Juli 1631

München * Kurfürst Maximilian I. erlässt einen Gründungsbrief für die Niederlassung des Karmeliter-Ordens in München. Sie sollen für ihren Klosterbau ein Gelände außerhalb der Stadtmauern erhalten, gelegen zwischen Angertor und Schiffertor. Doch diese Pläne zerschlagen sich im Verlauf des Krieges.

15. September 1631

Leipzig * Der kaiserlich-katholische Oberbefehlshaber Tserclaes Johann Graf von Tilly zieht in Leipzig ein und lässt dort ausgiebig plündern. 

17. September 1631

Breitenfeld * In der Schlacht bei Breitenfeld [6 Kilometer von Leipzig entfernt] besiegen die Truppen des schwedischen Königs Gustav II. Adolf die Kaiserlichen vernichtend. 12.000 Kaiserliche bleiben tot auf dem Schlachtfeld, 7.000 geben sich gefangen und werden ohne weiteres in die Reihen der Schweden aufgenommen. Außerdem gehen die Kriegskasse und sämtliche Geschütze verloren. Die schwedischen Verbündeten verlieren etwa 3.000 Mann. 

Dezember 1631

Deutschland * Albrecht von Wallenstein kehrt wieder auf die Schlachtfelder zurück.


1632

4. April 1632

München - Regensburg * Kurfürst Maximilian I. verlässt München in Richtung Regensburg, um sich dort seinen Truppen anzuschließen. 

7. April 1632

Donauwörth * Der schwedische König Gustav II. Adolf überquert mit 35.000 Mann die Donau bei Donauwörth.

8. April 1632<p><strong><em>München</em></strong> * Kurfürstin Elisabeth Renata und ihr Schwager, Herzog Albrecht VI. mit Familie, verlassen aus Angst vor den Schweden München, um sich in Salzburg in Sicherheit zu bringen.</p> <p>Die kurfürstliche Schatzkammer, kirchliche Schätze und die städtische Barschaft im Wert von 32.449 Gulden werden im Ausland, im Erzbistum Freising, in Sicherheit gebracht.&nbsp;Münchner Bürger und Adelige, die es sich finanziell leisten können, suchen Schutz in Tirol oder Italien.</p>
14. April 1632<p><strong><em>Rain am Lech</em></strong> * Der Schwedenkönig&nbsp;Gustav II. Adolf erreicht den Lech. Gegenüber bei dem Dorf Rain hat Graf von Tilly mit 27.000 Mann sein Lager aufgeschlagen.</p>
15. April 1632<p><strong><em>Rain am Lech</em></strong> * In der <em>„Schlacht bei Rain am Lech“</em> werden die Kaiserlichen&nbsp;unter Führung des katholischen Oberbefehlhabers&nbsp;Johann Tserclaes &nbsp;Graf von Tilly von den Truppen des Schwedenkönigs Gustav II. Adolfs besiegt. Dadurch können die Schweden&nbsp;den Lech überschreiten, womit ihnen das ganze Kurfürstentum Baiern offen steht. Die Baiern müssen jetzt die leidvollen Erfahrungen mit dem Durchzug feindlicher Heere durchleben.</p> <p>Graf von Tilly wird in der Schlacht durch einen Schuss schwer am Bein verwundet. Kurfürst Maximilian I. zieht sich daraufhin in das stark befestigte Ingolstadt zurück. &nbsp;</p> <p>Die Erfolge des schwedischen Königs, den seine Anhänger <em>„Löwe aus Mitternacht“</em> und <em>„Gideon des Nordens“</em> nennen, von seinen Feinden aber als <em>„Schneekönig“</em> verspottet wird, machen seinen katholischen Kriegsgegnern Angst. Besonders nach dem <em>„Massaker von Magdeburg“</em>.&nbsp;</p>
24. April 1632

Augsburg * Der Schwedenkönig Gustav II. Adolf zieht in Augsburg ein. 

30. April 1632<p><strong><em>Ingolstadt</em></strong> * Der Oberbefehlshaber&nbsp;der katholisch-kaiserlichen Truppen, Graf Johann Tserclaes von Tilly, stirbt wenige Tage nach seiner Schussverletzung in Ingolstadt.&nbsp;</p>
14. Mai 1632

München - Freising * Der kurfürstliche Kriegsrat Johann Küttner und die Münchner Bürgermeister Friedrich Ligsalz und Ferdinand Barth sowie der Stadtrat Paulus Parsdorfer reisen nach Freising. Dort treffen sie den Schwedenkönig Gustav Adolf und bitten ihn

  • um Schonung der Stadt vor Brand und Plünderung,
  • die Sicherung der Personen und Eigentum und
  • die Bewahrung von Religion und politischer Verfassung.

Sie bieten dafür die Bezahlung einer Kontribution [Geldzahlung] an.

15. Mai 1632

München * Die schwedische Schutzgarde wird nach München verlegt und nimmt Einquartierungen in den „Klöstern und Häusern der Vornehmen in München, deren Insassen meist nach Tirol oder Italien geflohen waren“.

Die innerhalb der Stadtummauerung lebenden Münchner kommen wieder einmal glimpflich davon. Die Soldateska plündert, verwüstet, drangsaliert und vergewaltigt dafür um so stärker in den Vororten - besonders in der bevölkerungsreichen Au und in Haidhausen.

17. Mai 1632

München - Haidhausen * Unterwürfig überreichen die Münchner Stadtväter dem anrückenden Kriegsherrn Gustav II. Adolf am Gasteig die Stadtschlüssel. Der Schwedenkönig zieht in München ein, um in der Residenz Quartier zu nehmen. Sein Weg führt ihn über die Isarbrücke zum Roten Turm und dem Isartor. In seiner Begleitung befindet sich der „Winterkönig“ Friedrich V., der Pfalzgraf August von Sulzbach und die Herzöge Bernhard und Wilhelm von Weimar sowie Johann von Holstein. Diesen folgen noch drei Regimenter.

Gustav Adolf ist von München angeblich so begeistert, dass er am liebsten die Residenz mit nach Schweden genommen hätte - sagt man. Es stimmt wohl, dass er München - angesichts des eher kargen Umlandes - mit einem „goldenen Sattel auf einem mageren Pferde“ verglichen hat. Seine Schwärmerei für die Residenz ist jedoch eine Ausschmückung späterer Jahre. Denn eigentlich war es nur ein Ofen, der ihm so gut gefiel, dass er „gewinschet, daß dieser ofen zu Stockholm wehre“.

 Die Schweden besetzen die baierische Haupt- und Residenzstadt. Siegmund Riezler schrieb dazu: „Im Übrigen aber wurde weder Eigentum noch Person angetastet“. Das stimmt so nicht! Denn die Hauptleidtragenden der Kriege sind immer die Vorstädter. Sie bieten den Belagerern der Stadt Ersatz fürs Morden, Plündern, Brandschatzen, Foltern und Vergewaltigen. Die Hauptarmee lagert nicht in der Stadt, sondern ist auf die Dörfer vor den Stadttoren verteilt worden. Und diese Soldateska raubt und stiehlt alles, was nicht niet- und nagelfest ist und verkauft es in der Stadt, sodass die Münchner Waren zu billigsten Preisen kaufen können.

19. Mai 1632

München * König Gustav II. Adolf besucht die Michaelskirche und lässt sich das Gottesdienstritual genauestens erklären. Der schwedische König fordert von der Stadt 300.000 Reichstaler, um München vor der Zerstörung zu verschonen. Die in der Stadt verbliebene Bürgerschaft versucht daraufhin, soviel wie möglich von der geforderten Summe zusammenzutragen.

Selbst die Ärmsten der Stadt müssen sich daran beteiligen. Und auch die schon so stark gebeutelten Einwohner der Au, Haidhausens und Giesings haben für die Zahlungen ihr Schärflein beizutragen. Exakt 940 Gulden und 43 Kreuzer steuern sie aus ihren sowieso schon begrenzten Mitteln bei. Und dennoch reicht es nicht. 

Gerade mal 144.273 Gulden bringt die Geldeintreibung ein. Das ist nicht mal ein Drittel der geforderten Summe, worauf der Schwedenkönig je 22 weltliche und geistliche Geiseln verlangt.

Nach dem 20. Mai 1632

München * Nachdem die Schweden im Dreißigjährigen Krieg die baierische Haupt- und Residenzstadt München besetzt haben, gelobt Kurfürst Maximilian I. „ein gottgefälliges Werk anzustellen, wenn die hiesige Haupstadt und auch die Stadt Landshut vor des Feinds endlichem Ruin und Zerstörung erhalten würde“

7. Juni 1632

München * Statt 44 verlassen insgesamt 42 Priester, Mönche, Brauer, Gastwirte, Ratsherren und Meister als Schwedengeiseln die Stadt in Richtung Augsburg. Zwei weltliche Gefangene sind erkrankt. Mit den Geiseln verlassen auch die Schweden die baierische Haupt- und Residenzstadt München.

16. Juni 1632

Augsburg * Die Schwedengeiseln, auch die aus anderen baierischen Städten, werden in der alten Bischöflichen Residenz in Augsburg untergebracht und wie Gefangene behandelt.

21. Juni 1632

Augsburg * Die Schwedengeiseln leisten ein Gelübde. Sie wollen nach ihrer Befreiung eine Wallfahrt und einen „Dankgottesdienst zu Ehren der Gottesmutter“ ausrichten und eine Votivtafel spenden.

7. August 1632

Augsburg * 73.000 Reichstaler werden in der Hoffnung nach Augsburg gebracht, dass die Schweden die Hälfte der Geiseln freilassen. Die Geiselnehmer fordern aber zunächst weitere 37.000 Reichstaler.

16. November 1632

Lützen - Wien * Der Schwedenkönig Gustav II. Adolf verliert in der Schlacht von Lützen sein Leben. Sein Widersacher, Albrecht von Wallenstein, setzt dem geschwächten Gegner nicht nach, sondern zieht sich danach ins Winterquartier nach Böhmen zurück.  

In Wien stoßen diese Entscheidungen auf Unverständnis, denn hier herrscht eine unbeschreibliche Freude „wegen der Königlichen Majestät zu Schweden Todesfall“

29. November 1632

Mainz * Der als Winterkönig in die Geschichte eingegangene Friedrich V. stirbt in Mainz. 


1633

Um den 10. Juni 1633

Augsburg * Eine Münchner und eine Landshuter Schwedengeisel kehren trotz ihres gegebenen Ehrenwortes von einem Verhandlungsauftrag nicht mehr zurück. Das verärgert die Schweden noch mehr.

17. Juni 1633

Nördlingen * Die Schweden bringen die Geiseln unter Misshandlungen nach Nördlingen.

27. August 1633

Augsburg * Die Schwedengeiseln werden wieder nach Augsburg zurück verlegt.


1634

1634

Turin • Herzog Victor Amadeus I. von Savoyen siedelt den Theatinerorden in Turin an. Sie übernehmen die geistliche Erziehung der Herzogskinder Henriette Adelaide, Margarete Jolande und Carl Emanuel. 

18. Februar 1634

Augsburg * Bei Verhandlungen zwischen baierischen und schwedischen Vertretern einigt man sich, dass der Rest der Brandschatzungssumme in Salz abgegolten werden kann. Augsburger Geldgeber erklären sich bereit, für 49.765 Scheiben Salz den Schweden die Summe von 140.000 Reichstaler zu bezahlen. Damit verbessert sich die Lage der Schweden-Geiseln.

25. Februar 1634

Eger * Albrecht von Wallenstein wird in Eger ermordet.

Juli 1634

München * Kaiserliche Truppen halten in Baiern Quartier.

Dieser hauptsächlich aus Italienern bestehende Personenkreis schleppt die „Pest“ nach München ein.

12. August 1634

München * Mit dem Todesfall der Bäckerswitwe Gebhartin in der Sendlinger Gasse beginnt die schwerste Pest, die München je erlebt hat. Sie dauert bis Februar 1635.

6. September 1634

Nördlingen - Augsburg * Die Schweden werden bei Nördlingen vernichtend geschlagen. Anschließend beginnt die Belagerung Augsburgs durch die kaiserlich-baierische Armee.

Nach dem 7. September 1634

München * Nachdem München 

  • von der drohenden Besetzung und Plünderung durch Kontributionen freigekauft werden und
  • das kaiserlich-ligistische und durch spanische Truppen verstärkte Heer in der Schlacht bei Nördlingen am 6. September 1634 einen entscheidenden Sieg über die Schweden erringen konnte,

beauftragt Kurfürst Maximilian I. nach seiner Rückkehr eine Kommission zu überlegen, „was es für ein werkh sein [...] möchte“, mit dem er sein Gelöbnis erfüllen könne. Der hochrangige Beraterkreis schlägt die Stiftung eines jährlichen Lobamtes in der Frauenkirche und die Errichtung eines neuen Altars in der entsprechenden Kapelle vor. Sie bewegen sich damit im damals üblichen Rahmen für ein Exvoto. 


1635

4. Januar 1635

Ranshofen bei Braunau • Die baierische Kurfürstin Elisabeth Renata stirbt im Alter von 40 Jahren in Ranshofen bei Braunau, wohin sie vor der Pest geflüchtet ist. Sie wird in der Michaelskirche in München beigesetzt. Die Ehe des baierischen Herrscherpaares war kinderlos geblieben. 

12. Februar 1635

München * Da nur noch wenige Münchner an der Pest erkrankt sind, wird die Seuche für beendet erklärt. Rund 7.000 Münchner sind daran gestorben. Das entspricht einem Drittel der Einwohnerzahl.

13. März 1635<p><strong><em>Augsburg</em></strong> * Augsburg wird an die kaiserlich-baierische Armee&nbsp;übergeben.&nbsp;Damit endet die Gefangenschaft der Schwedengeiseln.</p>
3. April 1635

Augsburg - München * Die 38 Schwedengeiseln kehren wieder nach München zurück. Vier von ihnen sind in der Gefangenschaft gestorben, ein Franziskanerpater ist zum Luthertum übergetreten. Die Überlebenden hatten dabei Glück im Unglück, da sie durch ihre Gefangenschaft der großen Pestepidemie in München entkommen konnten. 

19. April 1635<p><strong><em>Ramersdorf</em></strong> * Das von den Schwedengeiseln&nbsp;geleistete Gelübde wird eingelöst.&nbsp;Die <em>„Wallfahrt zu Ehren der Gottesmutter“</em> führt nach Maria Ramersdorf, wo auch ein großes Votivbild&nbsp;angebracht wird.</p>
Um den 15. Mai 1635

Braunau - München * Nach über dreijähriger Abwesenheit kehrt Kurfürst Maximilian I. wieder nach München zurück. Zuletzt residierte er in Braunau.

15. Juli 1635

Wien • Der 62-jährige Kurfürst Maximilian I. heiratet - ohne Einhaltung des Trauerjahres, ein halbes Jahr nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Elisabeth Renata - die 25-jährige Maria Anna. Sie ist die Tochter seiner Schwester Maria Anna und des römisch-deutschen Kaisers Ferdinand II.. Maximilian I., schon Vetter und Schwager des Kaisers, wird damit auch noch sein Schwiegersohn.

Die Eile ist verständlich. Der Baiernregent hat zwar die erbliche Kurfürstenwürde errungen, aber noch immer keinen Thronfolger gezeugt. In seinem Alter ist es also höchste Zeit. 

September 1635

München * Kurfürst Maximilian I. entscheidet sich auf Anregung des „Hofkammerpräsidenten“ Johannes Mandl von Deutenhofen, „zu Ehren Gottes und Mariens“  

  • ein „Madonnen-Monument“ zu errichten,  
  • alljährlich eine „Prozession“ und  
  • wöchentlich eine „Messe“ abzuhalten.  
  • Dazu kommen noch „Almosen“ und andere religiöse Verpflichtungen. 
20. September 1635

München * Kurfürst Maximilian I. untersagt per Dekret die „heimlichen Zusammenkünfte von Manns- und Weibspersonen“ auf das Strengste. Vor- und außerehelicher Geschlechtsverkehr, selbst Tabakrauchen auf der Straße, führen zu Schandstrafen. 

1. Oktober 1635

München * Ein kurfürstlicher Befehl untersagt die Fuchsjagd. Durch den ständigen Hunger der Stadtbevölkerung hat sich der Bestand an Katzen und Hunden stark reduziert. Dadurch nimmt die Mäuse- und Rattenplage stark zu.


1636

15. September 1636

Regensburg * Kaiser Ferdinand II. eröffnet erneut einen Regensburger Kurfürstentag. Er wird bis zum 22. Dezember dauern. Die Kurfürsten wählen dieses Mal Ferdinands Sohn Ferdinand III. einstimmig zum deutsch-römischen König. 

31. Oktober 1636

München • Die österreichische Kaisertochter und baierische Kurfürstin Maria Anna bringt den Kurprinzen Ferdinand Maria in München zur Welt. Sein Vater ist Kurfürst Maximilian I. von Baiern. 

6. November 1636

Turin • Zwei schwächliche Mädchen, Henriette Maria Adelaide und ihre Zwillingsschwester Caterina Beatrice von Savoyen, werden in Turin geboren. Ihre Eltern sind Herzog Victor Amadeus I. von Savoyen  und dessen Gemahlin Christine Marie von Frankreich. 

22. Dezember 1636

Regensburg * Ferdinand III. wird auf dem Regensburger Kurfürstentag römisch-deutscher König. 


1637

15. Februar 1637

Wien * Kaiser Ferdinand II. stirbt in Wien.  

Nachfolger auf dem Thron des Kaisers des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation“ wird sein Sohn Ferdinand III.. 

26. Oktober 1637

Turin • Caterina Beatrice, die Zwillingsschwester von Henriette Maria Adelaide, der späteren Kurfürstin von Baiern, stirbt mit zehneinhalb Monaten in Turin. 


1638

5. September 1638

Saint Germain en Laye • Der spätere französische König Ludwig XIV. wird auf Schloss Saint Germain en Laye geboren. Er ist ein Prinz aus dem Hause Bourbon. 

30. September 1638

München • Herzog Maximilian Philipp Hieronymus, der zweitgeborene Sohn des Kurfürsten Maximilian I. und der Kaisertochter Maria Anna, wird in München geboren. 

7. November 1638

München-Graggenau * Am ersten Sonntag nach Allerheiligen weiht der Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh das Marien-Monument auf dem Schrannenplatz feierlich ein. Das ist jener Tag, an dem alljährlich in einer großen Gedächtnis-Prozession der Sieg Maximilians I. in der Schlacht am Weißen Berg bei Prag, im Jahr 1620, gegen die aufständischen Böhmen, gefeiert wurde. Auf den Tag genau ist das jetzt 18 Jahre her.  

Die Münchner Mariensäule ist die erste Madonnen-Säule nördlich der Alpen. Der baierische Kurfürst hat die Madonnen-Säule als Symbol des durch den Dreißigjährigen Krieg wieder erstarkten katholischen Glaubens und als Ausdruck seiner eigenen tiefen Marienverehrung errichten lassen. Er legt damit ein öffentliches Bekenntnis für seine Religion und seine politische Überzeugung ab. Die Münchner Mariensäule wird zum Vorbild vieler ähnlicher Monumente in Baiern und Österreich.  


1640

1640

München - Freising * Herzog Albrecht Sigismund von Baiern wird auf Druck des baierischen Kurfürsten Maximilian I. zum „Koadjutor“ (= Nachfolger) des Freisinger Fürstbischofs Veit Adam von Gepeckh gewählt.

1640

München-Kreuzviertel * Kurfürst Maximilian I. lässt seinen vierjährigen Sohn Ferdinand Maria Ignatius Wolfgang lebensgroß in Wachs nachbilden um am „Benno-Altar“ in der „Frauenkirche“ aufstellen, um ihn so unter seinem Schutz zu stellen. 

9. Juni 1640

Wien * Leopold I., der spätere deutsch-römische Kaiser, wird in Wien geboren. 


1641

1641

Straubing * Im „Rentamt Straubing“ gibt es Ermittlungen wegen des Auftauchens von „Werwölfen“ im „Baierischen Wald“.

Dort hat sich in der Zeit des Krieges „allerhandt zauberische abergläubische Khünstten und sonderlich zwar das Paizen (wodurch Vich und Leithen an Leib und Leben khan Schaden zuegefüegt werden) so starkh eingerissen und überhandt genommen, das der gemaine ainfeltige Burger und Baursmann in die Gedankhen gleichsamb gerathen, er sich beregter abergläubischer Khünsten ohne Sindt und befahrende Bestraffung gebrauchen und bedienen khönne“.

Um die Verdächtigten verhaften zu können, wird ein eigenes „Gefängnis“ erbaut. 

16. Januar 1641

München * Kurfürst Maximilian I. erlässt den Befehl, wonach sich jeder Bürger mit Proviant einzudecken hat. Dieser Vorrat muss ausreichend sein, dass „er selbst und seine Tisch-, Brot- und Kostgenossen“ fünf Monate lang zu essen haben. Die eingelagerten Lebensmittel sollen bis zu einem eventuellen Notfall unangetastet bleiben. 

24. Januar 1641

Andechs * Maurus Friesenegger, der Abt des Klosters Andechs, erhält den Befehl, den Heiltumsschatz nach München zu bringen. Wegen der Schneefälle und der extremen Kälte unterbleibt der Transport einstweilen. 

13. Februar 1641<p><strong><em>Andechs - München</em></strong> * Der <em>„Andechser Heiltumsschatz“</em> wird auf Befehl des Kurfürsten Maximilian I. nach München gebracht. Die Heiltümer, Reliquien und Hostien&nbsp;werden in der Gruft des Klosters Andechs&nbsp;in der Gruftgasse und in der kurfürstlichen Münzstätte&nbsp;untergebracht.&nbsp;</p>
18. April 1641<p><strong><em>München - Andechs</em></strong> * Der <em>„Andechser Heiltumsschatz“</em> wird wieder ins Kloster Andechs&nbsp;zurückgebracht.&nbsp;</p>
10. Mai 1641

München-Graggenau * Durch einen Erlass will Kurfürst Maximilian I. sicherstellen, dass die Mariensäule „in gebierender veneration, und respect erhalten, Insonderheit alle unsauberkheiten und verunehrungen verhietet und abgestelt werden“. Die Mariensäule wird deshalb mit einem Marmorgeländer mit den vier Bronze-Laternen umgeben.  

Auf dem Sockel der Mariensäule kommen im gleichen Jahr vier bronzene Heldenputti zur Aufstellung, die für Maria als „ecclesia militans“ [= „die in der Welt kämpfenden Kirche“] oder als Apokalyptisches Weib für die im Kampf der Konfessionen siegreiche katholische Kirche instrumentalisiert werden. Sie stellen eine Umsetzung des Psalm 91, Vers 13 dar: „Über die Schlange und den Basilisken wirst du schreiten, und den Löwen und den Drachen wirst du zertreten.“  

In nahezu allen Veröffentlichungen über die Mariensäule verkörpert der Drache den Hunger, der Löwe den Krieg, der Basilisk die Pest und die Schlange den Unglauben oder falschen Glauben. Sie sollen, so die populäre Auffassung, die großen Plagen der Zeit veranschaulichen. Nach einer anderen Definition, die dem Programm des - im Jahr 1674 ausgebrannten - Zimmers der Religion in der Residenz entspricht, steht der Drache  für die Häretiker [= Ketzer], der Löwe für die Heiden, die Schlange für die Juden und der Basilisk für die Schismatiker [= Protestanten, Kirchenspalter].  

Aus einem Monument der persönlichen Frömmigkeit des Kurfürsten ist durch die Hinzufügung der Heldenputti zugleich ein „Denkmal des Triumphes des katholischen Glaubens über die Übel der damaligen Zeit“ geworden. Da Maximilian I. sowohl den Tag der Denkmalsweihe als auch das Datum für die alljährliche Dankprozession auf den Jahrestag der „Schlacht am Weißen Berg“ orientiert, macht er die Mariensäule auch zu einem unübersehbaren Symbol für den bisher größten Triumph baierischer Waffen über die protestantischen Feinde. Und damit macht er aus der Mariensäule eine Siegessäule. 

14. Mai 1641

München * Kaiser Ferdinand III. und die Kaiserin besuchen München, „wo er wahrhaft kaiserlich bewirtet wurde“. Pechpfannen beleuchten nachts die Straßen (sicherlich nur wenige ausgesuchte). 

25. September 1641

München * Die Mitglieder des Äußeren Rats wird bei Strafandrohung befohlen, den „wöchentlichen Umgang“ [= Prozession] fleißig zu besuchen und „den Himmel zu tragen“.


1642

1642

Köln * Maximilian Heinrich, Neffe des Kölner Kurfürsten und Fürstbischofs, wird zum „Koadjutor“ (= Nachfolger) seines Onkels Ferdinand gewählt.

8. September 1642

Würzburg * Johann Philipp von Schönborn untersagt nach seinem Amtsantritt die Hexenverfolgungen gänzlich. 


1643

1643

Paris * Die ersten „Kaffeeschenken“ begegnen uns in Paris. 

Ab 1643

Rain am Lech * Im Kurfürstentum Baiern kam es unter der Regierung Maximilians I. in den Jahren 1643/44 zum letzten größeren „Hexenprozess“ in Rain am Lech, der die ungeheuerliche Summe von 3.141 Gulden verschlingt.

Die immensen Kosten, die auch aus den Hinterlassenschaften der „Hexen“ nicht finanziert werden können, lassen den „Hofrat“ von weiteren „Hexen-Verfolgungen“ Abstand nehmen.
Auch die weitgehend beachteten Beschränkungen der „Folter“ und die „Strategie des Widerrufs“ steuern ihren Teil dazu bei.

Der Tatbestand der „Hexerei“ reicht alleine nicht mehr zur Rechtfertigung eines „Todesurteils“ aus.
Hingerichtet werden „Zauberer“ und „Hexen“ im Kurfürstentum Baiern nur noch dann, wenn zudem andere Delikte wie „Giftmord, Kindsmord“ oder „Diebstahl“ nachgewiesen werden können. 

14. Mai 1643

Paris * König Ludwig XIV. besteigt den französischen Thron.


1644

1644

München-Kreuzviertel * Kurfürst Maximilian I. lässt auch seinen fünfjährigen Sohn Maximilian Philipp Hieronymus lebensgroß in Wachs nachbilden und ebenfalls am „Benno-Altar“ der „Frauenkirche“ aufstellen, um ihn so unter seinem Schutz zu stellen. 


1645

1645

Venedig * Auch Venedig hat nun „Kaffeeschenken“

1645

Mittenwald * Für die aufgespeicherten Waren wird ein Mittenwald ein zweites gemeindliches „Ballenhaus“ gebaut. 

25. Dezember 1645

San Vittore * Giovanni Antonio Viscardi wird in San Vittore bei Roveredo in Graubünden geboren. 


1648

1648

Westfalen * Im „Westfälischen Frieden“ wird das „Restitutionsedikt“ aufgehoben.


1649

28. August 1649

München * In vier Häusern der Stadt sind Fälle der Pest aufgetreten.

1. September 1649

München * Der Rat der Stadt erlässt ein Pestmandat. Nach der Sitzung bittet er in einem Gottesdienst um Abwendung der laidigen Sucht der Pest.

10. September 1649

München - Wien • In einem Brief informiert Kurfürst Maximilian I. den in Wien residierenden Kaiser Ferdinand III. über seine Absicht, seinen ältesten Sohn Ferdinand Maria mit einer Prinzessin von Savoyen zu verheiraten. Begründung: „Im Deutschland unserer Tage gibt es keine katholische Prinzessin mehr, die nicht nicht nur von ihrer Person, sondern auch von ihrem Haus her besser geeignet wäre, um das Ansehen [des Hauses Baiern] zu erhöhen.“ 


1650

14. Mai 1650

München - Turin • Entgegen dem ursprünglichen Ansinnen der savoyischen Herzogin Christine Marie, den baierischen Kurprinzen Ferdinand Maria mit der ein Jahr älteren Margarete Jolande zu verheiraten, einigte man sich schließlich auf den baierischen Vorschlag, die gleichaltrige, hübschere, intelligentere Henriette Adelaide zu nehmen.

An diesem 14. Mai 1650 wird gleichzeitig in München und Turin der Ehevertrag unterzeichnet. Er enthält die Zusage einer Mitgift von 200.000 Goldscudi, die bis zum Jahr 1669 in Raten abbezahlt werden soll. 

14. Mai 1650

München - Turin • Entgegen dem ursprünglichen Ansinnen der savoyischen Herzogin Christine Marie, den baierischen Kurprinzen Ferdinand Maria mit der ein Jahr älteren Margarete Jolande zu verheiraten, einigte man sich schließlich auf den baierischen Vorschlag, die gleichaltrige, hübschere, intelligentere Henriette Adelaide zu nehmen.

An diesem 14. Mai 1650 wird gleichzeitig in München und Turin der Ehevertrag unterzeichnet. Er enthält die Zusage einer Mitgift von 200.000 Goldscudi, die bis zum Jahr 1669 in Raten abbezahlt werden soll. 

14. Mai 1650

München - Turin • Entgegen dem ursprünglichen Ansinnen der savoyischen Herzogin Christine Marie, den baierischen Kurprinzen Ferdinand Maria mit der ein Jahr älteren Margarete Jolande zu verheiraten, einigte man sich schließlich auf den baierischen Vorschlag, die gleichaltrige, hübschere, intelligentere Henriette Adelaide zu nehmen.

An diesem 14. Mai 1650 wird gleichzeitig in München und Turin der Ehevertrag unterzeichnet. Er enthält die Zusage einer Mitgift von 200.000 Goldscudi, die bis zum Jahr 1669 in Raten abbezahlt werden soll. 

14. August 1650

Hamburg * In Hamburg wird ein städtisches Leihhaus mit einem Beschluss der Bürger eingeführt. 

13. September 1650

Arnsberg * Ferdinand, der Kölner Kurfürst und Bischof von Köln, Lüttich, Hildesheim, Münster und Paderborn, stirbt in Arnsberg/Westfalen. Sein Neffe, Maximilian Heinrich, übernimmt die Kurwürde sowie die Bistümer Köln, Lüttich und Hildesheim. Die Bistümer Münster und Paderborn gehen dem Hause Wittelsbach für einige Jahre verloren.

Wilhelm Freiherr von Höllinghofen, der gemeinsame Sohn des Fürstbischofs Ernst und seiner Mätresse Gertrud von Plettberg, übernimmt von ihm die Reichsabtei Stablo-Malmedy

11. Dezember 1650

Turin * Die 14-jährige savoyische Prinzessin Henriette Adelaide wird in Turin „per procurationem“, also kraft Vollmacht, mit dem gleichaltrigen baierischen Kurprinzen Ferdinand Maria verheiratet. Die Stelle des abwesenden Bräutigams nimmt ihr Bruder Carl Emanuel II. ein. 


1651

1. Juni 1651

München * Caspar von Schmid erhält eine Anstellung als Hofrat in der Haupt- und Residenzstadt München. 

27. September 1651

Ingolstadt - München-Kreuzviertel * Kurfürst Maximilian I. stirbt in Ingolstadt. Er wird in der Münchner Michaelskirche beigesetzt. 

Sein Nachfolger wird Kurprinz Ferdinand Maria, dessen Regentschaft bis zu seiner Volljährigkeit seine Mutter, die Kaisertochter Maria Anna, übernimmt.

8. Dezember 1651

Freising * Der Freisinger Bischof Veit Adam von Gepeckh stirbt. Sein Nachfolger auf dem Bischofsstuhl wird der 28-jährige Baiernherzog Albrecht Sigismund. Ihm gehört damit - neben seiner Residenzstadt Freising samt ihrem Burgfrieden - die Grafschaft Ismaning, die Herrschaft Isen-Burgrain und die Grafschaft Werdenfels. 


1652

1652

London * In London werden „Kaffeeschenken“ eröffnet.  

1652

Altötting * Der Leichnam von Johann Tserclaes Graf von Tilly wird nach Altötting überführt.

17. Juni 1652

Kufstein * Henriette Adelaide von Savoyen trifft in Kufstein ein. Dort kommt es zur ersten inoffiziellen Begegnung der jungen Braut mit ihrem gleichaltrigen Bräutigam Ferdinand Maria. 

18. Juni 1652

Wasserburg am Inn * Vor Wasserburg am Inn findet die offizielle Begegnung des baierischen Hofstaats mit dem Brautzug der savoyischen Prinzessin Henriette Adelaide zusammen. Die hohen Herrschaften begeben sich anschließend ins Wasserburger Schloss zum Abendessen. 

21. Juni 1652

München * Die savoyanische Prinzessin Henriette Adelaide trifft nach einer gut fünfwöchigen Reise in München ein, wo sie mit dem Donnern von 170 Geschützen begrüßt wird. 

25. Juni 1652

München * Die Ehe des 15-jährigen Kurprinzen Ferdinand Maria und der gleichaltrigen Henriette Adelaide von Savoyen wird in München erneut geschlossen. 

August 1652

Altötting • Kurfürstin Henriette Adelaide pilgert gemeinsam mit ihrem Gatten, Kurfürst Ferdinand Maria, nach Altötting, um sich dort den Segen der Gottesmutter für ihre Ehe zu erbitten. 

17. November 1652

München-Angerviertel * Caspar von Schmid heiratet die Hofbeamtenstochter Katharina von Imsland. Die feierliche Trauung findet am späten Abend in der Peterskirche statt, wie es in vornehmen Kreisen des Barocks damals Brauch war. 


1653

1653

Regensburg * Der „Reichstag“ formuliert die Notwendigkeit einer „Kalendervereinheitlichung“. 

Der er sich aber nicht auf einen Beschluss einigen und vertagt die Angelegenheit auf die nächste „Reichsversammlung“


1654

3. Mai 1654

München-Kreuzviertel * Der Grundstein für das Karmelitenkloster neben der Wilhelminischen Veste [= Herzog-Max-Burg] wird von Herzog Albrecht VI. gelegt.

31. Oktober 1654

München • Kurfürst Ferdinand Maria wird volljährig. Damit erlischt die Vormundschaft seiner Mutter Maria Anna und er kann die Regentschaft selbst übernehmen. 


1655

1655

Paris - München * Der französische Kardinal Jules Mazarin trägt Kurfürst Ferdinand Maria die Kandidatur für die Nachfolge des am 9. Juli 1654 verstorbenen Kaisers Ferdinand IV. an. 

19. Juli 1655

München - Wien • In einem Brief der Kurfürstin Henriette Adelaide an Kaiser Ferdinand III. unterstützt sie die Bitte des Theatinerordens, die Heiligsprechung des Ordensmitbegründers Kajetan von Thiene zu unterstützen. 

28. Juli 1655

München - Rom • Kurfürstin Henriette Adelaide bittet in einem Brief Papst Alexander VII. um die Heiligsprechung des Mitbegründers des Theatinerordens Kajetan von Thiene. 


1656

September 1656

München * Caspar von Schmid wird „in Ansehung seiner bis dato zu Ihrer kurfürstlichen Durchlaucht gnädigsten Satisfaction und Gefallen“ zum „Geheimen Rat“ ernannt. 


1657

10. Februar 1657

Schloss Höllinhofen * Wilhelm Freiherr von Höllinghofen, der Fürstabt der Reichsabtei Stablo-Malmedy und gemeinsame Sohn des Fürstbischofs Ernst und seiner Mätresse Gertrud von Plettberg, stirbt auf Schloss Höllinghofen. Maximilian Heinrich, der Fürstbischof und Kurfürst von Köln, wird Abt der Reichsabtei Stablo-Malmedy.  

2. April 1657<p><strong><em>Wien</em></strong> * Kaiser Ferdinand III. stirbt in Wien.&nbsp;</p>
22. Juni 1657

München-Kreuzviertel * Der Grundstein für die Kirche des Karmelitenklosters neben der Wilhelminischen Veste wird vom jugendlichen Kurfürsten Ferdinand Maria gelegt.

24. August 1657

München - Wien • Der baierische Kurfürst Ferdinand Maria lässt - die Vor- und Nachteile der Kaiserkrone abwägend - die politische Vernunft siegen und erklärt gegenüber Wien, dass er die Krone zurückweisen und seine Stimme nur einem Habsburger geben werde. Die Begründung fasst er in einem Brief zusammen:

  • die „zur Erhaltung der Kays. Hochheit und Reputation“ unumgänglichen Kosten,
  • die heillosen Zustände im Reich,
  • die Verantwortung, die dabei auf den Kaiser falle und  die Gefahren für das eigene Land.
  • Den zu erwartenden Kampf mit Habsburg auf sich zu nehmen, lohnt sich nicht.

Das heißt allerdings nicht, dass man begeistert ist, dass wieder ein Habsburger die Krone bekommen soll und Österreich seine Macht behaupten oder gar erweitern kann. 


1658

12. Januar 1658

Waldmünchen • Kurfürst Ferdinand Maria verpflichtet sich im Vertrag von Waldmünchen die Wahl des Habsburgers Leopold [I.] zum Kaiser zu unterstützen. Im Gegenzug entscheiden die Habsburger den langwierigen Streit zwischen dem baierischen Kurfürsten Ferdinand Maria und seinem Vetter Carl Ludwig von der Pfalz um das Amt des Reichsvikars zugunsten Ferdinand Marias. 

12. Januar 1658

München - Wien * Kurfürst Ferdinand Maria verpflichtet sich in einem Vertrag zur Kaiserwahl Erzherzogs Leopolds [I.]. 

18. Juli 1658

Frankfurt am Main • Nachdem Kurfürst Ferdinand Marias Wahlkapitulation unterzeichnet worden ist, wird der erst achtzehnjährige Erzherzog Leopold I. in Frankfurt am Main zum Kaiser gewählt und gekrönt. Leopold ist ein engstirniger und dumpf-katholischer Habsburger.

Mit der Wahl endete das längste Interregnum [= kaiserlose Zeit] der neueren Zeit. Der Verzicht des baierischen Kurfürsten auf die Kaiserkrone erspart dem Reich und Baiern unabsehbare Wirren. 

1. August 1658

Frankfurt am Main * Erzherzog Leopold wird im Kaiserdom St. Bartholomäus zu Frankfurt zum Kaiser Leopold I. des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gekrönt. 

28. August 1658

München-Maxvorstadt * Kurfürst Ferdinand Maria veranstaltet zu Ehren des neu gekrönten Kaisers Leopold I. den Festumzug „Applausi festivi barriera“ mit anschließendem Turnier. Kaiser Leopold I. macht auf seiner Rückreise von den Krönungsfeierlichkeiten in Frankfurt vom 26. August bis 4. September in München Station. 


1659

5. Juni 1659

Heilbrunn * In Heilbrunn trifft das Kurfürstenpaar Ferdinand Maria und Henriette Adelaide, begleitet von einem Hofstaat von über 150 Personen ein. Die Ehe des gleichaltrigen, 22-jährigen Paares ist auch im achten Jahr kinderlos geblieben. Das beunruhigt den Adel und wird als Zeichen der Schwäche ausgelegt.  

Ein Kuraufenthalt in Heilbrunn soll der Kinderlosigkeit Einhalt gebieten. Fünf Wochen, bis 10. Juli, dauert die Kur an. Danach kehrt die Kurfürstin gestärkt und bei guter Gesundheit wieder nach München zurück. 

Juli 1659

Bergen-op-Zoom - Freising • Die Heiratspakte für den heiratslustigen Bischof Albrecht Sigismund von Freising mit Henrika Franziska Fürstin von Zollern werden ausgetauscht. In der Folge wäre Bischof Albrecht Sigismund aus dem geistlichen Stand ausgeschieden, hätte eine jährliche Beihilfe von 18.000 Gulden erhalten und wäre nach dem Tod seines Vaters in die Rechte eines Herzogs von Leuchtenberg eingetreten. 


1660

1660

Wien * Der ehemalige Hofmedicus Dr. Johann Joachim Becher wird Kaiserlicher Hofrat.

Er ist der bedeutendste Kameralist des 17. Jahrhunderts. Er wettert schon seit Langem gegen die Einfuhr fremder Industrieerzeugnisse und meint, es wäre für ihn „sicherlich verdienstvoller, das Seidenwerk zu fördern, als wenn er etliche alte Weiber im Spital etwan ¼ Jahr eher dem Tod entnommen, noch als wan er etlichen Bauern aus dem Urin propheceyet hätte“.

Dr. Becher wird als „unruhiger, immer mit Chimären, aber vielen Kenntnissen und guten Einfällen beschäftigter Kopf“ beschrieben. 

9. Juni 1660

Versailles * Der französische König Ludwig XIV. heiratet die spanische Infantin Maria Theresia.

5. September 1660

München-Kreuzviertel * Die Karmeliten-Kirche neben der Wilhelminischen Veste wird eingeweiht. Die von Kurfürst Maximilian I. noch zu seinen Lebzeiten gestiftete Votivkirche ist die erste baierische Barockkirche.

17. November 1660

München * Maria Anna Christina Victorie, die Tochter des baierischen Kurfürsten Ferdinand Maria und seiner Gemahlin Henriette Adelaide, wird in München geboren. Das freudige Ereignis tritt ein Jahr nach der Kur ihrer Mutter in Heilbrunn ein. 


1661

1661

Kroatien * Die Türkenkriege flammen wieder auf. Sie dauern bis 1664.

16. Juli 1661

Rom - München • Der Theatiner-Ordensgeneral Agostino Bozomo sagt der Kurfürstin Henriette Adelaide seinen besonderen Einsatz für ihr Anliegen zur Niederlassung der Theatiner in München zu. 


1662

Mai 1662

München * Caspar von Schmid wird baierischer Vizekanzler. 

10. Juli 1662

München-Graggenau • Der Obersthofmeister Maximilian Graf Kurz von Senftenau stirbt und hinterlässt seiner Witwe einen aus mehreren Gebäuden bestehenden Baukomplex an der Vorderen Schwabinger Gasse [= Residenzstraße 2]. 

11. Juli 1662

München • Der Kurprinz Maximilian II. Maria Emanuel, genannt Max Emanuel, der spätere baierische Kurfürst, wird in München geboren. Seine Eltern sind Kurfürst Ferdinand Maria und Henriette Adelaide. 

Um den 12. Juli 1662

München * Unverzüglich nach der Geburt des Kurprinzen Max Emanuel befiehlt Kurfürst Ferdinand Maria die Vorbereitung „underschidlich herrliche[r] freuden- und jubel festiviteten mit ainer herrlich magnificenz und schöne niemahln vorher gesechnen inventionen ins werkh zubringen“. Die Konzeption des Festes, das Oper, Turnier und Feuerwerk erstmals zur thematischen Einheit verschmilzt, macht den kurbaierischen Hof zum Vorreiter europäischer Hofkultur. 

10. August 1662

München-Kreuzviertel • Da die Rochus-Kapelle seit ihrer Niederlassung den Augustiner-Eremiten anvertraut worden war, galten ihre Vorrechte auch noch, als die Theatinerpatres die Kirche für ihre Zwecke nutzen. Denn die Augustiner lesen hier wöchentlich zwei Messen. Dass das die Theatiner als störend empfinden, kann nachvollzogen werden. Entsprechend unzufrieden sind sie deshalb auch mit dieser Situation. Deshalb bitten sie den Ferdinand Maria um Erweiterung der Kirche und des Wohnhauses. Der Kurfürst verweigert in Anbetracht des geplanten Neubaus dieses Ansinnen. 

25. August 1662

München-Kreuzviertel • Für das erste Haus auf dem künftigen Bauplatz für die Theatinerkirche zahlt Kurfürstin Henriette Adelaide 7.000 Gulden. 

20. September 1662

München * Der Salzburger Fürstbischof Max Gandolph zieht feierlich in München ein. Er soll am nächsten Tag den Kurprinzen Max Eanuel taufen. Am Abend wird auf dem Hirschanger ein „architektonisches Feuerwerk“ gezündet. Dazu ist extra eine Bühne mit flankierenden Pyramiden und feuerspeienden Türmen aufgebaut worden. Mit dem Feuerwerk beginnt ein pompöses Geburtstags- und Freudenfest. Es endet am 3. Oktober mit der Abfahrt der Gäste und dient der Demonstration baierischen Machtanspruchs. 

21. September 1662

München • Kurprinz Max Emanuel wird in der Frauenkirche vom Salzburger Fürsterzbischof Guidobald von Thun und Hohenstein auf die Namen Maximilian Emanuel Ludwig Maria Joseph Cajetan Antonius Nikolaus Franziskus Ignatius Felix getauft. Er stellt sich damit als Erbe der bedeutendsten Vertreter der Häuser Wittelsbach und Savoyen vor. Als Taufpaten werden der Cousin Ferdinand Marias, der Erzbischof und Kurfürst von Köln, Maximilian Heinrich, sowie Henriette Adelaides Bruder, Carl Emanuel, erwählt. 

21. September 1662

München • Aus Anlass der Taufe des Kurprinzen Max Emanuel äußert sich der Salzburger Fürstbischof Guidobald von Thun und Hohenstein gegenüber dem baierischen Kurfürsten Ferdinand Maria, dass er die Verehrung des seligen Kajetan von Thiene auch in Salzburg einführen und dazu dem Ordensgründer eine Kapelle in seiner Kathedrale weihen lassen wird. 

22. September 1662

München • Im Rahmen des Churbaierischen Freudenfestes aus Anlass der Geburt des Kurprinzen Max Emanuel vergnügen sich die hohen Herrschaften an diesem und am nächsten Tag bei der Jagd. 

24. September 1662

München * Auch das Volk darf sich an den Feierlichkeiten aus Anlass der Geburt des Kurprinzen Max Emanuel beteiligen. Von Mittag bis zum Abend fließt aus eigens vor der Residenz aufgestellten Brunnen weißer und roter Wein. Brot wird verteilt. Und Hofleute werfen Geldstücke und Schaumünzen unters Volk. Das kurfürstliche Herrscherpaar verfolgt zeitgleich im Opernhaus am Salvatorplatz die Oper „Fedra Incoronata“. Sie bildet den Auftakt einer Festtriologie.  

Noch vor der eigentlichen Opernaufführung erscheinen Iris, Hebe sowie Lucina und verkünden, dass die Zeit der finsteren unwirtlichen Wetter zu Ende geht und jetzt heitere Tage anbrechen würden. Sie sind gekommen, um die Sorgen und Schmerzen, die sich mit der schweren Geburt des Prinzen eingestellt haben, zu vertreiben. Dem neuen Helden [Max Emanuel] wünschen sie alles Gute und dass er wachsam und Kühn das Schwert führen werde.

In dem folgenden Spektakel treten nahezu alle griechischen Götter und Helden auf und huldigen dem Kurprinzen. Selbst der Kriegsgott Mars prophezeit, dass die unbesiegbare Rechte Max Emanuels die „Türken zähmen und bezwingen“ werde. Dem drei Monate alten Kurprinzen wird von den Göttern eine großartige Zukunft vorausgesagt. 

26. September 1662

München-Graggenau * Die Fortsetzung der Festtriologie findet mit dem Turnierspiel „Antiopa Giustificata“ statt, das im überdachten Brunnenhof der Residenz beginnt und am Nachmittag im Turnierhaus am Hofgarten fortgesetzt wird. Dort hat man zwei gegenüberliegende Bühnen aufgebaut:

  • Eine männliche mit dem baierischen Wappen und
  • eine weibliche mit dem Wappen von Savoyen.  

Eine Sphinx tritt mit einem Spiegel auf, in dem Kurfürst Ferdinand Maria die „herrlichen Taten“ seines Sohnes erkennen könne, mit denen Max Emanuel „die Welt überraschen“ werde: Die „Siege über die Barbaren“ und den „Triumph über die Türken“, der den „Untergang des Halbmondes“ zur Folge haben wird. 

1. Oktober 1662

München * Mit der abschließenden - drei Stunden dauernden - Feueroper „Medea Vendicativa“ erreicht das Churbaierische Freudenfest seinen Höhepunkt.  

Erstmals in der Münchner Festgeschichte wird die Isar in das festliche Geschehen einbezogen. Auf der Isar schwimmen - „ungefer ein musquetenschus ausser der statt underhalb der stattmihl“ - dekorierte Bühnenflöße. Dadurch kann man die Bühne schnell teilen und so Platz schaffen für Seegefechte. Dass man die Isar als Festort einbezogen hat, liegt jedoch weniger an der Freude am feuchten Element. Vielmehr sind feuerpolizeiliche Gründe dafür ausschlaggebend.  

Die Zuschauer erleben eine regelrechte Wasserschlacht, die damit endet, dass der Kurprinz in einer Triumphbogenarchitektur erscheint und eine Schlange erwürgt. Die Botschaft lautet: Die Niederwerfung der Osmanen kann nur mit Max Emanuel gelingen! 

3. Oktober 1662

München * Das Churbaierische Freudenfest zur Geburt des Thronfolgers Max Emanuel endet mit der Abfahrt der Gäste. 

18. Oktober 1662

Paris * Prinz Eugen von Savoyen wird in Paris geboren.

Dezember 1662

Starnberg * Kurfürst Ferdinand Maria gibt den „Bucintoro“, das große Leibschiff der kurfürstlichen Flotte, in Auftrag. Die Anregung für den „Bucentaur“ kommt aus dem Roman „Clélie“, der Lieblingslektüre der Kurfürstin Henriette Adelaide. In dieser Geschichte schildert Madeleine de Scudery ein rauschendes Fest, das eine fürstliche Gesellschaft auf einer luxuriösen Galeere zu Ehren der Göttin Venus feiert. Die selbe Lektüre war auch der Anstoß für das Herzkabinett in der Münchner Residenz.  

Der schwimmende Palast entsteht unter Beteiligung venezianischer Schiffsbau-Meister. Die Leitung hat der „welsche ingeniere“ Francesco Santurini aus Venedig, der für den Kurfürsten schon als Theater-Architekt tätig ist und der sich deshalb den eigentümlichen Titel eines „Schifmaisters zu Starnberg“ einhandelt. Neben den zwei venezianischen Meistern beteiligte sich noch eine große Zahl einheimischer Arbeitskräfte am Schiffsbau. Selbst aus der Au kommen Zimmerleute. 


1663

20. Januar 1663

Regensburg * Der Reichstag trifft im Regensburger Rathaus zusammen, um über die durch die Türken heraufbeschworene Gefahr an der Ostgrenze des Reiches zu beraten. Kaiser Leopold I. benötigt Geld für die bevorstehende Verteidigung des Landes.

Daneben geht es um den schon länger schwelenden Streit um die Ausarbeitung einer Wahlkapitulation und die Königswahl. Bei den Auseinandersetzungen um die Wahlkapitulation geht es um das Recht, Gesetze zu erlassen und um deren Inhalte. Außerdem soll sich der Reichstag mit den liegengebliebenen Problemen des Dreißigjährigen Krieges befassen.

Der Reichstag wird sich bis Februar 1803 nicht mehr auflösen und geht als Immerwährender Reichstag in die Geschichte ein. Regensburg wird damit zum Sitz von etwa 70 Komitialgesandtschaften ausländischer Staaten. Dies auch deshalb, weil seit der Umwandlung des Reichstags in den Immerwährenden Reichstag die Landesfürsten kaum noch selbst teilnehmen, sondern sich durch Gesandte vertreten lassen. 

Juni 1663

Starnberger See * Der Rumpf des Bucentaur, des Leibschiffs des Kurfürsten Ferdinand Maria, ist fertig und kann auf Walzen ins Wasser gebracht werden. Umgehend beginnen nun die Arbeiten an den Aufbauten und dem Innenausbau. 

1. Juli 1663

Schloss Nymphenburg * Kurfürst Ferdinand Maria erwirbt vom Edlen von Gasser die Hofmarch Kemnathen zum Preis von 10.000 Gulden, fügt das Schlossgut Menzing hinzu und legt das Präsent anschließend „Ihro Durchl. Frauen Gemahlin Adelheid in die Kindbeth“. Anlass ist die Geburt des Thronfolgers Max Emanuel am 11. Juli 1662. 

5. Juli 1663

München - Turin * Kurfürstin Henriette Adelaide teilt ihrer Mutter in Turin mit, dass sie in den von ihrem Ehemann erhaltenen Herrschaften Menzin und Kemnertin zu bauen beabsichtigt. Gleichzeitig erhält der Turiner Hofarchitekt Amadeo di Castellamonte einen Situationsplan zum Ausarbeiten von Bauvorschlägen. 

10. August 1663

München - Turin • Kurfürstin Henriette Adelaide bittet ihre Mutter Christine Marie ihr bei der Planung der „Vier Appartements Nobles“ zu helfen. Es geht um um Planungen für das Schlosses Nymphenburg. 

20. August 1663

Nymphenburg • Baumeister Agostino Barelli und Maurermeister Lorenzo Perti begeben sich für drei Tage zur Abmessung des Bauplatzes für Schloss Nymphenburg nach Mentzing. 


1664

8. Januar 1664

Schloss Nymphenburg * Kurfürstin Henriette Adelaide lehnt die vom Turiner Hofarchitekten Amadeo di Castellamonte gefertigten Entwürfe für ein Palais in den Herrschaften Menzin und Kemnertin wegen zu geringer Größe ab. Sie hat für die „maison de plaisance“ des Münchner Hofs offenbar den mächtigen Palazzo Reale in Turin vor Augen. In Übereinstimmung mit der Tradition ihrer Heimat sollte die „borgo delle ninfe“ ebenfalls ein geschlossener Baukörper in der Art einer römischen „villa suburbana“ werden. 

Ab Februar 1664

Starnberger See * Die Kistler können die Verkleidung der Wände und Decken sowie die Parkettböden des Bucentaur fertigen. Danach wird vertäfelt, gemalt, gefasst und vergoldet. Das Schiff kostet am Ende insgesamt 20.040 Gulden, wovon die Kosten für die 268.000 Nägel noch den geringsten Anteil ausmachen. Der größte Posten an der Gesamtrechnung ist - mit 4.600 Gulden - der Aufwand für die Vergolder und Maler.  

Francesco Santurini baut für Kurfürst Ferdinand Maria jene Staatsgaleere des venezianischen Dogen nach, mit der dieser jedes Jahr am Himmelfahrtstag auf das Meer hinaus fährt, um symbolisch die Vermählung Venedigs mit der Adria zu vollziehen und dabei - mit feierlichem Zeremoniell - einen goldenen Ring ins Wasser wirft. Die Galeere des Dogen nennt man wegen ihrer Goldpracht „Buzo d’oro“ oder „Bucintoro“. Das venezianische Staatsschiff wird zum Vorbild der Bucentaur, der aber, mit über dreißig Meter Länge und drei übereinander liegenden Decks ein Stück größer und prächtiger ist. 

13. Februar 1664

Regensburg * Die Grafen von Taxis aus Regensburg übernehmen die Errichtung einer regulären Postverbindung im Kurfürstentum Baiern. 

1. April 1664

Nymphenburg • In Nymphenburg wird das Gelände für die neuen Schwaiggebäude ausgesteckt. Kurfürstin Henriette Adelaide hat dem phantasievollen und begabten Barockarchitekten Agostino Barelli den Auftrag für den Plan der neuen Sommervilla in den Herrschaften Menzin und Kemnertin übergeben. Der Architekt hat zuvor schon die Planungen für die Theatinerkirche ausgeführt.

4. Mai 1664

München-Kreuzviertel * Kurfürst Ferdinand Maria ernennt den Heiligen Josef in der Karmelitenkirche zum Patron des Baiernlandes. 

31. Mai 1664

München * Eine Türkensteuer wird durch Kurfürst Ferdinand Maria erhoben, nachdem die Türken in Ungarn wieder unruhig geworden sind. 

14. Juni 1664

München - Nymphenburg • In einer Baurechnung taucht erstmals der Name Nymphenburg für das neue Schloss auf. 

9. Juli 1664

Wien - Prag * Die Erlaubnis zur Niederlassung des Theatiner-Ordens in Prag wird von Kaiser Leopold I. ausgestellt. 

10. Juli 1664

München • Agostino Barelli darf nach Bologna zurückkehren. In einem Enpfehlungsschreiben [= Zeugnis] der Kurfürstin Henriette Adelaide drückt sie ihre „uneingeschränkte Zufriedenheit“ aus. 

10. August 1664

Vasvár-Eisenburg * Kaiser Leopold I. schließt in Vasvár-Eisenburg mit den Osmanen den Friedensvertrag von Eisenburg für die Dauer von zwanzig Jahren ab. 

September 1664

Schloss Nymphenburg * In Nymphenburg wird an den Fundamenten für das neue Lustschloss gearbeitet. Es entspricht in Form und Größe dem heutigen Mittelgebäude, obwohl es damals noch anders aussieht. Das Schloss ist im Stil der Renaissance gegliedert und hat einen wesentlich schlichteren Charakter.  

Als Huldigung an die antiken Naturgottheiten gibt man dem Schloss den Namen „borgo delle ninfe“, doch in den alten Baurechnungen steht der endgültige Name bereits fest: Nymphenburg. 

27. September 1664

Vasvár-Eisenburg * Der zwischen Kaiser Leopold I. und den Türken unter Führung von Sultan Mehmed IV. in Vasvár-Eisenburg ausgehandelte 20-jährige Waffenstillstand wird nach der Ratifizierung des Vertrags vom 10. August gültig. 


1665

1665

München * Das „Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ wird durch Kurfürst Ferdinand Maria erneuert.

Es handelt sich dabei um eine fast wörtliche Wiederholung des Textes aus dem Jahr 1611. 

25. September 1665

München • Die Kurfürstin-Witwe Maria Anna stirbt. Sie wird in der Münchner Michaelskirche beigesetzt. Durch den Tod der Kaisertochter gelingt es Kurfürst Ferdinand Maria und Henriette Adelaide ihren Wirkungskreis am Münchner Hof deutlich auszudehnen und zu festigen. 

30. November 1665

München * Aufgrund seiner bohrenden Forderungen von Dr. Johann Joachim Becher erlässt Kurfürst Ferdinand Maria ein Mandat zur Gründung der Churbaierischen Seidencompagnie. Dort heißt es: „Wir haben mit sonderß angelegenen Vleiß unsere sorgfälltigen gedankhen dahin gewendet, wie die negoiten und manufacturen zu nuz Unserer Underthanen in ein besseres eße [Sein] und Flor gebracht werden“ kann.

Kurfürst Ferdinand Maria will mit der eigenen Seidenproduktion „das heuffig hinaußgehende gelt im land erhalten, alß auch den Armen und müssig gehenden betlern, welche anderen Ehrlichen leuthen überlästig vor den heusern ligen, eine ehrliche Underhaltung verschaffen“.

Und weiter meint der Kurfürst, in der Manufaktur „soll aus roher, anderwerts hergeschaffter Seide Zwirn, Stepp-, Nehe-, und allerhand andere Seide, auch Seidenbender und Zeuge gemacht werden“


1666

9. Januar 1666

München * Der 78-jährige Greis Simon Altseer aus der Hofmark Rottenbuch wird - wegen seiner Gefährlichkeit - in München als Hexer hingerichtet. Er wird auf der Gerichtsstatt mit glühenden Zangen gezwickt und ihm dann - wegen seiner Diebstähle - die rechte Hand abgehackt. Schließlich wird er auf dem Scheiterhaufen erdrosselt und anschließend sein Leichnam zu Asche verbrannt. 

5. Juli 1666

München * Herzog Albrecht VI. stirbt in München. Sein Grab befindet sich in der Wallfahrtskirche in Altötting. 

4. August 1666

Dachau • Ein weiterer Sohn des baierischen Kurfürstenpaares Henriette Adelaide und Ferdinand Maria wird in Dachau geboren. Er stirbt noch am selben Tag. 

23. Dezember 1666

München * Nach einem Befehl von Kurfürst Ferdinand Maria wird das Botenwerk aufgehoben. Ab sofort wird der Transport der Briefe - bei Strafandrohung - an die Reichspost übergeben. 


1667

13. April 1667<p><strong><em>München</em></strong> * Nach der Entlassung des Kanzlers Johann Georg von Oexl übernimmt Vizekanzler&nbsp;Caspar von Schmid als Vorsitzender des Geheimen Rates&nbsp;die Regierungsgeschäfte. &nbsp;</p> <ul> <li>Die gesamte Innen- und Außenpolitik liegt seither in seinen Händen. &nbsp;</li> <li>Er genießt das volle Vertrauen des Kurfürsten, der die klare Zielsetzung seiner Politik schätzt.&nbsp;</li> </ul>

1668

Um den 1668

München * Dr. Johann Joachim Becher ist zwischenzeitlich zum kurbaierischen Leibmedicus und kurfürstlichen Rat erhoben worden, hat sich aber nach einem zweijährigen Aufenthalt in Baiern - wegen der „erfahrenen Schmähungen“ - verärgert nach Wien zurückgezogen, wo er sich der dortigen Seidenmanufaktur widmet. Das Wiener Unternehmen entwickelt sich bald zur großen baierischen Konkurrenz. 

Zu Bechers Nachfolger als Direktor der Churbaierischen Seidencomapgnie wird der kurfürstliche Revisionsrath Dr. Jobst ernannt.  Die Churbaierische Seidencompagnie ist  - wie alle merkantilistischen Unternehmen - mit besonderen Freiheiten und Privilegien ausgestattet worden. Alleine die Gesellschaft ist befugt, „die roh eingeführte oder im Land erzeugte Seide verarbeiten“ zu lassen. Nur sie darf die Seide in grosso verkaufen.

Das heißt, dass alle baierischen Kaufleute ihren Bedarf an Seide bei der Churfürstlichen Seidencompagnie decken müssen. Wer gegen diese Vorgaben verstößt und fremde Seidenwaren einführt, muss die Confiscation der Ware hinnehmen und dem Staat eine Strafe von 1.000 Reichstalern bezahlen. 

1668

Wien - Paris * Ein Teilungsvertrag wird zwischen Österreich und Frankreich, das spanische Erbe betreffend, abgeschlossen.

1. Juni 1668

Freising - Regensburg - Salzburg * Guidobald Graf von Thun und Hohenstein, der Fürsterzbischof von Salzburg und Regensburg stirbt in Salzburg.  

Mit Unterstützung seines Vetters, Kurfürst Ferdinand Maria, wird Herzog Albrecht Sigismund, der Bischof von Freising, aus der wittelsbachischen Linie der Leuchtenberger zusätzlich zum Bischof von Regensburg gewählt. Gleichzeitig übernimmt er das Amt des Domprobstes in Konstanz und das des Stiftungsprobstes in Altötting. 

30. Juli 1668

Regensburg • Der Freisinger Fürstbischof Albrecht Sigismund wird einstimmig auch zum Bischof von Regensburg gewählt. Es dauert ganze zwölf Jahre, bis sich der Bischof zum ersten Mal in seinem Bistum Regensburg sehen lässt. 


1669

1669

Versailles * Soliman Aga, der „Abgesandte des türkischen Sultans“ Mohammed IV., stattet dem Hof des französischen Königs Ludwig XIV. einen Besuch ab. 

Dabei bietet er den Gästen ein exotisches Heißgetränk in Form einer Tasse Kaffee an. Das ist an und für sich noch nichts Besonderes.
Das Außergewöhnliche daran ist, dass das anregende Getränk in Porzellanschalen gereicht wird.

Der französische Hof ist von den zum Genuss verwendeten Gefäßen derart begeistert, dass in der französischen Landeszentrale eine neue Modeerscheinung - „à la turque“ - geboren wird, die von hier aus ihren Siegeszug durch ganz Westeuropa antreten soll. 

1669

xxx * Der Alchemist Hennig Brand versucht mit Hilfe von Urin den Stein der Weisen zu finden und stößt dabei auf den selbstleuchtenden Phosphor mirabilis [= wundersamer Lichtträger], der bald darauf an den Fürstenhöfen und an den Theatern für Spezialeffekte benutzt wird.

1669<p><strong><em>Au</em></strong> * Unter Kurfürst Ferdinand Maria wird in der Au ein <em>„Seidenhaus“</em> eingerichtet. Doch als Arbeitskräfte werden dann - zum Teil sogar gegen den ernsten Willen der Eltern - auch Kinder eingestellt und nicht arbeitsuchende Stadtarme. Das Seiden-Unternehmen&nbsp;ist allerdings bereits im Jahr 1676 finanziell wieder am Ende.</p>
Januar 1669

München * Die „Landstände“, die baierische Volksvertretung mit ihren 567 Mitgliedern, treten das letzte Mal zusammen.

Sie sind eine unrepräsentative Vertretung, der nur drei „Stände“ (Adel, Kirche und Städte) angehören.

Der „Landtag“ dauert bis März.

1. Januar 1669

München * Die Churbaierische Seidencompagnie nimmt endlich ihre Tätigkeit auf. Der in Venedig geborene und dort lebende Holländer Lucca van Uffele wird zum Fabrikdirektor erkoren. Er besitzt wertvolle Beziehungen zur venezianischen Seidenindustrie und bekommt schon deshalb den Titel eines Directore Complimentario und Scriptuali Generali übertragen.

In seinen umfangreichen Conditiones heißt es unter anderem: „Van Uffele ist schuldig, der Seidenkompagnie alle nötige Seide von auswärts zu bestellen und auf sein Risiko nach München liefern zu lassen“. Darüber hinaus wird er verpflichtet, „so oft eine gefertigte Quantität vorhanden ist, sie gegen Bargeld zu verschleißen“. Liegt der Gewinn unter acht Prozent, hat van Uffele den Schaden zu tragen. Überhaupt ist der Venezianer verpflichtet worden, die Einlagen pro Jahr mit fünf Prozent zu verzinsen. 

Außerdem soll er die maestranzen [= Meister] aus Italien holen und „eine Anzahl von 2.000 Personen hierländische Arbeitsleuth unterrichten lassen“

Ab dem 1. Januar 1669

München - Au * Da es noch an ergiebigen Maulbeerplantagen mangelt, muss die Rohseide aus dem Ausland bezogen werden.  Zusätzlich lässt Kurfürst Ferdinand Maria „im großen Hofgarten, im Residenzgarten, Krautgarten, Kuchlgarten zu München, in den Hofgärten zu Dachau, Berg am Laim, Bogenhausen, Schleißheim und Nymphenburg“ eine große Menge Maulbeerbäumeanpflanzen.

Den Kapitalstock für das Unternehmen liefern sowohl Privatleute als auch die frühen Sozialeinrichtungen wie das Heiliggeistspital, das Städtische Waisenhaus oder das Leprosenhaus am Gasteig.

Eine barocke Gründerzeit-Mentalität ist zu verzeichnen. In grenzenlosem Vertrauen fließt das Geld in erstaunlichen Mengen, sodass bald mehrere Tausend Gulden zur Verfügung stehen, um in Italien Seidenspinner-Eier zu bestellen. Das übrige Kapital wird in den Neubau für ein Seidenhaus in der Au investiert. 

18. Januar 1669

Wien * In Wien wird die Kaisertochter und spätere baierische Kurfürstin Maria Antonia geboren. 

Um den 20. Januar 1669

München - Venedig * Lucca van Uffele reist nach Venedig, um dort Arbeitskräfte anzuwerben. Es kommt zu einem heftigen Konflikt mit dem italienischen Staat wegen „beabsichtigter Ausbeutung italienischer Fabrikgeheimnisse“, sodass Kurfürst Ferdinand Maria höchstpersönlich den Streit schlichten muss. Erst danach kann van Uffele mit einem Meister und zwei Arbeitern nach München zurückkehren.

Später kann er noch Seidenarbeiter aus Venedig zur Übersiedlung nach München überreden. Nun ist auch die Herstellung von venezianischen Gold- und Silberbrokaten möglich. 

Um den 1. Februar 1669

Au * Als Bauplatz für das Auer Seidenhaus hat Direktor van Uffele das Gelände an der Stelle der späteren Wagnerbrauerei auserkoren. Eine Abbildung des Seidenhauses ist leider nicht überliefert. Die auf dem Kupferstich von Michael Wening gezeigte Fabricca in der Au entstand zwar aus der Seidenfabrik, wurde aber erst später im großen Stil um- und neu gebaut. 


1670

1670

Straß bei Samerberg * 17 junge Burschen - davon mehr als die Hälfte „Knechte“ - ziehen vor das Haus einer „Kindsmutter“ und veranstalten dort „mit Pfeifen und Gloggen“ sowie sonstigen Lärminstrumenten - wie beim französischen „Charivari“ - einen „Mordspektakel“. In den Akten wird aber weder von einem „Haberfeldtreiben“, noch von einen „Charivari“ oder einer „Katzenmusik“ gesprochen.

Das „Rügeverfahren“ der jungen Burschen richtete sich nicht ausdrücklich gegen das „sexuelle Fehlverhalten“ eines Mädchens, eine sogenannte „Leichtfertigkeit“, sondern gilt einer „gefallenen stolzen Jungfer“.

Der Grund für die „Rüge“ liegt - wie auch in späteren „Haberfeldtreiben“ - im „Standesunterschied“ zwischen dem „sündigen Mann“ und dem „leichtfertigen Mädchen“, in diesem Fall zwischen einem „Bauern“ und seiner „Dirn“

1670

xxx * Der Alchemist Johann Rudolph Glauber ist der Auffassung, dass er mit der Herstellung von Goldrubinglas eine Vorstufe des Steins der Weisen gefunden hat und preist sein Glas in zerriebener Form als Medizin an. 

1670

München-Angerviertel * Vor lauter Begeisterung für die Seidenfabrikation lässt man bereits im Jahr 1670 ein zweites Seidenhaus am Jakobsplatz erstellen. 

Um das Jahr 1670

München - Lyon * Nachdem Kurfürstin Henriette Adelaide auch eine Seidenherstellung nach französischer Art wünscht, entsendet Lucca van Uffele einen Agenten nach Lyon.

Dieser kann dreißig Seidenarbeiter anwerben, wird dann aber - wegen „befürchteter Verletzung französischer Fabrikgeheimnisse“ - mitsamt den Arbeitern verhaftet. Durch List und Bestechung gelingt ihm und sieben Arbeitern die Flucht nach München, später glückt ihm noch die Anwerbung einer berühmten Meisterin aus Lyon, zur Erzeugung von Spitzen in Seide, Silber und Gold. 

17. Februar 1670

Paris - München * Zwischen Frankreich und Baiern wird ein auf zehn Jahre befristeter geheimer Bündnisvertrag geschlossen. Kurfürst Ferdinand Maria verpflichtet sich darin, das französische Königshaus in seinen Ansprüchen auf das Spanische Erbe zu unterstützen. Dafür zahlt Frankreich unter König Ludwig XIV. 180.000 Taler und stellt jährlich 400.000 Taler in Aussicht, falls sich Baiern an Kriegshandlungen beteiligen sollte.

Ferdinand Maria gelingt es - trotz des Vertrags und gegen den Wunsch seiner Gemahlin Henriette Adelaide - im Holländischen Krieg von 1672 neutral zu bleiben. Der Vertrag beinhaltet auch die spätere Heirat der damals neunjährigen Baiern-Prinzessin Maria Anna Christina mit dem ein Jahr jüngeren französischen Kronprinzen Ludwig, Dauphin de Viennois. 

2. Mai 1670

München • Kajetan Maria Franz, Sohn des baierischen Kurfürstenpaares Henriette Adelaide und Ferdinand Maria, wird in München geboren. 

15. November 1670

Rom - München • Der Theatinergeneral Pietro Paolo Nobilioni berichtet der baierischen Kurfürstin Henriette Adelaide: „Der Fall Ihrer so herbeigesehnten Heiligsprechung [des Mitbegründers des Theatinerordens, Kajetan von Thiene] ist abgeschlossen und Sie haben viel dazu beigetragen.“ 

7. Dezember 1670

München • Kajetan Maria Franz, Sohn des baierischen Kurfürstenpaares Henriette Adelaide und Ferdinand Maria, stirbt in München im Alter von sieben Monaten. 


1671

März 1671

München * Lucca van Uffele hat die Münchner Seidenfabriken technisch und personell bestens ausgestattet. Doch nur wenige Monate später wird ihm vorgeworfen, er betreibe „bedenkliche Speculation [...], macht Schulden auf die Compagnie, Seperatgeschäfte“ und „Prellerey“.  Er sieht sich zur Flucht nach Augsburg gezwungen. Dort wird er festgenommen und anschließend „in das Chettenstibl im Münchner Falkenthurm iberpracht“, wo er fünfeinhalb Jahre in Haft sitzt. 

12. April 1671

Rom • Papst Clemens X. spricht Kajetan von Thiene, den Mitbegründer des Theatiner-Ordens, heilig. Seine Reliquien werden in der Kirche von St. Paul zu Neapel aufbewahrt. 

4. August 1671

Rom - München • Der Heilige Stuhl gewährt aus Anlass der Heiligsprechung von Kajetan von Thiene einen Vollkommenen Ablass in den Kirchen des Theatinerordens. 

7. August 1671

München • Das Heiligenfest für Kajetan von Thiene wird am Todestag des Heiligen in München erstmals begangen. 

5. Dezember 1671

München * Joseph Clemens Cajetan, der spätere Kurfürst und Erzbischof von Köln sowie Inhaber zahlreicher anderer kirchlicher Würden, wird in München als 7. Kind von Kurfürst Ferdinand Maria und dessen Ehefrau Henriette Adelaide geboren. 


1672

1672

Schloss Nymphenburg * Der Dachstuhl für das „Schloss Nymphenburg“ ist fertiggestellt.  

Jetzt können die Arbeiten im Inneren beginnen. 


1673

14. Januar 1673

München - Paris * Das Kurfürstentum Baiern schließt einen Subsidienvertrag mit Frankreich.


1674

Ab 1674

Giovanni Antonio Viscardi ist für Enrico Zuccalli als „Palier“ auf verschiedenen Baustellen tätig. 

Mai 1674

München - Schloss Nymphenburg * Agostino Barelli verlässt München.  

Hofbaumeister Enrico Zuccalli aus Roveredo in Graubünden übernimmt zusammen mit der Bauleitung an der Theatinerkirche die Ausführung von Schloss Nymphenburg. Er lässt den Großen Saal in Schloss Nymphenburg einwölben. Gleichzeitig beginnen die Bauarbeiten an den beiden quadratischen Seitenpavillons und der doppelläufigen Freitreppe auf der Stadtseite. 


1675

Ab 1675

Salzburg * Im „Fürstbistum Salzburg“ wird in den Jahren von 1675 bis 1690 der „Zauberer-Jackl-Prozess“ durchgeführt.

Er betrifft vor allem umherziehende „Bettler- und Vagantenkinder“ aus der Bande des nie gefassten „Zauberer-Jackls“.

90 Prozent der hingerichteten Kinder und Jugendlichen, die überwiegend unter 21 Jahre alt sind - das jüngste ist 11Jahre - sind männlich und stammen fast durchweg aus den „unteren sozialen Schichten“.

Auf Unterstützung aus der bäuerlichen Bevölkerung können sie nicht hoffen, im Gegenteil:
Die „vagierenden Bettlergruppen“ sind verhasst, weil man ihnen unterstellt, sie würden „schlechtes Wetter, Missernten und Hungersnöte“ herbeizaubern können. 

1675

München * Giovanni Antonio Viscardi übernimmt die Stelle eines Hofmaurermeister

1675

Schloss Nymphenburg * Enrico Zuccalli bringt den Bau des „Schlosses Nymphenburg“ rasch voran.  

Im dem gleichen Jahr wird auch die in weißem Tuffstein und rotem Marmor ausgeführte „große Stiege“ an der Gartenseite vollendet.  

Das Nymphenburger Schloss flankieren anfangs noch zwei unfertige Pavillonbauten, die jedoch Kurfürst Max Emanuel zum Bau für „Schloss Lustheim“ wieder abreißen lässt. 

8. Mai 1675

Freising • Mit dem Freisinger Bischof Albrecht Sigismund werden die Details zur Weihe der Theatinerkirche abgesprochen. 

11. Juli 1675

München-Kreuzviertel • Die Theatinerkirche wird feierlich eingeweiht. Die Aufgabe übernimmt der Freisinger Weihbischof Johann Kaspar Kühner, weil der Fürstbischof Albrecht Sigismund kurzfristig erkrankt ist. 

Ab dem 12. Juli 1675

München-Kreuzviertel • Zwischen dem 12. und dem 18. Juli 1675 werden die Seitenaltäre der Theatinerkirche eingeweiht. 

2. August 1675

München-Kreuzviertel * Der Bau des Westtrakts des Theatinerklosters wird auf dem Gelände des ehemaligen Falkenhofs begonnen. 

20. August 1675

München-Kreuzviertel * Die sterblichen Überreste der bis dahin in der Kapelle des Palazzo Kurz in der Vorderen Schwabinger Gasse beigesetzen Theatinerpatres werden in die Theatinerkirche überführt. 


1676

1676

München * Erst nach einer umfangreichen Bittschrift von Lucca van Uffele an den Kurfürsten Ferdinand Maria wird der Prozess gegen ihn erneut aufgerollt und die Vorwürfe gegen den Seidencompagnie-Direktor noch einmal eingehend verhandelt. 

4. März 1676

Warschau * Die polnische Königstochter und spätere baierische Kurfürstin Therese Kunigunde wird in Warschau geboren. 

18. März 1676<p><strong><em>München-Graggenau - München-Kreuzviertel</em></strong> * Die 39-jährige Kurfürstin Henriette Adelaide stirbt in München. Sie wird in der Fürstengruft&nbsp;der Theatinerkirche&nbsp;beigesetzt.&nbsp;</p>
Juli 1676

München-Kreuzviertel * Mit dem Bau des Nordtrakts des Theatinerklosters, der die Bibliothek und den Kapitelsaal enthält, wird begonnen. 

Oktober 1676

München * Lucca van Uffele wird als „Unschuldig“ freigesprochen und in die Freiheit entlassen.

Das Gericht stellt in seiner Urteilsbegründung allerdings fest, dass das Seidenunternehmen schon deshalb scheitern musste, da von der Unternehmensleitung zu viel Kapital in zu große und unnötige Gebäude investiert worden seien. Damit fehlte das Geld für die laufenden Kosten der Seidenfabrikation. Nachdem die Manufaktur nicht mit dem erwarteten Gewinn arbeitet, fordern die Geldgeber ihre Kapitaleinlagen zurück. Auch vom kurfürstlichen Hof können keine Investitionen mehr erwartet werden, da kurz zuvor ein Brand Teile der Residenz zerstört hatte. Damit ist das vorläufige Ende der Churfürstlichen Seidencompagnie - nach nur elf Jahren - gekommen.

Die Auer Seidenfabrik ist noch bis anno 1680, die am Jakobsplatz bis 1705 betriebsbereit. 


1677

1677

München * Caspar von Schmid wird baierischer „Kanzler“

1677

München * Der Graubündner Giovanni Antonio Viscardi siedelt auf Empfehlung des Kurfürsten Ferdinand Maria mit der Familie nach München über.

19. August 1677

München-Kreuzviertel * Die ersten Theatinernovizen können in das Obergeschoss des Westflügels des Klosters ziehen. 


1678

1678

München - Freising - Regensburg • Kurfürst Ferdinand Maria von Baiern verlangt von Herzog Albrecht Sigismund, Fürstbischof von Freising und Regensburg, die schriftliche Zusage, dass der Baiernprinz Joseph Clemens allen anderen Bewerbern als Koadjutor [= Nachfolger] auf den Bischofsstühlen in Freising und Regensburg vorgezogen wird. 

1678

Schloss Nymphenburg * Enrico Zuccalli lässt die als altmodisch empfundenen Dachaufbauten Agostino Barellis - in Gestalt von vier italienischen Zwerchhäusern - bei „Schloss Nymphenburg“ wieder abbrechen und dadurch das flach geneigte Walmdach optisch beruhigt. 

26. Juli 1678

Wien * Joseph I., der spätere Kaiser, wird in Wien geboren. 


1679

1679

München * Das „Militärbudget“ im Kurfürstentum Baiern liegt seit Jahren konstant bei 440.000 Gulden.

1679

Mittenwald - Bozen * Der „Bozener Markt“ wird von Mittenwald wieder nach Bozen zurückverlegt. 

26. Januar 1679

München-Kreuzviertel * Auf den baierischen Kanzler Caspar von Schmid wird im Jesuiten-Colleg ein Attentat verübt. Er kommt mit einer tiefen Fleischwunde glimpflich davon. Der unter Wahnvorstellungen leidende Attentäter wird für den Rest seines Lebens weggesperrt. 

26. Mai 1679

Schleißheim • Kurfürst Ferdinand Maria stirbt in Schloss Schleißheim im Alter von 42 Jahren. Er wird in der Fürstengruft der Theatinerkirche - neben seiner Ehefrau Henriette Adelaide - beigesetzt.

Sein Nachfolger auf dem Thron wird sein erstgeborener Sohn Max Emanuel, der aber aufgrund seiner noch nicht erreichten Volljährigkeit noch bis zu seinem 18. Geburtstag [11. Juli 1680] von seinem Onkel Maximilian Philipp Hieronymus bevormundet wird. 

24. August 1679

München-Kreuzviertel * Der Westflügel des Theatinerkloster ist nun gänzlich vollendet. 


1680

1680

xxx * Der Alchemist Johannes Kunckel, der aus einer Glasmacher-Familie stammt, war als Goldmacher im Dienste eines Fürsten gescheitert, erfindet aber im Jahr 1680 Gold­rubinglas in der Masse gleichmäßig rot zu färben und daraus Gefäße in größeren Dimensionen herzustellen. Die Gläser werden in der Folge zum begehrten Luxusartikel

1680

München * Zur Bestrafung von „Prostituierten“ verwendet man ein so genanntes „Narrenhäusl“.  

Es handelte sich dabei um einen Käfig „mit weiblichen Inhalt“, der auf einer Drehscheibe befestigt ist.  
„Auf der Straße offen aufgestellt, findet sich immer Gesindel, das heftig dreht und spuckt und gar Kot auf die Weibsperson wirft“

1680

Schloss Nymphenburg * Der nördliche Pavillon von „Schloss Nymphenburg“ ist im Rohbau vollendet. 

16. Januar 1680

Versailles - München * Herzog von Croque wirbt als außerordentlicher Botschafter König Ludwigs XIV. von Frankreich in München um die Hand der Prinzessin Maria Anna Christina für den französischen Thronfolger Ludwig, Dauphin de Viennois. 

28. Januar 1680

München-Graggenau * Prokuravermählung der baierischen Prinzessin Maria Anna Christina mit dem französischen Thronfolger Ludwig, Dauphin de Viennois, im Herkules-Saal der Residenz. Begleitet von ihrem Bruder Max Emanuel, als Vertreter des französischen Kronprinzen Louis, betritt die Prinzessin den festlich geschmückten Saal.  

Nach der Vermählung ertönt das Te Deum, während draußen 50 Böllerschüsse abgefeuert werden. Danach erhellt ein prächtiges Brillantfeuerwerk den nächtlichen Himmel über München. Glanzvolle Opernaufführungen und Hofbälle begleiten dieses kurbaierische Freudenfest. 

5. Februar 1680

München - Versailles * Prinzessin Maria Anna Christina Victorie verlässt mit zwölf Karossen unter festlichen Glockengeläute die kurfürstliche Haupt- und Residenzstadt München in Richtung Versailles. 

7. März 1680

Châlons-sur-Marne * Die baierische Prinzessin Maria Anna Christina Victorie, Tochter des Kurfürstenpaares Ferdinand Maria und Henriette Adelaide, heiratet in Châlons-sur-Marne ihren Cousin 2. Grades, den französischen Thronfolger Ludwig, Dauphin de Viennois.

11. Juli 1680

München * An seinem 18. Geburtstag übernimmt Max Emanuel die Regentschaft und die Regierungsgeschäfte im Kurfürstentum Baiern.


1681

1681

Freising * Albrecht Sigismund, der Freisings Bischof und „Hofmarkherr“ von Berg am Laim, lässt in Freising zu Ehren des jungen baierischen Kurfürsten Max Emanuel eine Feierlichkeit mit „Feuerwerk, Wolfshatz, Komödie und Ball“ veranstalten.

Die Feier verschlingt 30.000 Gulden.
Das ist mehr als die „Hofmark Berg am Laim“ gekostet hat.

1. Februar 1681

Wien - München * In einem Brief teilt Kaiser Leopold I. dem baierischen Kurfürsten mit, dass er „mit kleinem Hofstaat“ die Wallfahrt nach Altötting unternehmen wird und bringt seine Hoffnung zum Ausdruck, den Kurfürsten am Ziel treffen zu können 

„Kleiner Hofstaat“ bedeutete 455 Personen, 297 Pferde, 16 Kutschen und 16 Maultiere. Im kaiserlichen Gefolge befinden sich unter anderem 15 Köche und zusätzlich zwei extra für die Kaiserin, dazu ein Küchentürhüter und der Kammerzwerg, der Hofnarr. Im Hofstaat der Kaiserin ist neben den Hofdamen, Garderobenda­men, Kammerzofen und sonstigem, meist weiblichen Personal, auch ein „Extraweib“ aufgeführt. Ihre Funktion ist ungeklärt. 

13. Februar 1681<p><strong><em>Eisenach</em></strong> * Max Emanuel bricht - inkognito - zur Brautschau&nbsp;nach Eisenach auf, wo er sich für die protestantische Prinzessin Eleonore Erdmute von Sachsen-Eisenach interessiert.</p>
5. März 1681

Burghausen - Altötting * Der kaiserliche Tross überschreitet die österreichisch-baierische Grenze. Über Burghausen geht es nach Altötting, wo das Kaiserpaar von einer Prozession des gesamten örtlichen Klerus empfangen und unter Glockengeläut zur Heiligen Kapelle geführt wird. 

6. März 1681

Altötting * Der baierische Kurfürst Max Emanuel trifft gemeinsam mit seinem Onkel Maximilian Philipp und dessen Ehefrau Maurita Febronia in Altötting ein.

Die Etikette hätte eigentlich verlangt, dass der Kurfürst den Kaiser persönlich empfängt. Doch für den dann zu erwartenden „Empfang mit großem Zeremoniell“ wäre in Altötting nicht ausreichend Platz vorhanden gewesen. So lautet jedenfalls die offizielle Begründung. 

10. März 1681<p><em><strong>Altötting</strong></em> * Es kommt zu einem Gespräch zwischen dem Kaiserpaar und den drei Wittelsbachern.&nbsp;Zum Abschied übergibt Leopold I. dem Kurfürsten Max Emanuel einen mit Diamanten besetzten Degen. Nach einem gemeinsamen Besuch der heiligen Messe in der Gnadenkapelle nimmt &nbsp;man auf dem Kapellplatz öffentlich voneinander Abschied.</p> <p>Die vielen Freundlichkeiten, die Leopold I. dem Kurfürsten erwiesen hat, verfehlen nicht den Zweck, für den sie berechnet waren:&nbsp;Max Emanuel lässt sich politisch auf die Seite Habsburgs ziehen, weg von Frankreich.&nbsp;</p>

1682

1682

Freising - Regensburg * Der zwanzigjährige baierische Kurfürst Max Emanuel fordert von den „Domkapiteln“ in Freising und Regensburg die vier Jahre zuvor gegebene Zusage ein, dass sein elfjähriger Bruder Joseph Clemens als „Koadjutor“ (= Nachfolger) von Bischof Albrecht Sigismund gewählt wird. 

15. Januar 1682

München - Wien * Kurfürst Max Emanuel erklärt dem kaiserlichen Gesandten in München seine Bereitschaft zu Bündnisverhandlungen. Nicht verkennen darf man dabei freilich, dass dies auch im elementaren Interesse Baierns war, schließlich trennten nur die Länder des Hauses Habsburg damals das kleine Kurfürstentum vom Machtbereich der gefürchteten Türken. 


1683

1683

München * Nach dem Regierungsantritt des Kurfürsten Max Emanuel erhöhen sich die Kosten für das Militär von 440.000 Gulden im Jahr 1679 innerhalb von nur vier Jahren auf 1.848.000 Gulden.

1683

Wien * Gleich nach der Befreiung von der türkischen Belagerung eröffnen in Wien die ersten „Kaffeeschenken“.

1683

Mittenwald * Matthias Klotz führt in Mittenwald den „Geigenbau“ ein. 

1683

Münster * Der Kölner Kurfürst Maximilian Heinrich, Herr über die drei Bistümer Köln, Lüttich und Hildesheim, wird mit Hilfe hoher Bestechungsgelder noch zum Bischof von Münster gewählt.  

Doch Papst Innozenz XI. erkennt die Wahl aufgrund der Vorfälle nicht an, sodass Maximilian nur Landesherr, nicht aber Bischof ist. 

26. Januar 1683

München - Wien * Dem Treffen von Altötting vom März 1681 folgen langwierige Verhandlungen zwischen den kaiserlichen und den baierischen Abgesandten, die letztlich in einem Defensivbündnis enden, in dem sich das Kurfürstentum Baiern verpflichtet, in den bevorstehenden Auseinandersetzungen mit den Osmanen ein Truppenkontingent von 8.000 Mann zu stellen.

Baiern kann die Zusage aushandeln, dass das Land jährlich Subsidienzahlungen in Höhe von 250.000 Gulden, im Kriegsfall von 450.000 Gulden, erhält.

Da jedoch vorhersehbar ist, dass Wien - in Anbetracht der politischen Lage, der sonstigen Verpflichtungen und der verstärkten Kriegsanstrengungen gegen die Osmanen - diese Summe nie aufbringen kann, verlangen die kurfürstlichen Verhandlungsführer Sicherheiten. Das waren die Einkünfte der Grafschaft Neuburg am Inn, der Markgrafschaft Burgau und des Mautamtes Tarvis. Das Ziel ist eine spätere Gebietserweiterung um die Ämter Kufstein und Rattenberg.

Der Bündnisvertrag bedeutet jedoch keinesfalls die völlige Abkehr von Frankreich. Zwar werden sich die politischen Beziehungen zwischen München und Paris ein wenig abkühlen, die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Beziehungen wurden jedoch kaum beeinträchtigt. 

10. März 1683

Regensburg • Das Regensburger Domkapitel wählt den zwölfjährigen Joseph Clemens einstimmig zum Koadjutor [= Nachfolger] von Albrecht Sigismund auf dem Regensburger Bischofsstuhl.

Jeder Domkapitular erhält dafür 600, der Domdechant 800 und der Domprobst 1.000 Gulden, insgesamt 10.500 Gulden.

31. März 1683<p><em><strong>Edirne</strong></em> * Die Osmanische Armee sammelt sich bei Adrianopel [= heute: Edirne] mit 168.000 Mann und 300 Geschützen. Es ist das größte Heer, das die Türken jemals aufgestellt haben.&nbsp;Der baierisch-österreichische Vertrag vom 26. Januar 1683 war damit - wenn auch nach langen und zähen Verhandlungen - gerade noch rechtzeitig zustande gekommen.&nbsp;</p>
31. März 1683<p><em><strong>Rom - Wien - Warschau</strong></em> * Der päpstlichen Diplomatie gelingt es Ende März 1683, Kaiser Leopold I. und den polnischen König Johann III. Sobieski zum Abschluss eines Defensivbündnisses gegen die Osmanen zu bringen. Auch Markgraf Ludwig Wilhelm von Baden und Kurfürst Johann Georg III. von Sachsen erklären sich zum Beistand des Kaisers bereit.&nbsp;</p> <p>Papst Innozenz XI. unterstützt die christlichen Herrscher in ihrem Kampf gegen die vorrückenden Türken mit 1,5 Millionen Gulden - und seinem Segen. Er selbst sieht sich als <em>„Streiter für die Reinhaltung des katholischen Glaubens“</em>.&nbsp;Schon deshalb bemüht er sich während seines ganzen Pontifikates, die Fürsten zu einer <em>„Heiligen Liga“</em> zum <em>„Kampf und zur Abwehr der Osmanen“</em> zu gewinnen.&nbsp;Das Oberhaupt der katholischen Kirche bittet mit einem päpstlichen Aufruf die Gottesmutter unter der Parole <em>„Maria hilf!“</em> um ihre Unterstützung.&nbsp;</p>
3. Mai 1683

Belgrad * Großwesir Kara Mustapha stößt an der Spitze seines fast 250.000 Mann starken osmanischen Heeres bis Belgrad vor.  

Er will über das seit Jahren zwischen Türken und Habsburgern umstrittene Ungarn in die österreichischen Erblande eindringen. 

13. Juni 1683

Esseg * Die Osmanen überschreiten die Brücke bei Esseg. 

1. Juli 1683

Raab * Die osmanische Armee trifft in Raab ein. 

4. Juli 1683

Österreich * Die Osmanen stehen an der österreichischen Grenze. 

Um den 5. Juli 1683

Wien * Die erste Vorhut des osmanischen Heeres taucht vor Wien auf. Großes Kopfzerbrechen bereitet den Bewohnern Wiens das Verhalten des Kaisers, der sich auch weiterhin seinem Jagdvergnügen widmet und die Türkengefahr scheinbar ignoriert. Will er lediglich verharmlosen oder zeigen, dass die Angst vor der Gefahr übertrieben ist? Doch je näher die Hauptstreitmacht des türkischen Heeres auf die kaiserlichen Hauptstadt zukommt, desto mehr wächst  auch bei Kaiser Leopold I. die Angst. 

7. Juli 1683

Wien - Krems - Melk - Linz - Passau * Kaiser Leopold verlässt fluchtartig - gemeinsam mit seiner Gemahlin Eleonore von Pfalz-Neuburg - seine Residenzstadt. 69 Kaleschen [= vierrädrige leichte Kutschen] und 32 schwere Wagen für den Kaiser und 33 Kaleschen, 22 schwere Wagen und 203 leichte Wagen für die Prinzessinnen und Prinzen verlassen samt dem Hofstaat die vor der Belagerung stehende Stadt.

Die Flucht führte zunächst nach Krems und von dort über Melk und Linz per Schiff nach Passau. 

14. Juli 1683

Wien * Die Belagerung Wiens durch die Türken beginnt. Die Stadt ist von allen Seiten eingeschlossen. 

16. Juli 1683

Wien * Die Türken haben die Kaiserstadt Wien vollkommen eingeschlossen. Die Lebensbedingungen für die Belagerten verschlechtern sich von Tag zu Tag.

  • Die Vorräte werden knapp,
  • es mangelt an Frischwasser,
  • in den Straßen häuft sich der Unrat und
  • eine Ruhrepidemie dezimiert die Einwohner und die Verteidiger der Stadt. 
23. Juli 1683

Wien * Die Osmanen bestürmen das erste Mal die Stadt Wien, um danach in rascher Abfolge immer heftiger anzugreifen.

Die Kaiserstadt ist von allen Seiten eingeschlossen, sodass der Befehlshaber der Kaiserlichen Truppen, Herzog Carl von Lothringen, angesichts der türkischen Übermacht, mit seinem 33.000 Männer umfassenden Heer den Rückzug antreten muss. Er bezieht jenseits des Wiener Waldes Stellung. Das Abendland steht dadurch vor der Gefahr, von dem Türkenheer überrannt zu werden. 

27. August 1683

Gran * Belagerung und Übergabe der Festung Gran an das Osmanische Heer. 

31. August 1683

Wien * König Johann III. Sobieski trifft mit 13.000 Polen auf dem Tullner Feld bei Wien ein.

Um den 1. September 1683

Österreich - Tulln * Die baierischen Truppen haben sich auf den Weg nach Wien gemacht. Die bunt zusammengewürfelte Soldateska verübt beträchtliche Exzesse. Haben die Wiener angesichts der Belagerung ihrer Stadt berechtigte Angst vor den Türken, so fürchtet sich die Landbevölkerung mehr vor den durchziehenden befreundeten Soldaten, die sich nehmen, was sie begehren. Und wer den Forderungen der baierischen Soldaten nicht freiwillig nachkommt, der wird mit Schlägen dazu gebracht. Die harte Behandlung der durchziehenden Soldaten und die zusätzliche Belastung der Bevölkerung führen zwar zu Protesten, die jedoch vergeblich sind.

Bis Anfang September sammeln sich die Verteidigungstruppen im Tullner Becken, etwa 25 Kilometer von Wien entfernt. 

3. September 1683

Wien * Kurfürst Johann Georg III. trifft mit 10.000 Sachsen auf dem Tullner Feld bei Wien ein.

7. September 1683

Linz * Kurfürst Max Emanuel kommt mit dem Schiff in Linz an. Kaiser Leopold I. empfängt ihn persönlich am Ufer und führt ihn zum Schloss, wo die Kaiserin ihren Gatten „mit einer Prinzessin erfreut“ hat. Das Mädchen wird noch am Nachmittag getauft. Kurfürst Max Emanuel fungiert als Taufpate, bevor er am Abend nach Wien weiter reist. 

8. September 1683

Wien * Der 21-jährige baierische Kurfürst Max Emanuel trifft an der Spitze von 11.300 Baiern auf dem Tullner Feld bei Wien ein. 

12. September 1683

Wien * Ein knapp 67.000 Mann starkes Christenheer zieht in den entscheidenden Kampf gegen die Osmanen und befreien Wien von den als Reichsfeinden bezeichneten Türken. Dann tobt vor den Toren der belagerten und inzwischen höchst bedrohten Stadt Wien die Schlacht zwischen den Osmanen und den mit Habsburg Verbündeten Baiern, Polen und Sachsen. Die christlichen Befehlshaber haben am Vortag ihre Untergebenen eingeschworen, „mit gesamter Hand und Macht auf die gottesunwürdigen Bösewichter loszugehen“. Der Kapuzinerpater Marco d’Aviano fordert im Anschluss die christlichen Soldaten auf, mit dem Ruf „Maria hilf!“ in die Schlacht zu ziehen.

Der Oberbefehl des etwa 67.000 Mann starken Entsatzheeres liegt in den Händen des Polenkönigs Johann III. Sobieski. Den Angriff leitet Herzog Cal von Lothringen. Baierns 21-jähriger Kurfürst Max Emanuel befehligt das Zentrum, dem zusammen mit dem linken Flügel unter Herzog Carl von Lothringen der entscheidende Durchbruch gelingt. Das Entsatzheer kann die Türken vernichtend schlagen. Die geschlagenen Osmanen müssen fliehen. Kurfürst Max Emanuel hat sich seine ersten militärischen Sporen verdient und kann sich vor den Augen Europas als Kriegsheld präsentieren.

Die Sieger dringen in das riesige Zeltlager der Osmanen ein und bemächtigen sich der gewaltig großen Beute. Darunter befinden sich unter anderem auch viele Säcke gefüllt mit Kaffee, die die heutige Wiener Kaffeehaus-Tradition begründen. Doch vor lauter Plündern vergessen die Befreier die Fliehenden zu verfolgen. Und während die christlichen Fürsten ihren Sieg feiern, bleibt den Tür­ken noch genügend Zeit über 83.000 Menschen in die Sklaverei zu verschleppen. Es sind 8.000 Männer, 25.000 Frauen und 50.000 Kinder aus Niederösterreich und der Steiermark. 

23. November 1683

Haidhausen * Zu ersten Würden kommt das von Freiherr Franz Pongraz von Leiblfing errichtete Haidhauser Schloss, nachdem Kurfürst Max Emanuel als Türkenbefreier aus Wien zurückkehrt. Adelige, Hofbedienstete und einflussreiche Münchner Bürger haben sich auf dem Anger vor dem Landgut - auf dem heutigen Johannisplatz - versammelt, um ihrem Helden einen feierlichen Empfang zu bereiten. Leiblfing darf den Kurfürsten in seinem prächtig geschmücktem Schlösschen noch bewirteten, bevor sich der Triumphzug - zur weiteren Huldigung - in Richtung München in Bewegung setzt.  

Der Freiherr versteht es natürlich, aus diesem Umstand seinen Nutzen zu ziehen. Da „sein armes Haus und Garten“ so glücklich gewesen sei, den Kurfürsten bei seiner Rückkehr „so freundlich und frohlockend zu empfangen“, wendet sich Franz Pongraz von Leiblfing an den Landesherrn, damit der dieses zum adeligen Sitz erheben und ihm die dem Hofkastenamt zinsbaren 44 Untertanen in der Schwaig mitsamt der Jurisdiktion abtreten soll. Die dort zinspflichtigen Haus- und Herbergenbesitzer haben jährlich 11 Gulden und 32 Kreuzer zu versteuern. 

Mit der Bitte des Freiherrn Franz Pongraz von Leiblfing ist jedoch die Abtrennung der Schwaige von Haidhausen und damit vom Bezirk des Gerichts ob der Au verbunden. Dies führt zwangsläufig zu verwaltungstechnischen Problemen, da der Gerichtsbezirk erst im Mai 1610 aufgrund seiner besonderen Sozialstruktur geschaffen worden ist. 


1684

1684

Schloss Nymphenburg * Kurfürst Max Emanuel befiehlt den völligen Abbruch der noch unausgebauten Seitenpavillons von „Schloss Nymphenburg“.  

Das Baumaterial nutzte er für seinen ersten Schlossbau, das „Jagdschloss Lustheim“ bei Schleißheim. 

5. März 1684

Rom * Mit Unterstützung von Papst Innozenz XI., der sich selbst als „Streiter für die Rein­haltung des katholischen Glau­bens“ sieht, gelingt die Gründung einer Heiligen Liga zum „Kampf und zur Abwehr der Osma­nen“. König Johann III. Sobieski von Polen, Kaiser Leopold I. und die Republik Venedig schließen dazu ein Bündnis, dem zwei Jahre später auch Russland beitreten wird.

Durch die Heilige Liga fließen umfangreichere Subsidien, sodass die baierische Armee auf eine Sollstärke von 18.000 Mann erhöht werden kann. 

16. Juni 1684

Gran * Durch die türkische Niederlage in der Schlacht am Kahlenberg am 12. September 1683 sieht Kaiser Leopold I. die Chance zum Gegenschlag gekommen. Am 16. Juni 1684 wird die Stadt Gran von den Kaiserlichen erobert. 

27. Juni 1684

Waitzen/Vác * Den kaiserlichen Truppen fällt Waitzen/Vác in die Hände. 

30. Juni 1684

Pest * Die kaiserliche Hauptarmee rückt in die Stadt Pest ein, die die Türken zuvor in Brand gesteckt haben. 

Juli 1684

München - Paris * Enrico Zuccalli reist für Studienzwecke nach Paris. Er bleibt dort bis März 1685.

14. Juli 1684

Buda/Ofen * Am Jahrestag des Anfangs der Belagerung Wiens, beginnen die Kaiserlichen mit der Belagerung von Buda.

Zwar schaffen es die Belagerer die Unterstadt von Buda einzunehmen, doch die türkischen Verteidiger wehren alle weiteren Angriffe ab. Und nachdem die Zahl der diensttauglichen kaiserlichen Soldaten von 34.000 auf 12.500 gesunken ist, sinkt die Motivation und Kampfmoral auf ein extrem niedriges Niveau ab. 

August 1684

Salzburg * Der Münchner Theatinerpater Johann Baptist Lerchenfeld fragt beim Salzburger Fürstbischof Max Gandolf von Kuenburg wegen der Gründung einer Theatiner-Niederlassung in der dortigen Residenzstadt nach. Es sollen zunächst sechs Geistliche auf Kosten der Familie Lerchenfeld installiert und mit 30.000 Gulden finanziert werden. Das Ziel ist die Installierung eines weiteren Priesterseminars. 

9. September 1684

Buda/Ofen * Max Emanuel trifft mit seinen Truppen vor Buda/Ofen ein und übernimmt den Oberbefehl

11. September 1684

Buda/Ofen * Die Belagerer erhalten durch ein kaiserliches Hilfskorps personelle Unterstützung, weshalb sie die Belagerungsaktivitäten sofort wieder verstärken. 

22. September 1684

Buda/Ofen • Ein türkisches Entsatzheer erreicht Buda und greift die Belagerer umgehend an. Die folgenden Auseinandersetzungen bringen zwar keine Entscheidung, dennoch zeigen die ständigen Angriffe des Entsatzheeres und die Ausfälle der türkischen Stadt­besatzung ihre Wirkung und zermürben die Belagerer.

  • Durch die osmanischen Ausfälle,
  • durch Ruhr und Fieberepidemien,
  • durch schlecht angelegte Laufgräben sowie
  • durch taktische Fehler bei der Belagerung selbst schrumpft die Streitmacht um mehr als die Hälfte.

Bei den christlichen Alliierten sind nach diesem gescheiterten Unternehmen 23.000 Mann an Verlusten zu beklagen. Und nachdem das Wetter im Oktober auch immer schlechter wird, bricht man die Belagerung nach 109 Tagen ab. 

Um Oktober 1684

Wien - München * Die „Heiratsverhandlungen“ der baierischen Räte über eine Verehelichung des Kurfürsten Max Emanuel mit der Erzherzogin Maria Antonia beginnen.

Sie dauern bis zum Frühjahr 1685.

30. Oktober 1684

Buda/Ofen * Die kaiserliche Armee zieht sich unter Beteiligung der baierischen Regimenter aus Buda/Ofen zurück. Die Schuld am Misslingen der Belagerung von Buda wird Ernst Rüdiger von Starhemberg aufgebürdet, obwohl er am Anfang als Einziger gegen diese Belagerung war. 

27. November 1684

Freising • Der 13-jährige Herzog Joseph Clemens wird vom Freisinger Domkapitel einstimmig zum Koadjutor [= Nachfolger] von Bischof Albrecht Sigismund gewählt. 

22. Dezember 1684

Salzburg * Der Salzburger Fürsterzbischof Max Gandolf von Kuenburg stimmt der Einrichtung eines weiteren, von den Theatinern betriebenes Priesterseminar zu. 


1685

1685

Potsdam - Frankfurt an der Oder * Preußen nimmt viele aus Frankreich geflüchtete Hugenotten auf und verzeichnet dadurch große Erfolge.

Die Hugenotten bringen aus Frankreich Kenntnisse, Erfahrungen und Fertigkeiten der Seidenzucht und der Seidenverarbeitung mit. So entstehen in Potsdam und Frankfurt an der Oder die ersten Maulbeerplantagen

1685

München * Giovanni Antonio Viscardi wird zum Hofbaumeister ernannt. 

12. April 1685<p><em><strong>München - Wien</strong></em> * Gleich nach dem Abzug aus Buda/Ofen am 30. Oktober 1684 beginnen die Heiratsverhandlungen über eine Vermählung Max Emanuels mit der österreichischen Erz­herzogin Maria Antonia, der Tochter Kaisers Leopolds I..&nbsp;Am 12. April 1685 wird der Ehevertrag unterzeichnet.&nbsp;</p>
15. Juni 1685

Wien * Kurfürst Max Emanuel und Erzherzogin Maria Antonia heiraten in Wien.

Juli 1685

München-Kreuzviertel * Nachdem der Südturm der Theatinerkirche seine endgültige Höhe von 64,6 Meter erreicht hat, wird der Glockenstuhl eingebaut und vier Glocken aufgezogen. 

19. Juli 1685

Neuhäusl * Neuhäusl wird erobert.

16. August 1685

Gran * Es kommt zur Entsatzschlacht von Gran. Ein Kavallerie-Angriff unter Max Emanuel bringt die Entscheidung. 

1. Oktober 1685

Wien * Carl VI., der spätere Kaiser und Bruder von Kaiser Joseph I., wird in Wien geboren. 

9. Oktober 1685

München * Kurfürst Max Emanuel zieht mit der neuen baierischen Landesherrin Maria Antonia in München ein. 

4. November 1685

Freising - Berg am Laim * Der Freisinger und Regensburger Bischof Albrecht Sigismund stirbt in Freising und wird in der dortigen Domkirche beigesetzt. Die Hofmark Berg am Laim erbt sein älterer Bruder Maximilian Heinrich, Kurfürst von Köln und Bischof der Bistümer Köln, Lüttich, Hildesheim und Münster. 

Nachfolger auf den Bischofsstühlen in Freising und Regensburg wird der jüngere Bruder des baierischen Kurfürsten Max Emanuel, der 13-jährige Herzog Joseph Clemens.


1686

1686

Nürnberg - Regensburg * In Nürnberg und in Regensburg, wo seit dem Jahr 1663 der „Immerwährende Reichstag“ stattfindet, werden „Kaffeeschenken“ eröffnet. 

3. Juni 1686

Buda/Ofen * Kurfürst Max Emanuel trifft mit seinen baierischen Truppen im Lager vor Buda/Ofen ein.

9. Juni 1686

Buda/Ofen * Der Kriegsrat trifft auf Max Emanuels Betreiben hin im Feldlager von Parkany die Entscheidung die von den Türken besetzte Stadt Buda/Ofen unter Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte zu belagern.

Um den 15. Juni 1686

Buda/Ofen * Zwei Jahre nach der erfolglosen Belagerung von Buda/Ofen wird ein wiederholter Feldzug zur Einnahme der ungarischen Hauptstadt gestartet, an der diesmal mit 75.000 bis 80.000 Mann eine doppelt so starke christliche Streitmacht teilnimmt. Die erneute Belagerung beginnt. 

17. Juni 1686

Pest * Baierische Truppen bemächtigen sich der ungarischen Stadt Pest.

22. Juni 1686

Buda/Ofen * In der Stadt Buda explodiert ein Pulvermagazin. 8.000 Zentner Pulver fliegen in die Luft und bringen den christlichen Angreifern erhebliche Vorteile. 

22. Juni 1686

Buda/Ofen - Au * Ein getaufter Türke erzählt in August Kühn´s Roman „Die Vorstadt“ folgende Geschichte über den, in seiner Muttersprache Mavi Kral genannten Blauen Kurfürsten Max Emanuel: „Den 22. ist das Pulvermagazin in unserer Stadt in die Luft geflogen und hat uns großen Schaden getan, aber der Mavi Kral hat seine Soldaten im Graben vor den Mauern gehalten noch sechs Wochen lang.

Mein Aga hat mir von der auf dem Hügel gelegenen Citadelle der Stadt gezeigt, wie es im Christenlager zuging. Wenn sie dort einen von unserer Seite gefangen ha­ben, ist ihm die Haut abgezogen und die gedörrt worden. Nun weiß ich ja, daß die als ‚Mumia‘ den Ärzten und Apothekern als Heilmittel verkauft wurde, wie das gedörrte Menschenfleisch auch. Damals habe ich, wie viele Türken, die Soldaten des Mavi Kral für Menschenfresser gehalten, für gefährliche Wilde.

Noch mehr haben wir das glauben können, wie es zur Eroberung der Unterstadt am Wasser kam. Dabei sind auch die Frauen und sogar viele Kinder er­schlagen worden. Ein- und zweijährige Kinder spießten sie auf Lanzen oder warfen sie gegen die Mauer, bis sie tot waren. Zwei Tage danach mußte auch die Citadelle übergeben werden, aber der Mavi Kral lud meinen Beg zu Tisch und hat ihn umbringen lassen.“

9. Juli 1686

Augsburg * Unter der Führung des Kaisers Leopold I. kommt es zur Gründung der Augsburger Liga gegen Frankreich.

27. Juli 1686

Buda/Ofen * Ein großer Angriff des christlichen Heeres kann von den türkischen Verteidigern abgewehrt werden. 

2. September 1686

Buda/Ofen * Mittags um ein Uhr, kommt es zum erfolgreichen Generalsturm auf die Festung. Grausame Szenen spielen sich bei der Eroberung von Buda/Ofen ab. Der ganze Zorn der siegreichen christlichen Soldaten entlädt sich nun gegen die Heiden.

Die Wut über die angeblichen Gräueltaten der Osmanen gegen die Zivilbevölkerung und der von Kirche und Glauben angefachte religiöse Hass entladen sich nun an der Bevölkerung von Buda/Ofen. Alles was sich den Christen entgegen stellt, muss sterben. Selbst Kinder und Säuglinge werden ein Opfer der zügellosen Soldateska.

Ein brandenburgischer Augenzeuge berichtet: „Ich bin erstaunet, was da ist vorgegangen, daß auch Menschen viel grausamer als Bestien gegeneinander sich bezeigeten“. Nur Wenigen gelingt die Flucht auf die Burg. 

4. September 1686

Buda/Ofen * Auch die Burg von Buda/Ofen, der letzte Zufluchtsort der Verteidiger, muss kapitulieren. 

27. September 1686

Benediktbeuern * Cosmas Damian Asam kommt in Benediktbeuern zur Welt. 


1687

Januar 1687

Venedig * Kurfürst Max Emanuel vergnügt sich bis Februar beim „Karneval in Venedig“.

März 1687

Wien * Nach der Rückkehr Kurfürst Max Emanuels vom „Karneval in Venedig“ kommt es zwischen der kaiserlich-lothringischen und der badisch-baierischen Partei zu Auseinandersetzungen über Ziele und Verfahrensfragen des Feldzugs gegen die Türken.

12. August 1687

Mohács * Bei einer der seltenen Feldschlachten des Türkenkriegs stehen 60.000 Türken etwa 50.000 Verbündeten des Kaisers am Berge Harsán bei Mohács gegenüber. Die Schlacht endet mit einem glänzenden Sieg der Kaiserlichen.

Der von Kurfürst Max Emanuel befehligte linke Flügel erzwingt den Sieg, indem er zuerst den ersten Angriff der türkischen Reiterei abwehrt, danach mit einem Gegenangriff den Gegner zurückwirft und so lange beschäftigt, bis Herzog Carl von Lothringen die türkischen Verschanzung gewinnen kann.

9. Dezember 1687

Ungarn * Joseph I. wird zum ungarischen König gekrönt. 


1688

7. Januar 1688

Köln * Die Kölner Domherren legen sich - auf Wunsch des Fürstbischofs Maximilian Heinrich - einstimmig für Wilhelm Egon von Fürstenberg als Koadjutor [= Nachfolger] für den Kölner Bischofsstuhl fest.  

  • Kaiser Leopold I. erklärt die Wahl für ungültig und auch  
  • Papst Innozenz XI. erkennt das Ergebnis der Wahl nicht an und zögert die Sache so lange hinaus, bis Kurfürst Maximilian Heinrich stirbt. 
26. Mai 1688

München - Au * Eine Gruppe der türkischen Kriegsgefangenen muss als Sänftenträger dienen. Die Sesselträger bilden eine eigene Organisation, an deren Spitze ein einheimischer Sesselmeister steht, der für den funktionierenden Ablauf verantwortlich ist und für das Wohlergehen seiner Untergebenen zu sorgen hat.

Damit der Sesselmeister Christoph Wegele nicht nach Gutdünken mit seinen Beschäftigten umspringen kann, erhält er am 26. Mai 1688 genaue Instruktionen, die alles, von der Verpflegung bis zur Entlohnung, regeln. 

5. Juni 1688

Köln - Berg am Laim - Berchtesgaden * Der aus der baierisch-wittelsbachischen Linie stammende Kölner Kurfürst Maximilian Heinrich stirbt. Damit ist die Konkurrenz über die Wahl des Nachfolgers auf dem Kölner Bischofsstuhl wieder offen. Angeführt von Kaiser Leopold I. sammeln sich alle frankreichfeindlichen Kräfte hinter dem 17-jährigen baierischen Kandidaten Joseph Clemens. 

Die Hofmarkherrschaft über Berg am Laim geht an Maximilian Heinrichs Neffen Joseph Clemens über. Joseph Clemens wird zudem Fürstprobst der Probstei Berchtesgaden. 

19. Juni 1688

München - Florenz • Der Ehevertrag zwischen der baierischen Prinzessin Violante Beatrix, der jüngsten Tochter des baierischen Kurfürstenpaares Henriette Adelaide und Ferdinand Maria, und dem Ferdinando de‘ Medici, Erbgroßherzog der Toskana, wird unterzeichnet. 

6. Juli 1688

Belgrad * Kurfürst Max Emanuels Soldaten stürmen Belgrad und nehmen die Festung ein.

19. Juli 1688

Köln - Rom-Vatikan * Es kommt zur Wahl zum Kölner Erzbischof und Kurfürsten.  

  • Bei der Kampfabstimmung erhält der Straßburger Bischof Wilhelm Egon von Fürstenberg 13 der 24 Stimmen. 
  • Bischof Joseph Clemens von Freising und Regensburg erhält dagegen nur neun Stimmen.  

Dennoch bestätigt Papst Innozenz XI. den unterlegenen Kandidaten in der Funktion des Kölner Fürstbischofs und Kurfürsten. Daraufhin lässt der französische König Ludwig XIV. Köln besetzen. Der frisch gekürte 17-jährige Kurfürst Joseph Clemens kann dadurch die nächsten neun Jahre nicht in Köln residieren. 

25. Juli 1688

PeterwardeinKurfürst Max Emanuel trifft mit seinen baierischen Truppen bei Peterwardein ein und überquert die Save.

28. Juli 1688

Belgrad * Die Belagerung Belgrads durch Baierns Kurfürst Max Emanuel beginnt.

6. September 1688

Belgrad * Nachdem dem Kurfürsten Max Emanuel die Belagerung Belgrads nicht schnell genug voranschreitet, gibt er den Befehl zum Sturm. Nach einem langen und heftigen Kampf und erheblichen Verlusten auf beiden Seiten können die christlichen Truppen Belgrad erobern. Zahlreiche Offiziere und hunderte von Soldaten lassen „ihr Leben der Christenheit zum unbeschreiblichen Nutzen und ihrem selbsteigenen unsterblichen Ruhm“. Ein Pfeilschuss hat Max Emanuel im Gesicht verletzt.

Die Sieger verhalten sich wie bei allen vorangegangenen Feldzügen und ermorden alles, was ihnen in den Weg kommt. Und wenn die Helden keinen Degen mehr haben, erstechen sie die „verfluchten Türcken mit Brotmessern“ und schicken sie „solcher gestalt zu ihrem Mahomet“. Die Verwundeten erschlagen die Christen mit ihren Äxten und Gewehrkolben. Das Gemetzel dauert Stunden. Ihm folgt die Plünderung und daran anschließend der Dankgottesdienst. Der 26-jährige Kurfürst Max Emanuel verlässt den ungarischen Kriegsschauplatz nach der Befreiung Belgrads für immer. 

13. September 1688

Belgrad - Wien * Kurfürst Max Emanuel reist nach der Befreiung Belgrads ins kaiserliche Wien.

Oktober 1688

Belgrad - München * Als Kurfürst Max Emanuel nach seinem „tollkühnen Sturm auf Belgrad“ nach München zurückkehrt, befindet sich in seinem Gefolge die 16-jährige Italienerin Adelheid Felicitas Canossa.

Der Kurfürst bietet Max Cajetan von Törring-Seefeld die Hand der aparten - allerdings als Mätresse abgelegten - Adelheid Felicitas an.


1689

1689

München * Nach einem Streit mit seinem Vorgesetzten Enrico Zuccalli um die Nutzung des gemeinsamen Gartens vor dem Schwabinger Tor wird Giovanni Antonio Viscardi aus dem Hofdienst entlassen.

Viscardi ist in den nächsten Jahren als „freier Baumeister-Architekt“ tätig und unter anderem am Bau des Jesuitenklosters in Landshut, an Erweiterungsbauten im Kloster Fürstenfeld und an der Theatinerkirche beteiligt.

Weitere Aufträge folgen. Für den Reichsgrafen Ferdinand Franz Lorenz Xaver von Tilly zu Breitenegg übernimmt Viscardi verschiedene Bauaufträge.

4. Mai 1689

München - Wien * Ein neuer Allianzvertrag zwischen Österreich und Baiern wird geschlossen. Darin verpflichtet sich Kurfürst Max Emanuel, Kaiser Leopold I. 8.000 Mann für den Kampf gegen Frankreich zur Verfügung zu stellen. 

25. Mai 1689

München * Kurprinz Leopold Ferdinand, der erstgeborene Sohn des Kurfürsten Max Emanuel und dessen Gemahlin Maria Antonia, stirbt nach nur drei Tagen. 

31. Mai 1689

Bretten * Kurfürst Max Emanuel trifft im Lager bei Bretten ein und übernimmt das Kommando über die Truppe. 

8. September 1689

Mainz * Kurfürst Max Emanuel beteiligt sich mit den baierischen Truppen im Krieg gegen Frankreich am Rhein an der Belagerung von Mainz. Der französische Kommandant von Mainz kapituliert vor den baierischen Truppen. 

13. Oktober 1689

Bonn * Die deutschen Truppen unter Kurfürst Max Emanuel ziehen im französisch besetzten Bonn ein. 

5. November 1689

München * Kurfürst Max Emanuel trifft nach seinem siebten Feldzug - gegen die Franzosen am Rhein, in Mainz und Bonn - wieder in München ein. 


1690

24. Januar 1690

Frankfurt am Main * Joseph I. wird römisch-deutscher König. 

20. April 1690

Versailles * Maria Anna Christine Victorie, die ältere Schwester des Kurfürsten Max Emanuel und Gemahlin von Ludwig, dem Dauphin von Frankreich, stirbt in Versailles. 


1691

5. Januar 1691

München * Die Bürgerschaft wird darauf aufmerksam gemacht, dass weder Spül- noch anderes Wasser auf die Gasse geschüttet werden darf. 

22. Februar 1691

München-Graggenau * Kurfürst Max Emanuel schenkt den Englischen Fräulein das von ihnen seit dem Jahr 1628 bewohnte Haus in der Weinstraße. 

6. April 1691<p><strong><em>Freising - München-Hackenviertel</em></strong> * Bischof Joseph Clemens stellt zur „Augenwende“ in der Herzogspitalkirche&nbsp;eine Approbationsurkunde&nbsp;aus. &nbsp;</p> <p>In dieser bestätigt er, dass dieses und andere Wunder <em>„als der Wahrheit gemäße und von der wunderthätigen Hand Gottes und seiner werthen Mutter Fürbitte herrührende Gnadenzeichen den Christgläubigen billig vorgetragen und von Jedermann sicherlich können geglaubt werden“</em>.&nbsp;</p>
20. April 1691<p><strong><em>München-Graggenau</em></strong> * Die Englischen Fräulein bitten die Stadt um einen Zuschuss für ihr neu zu erbauendes Haus an der Weinstraße. Da auch Kurfürst Max Emanuel eine großzügige finanzielle Unterstützung zugesagt hat, beschließt der Rat der Stadt, ihnen 20.000 Ziegelsteine mit dem Transport durch den städtischen Fuhrdienst zuzugestehen.&nbsp;</p>
8. August 1691

München-Hackenviertel - Turin * Nach einem Gottesdienst in der Herzogspitalkirche bricht Kurfürst Max Emanuel zu einem kaiserlichen Feldzug nach Savoyen auf. 

11. August 1691

München - Wien * Kurfürstin Maria Antonia reist mit kleinem Gefolge auf dem Wasserweg nach Wien. 

17. August 1691

Mailand * Kurfürst Max Emanuel zieht zusammen mit dem Herzog von Savoyen in Mailand ein. 

19. August 1691

Turin * Kurfürst Max Emanuel zieht prunkvoll - in der Heimatstadt seiner Mutter Henriette Adelaide - in Turin ein. 

15. Oktober 1691

München * Maria Anna Lindmayr wird am Fest der großen Theresia von Avila, vom Prior des Karmeliterklosters als Tertiarin in die Ordensgemeinschaft aufgenommen. Sie erhält das Drittordenskleid und führt fortan für sich ein strenges Büßerleben. 

31. Oktober 1691

München * Die Weinwirte, Gastgeben und Bierbrauer bitten den Inneren Rat künftig auch die Zunft der Handelsleute sowie das Handwerk der Köche, Metzger, Landkutschiere und Branntweiner am Transport der Geschütze auf die Wälle heranzuziehen.  

Bei feierlichen Anlässen und Einzügen müssen die „Stuckh“ genannten Geschütze zum Salutschießen auf die Wälle gebracht werden. Diese Aufgabe wird bisher von den Weinwirten und Bierbrauern wahrgenommen. 

12. Dezember 1691

Madrid - Brüssel * Baierns Kurfürst Max Emanuel wird durch Spaniens König Carl II. zum Generalstatthalter der Spanischen Niederlande ernannt.

22. Dezember 1691

Haidhausen - Giesing - Zamdorf - München-Lehel * Die Bauern aus Haidhausen, Giesing, Zamdorf und anderen Orten haben die 455 Fudern Bauschutt des abgebrochenen Schäfflerturms an der Weinstraße auf das Wöhrl oberhalb der Isarbrücke [= Museumsinsel] gebracht. Der Abbruch des ehemaligen Stadttores war wegen des Neubaus der Englischen Fräulein notwendig geworden. 


1692

5. März 1692

München - Brüssel * Max Emanuel macht sich - ohne seine schwangerne Ehefrau Maria Antonia - auf den Weg von München in die Spanischen Niederlande.

26. März 1692

Brüssel * Kurfürst Max Emanuel zieht feierlich in Brüssel ein.

27. Oktober 1692

Wien - Brüssel * Baierns Kurfürstin Maria Antonia bringt in der Wiener Hofburg einen Sohn zur Welt. Das Kind wird noch am selben Tag vom päpstlichen Nuntius im Beisein des Kaiserpaares in feierlicher Zeremonie auf den Namen Joseph Ferdinand Leopold getauft.  

Kurfürst Max Emanuel, der Vater des Kindes, ordnet - nachdem er von der Geburt seines Sohnes erfahren hat - in Brüssel eine Festbeleuchtung an - und gibt ein Galadiner. Er nutzt schließlich jeden sich bietenden Grund zum Feiern. 

27. Oktober 1692

Wien - Brüssel * Baierns Kurfürstin Maria Antonia bringt in der Wiener Hofburg einen Sohn zur Welt. Das Kind wird noch am selben Tag vom päpstlichen Nuntius im Beisein des Kaiserpaares in feierlicher Zeremonie auf den Namen Joseph Ferdinand Leopold getauft.

Kurfürst Max Emanuel, der Vater des Kindes, ordnet - nachdem er von der Geburt seines Sohnes erfahren hat - in Brüssel eine Festbeleuchtung an - und gibt ein Galadiner. Er nutzt schließlich jeden sich bietenden Grund zum Feiern. 

12. Dezember 1692

Wien * Kurfürstin Maria Antonia unterzeichnet in Wien ihr Testament und schließt darin ihren Ehemann Max Emanuel vom Erbe aus.

24. Dezember 1692

Wien - Brüssel * Baierns Kurfürstin Maria Antonia stirbt in Wien. Kurfürst Max Emanuel, ihr Ehemann und Gouverneur der Spanischen Niederlande, nimmt die Todesnachricht in Brüssel gelassen und ungerührt entgegen. An den Begräbnisfeierlichkeiten im weit entfernten Wien nimmt er natürlich nicht teil.


1693

1693

Neerwinden * Kurfürst Max Emanuel beteiligt sich mit den baierischen Truppen im „Krieg gegen Frankreich am Rhein“ an der „Schlacht von Neerwinden“.

8. Mai 1693

Berg am Laim * Der Kölner Kurfürst Joseph Clemens gründet die „Bruderschaft des Hl. Ertzengel und Himmelsfürsten Michael“ in der Berg am Laimer Michaelskirche der Josephsburg. Auf die Idee kam er, weil die Vorbereitungen zum 100. Jahrestag der Einweihung der Michaelskirche in der Neuhauser Gasse am 6. Juli 1697 bevorstand. 

22. Mai 1693

Wien - München * Der baierische Kurprinz Ferdinand Joseph wird von Wien nach München gebracht, wo er am 22. Mai eintrifft.

8. September 1693

Schönbrunn * Caspar Freiherr von Schmid stirbt im Alter von 71 Jahren. Er wird in der Schlosskirche der Hofmark Schönbrunn in der Familiengruft bestattet.

29. September 1693

Berg am Laim * Der Kölner Kurfürst Joseph Clemens gründet einen Ritterorden mit dem Titel „Hl. Ertzengel Michael, Beschützer der göttlichen Ehre“ in der Berg am Laimer Michaelskirche der Josephsburg. Er will damit den apostolischen Stuhl in Rom in der Auseinandersetzung um den Lütticher Bischofssitz wohlgesonnen stimmen. 


1694

19. Mai 1694

München * Der Ehevertrag über die Vermählung Kurfürst Max Emanuels mit der polnischen Prinzessin Therese Kunigunde wird unterzeichnet.

19. August 1694

Warschau * Die Prokuravermählung zwischen Baierns Kurfürsten Max Emanuel und der polnischen Prinzessin Therese Kunigunde findet in Warschau statt.


1695

1695

München * Der dreibändige Kommentar zum kurbaierischen Rechtswesen und eine Historia des 17. Jahrhunderts des verstorbenen „Altkanzlers“ Caspar von Schmid erscheint. 

2. Januar 1695

Brüssel * Kurfürstin Therese Kunigunde zieht in Brüssel ein.

12. Januar 1695

Wesel am Rhein * Kurfürst Max Emanuel heiratet in Wesel am Rhein die polnische Königstochter Therese Kunigunde. 

2. September 1695

Namur * Kurfürst Max Emanuel beteiligt sich mit den baierischen Truppen im Krieg gegen Frankreich am Rhein an der Eroberung von Namur. 


1696

22. Juli 1696

München * Mit einem kurfürstlichen Mandat des Kurfürsten Max Emanuel wird sogar das Kammerfensterln verboten. 

14. September 1696

Madrid * König Carl II. von Spanien regelt in seinem Testament die Erbfolge. Trotz Geheimhaltung sickert durch, dass es zu Gunsten des baierischen Kurprinzen Joseph Ferdinand lautet. Spanien hat bis zu diesem Zeitpunkt immer am Prinzip der Unteilbarkeit der spanischen Monarchie festgehalten. Prinz Joseph Ferdinand von Baiern hat im Stammbaum - als Urenkel des spanischen Königs Philipp IV. und Maria Anna von Österreich - den höchsten Anteil spanisch-habsburgischen Blutes.  

Doch auch Österreich schiebt einen Universalerben für den spanischen Thron vor:  Erzherzog Carl, den jüngsten, im Jahr 1685 geborenen Sohn Kaiser Leopolds I. aus dessen dritter Ehe. 


1697

6. August 1697

Brüssel * Carl Albrecht, der spätere baierische Kurfürst und nachmalige Kaiser Carl VII. Albrecht, wird in Brüssel geboren. 

15. September 1697

Krakau * Der wettnische Kurfürst von Sachsen, August der Starke, erhält die polnische Königskrone. 


1698

Januar 1698

München * Der baierische Kurprinz Ferdinand Joseph erkrankt schwer.

24. Mai 1698

Wien - Brüssel * Der baierische Kurprinz Ferdinand Joseph wird nach Brüssel gebracht, wo er am 24. Mai eintrifft.

24. September 1698

Versailles - London * In einem Geheimvertrag einigen sich Frankreichs König Ludwig XIV. und Englands König Wilhelm III. von Oranien auf einen Teilungsplan. Demnach soll Kurprinz Joseph Ferdinand von Baiern Spanien und Südamerika erhalten, während die italienischen Besitzungen unter Frankreich und Österreich aufgeteilt werden sollen.  

Eine Indiskretion lässt die Abmachung in Madrid und Wien bekannt werden, was in der Folge einen Sturm der Entrüstung auslöst. 

11. November 1698

Madrid * König Carl II. von Spanien ernennt den sechsjährigen baierischen Kurprinzen Joseph Ferdinand zum „Prinzen von Asturien“ und damit zum alleinigen Erben der spanischen Monarchie.  

Nun gibt sich der baierische Kurfürst Max Emanuel, der inzwischen Therese Kunigunde, die Tochter seines ehemaligen Waffengefährten, des polnischen Königs Johann III. Sobieski, geheiratet und im Mai 1698 seinen Sohn nach Brüssel hat bringen lassen, zu weiteren hochfliegenden Zukunftsträumen hin.  

Wenn er großzügig den Besitz des Gesamthauses Wittelsbach zusammen zählt, dann sind die großen europäischen Dynastien überflügelt: Baiern, Spanien, beide Indien, Niederlande, Mailand, Neapel, Sizilien in einer Hand - Schweden, Kurpfalz, Jülich und Berg, Neuburg, Köln, Lüttich und Berchtesgaden sind von Verwandten besetzt.  

Das Testament des spanischen Königs stößt aber auf den Widerstand von Frankreich und Österreich. Damit kann die politische Zukunft für den Thronfolger keineswegs als gesichert angesehen werden. 


1699

15. Januar 1699

Brüssel * Kurprinz Ferdinand Joseph erkrankt erneut schwer.

24. Januar 1699

München * Der Gesundheitszustand des baierischen Kurprinzen Ferdinand Joseph verschlechtert sich.

26. Januar 1699

Karlowitz * Mit dem Frieden von Karlowitz endet der Große Türkenkrieg. 

6. Februar 1699

Brüssel * Kurprinz Ferdinand Joseph stirbt in Brüssel im Alter von sechs Jahren.

9. Februar 1699

Brüssel * Der baierische Kurprinz Joseph Ferdinand findet in der Kirche „Ste-Gudule“ in Brüssel seine letzte Ruhestätte. 


1700

1700

München * München hat 24.000 Einwohner. 

18. Februar 1700

Deutschland * Auf den protestantischen Gebieten folgt auf den 18. Februar der 1. März 1700. Damit ist die einheitliche Tageszählung im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation endgültig wieder erreicht. Bis zur Kalenderumstellung in den protestantischen Ländern werden alle Dokumente mit zwei Daten versehen.

14. Juli 1700

München - Haidhausen - Au * Ein Befehl des Hofrats fordert dazu auf, bei „behöriger Straff“ endlich alle „Hurerey- und Gaukelhäuser auszurotten“. Doch die Hopfengärten rings um die Stadt, die finsteren Bögen an der Südseite des Marktplatzes, die Ziegelöfen in Haidhausen und die Herbergen in der Au sind beliebte Liebesnester und Schlupflöcher vagierender Mädchen.  

An den genannten Plätzen werden immer wieder sogenannte „Schrannenmentscher“ aufgegriffen. 

August 1700

Freystadt * Giovanni Antonio Viscardi beginnt mit dem Bau einer neuen Wallfahrtskirche Maria Hilf in Ferdinand Franz Lorenz Xaver von Tilly zu Breiteneggs Herrschaft Freystadt in der Oberpfalz. 

17. August 1700

Brüssel * Clemens August Maria Hyazinth von Baiern, der spätere Kurfürst von Köln und Inhaber mehrerer Bistümer, wird als vierter Sohn des Kurfürsten Max Emanuel von Baiern in Brüssel geboren, wo sein Vater Statthalter der Spanischen Niederlande ist.

2. Oktober 1700

Madrid * Eine weitere Verschlechterung seines Gesundheitszustandes zwingt den 39-jährigen König Carl II. von Spanien zur Abfassung eines neuen Testaments. Er vermacht darin sein gesamtes Vermögen an Herzog Philipp von Anjou, dem zweitältesten Enkel des Franzosenkönigs Ludwig XIV..  

Da der ebenfalls aus dem Hause Habsburg stammende Kaiser Leopold I. Teile des spanischen Weltreichs für sich und seine Familie beansprucht, wird es im Mai 1701 zum sogenannten Spanischen Erbfolgekrieg kommen. 

1. November 1700

Madrid * König Carl II., der letzte spanische Habsburger, stirbt in Madrid ohne Nachkommen. 

2. November 1700

Madrid - Versailles * Das Testament des spanischen Königs Carl II. wird eröffnet. Er vermacht darin die gesamte spanische Monarchie an Herzog Philipp von Anjou, dem zweitältesten Enkel des Franzosenkönigs Ludwig XIV.. Ludwig XIV. stellt daraufhin sofort seine bislang verfolgten Teilungsabsichten hinten an und unterstützt seinen Enkelsohn, der schon im Februar 1701 in Madrid einziehen kann.  

Die Seemächte akzeptieren Philipp V. als spanischen König nicht - und Kaiser Leopold I. lehnt das Testament aus grundsätzlichen Erwägungen ab, da es faktisch den deutschen Zweig der Familie enterben würde. 

2. November 1700

Brüssel - München * Baierns Kurfürst Max Emanuel befindet sich nun in einem Dilemma.  

  • Der neue spanische König ist zwar sein Neffe, aber wie sollte er sich als Statthalter der spanischen Niederlande gegenüber einem König verhalten, der von mehreren Seiten nicht anerkannt wird?  
  • Wie soll er sich mit seinen bisherigen Waffenbrüdern verständigen?  
  • Und vor allem, wie kann er in dieser Situation noch das Maximalste herausholen?  

Um seinen Wünschen nach Rangerhöhung doch noch ein Stück näher zu kommen, bereitet der baierische Kurfürst einen Bündniswechsel in Richtung Frankreich vor. 


1701

Bis zum Jahr 1701

München * In München geraten bis zum Jahr 1701 noch mindestens einhundert Personen in den Verdacht der „Hexerei“.

Mindestens 55 von ihnen erhalten Strafen, die unterhalb der „Todesstrafe“ lagen, hingerichtet werden etwas mehr als zehn. 

18. Januar 1701

Königsberg * Der hohenzollerische Kurfürst von Brandenburg , Friedrich III., erhält die Königskrone für Preußen. 

18. Februar 1701

Madrid * Philipp von Anjou, der Enkelsohn des französischen Königs Ludwig XIV., zieht als König Philipp V. in Madrid ein und nimmt Besitz vom spanischen Thron. 

9. März 1701

Versailles * Frankreich und Baiern unterzeichnen einen „Bündnisvertrag zur Sicherung der Neutralität Süddeutschlands“. Baierns Kurfürst Max Emanuel sieht nach dem Tod seines Sohnes Joseph Ferdinand eine neue Chance, durch eine geschickte Bündnispolitik dem Hause Wittelsbach. 

7. April 1701

Brüssel - München * Kurfürst Max Emanuel kehrt aus Brüssel nach München zurück.

Anfang Mai 1701

München * Die Kurfürstin Therese Kunigunde und der "Hofstaat" kehren ebenfalls nach München zurück.

7. September 1701

Den Haag * England, die Vereinigten Niederlande und Österreich schließen sich in Den Haag zur Haager Großen Allianz gegen Frankreich und Spanien zusammen. Die ungeschickte und aggressive Politik von Frankreichs König Ludwig XIV. führten zu diesem Zusammenschluss. 

17. September 1701

München * Die 17-jährige Wachtmeisterstocher Maria Theresia Käser aus Pfaffenhofen als Hexe auf der Richtstatt enthauptet und ihr geschundener Körper anschließend verbrannt.

Maria Käser wird früh elternlos und ist auf Betteln und Stehlen angewiesen. Das armselige und heruntergekommene Mädchen ist aufgrund ihrer niedrigen sozialen Stellung zur Hexe geradezu geboren. Die junge Frau wird von einem verschmähten Liebhaber der Hexerei bezichtigt. Unter der Folter gesteht sie, am Hexensabbat teilgenommen, sich dem Teufel mit „Leib und Seele“ ergeben sowie ihr Amulett und einen geweihten Gürtel mit Füßen getreten zu haben. 

22. Oktober 1701

Wien * Die Kaisertochter und spätere baierische Kurfürstin sowie Kaiserin Amalia Maria Josepha Anna wird in Wien geboren. 


1702

1702

München * Die „Rekrutierungsverfahren“ zur Gewinnung von Soldatennachwuchs werden verschärft. 

Sogar der „Hofkriegsrat“ stellt in einem Gutachten fest, dass das Verfahren negative Auswirkungen auf die Landwirtschaft und die Steuerkraft des Landes haben wird.

Die kurbaierischen „Zwangsaushebungen“ unterscheiden sich kaum von den „Zwangsrekrutierungen“ der österreichischen „Kaiserlichen Administration“ im Jahr 1705.

15. Februar 1702

Den Haag - Wien - London - Paris - Madrid - München - Köln * Die „Haager Große Allianz“ erklärt Frankreich und Spanien den Krieg. 

18. August 1702

München - Versailles * Kurfürst Max Emanuel und seine Berater treffen die Entscheidung für die Unterzeichnung des Bündnisvertrages mit Frankreichs König Ludwig XIV..

1. September 1702

München - Versailles * Kurfürst Max Emanuel erneuert sein Bündnis mit Frankreich. König Ludwig XIV. verspricht ihm für die aktive Kriegsteilnahme territoriale Gewinne und die mögliche Anerkennung der Königswürde. 

8. September 1702

Ulm * Mit dem Überfall auf die Reichsstadt Ulm beginnt die militärische Aggression Max Emanuels. Damit beginnt der Spanische Erbfolgekrieg zwischen Frankreich und Österreich. Der baierische Kurfürst Max Emanuel steht gemeinsam mit seinem Bruder Joseph Clemens, dem Kurfürsten von Köln, als einzige Reichsfürsten auf der Seite der Franzosen.

30. September 1702

Regensburg * Der Reichskrieg gegen Frankreich und seinen Verbündeten - also auch Baiern - wird im Reichstag in Regensburg beschlossen. Das Kurfürstentum Baiern ist nun von allen Seiten von Feinden umgeben. 

Oktober 1702

Memmingen - Lauingen - Dillingen * Die "Reichsstädte" Memmingen, Lauingen und Dillingen werden von den baierischen Truppen eingenommen.

November 1702

Oberpfalz * Kaiserliche Truppen marschieren in der Oberpfalz ein.


1703

Januar 1703

Wien - Kurfürstentum Baiern * Beginn der konzentrierten Angriffe der „Kaiserlichen Armee" gegen Baiern.

Februar 1703

Neuburg an der Donau * Baierische Truppen unter Führung des Kurfürsten Max Emanuel überfallen die „Reichsstadt" Neuburg an der Donau.

8. April 1703<p><strong><em>Regensburg</em></strong> * Baierische Truppen unter Führung des Kurfürsten Max Emanuel besetzen die Reichsstadt&nbsp;Regensburg.</p>
Juni 1703

Kufstein * Kurfürst Max Emanuel und seine Armee überschreiten bei Kufstein die Grenze nach Tirol.

Juli 1703

Kufstein - Mittenwald * Im Juli und August 1703 erhebt sich das Volk gegen die Besetzung durch die baierische Armee.

Max Emanuel und seine Truppen ziehen sich rasch über Mittenwald zurück.

2. Juli 1703

Innsbruck * Die baierischen Truppen unter Führung des Kurfürsten Max Emanuel besetzen die Reichsstadt Innsbruck.

4. September 1703

Augsburg * Baierische Truppen unter der Führung ihres Kurfürsten Max Emanuel besetzen die Reichsstadt Augsburg. 

20. September 1703

Höchstädt * Baierisch-französische Truppen besiegen bei Höchstädt die Kaiserliche Armee.

31. Dezember 1703

München * Eine im Jahr 1703 von den städtischen Behörden erstellte Untersuchung über den Anteil der Kirchen und Klöster auf dem Stadtgebiet hat ergeben, dass von den 237,5 Tagwerk Grund und Boden innerhalb der Stadtumwallung Münchens 38,375 Tagwerk - oder ein Sechstel - kirchlichen Einrichtungen gehören. 


1704

1704

München * Ein französischer Schauspieler, genannt Brieder, ist der erste Münchner „Kaffeesieder“

1704

München * Maria Anna Lindmayr leidet an rätselhaften Krankheiten und hat immer wieder religiöse Visionen, die sich mit dem Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges verstärken. Im Jahr 1704 erreichen die Visionen ihren vorläufigen Höhepunkt.

Die Lindmayr spricht nun von einem „kommenden Strafgericht“, wenn sich die Menschen, allen voran der kurfürstliche Hof, nicht bessern und bekehren würden. 

9. Januar 1704

Passau * Die Stadt Passau kapituliert vor den baierischen Truppen. Anschließend fällt die Baiern-Armee in Oberösterreich ein.

12. Februar 1704

München * Als Wilhelm, einer der kurfürstlichen Prinzen im Alter von zweieinhalb Jahren stirbt, sieht die „fromme Jungfer Marianndl“ [= Maria Anna Lindmayr] darin die göttliche Strafe für das höfische Faschingstreiben. 

18. Mai 1704

München * Durch die Visionen und Prophezeiungen der Maria Anna Lindmayr verbreiteten sich bald in der ganzen Stadt die wildesten Gerüchte. Die - berechtigten - Ängste der Bevölkerung vor einem drohenden Krieg und den daraus resultierenden Auswirkungen führen noch am Dreifaltigkeitstag, am 18. Mai, zu einem Volksauflauf.

Der Kurfürstliche Geheime Rat lässt daraufhin die Prediger anweisen, sie sollen gegen die „Ausstreuungen einer gewissen Person“ vorgehen und die Bevölkerung zu „Buße, Tugend und Frömmigkeit“ anhalten.

Die „fromme Marianndl“ wendet sich nun an den Freisinger Fürstbischof Franz von Eckher von Kapfenberg und Lichteneck, der sie von einer „Kommission hochangesehener Geistlicher“ untersuchen lässt. Die Kommission stellt in ihrem Gutachten fest, dass die Lindmayr „in etlich sachen eine mehr als natürliche erkandnuß“ habe.

War die Lindmayrin zuvor in der Stadt noch umstritten, so ist nun die Mehrheit von der Mystikerin überzeugt. Maria Anna Lindmayr ist sich sicher, dass Gott die schlimmsten Gefahren nur dann von der Stadt abwende, wenn man ihm eine „Kirche zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit“ geloben würde. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, erklärt sie, dass ihr dies schon mehrmals geoffenbart worden sei. 

2. Juli 1704

Donauwörth * Die Truppen des Prinzen Eugen von Savoyen und Herzog John Churchill von Marlborough erobern den Schellenberg bei Donauwörth.

17. Juli 1704

München * Die drei Stände - Adel, Klerus und die Bürgerschaft Münchens - legen in der Frauenkirche ein „Gelöbnis zur Abwehr der Zerstörung Münchens im Spanischen Erbfolgekrieg“ ab.

Die Vision der Maria Anna Lindmayr, wonach Gott die schlimmsten Gefahren nur dann von der Stadt abwende würde, wenn man ihm eine „Kirche zu Ehren der allerheiligsten Dreifaltigkeit“ baut, wird im „Gelübde der drei Stände“ nicht einmal erwähnt. 

3. August 1704

Straubing * In Straubing wird - wenige Tage nach dem Münchner Gelöbnis - ein „Gelübde zur Abwehr der Belagerung durch die Habsburger“ abgelegt. Daraus entsteht 1709 eine Dreifaltigkeitssäule. 

13. August 1704

Höchstädt * Es kommt zur Schlacht von Höchstädt, die mit der vernichtenden Niederlage der französisch-baierischen Armee durch die kaiserlichen Truppen endet. Baiern wird aufgegeben. Die französischen Truppen ziehen sich zurück.

  • Kurfürst Max Emanuel flieht nach Frankreich. 
  • Kurfürst Joseph Clemens hält sich in Lille auf.
17. August 1704

München * Nachdem Kurfürst Max Emanuel die Schlacht von Höchstädt verloren hat, tritt er seinen Rückzug auf das linke Rheinufer an. Die Regentschaft über das Kurfürstentum Baiern überträgt Max Emanuel seiner Gemahlin Therese Kunigunde. 

7. November 1704

Ilbesheim * Therese Kunigunde, seit 17. August 1704 Regentin Baierns, schließt mit Kaiser Leopold I. den Waffenstillstandsvertrag von Ilbesheim, durch den Baiern aus dem Spanischen Erbfolgekrieg ausscheidet. Der Kurfürstin verbleibt der größte Teil des Rentamtes München. Das gesamte restliche Kurfürstentum wird von der habsburgischen Kaisermacht besetzt.

Außerdem beinhaltet der Ilbesheimer Vertrag  

  • die Auflösung des baierischen Heeres mit Ausnahme einer 400 Mann starken Garde,
  • die Übergabe der Festungen an die Kaiserlichen sowie
  • die Verpflichtung der Kurfürstin „gegen Sr. kaiserl. Majestät und das heilige römische Reich nichts Nachtheiliges oder Schädliches gestatten, hegen und noch weniger vernehmen [zu] lassen.“ 
15. Dezember 1704

Straubing - Landshut - Burghausen * Den Rentämtern Straubing, Landshut und Burghausen wird die gewaltige Kontribution [= Zahlungen für den Unterhalt der Besatzungstruppen] von 3,15 Millionen Gulden auferlegt. 

  • Das ist mehr als das Doppelte des gewöhnlichen Steueraufkommens ganz Baierns. 
  • Zudem wird eine außerordentliche Landsteuer ausgeschrieben, um damit die Auflösung des baierischen Heeres zu finanzieren.
  • Darüber hinaus erhalten die kaiserlichen Truppen ihr Winterquartier in den besetzten Rentämtern.

1705

Ab 1705

München-Graggenau * Nach der Niederlage des Kurfürsten Max Emanuel im Spanischen Erbfolgekrieg“ findet der „wittelsbachische Hausschatz“ in der Zeit von 1705 bis 1715 ein sicheres Versteck bei den „Franziskanern“.

16. Februar 1705

München - Venedig * Kurfürstin Therese Kunigunde reist zu ihrer Mutter nach Venedig. Das ist für die Kaiserliche Adimistration Anlass genug, dies als Verstoß gegen den Ilbesheimer Vertrag zu werten.

20. März 1705<p><strong><em>Wien</em></strong><em> * </em>Hofkriegspräsidenten, Geheimräte&nbsp;und hohe Kanzleibeamte&nbsp;beraten in Wien über eine zentrale Administration&nbsp;für ganz Baiern.&nbsp;Prinz Eugen <em>„der edle Ritter"</em> führt den Vorsitz dieser streng geheimen Besprechung.&nbsp;Mit Argwohn beobachtet man die rege Korrespondenz zwischen München und Brüssel.</p> <p>Schließlich setzt Kaiser Leopold I. - zur zivilen und militärischen Verwaltung Baierns - die Kaiserliche Administration&nbsp;mit Sitz in Landshut ein.&nbsp;Zum Landesadministrator&nbsp;wird der Diplomat Graf Maximilian Carl von Löwenstein-Wertheim-Rochefort bestellt.</p>
5. Mai 1705

Wien * Kaiser Leopold I. stirbt in Wien. Sein 27-jähriger Sohn Joseph I. wird zum Kaiser gewählt. Der neue Herrscher des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation will, dass „auf Bainern Keine andere reflexion zu machen sein, als selbiges in soweith genießen zu Können, das es hinkünftig dem Churfürsten Unnutz seyn solle“.  

Von dieser Politik ist die Landbevölkerung am stärksten betroffen. 

  • Sie hat - neben den drastischen Steuererhöhungen - besonders unter den drückenden Quartierlasten und den Schikanen der hier stationierten oder durchmarschierenden kaiserlichen Regimenter zu leiden.  
  • Hinzu kommt die Disziplinlosigkeiten und Exzesse der Soldaten, die der Landbevölkerung oft zusätzliche Leistungen abpressten.  
  • Die Bauern müssen für die Militaristen Dirnen besorgen und bezahlen.  
  • Häufig zwingt man sie bei Vergewaltigungen der eigenen Frau, der Töchter und Anverwandten zuzusehen.  
  • Selbst von jungen Mädchen und Schwangeren nehmen die Soldaten keinen Abstand.  
  • Plünderungen gefährden die Lebensmittelversorgung der ländlichen Bevölkerung und der Bewohner der Städte. 
15. Mai 1705

München * Die Kaiserliche Administration verweigert der Kurfürstin Therese Kunigunde die Rückreise nach München.

8.000 Soldaten marschieren um 7 Uhr vor den Stadttoren auf und drohen mit Bombardierung. Die Münchner kapitulieren. Nun ist die baierische Hauptstadt München, das Rentamt München und damit ganz Baiern besetzt. In der Folge verlegt man den Sitz der Kaiserlichen Administration in die Herzog-Max-Burg.

Nach dem 16. Mai 1705

München * Mit der österreichischen Besatzung Münchens erleben die Kaffeehäuser einen enormen Aufschwung. 

16. Mai 1705

München * Nachdem Kurfürstin Therese Kunigunde am 16. Februar 1705 zu ihrer Mutter nach Venedig reiste, besetzen die Kaiserlichen auch das Rentamt München und verweigerten der Kurfürstin die Einreise nach Baiern. 8.000 Soldaten marschieren um 7 Uhr vor den Stadttoren auf und drohen mit Bombardierung. Die Münchner kapitulieren.

Zur Besetzung des Rentamtes München kommt es auch deshalb, weil man in München keinen großen Eifer zeigt, die vereinbarten Abrüstungsmaßnahmen aus dem Ilbesheimer Vertrag umzusetzen. Eine Kaiserliche Administration unter Reichsgraf Maximilian Carl von Löwenheim-Wertheim-Rochefort bemüht sich nun um eine ordnungsgemäße Verwaltung des Kurfürstentums Baiern. 

24. Mai 1705

München * Graf Maximilian Carl von Löwenstein-Wertheim-Rochefort schlägt Kaiser Joseph I. - zur "Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung" in Baiern - die Deportation der kurbaierischen Prinzen in die österreichischen Stammlande vor.

25. Mai 1705

München * Die Kaiserliche Administration schreibt erneut eine außerordentliche Kriegssteuer aus, an der sich korrupte Beamte durch erhöhte Forderungen noch bereichern.

6. Juni 1705

München * Am 6. und 8. Juni leisten die baierischen Beamten einen Treueid auf den deutsch-römischen Kaiser Joseph I..

16. Juni 1705

München * Die Kaiserliche Administration ordnet an, dass jeweils vier Höfe einen tauglichen Mann für die Armee zu stellen haben.

1. Juli 1705

München * Die baierischen Stände leisten ihren Treueid auf den Kaiser. 

24. Juli 1705

München * Die Kaiserliche Administration befiehlt, alle ledigen und herumziehenden Bauernburschen aufzugreifen und dem Militärdienst zuzuführen.

9. September 1705

München * Die Kaiserliche Administration ordnet an, jeden dritten Mann der ursprünglich zu reinen Landesverteidigungszwecken aufgestellten Landfahnen zu rekrutieren.

Um den 2. Oktober 1705

München * Da sich weiterhin die meisten jungen Männer der Rekrutierung durch Flucht entziehen, ordnet die Kaiserliche Administration Zwangsrekrutierungen zur Auffüllung ihrer stark gelichteten Regimenter an. Verwaltungsbeamte und Rekrutierungskommandos greifen wehrfähige Männer auf, wo immer sie sie finden. Söhne und Knechte von Bauern werden während der Feldarbeit oder nachts aus den Betten weggeschleppt. Sogar aus den Kirchen werden sie gezogen, auf Wagen gefesselt nach Ungarn oder Italien entführt.

Den Bauern fehlen dadurch die Arbeitskräfte. Bis zu den Zwangsrekrutierungen beschränkte sich die Bevölkerung auf Beschwerden an die Kaiserliche Administration. Erst ab jetzt wird tätlicher Widerstand anzutreffen sein.

Um den 10. Oktober 1705

Niederbaiern - Oberpfalz * Im Innviertel, an Vils und Rott sowie in Teilen der Oberpfalz kommt es wegen der Zwangsrekrutierungen zu ersten Tumulten.

15. Oktober 1705

Lengries * Bei Lenggries im Isarwinkel protestieren die Menschen gegen die Zwangsrekrutierungen.

Um den 25. Oktober 1705

Oberpfalz - Niederbaiern * In der Oberpfalz und in Niederbaiern bricht der Aufstand gegen die kaiserliche Besatzungsmacht los.

Um den 3. November 1705

Burghausen * Im Rentamt Burghausen bricht der Aufruhr aus.

10. November 1705

Altötting - Burghausen * Die Kaiserliche Administration schickt 100 Grenadiere, 300 Rekruten, je 100 Husaren und Kürassiere sowie vier Regimentsgeschütze unter Oberst de Wendt in den Raum Altötting-Burghausen. 

13. November 1705

Burghausen * Der Kampf um Burghausen beginnt.

14. November 1705

Wien * Ein kaiserliches Mandat kündigt den Einsatz von Truppen gegen die Tumultuanten an.

16. November 1705

Burghausen * Burghausen kapituliert vor den Aufständischen. Sie ist die erste Stadt, die den Aufständischen in die Hände fällt. In den Kapitulationsverhandlungen verlangen die Unterländer,

  • dass „der Landmann bei seinen alten Privilegien verbleibe,
  • dass man von ihm nicht mehr fordere als unter dem Kurfürsten geschehen, damit die Bauern [...] ihre schuldigen Abgaben entrichten können;
  • alle Bauernsöhne und Knechte sollen zu Hause verbleiben und allein zur Verteidigung des Landes dienen.“

Die Bauern erheben sich also zunächst nur gegen die allzu maßlosen Forderungen der Kaiserlichen Administration, nicht gegen die Besatzungsherrschaft. Weil sie zu Verteidigung der Heimat bereit sind, wehren sie sich gegen den Missbrauch der Landfahnen zum kaiserlichen Militärdienst. Die Aufständischen verstehen sich als „ganze Gemein der Kurlande Baiern“.

Um ihnen die Legitimation des gesamten Kurfürstentums zu geben, wird der Regierungsrat Franz Bernhard von Prielmayer zum Kriegskommissär der Landesdefension gezwungen. Prielmayer versucht mäßigend auf die Aufständischen einzuwirken. Doch der Erfolg der Rebellen verändert deren Ziele, weshalb sie schon bald die Beseitigung der Kaiserlichen Administration fordern, weil sie für die „unerträglichen Lasten“ verantwortlich zeichne.

22. November 1705

Kurfürstentum Baiern * Unter dem Pseudonym „J. H. Wormbs“ erlässt Georg Sebastian Plinganser ein Mandat, dass „alle nichtadligen und unverheirateten kurbaierischen Untertanen“ zu den Waffen ruft. Als Ziel nennt das Mandat, man solle „mit vereinten Kräften auf die Feinde losgehen, solche aus dem Lande völlig zu vertreiben, nächstdem die alt churbaierische Libertät empor zu heben“.

Damit wird der Volksaufstand gegen die Ausplünderung der Landbevölkerung zur Erhebung gegen die Besatzungsherrschaft des Kaisers.

23. November 1705

Wasserburg * Mit brutaler Härte gelingt es den Kaiserlichen Truppen ein Belagerungsheer der Aufständischen vor Wasserburg zu zerschlagen. Oberst Johann Baptist de Wendt hat einen Teil der 4.000 Bauern, die Wasserburg eingeschlossen hatten, „wie das wilde Vieh zerfetzt und zerhauen“. Die Bauern verlieren 300 Mitstreiter durch den Tod und ebenso viele Gefangene.

25. November 1705

Benediktbeuern * Wegen den Zwangsrekrutierungen kommt es in Benediktbeuern zu Tumulten. 

27. November 1705

Vilshofen * Die Aufständischen nehmen Vilshofen ein.

28. November 1705

Braunau * Die Aufständischen nehmen die Festung Braunau ein. Die Belagerungsarmee ernennt den Mitterschreiber des Gerichts Reichenberg, Georg Sebastian Plinganser, zum Kriegskommissär.

28. November 1705

Neuötting * Die Kaiserlichen erobern das von den Aufständischen besetzte Neuötting zurück.

28. November 1705

München * Auf Bitten der Landschaftsverordnung sagt die Kaiserliche Administration die Einstellung der Zwangsrekrutierungen zu. 

Obwohl sich die Landschaftsverordnung deutlich von den „yblen aufstandt under dem paurs volkh“ distanziert, zeigt sie dennoch Verständnis für die bäuerlichen Belange, weshalb sie sich beim Kaiser vehement über „das unnß schon so lang truckhente Ellent“ beklagt. Sie tritt auch für eine Verständigungslösung zwischen den Aufständischen und der kaiserlichen Obrigkeit ein.

29. November 1705

Regensburg * Der in Regensburg stattfindende Reichstag des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation macht sich Sorgen um „das rebellische Volk“ in Baiern.

Um den 1. Dezember 1705

München * Oberst Freiherr Johann Bapist de Wendt verfügt jetzt über 1.300 Mann, darunter 400 Reiter.

Um den 2. Dezember 1705

Valley * In Valley kommt es zu Tumulten wegen den Zwangsrekrutierungen.

Um den 3. Dezember 1705

Oberpfalz - Oberviechtach * Der Oberviechtacher Pfarrer Florian Sigismund Maximilian Miller von Ammenthal und Fraunhofen wirbt in der südlichen Oberpfalz Truppen für die Aufständischen an.

4. Dezember 1705

Schärding * Die Aufständischen erobern Schärding.

4. Dezember 1705

Braunau * Der frühere baierische Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs kommt nach Braunau. Gemeinsam mit Plinganser plant er die Ausweitung der Rebellion übers ganze Land und die Einnahme Münchens.

  • Lokale Erhebungen im Bairischen Wald, an der unteren Isar und im Raum Kehlheim sollen Teile der kaiserlichen Besatzungstruppen binden,
  • während das starke Unterländer Defensionsheer über Mühldorf und Ebersberg auf die baierische Hauptstadt vorstoßen soll. 

Flankierend sollen aus den Gerichten nördlich und südlich von München zwei Unterstützungsangriffe gegen die Stadt erfolgen.

Um den 8. Dezember 1705

Burghausen * Die Aufstandsbewegung unter der Führung des Pfarrkirchner Gerichtsschreibers Georg Sebastian Plinganser erzielt bedeutende Erfolge und kontrolliert nach der Einnahme der Städte Burghausen, Braunau und Schärding die Innlinie und große Teile des Rentamtes Burghausen. 

Als sich die Rentamtsregierung notgedrungen auf die Seite der Aufständischen stellt, breitet sich die Rebellion über das Rott- und das Vilstal weiter aus.

9. Dezember 1705

Tölz * Der ehemalige baierische Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs begibt sich von Braunau nach Tölz, wo er den dortigen Pflegskommissär Johann Ferdinand Dänkel für die Aufstandspläne gewinnen kann. Die Bevölkerung des Oberlands steht dem Aufstand positiv gegenüber. Fuchs legt dazu ein angebliches Mandat des Kurfürsten Max Emanuel vor. Diese Fälschung war vermutlich von der Braunauer Führungsgruppe um Plinganser gefertigt worden. Es lautet: 

„Wir, von Gottes Gnaden Maximilian Emanuel, Churfürst zu Baiern etc. etc..

Nachdem Wir mit Schmertzen vernommen, dass ihr, meine Liebe, Getreue, seit unser Abwesenheit mehr und mehr beschweret werdet, und man euch eine Million nach der andern abpresset, benebst den Teutschen Krieg aus euren Mitteln fortsetzen wolle, wodurch dann die Armuth bey auch dermassen zugenommen, dass ihr die unerträglichen Lasten, sowohl in Geld, als Mannschafft, freye Einquartierung, und hin= und wider= Marches nicht länger ertragen könnet, dass ihr auch eur Vieh und Hauß-Zierathe zu Gelde gemacht, und nichts mehr als die leere Wohnung übrig habt, so haben wir nach der allzeit gegen euch erwiesenen und noch habenden Güt und Vorsorge rathsam und gut befunden, euch solchen vorzustellen und zu ermahnen, dass ihr solche unchristliche Beschwerungen nicht länger duftet, sondern hingegen- gesamter Hand einander beystehet, mit Gewehr euch versorget und auf alle Arth und Weise das Land selbst zu beschirmen trachtet, und solches um soviel mehr, da man noch über dem die bequeme Mannschafft zu dem Kriegesdienst mit Gewalt zwingen und wegführen will.

Zu dem Ende wollen wir auch nicht unterlassen, euch, soviel möglich ist, beyzustehen, und unser Winter-Lager nahe bey euch zu nehmen, biß ihr einen festen Fuß ins Land haben werdet.

Womit wir, wie vor diesem, euch in Gnaden und Gunst gewogen verbleiben.“ 

10. Dezember 1705

Anzing * Zwischen gemäßigten Burghauser Delegierten und Vertretern der Landschaft kommt es - mit Einverständnis der Kaiserlichen Administration zum Kongress von Anzing, der die Beschwerden der Aufständischen formuliert und einen zehntägigen Waffenstillstand vereinbart. 

Die Braunauer Aufständischen um Georg Sebastian Plinganser bleiben jedoch auf Konfrontationskurs.

Um den 10. Dezember 1705

München * Die Gerüchte, wonach die baierischen Prinzen nach Österreich gebracht werden sollen, werden lauter.

Um den 10. Dezember 1705

Tölz * Die abgedankten Leutnants Johann Georg Aberle und Johann Houis kommen nach Tölz. Ebenso der aus Lenggries stammende Adam Schöttl, damals Hofmarksjäger in Iffeldorf, genannt Jägeradam. Sie propagieren gemeinsam mit dem Tölzer Pflegskommissär Johann Ferdinand Dänkel die Erhebung im Landgericht Tölz.

12. Dezember 1705

München * Die Kaiserliche Administration erlässt für München ein Abmahnungsmandat, das den Aufständischen und ihren Familien mit Sippenhaft droht.

12. Dezember 1705

Wasserburg - Burghausen - München * Die Besatzung in Wasserburg wird auf 1.700 Mann verstärkt und dem Generalwachtmeister Georg Friedrich von Kriechbaum übertragen, nachdem die Kaiserliche Administration mit de Wendts Operationen gegen Burghausen unzufrieden war. Oberst Johann Baptist de Wendt wird als Stadtkommandant nach München zurückberufen.

13. Dezember 1705

Kelheim * Unter der Führung des Metzgermeisters Matthias Kraus gelingt den Aufständischen die Eroberung von Kelheim.

13. Dezember 1705

Tölz * Tölzer und Benediktbeurer Bauern treffen sich in Stallau, drei Kilometer entfernt von Tölz, zur Vorbereitung des Aufstands. Anwesend sind auch der Tölzer Pflegskommissär Johann Ferdinand Dänkel und der Bendiktbeurer Klosterrichter Wendenschlegel.

15. Dezember 1705

Landau an der Isar * Die Aufständischen erobern Landau an der Isar - und verlieren es kurz darauf wieder.

15. Dezember 1705

Braunau * Der ehemalige baierische Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs berichtet nach Braunau: „Das Oberland macht mit.“  Damit ist der Countdown eingezählt!

15. Dezember 1705

München * Der Anzinger Posthalter Franz Kaspar Hierner trifft in der baierischen Hauptstadt mit einer kleinen Gruppe ansässiger Verschwörer zusammen. Diese sind der Weinwirt, Mitglied im Äußeren Rat und Sohn des gleichnamigen Bürgermeisters von Tölz, Johann Jäger; der Weinwirt Johann Georg Küttler und der Bierbrauer Georg Hallmayr. Hierner verspricht die Mobilisierung der Gerichte Erding, Schwaben und Haag.

Um den 16. Dezember 1705

München * Der Münchner Verschwörerkreis hat sich um den Eisenhändler und Mitglied des Äußeren Rats Sebastian Senser, den Gastwirt Franz Mader, die Hofköche Kaspar Eckart und Sebastian Engelhart, den Registratur-Adjukt Ignaz Haid, dem Studenten Anton Passauer und den im Lehel wohnenden Aujäger Franz Daiser erweitert. Eine weitere Anwerbung findet weder bei den Studenten, noch bei den Hofbediensteten Anklang.

16. Dezember 1705

Niederbaiern * Der auf dem Kongress von Anzing vereinbarte Waffenstillstand wird von den niederbaierischen Bauern gebrochen und die Kampfhandlungen wieder aufgenommen.

16. Dezember 1705

Königsdorf * Die drei Münchner Wirte Johann Jäger, Johann Georg Küttler und Georg Hallmayr nehmen Verbindung mit den Oberländern auf. In Königsdorf treffen sie sich mit Adam Schöttl, dem „Jägeradam“, und drei Tölzer Bürger, dem Weinwirt Franz Jäger, der Bruder des Münchner Jägerwirts, und den beiden Bierbrauern Michael Schaindl und Anton Fiechtner. Man beschließt ein Manifest, das den Aufstand begründen soll: 

  • Es sind dies die hohen Steuern und Kriegsumlagen sowie die Quartierlasten und Ausschreitungen der Soldaten;
  • die vertragswidrige Besetzung des Rentamtes München sowie
  • die Verweigerung der Rückkehr der Kurfürstin;
  • die Beschlagnahme kurfürstlichen Eigentums und
  • die befürchtete Deportation der Prinzen.

Weil die Landschaftsvertretung die Interessen des Landes nicht ausreichend unterstützt, ist die Vertreibung der „eingedrungenen frembden Regierungs Göst“ das einzige Mittel.

17. Dezember 1705

Niederbaiern * Der Zulauf zu den aufständischen Unterländern ist so groß, dass deren Oberkommandant Johannes Hoffmann den Anzinger Waffenstillstand bricht und die kaiserlichen Truppen des Freiherrn Johann Baptist de Wendt angreift. 

18. Dezember 1705

Tölz * Im Tölzer Franziskanerkloster treffen sich die Beamten und Gemeindeobmänner des Gerichts Tölz und Umgebung. Mit anwesend sind der Pflegskommisär Maximilian Alram aus Valley, der ehemalige baierische Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs und die Offiziere.

Den Anwesenden wird in einer Mischung aus Halbwahrheiten und maßlosen Übertreibungen eröffnet, dass die Kaiserliche Administration die kurfürstlichen Prinzen aus München entführen möchte, weshalb einige Adelige und die Münchner Bürgerschaft dringend bitte, dass man im Oberland zu den Waffen greifen und die Kaiserlichen aus München vertreiben soll. 

  • Aus dem Rentamt München wären dazu 20.000 Mann bereit.
  • Und aus dem Unterland erwartet man weitere 8.000.
  • Außerdem haben die Münchner versprochen, dass sie die Aufständischen ohne Verlust eines einzigen Mannes und ohne einen Schuss Pulver in die Stadt schleusen würden.
  • Den Beamten erklärt man, dass der „Marsch nach München“ den Intensionen des Kurfürsten entspräche, wie der Brief vom 9. Dezember 1705 beweise. 
  • Es wird für die Gerichte südlich von München ein Aufgebotsbefehl erlassen.
19. Dezember 1705

Tölz * Die „Chur-Bairische Landts-Defension Oberlandt“ erlässt das Tölzer Patent. Es beinhaltet den Aufruf zur Versammlung der Mannschaften für den 22. Dezember 1705 in Hohenschäfftlarn, 18 Kilometer südlich von München.

19. Dezember 1705

München * Die Kaiserliche Administration erlässt ein Mandat, in dem sie der „rottirten rebellischen Baurschaft“ befiehlt, die Waffen niederzulegen. Zudem sollen die Bauern die Anführer der Aufstandbewegung zur Anzeige bringen. 

Die Kaiserliche Administration warnt davor, „daß diejenige Dörffer, Höf und Häuser, wo die Bauerschafft sich abwesend befindet, ohne alle Gnad und Bedenken verbrennet und in Asche geleget, diejenige Mannschaft aber, so in Wöhr und Waffen verblieben, und darinne erdappet werden wird, als Rebellen angesehen, und mit Galgen und Schwerdt, Vertreibung ihrer Haab und Gütter gestraft“ werden.

Auch die Eltern der Aufständischen würden „der Straff des Brands und Plünderung, als wann sie selbsten dabey wären, underworffen seyn“. Keiner könne sich damit entschuldigen, nur unter Zwang gehandelt zu haben.

21. Dezember 1705

Braunau - München * Der Höhepunkt der politischen Phase des Baierischen Volksaufstands ist erreicht. In Braunau konstituiert sich ein Parlament, der Landesdefensionskongress. Ein Direktorium, die provisorische Regierung, wird gebildet. 

Die Kurbaierische Landes-Defension Oberland und Unterland unternimmt den Marsch nach München, um mit der Landeshauptstadt beginnend ganz Baiern zu befreien.

22. Dezember 1705

Hohenschäftlarn * Aufgrund des Tölzer Patents treffen gegen 18 Uhr die Tölzer, Benediktbeurer und Reichersbeurer Kontingente in Hohenschäfftlarn ein. Dort nehmen sie eine zehn Mann starke kaiserliche Reiterpatrouille gefangen, die sie nach Wolfratshausen bringen.

22. Dezember 1705

Schäftlarn * Die Prämonstratenserabtei Schäftlarn verköstigt die Aufständischen bei deren Marsch in Richtung München. Sie wird dafür später von der Kaiserlichen Administration zu einer Geldstrafe in Höhe von 8.000 Gulden verdonnert. 

23. Dezember 1705

Schäftlarn * Ein bäuerliches Aufgebot von rund 3.000 Mann aus den verschiedensten Gerichtsbezirken und Hofmarken treffen sich in Schäfftlarn.

  • Vom Landgericht Tölz 500 Mann,
  • vom Klostergericht Benediktbeuern 200 Mann,
  • vom Klostergericht Tegernsee 200 Mann,
  • aus den Hofmarken Reichersbeueren, Sachsenkam und Dietramszell 100 Mann,
  • vom Landgericht Aibling und der Grafschaft Hohenwaldeck 600 Mann,
  • aus der Grafschaft Valley 300 Mann,
  • vom Landgericht Rosenheim 70 Mann,
  • vom Landgericht Starnberg 200 Mann und
  • vom Landgericht Wolfratshausen 600 Mann.

Etwa ein Drittel der Männer haben Gewehre, der Rest ist mit den typischen Bauernwaffen ausgestattet. Das Aufgebot umfasst 300 Reiter und verfügt über sechs Geschütze.

Am Nachmittag treffen sich in Schäfftlarn die Anführer der Aufständischen zu ihrer ersten Beratung. Das Kommando über den gesamten Heerhaufen wird dem kurbaierischen Hauptmann Matthias Mayer übertragen. Er weigert sich und übernimmt den Oberbefehl erst nach massivem Druck.

Zum Unterkommandanten wird Leutnant Johann Houis ernannt. Die Schützen führt der „Jägeradam“ Schöttl, die Reiterei der Tölzer Pflegskommissär Joseph Ferdinand Dänkel an.

Als am Abend ungünstige Nachrichten aus München eintreffen, wollen Hauptmann Matthias Mayer und eine ganze Reihe von Beamten das ganze Vorhaben abblasen. Doch Pflegskommissär Dänkel, Kriegskommissär Fuchs und der Münchner Weinwirt Jäger setzen sich mit aller Kraft für den „Marsch nach München“ ein. 

23. Dezember 1705<p><em><strong>Freising</strong></em> * Der Freisinger Fürstbischof Johann Franz Eckher ordnet in einem Rundschreiben an, dass alle Pfarrer ihre Pfarrkinder vor einem höchst schädlichen Aufruhr warnen sollen, da dieser dem schuldigen Gehorsam gegen die Obrigkeit widerspricht. Der Aufruhr wird <em>„unausbleiblich“</em> die Strafe Gottes nach sich ziehen.</p> <p>Der Fürstbischof hat als eigenständiger Reichsfürst keinen Anlass, mit den Ambitionen des Kurfürsten zu sympathisieren.&nbsp;</p>
24. Dezember 1705

Steinhöring * Durch die Verstärkung aus dem nördlichen Rentamt München ist die Unterländer-Armee unter dem Kommando von Johannes Hoffmann auf 16.000 angewachsen. Ihr Hauptquartier schlagen sie in Steinhöring bei Ebersberg auf.

Die Kaiserliche Armee unter der Führung des Generalwachtmeisters Georg Friedrich Freiherr von Kriechbaum muss sich bis nach Anzing zurück ziehen. 

24. Dezember 1705

Baierbrunn * Gegen 16 Uhr kommt der Zug der Aufständischen in Baierbrunn an. Dort findet eine weitere Besprechung statt. Vom Anzinger Posthalter Hierner ist die Nachricht eingetroffen, dass die Unterländer nicht nach München marschieren können, weil ihnen das Korps Kriechbaum in Anzing den Weg versperrt.

Erneut rät Hauptmann Mayer zur Umkehr. ​Er will über die Schäfftlarner Brücke nach Valley, um sich mit den Unterländern zu vereinigen. Mayer kann sich erneut nicht durchsetzen, weshalb der „Marsch nach München“ fortgesetzt wird. 

24. Dezember 1705

Solln * Am Abend treffen weitere bedenkliche Nachrichten aus München in Solln ein. Die Münchner Verschwörer raten den Aufständischen eindringlich, den Angriff abzubrechen, da die Kaiserlichen zu stark seien und die Münchner Bürgerschaft nichts unternehmen kann (will). 

Hauptmann Matthias Mayer gibt den Befehl zum Rückzug. Nach einer halben Stunde - bei Pullach - wird er auf Betreiben des „Jägeradam“ und der von ihm geführten Schützen aufgehalten und die Kolonne - unter tumultartigen Szenen - zum Umkehren bewegt. Dem sich weigernden Hauptmann Mayer wird daraufhin der Oberbefehl entzogen. Er selbst wird gefangen genommen. 

24. Dezember 1705

Thalkirchen * Gegen 22 Uhr erreicht der Tross Thalkirchen. Weil sich etwa 400 Bauern abgesetzt haben, ist die Abteilung auf rund 2.300 Kämpfer geschrumpft. Auch Kriegskommissär Matthias Ägidius Fuchs und der Tölzer Weinwirt Franz Jäger, der Bruder des Münchner Jägerwirts haben das Aufgebot verlassen.

In Thalkirchen wird unter der Leitung von Leutnant Johann Houis der Angriff auf München vorbereitet. Die verbliebene Streitmacht wird dazu in drei Gruppen aufgeteilt.

  • Die erste Gruppe mit 800 Mann, darunter der größte Teil der Schützen, soll unter der Führung von Leutnant Johann Georg Aberle den Roten Turm einnehmen und den Flussübergang sperren.
  • Die zweite Gruppe mit ebenfalls 800 Männern, aus der Masse der Spießler und Stängler bestehend, soll unter der Leitung von Leutnant Johann Clanze gegenüber dem Angertor Stellung beziehen, um einen Ausbruch der Kaiserlichen zu verhindern.
  • Der Rest, die am schlechtesten Bewaffneten, sowie die Reiterei und die Artillerie, etwa 700 Mann stark, sollen in dem nahe gelegenen Dorf Untersendling Stellung beziehen. 
  • Dieser Gruppe schließt sich auch die Führungsgruppe der Aufständischen an. Sie bezieht im dortigen Wirtshaus ihr Hauptquartier.

Um Mitternacht treten die einzelnen Gruppen den „Marsch auf München“ an.

24. Dezember 1705

Schäftlarn * Ab Mittag bewegt sich der Zug der Bauern in Richtung München.

  • Die Schützen unter Leutnant Houis und dem „Jägeradam“ bilden die Vorhut.
  • In einigem Abstand folgen die Spießler und Stängler, bei denen sich die sechs Böllerkanonen befinden.
  • Den Abschluss bildet die Reiterei.
25. Dezember 1705

München * Ein von vornherein aussichtsloser Kampf beginnt. Der Angriffsplan der Aufständischen zeigt zugleich die Unfähigkeit ihrer Anführer. 

Wie sollen die Oberländer - ohne Unterstützung der Münchner Bevölkerung und der wesentlich zahlreicheren Unterländer - die mit starken Befestigungen versehene Stadt stürmen?

  • Die Münchner Befestigung besteht aus den beiden 10 und 7 Meter hohen Mauerringen.
  • Denen vorgelagert liegt ein 25 Meter breiter Wassergraben mit gemauerten Böschungen.
  • Jenseits des Grabens befindet sich ein 5 bis 7 Meter hoher Erdwall mit Palisadenwand.
  • Das Isartor wird zudem durch einen vorgeschobenen Ravelin gesichert.
25. Dezember 1705

Landau an der Isar * Erneut erobern die niederbaierischen Aufständischen Landau an der Isar. Doch auch dieser Erfolg wird nur von kurzer Dauer sein.

25. Dezember 1705

München * Gegen 1 Uhr werden der Rote Turm und die Isarbrücke von den Aufständischen besetzt. Die dortige Besatzung lässt sich nicht auf einem Kampf mit den Oberländern ein, sondern zieht sich zum Isartor zurück.

Von der gleichzeitig erwarteten Erhebung der Münchner ist aber nichts zu sehen. Dagegen scheinen die Kaiserlichen auf den Angriff gut vorbereitet zu sein. Sie haben alle Maßnahmen zur Verteidigung der Stadt getroffen. 

25. Dezember 1705

München * Gegen 4 Uhr verschanzen sich die Aufständischen hinter Erdwällen und Baumstämmen und eröffnen das Feuer in Richtung Isartor. Als die Kaiserlichen zwei Salven abfeuern, bricht der Angriff der Oberländer schon wieder zusammen. 

25. Dezember 1705

München * Gegen 6 Uhr wird ein Tambour von den Anführern der Aufständischen vor das Sendlinger Tor geschickt. Er soll die Kaiserliche Administration zur Übergabe der Stadt auffordern, wird aber von den Kaiserlichen nicht angehört und muss unverrichteter Dinge wieder abziehen. 

Die Beamtenführung in Untersendling gibt das Unternehmen daraufhin verloren und zieht ab. Mit ihnen auch Hauptmann Jean Philipp Gauthier, Leutnant Johann Houis, der Tölzer Pflegskommissär Joseh Ferdinand Dänkel und die gesamte Bauernreiterei. Nur der Münchner Jägerwirt Johann Jäger, der Student Anton Passauer, Hauptmann Matthias Mayer und Landleutnant xxxxxx Heller verbleiben bei den Oberländern

25. Dezember 1705

München * Gegen 7 Uhr trifft die vorausgeschickte Kaiserliche Kavallerie unter der Führung von Oberst Johann Graf von Eckh am Gasteig ein. Da die Isarbrücke versperrt ist, zieht seine Reiterei in die Au und sucht beim Radlwirt eine Furt durch den Gebirgsfluss.

Etwas später erreicht die Infanterie des Generalwachtmeisters Freiherr Georg Friedrich von Kriechbaum den Gasteig. Mit vier Kanonen wird nun der von den Aufständischen besetzte Rote Turm beschossen.

25. Dezember 1705

München * Um 8 Uhr befiehlt Oberst Johann Baptist de Wendt einen Ausfall aus dem Isartor. Die völlig überraschten oberländischen Bauern fliehen in Richtung Lehel und verstecken sich dort. Von ihnen werden 32, darunter Leutnant Johann Georg Aberle, gefangen genommen. Hofkoch Sebastian Engelhart und der Jägeradam Schöttl können entkommen.

  • Die 100köpfige Besatzung des Roten Turms leistet heftigen Widerstand, wird aber „ungeacht deß starckhen feuers“ niedergemacht.
  • Bei den kriegerischen Auseinandersetzungen am Roten Turm und vor dem Isartor kommen 400 Aufständische ums Leben, 200 werden gefangen genommen.
25. Dezember 1705

München * Gegen 8:30 Uhr lässt Oberst Johann Baptist de Wendt die am Sendlinger Tor stehende Kavallerie gegen die Abteilung Clanze ausbrechen. Gleichzeitig verfolgt vom Isartor aus die Companie Lüttig die fliehenden Bauern vom Roten Turm. Damit werden die Oberländer von zwei Seiten angegriffen.

  • Von den Aufständischen, mit den Flüchtenden vom Roten Turm, etwa 900 Mann stark, fallen 200.
  • Weitere 200 Mann werden gefangen genommen,
  • 300 erreichen mit Leutnant Johann Clanze Untersendling.
  • 200 Mann eilen dem Forstenrieder Wald und Thalkirchen zu.

Inzwischen hat Oberst von Eckhs Kavallerie von der Au aus die Isar überquert und nimmt ebenfalls die Verfolgung der Aufständischen in Richtung Untersendling auf.

Die Kaiserliche Administration erfährt erst jetzt, dass Untersendling von den Oberländern besetzt gehalten wird. Daraufhin rückt General Georg Friedrich von Kriechbaum und Oberst Johann Baptist de Wendt mit insgesamt fünf Bataillonen Infanterie durch das Sendlinger Tor gegen Untersendling vor. 

25. Dezember 1705

Untersendling * Gegen 10 Uhr sind die Aufständischen in Untersendling vollkommen eingeschlossen. Angesichts der anrückenden Kaiserlichen Armee ergreift der Student Anton Passauer die Flucht. Der Jägerwirt Johann Jäger aus München legt sich als Kranker in der Wirtschaft ins Bett.

In dieser Notsituation wird Hauptmann Matthias Mayer wieder das Oberkommando der Aufständischen-Armee übertragen. Ihm bleibt nur noch die undankbare Aufgabe, sein eigenes und das Leben seiner Mitstreiter zu retten.

  • Dazu lässt er Chamade schlagen und durch einen Tambour an Generalwachtmeister Georg Friedrich von Kriechbaum melden, dass sich die Führer auf „Gnade oder Ungnade“ ergeben.
  • Er bittet zudem, den Bauern das Leben zu schenken.
  • General von Kriechbaum fordert daraufhin die Anführer der Oberländer auf, ihre Waffen niederzulegen. 

Als Matthias Mayer, Johann Clanze und Landleutnant xxxxx Heller das Dorf verlassen, drängen auch die Bauern hinter ihnen auf das freie Feld, legen ihre Waffen nieder und bitten um Gnade. 

Die Kaiserliche Kavallerie stürzt sich nun aber auf die Wehrlosen und haut sie nieder. Im Anschluss daran feuert die Infanterie auch noch zwei oder drei Salven in den Haufen. Diejenigen, die noch leben oder fliehen können, werden von den Kaiserlichen gnadenlos verfolgt und niedergestreckt. Selbst die Kirche ist kein sicherer Zufluchtsort. 

25. Dezember 1705

München * Gegen 11 Uhr ist alles vorbei. Es werden noch 36 Gefangene gemacht sowie sechs Kanonen, drei Munitionswagen, fünf Fahnen, zwei Dragoner-Standarten und ein paar Pauken sowie 150 Pferde eingesammelt.

Auf kaiserlicher Seite zählt man 40 Gefallene und Verletzte. Die Aufständischen aus dem Oberland müssen demgegenüber eine Vielzahl von Toten beklagen.

  • Alleine in München werden 1.066 Oberländer beerdigt.
  • Insgesamt sind es etwa 1.100 Tote aus Oberbaiern.
  • 609 Aufständische werden verwundet,
  • nur 107 werden unverletzt in Gefangenschaft gekommen. 

Die Münchner Einwohnerschaft hat während der gesamten Kämpfe brav den Anordnungen der Kaiserlichen Administration Folge geleistet und sich ruhig verhalten. 

Der Stadtmagistrat übermittelt noch in der Nacht die „allerunderthenigste treue devotion“ der Bürgerschaft an die kaiserliche Obrigkeit. Die ermordeten Aufständischen vor den Stadttoren bezeichnet er verächtlich als „paurs rott“.

26. Dezember 1705

Steinhöring * Mit der Münchner Mordweihnacht bricht der Volksaufstand der Oberländer sofort zusammen. Der in Steinhöring stehende Oberbefehlshaber der Unterländer, Johannes Hoffmann, gibt daraufhin den Befehl zum Rückzug.

Nun machen sich in dem niederbaierischen Heerhaufen Unsicherheit, Angst und Diszplinlosigkeit breit. Reihenweise begeben sich die Unterländer Aufständischen auf den Weg nach Hause.

28. Dezember 1705

München * Die Kaiserliche Administration sagt allen am Aufstand Beteiligten - mit Ausnahme der Rändelsführer - Gnade zu.

31. Dezember 1705

Cham * Unter der Führung des Oberviechtacher Pfarrers Florian Sigismund Maximilian Miller wird die Stadt Cham von den Aufständischen eingenommen.

31. Dezember 1705

Steinhöring * Von den 16.000 Unterländer Aufständischen in Johannes Hoffmanns Truppe sind gerade noch 1.100 übrig geblieben.


1706

1706

München * Der „Branntweinschenk“ Dionysius Michael wird auch als „Kaffeesieder“ bezeichnet. 

1706

München * Enrico Zuccalli wird wie alle Gefolgsleute des Kurfürsten Max Emanuel aus dem Hofdienst entlassen.

Zuccallis Aufgaben und Aufträge werden nun Giovanni Antonio Viscardi übertragen. Seine Tätigkeiten in dieser Funktion sind vor allem weite Kontrollreisen zur Überwachung von Kasernen- und Festungsneubauten

2. Januar 1706

Wien * Kaiser Joseph I. ordnet an, nach der „Niederwerfung der Erhebung“ gnädig gegen die Beteiligten vorzugehen, sofern sie nicht zu den Urhebern und Anführern des Aufstands gehören. 

8. Januar 1706

Aidenbach * Das Massaker von Aidenbach beginnt. Die Unterländer werden niedergeschlagen. Freiherr von Gemmel berichtet:

„Es haben sich aber die Rebellen, ehe man die Höhe gar besteigen können, gleichsam in dem Augenblick, ohne Verlierung des geringsten Feuers, in den hinter sich gehabten Wald gezogen; ihr Kommandant und andere Offiziere sind, gleich wie sie schelmischer Weise ihr rebellisches Kommando angetreten, wieder solchergestalten auf ihren Pferden mit der wenig gehabten Kavallerie durchgegangen und haben ihre Hauptarmee im Stich gelassen, welche der verbitterte Soldat sowohl zu Pferd als zu Fuß sogleich umringt und in den Wäldern und Feldern aufgesucht, alles, was sich nur blicken lassen, gegen einen wenigen Widerstand solchergestalten niedergemacht und massakriert, daß der wenigere Teil davongekommen. 

Teile von ihnen haben sich in einige unweit von dieser Niederlage gelegene Bauernhäuser retiriert und sonderbar aus einem auf die Kaiserlichen mit kleinem Gewehr stark Feuer gegeben, daher diese Häuser sämtliche in Brand gesteckt und was nicht darinnen verbrennen, sondern entlaufen wollen, ohne Unterschied niedergemacht worden ist.“

Der Volksaufstand bricht zusammen.

14. Januar 1706

Schärding * Schärding wird den Aufständischen geräumt.

16. Januar 1706

Cham * Die Aufständischen räumen Cham.

16. Januar 1706

München - Wien * Graf Maximilian Carl von Löwenstein-Wertheim-Rochefort berichtet an den Kaiser: „Nachdem von diesem Gesindel bei Sendling und Aidenbach, auch bei Wiedergewinnung von Kelheim, Vilshofen und anderen Orten und in verschiedenen Scharmützeln gegen 10.000 Mann massakriert worden, haben sie kein corpo mehr zu Felde [...].“ 

17. Januar 1706

Braunau * Braunau wird den Aufständischen geräumt.

18. Januar 1706

Burghausen * Die Aufständischen räumen Burghausen.

27. Januar 1706

Salzburg - Wien * Auf Bitten des Salzburger Fürsterzbischofs befiehlt Kaiser Joseph I., dass auch gegen alle nach dem 11. Januar 1706 verhafteten Anführer des Aufstands höchstens Geldstrafen auszusprechen sind.

29. Januar 1706

München-Graggenau * Am Münchner Schrannenplatz ist eine Schaubühne errichtet worden, auf der der Eisenhändler Sebastian Senser, der Weinwirt Johann Georg Küttler, die ehemaligen Leutnante Johann Clanze und Johann Georg Aberle wegen Hochverrats durch das Schwert hingerichtet werden. Küttler wird zudem gevierteilt. Seine Leichenteile werden an den vier Stadttoren zur Abschreckung aufgehängt.

17. Februar 1706

Wien * Ein kaiserlicher Erlass beendet die Zwangsrekrutierungen. Kein baierischer Rekrut darf mehr mit Zwang zum Militärdienst berufen werden.

17. März 1706<p><strong><em>München</em></strong> * Der <em>„Jägerwirt“</em> Johannes Jäger wird in München durch das Schwert hingerichtet und gevierteilt.&nbsp;Zur Abschreckung werden seine vier Leichenteile an den Haupttoren der Stadt aufgehängt.</p>
17. März 1706<p><strong><em>Kelheim</em></strong> * Matthias Kraus wird in Kelheim hingerichtet.&nbsp;Der Galgen steht an der Stelle, an der bis wenige Tage zuvor seine Haus stand. Es wurde geschleift.&nbsp;Auch Matthias Kraus wird gevierteilt.</p>
29. April 1706<p><strong><em>Wien</em></strong> * Das Ächtungsverfahren&nbsp;gegen Kurfürst Max Emanuel ist abgeschlossen. Kaiser Joseph I. verhängt in einer eindrucksvollen Zeremonie die Reichsacht&nbsp;wegen <em>„Fried-Bruchs und Majestät-Verletzung“ </em>über den baierischen Kurfürsten und erklärt ihn seiner Ämter enthoben.&nbsp;Damit ist er vogelfrei.</p> <p>Sein Rang und seine Kurfürstenwürde werden zusammen mit dem Besitz der Oberpfalz dem Kurfürsten der Pfalz zuerkannt.</p>
Mai 1706

Klagenfurt * Die vier ältesten baierischen Kurprinzen Carl Albrecht (* 1697), Philipp Moritz (* 1698), Ferdinand Maria Innozenz (* 1699) und Clemens August (* 1700) werden nach Klagenfurt gebracht.

Prinzessin Maria Anna (* 1696) und die jüngeren Prinzen Johann Theodor (* 1703) sowie Max Emanuel Thomas (* 1704) bleiben in München.

10. Mai 1706

München-Graggenau * Der Reichsherold verkündet auf dem Münchner Schrannenmarkt unter Trommelwirbel das „Achtpatent“ für den baierischen Kurfürsten Max Emanuel. In diesem heißt es: „Max Emanuels unglücklicher Leib wird jedermänniglich frei gelassen und jeder darf sich an ihm ohne Strafe verfreveln.“

23. Mai 1706

Ramilies * Kurfürst Max Emanuel stößt in der Schlacht bei Ramillies auf die holländisch-englische Armee unter dem Oberbefehl des Herzogs von Marlborough.

  • Max Emanuel wird - wie in der Schlacht von Höchstädt - vernichtend geschlagen.
  • Dadurch verliert er Flandern und Brabant.
  • Ihm bleibt nur mehr ein Schloss bei Mons.
  • Die französische Front bricht zusammen.
  • Brüssel wird aufgegeben. 
15. August 1706

Lille * Kölns Kurfürst Joseph Clemens wird in Lille zum Subdiakon geweiht. 


1707

1. Januar 1707

Lille * Joseph Clemens, der Kölner Kurfürst, liest - mit großem Aufwand - seine erste Messe. Zu diesem Ereignis werden eigens silberne und kupferne Medaillen herausgegeben. 


1708

1708

München * Die Obrigkeit sieht sich zum Einschreiten gegen die „neu aufgerichtete Caffeehäuser“ veranlasst.

Als „ordentlich konzessionierte und berechtigte Caffeesieder“ werden genannt: der „Hofzuckerbäcker“ Claudi Surat, André Bellini und Johann Koller. 

Spätestens Januar 1708

Wien - Freystadt - München * Giovanni Antonio Viscardi wird aufgrund seiner vom ihm gebauten Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Freystadt spätestens im Januar 1708 zum „kayserlichen Hofpaumeister“ ernannt.

Für Giovanni Antonio Viscardi bedeutete die Ernennung die höchstmögliche Anerkennung. Denn in Diensten des Kaisers zu stehen war - neben einer Anstellung beim Papst - durch nichts mehr zu toppen. 

22. Oktober 1708

Lille * Lille ergibt sich. Kurfürst Max Emanuel muss sich ins französische Exil begeben.

8. Dezember 1708

Nancy * Franz I. Stephan von Lothringen, der spätere Kaiser und Gemahl von Maria Theresia, wird in Nancy geboren. 


1709

1709

Straubing * Die Straubinger Dreifaltigkeitssäule entsteht zu einem Zeitpunkt, als der baierische Kurfürst Max Emanuel durch Abwesenheit glänzt und München sowie ganz Baiern durch eine Kaiserliche Administration regiert wird. 

1709

München-Kreuzviertel * Mit dem Bau des Bürgersaals und der Bürgersaalkirche für die Jesuiten erhält Giovanni Antonio Viscardi in München einen neuen zivilen Bauauftrag.

Der Bürgersaal ist eine gestreckte rechteckige Halle von 46,6 m Länge, 14,3 m Breite und 13,3 m Höhe.

Wieder ist es die kaiserliche Besatzungsmacht, die mit Viscardis Ernennung enormen Einfluss auf den Bau der Bürgersaalkirche und der Dreifaltigkeitskirche und deren Aussehen ausübt. 

11. September 1709

Compiègne * Nach der Schlacht bei Malplaquet muss sich Kurfürst Max Emanuel nach Compiègne zurückziehen. Später nach Marly und Suresnes. 

Dezember 1709

??? * Die Verhandlungen Max Emanuels über einen „Separatfrieden“ beginnen.

Sie dauern bis Anfang 1710 - und scheitern. 


1710

1710

Freystadt * Aufgrund des Übergreifens des Spanischen Erbfolgekriegs auch auf die Oberpfalz - kann die von Giovanni Antonio Viscardi errichtete Wallfahrtskirche in Freystadt in der Oberpfalz erst im Jahr 1710 eingeweiht werden.

Die Wallfahrtskirche Maria Hilf bei Freystadt wird als der „einheitlichste Zentralbau des bayrischen Hochbarocks“ bezeichnet. Das Bauwerk beeinflusste die „Weiterentwicklung der Sakralbaukunst“ im 18. Jahrhundert nachhaltig. 

4. Januar 1710

München * Die Kaiserliche Administration wird um Erlaubnis für den Bau der Dreifaltigkeitskirche gebeten. 

8. Januar 1710

München - Wien * Die Kaiserliche Administration informiert Kaiser Joseph I. in Wien von dem Wunsch der Münchner, um Erlaubnis für den Bau der Dreifaltigkeitskirche. Der Kaiser 

  • zeigt starkes Interesse an diesem Bau,
  • will mit einer Abordnung sogar an der Konferenz zum Bau der Dreifaltigkeitskirche teilnehmen und
  • kündigt die finanzielle und materielle Unterstützung der Besatzungsmacht an.

In der Folge und während der gesamten Bauzeit tritt die in der Münchner Herzog-Max-Burg stationierte Kaiserliche Administration als Korrespodenzpartner auf, denn es waren Verhandlungen mit der Landschaft, dem Rat der Stadt, der Baudeputation, dem Geistlichen Rat und dem Kaiserhaus in Wien zu führen. 


1711

17. April 1711

Wien * Kaiser Joseph I. stirbt überraschend. Josephs Bruder Carl, der als König Carl III. den Thron Spaniens beanspruchte, wird sein Nachfolger in Österreich und als Kaiser Carl VI. im Reich.

11. Mai 1711

Wien - München * Die Kaiserwitwe Eleonore Magdalena Theresia aus Wien gibt ihre Zustimmung, in München ein „Karmelitinnenkloster der theresianischen Reform“ für zwanzig Frauen zu bauen und das Haus der Nonnen mit der gelobten Dreifaltigkeitskirche zu verbinden.

Als Architekt soll Giovanni Antonio Viscardi tätig werden. 

17. September 1711

München * Das Karmelitinnenkloster in München wird gegründet. Die ersten vier aus Österreich kommenden Karmelitinnen werden am 14. Oktober eintreffen. 

12. Oktober 1711

Frankfurt am Main * Carl VI. wird römisch-deutscher König. 

14. Oktober 1711

München-Kreuzviertel * Maria Anna Lindmayr wird in das am 17. September 1711 gegründete Karmeltinnenkloster aufgenommen. Damals treffen die ersten vier aus Österreich kommenden Karmelitinnen in München ein. Sie finden ihre vorläufige Unterkunft Ecke Pacellistraße/Promenadeplatz, wo ihnen die Lindmayrin ein provisorisches Kloster eingerichtet hat. Das war noch bevor mit dem Bau der Dreifaltigkeitskirche begonnen wurde. 

21. Oktober 1711

Wien - München * Die kaiserliche Familie kommt zur Grundsteinlegung der Dreifaltigkeitskirche nach München. 


1712

1712

Klagenfurt - Graz * Die Hofhaltung der baierischen Kurprinzen Carl Albrecht, Philipp Moritz, Ferdinand Maria Innocenz, Clemens August und Johann Theodor wird von Klagenfurt nach Graz verlegt.  

Ihre Schwester Maria Anna Carolina bleibt weiterhin in München.
Das Nesthäkchen Max Emanuel ist zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. 

September 1712

München-Kreuzviertel * Die Dachstühle der Dreifaltigkeitskirche sind gesetzt. Damit kann das Richtfest begangen werden. 


1713

1713

München - Au * Der „Hofoberrichter“ Pistorini brüstet sich damit, er habe „die ganz ungescheucht in der Au sich aufhaltenden Huren“ mit öffentlichen Spott davongejagt. 

22. März 1713

München * Maria Anna Lindmayr kann die feierliche Ordensprofess ablegen und den Namen „Josepha a Jesu“ annehmen. 

11. April 1713<p><strong><em>Utrecht</em></strong> * Großbritannien nimmt mit Frankreich Friedensverhandlungen auf.&nbsp;Während Frankreich, England, Holland, Savoyen, Portugal und Preußen den Vertrag von Utrecht unterzeichnen, verweigert der kaiserliche Gesandte die Unterschrift. &nbsp;</p> <ul> <li>Das spanisch-habsburgische Riesenreich wird nicht wiederhergestellt.</li> <li>Spanien bleibt in den Händen der französischen Bourbonen, darf aber keinesfalls mit Frankreich vereinigt werden.</li> <li>Die Spanischen Niederlande fallen an den Kaiser, Holland erhält einige Sperrfestungen gegenüber Frankreich und besetzt die Gegenküste zum Inselreich.</li> <li>Die italienischen Besitzungen Spaniens fallen an Österreich, Sizilien aber an das Haus Savoyen.</li> <li>Der baierische Kurfürst wird wieder - mit dem Rang eines neunten Kurfürsten - in seine Herrschaft und Länder - außer der Oberpfalz - eingesetzt.</li> <li>Die Erhebung Preußens zum Königreich wird anerkannt.</li> </ul>
10. Juni 1713

München * Maria Anna Lindmayr feiert ihr Schleierfest. Um Gott näher zu kommen geißelt sie sich mit Ruten, hungert, trägt Stachelketten oder schläft auf Brennnesseln. 

August 1713

Saint Cloud * Der verfolgte baierische Kurfürst Max Emanuel übersiedelt nach „Saint Cloud“

27. September 1713

München * Giovanni Antonio Viscardi stirbt.

Den Bau der Dreifaltigkeitskirche beenden sein Palier Johann Georg Ettenhofer und der neue Hofbaumeister Enrico Zucalli. 


1714

20. Februar 1714

München - Versailles * Zwischen dem baierischen Kurfürsten Max Emanuel und Frankreichs König Ludwig XIV. wird ein Freundschaftsvertrag unterzeichnet.

6. März 1714

Rastatt * Da der Kaiser dem Frieden von Utrecht nicht beigetreten ist, bleibt der Oberrhein Kriegsschauplatz. Hier finden die Friedensverhandlungen zwischen Frankreich und dem Kaiser statt. Die beiden Heerführer, Prinz Eugen von Savoyen für den Kaiser und der französische Marschall Claude-Louis-Hector de Villars, führen ihre Verhandlungen im badischen Rastatt.

Kaiser Carl VI. sieht sich dann aber gezwungen, auf der Grundlage des Utrechter Friedens den Frieden von Rastatt abzuschließen. Das bedeutet, dass das Elsass bei Frankreich bleibt, Österreich dafür die Herrschaft über die Lombardei, Neapel und Sardinien behält.

Kurfürst Max Emanuel wird wieder in seine Rechte und Ehren eingesetzt, ja selbst die Oberpfalz bekommt er wieder. Und er darf wieder nach Baiern zurückkehren; doch das stellt für ihn die am wenigsten wünschenswerte Option dar. Auch Sein Bruder Joseph Clemens, Kurfürst von Köln, kann wieder seine Funktionen ausüben. 

26. Juni 1714

Utrecht * Der Utrechter Frieden wird geschlossen. Philipp V. wird als spanischer König anerkannt, muss aber auf große Gebietsteile verzichten. Einzig Auflage: Er darf seine Krone niemals mit der Frankreichs vereinigen.

August 1714

München-Kreuzviertel * Der Stuckateur Johann Georg Baader beginnt mit der plastischen Kirchenausschmückung der Dreifaltigkeitskirche

1. August 1714

London - Hannover * Die englische Königswürde geht gemäß den Bestimmungen des Act of Settlement an Georg Ludwig von Hannover über. Damit endete die Herrschaft des Hauses Stuart

5. August 1714

München * Die erste schriftliche Niederlegung der Vision der Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr stammt von diesem Tag und wird von der Lindmayrin selbst verfasst. Im „Gelübde der drei Stände“ vom 17. Juli 1704 wird die Vision nicht einmal erwähnt.

Das zeigt wie falsch es ist, dass auch in der aktuellen Literatur immer wieder darauf hingewiesen wird, dass der Bau der Dreifaltigkeitskirche und das damit verbundene Gelöbnis der drei Münchner Stände „zur Abwehr der Zerstörung Münchens im Spanischen Erbfolgekrieg“ auf Veranlassung der Maria Anna Lindmayr erfolgt sei. 

7. September 1714

Baden * In Baden im Aargau wird der Friede von Baden geschlossen. Er ist einer der Friedensschlüsse zum Ende des Spanischen Erbfolgekriegs, der den Frieden von Utrecht und dem Frieden von Rastatt bestätigt. Damit ist der Spanische Erbfolgekrieg endgültig beendet. Kurfürst Max Emanuel wird erneut in seine alten Rechte eingesetzt, weshalb sich die Kaiserliche Administration nach Wien zurückzieht. 

27. September 1714

Rastatt * Die im Frieden von Rastatt getroffenen Vereinbarungen werden auf das Reich übertragen.  

Damit können die geächteten Kurfürsten  

  • Max Emanuel von Baiern und  
  • Joseph Clemens von Köln  

wieder in ihre Länder zurückkehren.

6. Oktober 1714

München-Kreuzviertel * Die Dreifaltigkeitskirche kann vom Dekan Johann Martin Constante von Vestenburg benediziert [= gesegnet] werden. Die Altäre, die Kanzel und das Abschlussgitter werden in den folgenden beiden Jahren geschaffen. 

8. Oktober 1714

München-Angerviertel - München-Kreuzviertel * Die Karmelitinnen werden durch die Klarissin Emanuela Theresia a Corde Jesu aus dem Angerkloster, der einzigen Tochter des baierischen Kurfürsten Max Emanuel, in ihr neues Kloster eingeführt. 


1715

1715

Freising * Der große baierischen „Kinderhexenprozess“ geht in Freising, in zwei Teilen vonstatten.

Die „Bettelkinder“ Andre, genannt der „Drudenfanger“, und Lorenz werden unter der Beschuldigung, „Ferkel und Mäuse“ hergezaubert zu haben, verhaftet.
Die Verhöre ergeben weitere Beschuldigungen. 

18. Januar 1715

München * Die letzten kaiserlichen Truppen verlassen nach dem Frieden von Rastatt vom 27. September 1714 die baierische Haupt- und Residenzstadt. 

25. Januar 1715

Schloss Nymphenburg * Die Arbeiten an Schloss Nymphenburg werden wieder aufgenommen, obwohl Kurfürst Max Emanuel noch gar nicht in der Stadt ist. 

23. März 1715

Versailles - München * Max Emanuel verlässt Versailles und reist nach Baiern zurück.

8. April 1715<p><strong><em>Lichtenberg am Lech</em></strong> * In Lichtenberg am Lech treffen Kurfürst Max Emanuel, Kurfürstin Therese Kunigunde und ihre Kinder nach elf Jahren wieder zusammen.&nbsp;Die Ehefrau kommt&nbsp;aus Venedig, die Kinder aus Graz.&nbsp;</p>
10. April 1715<p><strong><em>München</em></strong> * Kurfürst Max Emanuel zieht nachts um 23 Uhr mit seiner Familie in aller Stille durch das Neuhauser Tor. Freudenbezeugungen sind zuvor verboten worden. &nbsp;</p> <p>Der erneut in seine Herrschaftsrechte eingesetzte Kurfürst Max Emanuel trifft damit wieder mit seiner Familie zusammen. Er hat Großes mit seinen Söhnen vor und in seinem Exil beschlossen, dass drei seiner fünf Söhne in der Reichskirche&nbsp;untergebracht werden sollen:&nbsp;Philipp Moritz, Clemens August und Johann Theodor.&nbsp;</p>
Nach dem 11. April 1715<p><strong><em>München</em></strong> * Nachdem Kurfürst Max Emanuel aus seinem Exil wieder nach Baiern zurückgekehrt ist, lässt er alle Juden aus dem Land weisen.</p> <ul> <li>Dabei hat die Kurbaierische Landschaftsverordnung, die Vertretung der Landstände, in den letzten Monaten der kaiserlichen Besatzungsherrschaft auf jüdische Finanzmittel zurückgegriffen.</li> <li>Um den Abzug der kaiserlichen Besatzungstruppen zu beschleunigen, hat sie die ausstehenden kaiserlichen Forderungen und alle Landesausgaben übernommen.</li> <li>Diese Aufwendungen hat sich die Landschaftsverordnung&nbsp;von jüdischen Geldgebern finanzieren lassen.&nbsp;</li> <li>Als Gegenleistung gesteht man den Kreditgebern den freien Aufenthalt im Kurfürstentum bis zur Zurückzahlung der Schulden zu.</li> </ul>
Ab Mai 1715

München * Kurfürst Max Emanuel begnadigt zum großen Teil die bestraften „Anführer des Volksaufstands“ und setzt sie wieder in ihre Ämter ein.

Mai 1715

München * Ignaz Haid wird anno 1706 zu lebenslanger Haft verurteilt.

Auch er kommt nach der Rückkehr des Kurfürsten Max Emanuel wieder frei. 

Mai 1715

München * „Hauptmann“ Matthias Mayer wird 1706 zu einer Haftstrafe verurteilt und kommt nach der Rückkehr des Kurfürsten Max Emanuel wieder frei.

Er wird „ehrlich“ gesprochen und wieder in der baierischen Armee aufgenommen.

11. Juli 1715

München * Am 53. Geburtstag von Kurfürst Max Emanuel wird der offizielle Einzug der kurfürstlichen Familie in die Stadt nachgeholt. 

1. September 1715

Versailles * König Ludwig XIV. von Frankreich stirbt.

23. Dezember 1715

München * Die Anzahl der Kaffee- und Teesieder in München sowie den Ursprung ihrer Konzession muss an den Hofrat berichtet werden. 


1716

1716

Schloss Nymphenburg * Der Ausbau des „Schlosses Nymphenburg“ beginnt.

1716

Schloss Nymphenburg * Joseph Effner beginnt mit dem Bau der „Pagodenburg“ im „Nymphenburger Schlosspark“.

Die Arbeiten dauen bis 1719 an. 

März 1716

München-Kreuzviertel * Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr wird für drei Jahre zur Priorin des Karmelitinnenklosters gewählt. 

26. März 1716<p><strong><em>Hildesheim</em></strong> * Kölns Kurfürst Joseph Clemens wird zum Bischof von Hildesheim gewählt. Er&nbsp;übergibt das Bistum Regensburg, das er aufgrund des Regierungsantritts in Hildesheim abgeben muss, an seinen 15-jährigen Neffen Clemens August.</p>
5. August 1716

Peterwardein * Prinz Eugen von Savoyen besiegt die Türken bei Peterwardein.

22. Dezember 1716

Vagen bei Bruckmühl * Das erste urkundlich nachgewiesene Haberfeldtreiben findet in Vagen bei Bruckmühl statt. Man treibt der Ursula Steindl wegen Leichtfertigkeit. In dieser Nacht erscheinen 20 bis 30 Burschen und Männer vor dem Haus des Hannes Steindl und haben „seine Tochter zum spot in das sogenante haaber veld getriben, das sie mit allerhand iniuriosen geschray, schnalzen und stain werfen samt and. Rumorereyen veriebet“


1717

1717

Freising * Der der „Hexerei“ beschuldigte Andre erhängt sich in seiner Zelle.

Ein weiterer Junge stirbt in der Zelle. 

13. Mai 1717

Wien * Maria Theresia, die künftige Kaiserin und Gemahlin von Kaiser Franz I. Stephan von Lothringen, wird in Wien geboren. 

16. August 1717

Belgrad * Belgrad wird durch die Truppen des Prinzen Eugen von Savoyen zurückerobert.

12. November 1717<p><strong><em>Freising</em></strong> * Drei Jungen, die in der Bischofsstadt Freising der Hexerei&nbsp;beschuldigt werden, werden mit Schwert und Feuer&nbsp;hingerichtet, zwei andere Buben müssen dabei zusehen.&nbsp;</p>

1718

1718

Altötting * Bischof Clemens August wird zum "Probst von Altötting" ernannt.

1718

Schloss Nymphenburg * Joseph Effner beginnt mit dem Bau der „Badenburg“ im „Nymphenburger Schlosspark“.

Die Arbeiten dauen bis 1721 an.

2. September 1718

München * Kurfürst Max Emanuel erteilt dem Pferdehändler Joseph Mändle als erstem Juden den Hofschutz und damit eine Aufenthaltsberechtigung in München. Die Geschäftsbeziehungen zwischen Mändle und Kurbaiern werden mit der Zeit immer intensiver.


1719

1719

Schloss Schleißheim * Die Bauarbeiten am neuen „Schloss Schleißheim“ werden fortgesetzt. 

1719

München-Kreuzviertel * Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr wird für weitere drei Jahre in ihrem Amt als Priorin des Karmelitinnenklosters bestätigt. 

1719

München * Die Witwe des „Jägerwirts“ Johannes Jäger stirbt völlig verarmt in München. 

26. März 1719

Münster * Mit Unterstützung des Papstes wird der 18-jährige Clemens August anstelle seines Bruders Philipp Moritz Bischof in Münster.

27. März 1719<p><strong><em>Paterborn - Regensburg</em></strong> * Clemens August wird anstelle seines verstorbenen Bruders Philipp Moritz Bischof von Paderborn.&nbsp;Er muss dafür sein Bistum Regensburg aufgeben.</p>
Juli 1719

Regensburg * Johann Theodor, der jüngste Sohn des baierischen Kurfürsten Max Emanuels muss als 16-jähriger das Bistum Regensburg von seinem älteren Bruder Clemens August übernehmen, obwohl er überhaupt keine Neigung zum geistlichen Stand in sich fühlt.

Der übermächtige Vater droht ihm - mit unbeugsamer Härte - mit der rechtlichen Zurücksetzung innerhalb der Familie. Damit bewegt er seinen Sohn zur Annahme dieses hohen und einträglichen Kirchenamtes.

Obwohl Johann Theodor bis zu seinem Tod im Jahr 1763 das Bistum Regensburg insgesamt 44 Jahre als Erzbischof regiert, glänzt er dort durch Abwesenheit und hält sich bevorzugt in den väterlichen Schlössern, später in seinem "Jagdschloss in Ismaning" auf.

Die tatsächliche Bistumsverwaltung übernehmen die vom Fürstbischof eingesetzten geistlichen Ratskollegien, Generalvikare und Weihbischöfe. Ungeachtet seiner Untätigkeit für die ihm anvertrauten Aufgabengebiete macht der Wittelsbacher Herzog dennoch Karriere.


1720

1720

Köln * Bischof Clemens August wird „Kölner Domherr“.

1720

München * Die prunkvolle Hofhaltung von Max Emanuel lassen den Finanzbedarf in gewaltige Dimensionen anwachsen und treibt den Kurfürsten verstärkt in die Arme jüdischer Geldgeber.

Auch deshalb, weil Baiern bei anderen Bankhäusern kaum noch als kreditwürdig angesehen wird.

Erstmals stellt ihm der burgauische „Hoffaktor“ Gerson Daniel Oppenheimer Geldmittel zum Teil in bar und zum Teil durch die Einlösung von Zahlungsverpflichtungen zur Verfügung.


1721

1721

Freising * Der Jugendliche Veit Adlwart kommt unter „Diebstahlsverdacht“ in Gewahrsam. 

Kurzfristig wandelt man die Anklage von „Diebstahl“ in „Hexerei“ um.

Im weiteren Verlauf verhaften die Freisinger Behörden über 100 Personen, von denen die meisten jedoch wieder frei kommen. 

1721

München * In München lodert das letzte „Hexenfeuer“.

Die Tochter des „Hofstallknechts“ Dellinger wird erwürgt, bevor man ihren leblosen Körper dem Feuer übergibt. 

Der „Geschichtsschreiber“ Andreas Felix Oefele bezeichnet sie als „ein elendes Mädchen, schwach und seiner Sinne nicht mächtig“

17. Januar 1721

Mannheim * Elisabeth Auguste, die spätere pfalz-baierische Kurfürstin, wird in Mannheim geboren. 


1722

1722

München-Kreuzviertel * Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr lehnt eine weitere Wiederwahl zur Priorin des Karmelitinnenklosters ab. Sie wird aber von ihren Mitschwestern gedrängt, das Amt der Novizenmeisterin anzunehmen. 

9. Mai 1722

Köln * Bischof Clemens August wird einstimmig zum Koadjutor [= Nachfolger] seines Onkels Joseph Clemens auf den Kölner Bischofsstuhl gewählt.

6. August 1722<p><em><strong>Nymphenburg</strong></em> * Kurfürst Max Emanuel lädt zur Feier des 25. Geburtstags des Kurprinzen Carl&nbsp;Albrecht zu einem Souper und festlicher Illumination in das soeben vollendete Lustschloss Badenburg.&nbsp;</p>
18. September 1722

München * Das „Privileg des Kaffeesiedens“ darf nur durch die kurfürstliche Regierung erteilt werden, nicht aber durch den Magistrat der Stadt. 

25. September 1722

München * Baierns Kurprinz Carl Albrecht heiratet die Kaisertochter Maria Amalie.

5. Oktober 1722

Wien * Der baierische Kurprinz Carl Albrecht heiratet in Wien die Erzherzogin Maria Amalia von Österreich, Tochter Kaiser Josephs I..

Zur Finanzierung der Hochzeitsfeierlichkeiten, aber auch für sonstige Luxusbedürfnisse des Hofes und zur Behebung der finanziellen Engpässe der kurfürstlichen Behörden gewährt der pfalz-sulzbachische Oberfaktor Noe Samuel Isaak aus Mergentheim dem Land gewaltige Finanzvorschüsse. Die Rückzahlung der Schulden wird in erster Linie einigen Salzämtern und der Landschaft übertragen.

Auch der Wiener Oberhoffaktor und Bankier Simon Wolf Wertheimer wird Gläubiger des kurfürstlichen Hauses.


1723

Bis zum Jahr 1723

Freising * Zwischen 1721 und 1723 werden acht Burschen und junge Männer im Alter zwischen 14 und 23 Jahren und drei „Bettlerinnen“ mittleren Alters in Freising hingerichtet.

Zu diesem Zeitpunkt ist der Zenit der „Hexen-Verfolgungen“ allerdings längst überschritten.
Der „Freisinger Prozess“ ist ein Auslaufmodell, was aber den „Hingerichteten“ allerdings nicht hilft. 

9. August 1723

München * Kurfürst Max Emanuel ernennt den Wiener Oberhoffaktor und Bankier Simon Wolf Wertheimer zum geheimen Hofjuwelier. Wertheimer verlegt daraufhin den Schwerpunkt seiner Geschäftstätigkeit nach München. 

Joseph Mändle, Noe Samuel Isaak, Simon Wolf Wertheimer und Nathan Moyses, der dem Kurfürsten ebenfalls einen Kredit gewährt, werden die ersten „kurbaierischen Hofjuden“

12. November 1723

Köln * Kurfürst Joseph Clemens, Fürstbischof der Bistümer Köln, Lüttich und Hildesheim stirbt in Köln und wird in der dortigen Domkirche beigesetzt.

Der 23-jährige Clemens August tritt das Amt eines Kurfürsten und Erzbischofs von Köln an, ohne das Bistum Münster oder Paderborn abgeben zu müssen.


1724

1724

München - Freising * Carl Meichelbeck veröffentlicht den „Augsburger Schied“, Münchens Gründungsurkunde, in seiner lateinischen „Historia Frisingensis“ und dem gleichzeitig erschienenen Buch mit dem Titel „Kurtze Freysingische Chronic“

15. Mai 1724

München - Köln - Trier - Pfalz * Die Kurfürsten von Baiern, Köln, Trier und der Pfalz schließen sich zur Wittelsbachischen Hausunion zusammen. Mit vier Kurstimmen und einem Heer von 30.000 Mann verfügen die verbündeten Fürsten über eine ansehnliche politische und militärische Macht.

7. November 1724

München-Lehel * Durch eine kurfürstliche Neubestätigung der Burgfriedensgrenze zugunsten Münchens wird das Lehel offiziell als Vorstadt eingegliedert. Der Münchner Magistrat übernimmt damit die grundherrliche Zuständigkeit über das Gebiet und seiner Bewohner und weitet dadurch seine Gerichtsbarkeit auf den vor den Stadttoren gelegenen Bezirk aus. Die städtische Verwaltung nimmt eine eigens dafür eingesetzte Lehel-Deputation wahr.  

Für die Lechler ist das genau der richtige Zeitpunkt, den Bau einer Kirche mit eigenen Zuständigkeiten für die Betreuung der damals etwa zweitausend Einwohner der Vorstadt zu fordern. Die Bewohner des Lehels gehören trotz ihrer Lage vor der Stadtmauer seit jeher zur Graggenau und damit zur Pfarrei Unserer Lieben Frau. Doch diese Zugehörigkeit ist mit allerhand Schwierigkeiten verbunden, da die Lechler durch Graben, Wall und Mauer von ihren Seelsorgern getrennt sind.  

Muss ein Schwerkranker in der Nacht mit den Sterbesakramenten versehen werden, so führt dies ausnahmslos zu Problemen, da die Stadttore nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Münchner Bürgermeisters geöffnet werden dürfen. Die Lechler holen in einem solchen Fall einen Paulanerpater vom Kloster Neudeck in der Au herbei.  

Das nimmt aber schon unter normalen Witterungsbedingungen einen Zeitaufwand von mindestens zwei Stunden in Anspruch. Bei den schwierigen Wegeverhältnissen ist das gerade im Winter äußerst umständlich und schwierig. Zum Leidwesen der Hinterbliebenen stirbt deshalb so mancher Lechler ohne Sakrament und geistlichen Trost. 

7. November 1724

München * Im Burgfriedensbrief wird der Münchner Burgfrieden neu festgelegt. Ursprünglich reichte der zum Hoheitsgebiet der Stadt zugerechnete Burgfrieden im Norden bis unmittelbar vor das Dorf Schwabing. Das Leprosenhaus am heutigen Nicolaiplatz gehörte noch zum Stadtgebiet. Von dort aus zieht sich die Stadtgrenze etwas südöstlich zur heutigen Veterinärstraße, überquert hier den Schwabinger Bach und in schnurgerader Richtung die Hirschau bis zur Isar.

Da aber Kurfürst Max Emanuel souverän über die Hirschau als Jagdgebiet verfügen will, klammert er das Gebiet aus dem Münchner Burgfrieden aus und erklärt: „Wür aber ersagte Hirschau Uns zu Unseren fürstlichen Jagden und Lust specialiter gnädigst reserviert haben.“

Mit der Ausgemeindung der Hirschau aus dem Burgfrieden der Stadt verläuft nun die Stadtgrenze vom Schwabinger Bach aus stark südöstlich bis etwa an die Stelle des heutigen Monopteros, in dessen Nähe sich heute auch die Burgfriedenssäule mit der Nummer 12/13 befindet.

Für die Ausgemeindung der Hirschau aus dem Stadtgebiet Münchens wird die Stadt durch die Eingemeindung der drei Mühlen am Dreimühlenbach, der Schwalbensteinmühle, der Au- oder Papiermühle und der Brudermühle entschädigt. Gleichzeitig wird das Lehel der städtischen Gewalt unterstellt. Eine schriftliche Fixierung des Münchner Burgfriedens erfolgt aber erst zwölf Jahre später. 

11. Dezember 1724

Schloss Drogenbusch * Kurprinz Carl Theodor, der spätere pfalz-baierische Kurfürst, wird auf Schloss Drogenbusch bei Brüssel geboren.


1725

1725

Schloss Nymphenburg * Joseph Effner beginnt mit dem Bau der „Magdalenenklause“ im „Nymphenburger Schlosspark“.

Die Arbeiten dauen bis 1728 an.

4. März 1725

Markt Schwaben * Kurfürst Clemens August lässt sich von seinem Freisinger Bischofskollegen Franz von Eckher von Kapfenberg und Lichteneck in der Hofkapelle des Schlosses Schwaben zum Priester weihen.

11. Oktober 1725

München * Eine Hofkommission und Vertreter der Stadt umreiten die neue Münchner Burgfriedensgrenze. 


1726

1726

München * In München gibt es sieben „Kaffeehäuser“

Davon sind drei bürgerlich: André Bellini, Rossignol und Bernath.
Vier stehen unter „Hofschutz“. Das sind Claudi Surat, Johann Koller, Tibo und Maria Schönwein. 

26. Februar 1726

München * Kurfürst Max Emanuel stirbt in München. Er wird in der Fürstengruft in der Theatinerkirche beigesetzt. Sein Sohn Carl Albrecht wird sein Nachfolger.

Zu diesem Zeitpunkt ist Baiern mit 5.218.460 Gulden bei jüdischen Gläubigern verschuldet. Das sind etwa zwanzig Prozent der damaligen baierischen Gesamtschuldenlast von 26,8 Millionen Gulden.

6. Dezember 1726

München-Kreuzviertel * Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr stirbt. 

17. Dezember 1726

München-Kreuzviertel * Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr wird in der Gruft des Münchner Karmeltinnenklosters beigesetzt. 


1727

1727

München * Die Münchner „Weinwirte“ kämpfen in einer Eingabe an den Kurfürsten Carl Albrecht gegen die „Kaffeehäuser“

Denn: „Zum luxuriösen Leben wird viel beigetragen durch die Vermehrung der Kaffeehäuser und weißen Bierzäpflereien, die Tag und Nacht dem Übermut offen stehen und wo die unnötigen und wolllüstigen Getränke wie Kaffee, Tee, Rosoglio [Likor, hauptsächlich Orangenlikör], Wein etc., jederzeit angeboten werden“.  

Der Kurfürst verspricht, keine neuen „Kaffeehäuser“ zu genehmigen und die bestehenden „absterben“ zu lassen. 

19. Januar 1727

München-Kreuzviertel * Für Maria Anna Josepha a Jesu Lindmayr wird ein Seligsprechungsverfahren eingeleitet - aber nie zu Ende geführt. 

28. März 1727

München * In München wird der spätere Kurfürst Max III. Joseph geboren. 

9. November 1727

Viterbo * Kurfürst und Fürsterzbischof Clemens August von Köln erhält von Papst Benedikt XIII. im Kloster San Maria della Querica in Viterbo die Bischofsweihe. 


1728

1728

München * In München leben 17 Juden in acht Haushalten.

Langsam etabliert sich wieder jüdisches Leben in der Stadt.

Juni 1728

München * Die neuen „Burgfriedenssäulen“ werden unter Beteiligung einer Kommission aus kurfürstlichen „Hofräten“ und aus städtischen Abgeordneten aufgestellt. 

Begleitet werden sie von 37 Bürgersöhnen im Alter von fünf bis fünfzehn Jahren, die Kohlen aus Eichenholz und Glasscherben zum Einlegen in die Grundsteine der Säulen mittragen.
Jeder der Knaben erhält zur Erinnerung an dieses denkwürdige Ereignis einen „Gedenkpfennig“ und eine „Maulschelle“, die an das alte baierische Recht erinnert, bei dem die Zeugen an den Ohren gezogen wurden.

Ähnlich einem Bildstock wird die „Stele“ oben von einer halbrunden Bekrönung abgeschlossen.
Die Säulen sind aus Tuffstein, der aus der Gegend um Valley stammt.
Sie zeigen auf der einen Seite einen Mönch, auf der anderen das Rautenwappen, das Stadt- und das Landeswappen.

29. August 1728

Dresden * In Dresden wird die sächsische Kurfürstentochter und spätere baierische Kurfürstin Maria Anna Sophie geboren. 

4. November 1728

Osnabrück * Das Domkapitel von Osnabrück wählt den 28-jährigen Clemens August zu ihrem Bischof. Damit ist der Kölner Kurfürst Herr über die fünf Bistümer Köln, Münster, Paderborn, Hildesheim und Osnabrück.


1730

10. März 1730

Venedig * Kurfürstin Therese Kunigunde stirbt in Venedig.

1. Oktober 1730

Köln * Fürstbischof Johann Theodors erhält durch seinen Bruder Clemens August, dem Kurfürsten von Köln, in Köln die Bischofsweihe.


1731

31. Oktober 1731

Salzburg * Der Salzburger Fürstbischof und Landesherr, Leopold Anton von Firmian, befiehlt die Ausweisung der in seinem Land lebenden Protestanten. Über 20.000 Salzburger müssen ihre Heimat verlassen.  

Den Besitzenden wird eine Frist von drei Monaten eingeräumt; die Besitzlosen - Tagelöhner, Knechte, Mägde - müssen sich innerhalb von acht Tagen auf den Weg machen. Mitnehmen dürfen sie nur das, was sie auf dem Leib tragen oder auf einer Karre hinter sich herziehen können. 


1732

17. Juli 1732

Mergentheim * Der 31-jährige Kölner Kurfürst Clemens August wird in Mergentheim zum Hochmeister des Deutschen Ordens gewählt. Trotz der kurbaierischen und der französischen Unterstützung unterliegt Fürstbischof Johann Theodor seinem Bruder, dem Kölner Kurfürsten Clemens August, bei der Wahl zum Hoch- und Deutschmeister.


1733

30. Januar 1733

München * Ludwig Joseph Graf von Arco, der spätere Ehemann der Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine, wird in München geboren. 


1734

1734

Heidelberg - Schwetzingen * In der klimatisch besser begünstigten Pfalz gibt es seit dem Jahr 1734 eine Seidenbaugesellschaft, die innerhalb von nur vier Jahren 12.000 Maulbeerbäume entlang der Straße zwischen Schwetzingen und Heidelberg anpflanzen lässt. Es dürfte damit die älteste Maulbeerallee in Deutschland sein.

Da die Maulbeerbäume bei den Pfälzern nicht sonderlich beliebt sind, nennt man die Bäume im Volksmund „Zwing-uff“, also „aufgezwungene Bäume“


1736

13. Februar 1736

Wien * Maria Theresia von Österreich und Franz I. Stephan von Lothringen, der spätere Kaiser, heiraten. 

24. September 1736

München * Die Burgfriedens-Grenzen werden endlich schriftlich niedergelegt. 


1738

28. April 1738

Vatikan * Papst Clemens XII. ist ein hochbegabter Jurist und Finanzexperte, der - blind und Krank - die katholische Welt mit einem eisernen Willen vom Bett aus regiert. Er erlässt die Verdammungsbulle „In eminenti apostolatus specula“, die den Freimaurern aus ihrer Geheimniskrämerei einen Strick dreht. „Wenn sie nichts Böses täten, würden sie nicht so sehr das Licht hassen“, argumentiert der greise Papst. Die Zugehörigkeit zur Freimaurerei wird bei Strafe der Exkommunikation verfolgt.  

Während man in Spanien, Portugal und Polen Logenbrüder foltert und hinrichtet, bekleiden in Frankreich viele Priester hohe freimaurerische Ämter. In Deutschland gehören Domherren, Äbte und Kardinäle den Logen an, darunter der Kölner Kurfürst und Fürsterzbischof Clemens August. 


1739

10. Mai 1739

München * Cosmas Damian Asam, Maler und Architekt, stirbt in München. 


1740

1740

Köln * Der Kölner Kurfürst und Fürsterzbischof Clemens August gründet - nach dem päpstlichen Verbot der Freimaurer - als Ersatz den Mopsorden. Es handelt sich dabei um einen für Männer und Frauen gleichsam zugänglichen Orden, der vermutlich auch am Münchner Hof Verbreitung findet.

Um den Papst nicht erneut zu erzürnen, ersetzt man den Eid der Freimaurer durch das Ehrenwort der Geheimhaltung und nimmt - am Anfang - nur Katholiken in den Logen auf. Um die ganze Angelegenheit als harmlos und ungefährlich hinzustellen, befürwortet man den Zutritt der Damen. Dabei ist gerade dies eine fast revolutionäre Tat, da den Möpsinnen alle Grade der Loge offen stehen und die Ämter paritätisch besetzt werden.

Der Name Mopsorden geht auf die im 18. Jahrhundert vorhandene Begeisterung für die gleichnamigen Hunde zurück. Zugleich steht die französische Bezeichnung für die Ehefrau eines Freimaurers Pate: Mopse. Das Brauchtum ist von „einer gewissen galanten Laszivität, wie sie dem Geschmacke des Rokoko entsprach“.

Der Zirkel in der Mopsloge soll Folgendes lehren: „Gleich, wie alle Durchschnitte des Kreises durch seinen Mittelpunkt gehen, müssen alle Handlungen eines Mopses aus einer Quelle gehen, nämlich der Liebe.“ 

20. Oktober 1740

Wien * Kaiser Carl VI. stirbt ohne männlichen Nachkommen in Wien. 


1741

13. März 1741

Wien * Joseph II., der spätere Kaiser, wird in Wien geboren. 

19. Dezember 1741

Prag * Kurfürst Carl Albrecht wird in Prag zum König von Böhmen gekrönt. 


1742

17. Januar 1742

Mannheim * Der pfälzische Kurfürst Carl Theodor heiratet in Mannheim Elisabeth Auguste. 

24. Januar 1742

Frankfurt am Main * Der baierische Kurfürst Carl Albrecht wird einstimmig zum Kaiser gewählt. 

12. Februar 1742

Frankfurt am Main * Der baierische Kurfürst Carl Albrecht wird in Frankfurt am Main feierlich zum Kaiser Carl VII. Albrecht gekrönt. 

14. Februar 1742

München * Zwei Tage nach der Kaiserkrönung des baierischen Kurfürsten Carl Albrecht zum Kaiser Carl VII. rücken österreichische Husaren in München ein. 


1744

23. Januar 1744

Lüttich - Berg am Laim * Mit Unterstützung seines älteren Bruders Clemens August wird der Fürstbischof von Freising und Regensburg, Johann Theodor, zum Bischof von Lüttich gewählt. Auch bei der Wahl zum Bischof von Lüttich hat Clemens August - trotz seiner Ämterfülle - die besseren Chancen.

Johann Theodor setzt sich gegen den ranghöheren Bruder nur deshalb durch, weil er sich standhaft weigert, in der neuen Berg am Laimer Michaelskirche die Kirchenweihe zu vollziehen. Der Regensburger und Freisinger Bischof Johann Theodor bekämpft gemeinsam mit dem Baumkirchner Pfarrer diesen Neubau. Die Wende kommt erst mit dem Verzicht Clemens Augusts auf das Bistum Lüttich zu Gunsten seines Bruders.

16. Oktober 1744

München * Bei einem erneuten Abzug österreichischer Truppen wird die Isarbrücke von einem gewaltigen Feuer zerstört. Dazu müssen die Münchner zehn Zentner Pech und weiteres Brandzeug beschaffen.


1745

20. Januar 1745

München * Kaiser Carl VII. Albrecht [= Kurfürst Carl Albrecht] stirbt in München. Er wird in der Fürstengruft der Theatinerkirche beigesetzt. Der Kaiser hinterlässt seinem 17-jährigen, politisch vollkommen unerfahrenen Sohn, Max III. Joseph, den Krieg gegen Österreich und durch seine unglückliche Großmachtpolitik total zerrüttete Staatsverhältnisse. 

13. September 1745

Frankfurt am Main * Franz I. Stephan von Lothringen, Gemahl von Maria Theresia, wird zum Kaiser gewählt. 

4. Oktober 1745

Frankfurt am Main * Franz I. Stephan von Lothringen, Gemahl von Maria Theresia, wird in Frankfurt am Main zum Kaiser gekrönt. 


1746

1746

München * Das „Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ wird durch Kurfürst Max III. Joseph erneuert. Es handelt sich dabei um eine fast wörtliche Wiederholung des Textes aus dem Jahr 1611 beziehungsweise 1665. 

1746<p><strong><em>München-Hackenviertel</em></strong> * Johann Paul Reiz, der Besitzer des Faberbräuhauses in der Sendlinger Straße, ließ im Hof seines Wirtshauses einen <em>„Komödienstadel“</em> für Wander-Schauspieler-Truppen einrichten. Durch die Bereitstellung der stehenden Bühne machte er die Schauspieltruppen, die mit ihren Thepsiskarren durch München zogen, seßhaft.</p> <p>Zu Beginn waren es noch Gaukler und Komödianten, der Stärke über das Niveau der <em>„Hanswurstiarden“</em> nicht hinaus ging. Humorvolles stand im Vordergrund.&nbsp;Im <em>„Komödienstadel“</em> saßen die aus dem einfachen Volk stammenden Zuschauer an langen Biertischen und Bänken. Jedermann lebte und spielte lauthals mit den Komödianten, nebenbei wurde getrunken und gegessen.</p> <p>Unter einem Thespiskarren oder Thespiswagen versteht man den Wohnwagen wandernder Schauspieler oder für eine Wanderbühne.&nbsp;Der Name stammt von Thespis, dem ersten griechischen Tragödiendichter. Dies lässt sich jedoch nicht belegen.</p>
1746

München * Das „Baierische Mandat gegen Aberglauben, Zauberei, Hexerei und andere sträfliche Teufelskünste“ wird durch Kurfürst Max III. Joseph erneuert.

Es handelt sich dabei um eine fast wörtliche Wiederholung des Textes aus dem Jahr 1611 beziehungsweise 1665. 


1747

26. April 1747

Leimen * Aron Elias Seligmann, der spätere „jüdische Hoffaktor“ und Finanzier des Bayerischen Staates, wird in Leimen geboren. 

5. Mai 1747

Wien * Leopold II., der spätere Kaiser, wird in Wien geboren. 

9. Juli 1747

München * Kurfürst Max III. Joseph heiratet die sächsische Kurfürstentochter Maria Anna Sophie. 


1748

1748

Au - München * Die Vorstadt Au wird an den „Almoseneingängen“ der Stadt München beteiligt.


1750

1750

Mühldorf * In Mühldorf am Inn, das zu diesem Zeitpunk zum „Fürstbistum Salzburg“ gehört, wird der 16-jährigen Maria Pauer der Prozess wegen „Schadenszauber“ gemacht.

Im Mühldorfer „Hexenkammerl“ hält man sie monatelang wie ein Tier gefangen.
Am Ende des „Hexen-Prozesses“ wird sie zum Tode durch „Verbrennen“ verurteilt, dann aber „gnadenhalber“ zuvor geköpft.  

Maria Pauer müsste die letzte „Hexenverbrennung“ auf bayerischem Boden gewesen sein. 


1751

1751

München * Das Strafgesetzbuch bestimmt: „Bündnisse und fleischliche Vermischung mit dem Teufel oder dessen Anbetung und Verunehrung der Hostien werden mit lebendiger Verbrennung bestraft“

1751

München * Der „Codex Juris Bavarici Criminalis“ droht:

„Gemeine und offenbare Hurerey, welche mit jedermann ohne Scheu um Gewinns willen getrieben wird, oder auch in Gestalt der Ehe gepflogener Beyschlaf, ist mit der Landesverweisung, oder da das Handwerck schon lange dauert, noch schärfer zu bestraffen“.


1752

1752

München * Der Rat der Stadt lässt einen „Geißbock“ auf Rädern, zum Herumführen von „Huren“, fertigen. 


1753

1753

München * Bis zum letzten „Hexenprozess“ müssen sich seit dem Jahr 1701 noch weitere 17 Personen vor Gericht verantworten. 


1754

14. Januar 1754

München * Der Hofgärtner Anton Häußler erhält den Auftrag, im Lustheimer Garten 800 kleine Maulbeerbäume zu pflanzen und damit „eine Probe aufs Klima“ zu machen. Nach der ersten Überwinterung kann Häußler berichten, dass Aprikosen und andere Bäume trotz Stroheindeckung erfroren seien, die uneingedeckten Maulbeerbäume es dagegen überstanden haben. 

1. Mai 1754

München * Anton Häußler erhält das „Privilegium zur Errichtung einer Seidenmanufaktur in baierischen Landen“


1756

27. Mai 1756

Mannheim * Der spätere König Max I. Joseph wird in Mannheim geboren. 

11. Dezember 1756

München - München-Kreuzviertel * Kaiserin Amalia Maria Josepha Anna stirbt in München. Sie wird in der Fürstengruft der Theatinerkirche beigesetzt. 


1760

1760

München * Um die Seidenzucht zu fördern, ernennt Kurfürst Max III. Joseph eine „Seidenzucht-Commission“. Die „Ministris und Räthe“ sollten die verschiedenen Aktivitäten koordinieren. 


1761

6. Februar 1761

Köln * Der Kölner Kurfürst Clemens August stirbt in Köln und wird in der dortigen Domkirche beigesetzt. Die Hofmark Berg am Laim erbt der Freisinger und Lütticher Fürstbischof Johann Theodor, der freilich auch aus der wittelsbachischen Familie stammt.

15. Juni 1761

Berg am Laim * Bei einem „förchterlichen Hagelsturz“ fallen „pfundschwere Hagelkörner“ nieder. 


1762

1762

Genf * In seiner Publikation „Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechte“ schreibt Jean-Jaques Rousseau: „Der Mensch ist frei geboren, und überall liegt er in Ketten“.

24. März 1762

München * Kurfürst Max III. Joseph ordnet an, dass das bereits begonnene Pflanzen von Maulbeerbäumen fleißig fortgesetzt wird, wozu „Wir Samen und Pflanzen unentgeltlich abfolgen, annebens auch die Art und Weiss, wie die Plantage zu unterhalten, und nützlich zu gebrauchen sey, gleichfalls durch öffentlichen Druck bekannt machen lassen werden.“ 


1764

27. März 1764

Frankfurt am Main * Joseph II. wird zum römisch-deutschen König gewählt. 

3. April 1764

Frankfurt am Main * Joseph II. wird zum römisch-deutschen König gekrönt. 


1765

1765

Berlin - München * Während König Friedrich der Große im aufgeklärten Preußen alle „Hurenstrafen“ abgeschafft hat, wird die „Prostitution“ in München erst wieder zu Beginn des 19.Jahrhunderts offiziell etabliert.  

Doch bis in München wieder ein „Bordell“ eröffnet werden kann, werden noch Jahre vergehen.

Man bekämpft hier nicht nur die „Huren“, die „durch ihr geiles Hingeben und Toben [auf dem Tanzboden] die Achtung und Ehrfurcht der Männer längst verloren hatten“, sondern sogar den „Wiener Walzer“

14. April 1765

Darmstadt * Auguste Wilhelmine Maria von Hessen-Darmstadt, die spätere erste Ehefrau von Max I. Joseph und Mutter von König Ludwig I., wird in Darmstadt geboren. 

18. August 1765

Innsbruck * Kaiser Franz I. Stephan stirbt in Innsbruck. Sein Nachfolger als Kaiser wird Joseph II.. 

31. August 1765

München * Kurfürst Max III. Joseph informiert den Probst der Theatiner, Johannes Edlweckh, dass er die Fassade der Theatinerkirche fertigstellen möchte. 

27. September 1765

München-Kreuzviertel * François Cuvilliés d.Ä. legt den Theatinern den Plan für die Fassade der Theatinerkirche vor. 


1766

1. April 1766<p><em><strong>Parsberg bei Miesbach</strong></em> * In der Nacht vom 1. zum 2. April 1766 findet in Parsberg bei Miesbach das <em>„Parsberger Treiben“</em> statt.&nbsp;Das Opfer&nbsp;ist Maria Aignmann, die Tochter des Sterzlbauern, die sich mit dem ledigen Bauernsohn Anton Preißl aus dem gleichen Dorf eingelassen und ein Kind geboren hat.</p> <p>An dem Haberfeldtreiben&nbsp;sind 23 Männer beteiligt, von denen nur einer verheiratet ist. Sie sind zwischen 16 und 26 Jahre alt.&nbsp;Die dargebrachten Spottverse&nbsp;sind sowohl für die Tochter des Sterzlbauern, aber auch einigen Bauern aus Parsberg und Bürgern vom nahen Miesbach gewidmet.&nbsp;</p>
25. April 1766

München-Kreuzviertel * Die Baumaßnahmen an der Fassade der Theatinerkirche werden nach den Plänen von François Cuvilliés begonnen. 

20. August 1766

Miesbach - München * Der Gerichtspfleger von Miesbach leitet eine Untersuchung ein, die umgehend zur Inhaftierung von neun Haberern des Parsberger Treibens vom 1./2. April 1766 führt. Der folgende kurfürstliche Erlass vom 20. August 1766 stellte das erste Dokument der Verfolgung des Haberfeldtreibens durch die baierischen Behörden dar. 

22. September 1766

München • Der baierische Kurfürst Max III. Joseph und sein wittelsbachischer Verwandter Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz schließen eine „Erbverbrüderungs-Erneuerung“. Darin werden Baiern und Pfalz erstmals als „unteilbarer Gesamtbesitz des Hauses Wittelsbach“ bezeichnet. 

13. Oktober 1766

München * Der Theatiner-Pater Don Ferdinand von Sterzinger hält eine Rede gegen den Hexenwahn. Sein Vortrag befasst sich mit „dem gemeinen Vorurteil der wirkenden und tätigen Hexen“. Er geht als Vertreter der Aufklärung gegen Aberglauben und Unwissenheit vor.

Seine Schriften gegen Hexen sowie das Zauber- und Gespensterwesen bringen ihm grenzüberschreitende Achtung und Anerkennung ein. Der Theatinerpater bricht damit eine langwierige Diskussion vom Zaun, die als Baierischer Hexenkrieg bekannt wird. Im weiteren Verlauf streitet man in 28 Streitschriften um das Für und Wider.

Als besondere Gegner des Theatinerpaters offenbaren sich die Benediktiner von Scheyern, deren Kreuzreliquie angeblich gegen Verhexung wirksam ist und die in der Demontage des Zauberei-Tatbestands ihr Geschäft mit den von ihnen vertriebenen heiligen Gegenständen gefährdet sehen. 

Doch Dank der Stellungnahme der Akademie der Wissenschaften kommt es in Churbaiern zu keinen Hexenverfolgungen mehr. Auch in anderen süddeutschen Territorien erlahmen schließlich die Hexenverfolgungen. 


1767

10. Dezember 1767

München-Kreuzviertel * Die Arbeiten an der Fassade der Theatinerkirche nach den Plänen von François Cuvilliés sind fertig gestellt. 


1768

1768<p>München-Hackenviertel * Unter der Leitung von Theresina Kurz hielt ein gehobeneres Niveau im <em>„Komödienstadel“</em> im Faberbräuhaus Einzug, obwohl noch immer die Figur des Lipperls vorherrschte.</p>
12. Februar 1768

Florenz * Der spätere Kaiser Franz II. bzw. Franz I. Joseph Karl, aus dem Hause Habsburg-Lothringen, wird in Florenz geboren. 

14. April 1768

München * François Cuvilliés stirbt in München. 


1769

21. April 1769<p><strong><em>München</em></strong> * Hoftheaterintendant Graf Seeau schließt&nbsp;auf Anordnung des Kurfürsten Max III. Joseph einen Vertrag mit Theresina Kurz, der es ihr und ihrer Truppe erlaubt, viermal wöchentlich auf der Bühne des Opernhauses am Salvatorplatz aufzutreten. Der Hof lässt&nbsp;sich für die Vorstellungen sogar fünf Logen reservieren.&nbsp;</p>
1. August 1769

München * Kurfürst Max III. Joseph richtet ein Bücherzensurkollegium ein, das alle Druckschriften untersucht. 

15. August 1769

Ajaccio * Napoleon Bonaparte, der spätere französische Kaiser Napoleon I., wird in Ajacco auf Korsika geboren.

Oktober 1769<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> * Die Kurz’sche Wander-Theatergruppe gastiert viermal wöchentlich im Opernhaus am Salvatorplatz. Das Engagement dauert bis Ende April 1770 an.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>

1770

1770

München * Das traditionelle „Almosengeben“ wird unter Strafe gestellt, lässt sich aber nicht rasch ausrotten.

Mai 1770<p><strong><em>München</em></strong> * Theresina Kurz verlässt mit ihrer Schauspielertruppe München.&nbsp;</p>

1771

1771

München * Kurfürst Max III. Joseph gibt erneut einen Erlass heraus, wonach überall Maulbeerbäume anzupflanzen sind.

Schon wenige Jahre später gibt es tatsächlich mehrere Zehntausend junge Maulbeerbäume, darunter auch im „Hasen- und Hopfengarten im Schloss Nymphenburg“ oder im Schlossgarten der Burg Trausnitz in Landshut. 

10. Oktober 1771<p><strong><em>München-Hackenviertel</em></strong> * Johann Baptist Joachim Nießer, ehemaliges Mitglied der Kurz‘schen Schauspielertruppe, kehrt&nbsp;mit dem Ensemble nach München zurück und übernimmt&nbsp;die Leitung des Faberbräu-Theaters. Mit Unterstützung der Baierischen Akademie der Wissenschaften eröffnet&nbsp;er hier die <em>„Deutsche Schaubühne“</em>, was als ein <em>„Markstein auf dem Weg zu einem Münchner Nationaltheater“</em> gilt.&nbsp;</p> <p>Mit ausgebildeten Schauspielern finden seither regelmäßige Vorstellungen im Faberbräu statt. Der Publikumserfolg stellt sich bald ein, sodass er auch die Anerkennung des Grafen Seeau gewinnen kann.&nbsp;</p> <p>Durch das gebotene hohe Niveau der Schauspielkunst strömt&nbsp;nun auch die gehobene Münchner Bürgerschaft in Scharen in das Faberbräu-Theater. Dadurch erhöhen sich die Eintrittspreise, sodass sich das einfache Publikum den Theaterbesuch einfach nicht mehr leisten kann und so aus dem Kulturbetrieb verdrängt wird. Die Bürger der unteren Schichten suchen ihr Vergnügen nun wieder in den Bretterbuden und <em>„Hanswurst-Theatern“</em> in den Münchner Vorstädten.&nbsp;</p>
27. Dezember 1771

München * Der Feiertag des heiligen Johann Evangelist wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

28. Dezember 1771

München * Der Feiertag der Unschuldigen Kinder wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 


1772

23. April 1772

München * Der „Feiertag des heiligen Georg“ wird letztmals gefeiert. 

Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche „Breve“ vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

16. Mai 1772

München - Rom-Vatikan * Papst Clemens XIV. hebt auf Bitten der baierischen Regierung zwanzig kirchliche Feiertage auf. Bisher gibt es 124 Sonn- und Feiertage, die sich aufteilen in 52 Sonntage, 53 übliche und 19 gebotene Feiertage, was im Schnitt einer Fünf-Tage-Woche entspricht. Abgeschafft werden

  • acht Apostelfeste,
  • dazu die Festtage der Heiligen Anna (26. Juli),
  • Laurentius (10. August),
  • Michael (29. September),
  • Johann Evangelist (27. Dezember),
  • Georg (23. April),
  • Magdalena (22. Juli),
  • Martin (11. November),
  • Katharina (25. November),
  • Nikolaus (6. Dezember),
  • Unschuldige Kindlein (28. Dezember). 
  • Dann noch der Osterdienstag und
  • der Pfingstdienstag.

Mit der Aufhebung der Feiertage entfällt die Verpflichtung zum Besuch der heiligen Messe am Vormittag und das Fastengebot am Vorabend. Andererseits müssen an den aufgehobenen Feiertagen die Werkstätten und Läden geöffnet werden. Weil die Einhaltung der Verordnung nicht überprüft wird, wird sie auch nicht eingehalten. 

12. Juni 1772<p><strong><em>München</em></strong> * In einem Schreiben an Kurfürst Max III. Joseph preist Hoftheaterintendant Graf Seeau die Leistungen der inzwischen stadtbekannten Nießer‘schen Theatergruppe.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>
22. Juli 1772

München * Der Feiertag der heiligen Magdalena wird letztmalig gefeiertEr wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

10. August 1772

München * Der „Feiertag des heiligen Laurentius“ wird letztmals gefeiert. 

Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche „Breve“ vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

November 1772

Concorde * Der 19-jährige wandernde Schulmeister Benjamin Thompson heiratet die elf Jahre ältere Sarah Rolfe. 

Sie ist die reichste Witwe von Concorde, dem früheren Rumford, und die Tochter des betuchten und einflussreichen Pfarrers Timothy Walker.

Thompson ist jetzt ein wohlhabender Landedelmann und Verwalter eines großen Gutes.

11. November 1772

München * Der Feiertag des heiligen Martin wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

25. November 1772

München * Der Feiertag der heiligen Katharina wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 

6. Dezember 1772

München * Der Feiertag des heiligen Nikolaus wird letztmals gefeiert. Er wird am 14. Dezember 1772 durch eine vorausgehende päpstliche Breve vom 16. Mai 1772 abgeschafft. 


1773

1773

Schwetzingen - Großbritannien * Zum Studium des neuen „Gartenstils“ schickt Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz den Sohn des Schwetzinger „Hofgärtners“, Friedrich Ludwig Sckell, nach England.

1. März 1773<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> * Im Opernhaus am Salvatorplatz gibt&nbsp;Johann Baptist Joachim Nießer mit seinem Ensemble erstmals eine Vorstellung. Der gesamte kurfürstliche Hof ist&nbsp;dabei anwesend.&nbsp;</p>
21. Juli 1773

Rom-Vatikan * Papst Clemens XIV. stellt das Aufhebungsdokument für den Jesuitenorden aus. Es tritt einen Monat später in Kraft.


1774

1774

München * Peter Paul Maffei kommt nach München.

24. März 1774

München-Maxvorstadt * Der kurfürstliche Lottokollekteur Giovanni Pietro Sarti, genannt „Pantalon“, aus Venedig erhält die Genehmigung zur Eröffnung einer „Boutique“ unter den Arkaden  des Hofgartens. Dort darf er „coffee“, „chocolats“, „lemonats“ und andere „refraichissements“ [Erfrischungen] anbieten. 

5. April 1774<p><strong><em>München-Isarvorstadt</em></strong> * Kurfürst Max III. Joseph fordert den Stadtmagistrat auf, einen Standort für einen neuen Friedhof zu finden oder die Erweiterung des bestehenden <em>„Friedhofs vor dem Sendlinger Tor“</em>, des heutigen <em>„Alten südlichen Friedhofs“</em>, zu überdenken.</p> <ul> <li>Die bestehenden Friedhöfe innerhalb der Stadtmauer sollen aufgelassen, gekalkt und gepflastert werden.&nbsp;</li> <li>Auch die Grüfte&nbsp;in den Kirchen, diese <em>„stinkenden, vergifteten Vorratskeller ansteckender Luft“</em>, &nbsp;sollen aufgelassen werden.</li> </ul> <p>Sofort organisiert sich Widerstand gegen diese kurfürstlichen Maßnahmen, wobei das einfache, ärmere Volk davon weniger betroffen ist, weil sie schon seit längerer Zeit ihre Toten vor das Sendlinger Tor begleiten müssen.&nbsp;</p>
18. Oktober 1774

Concorde * Benjamin Thompsons Tochter Sarah, allgemein Sally genannt, wird geboren.


1775

4. April 1775<p><em><strong>Kempten</strong></em> * Die zum Tode mit dem Schwert&nbsp;wegen <em>„Schadenszauber und Teufelsbuhlschaft“</em> verurteilte Hausmagd&nbsp;Anna Maria Schweglin aus Kempten soll hingerichtet werden.&nbsp;Sie gilt als die letzte hingerichtete bayerische Hexe.&nbsp;Doch sie stirbt - wie man erst 1995 entdeckt - anno 1781 im Gefängnis.&nbsp;</p>
19. April 1775<p><strong><em>Boston</em></strong> * In der Gegend um Boston bricht der amerikanische <em>„Unabhängigkeitskrieg“</em> aus.&nbsp;Benjamin Thompson kämpft als Oberst auf der Seite der Briten.</p>

1776

Nach dem 17. März 1776<p><strong><em>USA - London</em></strong> * Benjamin Thompson beteiligt sich am&nbsp;amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Nachdem sich die Briten aus Boston zurückziehen, müssen rund 10.000 Soldaten und Zivilisten das Land verlassen.&nbsp;Benjamin Thompson flieht mit englischen Truppen nach London, wo er rasch Karriere macht.&nbsp;Seine Frau und seine Tochter lässt er in Concorde zurück.&nbsp;</p>
4. Juli 1776

USA * Dreizehn britische Kolonien in Amerika unterzeichnen die Unanhängigkeitserklärung.

13. Juli 1776

Karlsruhe * Caroline Friederike Wilhelmine von Baden wird in Karlsruhe geboren. 

10. Dezember 1776

Mailand * Maria Leopoldine, die spätere bairische Kurfürstin und Ehefrau von Kurfürst Carl Theodor, wird in Mailand geboren. Ihr Vater ist Ferdinand Carl Anton, Erzherzog von Österreich-Este und Generalgouverneur der Lombardei, ihre Mutter Maria Beatrix, eine Prinzessin von Modena d‘Este und Herzogin von Massa und Carrara. 


1777

Um Februar 1777

Georgia * Benjamin Thompson wird in London „Sekretär für die Provinz Georgia“

Das unbedeutende Ehrenamt ist mit einem ansehnlichen Jahresgehalt von einhundert Pfund dotiert.

30. Dezember 1777

München * Kurfürst Max III. Joseph stirbt in München. Sein Nachfolger wird der aus der pfälzisch-wittelsbachischen Linie stammende Carl Theodor. Als Regierungssitz des neuen pfalz-baierischen Kurfürsten ist in einem Hausvertrag München festgelegt worden. 


1778

1778

München * Nach dem Tod des bairischen Kurfürsten Max III. Joseph regiert der pfälzische Kurfürst Carl Theodor Pfalz-Baiern von München aus.

28. August 1778

Berg am Laim * Die Hofmark Berg am Laim geht in das Eigentum von Franz Carl von Hompesch über. Hompesch ist im Gefolge des pfälzischen Kurfürsten Carl Theodor nach München gekommen und war zuvor Kanzler in Düsseldorf, der Hauptstadt der jetzt nach Baiern gehördenden Herzogtümer Cleve und Berg. In München wird er wegen seiner Verdienste zum Staats- und Konferenzminister der Finanzen ernannt. 

9. Oktober 1778

München * Das Kurfürstenpaar Carl Theodor und Elisabeth Auguste ziehen feierlich in ihre neue Residenzstadt München ein.


1779

1779

London * Benjamin Thompson wird Mitglied der „Royal Society“, der 1660 gegründeten Gelehrtengesellschaft Englands. 

Seinen Namen darf er jetzt mit dem Kürzel „FRS“ [„Fellow of the Royal Society“] zieren.

Ende 1779

London * Benjamin Thompson wird zum „Bevollmächtigten für die Ausstattung der britischen Streitkräfte in den Kolonien“

Er kauft die Uniformen oder den Stoff, aus dem sie hergestellt werden, in London und verkauft sie der Armee in den Kolonien zum besten Preis, den er erzielen kann.
Bei diesem höchst spekulativen Geschäft verdient Thompson sehr viel Geld.

1779

München-Graggenau - München-Maxvorstadt * Zwischen 1779 und 1783 lässt Kurfürst Carl Theodor durch Karl Albrecht von Lespilliéz, dem Nachfolger von François Cuvilliés d.Ä., an der Nordseite des „Hofgartens“ eine „Gemäldegalerie“ anbringen. 

Davon hat die „Galeriestraße“ ihren Namen. 

1779

London * Benjamin Thompson wird „Mitglied der Königlichen Britischen Akademie der Wissenschaften“.

1779

München * Die jüdische Gemeinde in München besteht aus 15 Haushalten.


1780

1780

München-Graggenau * Giovanni Pietro Sarti erhält die kurfürstliche Genehmigung zum Bau eines „Kaffeehauses“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“

September 1780

London * Benjamin Thompson wird zum „Unterstaatssekretär für die britischen Kolonien“ ernannt.

6. November 1780

München-Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozart trifft in München ein. In einem Hotel an der Burgstraße, dem späteren Gasthaus zum Mozart, steigt er ab, um im Eckzimmer des zweiten Stockwerks an der Vollendung seiner Oper „Idomeneo“ zu arbeiten.  

Er bleibt bis zum 12. März 1781. Die Oper kommt am 29. Januar 1781 - unter der Stabführung von Mozart selbst - im neuen Opernhaus von François Cuvilliés zur Uraufführung.  

29. November 1780

Wien * Kaiserin Maria Theresia stirbt in Wien. Ihr Sohn, Kaiser Joseph II., übernimmt jetzt die Titel der Könige von Böhmen, Kroatien und Ungarn. 


1781

Sommer 1781

London * Benjamin Thompson legt seinen Posten als „Unterstaatssekretär für die britischen Kolonien“ überraschend nieder.

1781

München-Graggenau * Das „Kaffeehaus“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“ des Giovanni Pietro Sarti ist fertiggestellt. 

1781

München * In einer Münchner Zeitung ist zu lesen, dass es mit dem „verwünschten Kaffeeplempern und mit dem täglich anwachsenden Bohnenröstergewerbe“ noch so weit kommen wird, dass die „großen Städte bald mehr Kaffee- als Bierschenken“ zählen werden. 

1781

Kempten * Die „Hausmagd“ Anna Maria Schweglin aus Kempten, die 1775 zum „Tode mit dem Schwert“ wegen „Schadenszauber und Teufelsbuhlschaft“ verurteilt wurde, stirbt im Gefängnis.

Sie gilt als die letzte hingerichtete bayerische „Hexe“.
Ihr Tod im Gefängnis wird erst 1995 entdeckt. 

29. Januar 1781

München-Graggenau * Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Idomeneo“ kommt im Cuvilliès-Theater unter der Leitung des Komponisten zur Uraufführung. Sie wird zwei Mal wiederholt.

Februar 1781

London * Benjamin Thompson lässt sich gegen Bezahlung von 4.500 Pfund zum „Oberstleutnant“ des von ihm noch zu rekrutierenden „Königlichen Amerikanischen Dragoner-Regiments“ ernennen.

7. Oktober 1781

New York - Südkarolina * Benjamin Thompson reist mit dem Schiff nach New York. Widrige Winde bringen ihn aber nach Südkarolina, wo er erst am 29. Dezember ankommt.

13. Oktober 1781<p><strong><em>Wien</em></strong> * Kaiser Joseph II. hebt in Österreich mit einem <em>„Toleranzpatent“</em> das Glaubensmonopol der katholischen Kirche auf.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>
28. November 1781

München * Kurfürst Carl Theodor gründet eine Seidenbau-Direktion. Trotzdem geht Geld auf verschlungenen Wegen verloren. So haben es sich die privaten Seidenzüchter angewöhnt, ihren Bedarf an Maulbeerbäumen heimlich von den kurfürstlichen Pflanzungen zu holen.

Der Mitarbeiterstab der Seidenbau-Direktion wächst immer weiter an und belastet dadurch den Jahresetat entsprechend. Besonders die ungezügelten Gehaltsforderungen der Seidenbaudirektions-Vorstände fressen einen erheblichen Teil der Einkünfte auf. 


1782

1782

München * Als man für ganz München die Zahl der noch vorhandenen Maulbeerbäume ermittelt, muss man ernüchternd feststellen, dass nur noch 2.494 Bäume vorhanden sind. Dabei waren nur wenige Jahre zuvor alleine in Nymphenburg 4.000 Maulbeerbäume gestanden, weswegen der dortige Hasengarten in Maulbeergarten umbenannt worden war.

Als Ursache für den Baumverlust werden das ungewohnt kalte Klima, die übermäßige Entlaubung und mutwillige Beschädigungen genannt. Es wird aber auch die nachlässige Arbeit der Gärtner in den Plantagen gerügt. 

1782

Königreich Preußen * Im Königreich Preußen wachsen drei Millionen Maulbeerbäume

1782

München * Die aus dem Jahr 1563 stammende, rund sechs mal sechs Meter große „Baiernkarte“ des Philipp Apian wird als „wertloser Plunder“ verbrannt. 

Zum Glück haben sich die 24 verkleinerten Holzschnitte der Karte erhalten, die als „Baierische Landtafeln“ bekannt sind. 

1782

Glarus * Im evangelischen Glarus in der Schweiz wird die „pflichttreue Dienstmagd“ Anna Göldi als letzte „Hexe“ auf dem Boden des „Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation“ hingerichtet.

1782<p><strong><em>München</em></strong> * In seinen <em>„Beschreibungen der Haupt- und Residenzstadt München“</em> bezeichnet Lorenz von Westenrieder das Buden- und Wandertheater&nbsp;als ein beliebtes Freizeitvergnügen aller bürgerlichen Stände. Besonders das einfache Volk findet Gefallen an den derben Späßen und Spektakelstücken.</p> <p>Der Schauspieldirektor des Dulttheaters, Lorenz Lorenzini, macht mit seiner Kreuzerkomödie&nbsp;- so genannt, weil der Eintritt nur einen Kreuzer kostet - Furore. Pathos und Rührung, Zoten und <em>„Hanswurstiaden“</em>&nbsp;beherrschen das Stück.&nbsp;</p>
12. Januar 1782

Wien * Kaiser Joseph II. hebt in seinen Erblanden 738 Klöster auf. Alle Klöster, die sich nicht der Schulbildung oder Krankenpflege widmen, sind von diesem Erlass betroffen. 

11. April 1782<p><strong><em>New York</em></strong> * Benjamin Thompson trifft in New York ein und kümmert sich um die vollständige Rekrutierung seines Königlichen Amerikanischen Dragoner-Regiments.</p>
1. August 1782

New York * Das von Benjamin Thompson rekrutierte Königliche Amerikanische Dragoner-Regiment ist kampfbereit.

17. September 1782

Mannheim * Der Architekt Carl von Fischer wird in Mannheim geboren. 

27. September 1782

Amerika * Benjamin Thompsons Königliches Amerikanisches Dragoner-Regiment wird erstmals in Kriegshandlungen verwickelt.

30. November 1782

Großbritannien - USA * Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika unterzeichnen einen Friedensvertrag, der allerdings erst am 3. September 1783 rechtskräftig wird.

31. Dezember 1782

München * Laut Lorenz von Westenrieder gibt es in München „nebst den pfuschenden und heimlichen“ weit über fünfzig Kaffeehäuser. 


1783

Nach dem 3. September 1783

USA * Der königstreue Benjamin Thompson muss Amerika verlassen. Mit ihm emigrieren schätzungsweise weitere 80.000 Menschen.

3. September 1783

USA * Nachdem sich England mit Frankreich, Spanien und Holland geeinigt haben, wird der amerikanische Befreiungskrieg nach acht Jahren beendet und die Vereinigten Staaten von Amerika völkerrechtlich anerkannt.

17. September 1783

Dover - Straßburg - Wien * Mit dem Ende des Unabhängigkeitskrieges muss sich der 30-jährige Benjamin Thompson um eine neue Tätigkeit bemühen. Von Dover aus reist er mit Ziel Wien ab. 

In Straßburg trifft er den wittelsbachischen Prinzen Max Joseph von Pfalz-Zweibrücken, Oberst im Regiment d'Alsace und Garnisonskommandant. Der junge General gibt Thompson ein Empfehlungsschreiben an seinen Onkel, den pfalzbaierischen Kurfürsten Carl Theodor mit.


1784

1784

München-Graggenau * Giovanni Pietro Sarti darf sein „Kaffeehaus“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“ um ein Stockwerk erhöhen. 

2. Februar 1784<p><strong><em>München-Hackenviertel</em></strong> * Im Faberbräu-Theater findet die Münchner Erstaufführung von Friedrich Schillers <em>„Die Räuber“</em> statt.&nbsp;</p>
23. August 1784<p><strong><em>Wien</em></strong> * Kaiser Joseph II. verfügt aus Hygienegründen in Österreich die Schließung aller innerörtlichen Friedhöfe.&nbsp;</p>

1785

1785

München - Wien - Berlin * Erneute Ländertauschpläne zwischen Österreich und Kurfürst Carl Theodor werden auf Initiative Preußens und dem „Fürstenbund“ durch die „Garantie der Eigenstaatlichkeit und Unversehrtheit Baierns“ beendet.

30. September 1785

Darmstadt * Herzog Max Joseph, der spätere baierische König, heiratet Auguste Wilhelmine Maria von Hessen-Darmstadt in Darmstadt. 

14. Dezember 1785

München-Kreuzviertel * Die 16-jährige Fanny von Ickstatt, Tochter eines Ingolstädter Professors, stürzt vom nördlichen Turm der Frauenkirche in die Tiefe. Ihr Körper wird auf das Dach des Dechanthofes geschleudert.  

Der Stadtklatsch macht aus dem tragischen Unglücksfall eine unerfüllte Liebesgeschichte. Weil Fanny von Ickstatt den Ingolstädter Leutnant Franz von Vincenti nicht lieben darf, stürzt sie sich in den Tod, um damit einem Leben im Kloster zu entgehen. Fanny von Ickstatt wird auf dem Salvatorfriedhof beigesetzt. 


1786

1786

Königreich Preußen * Im Königreich Preußen werden 14.000 Pfund Seide gewonnen.

Kurfürst Carl Theodor will da nicht Abseits stehen, doch ist für Baiern die Aufnahme von nicht-katholischen Personen, noch dazu Calvinisten, einfach unvorstellbar und kommt nicht in Frage. Auch dann nicht, wenn die Fachleute im eigenen Land fehlen. 

1786

München * Der aus Trient stammende „Glockengießersohn“ Peter Paul Maffei wird als Bürger und Handelsmann in München aufgenommen.

Der Neubürger heiratet Walburga Mayer, die 5.400 Gulden als Aussteuer in die Ehe mitbringt.
Er selbst hat 2.000 Gulden und den ausgeprägten Willen, dieses Vermögen zu vermehren.

Als Tabakfabrikant in der Bruderstraße im Lehel, mit der er jährlich 25.000 Gulden Gewinn erwirtschaftet, und mit seinen Einkünften als Großhändler bringt es Maffei zu einem ansehnlichen Vermögen.

25. August 1786

Straßburg * Ludwig I., der spätere bayerische König, wird in Straßburg geboren. 

6. September 1786

München-Kreuzviertel * Johann Wolfgang von Goethe stillt seine Neugierde durch die Besteigung des nördlichen Turms der Frauenkirche, von wo aus neun Monate zuvor die 16-jährige Fanny von Ickstatt in den Tod gestürzt ist. Goethe hat auf der Durchreise nach Italien im Hotel Schwarzer Adler in der Kaufingergasse Quartier genommen. 

30. Oktober 1786

Würzburg * Jakob Keysser wird nach seinem Vater in Würzburg zum Henker ernannt. Er stammt aus der Familie des späteren Bayerischen Scharfrichters Johann Reichhart.


1787

11. August 1787

Leimen * Simon Aron Seligmann, der spätere Baron Simon von Eichthal, Kgl. Bay. Hofbankier und Mitbegründer der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank wird in Leimen geboren. 


1788

1788

München - Au * Auf Initiative des „Hofkammerrats“ Piaggino soll in München ein „Arbeitshaus für beschäftigungslose arme Menschen“ errichtet werden. 

Doch staatliche und städtische Stellen wollen kein Geld für dieses Projekt bereitstellen. 

Stattdessen wird Piaggiono aufgefordert, selbst einen Vorschuss in Höhe von 8.000 Gulden zu leisten.
Als Gegenleistung soll er die uneingeschränkte Verfügungsgewalt über alle Gewinne der Anstalt haben. - Und natürlich auch für alle Verluste haften.

1788

München * Nach Meinung des Lorenz von Westenrieder ist „der allgemeine Gebrauch des Kaffees unstreitig die Ursache für so viele körperliche Erschlappungen, Gebrechen und Schwachheiten, auch für die Hämorrhoiden“

1788<p><strong><em>München-Hackenviertel</em></strong> * Im Faberbräu-Theater findet&nbsp;die Münchner Erstaufführung von München-Premiere von Friedrich Schillers <em>„Kabale und Liebe“</em> statt.&nbsp;</p>
1. Februar 1788

München * Die Besoldung der im Dienst stehenden pfalz-baierischen Soldaten wird erhöht. Außerdem wird ihnen ein Nebenerwerb als „Freywächter respect. Stadtarbeiter“ zugestanden.

August 1788

München * Das neu eingeführte Bekleidungssystem versorgt jeden, vom Soldaten bis zum Feldwebel, unentgeltlich mit Bekleidung und Ausrüstung.

8. November 1788

München * Sir Benjamin Thompson legt einen „Unterthänigsten Vorschlag zur Errichtung eines Militärischen Arbeitshauses und eines Armen-Instituts“ vor.

Dezember 1788

München - Au * Zwischen „Hofkammerrats“ Piaggino und der „Oberlandesregierung“ wird ein Vertrag zur Errichtung eines „Arbeitshauses für beschäftigungslose arme Menschen“ geschlossen.


1789

1789

xxx * Antoine de Lavoisier veröffentlicht seine „Elementare Abhandlung über die Chemie“ - das erste moderne Chemiebuch.

Er ist der erste wirklich so zu nennende Chemiker. Seine neue Methode, chemische Reaktionen nicht nur qualitativ zu beschreiben, sondern auch quantitativ zu messen, bildet die Grundlage der modernen Chemie

1789

München * Über das „Bettlerunwesen“ schreibt Sir Benjamin Thompson die nachfolgenden Zeilen: 

„Man konnte in München nicht über die Straße gehen, ohne von Bettlern angefallen und gezwungen zu werden, ihren lärmenden Forderungen genüge zu leisten.

Die Kirchen waren überschwemmt von Bettlern, welche während des Gottesdienstes die Andächtigen so lange quälten, bis ihre Wünsche befriedigt wurden.

Der Kinderdiebstahl war im Schwunge.
Die Bettler stachen den armen Kleinen die Augen aus, verrenkten ihnen die Glieder, um das Mitleid der Vorübergehenden zu wecken.
Sie stellten ihre Kinder völlig nackt und fast verhungert in die Straßen, damit das jämmerliche Geschrei der Unglücklichen die Leute zum Almosengeben bewog“
.

Januar 1789

München - Au * Sir Benjamin Thompson stellt im Rahmen seiner „Militär-Reorganisation“ seine finanziell vielversprechenden Pläne zur Errichtung eines „Militärischen Arbeitshauses“ vor.

12. Januar 1789

München * Kurfürst Carl Theodor erlässt eine Landesverordnung zur Seidenraupenzucht und Seidenraupenmanufaktur, da man sich von diesem Landwirtschaftszweig eine wirksame Maßnahme zur Beschaffung von Arbeit erhofft. Der neue Militärgarten an der Schönfeldstraße, im damals neu entstehenden Theodors-Park, dem Englischen Garten, soll zum Aufzuchtgebiet für flächendeckende Pflanzungen mit Maulbeerbäumen werden.

Im Zuge der ersten Maßnahmen zur Entfestigung der Stadt werden Maulbeerbäume außerdem „um die ganze Stadt herum“ angepflanzt. 

16. Januar 1789

München - München-Isarvorstadt * Mit einer kurfürstlichen Verordnung beginnt die Aufhebung der Friedhöfe innerhalb der Stadtmauern. Einziger Friedhof ist bereits seit neun Monaten der heutige Alte südliche Friedhof vor dem Sendlinger Tor. 

12. Februar 1789

München * Die sogenannten Namensgalgen, an denen die Namen der Deserteure angeschlagen sind, werden abgeschafft. 

21. Februar 1789

München * Die durch die Verlegung der Friedhöfe frei werdenden Plätze dürfen von der Stadt nicht verkauft werden.

2. März 1789

München * Vermutlich aus Kostengründen entscheidet sich Kurfürst Carl Theodor für Thompsons Vorschlag für ein Militärisches Arbeitshaus und ordnet die Errichtung „einstweilen in jeder Stadt und Garnison, in Zukunft aber sobald thunlich in jedem beträchtlichen Orte“ an. Militärische Arbeitshäuser entstehen aber nur in München und Mannheim. Die Arbeitshäuser sollen folgenden Zwecken dienen:

  • Der Beschäftigung von Armen und Bettlern.  
  • Die Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten für verarmte Angehörige der unterständigen Schichten.
  • Nicht an Arbeit gewöhnte Menschen sollen in diesen Anstalten die Arbeitsfähigkeit erlernen.

Gleichzeitig sollen Armenverwaltungen eingerichtet werden, die die „Hausarmen“ erfassen und in die Arbeitshäuser einweisen. 

April 1789

München - Au * „Hofkammerrat“ Piaggino gibt seine Pläne zur Errichtung eines „Arbeitshauses für beschäftigungslose arme Menschen“ auf. 

In der Folge kommt es zwischen Piaggino und Thompson zur Auseinandersetzung über die Urheberschaft des „Arbeitshausplanes“.

14. April 1789

München-Isarvorstadt * Der neue Teil des „Friedhofs vor dem Sendlinger Tor“ wird zwar eingeweiht, aber noch nicht für Bestattungen freigegeben, weil die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind. 

26. Juni 1789

München-Isarvorstadt * Nach Abschluss der Bauarbeiten wird der neue Teil des Friedhofs vor dem Sendlinger Tor für Bestattungen freigegeben. 

1. Juli 1789

München * Sir Benjamin Thompson erhält die Oberaufsicht über die Militärischen Arbeitshäuser in München und Mannheim.

14. Juli 1789

Paris * Mit dem Sturm auf die Bastille beginnt in Paris die Französische Revolution. Durch dieses Ereignis wird das Militärgarten-Projekt in München [= Englischer Garten] zu einem Politikum, das in aller Eile realisiert werden muss.

18. Juli 1789

München * Der Hofoberrichter erlässt für die künftigen Bestattungen einen Befehl, in dem es heißt: 

  • Das Grab muss mindestens 6 Schuh tief sein.
  • Zwischen zwei Bestattungen in einem Grab müssen zwölf Jahre vergangen sein.
  • Die Beerdigung darf erst 48 Stunden nach Eintritt des Todes erfolgen.
25. August 1789

Au * Kurfürst Carl Theodor ernennt eine Armen-Instituts-Deputation, die auch die Vorstadt Au mit betreut. 

11. September 1789

München * Kurfürst Carl Theodor verbietet alle Schriften mit möglicherweise revolutionären Inhalten. Ein im Herzogspital gefundenes Flugblatt in Form eines Gebetes wünscht sich sogar die französische Revolutionsarmee herbei.

21. November 1789

München * Kurfürst Carl Theodor öffnet die Hofbibliothek für jedermann. 

23. November 1789

München-Graggenau * Im Galeriegebäude am Hofgarten wird die zweite Kunstausstellung der Zeichnungsakademie, einer Vorläuferin der späteren Kgl. Akademie der bildenden Künste, durchgeführt. 

28. November 1789

München * Nachdem der Friedhof vor dem Sendlinger Tor endlich vollendet ist, wird eine Friedhof-Satzung für die beiden Haupt-Pfarrkirchen erlassen. 

1. Dezember 1789

München * Ein Armeninstitut wird gegründet und dazu eine Armen-Instituts-Deputation eingerichtet. 


1790

1790

Hirschgarten * Kurfürst Carl Theodor lässt den „Hirschgarten“ für das Volk öffnen.

1790

München * Kurfürst Carl Theodor führt den sogenannten „Illuminateneid“ ein.  

Jeder Beamte und Geistliche muss versichern, dass er keiner „geheimen Gesellschaft“ angehört.
Zusätzlich gibt es „Inquisitorische Untersuchungsverfahren“ gegen verdächtige Personen und Gruppen.  

Es herrscht „eine gewisse finstere Stimmung in Baiern, jener ähnlich, welche zu den Zeiten der Hexenprozesse durch ganz Deutschland geherrscht hatte.  
Der geringste Verdacht, die unbedeutendste Veranlassung reichte hin, um für einen Illuminaten gehalten zu werden“

19. Februar 1790

München * Die Einfuhr und die Verbreitung von Schriften mit revolutionärem Inhalt wird durch Kurfürst Carl Theodor verboten und mit Strafe belegt.

20. Februar 1790

Wien * Kaiser Joseph II. stirbt in Wien. 

März 1790

München * Die Baumschule für Maulbeerbäume hat nur eine geringe Akzeptanz in der Münchner Bevölkerung.

Sir Benjamin Thompson schreibt eine Belohnung von 100 Golddukaten für die Ergreifung desjenigen Bösewichts aus, der nachts in die Militärgärten eingedrungen ist und knapp 500 Setzlinge mutwillig zerstört hat. 

1. März 1790

Wien * Nach dem Tod Kaiser Josephs II. übernimmt Kurfürst Carl Theodor das Reichsvikariat. Er führt damit die laufenden Geschäfte bis zur Wahl beziehungsweise Krönung des neuen Kaisers. 

1. März 1790

Freising * Joseph Konrad von Schroffenberg-Mös wird zum Bischof von Freising gewählt. 

26. März 1790

München-Englischer Garten - Schwabing * Kurfürst Carl Theodor gibt die Gründung einer „förmlichen Thierartzney-Schule (École vétérinaire)“ bekannt.

1. Mai 1790<p><strong><em>München-Englischer Garten - Schwabing</em></strong> * Die<em> „Thierartzney-Schule“</em> wird unter der Leitung des&nbsp;Medizinalrats&nbsp;Professor Dr. med. Anton Will in der sogenannten <em>„Jesuitenwasch“</em> in der damals noch selbstständigen Gemeinde Schwabing eröffnet.&nbsp;Die Tierarzneischule&nbsp;beschäftigt sich mit der <em>„Bekämpfung einbrechender Viehseuchen“</em> sowie der Ausbildung <em>„geschickter Tierärzte“ </em>und <em>„guter Huf- und Kurier-Schmiede für die Kavallerie-Regimenter“</em>. Der Lehrbetrieb wird aber erst am 1. November aufgenommen.&nbsp;</p>
7. Juli 1790

München * Durch jährlich abzuhaltende Ausstellungen junger Künstler soll der Kunstgeschmack der Münchnerinnen und Münchner angehoben werden. 

14. Juli 1790

München * Um den immer lauter werdenden Klagen über den „Missbrauch der Fürstenmacht“ und die „Missachtung der Bürgersorgen“ die Wirkung zu nehmen, tritt Benjamin Thompson die Flucht nach vorne an. Er organisiert für den ersten Jahrestag des Sturmes auf die Bastille eine öffentliche Dank- und Huldigungsadresse an den Kurfürsten.  

Zu diesem Zwecke lässt er eine Druckschrift vorbereiten, die im Namen anonymer Bürger - in einer äußerst unterwürfigen Formulierung - die Reformmaßnahmen des vergangenen Jahres preisen und Kurfürst Carl Theodor als „Quelle aller wahrhaft bürgerlichen Glückseligkeit“ hervorhebt. Damit verletzt der Amerikaner die „magistratische Alleinvertretungskompetenz in Angelegenheiten der Bürgerschaft“.  

Der Magistrat, den man bei der Formulierung der Adresse übergangen hat, sieht sich in seiner verfassungsrechtlichen Position als Sprecher der Bürger verletzt und distanziert sich von dem ganzen Vorgang. 

21. Juli 1790

München * Der Rat der Stadt befasst sich mit der gedruckten Danksagung der Münchner Bürgerschaft an den Kurfürsten. Der Magistrat verwehrt sich in keinster Weise gegen einen Dank für die neue Armeneinrichtung oder die Militärakademie, lehnt aber eine generelle Danksagung ab. Außerdem sollte die Danksagung aus eigenem Antrieb erfolgen und nicht „durch einen besonderen Auftrag“

26. Juli 1790

München * Der Magistrat verwahrt sich in einer Resolution gegen die Rechtsverletzung durch die von Sir Benjamin Thompson veranlasste „öffentliche Dank- und Huldigungsadresse“ an den Kurfürsten. 

27. Juli 1790

München * Die vermutlich von Sir Benjamin Thompson verfasste - aber anonym unter dem Datum vom 14. Juli 1790 erschienene - allgemeine „Dank- und Huldigungsadresse der Münchner Bürgerschaft“ an den Kurfürsten, kommt in der Stadt in Umlauf.  

Außerdem sieht sich der Magistrat mit einer weiteren von Thompson veranlassten Druckschrift konfrontiert, in der er den „Undank“ der Stadträte anprangert. 

28. Juli 1790

München * Der Magistrat, den man bei der Formulierung der „allgemeinen Dank- und Huldigungsadresse der Münchner Bürgerschaft an den Kurfürsten“ übergangen hat, sieht sich in seiner verfassungsrechtlichen Position als Sprecher der Bürger verletzt und distanziert sich von dem ganzen Vorgang.

Der Magistrat verbreitet eine Rechtfertigungsschrift, in welcher er die Intrige Sir Benjamin Thompsons aufdeckt und eine „Verbindung zwischen einer verfehlten Regierungspolitik und den revolutionären Vorgängen in Frankreich“ herstellt. 

31. Juli 1790

München * Kurfürst Carl Theodor empfindet die Rechtfertigungsschrift des Magistrats vom 28. Juli und die darin enthaltenen Angriffe auf die „verfehlte Regierungspolitik des Landesherrn“ als Majestätsbeleidigung und Hochverrat. Er lässt ein Exempel statuieren, den gesamten Inneren- und Äußeren Rat vor eine kurfürstliche Spezialkommission bringen und einzeln verhören. Bis zur nächsten Stadtratswahl überträgt er die Geschäfte einer kurfürstlichen Stadtadministrationskommission. 

August 1790

München * Kurfürst Carl Theodor stattet Sir Benjamin Thompson mit einer lebenslangen Pension aus.

4. September 1790

München * Joseph Anton Maffei kommt in München zur Welt.

30. September 1790

Frankfurt am Main * Leopold II. wird zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt. 

9. Oktober 1790

Frankfurt am Main * Leopold II. wird in Frankfurt am Main feierlich zum Kaiser gekrönt. Damit endet das Reichsvikariat des pfalzbaierischen Kurfürsten Carl Theodor. 

23. Oktober 1790

München - Nürnberg * Kurfürst Carl Theodor untersagt die Einfuhr von Büchern und Schriften aus Nürnberg. Die Reichsstadt hatte sich nicht zu Zensurmaßnahmen bewegen lassen und wurde dadurch immer mehr zu einem Einfallstor für revolutionäres Gedankengut nach Baiern.

27. Oktober 1790

München - Offenstetten * Wiguläus Aloys von Kreitmair stirbt in München. Sein Leichnam wird am 31. Oktober auf sein Gut Offenstetten überführt. 

29. Oktober 1790

München-Kreuzviertel * Wolfgang Amadeus Mozart kommt von der Rückreise der Kaiserkrönung Leopolds II. zum achten und letzten Mal nach München. Er wohnt wieder im Hotel Schwarzer Adler in der Neuhauser Gasse. 

1. November 1790

München-Englischer Garten - Schwabing * Der Lehrbetrieb in der Veterinärschule wird durch den Professor der Tierarzneikunst und Medizinalrat Anton Joseph Will aufgenommen. 

6. November 1790

München * Wolfgang Amadeus Mozart verlässt München wieder. 

15. November 1790

Pressburg * Kaiser Leopold II. wird in Preßburg zum König von Ungarn gekrönt. 

22. Dezember 1790

München * Bei der turnusmäßig vorgenommenen Neuwahl der Stadträte verweigert Kurfürst Carl Theodor die Bestätigung der Wahlmänner und überträgt bis auf Weiteres die Führung der magistratischen Geschäfte einer landesherrlichen Kommission. Die Verfasser der Flugschrift werden lebenslang von den Ratsgeschäften ausgeschlossen. 


1791

1791

München * Der unverheiratete „Kaffeeschenk“ Giovanni Pietro Sarti beerbt durch ein Testament seine Haushälterin Aloysia Lampert. 

1791

München * Sir Benjamin Thompson führt nachstehende Titel:

„Exzellenz Sir Benjamin Thompson Ritter, Seiner Kurfürstlichen Durchlaucht zu Pfalzbaiern Kämmerer, Wirklicher Geheimer Rat, Generalmajor der Kavallerie und Generalleibadjutant, des Kgl. Polnisch Weißen Adlers- und Stanislausordens Ritter, der Kgl. Gesellschaft zu London, der Kgl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin, der Kurfürstlichen Akademie der Wissenschaften zu Mannheim und zu München und der Amerikanischen Akademie der Wissenschaften Mitglied“.

18. März 1791<p><strong><em>München</em></strong> * Kurfürst Carl Theodor leitet den Wandel Münchens von der befestigten barocken Residenzstadt zu einer offenen und modernen Hauptstadt ein.&nbsp;Er beauftragt&nbsp;dazu Sir Benjamin Thompson <em>„das Neuhauser Thor so herzustellen, daß die bißherigen Umwege und engen Durchgänge gänzlich vermieden, und der Thorweeg in gerader Linie mit der Neuhausserstrasse über den Wall und bis auf den Punkt, wo sich die Augsburger und Landsberger Strassen trennen, geführt werde“</em>.&nbsp;</p> <p>Damit wird die erste, von staatlichen Behörden geplante und vom Kurfürsten sanktionierte Maßnahme zur Niederlegung eines bedeutenden Teilstückes der barocken Festungswerke eingeleitet.&nbsp;Es hat eine für die Stadtentwicklung Münchens herausragende Bedeutung, deren zukunftsweisenden Aspekte man damals in ihrer Gesamtheit noch gar nicht erkennen kann.</p> <p>Zur Realisierung dieses Vorhabens muss die Neuhauser-Bastion&nbsp;eingeebnet, der Festungsgraben&nbsp;verfüllt und eine Fahrstraße mit Fußwegen auf beiden Seiten über das planierte Gelände hergestellt werden.&nbsp;Damit entsteht unmittelbar vor dem Stadttor ein großer Platz.&nbsp;</p> <p>Thompson&nbsp;lässt darüber hinaus auch einen ausgedehnten Sektor der Fortifikationen im Westen der Altstadt mit Wall und Graben niederlegen, sodass das eingeebnete Festungsgelände vom heutigen Lenbachplatz bis zur Herzogspitalstraße reicht.&nbsp;Damit wird eine breite Lücke in das System der Münchner Fortifikation&nbsp;geschlagen und so die Festungseigenschaft der Stadt aufgehoben.</p>
6. April 1791

München * Naturgemäß erregen die eingeleiteten Entfestigungsmaßnahmen und das Einreißen der Stadtmauer die Gemüter der Münchner und führen umgehend zum offenen Protest gegen Kurfürst Carl Theodor. 

In einem Protestschreiben, das von mehreren Hundert Münchner Bürgern unterschrieben worden ist, wird der Durchstich der Neuhauser Straße ausdrücklich begrüßt, doch die gänzliche Schleifung der Wallanlagen lehnen sie ab. 

Die Unterzeichner betrachten es als „unverantwortlich, Wälle, welche fast eineinhalb Jahrhunderte stehen, und deren Herstellung mehr als drei Millionen gekostet hatte, ohne gewichtigen Nutzen, oder besondere Notwendigkeit einzuwerfen“.

3. Mai 1791

München * Kurfürst Carl Theodor regelt die Ratswahlordnung neu. Ein von den Zünften gewähltes Gremium von 36 „Ausschüssern“ sollen als Repräsentanten der gesamten Stadtgemeinde den Äußeren Rat und mit diesem gemeinsam den Inneren Rat jährlich komplett neu wählen.

9. Mai 1791

München * Kurfürst Carl Theodor dementiert die Gerüchte, wonach die ganze Stadt entfestigt werden soll und versichert, er werde nichts tun, was gegen das Wohl der Stadt gerichtet sei. 

Gleichzeitig zeigt er sich über den Bürgerprotest verwundert, „da es ja gerade die Bürgerschaft gewesen ist, die im Jahre 1612, bei der Projektierung der neuen Wallanlage, sich gegen diese mit der Begründung aufgelehnt hätte, die neue Befestigung würde einst, bei veränderter Kriegsführung, unnütz und unbrauchbar“.

21. Mai 1791

München * Die Verfasser der Rechtfertigungsschrift des Magistrats vom 28. Juli 1790 werden lebenslang von den Ratsgeschäften ausgeschlossen. Die übrigen an der Aktion Beteiligten müssen in der Herzog-Maxburg - wie gewöhnliche Verbrecher - vor dem Porträt des Kurfürsten auf den Knien Abbitte für ihr Vorgehen leisten. Das gilt als ungeheure Schmach und stellt einen Tiefpunkt in der Geschichte des städtischen Ratsgremiums dar. 

6. September 1791

Prag * Kaiser Leopold II. wird in Prag zum König von Böhmen gekrönt. 


1792

1. Januar 1792

München * In einem Erlass verbietet Kurfürst Carl Theodor die „höchst beleidigenden Zweifel gegen den Bestand des neu angenommenen Kriegssystems und alle spitzfindigen Bemerkungen über die erlassenen Verordnungen schärfstens und bey unvermeidlich hoher Strafe“.

Februar 1792

Paris * Der französische Chirurg Dr. Louis wird mit der Konstruktion der von Dr. Joseph Ignace Guillotin „aus humanitären Gründen“ erdachten „Tötungsmaschine“ beauftragt.

Die technisch-handwerkliche Ausführung übernimmt der deutsche „Klavierbauer“ Tobias Schmidt.

Februar 1792

München * Sir Benjamin Thompson wird zum Chef des „Generalstabs“ ernannt.

1. März 1792

Wien * Kaiser Leopold II. stirbt in Wien. Sein Nachfolger - als Kaiser sowie als König von Ungarn und Böhmen, Erzherzog von Österreich sowie Herr der übrigen Länder der Habsburgermonarchie - wird Franz II.. 

20. April 1792<p><strong><em>München</em></strong> * Die französische Nationalversammlung&nbsp;erklärt Österreich und seinen Verbündeten den Krieg, um so die Errungenschaften der Revolution auch in den anderen Ländern durchzusetzen.&nbsp;</p> <p>Das Kurfürstentum Baiern versucht anfangs bei diesem Ersten Koalitionskrieg&nbsp;neutral zu bleiben.</p>
25. April 1792

Paris * Die „Guillotine“ wird erstmals an dem Raubmörder Nicolas-Jacques Pelletier in Paris in Gebrauch genommen.

9. Mai 1792

München - Wien * Kurfürst Carl Theodor führt nach dem Tod des Kaisers Leopold II. bis zur Ernennung seines Nachfolgers Franz II. das Reichsvikariat. 

In dieser Zeit verleiht er dem englischen Ritter Sir Benjamin Thompson den Rang und die Würde eines Grafen des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Aus Sir Benjamin Thompson wird Graf Rumford. 

25. Mai 1792

München * Generalleutnant Sir Benjamin Thompson wird durch Kurfürst Carl Theodor zum Reichsgrafen von Rumford erhoben.

6. Juni 1792

Ofen * Der deutsch-römische Kaiser Franz II. wird in Ofen zum König von Ungarn gekrönt. 

Juli 1792

Wien - Berlin - Paris * Das mit Österreich verbündete Preußen tritt in den Krieg gegen Frankreich ein.

5. Juli 1792

Frankfurt am Main * Franz II. wird in Frankfurt zum Römisch-deutschen König gewählt. 

8. Juli 1792

Seidingstadt * Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen, die spätere bayerische Königin, wird im Jagdschloss Seidingstadt im Herzogtum Sachsen-Hildburghausen geboren. 

14. Juli 1792

Frankfurt am Main * König Franz II. wird im Frankfurter Dom gekrönt und damit zum erwählten Römischen Kaiser als Franz II. proklamiert. Es wird die letzte Kaiserkrönung in Mitteleuropa sein. Die späteren österreichischen und deutschen Kaiser verzichten auf ihre Krönung. 

26. Juli 1792

München-Englischer Garten * Kaiser Franz II. besichtigt den neu angelegten Englischen Garten.

9. August 1792

Prag * Kaiser Franz II. wird in Prag zum König von Böhmen gekrönt. 

Oktober 1792

Pfalz * Die Franzosen fallen in das Rheinland ein und annektieren die Pfalz.

14. Dezember 1792

München * Die 36 Ausschüsser erhalten ein Mitspracherecht in allen Bürger- und Gemeindeangelegenheiten.


1793

1793

München * Die „Churpfalzbaierische Lazareth-Einrichtungsverordnung“ führt einmännige Bettgestelle ein. 

Die Kranken werden nun nach Art der Krankheit und nicht regimentweise untergebracht. 

Außerdem befasst man sich mit Maßnahmen zum Schutz vor Ungeziefer und mit der Beheizung, Lüftung und Reinigung der Krankenzimmer.

21. Februar 1793

Paris * Der französische König Louis XVI. stirbt auf dem Schafott.

März 1793

München * Graf Rumford verlässt München in Richtung Italien. 

Der Kurfürst hat ihm einen Erholungsurlaub gewährt.

22. März 1793

München - Wien - Paris * Pfalz-Baiern tritt nach heftigen Drohungen der Österreicher in den „Reichskrieg“ gegen Frankreich ein. 

Um genügend Soldaten zu rekrutieren zu können, werden zunächst in München und dann in den anderen Amtsbezirken „mit keinem hinreichend gewissen Nahrungsstand versehene oder übel beschriebene dienstlose und müßiggehende Personen ledigen Standes“ zwischen 17 und 42 Jahren zwangsweise für den Militärdienst eingezogen.

Juli 1793

München * Die „Zwangsaushebungen“ zur Rekrutierung der Soldaten wird auf „liederliche Ehemänner [...] welche wegen ihrer verschwenderischen Hauswirthschaft und öfters corrigirt- oder fruchtlos ermahnten Schwärmerey und Liederlichkeit Weib und Kinder in das Verderben stürzen“ ausgeweitet.

16. Oktober 1793

Paris * Die französische Königin Marie Antoinette stirbt durch das Schafott.

27. November 1793

München * Aus Angst vor dem zunehmenden Selbstbewusstsein der Ausschüsser wird ihr Mitspracherecht in allen Bürger- und Gemeindeangelegenheiten wieder zurückgenommen.


1794

August 1794

München * Ein anonymes Flugblatt wirft Kurfürst Carl Theodor vor, sein Land gewissenlos auszubeuten und warnt: 

„Nehmt euch ein Beispiel aus der Zeit und schreibt's euch an die Wände:
in Frankreich köpft man Könige, in Polen hängt man Stände“
.

17. August 1794

Weinheim * Die pfalz-baierische Kurfürstin Elisabeth Auguste stirbt in Weinheim. Ihre Grabstätte befindet sich in der Münchner Michaelskirche. Nun ist der 69-jährige Kurfürst Carl Theodor Witwer und begibt sich - ohne Einhaltung einer angemessenen Trauerzeit - umgehend auf Brautschau.

19. September 1794

München - Wien * Kurfürst Carl Theodor bittet Kaiser Franz II. um die Hand der 17-jährigen Maria Leopoldine von Österreich-Este. Er wendet sich mit dieser Bitte also nicht an den Vater der auserkorenen Braut, sondern an dessen Bruder. 

November 1794

München * München wird zum Schauplatz einer Revolte: 

Weil sie an einem Montag und nach einem darauffolgenden Feiertag morgens nicht rechtzeitig zur Arbeit erschienen sind, werden zwei Schlossergesellen ohne Lohn entlassen.

27. November 1794

München * 63 Schlossergesellen legen aus Protest gegen die Kündigung und Lohnverweigerung der zwei Schlossergesellen die Arbeit nieder.

Der Stadtmagistrat lässt daraufhin zwei Rädelsführer und zwei Altgesellen einsperren.
Neun Gesellen verweigern die Arbeitsaufnahme weiterhin.
Sie werden zum Militärdienst verurteilt.

3. Dezember 1794

München * Die Altgesellen von 21 Zünften fordern die Zurücknahme des Urteilsspruchs gegen die verhafteten und zum Militärdienst verurteilten Schlossergesellen.

15. Dezember 1794

München * Nachdem der Magistrat und die inzwischen eingeschaltete Regierung die bis zu einem endgültigen Urteil geforderte Freilassung der inhaftierten Schlossergesellen verzögerten, treten die Gesellen von insgesamt dreißig Zünften in den allgemeinen Streik. 

Der Kurfürst lässt ihnen daraufhin mitteilen, dass er in der Sache nicht nachgeben wird und sich die Gesellen umgehend an die Arbeit begeben und Gehorsam zeigen sollen.

16. Dezember 1794

München * Fast alle Zünfte schließen sich dem Streik an. Arbeitswillige Gesellen werden zum Teil mit Gewalt an ihrer Tätigkeit gehindert. Auch die Meister legen die Arbeit nieder. Zwischen 4.000 und 5.000 Handwerker streiken und gefährden damit die Versorgung Münchens.

17. Dezember 1794

München * Gesellen und Meister nehmen Ratsmitglieder im Rathaus fest und ziehen protestierend zur Residenz. Kurfürst Carl Theodor sieht sich zum Nachgeben gezwungen und gesteht den Handwerkern die Erfüllung ihrer Forderungen sofort zu. Die Inhaftierten werden umgehend in die Freiheit gelassen.

19. Dezember 1794

München * Die zum Militärdienst verurteilten Gesellen werden wieder freigelassen. Durch den Erfolg wächst das Selbstbewusstsein der Bevölkerung.


1795

1795

München-Graggenau * Kurfürst Carl Theodor lässt ein neues Seidenhaus am unteren Eingang des Hofgartens erbauen.

An dieser Stelle befand sich zuvor eine kostspielige Feigen-Baumpflanzung. Aus dem Gebäude wird später die Seidenhaus-Kaserne. Heute befindet sich an seiner Stelle die Bayerische Staatskanzlei

Um den 6. Januar 1795

Mailand * Graf Maximilian Wunibald von Waldburg-Zeil und Trauchburg trifft als von Kurfürst Carl Theodor beauftragter Brautwerber in Mailand ein. Die Braut, Maria Leopoldine, erhält ein reich mit Brillanten verziertes Porträt ihres künftigen Ehemannes.

Carl Theodor erhält einen Bericht seines Beauftragten, in dem die Vorzüge und Nachteile der Braut ausführlich beschrieben werden. 

  • Ihr Aussehen und ihre Charaktereigenschaften hebt der Brautwerber hervor, sodass der „kleine Defekt“ nicht ins Gewicht fällt: ihr linkes Bein war etwas kürzer als das rechte.
  • Doch die Braut könne ohne Schwierigkeiten spazieren gehen und auch sei „im Tanzen von einer Ungemächlichkeit nicht das mindeste“ erkennbar.
  • Durch eine Erhöhung des linken Stöckels an den Schuhen konnte dieser „Mangel“ letztlich aufgehoben werden.
1. Februar 1795

München - Mailand * Der Heiratskontrakt für die Ehe zwischen dem baierischen Kurfürsten Carl Theodor und der Prinzessin Maria Leopoldine von Österreich-Este wird von den Bevollmächtigten unterschrieben. 

  • Das Heiratsgut wird auf 162.000 rheinische Gulden festgesetzt.
  • Kurfürst Carl Theodor hat die gleiche Summe einzubringen und noch etwa 54.000 Gulden als „Morgengabe“ draufzulegen.  
  • Außerdem erhält die junge Kurfürstin zu Lebzeiten des Kurfürsten jährlich 30.000 Gulden in bar ausbezahlt.
  • Das gesamte Geld wird angelegt und zu fünf Prozent verzinst.
    Das soll ihr nach dem Ableben Carl Theodors jährlich etwa 17.000 Gulden einbringen. 
3. Februar 1795

München-Graggenau * Kurfürst Carl Theodor macht das von François Cuvilliés erbaute Opernhaus für die Öffentlichkeit zugänglich. 

4. Februar 1795

München * Kurfürst Carl Theodor gibt in München seine bevorstehende Heirat mit Maria Leopoldine von Österreich-Este bekannt. 

Um den 8. Februar 1795

München - Innsbruck * Gut gelaunt und ausgeruht begibt sich Kurfürst Carl Theodor nach Innsbruck, wo er Maria Leopoldine von Österreich-Este ehelichen wird.

13. Februar 1795

Innsbruck * Maria Leopoldine von Österreich-Este trifft mit ihren Eltern und umfangreichem Gefolge in Innsbruck ein. 

14. Februar 1795

Innsbruck * Kurfürst Carl Theodor trifft erstmals mit seiner 18-jährigen Braut Maria Leopoldine von Österreich -Este, einer Enkelin Maria Theresias, und der erzherzoglichen Familie zusammen. 

15. Februar 1795

Innsbruck * Der 70-jährige pfalzbaierische Kurfürst Carl Theodor heiratet am Faschingssonntag, um 18 Uhr, die 52 Jahre jüngere Maria Leopoldine von Österreich-Este.

Die Ehe wird im „Thronsaal der Innsbrucker Hofburg“ geschlossen.
Erzherzog Ferdinand, der Brautvater, bezahlt das „Heiratsgut“ von 162.000 rheinischen Gulden in einer Summe. 

18. Februar 1795

München * Das ungleiche Brautpaar - die 18-jährige „Landesmutter“ Maria Leopoldine und ihr 52 Jahre älterer Ehemann Kurfürst Carl Theodor - trifft am Nachmittag in München ein. 

Seit März 1795

Schloss Nymphenburg * Kurfürstin Maria Leopoldine lässt „Schloss Nymphenburg“ für ihre Zwecke umgestalten.

12. März 1795

München * Eine Delegation der Bürgerschaft und des Magistrats bittet den Kurfürsten um Abschaffung der freien Ausfuhr des Getreides. Da der fürs Finanzwesen zuständige Geheime Rat Stephan Freiherr von Stengel trotz der Beschwerden am Prinzip der freien Ausfuhr festhält, taucht in der selben Nacht ein aufrührerisches Flugblatt auf, dass den Freiherrn an den Galgen wünscht.

16. März 1795

München * Trotz der unübersehbaren Unruhe unter der Bevölkerung lehnt Kurfürst Carl Theodor in einer landesherrlichen Erklärung die Aufhebung des freien Getreidehandels ab.

5. April 1795<p><em><strong>Basel - Berlin - Paris</strong></em> * Das Königreich Preußen schließt im Frieden von Basel mit Frankreich einen Separatfrieden und einen Neutralitätsvertrag - und lässt damit die anderen Reichsfürsten alleine.&nbsp;Außerdem wird in dem Vertrag das revolutionäre Frankreich als gleichberechtigte Großmacht anerkannt.&nbsp;</p>
Um den 20. April 1795<p><strong><em>München</em></strong> * Herzog Max Joseph von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld besucht mit seiner Ehefrau Auguste München.&nbsp;Der Herzog und die Kurfürstin Maria Leopoldine kommen sich dabei sehr nahe.&nbsp;</p> <p>Doch Kurfürst Carl Theodor hat seiner jungen Frau sehr früh deutlich gemacht, dass sie ruhig für Nachwuchs sorgen soll, egal wer der Vater ist, er werde ihn für <em>„legitim“</em> anerkennen.&nbsp;</p>
Um den 25. April 1795

München * Kurfürstin Maria Leopoldine erkrankt vermutlich psychisch. 

Kurfürst Carl Theodor gibt ihr die Möglichkeit sich zurückzuziehen und ihm aus dem Weg zu gehen. 

Um den 25. Mai 1795

München - Wien * Der österreichische Gesandte berichtet dem Wiener Hof über die ehelichen Zustände des Kurfürstenpaares in München. Das Fazit lautet: „Es geht im Ehebett nicht ganz gut“. Vor Zeugen hat sich die jugendliche Kurfürstin und Ehefrau von Carl Theodor, Maria Leopoldine, künftig jede Annäherung ihres betagten Gattens, des baierischen Kurfürsten Carl Theodor, verbeten. 

2. Juni 1795

München * Kurfürst Carl Theodor macht deutlich, „daß München keine Festung seie, seyn könne noch seyn solle“.

Um den 4. Juli 1795

Schloss Nymphenburg * Die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine zieht mit ihrem Hofstaat in das umgebaute Schloss Nymphenburg. 

9. August 1795

München-Englischer Garten * Aus Anlass der Vermählung des 70-jährigen pfalz-baierischen Kurfürsten Carl Theodor mit der 18-jährigen Erzherzogin Maria Leopoldine aus dem Hause Österreich-Este hält der kurfürstliche Hof im Englischen Garten eine festliche Veranstaltung ab. Ausgerichtet wird das Fest vom Reichsgrafen von Rumford.

Es gibt Lustfahrten auf dem See, einen „Tanz der neun Musen“ im Apollotempel, die „Vorstellung einer baierisch-ländlichen Nationalhochzeit“, Musik und Tanz und viele andere Vergnügungen. Zum Ausklang wird der ganze Park mit tausenden Lampions beleuchtet. Außerdem hält ein „Chinese im Nationalkostüm“ eine Huldigungsrede für das Kurfürstenpaar.

Die jugendliche „Landesmutter“ ist jedoch durch „eine Unpässlichkeit an der Teilnahme verhindert“.

23. September 1795

München • Nachdem zwei Tage zuvor das Gerücht in Umlauf gesetzt worden war, dass mehrere Tausend Scheffel Getreide ausgeführt werden sollen, versammeln sich einige Hundert verärgerte Menschen vor dem Rathaus und fordern vom Magistrat das energische Eintreten für eine Getreide-Ausfuhrsperre. 

Eine Delegation begibt sich zum Kurfürsten, der wegen der Vorgänge einen Theaterbesuch absagen muss und schon deshalb zu hartem Vorgehen entschlossen ist. Er lässt seine Truppen in Alarmbereitschaft versetzen, die Stadttore verschließen und in den Straßen berittenes Militär patroullieren. 

Auf Vermittlung der Kurfürstin-Witwe Maria Anna empfängt Carl Theodor die Delegation.
Obwohl der Kurfürst die Verhandlungen verzögern möchte, können die Bürgervertreter dennoch Sofortmaßnahmen durchsetzen.

24. September 1795

München * Das lange geforderte landesweite Ausfuhrverbot für Getreide, gemästetes Hornvieh, Schafe und Schweine wird umgesetzt. Dadurch verbessert sich die Angebotssituation und die Preise sinken.

13. Oktober 1795

München - London * Mit der Erlaubnis des baierischen Kurfürsten Carl Theodor verlässt Sir Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, München in Richtung London.

4. Dezember 1795

München * Trotz seiner Nachgiebigkeit ist der Kurfürst nicht gewillt, das aufständische Verhalten der Münchner Bürgerschaft zu akzeptieren. Eigens lässt er die Dragoner und das Leibregiment der verstorbenen Kurfürstin Elisabeth Auguste von Mannheim nach München verlegen.

Außerdem werden vier Verdächtige und als Revolutionsfreunde denunzierte Handwerker verhaftet. Sie waren angeblich die Haupträdelsführer der Vorgänge im 23. September 1793.

9. Dezember 1795

München * Der Stadtmagistrat appelliert an die Großmut und Gnade des Kurfürsten und bittet um Freilassung der vier als Haupträdelsführer verhafteten Handwerker.

30. Dezember 1795

Kreutznach * Österreich und seine süddeutschen Verbündeten vereinbaren mit Frankreich einen unbefristeten Waffenstillstand auf dem deutschen Kriegsschauplatz. Preußen tritt aus der Koalition aus.


1796

1796

München-Graggenau * Giovanni Pietro Sarti stirbt unverheiratet. 

Seine Haushälterin „Madame“ Aloysia Lampert übernimmt sein „Kaffeehaus“ an der „Hofgartenmauer vor der Reitschule“

1796

München * Graf von Rumfords Essay „Über Speise und vorzüglich über Beköstigung der Armen“ erscheint. 

Darin gibt er viele vernünftige und praktische Ratschläge zur Zubereitung von Speisen.

Um Januar 1796

Paris * Die französische Republik stellt drei Armeen auf. 

Diese dringen unter Napoleon Bonaparte über Norditalien, unter Baptiste Jourdan durch Franken und unter Jean-Victor Moreau durch Süddeutschland bis nach Österreich vor, um dort den Frieden zu erzwingen.

9. Januar 1796

München * Da sich die Vorwürfe gegen die vier als Haupträdelsführer verhafteten Handwerker nicht erhärten lassen, werden sie ohne Gerichtsurteil wieder freigelassen.

12. Januar 1796

München - Au * In einem Mandat macht Kurfürst Carl Theodor deutlich, dass er Ereignisse wie im vergangenen Herbst (23. September 1795) nicht mehr tolerieren wird. Es wird eine Polizeioberdirektion für München und die Au eingerichtet. 

Neben der Verhaftung von Verbrechern hat die Polizeioberdirektion die Aufgabe „alle tumultuarischen Aufläufe, Rumoren, und dergleichen sogleich mit aller Thätigkeit abzustellen, [...] vorzüglich aber auch den für die allgemeine Ruhe und Sicherheit verdächtigen, geheimen, oder öffentlichen Zusammenkünften mit aller Wachsamkeit nachzuspüren, und selbe gleich bey ihrem ersten Entstehen mit allem Ernste, jedoch auch mit der hiebey benöthigten Klugheit und Vorsichtigkeit zu zernichten“.

Zu diesem Zweck soll die Polizeioberdirektion regelmäßige Kontrollstreifen und Hausdurchsuchungen in München und der Au durchführen. 32 Mann Polizeiwache stehen ihr dafür zur Verfügung.

30. März 1796

Rohrbach * Auguste Wilhelmine Maria von Hessen-Darmstadt stirbt in Rohrbach bei Heidelberg. 

21. Mai 1796

Wien - Paris - München * Kaiser Franz II. kündigt den Waffenstillstand mit Frankreich wieder auf. Daraufhin ergreift Kurfürst Carl Theodor Partei gegen Frankreich, um Österreich keinen Vorwand zu einer Intervention zu bieten.

24. Juni 1796

Frankreich - München * Als Jean-Victor Moreau mit seiner 78.000 Mann starken französischen Revolutionsarmee den Rhein überschreitet, bricht in München eine Panik aus, da man nun eine baldige Besetzung der baierischen Hauptstadt befürchtet.

27. Juli 1796

München * Die Obere Landesregierung erlässt für die Beamten Verhaltensinstruktionen im Falle eines Einmarsches fremder Truppen. Österreicher und Franzosen [Freund und Feind] werden darin gleichgestellt.

28. Juli 1796

München * Die bis dahin in München und dem restlichen Baiern geduldeten französischen Emigranten müssen das Land verlassen.

1. August 1796

München * Die Bewohner der Residenzstadt München werden erstmals mit den Kriegsereignissen konfrontiert. Truppendurchmärsche sind jetzt an der Tagesordnung. Der Hass auf die verbündeten Österreicher übersteigt bei vielen Münchnern die Angst vor den herannahenden Revolutionssoldaten.

Die größte Abneigung hegt die Bevölkerung gegen die Condéischen Soldaten, die „in elenden Aufzügen“ durch München ziehen. Es handelt sich dabei um Hilfstruppen französischer Emigranten, zumeist aus dem Adelsstand, die unter dem Kommando des Prinzen Louis-Joseph de Condé stehen und sich nach den Niederlagen der letzten Tage in Auflösung befinden. Sie zeichnen sich durch außerordentliche Disziplinlosigkeit und besonders rücksichtsloses Betragen gegenüber der Zivilbevölkerung aus, das bis hin zu Misshandlungen und Plünderungen reicht.

9. August 1796

Dresden * Die Kurfürstin-Witwe Maria Anna flüchtet in ihre Heimatstadt Dresden.

12. August 1796

München * Kurfürst Carl Theodor erklärt Pfalz-Baiern zu „neutralem Gebiet“.

13. August 1796

München * Graf Rumford trifft wieder in München ein. Inzwischen hat Kurfürst Carl Theodor eine Kriegsdeputation unter dem Vizekanzler Franz von Pettenkofer und ein Landesdirektorium unter der Leitung des Freiherrn von Hertling eingerichtet. Damit können für die Kriegsdauer bei Abwesenheit des Herrschers die Staatsgeschäfte wahrgenommen werden.

18. August 1796

München * Die französischen Revolutionstruppen unter Jean-Victor Moreau nehmen München ein und besetzten das linke Isarufer. Der französische Befehlshaber Moreau gibt der Münchner Stadtbevölkerung die Zusage, dass die Stadt verschont bleibt. Zum Ausgleich plündern sie allerdings die umliegenden Dörfer.  

Als Verteidiger belagern die Kaiserlichen und die Condéer das rechtsseitige Isarhochufer. Die Kämpfe dauern bis zum 8. September. Durch einen - von den Österreichern verursachten - Brand wird die Häuserzeile in der Kirchenstraße, vom Hofmarkschloss bis zum Mesmerhaus, in Schutt und Asche gelegt. Den geschundenen Vorstädtern ist es freilich vollkommen egal, ob sie ein Condéer terrorisiert, ein Österreicher drangsaliert oder ein Franzose ausplündert. 

22. August 1796

München - Schloss Pillnitz * Kurfürst Carl Theodor flieht - mit kleinem Gefolge und inkognito unter dem Namen eines Grafen von Haag - über Altötting, Linz und Prag nach Schloss Pillnitz, das von der sächsischen Verwandtschaft zur Verfügung gestellt wird.

26. August 1796

München-Lehel - München-Isarvorstadt * Die kaiserlichen Truppen sperren die Isarbrücke. Gleichzeitig reitet eine sechsköpfige Delegation unter der Führung von Bürgermeister Philipp von Hepp der herannahenden französischen Revolutionsarmee entgegen und bittet um Gnade für München.

29. August 1796

München * Die Delegation erhält vom französischen Oberbefehlshaber Jean-Victor Moreau die Zusage, dass München verschont wird und keine Gefahr für das Leben und das Eigentum der Bevölkerung besteht.

1. September 1796

Haidhausen - München-Lehel * Die französischen Revolutionstruppen versuchen den ganzen Tag über vergeblich, die Isarbrücke zu erstürmen.

2. September 1796

München * Die sechsköpfige Delegation unter der Führung von Bürgermeister Philipp von Hepp kann nach den Verhandlungen mit der französischen Revolutionsarmee wieder nach München heimkehren.

7. September 1796

München - Pfaffenhofen * Die französische Revolutionsarmee eröffnet einen neuen Sturm auf die Isarbrücke. Zur gleichen Zeit handeln die Baierischen Landstände mit den Franzosen in Pfaffenhofen einen Waffenstillstand aus.

8. September 1796

München * Die Kämpfe um die Isarbrücke zwischen den französischen Revolutionstruppen und den Kaiserlichen gehen weiter. Die österreichische Armee schießt vom Isarhochufer auf München. Dabei erhält die Peterskirche zwei Treffer. 

Auch einige Holzstöße im Lehel, hinter denen sich die Franzosen verschanzen, werden durch den Schusswechsel in Brand gesetzt. Das Feuer breitet sich auf benachbarte Gebäude und den durch Kanonenbeschuss bereits beschädigten Roten Turm aus - und zerstört ihn endgültig.

11. September 1796

München * Noch vor dem Abzug der französischen Revolutionsarmee und dem Kaiserlichen Heer lässt sich Reichsgraf von Rumford vom Landesdirektorium für die notwendigen Gegenmaßnahmen für rasche Truppendurchzüge ermächtigen. Gleichzeitig wird eine Kommission zur finanziellen Entschädigung der enteigneten Grundstücksbesitzer gebildet.

12. September 1796

München * Die französische Revolutionsarmee zieht sich aus der Umgebung Münchens zurück. Nur wenige Stunden später folgen ihnen auch die Österreicher und die Condéer. Durch den raschen Rückzug wird die Stadt von einer drohenden Hungersnot erlöst.

15. September 1796

München-Isarvorstadt * Graf Rumford lässt durch Militärkolonnen mit Arbeiten an einer Ringstraße, die heutige Rumfordstraße, beginnen. Er will das Gelände im unmittelbaren Vorfeld der Wälle räumen und zur leichteren Umfahrung der Stadt eine breite, verkehrstüchtige Straße anlegen lassen. 

Noch bevor die Besitzer protestieren und ihre bewegliche Habe in Sicherheit bringen können, werden die auf der geplanten Trasse liegenden Gartengrundstücke enteignet. Nicht einmal die Ernte ihrer Anpflanzungen dürfen sie noch einholen. 

So entsteht vor den Stadttoren die erste Umfahrung Münchens. Weil die Ringstraße als militärisch Straßenanlage begründet worden war, wehrt sich der Magistrat erfolgreich gegen jede finanzielle Beteiligung. Auch, als man die Straßenanlage als wesentlichen Beitrag zur Verschönerung Münchens ansah.

20. September 1796

München-Angerviertel * Im Stadthaus am Anger wird ein Getreidemagazin eingerichtet, das die Anlage von Lebensmittelreserven erleichtert.

29. September 1796

München * Auf Anordnung des Landesdirektoriums übernimmt Graf Rumford das militärische Oberkommando in München.

5. Oktober 1796

München * Kurfürst Carl Theodor kehrt von seiner Flucht nach Pillnitz wieder in seine baierische Haupt- und Residenzstadt zurück und wird von einer großen Menschenmenge - aber ohne jeden Beifall und Jubel - begrüßt.

6. Oktober 1796

München * Kurfürst Carl Theodor entlässt das Landesdirektorium, das in seiner Abwesenheit die Regierungsgeschäfte führte, wieder aus seiner Verantwortung.

17. Oktober 1796

München * Graf Rumford legt das Oberkommando über die Stadt nieder und wird Polizeiminister.


1797

17. Februar 1797

München-Kreuzviertel * Die Kurfürstenwitwe Maria Anna Sophie stirbt in München. Sie wird in der Fürstengruft der Theatinerkirche beigesetzt. 

9. März 1797

Karlsruhe * Max Joseph, der spätere baierische König, heiratet in Karlsruhe Caroline Friederike Wilhelmine von Baden. 

16. Mai 1797

München-Isarvorstadt * Die von Reichsgraf Rumford projektierte Ringstraße wird dem öffentlichen Verkehr übergeben. Auf der Trasse des heutigen Wittelsbacher Platzes, der Ottostraße, der westlichen Fahrbahn der Sonnenstraße, der Müllerstraße und der Rumfordstraße ist ein etwa 14 Meter breiter Damm angelegt worden. Zu ihrer Verschönerung wird die Straße zu beiden Seiten mit Pappeln bepflanzt.

Auf den nordöstlichen Abschnitt der Rumfordchaussee wird wegen der komplizierten Besitzverhältnisse im Lehel und dem unsicheren Gelände verzichtet.

13. Oktober 1797

München * Um die Schutzfunktionen der Stadtbefestigung nicht vollständig aufzugeben, ordnet Kurfürst Carl Theodor an, dass im Bereich der Wälle und des Glacis keine Veränderungen mehr vorgenommen werden dürfen.

17. Oktober 1797

Campo Formio * Österreich schließt mit Frankreich in Campo Formio einen Separatfrieden. In einem geheimen Zusatzabkommen wird Frankreich das linke Rheinufer zugestanden. Österreich erwirbt dafür Gebiete östlich des Inns, was eindeutig zu Lasten Baierns geht. 

9. Dezember 1797

Rastatt * Der Friedenskongress in Rastatt beginnt.


1798

27. Januar 1798

München * Die Polizeioberdirektion wird wieder aufgehoben und die Neuorganisation des gesamten Polizeiwesens der Haupt- und Residenzstadt an Sir Benjamin Thompson als Polizeidirektor übertragen.

19. August 1798

München - London * Sir Benjamin Thompson Reichsgraf von Rumford wird zum „Bevollmächtigten Minister Baierns am Kgl. Großbritannischen Hofe“ ernannt und verlässt deshalb Baiern. Die Oberaufsicht über den Ausbau des Englischen Gartens gibt er gleichzeitig an seinen Nachfolger Reinhard Freiherr von Werneck ab.

19. September 1798

London * Sir Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, tritt in London seinen neuen Job als Baierischer Generalbevollmächtigter an.

Oktober 1798

München * Eine auf 29 Seiten gedruckte anonyme Schrift taucht auf.

Ihr Titel: „Über Süddeutschland. Von einem süddeutschen Bürger im Oktober 1798 dem französischen Gouvernement zur Beherzigung vorgelegt“.  

Der Verfasser versichert darin: „es Bedarf nur der französischen Bajonette, und in der Zeit von vier Wochen sind sie ins Herz von Baiern vorgedrungen und in München als dem Hauptplatz und wo alles am meisten reif und bereitsteht. Dann entwickelt sich alles von selbst“

Frankreich soll Pate sein für ein neues staatliches System in Baiern. 

12. November 1798

München * Im Verlauf des Jahres schließen sich England, Russland, Portugal, das Osmanische Reich und Österreich zu einer weiteren Koalition zusammen. Pfalz-Baiern tritt dieser Verbindung ebenfalls bei und unterstellt 15.000 Soldaten dem österreichischen Oberbefehl.

16. November 1798

München * Selbst der baierische Regent und Herrscher ist Kunde des Leihhauses. Kurfürst Carl Theodor gibt an diesem Tag der magistratischen Leihhauskommission folgenden Befehl:

„Seine Churfürstliche Durchlaucht haben sich in der Verlegenheit, in welcher sich die Staatskassa bey dem schon so lange dauernden Krieg befindet, zur Verhütung größerer Übel bemüssigt gefunden, einen Teil des Schatzes der heiligen Kapelle in Altötting hierher bringen zu lassen, um auf denselben als Faustpfand schnell ein angemessenes Anlehen aufzubringen und Höchst dieselbe hat sich zu diesem Ende entschlossen, diesen bloss in Gold und Juwellen bestehenden Teil des Schatzes dem hiesigen, unter landesfürstlicher Oberaufsicht und Protektion stehenden Leihhaus, jedoch mit dem gegenwärtig schärfsten Befehle zu übergeben und aushändigen zu wollen, daß hievon nicht das mindeste veräußert oder verschmolzen werde, sondern sich das Leihhaus wegen gleichzeitiger und hiemit feyerlich erklärt werdender Mitverpfändung aller Churfürstlichen Renten und Gefälle mit dem richtigen Bezuge der jährlichen Zinsen sich begnügen solle und müsse.“  

Durch die kurfürstliche Inanspruchnahme der Pfandleihanstalt ist die Kapitaldecke der Einrichtung allerdings wiederholt derart dünn geworden, dass Hilfesuchende aus den ärmeren Schichten oftmals abgewiesen werden mussten. 


1799

1799

Leimen - München * Aron Elias Seligmann aus Leimen bei Heidelberg kommt nach München und wird dort kurbaierischer „Hofagent“.

Seligmann betreibt seit 1779 eine Tabakmanufaktur und ist durch den Salzhandel sehr reich geworden.

In München ist er „Verpflegungsadmoniateur“ der baierischen Armee und „Anleihennegoziant“.

31. Januar 1799

München * Das im Jahr 1769 geschaffene Bücherzensurkollegium wird aufgelöst. 

12. Februar 1799

München-Graggenau * Gegen 21 Uhr erleidet Kurfürst Carl Theodor einen Schlaganfall, während er mit mit seinem Generaladjutanten Freiherr Friedrich von Hertling und dem Oberstjägermeister Theodor Reichsgraf von Waldkirch Karten spielt. 

13. Februar 1799<p><strong><em>München-Graggenau</em></strong> * Der Vertreter des kaiserlichen Hauses,&nbsp;Joseph Anton August Graf von Seilern, eilt mit einem unterschriftsreifen <em>„Tauschvertrag“ </em>ans Sterbebett von Carl Theodor, um von&nbsp;dem&nbsp;Baiernherrscher in einem günstigen Moment doch noch die begehrte Unterschrift zu erhalten.&nbsp;Es ist die&nbsp;Kurfürstin, die ihn persönlich daran hindert, das Krankenzimmer zu betreten.</p> <p>Im Gegensatz dazu führt Maria Leopoldine Herzog Wilhelm von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen, der die Interessen von&nbsp;Pfalz-Zweibrücken&nbsp;vertritt, sofort in das Gemach des sterbenden Kurfürsten Carl Theodor.&nbsp;</p>
16. Februar 1799

München-Graggenau * Kurfürst Carl Theodor erliegt am Abend seinem am 12. Februar erlittenen Schlaganfall. Herzog Wilhelm von Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld-Gelnhausen wohnt als Zeuge dem Tod des pfalz-baierischen Regenten bei.

Protokollarisch wird die 22-jährige Kurfürstin-Witwe von Herzog Wilhelm und vom Vertreter des kaiserlichen Hauses, Joseph Anton August Graf von Seilern, befragt, ob sie ein Kind vom verstorbenen Kurfürsten erwartet. Maria Leopoldine antwortet daraufhin mit einem klaren „Nein!“. Mit dieser Aussage entzieht sie den Österreichern die Gelegenheit, Baiern auf friedlichem Weg an sich zu ziehen.

Bei den Münchnern ruft das Ableben des Kurfürsten keine allzu große Trauerstimmung hervor. Im Gegenteil, als sich die Trauernachricht verbreitet, „frohlockte alles, und jeder wünschte dem anderen Glück“, schreibt Lorenz von Westenrieder.

Carl Theodors Nachfolger auf dem baierischen Thron wird Kurfürst Max IV. Joseph aus der wittelsbachischen Linie Pfalz-Zweibrücken-Birkenfeld, von dem sich die Baiern eine ganze Menge erwarten und der unter dem Jubel der Bevölkerung in München einzieht. 

20. Februar 1799

München * Der neue Kurfürst Max IV. Joseph zieht unter dem Jubel der Bevölkerung in München ein. Der Neue will sich von seinem Vorgänger positiv abheben, aber auch das Land verändern. Er vertraut seinem Berater Maximilian Joseph von Montgelas und lässt ihn nach eigenem Ermessen schalten und walten.

Für Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas bedeutet das die Chance, das Kurfürstentum Pfalz-Baiern zu einem modernen Staat umzubauen. Da Kurfürst Max IV. Joseph stark zur Bequemlichkeit neigt, kommt ihm das Engagement Montgelas gelegen. Montgelas übernimmt bis 1817 die Aufgaben eines Ministers der Auswärtigen Geschäfte. 

21. Februar 1799

München * Kurfürst Max IV. Joseph überträgt Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas als Geheimer Staats- und Konferenzminister das Département der Auswärtigen Angelegenheiten. Damit ist Montgelas Kabinettschef, weil es das Amt des Ministerpräsidenten noch nicht gibt. 

Um März 1799

München * 100.000 Österreicher stehen im Land und benehmen sich wie feindliche Besatzungstruppen.

Die Bevölkerung ist vom neuen Baiernregenten enttäuscht. Diese hat aber - trotz seiner Sympathien für Frankreich - aufgrund der militärischen Präsenz der Österreicher im eigenen Land keine andere Wahl, als in der „Koalition“ gegen Frankreich zu bleiben. 

1. März 1799

Frankreich - Deutschland * Französische Truppen überschreiten den Rhein. Der Zweite Koalitionskrieg beginnt. 

12. März 1799

München * Kurfürst Max IV. Joseph von Pfalz-Baiern vertritt den drittgrößten Staatenkomplex des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Er zieht mit der kurfürstlichen Familie feierlich durch das festlich geschmückte Karlstor in seine neue Residenzstadt München ein.

15. April 1799<p><strong><em>München</em></strong> * In einem Zusatzvertrag zum Ehevertrag&nbsp;wird von&nbsp;Kurfürst Max IV. Joseph festgelegt,&nbsp;dass die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine</p> <ul> <li>die Herzog-Max-Burg&nbsp;als Witwensitz&nbsp;nutzen kann.&nbsp;</li> <li>Als Sommersitz&nbsp;erhält sie Schloss Berg&nbsp;am Starnberger See mit dem dazugehörigem Garten, Grund und Gebäude sowie die kurfürstlichen Fahrzeuge <em>„zur Lustfahrt auf dem See“</em>.&nbsp;</li> <li>Außerdem bekommt sie einen jährlichen Unterhalt von 100.000 Gulden, bezahlbar in Monatsraten von 8.333 Gulden 20 Kreuzern.&nbsp;</li> </ul>
9. Mai 1799

München-Kreuzviertel * Die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine zieht von der Residenz in die Herzog-Max-Burg, die ihr als Witwensitz dient. 

12. Mai 1799

Schloss Nymphenburg * Kabinettspredige“ Ludwig Friedrich Schmidt hält den ersten evangelischen Gottesdienst in München im Schloss Nymphenburg.   

Er ist mit der jungen Kurfürstin Friederike Wilhelmine Caroline Prinzessin von Baden nach München gekommen. 

16. Juni 1799

München - Leimen * Kurfürst Max IV. Joseph erklärt öffentlich, dass er „die bayrischen Finanzen in großer Unordnung, alle Staatskassen ausgeleert und selbe überdies noch mit unerschwinglichen Rückständen belastet angetroffen habe“. In den baierischen Regierungskreisen erinnert man sich an den umtriebigen jüdischen Leimener Finanzier Aron Elias Seligmann. 

28. Juni 1799

München * Kurfürst Max IV. Joseph erteilt dem Leimener Finanzier Aron Elias Seligmann „und dessen sämtliche Kinder sowohl Söhne als Tochtermännern das vollkommene Bürgerrecht nebst der Befugnis, dass sie in Churpfalz allenthalben sich niederzulassen, liegende Güter an sich zu bringen und überhaupt alle Gewerbe, die sonst ein Christlicher Unterthan nur zu unternehmen befähiget, nach ihrem gutfinden ebenfalls zu treiben befugt und ermächtigt seyn sollen“.

  • Damit besitzt der Hoffaktor auch die Voraussetzungen für das Münchner Bürgerrecht und kann schließlich von Leimen an die Isar umsiedeln.
  • Aron Elias Seligmann rettet den bayerischen Staat vor dem Ruin, besorgt weitere Darlehensgeber und kann damit Bayerns Finanznöte mildern und die Regierung stabilisieren. 
Um den Juli 1799

München * Spätestens jetzt lässt sich nicht mehr verheimlichen, dass die junge Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine schwanger ist.

Und weil sie den Namen des Vaters nicht preisgeben will gibt es ausreichend Anlass zu den wüstesten Spekulationen, was wiederum den Münchner Hof in höchste Verlegenheit bringt. 

8. August 1799

Laibach * Die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine wird „auf einige Zeit ins Friaulische versetzt“. Der Grund: Die Liebschaft zu dem Hof-Musikanten Franz Eck „wird immer größer und bedenklicher“. Dem Violisten im Hoforchester wird ein „schlechter Ruf“ nachgesagt. Maria Leopoldine wird in Laibach einen unehelichen Sohn zur Welt bringen.

24. September 1799

Au * Das Militärische Arbeitshaus in der Au wird bereits nach zehn Jahren wegen Unrentabilität wieder aufgelöst. Als Grund gibt Kurfürst Max IV. Joseph an, dass die „Monturstücke für die kurfürstlichen Regimenter, die aus dem Militärarbeitshaus geliefert werden, teurer als bei den bürgerlichen Gewerbeleuten“. Die Arbeiter überlässt man weitgehend ihrem Schicksal. 

5. Oktober 1799

München * Kurfürst Max IV. Joseph genehmigt die Einführung einer Hundesteuer und der Hundemarke für „in hiesiger Haupt- und Residenzstadt München ohne Noth und blos zur Üppigkeit gehaltene Hunde“. Sie beträgt jährlich 2 Gulden. Bei Zuwiderhandlung ist eine Strafe in Höhe von 5 Gulden fällig. 

9. November 1799

Paris * Napoleon Bonaparte nutzt die Wirren des Zweiten Koalitionskrieges und stürzt in einem Staatsstreich das Direktorium, um sie durch eine Konsulatsregierung mit ihm als Erstem Konsul einzuführen. 

20. Dezember 1799

München * Der Bierzwang wird aufgehoben. Damit entfällt die Verpflichtung der Münchner Wirte ihr Bier bei den Münchner Brauereien zu beziehen. Nur bei Biermangel oder wenn der neue Sud noch nicht angesetzt war, durften die Wirte bisher ihr Bier von auswärtigen Brauereien einführen. 


1800

Um Januar 1800

Zweibrücken - Düsseldorf * Kurfürst Max IV. Joseph lässt rund 1.000 Bilder der Zweibrücker Galerie nach München bringen. 

Auch die 348 Gemälde aus Kurfürst Jan Wellems Düsseldorfer Sammlung - eine Kollektion besonders auserlesener Bilder - kommt nach München. 

13. Januar 1800

München * In der Stadt und im Burgfrieden bestehen 163 Bierschenken. 

Um den 15. März 1800<p><strong><em>München</em></strong> * Kurfürst Max IV. Joseph nimmt von den Engländern Subsidiengelder, die zwar den territorialen Bestand Baierns garantieren, doch der Preis ist das Festhalten am Militärbündnis mit Österreich und die Fortführung des Krieges gegen Frankreich.&nbsp;</p>
Um den 20. März 1800<p><strong><em>München</em></strong> * Das Stimmungsbild gegenüber Kurfürst Max IV. Joseph hat sich seit seinem Regierungsantritt massiv verschlechtert. Der Vertrauensvorschuss ist völlig aufgebraucht. Das bringt auch eine Flugschrift zum Ausdruck, in der es heißt: <em>„Der Bauer zahlt ja mit seinem Geld und Blute immer allein die Zeche, sie mag auch kosten, was sie wolle.“</em></p>
Um den 21. März 1800

München * Die Schrift „Die Stimme der öffentlichen Meinung über Max Joseph“ beschuldigt die Regierung: „Sie entfernte zwar die Schurken, die unter Carl Theodor den Hass und den Fluch des Volkes auf sich geladen hatten, aber dabei blieb sie auch stehen und hatte nicht den Mut, dieselben zu strafen.

Zugleich offenbarte sich der Mangel an Grundsätzen immer deutlicher. Der Nepotismus, der Personalhass, die Intrigensucht lebten in voller Stärke wieder auf und schoben ihre untauglichen Kreaturen in die Reihe der schätzbaren Räte, deren Anstellung den Kollegien ihr ursprüngliches Ansehen wiedergegeben hatte“.

Zum Thema Englische Subsidien kommt die Schrift zum Ergebnis: „Geringschätzung gegen den Kurfürsten, Hass gegen die herrschenden Minister“. Es herrscht eine eisige Stimmung. 

26. April 1800

München * Angesichts der englischen Subsidienzahlungen verbreitet sich in München das Gerücht, dass zur Erreichung der geforderten militärischen Mannschaftszahlen nun auch Bürgersöhne „ausgehoben“ werden. 

„Polizeidirektor“ Anton Baumgartner erklärt, dass die „Ausnahmeprivilegien für Bürgersöhne“ auch weiterhin erhalten bleiben.

1. Mai 1800

Frankreich - Deutschland * General Jean-Victor Moreau überschreitet mit einer Armee von 100.000 Mann den Rhein und marschiert in Richtung Osten.

28. Juni 1800

München * Als die französische Armee mit 4.000 Mann vor den Toren Münchens steht, flieht Kurfürst Max IV. Joseph mit seiner Familie umgehend nach Amberg und überlässt seine Hauptstadt der feindlichen Invasion. Auch die österreichischen Soldaten ziehen sich - begleitet von feindseligen Parolen - eiligst zurück.  

Dafür begrüßen die Münchner die Franzosen um so freundlicher. Der französische General Charles Matthieu Isidore Decaën notierte erfreut in sein Tagebuch: „[...] es schien mir, als ob wir vielmehr Befreier als Feinde waren.“ 

Um den 3. Juli 1800

München * Nach der Flucht des Kurfürsten Max IV. Joseph findet sich in einer weit verbreiteten Broschüre mit dem Titel: „Dankadresse von der baierischen Nation an Max Joseph IV.“ eine spöttische Kommentierung dieser Situation. Darin wird als größte Wohltat des Kurfürsten seine „Flucht aus München“ gepriesen, da er dadurch „die Stadt und das ganze Land der französischen Großmut preisgegeben und die Untertanen vollends überzeugt habe, dass sie sich auch ohne Fürsten und Militär selbst zu verteidigen, zu regieren und die Gefahren, in der sie ihr vielgeliebter Regent versetzt hat, mit männlicher Klugheit abzuwenden wissen“. Der Text will die Baiern in Stadt und Land davon überzeugen,  

  • dass die Nation reif ist für eine republikanische Staatsform nach französischem Muster und  
  • dass der Kurfürst als Oberhaupt des Staatswesen absolut entbehrlich sei.  

Freilich gibt es auch Stimmen gegen die Härten, die die französischen Einquartierungen mit sich bringen. Doch es herrscht eine grundsätzliche Sympathie für die Franzosen und das republikanische Frankreich.

Die Verantwortung für die unerquickliche Lage lastet man jedenfalls weniger den französischen Besatzungstruppen, als vielmehr dem geflüchteten Kurfürsten Max IV. Joseph und seiner verfehlten Politik an, mit der er Baiern im kaiserlichen Lager festhält. Selbst regierungstreue Münchner sehen sich durch die republikanischen Soldaten immer noch besser behandelt als durch die verbündeten Österreicher. 

Um den 10. Juli 1800

München * Ein Klub, der sich aus Mitgliedern des gehobenen Münchner Bürgertums zusammensetzt, hat sich inzwischen gebildet und trifft sich regelmäßig in der Weinstraße zu Zusammenkünften.  

Die Mitglieder des Klubs bezeichnen sich selbst als Patrioten. Zu den führenden Vertretern zählen unter anderem der Referendar im Finanzministerium Joseph von Utzschneider, der Regierungsrat Joseph von Hazzi und der Buchhändler und Verleger Johann Baptist Strobl, von dessen Buchhandlung aus zahlreiche kritische Flugschriften verbreitet werden. 

15. Juli 1800

London - Amberg * Das Kurfürstentum Baiern lässt sich im Subsidienvertrag von Amberg von Großbritannien seinen Besitzstand garantieren. 

Um den 20. Juli 1800

München * Oppositionelle und regimekritische Kreise äußern auch weiterhin ihren Unmut am Kurfürsten Max IV. Joseph laut und heftig. Besonders nachdem deutlich wird, dass weder Österreich noch England an einem Friedensschluss mit Frankreich interessiert sind und sich Pfalz-Baiern sogar zu einer Erhöhung des Truppenkontingents verpflichtet hat, „weil England einige Millionen Geld, das weise Fürsten nicht ausschlagen und höher als das Blut der Untertanen schätzen müssen, welches keinen Wert hat, wohl aber den Grund und Boden düngt, auf dem selbe erschlagen werden, gezahlt und deinen treuen Ministern mit Brillanten besetzte Tobaksdosen geschenket hat“.  

Der Kurfürst wird als Hofmetzger geschmäht, weil „er unsere Kinder verkauft wie‘s Vieh“

1. August 1800

Berg am Laim * Der Berg am Laimer Hofmarkbesitzer und Baierische Finanzminister Franz Carl von Hompesch stirbt.

Sein Nachfolger als Berg am Laimer Hofmarkbesitzer wird sein Sohn Johann Wilhelm von Hompesch. Die Aufgaben als Baierischer Finanzminister übernimmt - provisorisch bis 1803 - Theodor Heinrich Graf Topor Morawitzky. 

Um den 4. August 1800

München * Eine Anfang August erschienene Schrift wendet sich an die „Bewohner Baierns, Schwabens, Frankens, Tyrols und Salzburgs“ und fordert dazu auf,

  • „daß wir diesem Unwesen einmal ein Ende machen und von dem alten verderblichen Reichsverbande uns loslösen,
  • uns nach dem Drange aller politisch- und natürlichen Verhältnisse in einen freien, mächtigen Staatskörper [...] zusammenschließen [...] und uns so
  • eine eigene, auf die natürlichen Rechte der Menschheit, auf die reine Religion, und den allgemeinen Wohlstand gegründete Konstitution geben“.  

Alle Soldaten aus der Koalitionsarmee sollen zurückgerufen werden und anschließend Vertreter aus den Gemeinden und Distrikten „zu einer allgemeinen süddeutschen Nationalversammlung oder süddeutschem Landtage“ gewählt werden. 

Um den 10. August 1800

München * Eine Flugschrift mit dem Titel „Wahrer Überblick der Geschichte der baierischen Nation, oder das Erwachen der Nationen nach einem Jahrtausend“ wirft Kurfürst Max IV. Joseph vor, „durch seinen Menschenverkauf, durch seine Verschwendung, durch die immerwährende Aushebung und gänzliche Entvölkerung des Landes, durch die volle Verwirrung, die er stiftete, alle Achtung, alles Zutrauen verloren“ zu haben. Gleichzeitig formuliert die Schrift ein in die Zukunft gerichtetes politisches Programm einer Republik in Süddeutschland:  

  • „Baiern, vereint mit Schwaben, wird das österreichische Joch abschütteln [...] und [...] vereinigt mit einem Teile Frankens [...] sich eine auf Unabhängigkeit, Freiheit und Gleichheit gegründete Verfassung geben“.  
  • Zur Umsetzung dieses Zieles erhofft sich die „Flugschrift“ die Unterstützung der „Republik Frankreich“.  

Diese „Flugschriften“ finden nicht nur in der Stadt ihre Leser.  
Da sie auf der „Schranne“ meist heimlich in die Säcke gesteckt wird, verbreitet sich der „revolutionäre“ Inhalt auch auf dem Land.  

Durch die bloße Anwesenheit der Franzosen wagen sich die „Zensurbehörden“ nicht, entschlossen gegen die „Flugschriften“ vorzugehen. 

Um den 15. August 1800

München * Eine Delegation der Patrioten wendet sich an General Charles Matthieu Isidore Decaën und bittet ihn um Unterstützung für einen Aufstand gegen den Kurfürsten und seiner Regierung. Der General reagiert reserviert, da die französische Regierung keinen Aufstand unterstützen will, sondern vielmehr einen allgemeinen Frieden anstrebt. Er gibt zu Bedenken, dass eine Revolution zur Beseitigung von Missständen  

  • ein unabwägbares Risiko darstellt.  
  • Dagegen würde der weniger gewaltsame Weg von Reformen größere Erfolgsaussichten bieten. Bei einer Revolution wüsste man nie, was als Ergebnis herauskomme.  
  • Außerdem sei Baiern zu schwach, um alleine gegenüber Preußen und Österreich eine Veränderung seiner Staatsform durchzuführen.  

Dass General Decaën mit seinen Aussagen strikt der französischen Konsulatsregierung Napoléons folgt, ist den Revolutionsführern, die sich selbst Münchner Jakobiner nennen, in keinster Weise bewusst. Sie sehen in den französischen Generälen noch immer die Repräsentanten der Revolution. Doch Frankreich hat sich schon längst von den politischen Zielen des Nationalkonvents entfernt, dem es im Jahr 1792 noch um die Verbreitung der revolutionären Ziele und um die Befreiung der unterdrückten Nationen gegangen ist. Im Gegenteil, Frankreich will inzwischen die Entstehung einer großen süddeutschen Republik mit allen Mitteln verhindern und stattdessen zu separaten Bündnissen mit den einzelnen deutschen Fürsten gelangen. 

Um den 18. August 1800

München * Weil die - von überkommenen Voraussetzungen ausgehenden - Münchner Revolutionäre von dem Gesprächsergebnis mit General Decaën nicht einverstanden sind, wenden sie sich wenige Tage später an Decaëns Vorgesetzten, den Oberbefehlshaber Marschall Jean-Victor-Marie Moreau.  

Der Franzose empfängt die Delegation, nimmt aber - bestürzt von der Entschlossenheit der Münchner Bürger - Kenntnis von deren Vorhaben, dem Kurfürsten und seiner Familie die Rückkehr nach München zu verwehren und dafür eine Tochterrepublik unter französischer Protektion zu errichten.

Marschall Moreau gibt zu Bedenken, dass er nach Baiern geschickt worden sei, um den Feind zu bekämpfen und nicht, um eine Republic zu gründen. Man sollte deshalb die Revolutionspläne doch noch einmal reiflich überdenken. Das war freilich genau das, was die hochmotivierten Revolutionäre nicht hören wollten. 

Um den 20. August 1800

München * Als die Münchner Bürger-Delegation Moreau nochmal aufsuchen will, lässt er sie nicht mehr vor. Verärgert lässt ihnen der französische Oberbefehlshaber ausrichten, er würde sie, falls sie ihn nochmal belästigen sollten, die Treppe hinunterwerfen lassen. Schroffer kann die Abfuhr nicht ausfallen. Die französische Besatzungstruppe hat kein Interesse an einer Kooperation mit den Rebellen. Gegenüber dem Münchner Bürgerwehr-Kommandanten Felix Joseph Lipowsky ruft Moreau aus: „Mein Gott! Man weiß nicht was man will! Eine Republik kostet viel Blut, wir haben sie“.  

Damit ist der Plan eines republikanischen Umsturzes gescheitert. Scheinbar ist die Unzufriedenheit über die kurfürstliche Politik doch nicht so stark und so verbreitet, dass sie eine Aufstandsbewegung wirklich getragen hätte. 

8. September 1800

München * General Jean-Victor-Marie Moreau kündigt den Waffenstillstand von Parsdorf. Nun sammeln sich in München erneut die französischen Truppen. Da die Kasernen sofort voll sind, quartiert man die Mannschaften im kurfürstlichen Seidenhaus, im ehemaligen Jesuiten-Seminar und in den Klöstern der Franziskaner, Theatiner und Karmeliter ein.

Neben den Besatzungssoldaten bevölkern auch zunehmend immer mehr Deserteure der kaiserlichen Armee die Stadt. Auch pfalz-baierische Soldaten, die sich schlecht behandelt fühlen und aus diesem Grund nicht mehr unter österreichischem Befehl kämpfen wollen, laufen den Kaiserlichen reihenweise davon. Zeitweise halten sich etwa 500 dieser Fahnenflüchtigen in München auf. 

20. September 1800

München * Franzosen und Österreicher handeln eine Verlängerung des Waffenstillstands aus. 

10. November 1800

Amberg * In der Amberger Verordnung schreibt Kurfürst Max IV. Joseph, dass die Meinung,

  • wonach die katholische Religionszugehörigkeit eine wesentliche Bedingung der Ansässigmachung in Baiern sei, sich als nachteilig für die Industrie und Kultur im Land erwiesen habe und
  • sich diese weder aus der Reichs- noch in der Landesverfassung begründen lasse.

Allerdings veröffentlicht er die Verordnung nicht in der üblichen Art, sodass der Magistrat der Haupt- und Residenzstadt dem Pfälzer Weinwirt Johann Balthasar Michel aus Mannheim das Münchner Bürgerrecht verweigert und so die Übernahme der Weingastwirtsgerechtsame der Eheleute Rasp verhindert.

22. November 1800

München * Die Franzosen verlegen ihr Hauptquartier wieder nach München. Marschall Jean-Victor-Marie Moreau bezieht die Herzog-Maxburg, seine Rheinarmee lagert um die ganze Stadt. 

28. November 1800

München - Hohenlinden * Die Rheinarmee verlässt München und schlägt ihr Lager in Hohenlinden auf. Baiern dient - aufgrund seiner geographischen Lage - sowohl den Franzosen als auch den Österreichern als Aufmarschgebiet und Schlachtfeld, weshalb die Entscheidungsschlacht des Zweiten Koalitionskrieges dann auch auf baierischem Boden ausgetragen wird. 

3. Dezember 1800

München * Da sich in München zunächst die Nachricht verbreitet, die Österreicher hätten in der Schlacht in Hohenlinden gewonnen, macht sich die Angst breit, nun könnten die zurückgebliebenen französischen Truppenteile Verteidigungsmaßnahmen ergreifen, die sich für die Stadt als gefährlich erweisen würden.

Um ihn davon abzubringen, bietet man dem Platzkommandanten Briant 100 Luisdors an. Briant lehnte das Ansinnen ab, weil diese Summe für einen Platzkommandanten zu „unwürdig“ sei, mit 200 Luisdors wäre er allerdings schon einverstanden gewesen. Der Magistrat lässt ihm daraufhin den Betrag überreichen. Erst später verbreitet sich die Siegesmeldung der Franzosen. 

Anschließend ziehen sich die Österreicher hinter ihre Grenze zurück. Die Baiern haben dagegen die Franzosen als Besatzungsmacht im Land und müssen sechs Millionen Gulden Kontribution, die Staatseinnahmen eines Jahres, zahlen.

Die Landschaft verlangt daraufhin, dass das Kurfürstentum Baiern kein Bündnis gegen Frankreich mehr eingehen dürfe. Ein politisches Zusammengehen mit Österreich ist somit für die nächsten Jahre ausgeschlossen. 

3. Dezember 1800

Hohenlinden * In Hohenlinden stehen sich 60.000 Österreicher - samt den zwangsverbündeten Baiern - 56.000 französischen Soldaten gegenüber. Bei Schneetreiben und kaltem Wind besiegen die Franzosen unter Marschall Jean-Victor-Marie Moreau in der Schlacht von Hohenlinden die kaiserliche Armee unter der Führung von Erzherzog Johann vernichtend. 

10. Dezember 1800

Salzburg * Der Salzburger Erzbischof Hieronymus Franz de Paula Graf von Colloredo verlässt die Stadt vor den anrückenden Franzosen und hält sich in Wien im Exil auf. 

25. Dezember 1800

Steyr * In Steyr wird ein neuer Waffenstillstand zwischen Frankreich und Österreich geschlossen.

Nach der für die Revolutionstruppen siegreichen Schlacht von Hohenlinden am 3. Dezember 1800 ist Frankreich endgültig zur dominanten und im Südosten des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation militärisch präsenten Macht geworden. Österreich muss erkennen, dass sich der Krieg gegen Frankreich nicht erfolgreich weiterführen lässt. 


1801

1801

München * München hat 40.460 Einwohner. 

Ab 1801

Kurfürstentum Baiern * Napoleon Bonaparte fördert bis 1810 den Gebietszuwachs Baierns. Er will die deutschen Mittelstaaten, allen voran Baiern, Württemberg und Baden, so vergrößern, dass sie als Puffer gegenüber österreichischen Angriffen dienen können.

Gleichzeitig sollen die so Geförderten natürlich auf Dauer von der französischen Gunst abhängig bleiben. 

9. Februar 1801

Lunéville * Der Waffenstillstand von Steyr vom 25. Dezember 1800 mündet in den Frieden von Lunéville. Österreich und seine deutschen Verbündeten scheiden damit aus dem Zweiten Koalitionskrieg aus.

Bei diesen Friedensverhandlungen versuchen die Österreicher von Frankreich die Zustimmung für die Angliederung Baierns zu bekommen. Ob Preußen oder Österreich, alle schauen nur auf ihren eigenen Vorteil. Das Interesse der Verbündeten bleibt dabei freilich auf der Strecke.

Als allerdings diese habsburgischen Annexionsbegehren in Baiern ruchbar wird, ist es verständlicherweise mit der Loyalität gegenüber dem Bündnispartner nicht mehr allzu weit her. Alte, tief verankerte Vorurteile kommen wieder hoch und verstärken sich. Das Kurfürstentum Baiern steht mit dem Rücken an der Wand und muss sich nun primär um seine Existenzsicherung kümmern. 

9. Februar 1801

Lunéville * Zu den Gewinnern des Friedensvertrages von Lunéville gehört auch der baierische Kurfürst Max IV. Joseph. Denn dem genannten Verlust von 200 Quadratmeilen und 730.000 Einwohnern steht ein Gewinn von 288 Quadratmeilen und 843.000 Einwohnern gegenüber.

Das Kurfürstentum Baiern erhält die Hochstifte Freising, Augsburg, Bamberg und Würzburg, Teile der Hochstifte Eichstätt und Passau, dreizehn Reichsabteien und fünfzehn Reichsstädte in Franken und Schwaben. Freilich noch nicht die Großen: Augsburg und Nürnberg. Baiern kann sich dadurch jedoch territorial maßgeblich erweitern. 

9. Februar 1801

Lunéville * Der Friedensvertrag von Lunéville legt auch fest, dass die Franzosen die von ihnen besetzten rechtsrheinischen Gebiete räumen. Dennoch lassen sich die französischen Soldaten mit ihrem Abzug aus München ausreichend Zeit.

In ihrem Siegestaumel kommt es zu einer Vielzahl von Ausschreitungen. Mit ihren Räubereien, Erpressungen und sogar etlichen Mordtaten betrachten sie die Münchner bald als Plage.

Auch, als sie als Wachen an den Stadttoren auf die Idee kommen, von jedem Passanten 24 Kreuzer Zoll zu verlangen. Erst nach wiederholten Protesten der Betroffenen verbietet der Platzkommandant diese Eigenmächtigkeit. Die aus dem Osten abrückenden französischen Militäreinheiten belasten die Münchner mit zusätzlichen Quartierlasten

9. Februar 1801

Lunéville * Im Friedensvertrag von Lunéville ist auch abschließend festgelegt worden, dass die linksrheinischen Gebiete an Frankreich abgetreten werden müssen. Napoleon Bonaparte erreicht damit ein Ziel jahrhundertelanger französischer Politik. 

Pfalzbaiern muss neben den bereits verloren gegangenen Herzogtümern Zweibrücken und Jülich sowie der linksrheinischen Kurpfalz nun auch noch die rechtsrheinische Kurpfalz um Mannheim und Heidelberg an Baden abgeben.

Das bedeutete einen Verlust von 200 Quadratmeilen und 730.000 Einwohnern. Den von den Landverlusten betroffenen Fürsten wird allerdings ein Ausgleich zugestanden, der jedoch „aus dem Schoß des Reiches“ kommen muss.

Und weil dieses nur aus säkularisiertem Kirchenbesitz und aus den mediatisierten Reichsständen erfolgen kann, bedeutet das in der Konsequenz gleichzeitig das Ende des alten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation

5. April 1801<p><em><strong>Nymphenburg</strong></em> * Die ersten kurfürstlichen Truppen beziehen im Schloss Nymphenburg ihr Hauptquartier.&nbsp;</p>
9. April 1801<p><em><strong>München</strong></em> * Der größte Teil der Rheinarmee verlässt München wieder.&nbsp;</p>
12. April 1801<p><em><strong>München</strong></em> * Auch General Charles Matthieu Isidore Decaën verlässt mit seinem Besatzungsbataillon die baierische Landeshauptstadt.&nbsp;Er droht umzukehren, falls sich vor dem 13. April auch nur ein kurbaierischer Soldat in der Stadt sehen lassen sollte.&nbsp;</p>
29. Juli 1801

München - Mannheim * Verärgert und sehr deutlich im Ton schreibt Kurfürst Max IV. Joseph nach der Ablehnung des Münchner Bürgerrechts an den Pfälzer Weinwirt Johann Balthasar Michel aus Mannheim dem Stadtrat:

„Nach reifer Überlegung und mit der Gewißheit, daß das Recht auf meiner Seite ist, befehle ich hiermit dem meinen Stadtmagistrat, spätestens morgen Abends 6 Uhr, dem Handelsmann Michel von Mannheim, das Bürgerrecht zu ertheilen, widrigenfalls ich mich genöthigt sehen würde, die strengsten Mittel zu ergreifen.
Für den geringsten Exceß haftet jedes Magistratsglied persönlich“
.

30. Juli 1801

München - Mannheim * Zähneknirschend wird der Kaufmann Johann Baltasar Michel in die Münchner Bürgerschaft „gnädigst großgünstig an- und aufgenommen“. Gleichzeitig gibt der Magistrat der Stadt seine Zustimmung zum geplanten Kauf der Rasp’schen Gastwirtsgerechtsame an Johann B. Michel. Die zu entrichtende Aufnahmegebühr ist mit 470 Gulden allerdings deutlich überhöht.

24. August 1801

München - Paris * Baiern schließt mit Frankreich einen Vorvertrag ab, dem es Kurfürst Max IV. Joseph ermöglicht, seine in Aussicht gestellten Entschädigungsgebiete bereits vor der Verabschiedung des Reichsdeputationshauptschlusses in Besitz nehmen zu können. „In Paris begann ein Handel mit deutschen Bistümern, Abteien, freien Reichsstädten, wobei die fürstlichen Bewerber vor dem ersten Konsul […] in Regensburg um die Wette krochen. Es war ein höchst widerliches Schauspiel.“

Österreich will Baiern zuvor als Entschädigung für seine eigenen Kriegsverluste einverleiben. Dieses Ansinnen kann letztlich nur durch die Intervention von Russland und Großbritannien verhindert werden. Für Kurfürst Max IV. Joseph und seinen Minister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas ist aufgrund dieser Erfahrung eine Annäherung an Frankreich naheliegend. 

24. August 1801

Paris * Während Österreich Baiern nur als Manövriermasse ansieht, ist Napoleon an einem an seiner Seite stehenden eigenständigen Staat Baiern interessiert, der ein Erstarken Österreichs behindern soll. Dazu schließt der der baierische Kurfürst in Paris den separaten Friedensvertrag mit der Republik Frankreich ab.

Der Vertrag sagt Baiern die territoriale Unverletzbarkeit seiner rechtsrheinischen Gebiete sowie Unterstützung bei den Entschädigungsverhandlungen zu. 

Nach dem 25. August 1801

München * Mit tatkräftiger Unterstützung seines Ministers Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas nimmt Kurfürst Max IV. Joseph eine Reform seines Landes in Angriff. Zur dauerhaften Stabilisierung des Staates ist eine Umverteilung von Rechten, Pflichten und Chancen notwendig.

Zu dieser Revolution von oben gehört auch die revolutionäre Gleichbehandlung aller Baiern, mit dem Anspruch des Herrschers, „allen Untertanen, Reichen und Armen, Witwen und Waisen, Geistlichen und Weltlichen, gleiches Recht und Schirm zu verschaffen“.

Durch diese Reformen kann der Baiernregent einen Großteil der Kritik, die zu Beginn seiner Regierung die öffentliche Debatte geprägt hatte, den Boden entziehen. Vieles von dem wird beseitigt, was unter der Regentschaft des Kurfürsten Carl Theodor als willkürlich und korrupt angegriffen worden ist.

Gleichzeitig lässt er energisch eingreifen und setzt sich mit Militärgewalt durch, wenn seiner Politik offene Auflehnung entgegen schlägt. Beides, die umfangreichen und weitreichenden Reformen sowie das energische und harte Durchgreifen, lassen die heftige Kritik der Anfangsjahre und jedes Auflehnen gegen seine Politik allmählich verstummen.

Durch sein leutseliges Verhalten kann Kurfürst Max IV. Joseph sogar die Zuneigung der Münchnerinnen und Münchner erringen und sich so zu einer der beliebtesten Persönlichkeiten der Wittelsbacher hocharbeiten. Schon bald gehören die anfänglichen Differenzen zwischen dem Herrscher und dem baierischen Volk der Vergangenheit an. 

5. September 1801

Laibach * Die inzwischen 24-jährige Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine kehrt aus ihrem Exil in Laibach nach München zurück. 

2. Oktober 1801

Regensburg * Der in Regensburg tagende Reichstag beschließt, dass die Durchführung des Entschädigungsplans aus dem Friedensvertrag von Lunéville durch eine Reichsdeputation erfolgen soll. 


1802

1802

Au * Die „Rumford-Suppenanstalt“ wird gegründet.

Das Grundrezept der „Rumford-Suppe“ besteht aus Wasser, Kartoffeln, Graupen, Erbsen, Salz, Weinessig oder saueres Bier.
Auf tausend Portionen Suppe kommen drei Pfund gerstenkorngroß geschnittenes Fleisch.
Nach stundenlangem Kochen wird die Suppe gallertartig dick.
Dazu gibt es noch einige Stückchen hartes Brot, um das zur Verdauung notwendige Kauen zu fördern. 

1802

München-Kreuzviertel * Peter Paul Maffei gründet die „Maffei-Bank“.

6. Februar 1802

München-Graggenau * Graf Philipp von Arco beschlagnahmt im Franziskaner-Kloster das Bargeld und die Stiftungskapitalien. Im Franziskaner-Kloster leben dreißig Patres und fünf Laienbrüder. Sie sollen in das ehemalige Augustiner-Kloster in Ingolstadt gebracht werden. 

20. Februar 1802

München-Graggenau * Das Pütrich-Kloster wird durch den Aufhebungskommissar von Kleber aufgehoben. 28 Chorfrauen und zehn Laienschwestern sind von dieser Maßnahme betroffen. 

25. Februar 1802

München-Graggenau * Es ergeht eine weitere wichtige Instruktion zur Klosteraufhebung. Sie ist unmittelbar für das Franziskanerkloster St. Anton in München bestimmt, wird aber richtungweisend für die tatsächliche Durchführung der Klosteraufhebungen.

Sofort nach Erhalt der Instruktion muss sich Graf Arco in das Kloster begeben, das Bargeld zählen und das übrige Klostervermögen feststellen. Anschließend haben sich alle Klostermitglieder im Refektorium zu versammeln, wo ihre Personalien, Beschäftigungen und besonderen Einsätze schriftlich festgehalten werden. Bei diesem überfallartigen Vorgehen geht es um Geld und sonstiges für die Staatskasse interessantes Vermögen und um weitere Einsparungen für den Staat.

Dem Kommissar ist eingeschärft worden, „diesen Auftrag in der vorgeschriebenen Ordnung mit allem Eifer, Schnelligkeit und der Sache angemessenen Anstand in Vollzug zu bringen“. Die Ergebnisse gehen an die Spezial-Klosterkommission.

Der weitere Inhalt der Instruktion lautet kurz gefasst:

  • Alle Ausländer sind umgehend in ihre Heimat zu schicken; sie erhalten 25 Gulden Zehrgeld und einen Reisepass; aber Abreisetag und Reiseroute werden genau festgelegt. 
  • Wer gesund und nicht zu alt ist, muss drei Tage nach der Mitteilung auswandern; nur einige Alte und Gebrechliche erhalten Aufschub bis April. 
  • Das Sammeln auf der Reise ist den Mönchen strengstens verboten.

Alle inländischen Laienbrüder, die in das bürgerliche Leben zurückkehren wollen, erhalten zum Auszug 25 Gulden und die nötigen Kleider.

  • Diejenigen, die den Ordensstand nicht verlassen wollen, sind - bis auf wenige, die noch zu den nötigsten Hausarbeiten als Gärtner, Köche, in der Brauerei und so weiter benötigt werden - auf die oberpfälzischen oder baierischen Prälatenklöster als Konventdiener oder Pfründner zu verteilen.
  • Die nach Abzug der Kranken und Ausländischen verbliebenen sieben Laienbrüder des Münchener Franziskanerklosters sind in ständische Abteien zu schicken.

Die kurfürstliche Verordnung gibt auch Anweisung über den möglichen Rücktritt von Priestermönchen der Mendikantenorden in den Weltpriesterstand.

  • Diese Mönche müssen sich einer Prüfung durch die Spezial-Klosterkommission unterziehen. Dabei werden weniger ihre theologischen Kenntnisse begutachtet, sondern vielmehr festgestellt, „ob die Austretenden auch im Sinne der Staatsauffassung genügend aufgeklärt“ sind. 
  • Haben die Aspiranten ihre Prüfung bestanden, erhalten sie von der Kommission die Erlaubnis zum Überwechseln mit einer jährlichen Pension von 125 Gulden.
2. März 1802

Hofmark Berg am Laim * Das Franziskaner-Hospiz Josephsburg in Berg am Laim wird aufgehoben. 

17. März 1802<p><strong><em>München - München-Lehel - Au</em></strong> *&nbsp;Die Polizeidirektion&nbsp;wird mit der Gründung einer Einrichtung beauftragt, die dann als Kleinkinderbewahranstalt&nbsp;und heute - in der Weiterentwicklung - als Kindergarten&nbsp;oder Kinderhort&nbsp;bezeichnet wird.&nbsp;</p> <p>Im Focus stehen <em>„unbemittelte Eltern, die sich außer Haus begeben müssen, um sich vom täglichen Handlohn zu ernähren“</em>.&nbsp;Denn diese <em>„müssen häufig ihre kleinen Kinder einsperren oder unbesorgten Nachbarn anvertrauen, sie auch gar frei herumlaufen lassen, wodurch Unglücksfälle entstehen und die sittliche Erziehung benachteiligt wird“</em>. &nbsp;</p> <p>Eine solche Einrichtung soll in der Stadt und im Lehel eingerichtet werden.&nbsp;Auch das Gericht ob der Au&nbsp;und das Hofmarkgericht Haidhausen&nbsp;können Vorschläge einreichen.&nbsp;</p>
27. März 1802<p><em><strong>Amiens</strong></em> * Der Zweite Koalitionskrieg wird mit dem Friedensschluss von Amiens zwischen Frankreich und England endgültig beendet.&nbsp;</p>
30. März 1802<p><em><strong>München</strong></em> * Kurfürst Max IV. Joseph bestimmt das Karmelitinnenkloster in Neuburg zum Zentralkloster des Frauenordens.&nbsp;</p>
24. Mai 1802

Kurfürstentum Baiern * Für Baiern beginnen die Landzugewinne. Kurfürst Max IV. Joseph hat mit Frankreich in einem Geheimvertrag vereinbart, dass er die vertraglich zugewiesenen Territorien noch vor der Verabschiedung des Reichsdeputationshauptschlusses militärisch in Besitz nehmen kann. 

15. Juni 1802

München-Kreuzviertel - Neuburg * Um 4 Uhr früh wird ein Teil der zwanzig Karmelitinnen und zwei Novizinnen auf Wägen gesetzt und in ihre neue Niederlassung nach Neuburg gebracht, wo sie am späten Abend ankommen. Zu Protesten der Bevölkerung kommt es nicht. 

19. Juni 1802

München-Kreuzviertel - Neuburg * Um 4 Uhr früh werden die restlichen Karmelitinnen in ihre neue Niederlassung nach Neuburg gebracht. 

20. Juni 1802

München-Graggenau * Die Gräber auf dem Franziskaner-Friedhof werden geöffnet. 

28. Juni 1802

München-Graggenau * Die Abbrucharbeiten am Franziskaner-Kloster beginnen. 

1. Juli 1802

Stepperg * Die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine kauft das Landsassengut zu Stepperg mit den dazugehörenden Bauernhöfen in Rennertshofen und Mauern um den Preis von 71.200 Gulden. 

18. Juli 1802

München-Kreuzviertel * Die Regierung Montgelas ordnet die Aufhebung des Karmelitenklosters an. Anfangs bezieht das Militär die aufgelassenen und leerstehenden Klosterräume, bis Teile für das Neue Gymnasium, das spätere Ludwigs-Gymnasium, eingerichtet und andere Teile zum Königlichen Erziehungsinstitut für Studierende, dem sogenannten Hollandeum, ausgebaut werden können.

12. August 1802

Mühldorf * Siegmund Christoph von Hartmann, der Pfleger von Mühldorf am Inn, meldet dem Hofratsdirektorium in Salzburg, dass „Mühldorf an die weise und gerechte Regierung von Baiern“ abgetreten werden soll. 

19. August 1802

Werdenfelser Land * Kurfürst Max IV. Joseph lässt die zu Freising gehörende Grafschaft Werdenfels durch baierische Truppen besetzen. 

19. August 1802

Salzburg - Berchtesgaden * Die Stadt Salzburg und die Fürstprobstei Berchtesgaden werden von den österreichischen Truppen für Ferdinand III. von Toskana, dem jüngeren Bruder von Kaiser Franz, militärisch besetzt. 

19. August 1802

Mühldorf * Baierns Militär marschiert um 16:30 Uhr in das zum Fürstbistum Salzburg gehörende Mühldorf am Inn ein und nimmt die Stadt militärisch in Besitz. 

20. August 1802

Salzburg - Mühldorf * Das in Salzburg sitzende Hofratsdirektorium teilt dem Mühldorfer Pfleger Siegmund Christoph von Hartmann mit, dass für eine militärische Besetzung der Stadt keine rechtlichen Grundlagen vorhanden wären und diese einen massiven Rechtsbruch darstellen würde. Doch sei angesichts der Lage ein „aktiver Widerstand nicht angemessen“.

23. August 1802

Freising * Kurfürst Max IV. Joseph lässt das Militär in das Fürstbistum Freising einmarschieren. 

24. August 1802

Regensburg * Die Reichsdeputation, die Durchführung des Entschädigungsplans aus dem Friedensvertrag von Lunéville ausarbeiten soll, tritt in Regensburg erstmals zusammen.

1. Oktober 1802

München-Schloss Nymphenburg - Mühldorf * Eine Abordnung Mühldorfer Bürger überreicht dem Kurfürsten Max IV. Joseph im Schloss Nymphenburg eine Bittschrift, in der sie zum Ausdruck bringen, wie sehr sich die Bevölkerung freut „dem durchläuchtigsten Churhause Baiern einverleibt“ zu werden. Damit gehe „ein Wunsch, der schon Jahr Zehnte in unseren Herzen glühte in Erfüllung“

23. November 1802

Regensburg * Die Reichsdeputation beschließt in seiner 30. Sitzung den Reichsdeputationshauptschluss. Dieser bildet die Grundlage für die Aufhebung der Geistigen Staaten und der Landsässigen Klöster, die der „freien und vollen Disposition der respectiven Landesherren“ überlassen werden. Baiern vollzieht daraufhin offiziell die Inbesitznahme der ihm zugeteilten Territorien: 

  • Die Fürstbistümer Freising, Augsburg, Bamberg, Würzburg
  • sowie Teile der Fürstbistümer Eichstätt, Passau und Salzburg.

Damit werden große Teile Schwabens und Frankens baierisch.

26. November 1802

Mühldorf * Kurfürst Max IV. Joseph bevollmächtigt Johann Adam Freiherr von Aretin per Dekret die Stadt Mühldorf in Besitz zu nehmen. 

27. November 1802

Freising * Da sich der kranke Freisinger Bischof Joseph Conrad Freiherr von Schroffenberg-Mös in Berchtesgaden aufhält, überreicht der kurfürstliche Generalkommissär Johann Adam von Aretin dem Freisinger Hofrat das Besitzergreifungspatent.

Damit nimmt er für das Kurfürstentum Baiern zivilrechtlich Besitz von Freising, wozu auch die Herrschaft Isen-Burgrain und die Grafschaft Werdenfels gehören. Dadurch werden nicht nur viele Untertanen, sondern auch die Zugspitze baierisch.

Für Freising bedeutet das das Ende der geistlichen Herrschaft. Die Stadt wird eine ganz normalen baierischen Municipalgemeinde. 

1. Dezember 1802

Mühldorf * Der kurfürstliche Generalkommissar für die Zivilbesitzergreifung des Hochstifts Freising sowie der Stadt Mühldorf, Johann Adam Freiherr von Aretin, nimmt zivilrechtlich Besitz von der Stadt Mühldorf am Inn. 

2. Dezember 1802

Mühldorf * Johann Adam Freiherr von Aretin nimmt - unter großem Jubel der Bevölkerung - mit dem Besitzergreifungspatent vom 26. November offiziell Besitz von der Stadt Mühldorf am Inn. Er weist das Pfleggericht an, ab sofort keine Weisungen und Befehle mehr aus Salzburg entgegenzunehmen.

Nach der Vereidigung der Beamten findet ein feierlicher Gottesdienst in der Pfarrkirche statt. Am Abend wird in der Stadt gefeiert. 

3. Dezember 1802

Werdenfelser Land * Freiherr Johann Adam von Aretin erhält den kurfürstlichen Auftrag, die „Zivilbesitzergreifung der Reichsgrafschaft Werdenfels“ nicht auf dem normalen Verwaltungsweg über Freising aus, sondern vor Ort durchzuführen. 

5. Dezember 1802

Mittenwald - Garmisch * Um 10:30 Uhr vormittags trifft Johann Adam Freiherr von Aretin in Mittenwald ein. Er wird von einer jubelnden Menschenmenge begrüßt.

Gleiches passiert bei seiner Ankunft in Garmisch gegen 15 Uhr. 

6. Dezember 1802

Werdenfelser Land * Freiherr Johann Adam von Aretin eröffnet um 8:30 Uhr mit einem Festgottesdienst die Besitzergreifungsfeierlichkeiten der Reichsgrafschaft Werdenfels. Damit endet die über 500 Jahre andauernde bischöfliche Herrschaft über das Werdenfelser Land. An den öffentlichen Gebäuden wird das kurbaierische Wappen angebracht und die „Zivilbesitzergreifung durch Verruf“ bekannt gemacht. An der großen mittäglichen Festtafel dürfen allerdings nur geladene Gäste teilnehmen. 

12. Dezember 1802

München-Lehel * Die Hieronymitaner im Lehel treten erstmals in der Kleidung der Weltpriester auf. Das Kloster bleibt weiterhin bestehen. 

18. Dezember 1802

München-Graggenau * 19 der vierzig Nonnen aus dem Pütrich-Kloster und ihr Beichtvater begeben sich auf ihre Reise nach Reutberg. 

23. Dezember 1802

Kurfürstentum Baiern * Der Schulzwang, die allgemeine Schulpflicht, für „alle Kinder vom 6. bis 12. Lebensjahre“, wird eingeführt. Wöchentlich müssen von den Eltern dafür 2 Kreuzer bezahlt werden. An diese Grundschulzeit schließt sich für die 13- bis 18-jährigen eine Sonntagsschule an, in der ihnen der Katechismus und weiteres Grundwissen gelehrt wird.

Der Staat ist damit für die Erziehung verantwortlich, weshalb er neue Schulen und bessere Lehrer braucht. Dafür werden eigene Lehrerseminare eingerichtet. Die lokale Schulaufsicht liegt freilich weiterhin bei den Pfarrern. 

29. Dezember 1802

München-Graggenau * Die restlichen 21 Pütrich-Nonnen verlassen München in Richtung Reutberg. 


1803

1803

München-Graggenau * In einer Stadtbeschreibung wird über das Treiben im „Hofgarten“ folgendes berichtet: 

„Hier wird an Sonn- und Feiertagen jeder neue Putz zur Schau getragen, hier ist der offene Markt der Reize, hier wird geschmachtet, geseufzt, getändelt und geliebäugelt. [...]  
Zuckerwerk und andere Näschereien werden feilgeboten, das außen angebaute Kaffeehaus reicht Erfrischungen aller Art“

10. Januar 1803

München-Kreuzviertel * Das Religionsedikt bringt die Gleichberechtigung von Katholiken, Lutheraner und Reformierten. Aus Anlass der Aufnahme fränkischer und schwäbischer Gebiete in den immer größer werdenden baierischen Staat kommt es zu nachstehenden Bestimmungen: 

Bei künftiger Besetzung der Staatsämter werden Wir nur auf die Würdigsten, ohne Unterschied der im deutschen Reiche eingeführten drei christlichen Religionen [gemeint sind die Katholiken, Lutheraner und Reformierten] den landesväterlichen Bedacht nehmen. Keinem unserer Untertanen, von welcher Konfession er sei, soll je etwas zugemutet werden dürfen, welches seiner Religions- oder Gewissensfreiheit entgegen wäre." 

Doch der Mann, der die positive Entwicklung der evangelischen Kirche in Bayern bremsen wird, steht in der Person des Kronprinzen Ludwig I. schon bereit.

19. Januar 1803

München * In der Nacht des 19. Januar 1803 wirft man die Gebeine der Maria Anna Lindmayr zusammen mit den Überresten anderer verstorbener Klosterschwestern auf einen städtischen Müllwagen, transportiert das Ganze auf den Alten Südlichen Friedhof und verscharrt alles in einem Massengrab. 

11. Februar 1803

Wien - Salzburg * Der im Wiener Exil lebende Salzburger Erzbischof Hieronymus Franz de Paula Graf von Colloredo unterzeichnet die Abdankungserklärung und ruft seine Salzburger Untertanen auf, „dem neuen Herrn [..] die Treue und Anhänglichkeit künftig fort zu bewahren“.  

Vom selben Tag stammt die Besitzergreifungsurkunde für Salzburg des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana. 

15. Februar 1803

Salzburg * Heinrich Freiherr von Crumpipen nimmt im Auftrag des Großherzogs Ferdinand III. von Toskana Besitz von Salzburg.

Der bisherige „Statthalter“ des Salzburger Erzbischofs Hieronymus Franz de Paula Graf von Colloredo, Sigmund Christoph Graf von Zeil-Trauchburg, wird von seinen weltlichen Regierungsaufgaben entbunden. 

25. Februar 1803

Regensburg * Die letzte Tagung des „Immerwährenden Reichstags“ befasst sich mit der Annahme des Reichsdeputationshauptschlusses. Es ist das letzte bedeutende Gesetz des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation und behandelt die Neuordnung des Reiches.

Im Reichsdeputationshauptschluss erfolgt die Kompensation für die Abtretung der linksrheinischen Gebiete an Frankreich.  
Grundlage für den Text ist ein im Juni 1802 zwischen Frankreich und Österreich vereinbarter Entschädigungsplan, der wiederum auf den am 9. Februar 1801 geschlossenen Friedensvertrag von Lunéville zurückgeht.

Die Wittelsbacher haben aber nicht nur die Herzogtümer Zweibrücken und Jülich sowie die linksrheinische Kurpfalz verloren, sondern müssen jetzt auch noch die rechtsrheinische Kurpfalz um Mannheim und Heidelberg an Baden abgeben.

Doch durch den § 2 des Reichsdeputationshauptschlusses erhält das kurfürstliche Baiern

  • das Fürstbistum Freising mit der dazugehörigen Grafschaft Werdenfels und die Herrschaft Isen-Burgrain offiziell überschrieben;
  • dazu die Fürstbistümer Augsburg, Bamberg und Würzburg sowie Teile von Eichstätt, Passau und Salzburg. 
  • Zu den genannten Territorien kommen noch 15 Reichsstädte und 13 Reichsabteien dazu. Freilich noch nicht die Großen: Augsburg und Nürnberg. 
  • Doch damit werden wesentliche Teile Schwabens und Frankens bairisch.

Insgesamt stehen dem Verlust von 200 Quadratmeilen und 730.000 Einwohnern ein Gewinn von 288 Quadratmeilen und 834.000 Einwohnern aus den aufgelösten geistlichen Staaten und wirtschaftliche Werte von über 43 Millionen Gulden von den Klöstern gegenüber. 

März 1803

München-Graggenau * Das „Pütrich-Kloster“ wird verkauft. 

4. April 1803<p><strong><em>Berchtesgaden</em></strong> *&nbsp;Joseph Conrad von Schroffenberg-Mös, der letzte Freisinger Bischof, stirbt in Berchtesgaden.&nbsp;Sein Bischofsstuhl wird erst 1818 wieder besetzt.&nbsp;</p>
24. April 1803

München * Die „zweckwidrigen Ceremonien am Himmelfahrtstag und Pfingstsonntag“ werden verboten. Gemeint sind das Aufziehen einer Christus-Figur und das Herablassen einer weißen Taube als heiliger Geist. 

27. April 1803

Regensburg * Mit der „kaiserlichen Ratifikation“ tritt der „Reichsdeputationshauptschluss“ formell in Kraft.

28. April 1803

München * Den Bruderschaften wird das Tragen von Kutten verboten. 

29. April 1803

Salzburg * Großherzog Ferdinand III. von Toskana hält feierlichen Einzug in die Stadt Salzburg und wählt Schloss Mirabell zu seiner Residenz. 

18. Mai 1803

München * Kurfürst Max IV. Joseph erlaubt sogenannte Mischehen zwischen Katholiken und Protestanten. 

23. Mai 1803

London - Paris * Großbritannien erklärt Frankreich den Krieg. Die Kriegserklärung geht zwar von England aus, aber Napoleons Hegemonialpolitik hat stark zum Ausbruch des Krieges beigetragen. 

17. Juli 1803

Wien - Salzburg * Der deutsch-römische Kaiser Franz II. erhebt Salzburg zum Kurfürstentum

Nach dem 25. August 1803

München-Angerviertel - Wien * In der Haupt- und Residenzstadt München gibt es nur ein ständisches Kloster: das Klarissen-Kloster zu Sankt Jakob am Anger, dessen Äbtissin Mitglied der Landschaft ist. Es ist eines der siebzig Landsässigen Klöster in Altbaiern, das durch den verfassungsrechtlichen Schutz erst im Jahr 1803 aufgehoben werden kann.

Auch Österreich zieht - damals noch als baierischer Verbündeter - einen erheblichen Gewinn aus der Aufhebung der baierischen Klöster. Diese haben ihre Aktiva - aufgrund der in Baiern nicht vorhandenen Bankhäuser - bei der Wiener Bank angelegt. Nach der Klosteraufhebung kassiert Österreich diese Guthaben ein und beschlagnahmt deren Grundherrschaften, vor allem Weingüter in Südtirol und in anderen habsburgischen Gebieten. Baiern muss dagegen die Schulden der Klöster übernehmen.

27. November 1803

München-Angerviertel - Dietramszell * Der erste Teil der Klarissinnen vom Anger begibt sich in ihr Aussterbekloster nach Dietramszell. 

2. Dezember 1803

München-Angerviertel - Dietramszell * Der zweite Teil der Klarissinnen vom Anger macht sich auf den Weg in ihr Aussterbekloster nach Dietramszell. 


1804

1804

München * Kurfürst Max IV. Joseph erlässt die Anordnung, die inzwischen verwilderten Maulbeerpflanzungen in gewöhnliche Obstgärten umzuwandeln. Damit ist das Vorhaben, die Seidenzucht in München zu etablieren, wieder einmal gescheitert. 

1804

Marquartstein * Joseph Hazzi berichtet in seinen „Statistischen Auffschlüsse über das Herzogthum Baiern“ über die Bewohner in dem Gebiet um Marquartstein bei Traunstein:  

„Sie heiraten gern und sehr früh, erzeugen viele Kinder, mitunter eben so viele uneheliche, das man nicht nur für kein sündhaftes, sondern vielmehr für ein gutes Werk hält“

1804

München * Aron Elias Seligmann wird das „Rechnungswesen des Ministerialauswärtigen Départements“ übertragen.

Das heißt, er übernimmt die Auszahlung der Gehälter an die Beamten des auswärtigen Dienstes des baierischen Kurfürsten Max IV. Joseph in München und im Ausland. 

Gleichzeitig gründet Seligmann ein Bankhaus und gewährt dem wirtschaftlich zerrütteten Kurfürstentum Baiern Darlehen und Zuschüsse in Millionenhöhe.

Dadurch stabilisiert sich die wirtschaftliche Situation im durch Landzuwächse immer größer werdenden Kurfürstentum. Durch die bessere Finanzausstattung Baierns finden sich weitere Geldgeber.

Im Gegenzug werden der Familie die vollen „bürgerlichen Rechte“ zugestanden.

9. März 1804

München * Friedrich Ludwig Sckell übernimmt die extra für ihn geschaffene Hofgartenintendanz mit Sitz in München. Zu diesem Zeitpunkt ist der Englische Garten bereits weitgehend angelegt.

Freiherr Reinhard von Werneck wird seiner Stellung als Direktor des Englischen Gartens enthoben. Er wird vom Kurfürsten zum Trost zum Generalmajor á la suite befördert und mit der Reorganisation des Kadettenkorps in München beauftragt.

Für den Englischen Garten treten nun ökonomische Gesichtspunkte zugunsten der Anlage eines großflächigen Landschaftsgartens in den Hintergrund. Friedrich Ludwig Sckell legt aus diesem Grund einen Plan A an, der den vom ihm vorgefundenen Zustand der Gartenanlage festhält.

11. April 1804

Petersburg - London * England und Russland schließen in Petersburg ein Bündnis, dessen erklärtes Ziel es ist, Frankreich auf die Grenzen von 1792 zu beschränken. 

4. Mai 1804

Petersburg - Berlin * Zar Alexander I. schließt ein Defensivbündnis mit Preußen.

18. Mai 1804

Paris * Eine Änderung der Verfassung mit 74 Ja-Stimmen bei fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung bringt Frankreich das Kaisertum. Auf Betreiben Napoleons einigt man sich auf den Titel eines Kaisers [= französisch: Empereur], da ein monarchischer Titel nötig ist, jedoch der des Königs unliebsame Erinnerungen wecken würde. 

11. August 1804

Wien * Der deutsch-römische Kaiser Franz II. nimmt - ohne Rücksprache mit den Reichsfürsten und unter Bruch der Reichsverfassung - als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation den Titel eines erblichen Kaisers von Österreich an. Damit ändert er auch seinen Namen in Franz I. Joseph Karl.

Gleichzeitig gliedert er seinem Kaiserreich sämtlichen Reichsbesitz ein, über den er ohne Zustimmung des Reichstags eigentlich gar nicht hätte verfügen dürfen.

Seine Absicht ist, seine kaiserliche Hausmacht zu erhalten und auch im Fall des Untergangs des alten Reichs die Ranggleichheit mit Napoleon Bonaparte zu wahren. Den Titel des Erwählten Römischen Kaisers trägt er unabhängig davon bis zum 6. August 1806. 

6. November 1804

Petersburg - Wien - Stockholm * Zar Alexander I. schließt ein Defensivbündnis mit Österreich und Schweden.

14. November 1804

München * Die Kurfürsten-Witwe Maria Leopoldine geht eine Ehe mit Ludwig Joseph Graf von Arco ein. 

Dezember 1804

Paris - München - Wien * Napoleon Bonaparte will eine dynastische Verbindung zwischen seiner Familie und den großen europäischen Häusern. 

Der baierische Minister Maximilan Joseph von Montgelas unterstützt den Gedanken, Napoleons Stiefsohn Eugéne Beauharnais, Vizekönig von Italien, mit Auguste Amalie, der Tochter des baierischen Kurfürsten, zu verehelichen.

2. Dezember 1804

Paris * Napoleon Bonaparte krönt sich selbst zum „erblichen Kaiser von Frankreich“

31. Dezember 1804

München * Offiziell gibt es in München 31 Kaffeeschenken. Davon elf Realrechte und zwanzig persönliche Konzessionen. Der Unterschied zwischen den Kaffeeschenken und den Traiteurs wird beseitig. Beiden wird gestattet „Billards zu halten und nebst Kaffee und anderen Getränken auch Kost zu geben“


1805

1805

München * Reichsgraf Rumford wird „Präsident der Akademie der Wissenschaften“ in München.

11. April 1805

Petersburg * Napoleons Ambitionen im Nahen Osten führt zur Annäherung von Russland und Großbritannien. Sie schließen in Petersburg ein Bündnis, dessen erklärtes Ziel es ist, Frankreich auf die Grenzen von 1792 zu beschränken. Dem Bündnis treten Schweden und Neapel bei. 

23. Mai 1805

London - Paris * Großbritannien erklärt Frankreich den Krieg. Das ist der Beginn des Dritten Koalitionskrieges. Österreich, Russland und England haben sich zur Dritten Koalition gegen Frankreich zusammengeschlossen. 

Wie soll sich Baiern verhalten, wo doch ein österreichisches Kriegsziel die Annexion Baierns war? Neutralität kommt nicht in Frage, also müssen die Baiern ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen. 

7. Juni 1805

München * Das Kurfürstentum Baiern führt die Wehrpflicht ein. Diese gilt jedoch nicht für alle Baiern, denn die Gesetze zur Ergänzung des stehenden Heeres aus den Jahren 1805 und 1812 gestatten dem städtischen Bürgertum „großzügige Befreiung vom Wehrdienst“.

9. August 1805

Wien - Petersburg - London - Berlin * Dem russisch-englischen Bündnis vom 11. April 1804  schließt sich Österreich an. Preußen bleibt neutral. 

25. August 1805

Bogenhausen * Angesichts des heraufziehenden Dritten Koalitionskriegs erneuern Baiern und Frankreich ihr Bündnis im Vertrag von Bogenhausen. Ort der Verhandlungen ist Schloss Stepperg, das Minister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas als Landsitz nutzt. 

Die Geheimverhandlungen zwischen dem französischen Abgesandten und Minister Montgelas werden mit einem baierischen Bündniswechsel zu Frankreich in einem vorläufigen Vertrag abgeschlossen. Er beendet die Koalition mit Österreich und Russland. Napoleon sagt Baiern weitere Gebietszuwächse im Falle eines Sieges zu. Dafür verpflichtet sich das Kurfürstentum Baiern zur Stellung von 20.000 Mann.

Neben Baiern schließt Napoleon Verträge mit weiteren süddeutschen Mitgliedern des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Seine Verbündeten werden Baiern, Württemberg, Baden und Hanau. Napoleon Bonaparte schließt mit diesen die Verträge von Bogenhausen, Baden-Baden und Ludwigsburg.

Die baierische Regierung erhofft sich nach den Erfahrungen der beiden letzten Kriege von Frankreich eine wesentlich bessere Behandlung als von den kaiserlichen Österreichern. Um aber die Österreicher nicht unnötig herauszufordern, wird das Bündnis mit Frankreich zunächst noch geheim gehalten. Die baierische Abneigung gegenüber Österreich soll sich jedoch bald bestätigen. 

25. August 1805

Frankreich - Österreich * Napoleon Bonaparte lässt seine Große Armee in Richtung Österreich abmarschieren. Ende September will er in Baiern ankommen.

6. September 1805

Schloss Nymphenburg * Einhundert österreichische Husaren und Dragoner umzingeln - unter der Leitung des kaiserlichen Feldmarschalls Carl Philipp Fürst zu Schwarzenberg - Schloss Nymphenburg. Sie nötigen den sich dort aufhaltenden Kurfürsten Max IV. Joseph „ultimativ“ zum Eintritt in die antifranzösische Koalition. Zur Unterstreichung seiner Forderung lässt der Feldmarschall das Schloss umstellen und von München abriegeln, worüber die baierische Bevölkerung entsetzt ist.

Offensichtlich will der Kurfürst, der den Vertrag von Bogenhausen noch nicht unterschrieben hat, schon dem österreichischen Drängen nachgeben, als Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas ernsthaft mit seinem Rücktritt vom Amt des Außenministers droht. Dem Kurfürsten und seinem leitenden Minister gelingt es immerhin, die Verhandlungen mit dem österreichischen Bevollmächtigten zu verzögern und die Österreicher über die baierischen Absichten bis zum 9. September im Unklaren zu lassen. 

Unter dem Vorwand, den gerade in Frankreich weilenden Kronprinzen Ludwig nicht zu gefährden, erzielt Max IV. Joseph einen Zeitaufschub. Bis dahin hat die kurfürstliche Familie die Haupt- und Residenzstadt München heimlich in Richtung Würzburg verlassen. Auch die baierische Armee war inzwischen in Franken und in der Oberpfalz zusammengezogen worden. 

8. September 1805

Kurfürstentum Baiern * Der Dritte Koalitionskrieg beginnt mit dem Einmarsch der Österreicher nach Baiern. Rücksichtslos bestimmt Kaiser Franz II. Baiern zum Kriegsschauplatz. Noch sind die österreichischen Truppen im Glauben an ein gemeinsames Bündnis mit Baiern gegen Frankreich über die Landesgrenze gekommen, doch nun marschieren sie als Feinde nach München. 

Die wertvollsten kurfürstlichen Besitztümer und die Gemäldesammlung können noch rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden, um sie so vor feindlichen Beutezügen zu schützen. Auch der Kurfürst ist samt seiner Familie weit genug von der österreichischen Grenze entfernt, so dass er das Eintreffen der napoleonischen Truppen sicher abwarten kann. 

Ab 12. September 1805

München * Ab dem 12. September 1805 quartieren sich immer mehr österreichische Militärs in München ein. 

19. September 1805

München * Erzherzog Ferdinand, der den Oberbefehl über die österreichischen Truppen hat, trifft in München ein und nimmt im Gasthof Zum Goldenen Hirsch in der Theatinerstraße Quartier. 

21. September 1805

München • Auch Kaiser Franz II. trifft in München ein und bietet als Oberhaupt des das Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation dem Kurfürstentum Baiern den Königstitel an, wenn es sich der Dritten Koalition anschließen würde.

Doch das hätte nicht gleichzeitig die Erringung der vollen staatlichen Souveränität bedeutet, wie sie Napoleon angeboten hat. Diese war aber für Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas die rechtliche Voraussetzung für die inneren Reformen der kommenden zwölf Jahre, insbesondere für die Ausschaltung der Stände und die Schaffung einer Konstitution. Denn noch ist die Ständeverfassung gültig, die durch das Reichsrecht und die Reichsgerichte geschützt ist. 

22. September 1805

München - Landsberg am Lech • Kaiser Franz II. reist nach einem Kirchgang in der Theatinerkirche weiter nach Landsberg am Lech. 

23. September 1805

Paris - Wien • Napoleon Bonaparte erklärt Österreich den Krieg. 

24. September 1805

Würzburg * Obwohl Kurfürst Max IV. Joseph den Bogenhausener Vertrag erst am 28. September 1805 unterschrieben hat, datiert er ihn auf den 24. September vor. 

24. September 1805

Bern * Kronprinz Ludwig I. hat die Taktik von Kurfürst Max IV. Joseph und seinem Minister Montgelas noch nicht durchschaut. Aus Bern schreibt er beschwörend an seinen Vater, er möge „unter keinen Umständen mit den Franzosen gehen. [...] Glauben Sie nicht, dass ich ein Österreicher bin, aber ich bin deutsch und bin ein Feind des Unrechts“.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum der Kurfürst das Unterzeichnungsdatum für den Bogenhausener Vertrag so weit nach vorne gelegt hat, dass das Schreiben des Kurprinzen als erst nach der Vertragsunterzeichnung eingetroffen angesehen werden konnte. 

25. September 1805

Rhein * Die französischen Revolutionstruppen überschreiten den Rhein an mehreren Stellen. 

26. September 1805

München - Wien * Nachdem die Franzosen am 25. September den Rhein überquert haben, zieht es der österreichische Kaiser Franz I. vor, vorsorglich die Rückreise nach Wien anzutreten. Mit ihm machen sich auch die ersten österreichischen Einheiten über München zum Rückzug bereit. 

27. September 1805

Würzburg * Das französische Revolutionsheer trifft in Würzburg ein, wohin sich Kurfürst Max IV. Joseph zurückgezogen hat. Dort vereinigt sich dass Heer mit den baierischen Truppen. 

28. September 1805

Würzburg * Während Napoleon den Vertrag von Bogenhausen sofort nach Erhalt unterzeichnet hat, lässt Kurfürst Max IV. Joseph kostbare Zeit verstreichen. Das lag eventuell auch an der Kurfürstin Karoline, die sich für eine Allianz mit Österreich ausgesprochen hatte.

Erst nachdem sich das französische Heer mit den baierischen Truppen vereinigt hat, unterschreibt der baierische Kurfürst den Vertrag. Dabei datiert er ihn vorsichtshalber auf den 24. September zurück. Baiern ist damit Kriegspartei an der Seite Napoleon Bonapartes gegen Kaiser Franz II., dessen Truppen bereits das südliche Baiern besetzt haben. 

29. September 1805

Würzburg - Bern * Kurfürst Max IV. Joseph antwortet auf ein Schreiben seines Sohnes Ludwig I., das dieser am 24. September in Bern verfasst hatte. Dem völlig ahnungslosen Prinzen Ludwig erklärt der Kurfürst einige Gründe seines Handelns:

  • „Ich fühle genau wie ihr, daß es viel glücklicher wäre, nicht gezwungen zu sein, sich in einen Streit zu mischen, der das Deutsche Reich nichts angeht.
  • Ich empfinde auch Euren Abscheu, mein Freund, und finde ihn ganz natürlich. Aber es gibt Fälle im Leben eines Herrschers, in denen er gezwungen ist, das eigene Gefühl zu unterdrücken im Interesse seiner Staaten.
  • Ich habe mich nicht mit Napoleon verbündet, sondern mit Frankreich, das zu allen Zeiten der geborene Verbündete unseres Hauses war. […]
  • Wenn Euch die Partei mißfällt, die ich gezwungenermaßen ergriffen habe, machet es nur mir zum Vorwurf, mein liebes Kind. Ich bin es allein, der es gewollt hat. Kein Minister, nicht einmal Montgelas, hat es mir geraten, ich schwöre es Euch bei meinem Gotte. […].“ 
6. Oktober 1805

Donauwörth - Neuburg - Ingolstadt * Das vereinigte französisch-baierische Heer umfasste 60.000 Mann. Es überquert am 6. Oktober die Donau bei Donauwörth, Neuburg und Ingolstadt. 

8. Oktober 1805

Wertingen * In der Schlacht von Wertingen kommt es zum ersten Gefecht zwischen den österreichischen und französisch-baierischen Truppen. 

9. Oktober 1805

Günzburg * Nach einem Gefecht bei Günzburg mit Truppen unter Erzherzog Ferdinand wird von dem vereinigtem französisch-baierischen Heer eine Donau-Brücke bei Günzburg gewonnen. 

9. Oktober 1805

München * Der österreichische General Michael Freiherr von Kienmayer auf dem Rückzug mit seiner Division in München ein. Er lässt seine Truppen im Westen und Norden vor der Stadt lagern. 

Ab 10. Oktober 1805

München * In München halten sich Soldaten aus den östlichen Teilen der Donaumonarchie auf. Die exotisch aussehenden Kämpfer aus dem Balkan erzeugen bei den Münchnern Angst und Schrecken

  • einerseits durch ihr fremdartiges Aussehen,
  • andererseits durch ihre schlechte Ausrüstung
  • und ihre unzureichende, Mitleid erzeugende Bekleidung. 
10. Oktober 1805

Würzburg * Kurfürst Max IV. Joseph gibt einen Aufruf „an sein Volk“ heraus, in dem er sich für sein Bündnis mit Napoleon rechtfertigt. Um den politisch umwälzenden Schritt ins französische Lager darzustellen, muss er eine überzeugende Begründung liefern. Also wird Österreich zum „Erbfeind“ erklärt, der Baierns Unabhängigkeit bedrohte und dessen Truppen plündernd durchs Land zogen, während „Frankreich […] zu allen Zeiten Baierns Unabhängigkeit schützte“.

Das Bündnis scheint damit als die einzige und alternativlose Konsequenz, um Baiern zu retten: „Der Kaiser der Franzosen, Baierns natürlicher Bundesgenosse, eilte mit seinen tapferen Kriegern herbei, um euch zu rächen, […], und bald, bald naht der Tag der Rettung.“ Der Aufruf endete siegesgewiss mit den Worten: „Unsere gute Sache steht unter dem Schutze eines gerechten Gottes und […] unter der eigenen Anführung eines unüberwindlichen Helden.“ 

11. Oktober 1805

München * Als General Kienmayer von der erfolgreichen Donauüberquerung der Franzosen bei Günzburg erfährt, befiehlt er noch am Abend den allgemeinen Aufbruch. 

12. Oktober 1805

München * Baierische Truppenkontingente unter der Führung des französischen Generals Bernadotte können München nahezu kampflos einnehmen. Die baierische Haupt- und Residenzstadt ist damit von allen Besatzungssoldaten befreit.

Nur wenige Stunden später treffen die ersten französischen Kavalleristen in München ein, um sofort die Verfolgung der Österreicher aufzunehmen. 

14. Oktober 1805

Elchingen * In der Schlacht bei Elchingen kommt es zu einem weiteren Gefecht zwischen österreichischen und französisch-baierischen Militärs. 

15. Oktober 1805

Spielberg - Michelsberg - Ulm * Gefechte bei Spielberg und Michelsberg zwischen den baierisch-französischen und den österreichischen Truppen. Damit sind die letzten österreichischen Stellungen gefallen und die Stadt Ulm von französischen und baierischen Truppen eingeschlossen. 

Ab 16. Oktober 1805

Ulm * Die Beschießung von Ulm durch baierisch-französische Truppen beginnt. Ulm wird von den Österreichern verteidigt und will nicht kapitulieren. 

20. Oktober 1805

Ulm * Mit der Kapitulation von Ulm muss die eingeschlossene österreichische Deutschlandarmee kapitulieren. Baiern ist damit befreit. Napoleon Bonaparte hat damit den ersten wichtigen Sieg des Dritten Koalitionskrieges errungen.

Auch Baiern hat eine wichtige Schlacht geschlagen. Denn als Kaiser Franz II. vom baierisch-französischen Bündnis erfahren hat, lässt er sich zu der Äußerung hinreißen: „Ich werde Baiern nicht nehmen, ich werde es verschlingen.“ 

24. Oktober 1805

München * Nach einem kurzen Aufenthalt in München rückt Napoleon Bonaparte mit seiner Grande Armée nach Osten vor. 

24. Oktober 1805

München * Napoleon zieht triumphal durch das Karlstor in München ein. Kurfürst Max IV. Joseph befindet sich noch in seinem Exil in Würzburg. Die Kurpfalzbaierische Staats-Zeitung von München berichtet am 25. Oktober 1805: „Endlich hatten wir gestern das sehnlich erwartete Vergnügen, Se. Majestät Napoleon Kaiser in Frankreich und König in Italien hier eintreffen zu sehen.

Se. Majestät kamen von Augsburg, fuhren in einem 6-spännigen Reisewagen, welchen der Herr Reichs-Marschall Bernadotte, nebst noch einigen H.H. Reichsmarschallen zu Pferde begleitete, unter dem Donner der Kanonen, und dem Zusammengeläute aller Glocken durch die Neuhauser-Kaufinger- über den Platz durch die Diener- in die Residenz-Gasse heran, und stiegen […] in der kurfürstl. Residenz ab.

Die ganze Stadt war zur Tageshelle beleuchtet, und die Mittags zuvor angekommenen kaiserl. königl. Garde-Regimenter hatten sich durch die ganze Einzugsstrecke à la haie aufgestellt. Es war ½ 8 Uhr Abends, und die Menge des hier befindlichen, zum Theile noch mit der Einquartierung beschäftigten Militärs nebst dem zusammenströmenden Volke zeigte das Bild eines durch Ströme aufgetriebenen Meeres, das sich schwer und langsam dahinwälzt.“ 

25. Oktober 1805

München * Die Kurpfalzbaierische Staats-Zeitung von München berichtet vom Einzug Napoleons:

„Endlich hatten wir gestern das sehnlich erwartete Vergnügen, Se. Majestät Napoleon Kaiser in Frankreich und König in Italien hier eintreffen zu sehen. Se. Majestät kamen von Augsburg, fuhren in einem 6-spännigen Reisewagen, welchen der Herr Reichs-Marschall Bernadotte, nebst noch einigen H.H. Reichsmarschallen zu Pferde begleitete, unter dem Donner der Kanonen, und dem Zusammengeläute aller Glocken durch die Neuhauser-Kaufinger- über den Platz durch die Diener- in die Residenz-Gasse heran, und stiegen […] in der kurfürstl. Residenz ab.

Die ganze Stadt war zur Tageshelle beleuchtet, und die Mittags zuvor angekommenen kaiserl. königl. Garde-Regimenter hatten sich durch die ganze Einzugsstrecke à la haie aufgestellt. Es war ½ 8 Uhr Abends, und die Menge des hier befindlichen, zum Theile noch mit der Einquartierung beschäftigten Militärs nebst dem zusammenströmenden Volke zeigte das Bild eines durch Ströme aufgetriebenen Meeres, das sich schwer und langsam dahinwälzt“

26. Oktober 1805

Inn * Napoleon Bonaparte überquert mit seiner Grande Armée den Inn. 

28. Oktober 1805

Braunau * Napoleon Bonaparte nimmt mit seiner Grande Armée Braunau ein. 

29. Oktober 1805

Würzburg - München * Der baierische Kurfürst Max IV. Joseph trifft aus Würzburg kommend in München ein und muss sich für seine Verzögerung beim französischen Kaiser entschuldigen.

29. Oktober 1805

Salzburg - Kufstein * Die baierischen Truppen unter der Führung von General Bernhard Erasmus von Deroy nehmen Salzburg ein und dringen über Reichenhall und Lofer nach Kufstein vor.

5. November 1805

Scharnitz - Innsbruck * Französische Truppen erobern die Festung Scharnitz und Innsbruck.

8. November 1805

Linz * Im Vertrag von Linz sichert Napoleon Bonaparte Baiern neben Gebietserweiterungen erstmals die volle Souveränität zu. 

8. November 1805

Linz * Baierns Kurfürst Max IV. Joseph gibt - im Beisein des Kurprinzen Ludwig - Napoleon Bonaparte in Linz die mündliche Zusage für die Hochzeit zwischen der baierischen Prinzessin Auguste Amalie mit dem Stiefsohn Napoleons, Eugène Beauharnais. 

10. November 1805

Kufstein * Die baierischen Truppen nehmen die Festung Kufstein ein.

13. November 1805

Wien * Napoleon erreicht mit seinen Soldaten Wien und nimmt die Stadt kampflos ein. 

24. November 1805

München * Die kurfürstliche Familie trifft wieder in München ein. 

29. November 1805

Tirol * Baierische Truppen übernehmen die Besetzung Tirols.

2. Dezember 1805

Austerlitz * Bei Austerlitz kommt es zur sogenannten Dreikaiserschlacht, an der der französische Kaiser Napoleon Bonaparte, Zar Alexander I. von Russland und der deutsch-römisch-österreichische Kaiser Franz II. persönlich auf dem Schlachtfeld anwesend sind.

Napoleon Bonaparte besiegt unter Mitwirkung baierischer Truppen die die österreichisch-russische Koalition entscheidend und erringt damit den glänzendsten Sieg seiner Laufbahn. Der Sieg der Dreikaiserschlacht von Austerlitz beendet den Dritten Koalitionskrieg. 

3. Dezember 1805

Tirol * Der baierische General Siebenbein zieht in Tirol ein.

4. Dezember 1805

Znaim * Der Waffenstillstand von Znaim wird geschlossen.

5. Dezember 1805

München * Frankreichs Kaiserin Joséphine trifft mit großem Gefolge in München ein. Sie bezieht die Steinzimmer der Residenz und bemüht sich im Interesse der Bündnispolitik Frankreichs erfolgreich um die Sympathien des kurfürstlichen Hofes und der Bevölkerung der Landeshauptstadt.

Die kaiserliche Gefolgschaft erregt gerade aufgrund ihrer prächtigen Ausstattung großes Aufsehen. Wegen des ungünstigen Münchner Wetters erkranken in den darauf folgenden Tagen viele der kaiserliche Hofdamen. 

10. Dezember 1805

Brünn * Im französisch-baierischen Vertrag von Brünn belohnt der Franzosenkaiser Baiern für seine Waffenhilfe und sichert ihm erneut zu, dass er im bevorstehenden Friedensvertrag mit Österreich Kaiser Franz II.

  • die Abtretung Vorarlbergs, der Gebiete in Schwaben und der Reste von Eichstätt und Passau zugunsten Baierns auferlegen will.
  • Außerdem soll der Kaiser in Wien auf jegliche Oberhoheit über den Kurfürsten von Baiern, der den Königstitel annehmen wird, verzichten.
  • Zudem sichert der französische Kaiser im Vertrag von Brünn Baiern die erbliche Königswürde zu.

Bereits im Vertrag von Bogenhausen hatte sich Napoleon Bonaparte verpflichtet, im Falle eine siegreichen Kriegsausgangs für eine weitere Vergrößerung Baierns einzutreten. 

14. Dezember 1805

Tirol - Wien * Die Ständische Aktivität bittet den österreichischen Regenten um den weiteren Verbleib Tirols beim Kaiserhaus.

19. Dezember 1805

Paris * In einem Tagesbefehl erklärt Napoleon Bonaparte Baiern, Baden und Württemberg zu souveränen Staaten. 

20. Dezember 1805

München * Karoline Murat, die Schwester Napoleons, kommt in München an. 

21. Dezember 1805

München - Augsburg * Das Kurfürstentum Baiern übernimmt die Freie Reichsstadt Augsburg.

26. Dezember 1805

Bratislava * Österreich schließt mit Napoleon den Frieden von Preßburg, in dem es die im Vertrag von Brünn vom 10. Dezember 1805 festgesetzten Bestimmungen anerkennt. Der Friedensvertrag von Pressburg beendet den Dritten Koalitionskrieg.

Das hat zur Folge, dass Baiern die Markgrafschaft Burgau im heutigen Bayerisch-Schwaben, die Reste der Hochstifte Eichstätt und Passau, die freien Reichsstädte Augsburg und Lindau zugesprochen bekommt.

Österreich muss die Rangerhöhung des baierischen Kurfürsten zum König und Gebietsabtretungen akzeptieren. 


1806

1. Januar 1806

Königreich Baiern - München-Graggenau * Das Kurfürstentum Baiern wird von Napoleon Bonaparte zum Königreich erhoben. Aus Kurfürst Max IV. Joseph wird König Max I. Joseph. Die Rangerhöhung Baierns wird extrem emotionslos vollzogen. Der nur wenige Minuten dauernde Akt der Königserhebung findet um 10 Uhr, in den Appartements der Kurfürstin Karoline in der Münchner Residenz statt.

Obwohl Napoleon Bonaparte am Abend des Vortages in München eingetroffen ist, nimmt er nicht an der Zeremonie teil. Auch der leitende Minister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas ist aus uns nicht bekannten Gründen abwesend.

  • Anwesend sind neben dem König und dem Kronprinzen Ludwig
  • der Minister für geistliche Angelegenheiten, Heinrich Theodor Graf Topor Morawitzky,
  • der Justizminister Johann Friedrich Freiherr von Hertling und
  • Abbé Pierre de Salabert.

Dazu kommen die Chefs der Königlichen Hofämter,

  • der Obersthofmeister Clemens Anton Graf von Toerring-Seefeld,
  • der Oberstkämmerer Maximilian Emanuel Freiherr von Rechberg und Rothenlöwen,
  • der Oberstmarschall Ludwig Joseph Freiherr von Gohren und schließlich
  • der Oberststallmeister Carl Ludwig Freiherr von Kesling.

Dieser Männerrunde erklärt Max Joseph, er habe sich „durch die vielen Beweise von Treue und Anhänglichkeit der Baiern an ihren Fürsten und Vaterland bewogen befunden, Baierns Unabhängigkeit zu begründen, indem Allerhöchst Sie in dem gegenwärtigen Zeitpunkt, wo es durch die Vorsehung Gottes dahin gediehen, dass das Ansehen und die Würde des Herrschers in Baiern seinen alten Glanz und vorige Höhe zur Wohlfahrt des Volkes und zum Flore des Landes wieder erreicht, den dem Regenten Baierns angestammten Titel eines Königs von Baiern anzunehmen und öffentlich proklamieren zu lassen“.

Er fügt noch hinzu, dass künftig alle direkten Abkömmlinge den Titel Königliche Hoheit führen werden. Daraufhin bringen die Anwesenden ihre Glückwünsche und Huldigungen zum Ausdruck. 

1. Januar 1806

München * Am Nachmittag des Neujahrtages wird zur Feier der neuen Königswürde mit 200 Kanonenschüssen und dem Geläute sämtlicher Münchner Kirchenglocken die Öffentlichkeit auf das Ereignis aufmerksam gemacht.

Eine für den Abend vorgesehene Illumination der Stadt fällt sehr spärlich aus, weil die Zeit für die Vorbereitung zu kurz war. Andererseits verspüren die Münchner angesichts der zu erwartenden Einquartierungen französischer Soldaten wenig Lust zum Feiern. 

1. Januar 1806

München-Graggenau * Am Abend des Krönungstages besuchen Napoleon und seine Gemahlin Joséphine gemeinsam mit dem frischgebackenen Königspaar ein Hofkonzert. Weitere Feierlichkeiten unter Anwesenheit des französischen Kaiserpaares folgen in den nächsten Tagen. 

1. Januar 1806

München-Graggenau * Was fehlt, sind die Kroninsignien und natürlich die feierliche Krönung mit kirchlicher Salbung des Königpaares. Napoleon hätte gerne eine Krönung gesehen, die aber in München nicht gewollt ist. Begründet wird dies damit, dass im immer noch bestehenden Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation derartige Königskrönungen unbekannt sind.

Da aber Baiern, Württemberg, Baden und Frankreich bestrebt sind, die Bestimmungen des Friedens von Preßburg vom 26. Dezember 1805 schnellstmöglich umzusetzen und damit unumkehrbar zu machen, fehlt für eine Krönung sowohl in München als auch in Stuttgart die dazu notwendige Vorbereitungszeit. So findet lediglich die Proklamation der neu entstandenen Königreiche Baiern und Württemberg zeitgleich statt.

Freilich gibt es noch andere Gründe, die gegen eine Krönung sprechen, aber nicht laut ausgesprochen werden:

  • Die Wittelsbacher wollen den Anschein vermeiden, die Königswürde sei dem militärischen Erfolg und dem Willen Napoleon Bonapartes zu verdanken.
  • Dieser hat eine Rangerhöhung der süddeutschen Staaten nur deshalb angestrebt, um zuverlässige Bündnispartner gegen Österreich zu gewinnen und dessen Machteinfluss zu beschränken.
  • Damit ist Napoleon auch dem Ziel, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zu zerschlagen und zu beerben, ein Stück näher gekommen.
  • Und wenn man schon die baierische Unabhängigkeit und Souveränität als eine von Frankreich und Napoleon unabhängige legitimiert gewusst haben will, scheint eine Krönungszeremonie - noch dazu in Anwesenheit des französischen Kaisers - für absolut unakzeptabel.

Im Königlich-Baierischen Regierungsblatt vom 1. Januar 1806 wird deshalb angemerkt: „Unsere feyerliche Krönung und Salbung haben Wir auf eine günstigere Jahreszeit vorbehalten, welche Wir in Zeiten öffentlich bekannt machen werden.“ Geplant ist die Krönungszeremonie für Oktober 1806. 

1. Januar 1806

München - Paris * Der Preis für das Bündnis zwischen Baiern und Frankreich sowie die Erhebung in die Königswürde ist die Verehelichung der baierischen Prinzessin Auguste Amalie mit dem Stiefsohn Napoleons, Eugène Beauharnais. Mit der Münchner Hochzeit will sich Napoleon den Eintritt in eines der ältesten europäischen Adelshäuser ermöglichen.

Die mündliche Zusage für die Eheschließung hat Kurfürst Max IV. Joseph - im Beisein des Kurprinzen Ludwig - Napoleon Bonaparte bereits am 8. November 1805 in Linz gegeben.

Er hat dies dann aber mehrfach vor seiner Ehefrau vertuscht und abgestritten, da man den baierischen Kurfürsten eindringlich darüber aufgeklärt hat, dass eine Weigerung zum Verlust Baierns zugunsten eines „Napoleoniden“ führen würde. Die Auffassung vertrat sowohl Freiherr Maximilian Joseph von Montgelas, als auch der Gesandte im Hauptquartier Napoleons, Karl Ernst Freiherr von Gravenreuth.

Die Situation scheint aussichtslos. Kurfürstin Karoline, mit ihrer antifranzösischen Haltung, Prinzessin Auguste Amalie und Kurprinz Ludwig hoffen noch immer, dass sich die Heirat abwenden lassen würde. Das auch schon deshalb, weil sich Auguste Amalie mit dem Erbprinz Karl von Baden verlobt glaubt. 

1. Januar 1806

München-Graggenau * Der Brautvater, König Max I. Joseph, hat zwei Forderungen:

  • Erstens soll der Ort der Trauung zwischen der baierischen Prinzessin Auguste Amalie mit dem Stiefsohn Napoleons, Eugène Beauharnais, soll München und nicht Paris sein.
  • Zum Zweiten soll sein zukünftiger Schwiegersohn die Königskrone von Italien erhalten.

Mit der Verhandlung wird Minister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas beauftragt, der München als Ort der Eheschließung durchsetzen kann, allerdings an der Erhebung Eugénes zum König Italiens scheitert. Immerhin bleibt er aber Vizekönig. 

Um den 1. Januar 1806

München * Eugène Beauharnais wird selbst von Napoleon mit den knappen Worten „Ich bin in München angekommen, ich habe Ihre Heirat mit Prinzessin Auguste abgemacht; sie ist veröffentlicht worden“ über seine Rolle in diesem Spiel informiert. Damit er weiß, wie seine Künftige aussieht, ist dem Schreiben eine Tasse mit dem Porträt der Prinzessin beigefügt. In seiner Antwort führt Eugène aus, er werde alles tun, um das Vorbild glücklich zu machen. 

1. Januar 1806

München * Die Erhebung Baierns zum Königreich ist alleine schon Grund genug, weshalb München nun einen Königsplatz, eine Königsstraße, eine Königinstraße und sogar einen Platz und eine Straße für den Kronprinzen Ludwig I. braucht. 

1. Januar 1806

München * Der Landesherold Joseph von Stürzer verliest an verschiedenen Orten der Stadt die Proklamation des Königreichs Baiern und bringt ein Hoch auf König Max I. Joseph aus. Eskortiert wird er von dreißig berittenen Angehörigen der Bürgerwehr. 

1. Januar 1806

Königreich Baiern * Das Königreich Baiern erhält sein erstes Wappen, das radikal mit der heraldischen Tradition bricht. Vor 42 baierischen Rauten steht das Herzschild als Zeichen der Kurwürde, die ja bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation am 6. August 1806 weiterbesteht. 

1. Januar 1806

Wien - Berlin * Baiern ist ein Königreich. Österreicher und Preußen sprechen, ebenso wie die deutsch-nationalen Patrioten, von einem Königtum von Napoléons Gnaden. Dabei nimmt der baierische Kurfürst lediglich die gleichen Rechte in Anspruch, wie zuvor der Hohenzoller für Preußen und der Habsburger für Böhmen und Ungarn. 

2. Januar 1806

München * Ein ursprünglich für den Neujahrstag geplantes Militärspektakel muss wegen der Königsproklamation auf den 2. Januar verlegt werden.

Dabei werden Kanonen, Gewehre und Fahnen präsentiert, die einst von kaiserlichen Soldaten als Trophäen nach Wien gebracht und nun von Napoleon als Zeichen der Verbindung von Frankreich und Baiern sowie der gemeinsamen Abgrenzung gegenüber Österreich im Triumph zurückgeführt worden waren. 

3. Januar 1806

München-Angerviertel * Münchens erste Ziviltrauung wird im Kleinen Rathaus geschlossen, als sich der Stabsarzt Dr. Anderl und die Buchhalterstochter Caroline Leutner ihr Ja-Wort geben. Im Kleinen Rathaus befindet sich das erste und lange Zeit einzige Münchner Standesamt. 

10. Januar 1806

München * Drei Tage vor der Hochzeit, kommt der 23-jährige Bräutigam Eugène Beauharnais in München an. Seine 17-jährige Braut Auguste Amalie hatte „einen unkultivierten Protegé“ des französischen Kaisers erwartet. Doch nun erlebt sie zu ihrer Überraschung einen „liebenswürdigen Edelmann“

12. Januar 1806

München * Um die für das Haus Wittelsbach nicht eben sehr ehrenvolle Eheverbindung etwas attraktiver zu machen, wird Eugène Beauharnais am 12. Januar 1806, am Tag vor der Eheschließung, vom französischen Kaiser adoptiert und erhält das Versprechen der Thronfolge in Italien, falls Napoleon keine Nachkommen haben sollte. 

13. Januar 1806

München-Graggenau * In der Grünen Galerie der Münchner Residenz findet die nach französischem Recht geforderte Ziviltrauung der Brautleute Eugène Beauharnais und Auguste Amalie, der ältesten Tochter des baierischen Königs, statt.

Karoline Murat, die Schwester Napoleons, bleibt, obwohl sie sich ja schon seit dem 20. Dezember in der Münchner Residenz aufhält, demonstrativ der Eheschließung fern. Sie gönnt der Familie Beauharnais die Verbindung mit dem Hause Wittelsbach nicht. 

13. Januar 1806

München * Die Baiern betrachten die Ehe zwischen Auguste Amalie und Eugène Beauharnais schon aufgrund des fehlenden kirchlichen Segens lediglich als Verlobung. 

14. Januar 1806

München-Graggenau * Erst als die kirchliche Trauung in der Hofkirche folgt, sind die Brautleute Auguste Amalie und Eugène Beauharnais aus baierischer Sicht „richtig“ verheiratet. Der Erzbischof von Regensburg, Karl Theodor von Dahlberg, übernimmt die Trauungszeremonie. Am Abend läuten wieder alle Glocken und Kanonenböller werden vor den Toren der Stadt gezündet. Auch die Straßen Münchens sind erneut illuminiert. 

14. Januar 1806

München - Tirol * Ein Schreiben Königs Max I. Joseph an die Tiroler Landstände sichert ihnen die Beibehaltung der Landesverfassung zu. Diese Zusicherung ist den Tiroler Deputierten bereits bei ihren Audienzen in München schriftlich gegeben worden. Im Besitzergreifungspatent vom 22. Januar wird sich allerdings kein Hinweis auf die Tiroler Landesverfassung und andere Sonderrechte finden lassen. 

15. Januar 1806

München * In den ab dem 15. Januar 1806 versandten formellen Benachrichtigungen an die Fürsten im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in allen anderen baierischen Verlautbarungen zur Annahme der Königswürde werden Bezüge zu Napoleon und Frankreich für die Rangerhöhung ausdrücklich vermieden. Stattdessen knüpft Max I. Joseph an die Königswürde der Agilolfinger an, die er mit der Königskrönung ja bloß wiederherstelle.

22. Januar 1806

Tirol * Das Königreich Baiern übernimmt die ehemals gefürstete Grafschaft Tirol. 

  • Im Besitzergreifungspatent findet sich kein Hinweis mehr auf die gegebenen Zusagen zur Beibehaltung der Tiroler Landesverfassung und andere Sonderrechte.
  • Dagegen wird die Gleichbehandlung aller Untertanen im Königreich hervorgehoben.
22. Januar 1806

Schönbrunn * Im Vertrag von Schönbrunn erhält das Königreich Baiern weitere Gebietserweiterungen:

  • Als Ersatz für das Herzogtum Berg erhält Baiern das Markgrafentum Ansbach,
  • dazu sieben Herrschaften in Vorarlberg,
  • die Grafschaften Hohenems und Königsegg-Rothenfels,
  • die Herrschaften Tettnang und Argen am Bodensee sowie
  • die ehemals gefürstete Grafschaft Tirol, die Baiern samt Trient und Brixen bekommt.
  • Dafür müssen sie allerdings auf Würzburg verzichteten. 
Um den März 1806

München * Madame Ernestine Rupertina Walburga von Montgelas vergleicht die in Baiern stationierten Truppen - gegenüber dem französischen Außenminister Talleyrand - mit „Blutegeln“

Sie schreibt:
„Hat man, seit die Welt besteht, je so gefräßige Verbündete gesehen wie euch, die ihr euch zu einem Aufenthalt ohne Ende niedergelassen habt, ohne eine Miene zu machen zu zahlen?  
Aber wißt, daß man um diesen Preis auch Feinde dahaben könnte, und dann hätte man wenigstens das Vergnügen, den einen oder anderen oder allesamt umzubringen“

16. April 1806

Innsbruck - Tirol * Der österreichische General Chasteler trifft in Innsbruck ein, hat aber nichts mehr zu „befreien“.

Mai 1806

München - Paris * Da man für die Königskrönung die entsprechenden Insigien braucht, wird der Pariser Juwelier Borgnis mit der Anfertigung der beiden Kronen, des Szepters, des Reichsapfels und des Reichsschwerts beauftragt. 

5. Juli 1806

München * Kabinettsprediger Ludwig Friedrich Schmidt kann die Protestantische Stadtpfarrei München einrichten. 

7. Juli 1806

München * Die Tortur wird im Königreich Baiern abgeschafft. 

12. Juli 1806

München * Der Rheinbund als Konföderation von zunächst 16 Staaten wird als Militärbündnis gegründet. Die Unterzeichner verpflichten sich zum gegenseitigen Beistand im Kriegsfall. Baiern muss mit 30.000 Mann das stärkste Kontingent stellen.

Mit dem Beitritt zum pro-französischen Rheinbund verlässt das Königreich Baiern endgültig und offiziell das Heilige Römische Reich Deutscher Nation.

Im Gegenzug erhalten die Bundesgenossen enorme territoriale Zuwächse. Das junge Königreich Baiern erhält die Reichsstadt Nürnberg und deren Territorien, darüber hinaus die bislang reichsunmittelbaren Herrschaften der Fürsten Hohenlohe, Öttingen, Fugger, Thurn und Taxis, der Grafen von Vastell, Pappenheim, Stadion und Schönborn sowie fränkische und schwäbische Reichsrittergüter.

1. August 1806

Regensburg * Auf dem Reichstag in Regensburg erklären alle Rheinbundstaaten den Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation

6. August 1806

Wien * Franz II. muss als deutsch-römischer Kaiser abdanken und das durch die Geschehnisse der zurückliegenden Jahre geschwächte sowie durch den Austritt der Rheinbundstaaten zerbrochene Heilige Römische Reich Deutscher Nation auflösen. 

20. November 1806

Bozen * Bozen befindet sich in französischer Hand.

21. November 1806

München * Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas übernimmt zusätzlich das Innenministerium. Er wird das Amt bis 1817 ausüben. Das Ministerium der Finanzen, das Montgelas seit 1803 ausübt, geht an Johann Wilhelm Freiherr von Hompesch über. 

11. Dezember 1806

München-Graggenau - München-Kreuzviertel * Nachdem die Hofkapelle in der Residenz für die inzwischen über 1.200 evangelischen Gemeindemitglieder zu klein geworden ist, übergibt König Max I. Joseph den Protestanten die Salvatorkirche.Da dieses Gotteshaus von Anfang an zu klein ist, wird es jedoch nie als evangelische Kirche benutzt. 


1807

2. März 1807

Paris - München * Die in Paris angefertigten Kroninsignien treffen in München ein und werden in der Schatzkammer deponiert. Eine Königskrönung findet jedoch nie statt. Die baierischen Kroninsignien dienen ausschließlich dem Staatszeremoniell und werden bei der Eröffnung der Ständeversammlung dem König als Staatssymbol vorangetragen. 

7. März 1807

München * Franz von Pocci wird in München geboren. 

3. April 1807<p><strong><em>München</em></strong> * Das <em>„Mandat über die Uniformierung und Organisation des bürgerlichen Militärs in den Städten, Flecken und Märkten des Königreichs“</em> wird erlassen.&nbsp;Es bildet eine allgemein verbindliche Rechtsgrundlage für den Wach- und Sicherheitsdienst des Bürgermilitärs, denn bisher hatten die Bürger diese Aufgabe ja freiwillig erfüllt.&nbsp;</p> <p>Wichtigster Punkt für den Staat ist die neue allgemeine Musterungspflicht aller Bürger zum Bürgermilitär.&nbsp;Untaugliche müssen eine Wehrersatzgebühr&nbsp;bezahlen.&nbsp;Als Gegenleistung gesteht der Staat den Offiziers- und Unteroffizierskorps&nbsp;der einzelnen Waffengattungen des Bürgermilitärs&nbsp;ihre Ergänzung und Beförderung zu höheren Chargen zu.</p> <ul> <li>Über die Aufgabe des <em>Bürgermilitärs</em>&nbsp;sagt das <em>Mandat</em>&nbsp;folgendes:&nbsp;<em>„[...] Nie kehrt der Bürger seine Waffen gegen den äusseren Feind.&nbsp;</em></li> <li><em>Seine Bestimmung bleibt ausschliessend, den friedlichen, rechtlichen Einwohner zu beschützen, und die Wirkungen des Gesetzes gegen polizeiliche Vergehungen und das Verbrechen zu unterstützen.&nbsp;</em></li> <li><em><em>Er übernimmt demnach bei dem Abzuge der Feldregimenter aus den Garnisonen den Dienst daselbst, besorgt denselben in jenen Städten, wo keine gewöhnliche Garnison liegt, für beständig, um durch auszusendende Sicherheits-Patrouillen die Umgebungen vor allem, der öffentlichen Ruhe und Sicherheit gefährlichen Gesindel rein zu halten.“</em></em></li> </ul> <p>Das unmittelbare Kommando über das lokale Bürgermilitär&nbsp;hat der jeweils ranghöchste beziehungsweise rangälteste Bürgeroffizier.&nbsp;Dieser untersteht wiederum in einer Garnisonsstadt&nbsp;der militärischen Stadtkommandantschaft, ansonsten dem zivilen Landrichter&nbsp;oder Polizeidirektor.</p> <p>Der Vorschlag für ein Pferderennen&nbsp;aus Anlass der Kronprinzenhochzeit&nbsp;(1810) kommt aus den Reihen der Königlich-Baierischen Nationalgarde III. Klasse.&nbsp;Diese entwickelte&nbsp;sich aus dem Städtischen Wehrwesen.&nbsp;</p> <p>Dieses Münchner Bürgermilitär&nbsp;gehört nicht im eigentlichen Sinne zur Münchner Garnison.&nbsp;Die traditionelle Abgrenzung von Armee&nbsp;und Bürgertum&nbsp;beziehungsweise von Garnison&nbsp;und Bürgerwehr&nbsp;bleibt bis weit ins 19. Jahrhundert bestehen.</p>
26. August 1807

München * Das Königreich Baiern führt als erstes Land der Welt die Pockenschutzimpfung ein. 

Ende November 1807

München - Mailand - Paris * „Minister“ Maximilian Joseph von Montgelas wird von Napoleon bei einem Treffen in Mailand aufgefordert, einen Entwurf für ein „Fundamentalstatut für den Rheinbund“ auszuarbeiten.  

Vorgegeben sind die wichtigsten Grundzüge, wie eine Bundesorganisation und die Regelung der Handelsbeziehungen sowie die Einführung des „Code Napoléon“.  

Der von Montgelas ausgearbeitete und in Paris vorgelegte Entwurf beinhaltete nur ein absolutes Mindestmaß an Kompetenzen für den „Rheinbund“, der lediglich als lockerer Bund souveräner Staaten mit gemeinsamen Aufgaben auf militärischem Gebiet konzipiert ist.  

Da Napoléon mit dem baierischen Entwurf nicht besonders einverstanden ist, beauftragt er seinen Außenminister mit einem neuen, wesentlich zentralistischer gestalteten Konzept. 


1808

1808

München-Graggenau * „Madame“ Aloysia Lampert verkauft ihr „Kaffeehaus an der Hofgartenmauer vor der Reitschule“ samt der „realen Kaffeeschenk- und Traiteurgerechtigkeit“ um 13.000 Gulden an Johann Nepomuk Schuster aus Friedberg und an seine künftige Ehefrau Nannette Keil, einer „Kammerdienerin“ der Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine. 

1808<p><strong><em>München-Vorstadt</em></strong> * Die Theatergruppe um Johann Weinmüller erhält eine Konzession für Schau- und Singspiele und eröffnet daraufhin in der Vorstadt seine neue Spielstätte. Ihr Spielplan enthält neben den <em>„Lipperliaden“&nbsp;</em>auch <em>„regelmäßige Stücke“</em>, meist Ritter- und Schauerdramatik. Das waren verbürgerlichte Weiterentwicklungen barocker Stücke.&nbsp;</p>
1808

München-Kreuzviertel * Die Gruft unterhalb der „Karmeliten-Kirche“ wird geräumt.

Das Gebäude wird klassizistisch überarbeitet und dient als „Studienkirche“.

Der Teil des Klosters hin zur heutigen Pacellistraße dient dem „Erzbischöflichen Ordinariat“.

1808

München-Kreuzviertel * Die Bank des Peter Paul Maffei zieht in das „Palais Seinsheim“ am Promenadeplatz. 

Kein Wunder, dass ihn König Max I. Joseph im gleichen Jahr - in Anerkennung seiner Leistungen - adelt und in den erblichen Ritterstand erhebt.

20. Januar 1808

München * Der baierische Staatsrat beschließt die Ausarbeitung einer Konstitution für das Königreich Baiern.  

  • Man will die bereits vorgenommenen und noch geplanten Reformmaßnahmen absichern und den Zusammenhalt von Altbaiern und den neu hinzugekommenen Territorien Schwaben und Franken durch einen einheitlichen staatsrechtlichen Rahmen festigen.  
  • Außerdem soll verhindert werden, dass durch die geplante Verfassung des Rheinbundes die gerade erst errungene Souveränität des neuen Königreichs infrage gestellt wird.

Erleichtert wird dieser separatistische Schritt dadurch, dass die von Napoleon Bonaparte geforderten Reformen nicht im Widerspruch zu den Reformvorschlägen stehen, die Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas im Jahr 1796 im Ansbacher Mémoire formuliert hatte. 

5. Februar 1808

München * Carl Spitzweg wird in München geboren. 

13. Februar 1808<p><strong><em>München</em></strong><em> * </em>Minister&nbsp;Maximilian Joseph von Montgelas legt dem Staatsrat&nbsp;den zum Teil skizzenhaften Entwurf einer Verfassung vor. Noch ist&nbsp;man sich in München nicht sicher, wie schnell Napoleon Bonaparte eine eigene zentralistische <em>„Verfassung für den Rheinbund“</em> durchsetzen wird.&nbsp;&nbsp;&nbsp;<br /> Eile war demzufolge angebracht. &nbsp;</p> <p>Und so kann die <em>„Konstitution des Königreichs Baiern“</em> bereits am 1. Mai 1808 verkündet werden.&nbsp;</p>
22. Februar 1808

Königreich Baiern * Die Armenpflege wird zur Staatsaufgabe, zur „Staatsanstalt der Wohltätigkeit“. Man unterscheidet in „volle Armut“ und „partielle Armut“, womit zugleich der Umfang der Unterstützung festgelegt wird.

Verwaltet wird das Armenwesen von der unteren Polizeibehörde. Finanziert wird das Armenwesen im Bedarfsfall durch eine Armensteuer, die im Kommunalbezirk erhoben wird. Die Gemeindeangehörigen müssen die notwendigen Mittel aufbringen, haben aber bei der Verwendung der Gelder kein Mitspracherecht und damit keine Mitwirkungsrechte. 

8. März 1808

München * München erhält ein neues Stadtwappen. Die neue Verfassung hat die Aufhebung der kommunalen Selbstständigkeit gebracht. Damit wird auch der Mönch aus dem Stadtwappen entfernt. Nun trägt ein Löwe ein Schild mit einem großen „M“, sozusagen als Vorläufer des Münchner Autokennzeichens. Allerdings steht das „M“ im Schild nicht für München, sondern für den Namen des  Königs: „Max I. Joseph“

1. Mai 1808<p><strong><em>München</em></strong> * Die Konstitution des Königreichs Baiern&nbsp;tritt in Kraft. Die erste einheitliche Verfassung des Königreichs Baiern besteht aus 45 Paragraphen, die auf acht Seiten Platz finden. &nbsp;</p> <p>Nach der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation&nbsp;und dem großen Gebietszuwachs, den Baiern erfahren hat, ist es notwendig geworden, das Recht zu vereinheitlichen und die Rechtsgleichheit in den verschiedenen Landesteilen herzustellen. Nur Altbaiern war, bis auf wenige Enklaven, ein geschlossenes Staatsgebiet. Ansonsten gleicht das neue Baiern mit seiner Anhäufung von Besitzungen verschiedener Fürsten, Grafen, Herren und Ritter eher einem Fleckerlteppich.&nbsp;</p> <p>Baiern muss nun zusammenwachsen und nach einheitlichen gesellschaftlichen und verwaltungsrechtlichen Grundsätzen regiert werden. &nbsp;</p> <ul> <li>Damit werden <em>„alle besonderen Verfassungen, Privilegien, Erbämter und Landschaftliche Korporationen der einzelnen Provinzen“</em> aufgehoben. &nbsp;</li> <li>Die Verfassung garantiert die Gleichheit aller vor dem Gesetz und den Steuerbehörden sowie beim Zugang zu den Staatsämtern. &nbsp;</li> <li>Die Rechte des Adels werden darin eingeschränkt und deren bisherigen politischen Vorrechte ausdrücklich abgelehnt. In einer neu eingeführten „Adelsmatrikel“ muss der Adelstitel erst staatlich anerkannt werden. &nbsp;</li> <li>Die Leibeigenschaft&nbsp;wird ersatzlos abgeschafft.</li> <li>Die Sicherheit des Eigentums wird ebenso gewährleistet, wie die Gewissensfreiheit&nbsp;und die Pressefreiheit.&nbsp;Letztere wird allerdings durch Gesetze teilweise wieder eingeschränkt.</li> <li>Das Gesetz sieht ein stehendes Volksheer&nbsp;und eine Bürgermiliz&nbsp;vor.</li> </ul> <p>Mit 21 Jahren muss jeder Staatsbürger&nbsp;vor der Verwaltung seines Kreises&nbsp;einen Eid ablegen, dass er <em>„der Konstitution und den Gesetzen gehorchen - dem König treu sein wolle“</em>. Ohne ausdrückliche Erlaubnis des Monarchen darf kein <em>Staatsbürger</em>&nbsp;auswandern oder ins Ausland reisen.&nbsp;</p> <p>Zum <em>„Königlichen Hause“</em> wird in der Konstitution&nbsp;festgelegt,</p> <ul> <li>dass die Krone erblich ist <em>„in dem Manns-Stamme des regierenden Hauses, nach dem Rechte der Erstgeburt und der agnatisch-linealischen Erbfolge“</em>.</li> <li>Die Prinzessinnen sind für immer von der Regierung ausgeschlossen, so lange noch männliche Nachkommen vorhanden sind.</li> <li>Sämtliche Familienmitglieder des königlichen Hauses stehen unter der Gerichtsbarkeit des Monarchen, und können bei Verlust Ihres Erbfolge-Rechts nur mit dessen Einwilligung zur Ehe schreiten. &nbsp;</li> </ul> <p>Nach den Bestimmungen der Konstitution&nbsp;besteht zur Verwaltung des Königreiches Baiern&nbsp;</p> <ul> <li>das Ministerium&nbsp;aus fünf Departements,&nbsp;dem des Äußeren, der Justiz, der Finanzen, des Inneren&nbsp;und des Kriegswesens. &nbsp;</li> <li>Zudem teilte sie das Königreich in Kreise&nbsp;ein, um so einen einheitlichen Beamten- und Verwaltungsstaat zu schaffen.</li> <li>Auch das Justiz- und Militärwesen werden neu organisiert. &nbsp;</li> </ul> <p>Ein Parlament&nbsp;ist in Form einer National-Repräsentation&nbsp;vorgesehen, kommt aber nicht zustande. &nbsp;<br /> Gleichwohl werden die Vertretungen der einzelnen Teilgebiete des Königreichs mit Inkrafttreten der Verfassung abgeschafft. &nbsp;</p> <ul> <li>Die National-Repräsentanten sollten für die Dauer von sechs Jahren gewählt werden. &nbsp;</li> <li>Dazu sollten in jedem der acht Kreise,von den 200 höchstbesteuerten <em>„Land-Eigenthümern, Kaufleuten und Fabrikanten“</em> von Wahlmännern sieben Mitglieder gewählt werden. Diese 56 Gewählten hätten dann die Reichs-Versammlung&nbsp;gebildet. &nbsp;</li> </ul> <p>Durch die Einführung der Konstitution&nbsp;verhindert Minister Maximilian Joseph von Montgelas, dass der auf Napoléon Bonapartes Drängen geschlossene Rheinbund&nbsp;die Souveränität des Königreichs Baiern&nbsp;zu stark einschränkt.</p>
12. Juli 1808

München - Königreich Baiern * In einer erlassenen Verordnung zur „Beförderung der Heiraten auf dem Lande“ wird die Verehelichung von der „Bewilligung der ordentlichen Polizeiobrigkeit des Ortes“ abhängig gemacht, „wo die Heiratenden mit hinreichender Aussicht auf ihre Nahrung den Wohnsitz nehmen“. Damit wird den Gemeinden auch in Fragen der Verehelichung die Mitwirkung entzogen. 

Zusätzliche Haftungsbestimmungen gegenüber den entscheidenden Beamten schränken die Wirksamkeit der Verordnung stark ein. Sollte sich die Familie doch nicht selbst ernähren können, fällt der Unterhalt der genehmigenden Behörde zur Last.

Wenn Geistliche eine Eheschließung ohne die vorherige staatliche Heiratsbewilligung vornehmen, haften sie „für Schäden und Kosten, welche hieraus irgendeiner Gemeinde zuwachsen“.

Eheschließungen außerhalb Baierns werden für ungültig erachtet und sind strafbar

26. Juli 1808

München-Maxvorstadt * König Max I. Joseph ordnet an, dass „die Aussteckung des botanischen Garten in einer Erweiterung der gegenwärtigen Herzogmax-Wiese ohne ferneren Aufschub vorgenommen werden solle“

30. August 1808

München * Prinzessin Ludovica Wilhelmine, die spätere Herzogin in Bayern und Mutter der österreichischen Kaiserin Elisabeth „Sisi“, wird als Tochter des baierischen Königs Max I. Joseph und dessen zweiter Ehefrau Caroline von Baden in München geboren. 

8. September 1808

München - Königreich Baiern * Mit dem organischen Edikt wird die Fornikationsstrafe, die Bestrafung der einfachen Unzucht, abgeschafft. Dadurch sollen vor allem Abtreibungen und Kindermorde verhindert werden. 

24. September 1808

München - Königreich Baiern * Ein Gemeindeedikt erklärt alle Einwohner einer Gemeinde zu vollberechtigten Gemeindemitglieder, die in der Gemarkung

  • besteuerte Wohnhäuser oder Gründe besitzen oder
  • steuerpflichtige Gewerbe ausüben. 
4. Dezember 1808

Bamberg * Herzog Max in Baiern wird in Bamberg geboren. 

6. Dezember 1808

Stepperg * Aloys (Louis) Nicolaus Graf von Arco-Stepperg wird auf Schloss Stepperg geboren. Seine Mutter ist die Kurfürsten-Witwe Maria Leopoldine, sein Vater Ludwig Joseph Graf von Arco. 

20. Dezember 1808

München * Das Königreich Baiern gibt sich ein neues Wappen. Die 42 baierischen Rauten bleiben. Die Symbole im Herzschild beziehen sich jetzt aber auf die Souveränität des Königreichs und zeigen Zepter, Schwert und Krone auf rotem Grund, der Farbe der Hochgerichtsbarkeit. Dieses Wappen bleibt bis 1835 gültig. 


1809

1809<p><em><strong>München</strong></em> * Johann Weinmüller reicht ein Gesuch für ein Theater in fester Bauweise in der Maxvorstadt ein. Die Münchner Polizeidirektion lässt sich aber nur zu einem Bau vor dem Isartor überreden. Es wird daraufhin eine provisorische hölzerne Hütte errichtet.&nbsp;Das Publikum des Theaters in der Bretterbude besteht zunächst aus Bürgern der unteren Einkommensschichten.&nbsp;</p>
Ende Januar 1809

Wien - Tirol * Erzherzog Johann lädt drei der zu den führenden Köpfen des Widerstands zählenden Tiroler nach Wien.

Darunter ist Andreas Hofer, der „Sandwirt“ aus dem Passeier. In vertraulichen Gesprächen werden Informationen und Meinungen ausgetauscht und konkrete Vereinbarungen getroffen.

Um mögliche rechtlich-moralische Bedenken der Tiroler Bevölkerung im Aufstand gegen die baierische Landesherrschaft auszuräumen, will der Erzherzog gleich bei Kriegsbeginn ein „Besitzergreifungspatent“ unterzeichnen und damit Tirol wieder mit Österreich vereinen.
Damit wären die Tiroler keine baierischen Untertanen mehr, sondern Österreicher.
Und wer dann gegen die Baiern kämpft, wäre kein „Aufständischer“ sondern ein „Freiheitskämpfer“.

In der Folge wird die „Erhebung Tirols“ ins Rollen gebracht.

Es sind viele Gründe zusammengekommen, die den „Aufstand der Tiroler“ gegen die baierische Herrschaft letztlich auslösen. 
Keiner allein hätte ausgereicht:

  • weder die Aufhebung der alten Verfassung noch die Überheblichkeit baierischer Beamter,
  • weder die drückende Steuerlast noch die religionspolitischen Maßnahmen;
  • ja nicht einmal die verhasste Rekrutierung zum baierischen Militär hätte unter anderen Umständen solche verheerende Folgen gezeigt.

Ausschlaggebend war, dass die Tiroler unter Baiern keine Tiroler bleiben durften, sondern zu „Südbaiern“ gemacht wurden.

Februar 1809

Tirol * In Tirol kommt es zu Aufständen gegen die baierischen Landesherren.

„Ungeliebte“ Maßnahmen der Münchner Regierung und ein vielfach landfremdes und unkluges Verhalten der baierischen Beamten provozieren Unmut und Widerstand gerade beim „Vierten Stand“, den Bauern, kleinen Handwerkern und Tagelöhnern.

Durch die Kriegsverhältnisse gelingt es nicht, in Tirol eine gewisse Zufriedenheit mit der baierischen Präsenz zu erzeugen.

12. März 1809

Innsbruck * Die baierischen Behörden wollen in Axams bei Innsbruck erstmals in Tirol Rekruten „ausheben“. Weil sich die betroffenen Burschen in den Wäldern verstecken, schwärmen Patrouillen aus, um die Entlaufenen festzunehmen.

Als eine baierische Patrouille zwei bewaffnete junge Männer festnehmen will, werden sie in die Flucht geschlagen. Daraufhin wird das Militär in Alarmbereitschaft gesetzt. Jetzt greifen die Bauern zu den Waffen, nehmen baierische Soldaten gefangen, entwaffnen sie und schicken sie nach Innsbruck zurück.

24. März 1809

München-Kreuzviertel * Das Edikt über die äußeren Rechtsverhältnisse des Königreiches Baiern in Bezug auf Religion und kirchliche Gesellschaften bestätigt die Religionsfreiheit und verankert die Gleichbehandlung der Konfessionen. 

9. April 1809

Österreich - Königreich Baiern * Mit dem Einmarsch der österreichischen Truppen in Baiern beginnt der Krieg Österreichs gegen Frankreich. 

9. April 1809<p><strong><em>Wien</em></strong> * Erzherzog Johann erklärt Frankreich und seinen Verbündeten den Krieg.&nbsp;Gemeinsam mit dem österreichischen General Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles und 10.000 Mann der <em>„Italienarmee“</em> rücken sie in Tirol ein.</p>
10. April 1809

Tirol * Die Nachricht vom Kriegsbeginn und der Vormarsch der österreichischen Truppen verbreitet sich in ganz Tirol wie ein Lauffeuer.
Auf Flugzetteln, die selbst in den hintersten Tälern kursieren, wird die Bevölkerung zu den Waffen gerufen.

Eine starke baierische Einheit greift das Dorf Axams zur Strafexpedition an.
Die Baiern stoßen dabei auf bewaffneten Widerstand.
Es fallen Schüsse, in denen der erste baierische Soldat stirbt.

Erzherzog Karl überschreitet in der Zwischenzeit mit der Hauptmacht der österreichischen Armee den Inn und marschiert in Richtung München.

12. April 1809<p><strong><em>Innsbruck</em></strong> * In und um Innsbruck toben heftige Kämpfe.</p> <ul> <li>Um 5 Uhr früh greifen 6.000 Bauern die baierischen Soldaten an.&nbsp;Innsbruck wird von den Tiroler <em>„Aufständischen“</em> erobert.&nbsp;Die baierischen Truppen werden gefangen genommen.&nbsp;</li> <li>Um 10 Uhr ist der Kampf beendet.&nbsp;Danach beginnen in der ganzen Stadt Plünderungen, die auch Judenfamilien einschließen, die kurz zuvor Kirchensilber ersteigert haben. Die Volkswut tobt.</li> </ul>
13. April 1809<p><strong><em>Innsbruck - Tirol</em></strong> * Der französische General Bisson rückt mit 2.000 Mann auf Innsbruck vor.&nbsp;Er kapituliert ohne Kampfhandlung.&nbsp;Damit haben die Tiroler <em>„Aufständischen“</em> die französisch-baierische Armee ohne österreichische Unterstützung geschlagen.&nbsp;Diese Tat geht als <em>„Erste Befreiung Tirols“</em> in die Geschichte ein.</p>
14. April 1809<p><strong><em>Kufstein</em></strong> *&nbsp;Die von den Baiern gehaltene Festung Kufstein&nbsp;wird belagert.&nbsp;Mehrere Aufforderungen zur Übergabe lehnt Major von Aicher ab.</p>
18. April 1809

Tirol * Im „Schärdinger Manifest“ wird von Kaiser Franz I. die Vertreibung der Baiern und Franzosen aus Tirol sanktioniert.

21. April 1809

Tirol * Nachdem es in Innsbruck nichts mehr zu tun gibt, bricht der in Lothringen geborene österreichische General Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles mit seinen Truppen nach Trient auf, um dort die Franzosen zu vertreiben.

22. April 1809

Eggmühl * Südlich von Eggmühl gewinnt Napoléon Bonaparte die entscheidende Schlacht gegen die Österreicher.

23. April 1809

Trient - Tirol * Der österreichische General Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles kann Trient besetzen. 

Die Franzosen müssen daraufhin abziehen.

24. April 1809

Tirol - Kufstein * Mit Ausnahme der Festung Kufstein wird Tirol von den Aufständischen erobert.

29. April 1809

Salzburg * Französische und baierische Truppen unter Marschall François Joseph Lefébvre besetzen Salzburg, die Stadt und das Land. 

Es folgen weitere Kämpfe, in deren Folge die Verbündeten das Salzburger Gebirgsland drei Mal erobern müssen. 

Anfang Mai 1809

München - Wien - Tirol * Napoleon Bonaparte kann die anfangs durchaus erfolgreichen Österreicher aus Baiern herausdrängen und nach Wien vorrücken.

Gleichzeitig befiehlt er seinem Marschall Pierre François Joseph Lefèbvre mit zwei baierischen Divisionen unter den Generälen Philipp von Wrede und Bernhard Erasmus Graf von Deroy Tirol wieder zu unterwerfen.

Anfang Mai 1809

Tirol - Königreich Baiern * Auf Befehl von General Chasteler und unter der Führung eines Freiherrn von Taxis unternehmen rund 800 Tiroler „Beutezüge“ nach Baiern, um dort nach Belieben zu Brennen und zu plündern.
Schongau, Oberndorf, Kaufbeuren und Kempten werden überfallen. 

Die Stimmung gegen Baiern wird durch das österreichische Militär mit einigen Propagandalügen noch aufgeheizt.

Der in Diensten Österreichs stehende Martin Teimer reist durch Tirol und erklärt, dass die Baiern beabsichtigen, in allen Orten die Kirchen zu schließen bis auf eine, alle Beichtstühle zu verbrennen bis auf einen, alle Altäre abzutragen bis auf einen und alle Kelche zu konfiszieren bis auf einen. 

1. Mai 1809

Salzburg * Salzburg wird im Namen Napoleon Bonapartes verwaltet. 

Der französische Marschall François Joseph Lefébvre bezieht die Residenz.
Kronprinz Ludwig I. von Baiern bewohnt das „Schloss Mirabell“

11. Mai 1809

Rosenheim - Kiefersfelden * General Bernhard Erasmus von Deroy rückt von Rosenheim ab und wirft dabei die Tiroler Besatzer aus Kiefersfelden.

11. Mai 1809

Tirol * General Wrede marschiert über Lofer zum „Pass Strub“, wo es zu einem neunstündigen Kampf kommt.

Jetzt plündern, vergewaltigen und morden die baierischen Soldaten.

12. Mai 1809

Tirol * General Carl Philipp Joseph von Wrede hält vor seinen Soldaten eine Rede, in der er auf die Vorgänge des Vortags eingeht:

„Ich habe heute und gestern, an den Tagen, wo ich über so manche tapfere Tat der Division zufrieden zu sein Ursache hatte, Grausamkeiten, Mordtaten, Plünderungen, Mordbrennereien sehen müssen, die das Innerste meiner Seele angegriffen und mir jeden frohen Augenblick, den ich bisher über die Taten der Division hatte, verbittern.

Wahr ist es Soldaten! Wir haben heute und gestern gegen rebellische, durch das Haus Österreich und dessen kraftlose Versprechungen irre geführte Untertanen unseres allergeliebten Königs gekämpft, aber wer hat Euch das Recht eingeräumt, selbst die Unbewaffneten zu morden, die Häuser und Hütten zu plündern und Feuer in Häusern und Dörfern anzulegen.

Soldaten! Ich frage Euch, wie tief sind heute und gestern Euere Gefühle von Menschlichkeit gesunken?“.

12. Mai 1809

Kufstein * Die baierischen Truppen unter General Bernhard Erasmus von Deroy erobern Kufstein zurück.

12. Mai 1809

Wien * Napoleon Bonaparte erobert Wien. 

Die Italienarmee des Erzherzogs Johann wird nun an der Donau gebaucht.

15. Mai 1809

Schwaz - Tirol * Zwei Tage dauert der Kampf um Schwaz, das im Verlauf in Flammen aufgeht. 420 der 425 Häuser brennen. Die Einwohnerzahl sinkt von 5.200 auf 3.000. Selbst in München scheint der Himmel über der Alpenkette zu glühen, aber „nicht vom Feuer der untergehenden Sonne, sondern vom Mordbrande“, schreibt Bettina von Arnim an Johann Wolfgang von Goethe.

19. Mai 1809

Innsbruck - Tirol * Die Divisionen Wrede und Deroy rücken kampflos in Innsbruck ein. Napoleon Bonaparte gibt den Befehl, General Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles „als Räuberanführer, als Urheber der an den gefangenen Franzosen und Baiern verübten Mordtaten und als Anstifter des Tiroler Aufstandes in die Acht erklärt, vor ein Kriegsgericht zu stellen und binnen 24 Stunden zu erschießen“.

Andreas Hofer verhandelt inzwischen am 19. in Mühlbach und am 20. in Bruneck mit General Chasteler und kann ihn zum Verbleib in Tirol überreden.

21. Mai 1809

Tirol * Angesichts der durch Napoleon Bonaparte erklärte „Acht“ ändert General Johann Gabriel Marquis von Chasteler de Courcelles seine Meinung und gibt den Abzugsbefehl an alle in Tirol stationierten Truppen nach Lienz und von dort weiter nach Österreich.

22. Mai 1809

Tirol * Marschall François Joseph Lefébvre und General Carl Philipp Joseph von Wrede verlassen mit ihren Truppen Tirol. Sie sollen durch einen Angriff auf die Steiermark die in Wien stehende Grande Armee entlasten. In Tirol bleibt nur die Division Deroy zurück. Napoleon Bonaparte hat bei Aspern und Eßling eine Niederlage durch die österreichischen Truppen unter der Führung von Erzherzog Karl erfahren müssen.  

Der Truppenabzug beflügelt Andreas Hofer und seine Verbündeten. Er überzeugt den österreichischen General Ignaz von Boul zum gemeinsamen Angriff auf den baierischen Feind. Boul hatte Chastelers Befehl zum Abzug aus Tirol nicht mehr erhalten und blieb nur deshalb im Land.

23. Mai 1809

Tirol * General Bernhard Erasmus von Deroy erkennt die von Andreas Hofer ausgehende Gefahr und setzt seine Truppe in Alarmbereitschaft.

25. Mai 1809

Innsbruck * Rund 5.000 Tiroler Aufständische unter der Führung von Andreas Hofer greifen am Bergisel die Division Deroy an. Diese Erste Bergisel-Schlacht dauert nur wenige Stunden, da ein heftiger Gewitterregen und die einbrechende Nacht die Kämpfenden trennt.

29. Mai 1809

Innsbruck * Es kommt zur Zweiten Bergisel-Schlacht durch die Tiroler Aufständischen unter der Führung von Andreas Hofer. Über 15.000 Tiroler und österreichische Truppen kämpfen gegen 5.240 Baiern. Die Schlacht bringt die Zweite Befreiung Tirols.

Die siegreichen Tiroler Aufständischen bemerken nicht, dass sich die baierischen Truppen in der Nacht auf die Flucht begeben haben. Und vor lauter Jubel über den Sieg, vergessen sie die Verfolgung des Feindes.

Juni 1809

Tirol * Da Frankreich alle baierischen Truppen bei Wien braucht, überlässt man Tirol zunächst seinem Schicksal.

In Baiern werden Stimmen laut, die für eine friedliche Verständigung mit den Tirolern plädieren. Statt ein Volk mit Gewalt zu unterwerfen, solle man ihm lieber Zugeständnisse in wirtschaftlichen und religiösen Fragen machen.

Nach dem 2. Juni 1809

Tirol - Königreich Baiern * Major Martin Teimer nimmt seine Ausfälle nach Baiern wieder auf. Obwohl viele Tiroler Schützenhauptleute eine Beteiligung an solchen Aktionen ablehnen, findet Teimer genügend Freiwillige. Zu ihnen gesellen sich noch österreichische Soldaten von General Ignaz von Boul. Die Freischärler überfallen Partenkirchen, Murnau, Weilheim, Kochel und Tegernsee.

27. Juni 1809

Tirol * Der Generalsalinenadministrator Joseph von Utzschneider kommt nach Tirol, um mit den Aufständischen zu verhandeln. In einem Aufruf an die Tiroler verspricht er

  • eine Verringerung der Abgaben,
  • eine allgemeine Amnestie und
  • die Belassung der Klöster.

Das geht aber der baierischen Regierung zu weit, weshalb Utzschneider wieder abberufen wird.

5. Juli 1809

Wagram * Napoleon Bonapartes Truppen schlagen am 5. und 6. Juli die Österreicher bei Wagram entscheidend.

12. Juli 1809

Tirol * Erzherzog Karl muss bei Znaim einen Waffenstillstand unterzeichnen. Laut Artikel 4 müssen die österreichischen Truppen Tirol und Vorarlberg verlassen.

18. Juli 1809

Spatzenhausen * Zu einer regelrechten Schlacht gegen die zu Beutezügen einfallenden Tiroler „Insurgenten“, wie die Rebellen in Baiern bezeichnet werden, kommt es in Spatzenhausen bei Weilheim.

27. Juli 1809

München * Im Königreich Baiern wird die Hinrichtung mit dem Schwert als alleinige Vollstreckungsart angeordnet.

28. Juli 1809

Tirol * Der österreichische General Ignaz von Boul erhält den Befehl zum Abzug seiner Truppen aus Tirol.

30. Juli 1809

Innsbruck * Marschall François Joseph Lefébvre zieht kampflos in Innsbruck ein und nimmt in der Hofburg Quartier. Ihm ist klar, dass der Besitz der Tiroler Hauptstadt noch lange nicht die Eroberung Tirols bedeutet. Dazu muss der Kern des Landes von mehreren Seiten angegriffen werden, wozu man die 20.000 Mann in mehrere Korps aufteilt.

4. August 1809

Tirol * General Ignaz von Boul verlässt mit seinen österreichischen Truppen Tirol.

4. August 1809

Tirol * Die „französisch-rheinbündischen Truppen“ erleiden schwere Verluste, nachdem sie südlich von Sterzing an der „Sachsenklemme“ in einen Hinterhalt geraten sind.

Die Tiroler haben über der Schlucht riesige Steinhaufen aufgeschichtet, die nun auf die marschierenden und reitenden französisch-baierischen Truppen niederschlagen.
Scharfschützen erledigen den Rest.

Der Zu Hilfe eilende Marschall François Joseph Lefébvre bleibt mit seinen 7.000 Soldaten hinter Sterzing stecken und wird in der Folge ebenfalls angegriffen.

8. August 1809

Tirol * Bei den Kämpfen an der Pontlatzer Brücke werden Teile der Division Deroy aufgerieben.

10. August 1809

Tirol * An der „Lienzer Klause“ ist der Widerstand der Tiroler so groß, dass der kommandierende General Rusca nach Kärnten ausweichen muss.

11. August 1809

Innsbruck * Die völlig demoralisierten Truppen Marschall François Joseph Lefébvre sind in Innsbruck eingeschlossen.

13. August 1809

Tirol * Marschall François Joseph Lefébvre glaubt, dass die Tiroler die Sonntagsruhe einhalten und nie in eine Schlacht ziehen würden. Als sich aber die dienstfreie Garnison zum Gottesdienst in der Wiltener Kirche versammelt hat, kommt die Meldung, dass eine große Bauernschar auf der Brennerstraße vorrückt.

Die Dritte Bergisel-Schlacht hat begonnen und wird die Dritte Befreiung Tirols bringen. 17.000 Tiroler stehen einer etwa gleich großen baierischen Streitmacht gegenüber. Nach zwölf Stunden ist die Schlacht beendet. 100 tote Tiroler und mindestens 200 tote Baiern fordert der Kampf.

Bis 18. August 1809

Tirol - Kufstein * Die baierisch-französischen Truppen haben Tirol - mit Ausnahme von Kufstein - geräumt.

4. Oktober 1809

Wien - Tirol * Andreas Hofer erhält vom österreichischen Kaiser eine Ehrenkette, dazu eine beträchtliche Geldsumme und einen förmlichen Operationsplan von Erzherzog Johann.

9. Oktober 1809

München * König Max I. Joseph bestätigt die Statuten der neu gegründeten Landwirthschaftlichen Gesellschaft, die umgehend eine Seidenzucht-Section einrichtet. Erneut führt man damit den Seidenbau in Baiern ein. 

14. Oktober 1809

Schönbrunn - Tirol * Der Friede von Schönbrunn beendet die Erhebung Österreichs gegen Frankreich. Österreich muss Tirol wieder den Baiern überlassen. Das verbündete Tirol und ihre Anführer erhalten darüber jedoch keine Informationen.

17. Oktober 1809

Tirol * Der baierische Einmarsch in Tirol beginnt.

19. Oktober 1809

Salzburg * Die Salzburger Gegenoffensive geht verloren. Franzosen und Baiern nutzen die Stadt als Lazarett- und Etappenort. 

21. Oktober 1809

Tirol * Ein Kurier des Erzherzogs Johann informiert den Tiroler Oberkommandanten Andreas Hofer mündlich darüber, dass er abgesetzt sei. Der Grund dafür wird ihm nicht erklärt.

24. Oktober 1809

Innsbruck * Die baierischen Truppen ziehen in Innsbruck ein. Der Bergisel ist nur notdürftig besetzt. Viele der besten Anführer und Kompanien der Tiroler wollen nicht mehr kämpfen. Die Baiern hätten die Tiroler Stellungen einfach überrennen können, doch Kronprinz Ludwig I. will ein unnötiges Blutvergießen vermeiden. Stattdessen soll eine Truppenparade die baierische Macht demonstrieren und jeden weiteren Widerstand als sinnlos erscheinen lassen.

25. Oktober 1809

Innsbruck * Der baierische Kronprinz Ludwig I. zieht in Innsbruck ein.

27. Oktober 1809

Tirol * Ein Bote aus Wien überbringt Andreas Hofer 18.000 Papiergulden zur Unterstützung des Kampfes gegen Frankreich und Baiern. Fast gleichzeitig trifft die gedruckte Friedensproklamation des italienischen Vizekönigs Eugéne Beauharnais ein. Das Schreiben enthält auch die Zusage, dass kein Tiroler „Rebell“ ein Strafe zu erwarten habe. Die Tiroler Aufständischen sehen in der Friedensproklamation aber nur eine Kriegslist des baierisch-französischen Feindes.

28. Oktober 1809

Tirol * Erzherzog Johann unterrichtet im Auftrag seines kaiserlichen Bruders die Tiroler Freunde über den Frieden von Schönbrunn und der Überlassung Tirols an Baiern. Der Tiroler Oberkommandant Andreas Hofer will daraufhin nach Innsbruck fahren und mit dem baierischen Kronprinzen Ludwig I. verhandeln. 

Da erscheint der Kapuzinermönch Joachim Haspinger, genannt „Pater Rotbart“, der Hofer - mit seiner Redekunst, aber auch mit Lügen - umstimmen will. Und der der Geistlichkeit hörige Andreas Hofer lässt sich umstimmen. Erzherzog Johann informiert auch den Südtiroler Josef Giovanelli über den Frieden von Schönbrunn. Daraufhin machen sich viele Aufständische auf den Nachhauseweg.

1. November 1809

Innsbruck - Bergisel * Es kommt zur vierten und letzten Schlacht am Bergisel. 20.000 baierische Soldaten stehen etwa 8.500 Tirolern unter der Führung des Sandwirts Andreas Hofer gegenüber. Die Schlacht ist nach knapp drei Stunden entschieden. Die - von baierischer Seite „Rebellen“ oder „Insurgenten“ genannten - Aufständischen vernichtend geschlagen. 

Der Aufstand der Tiroler und die zunächst vergeblichen Versuche, Tirol zurückzuerobern, sind in den Augen Napoleons eine militärische Schande, die seinen Ruf als unbesiegbaren Feldherrn beschädigt. Dies führt dazu, dass der Franzose eine Teilung für notwendig erachtet.

Die Südtiroler nehmen an den Kämpfen nicht mehr teil. Rund einhundert Abgeordnete versammeln sich in Bozen, beschließen die Niederlegung der Waffen und informieren Andreas Hofer darüber.

2. November 1809

Tirol * Ein französischer Offizier mit wichtigen Schriftstücken wird von den Tiroler Rebellen gefangen genommen. Die Dokumente enthalten eindeutige Beweise über die Richtigkeit des Schönbrunner Friedens, die auch die hartnäckigsten Zweifler überzeugen. 

Die Versammelten beschließen ein Unterwerfungsschreiben an Napoleons Adoptivsohn Eugéne Beauharnais, dem Vizekönig von Italien, der auch die den Tirolern zugestellte Friedensproklamation unterzeichnet hatte.

3. November 1809

Tirol - Villach * Eine Abordnung der Tiroler Aufständischen, bestehend aus Jakob Sieberer und Josef Daney, macht sich auf den Weg nach Villach, wo Eugéne Beauharnais residiert.

4. November 1809

Tirol - Pustertal - Innsbruck * Andreas Hofer unterzeichnet als „gewöster Oberkommandant“ ein „Unterwerfungsschreiben“ für das Pustertal an den in Innsbruck kommandierenden General Drouet.

Nahe der Trostburg in Südtirol wird eine 1.200 Mann starke französische Truppe angegriffen. Um ein Drittel dezimiert entkommt die Einheit nach Bozen.

5. November 1809

Tirol - Bozen * Bewaffnete Südtiroler Bauern greifen Bozen an. Unentschlossenheit und mangelnde Führung verhinderten einen Erfolg. Als sich dann von Süden her 2.000 französische Soldaten der Stadt nähern, lösen sich die Angreifer auf.

Andreas Hofer, der „gewöste Oberkommandant“, trifft am Brenner auf einige, nicht zum Frieden entschlossene Aufständische und ändert seine Einstellung erneut. Er ignoriert das Beratungsergebnis der von ihm selbst einberufenen Delegiertenversammlung und bricht sein gegebenes Wort gegenüber General Drouet. Erneut ruft er zum Kampf auf. Dass er damit dem Land jede Schonung verbaut, muss er wissen.

6. November 1809

Tirol * Jakob Sieberer und Josef Daney, dIe Abordnung der Tiroler Aufständischen, werden vom italienischen Vizekönig empfangen. Eugéne Beauharnais bestätigt in einem Schreiben die wichtigsten Punkte der Friedensproklamation vom 25. Oktober. Darunter auch die Straffreiheit der Rebellen , obwohl die Tiroler die Waffen nicht niedergelegt haben.

8. November 1809

Tirol * Jakob Sieberer und Josef Daney halten Andreas Hofer die „Ströme zwecklos jetzt noch zu vergießenden Menschenbluts, Städte und Dörfer in Asche“ vor und dass er das Land in Not und Elend, tausende Familien an den Bettelstab und seine treuen Anhänger an den Galgen bringen würde.

Wieder ändert Andreas Hofer seine Meinung, denn „unser lieber Herrgott und die Mutter Gottes werd'n wohl all's recht mach'n“. Daney und Sieberer verfassen einen Aufruf, der zur Niederlegung der Waffen aufruft. Andreas Hofer unterzeichnet das Schreiben, das daraufhin in Abschrift im ganzen Land verteilt wird.

An der Mühlbacher Klause überfallen Südtiroler Aufständische auf Hofers Aufruf vom 5. November hin französische Truppen. 500 Soldaten kommen dabei ums Leben.

10. November 1809

Imst * Tiroler Rebellen überfallen bei Imst baierische Truppen. Sie kennen nur Hofers Kampfaufruf vom 5. November, nicht aber den Friedensaufruf vom 8. November.

11. November 1809

Tirol * Andreas Hofer hat sich inzwischen in das Sandwirtshaus in Sankt Leonhard zurückgezogen. Wieder ändert er seine Meinung und bricht sein gegebenes Wort, indem er einen weiteren Kampfaufruf unterschreibt. „Wenn Wir nachgeben ist Glaube, Religion, Volk und alles hin. Wer widerstrebt, ist ein Feind Gottes und des Vaterlands.“

12. November 1809

Tirol * Italiens Vizekönig Eugéne Beauharnais erlässt eine Proklamation, derzufolge jeder erschossen wird, der noch zu den Waffen greift oder auch nur eine Waffe versteckt hält.

13. November 1809

Meran * General Rusca zieht mit 2.000 Mann nach Meran ein. Die Hälfte seiner Soldaten schickt er in das Tal hinein, um nach dem Rechten zu sehen. Drei Passeirer Kompanien erwarten die Franzosen und schlagen sie in die Flucht.

16. November 1809

Meran - Tirol * Am Meraner Küchelberg kommt es zum Kampf zwischen den Franzosen und den Südtirolern. Es beginnt zu regnen, was das Schießen stark beeinträchtigt. Die Franzosen geraten in die Defensive und müssen sich in die Meraner Häuser zurückziehen. In der Nacht können sie fliehen, erleiden aber starke Verluste durch von den Tirolern aufgeschichteten und bewegten Steinlawinen.

18. November 1809

Tirol * Eine französische Einheit kommt General Rusca zu Hilfe. Sie wird aber bei Sankt Leonhard eingekesselt und nach viertägigem Kampf am 22. November zur Kapitulation gezwungen.

Um den 19. November 1809

Passeiertal - Tirol * Andreas Hofer lässt Jakob Sieberer und Josef Daney als Gefangene ins Passeiertal bringen und als Landesverräter, Franzosen- und Baiernfreunde sowie Spione zum Tode verurteilen. 

Mit den Worten: „Halt's Maul. Ich lass' dich und den Pfaffen totschießen für eure Lügen und alle, die den Frieden verkünden“, verweigert Hofer Jakob Sieberer auch einen Abschiedsbrief an seine Frau. Im Kerker entzieht man ihm sogar Wasser und Brot. Josef Daney wird in den gleichen Kerker geworfen.

Dass sie am Leben bleiben, verdanken sie einem 3.000 Mann starken französischem Korps, vor dem die Aufständischen fliehen.

24. November 1809

Paznauntal * Im Paznauntal kommt es zu Kämpfen, die durch das Aufgebot von über 100 Bäuerinnen und Dirnen eine gewisse Berühmtheit erlangt haben.

Um den 27. November 1809

Südtirol * Das Ende der baierischen Herrschaft über Südtirol zeichnet sich ab. Französische Truppen haben die Kontrolle über das Gebiet südlich des Brenners und des Reschenpasses übernommen.

29. November 1809

München * In Anerkennung seiner Verdienste um den König, die königliche Familie und um Baiern erhält Freiherr Montgelas das Grafendiplom verliehen. Es ist vererbbar - und damit können seine ehelichen männlichen und weiblichen Nachkommen auch diesen Adelstitel führen.  

Damit verbunden ist, als besonderer Gnadenerweis und Vertrauensbeweis des Königs, die Errichtung eines Majorats. Ein Majoratsbesitzer kann frei über sein Eigentum bestimmen und darf es im Erbfall sogar ungeteilt an den ältesten Sohn weitergeben. Neben Montgelas gelingt es in Altbaiern nur zwei Familien, ein Majorat zu bilden: Carl Philipp Fürst von Wrede und Johann Maximilian von Preysing-Hohenaschau.

Für Montgelas, der ursprünglich aus einer Familie ohne jeglichen Grundbesitz stammt, hat das Majorat zwischenzeitlich erhebliche Bedeutung gewonnen, denn er wird schon während seiner Amtszeit zu einem der reichsten Grundherren. 

Dezember 1809

Tirol * Die französische Militärverwaltung versucht den Tirolern karzumachen, dass sie bei Frankreich besser als bei Baiern aufgehoben wären.

1. Dezember 1809

Tirol * Bei der Lienzer Klause kommt es erneut zu Kämpfen.

6. Dezember 1809

Brixen * Als Strafe für die Belagerung Brixens gehen die Dörfer Vahrn, Kranabit, Neustift, Elvas, Miland und die Fraktionen von Pfeifersberg mit 200 Höfen und 28 Ansitzen in Flammen auf.

8. Dezember 1809

Tirol * Den letzten Waffengang liefern sich Tiroler Aufständische und baierisch-französische Truppen vor Ainet im Iseltal.

9. Dezember 1809

Berg am Laim * Der Berg am Laimer Hofmarkbesitzer und Baierische Minister der Finanzen Johann Wilhelm von Hompesch stirbt. Sein Bruder Ferdinand übernimmt die Hofmark Berg am Laim. Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas besetzt den Posten des Finanzministers. 

Nach dem 9. Dezember 1809

München-Kreuzviertel * Nach dem Tod des Baierischen Ministers der Finanzen, Johann Wilhelm von Hompesch, übernimmt Maximilian Joseph Graf von Montgelas zum zweiten Mal die Funktion des Finanzministers. Damit konzentrieren sich die drei wichtigen Ministerien Außenministerium, Innenministerium und Finanzministerium in einer Person.

Montgelas hat im Verlauf seiner Tätigkeit in Bayern sehr viel Macht, Entscheidungsgewalt und Einfluss auf seine Person konzentriert. Er ist nicht nur mächtig, sondern sogar allmächtig. Ein Zustand, den er übrigens im Ansbacher Mémoire massiv kritisiert hat. Dies führt im Krankheitsfall des Ministers allerdings zum nahezu völligen Erliegen der Regierungstätigkeit. 


1810

5. Januar 1810

Tirol * Franz Raffl verrät das Versteck von Andreas Hofer in der Pfandlerhütte an den zuständigen Richter Auer. Die Franzosen hatten ein Kopfgeld von 1.500 Gulden ausgesetzt. Richter Auer benachrichtigt General Huard.

6. Januar 1810

Mantua * Andreas Hofer wird verhaftet und nach Mantua gebracht.

19. Februar 1810

Mantua * Trotz Bitten der Stadtbevölkerung von Mantua und der Interventionen des Vizekönigs Eugéne Beauharnais sowie des baierischen Kronprinzen Ludwig I. wird Andreas Hofer auf persönliche Weisung Napoléon Bonapartes von einem französischem Kriegsgericht zum Tode verurteilt.

20. Februar 1810

Mantua * Andreas Hofer wird in Mantua hingerichtet.

28. Februar 1810

Tirol * Im Pariser Abkommen wird Tirol aufgeteilt. Der südliche Teil Tirols wird Italien zugeschlagen.

Napoléon Bonaparte wirft Baierns Verwaltung in Tirol Versagen vor. Salzburg, Regensburg und die Markgrafschaft Bayreuth sollen an das Königreich Baiern fallen. 

9. Mai 1810

Regensburg * Regensburg wird französisch. 

22. Mai 1810

Regensburg * Der französische General Jean Dominique de Compans übergibt - im Auftrag Napoléon Bonapartes - Regensburg an den baierischen Hofkommissar Joseph Maria Freiherr von Weichs. 

7. Juni 1810

Tirol * Der Vertrag über die Abtretung des südlichen Tirol an Italien und Illyrien regelt weitere Details. Bozen wird an Italien abgegeben. Die von Freiherr Maximilan Joseph von Montgelas vorgeschlagenen baierischen Verbesserungen für ein neues Verwaltungskonzept kommen zu spät.

8. Juli 1810

Hildburghausen * Durch​ Therese von Sachsen-Hildburghausen, die Verlobte des baierischen Kronprinzen Ludwig I., wird achtzehn Jahre alt und damit volljährig. 

August 1810

Tirol * Die neue Grenzziehung in Tirol ist abgeschlossen.

Baiern behält Nordtirol, den Vinschgau sowie das obere Eisack- und das Pustertal.

Der südliche Teil geht an das Königreich Italien, Osttirol und Innichen werden zum Bestandteil der illyrischen Provinzen. Baierischen Berechnungen zufolge hatte „Gesamt-Tirol“ im Jahr 1807 exakt 618.857 Einwohner. Etwa 289.000 davon lebten in „Welschtirol“, dem italienisch sprechenden Süden.

Das Königreich Baiern muss also einen Bevölkerungsverlust von 300.000 Einwohnern verkraften.

Doch nahezu gleichzeitig kann das Baiernland einen Zugewinn von rund 700.000 Einwohnern verzeichnen, nachdem sie die Herrschaft über Berchtesgaden, das Innviertel und Teile des Hausruckviertels, aber auch über Bayreuth und Regensburg erlangt.

Um August 1810

München-Angerviertel * Der Italiener Luigi Tambosi kommt nach München und wohnt zunächst beim Weinwirt Johann Balthasar Michel in der Rosengasse. 

16. August 1810

Salzburg * Erstmals wird in Salzburg die Entscheidung aus dem Pariser Abkommen publiziert, wonach das Land dem Königreich Baiern eingegliedert werden soll.  

12. September 1810

Salzburg * Napoleon Bonapartes Frankreich tritt im Frankfurter Vertrag das ausgebeutete Salzburg an den baierischen König Max I. Joseph ab. Mit der Eingliederung in das baierische Königreich verliert Salzburg endgültig seine territoriale Selbstständigkeit. Das eh schon verarmte Land wird zunächst von den Franzosen ausgepresst und dann den Baiern wegen ihrer Bündnistreue überlassen. 

30. September 1810

Salzburg * Die Besitzergreifung Salzburgs erfolgt durch die Abgesandten des baierischen Königs Max I. Joseph mit Carl Graf von Preysing als Hofkommissär an der Spitze. Die Salzburger erhoffen sich von den Baiern eine Linderung ihrer Not.

6. Oktober 1810

Hildburghausen - Bamberg * Prinzessin Therese von Sachsen Hildburghausen macht sich gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer Schwester Louise auf den Weg in Richtung München, wo sie den baierischen Kronprinzen Ludwig I. heiraten wird. Ihre erste Station auf bayerischem Boden ist Bamberg. Dort wird sie von Herzog Wilhelm in Bayern begrüßt. 

7. Oktober 1810

Bamberg - Nürnberg * Von Bamberg geht die Reise der Braut Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen und ihrem Anhang weiter nach Nürnberg, wo sie mit Kanonendonner begrüßt werden. 

8. Oktober 1810

Nürnberg - Regensburg * Nachdem der Hochzeitszug mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen in Nürnberg übernachtet hat, geht der Weg weiter nach Regensburg, in das sie am Abend über Stadtamhof über die Steinerne Brücke einziehen. 

9. Oktober 1810

Regensburg - Landshut * Der Weg der Hochzeitsgesellschaft der Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen führt von Regensburg nach Landshut. Die herzogliche Familie übernachtet dort in der königlichen Residenz. 

10. Oktober 1810

Landshut - Freising * Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen reist mit ihren Eltern und ihrer Schwester Louise von Landshut aus weiter nach Freising. Kronprinz Ludwig I. - und später sein Vater König Max I. Joseph - reisen den sechsstündigen Weg von München nach Freising inkognito zu einem kurzen Besuch und begrüßen die Teilnehmer des Hochzeitszugs. 

11. Oktober 1810

Freising - München * Von Freising kommend trifft Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen - in einem wahren Triumphzug - in München ein. 

12. Oktober 1810

München-Graggenau * Am Abend findet in der Hofkapelle der Residenz die kirchliche Trauung von Kronprinz Ludwig von Baiern und Therese Charlotte Luise, Prinzessin von Sachsen-Hildburghausen statt. „Den erhabenen Moment der Trauung verkündeten das Geläute aller Glocken und der Donner der Kanonen. [...] Auf dem Hauptplatz ertönten Musikchöre und fernhin klingende Trompeten erschallten von der Gallerie des Petersthurmes.“ 

12. Oktober 1810

München * Am Morgen trifft sich die königliche und die herzogliche Familie in der Münchner Michaelskirche, um den Namenstag von König Max I. Joseph mit einem Gottesdienst zu feiern. 

12. Oktober 1810

München * Die Königlich privilegierte Hauptschützengesellschaft organisiert im Rahmen der Hochzeitsfeierlichkeiten ein mehrtägiges Festschießen in ihrer Schießstätte. 

13. Oktober 1810

München * Am Morgen macht das Militär und die Beamtenschaft ihre Aufwartung. Die bayerische Haupt- und Residenzstadt ist festlich geschmückt; den Straßenrand säumen jubelnde, neugierige Menschen, die einfach sehen wollen, wie sich die Braut des Kronprinzen denn so geben würde. 

13. Oktober 1810

München * Am Abend findet eine große Festbeleuchtung statt. Ganz München erstrahlt im Lichterschmuck. Mit den Aufbauten zur Illumination auf dem Max-Joseph-Platz ist bereits sechs Wochen zuvor begonnen worden. An den öffentlichen und privaten Gebäuden der Stadt leuchteten „transparente Gemälde und Inschriften“. So trägt die Fassade des Rathauses ein allegorisches, zur Vermählung passendes Bild mit den Wappen des Brautpaares.

Am Gebäude der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Künste leuchtet „Hymens Fackel, und Ludwigs und Theresens Namenszüge von Blumen“ mit den Worten: „Der neuen Hoffnung des alten Hauses der Wittelsbacher huldigen Wissenschaft und Kunst.“ Soweit die staatlich verordnete Fürstenhuldigung.  

Unter den Adelspalais erregt das des Freiherrn Maximilian Joseph von Montgelas besondere Aufmerksamkeit. „Letzteres war eigentlich hinter einem prächtigen dorischen Tempel verschwunden, der um dasselbe ausgeführt reichlich mit Grün und Blumengirlanden geschmückt, und durch die Lichtmassen wie in eine Feuerwohnung verwandelt war.“

Auch der Bankier Andreas von Dall’Armi hatte sein Haus am Rindermarkt festlich ausstaffiert. Die Fassade trägt „eine kolossale Bavaria mit einem ruhenden Löwen und […] mit der Inschrift, die den ganzen oberen Stock einnahm: Wittelsbachs Stamm blühe ewig!“ 

Auch die anderen privaten Gebäude sind, soweit es sich die Bewohner finanziell leisten können, aufwändig geschmückt und erleuchtet. Für Kaufleute, Gastwirte, Cafétiers, Weinhändler, Juweliere und Bierbrauer, kurz gesagt, für die besonders gut situierten Kreise der Münchner Bewohnerschaft, bietet sich hier die einmalige Gelegenheit, miteinander mit prunkvollen Illuminationen zu Ehren des Königshauses sich gegenseitig zu übertreffen und nur das Beste vom Besten zu zeigen. 

13. Oktober 1810

München * An diesem Abend ist die bei Fürstenhochzeiten übliche Ausspeisung, die die Bevölkerung in großen Scharen herbeilockt. Es gibt dabei natürlich deutliche Unterschiede.

Denn während „die angesehenen Bürger, d.h. welche zur Nationalgarde gehörten, […] mit ihren Familien in vier großen Gasthäusern, bei 6.000 an der Zahl, auf königliche Kosten zum Tanz und Abendessen versammelt“ sind, hat man für „die herbeygeströmten Volkshaufen“ am Schrannenplatz, dem heutigen Marienplatz, am Promenadeplatz, in der Neuhauser Gasse und am Anger „Tische und Bänke hergerichtet, wo man ihnen zu essen und trinken bot“. Aktenbelegen zufolge werden an diesem Abend

  • 32.065 Laibln Semmelbrod, 3.992 Pfund Schweizerkäse über 80 Zentner gebratenes Schaffleisch, 8.120 Cervelat-Würste und 13.300 Paar geselchte Würste ausgegeben.
  • Brauknechte verzapften rund 232 Hektoliter Bier. Aus sieben Fässern werden knapp vier Hektoliter österreichischer Weißwein ausgeschenkt.
  • 150 Musikanten sorgen für Stimmung und
  • in zwei Volkstheatern wurden Vorstellungen zu freiem Eintritt gegeben.
  • Sogar die Münchner Gefängnisinsassen erhalten eine - von der Israelitischen Gemeinde finanzierte - Ausspeisung. 
13. Oktober 1810

München * Nicht das einfache Volk benimmt sich während der Hochzeitsparty in der Innenstadt schlecht, sondern die bessere Gesellschaft. Das belegt ein Geheimprotokoll des damaligen Vizedirektors der Münchner Polizei, Markus von Stetten. Im einfachen Volk kommt es weder zu Ausschreitungen noch zu Raufereien oder grobem Unfug.

Er notiert lediglich: „[…] dem Bacchus und der Liebe wurde in der letzten Nacht treulich geopfert […]“ und berichtet weiter von Bierleichen, die im Polizeigebäude gestapelt werden und auch am Abend des nächsten Tages ihren Rausch noch nicht ausgeschlafen haben. Von Stetten: „Doch dies gehört zu dem Ganzen und ist ein wesentlicher Teil eines Volksfestes.“ Er stoppt den Ausschank von Bier und Wein, als er merkt, dass die Menge auf den Festplätzen der Stadt nur noch lallt und wankt.

Dann widmete sich der Polizeivize der Münchner Gesellschaft, die in der Hofoper feiert. Dort kommt es zu Schlachten am kalten Buffet, Herren in staatlichen Spitzenpositionen sitzen mit hochrotem Kopf inmitten von geleerten Flaschen. Ein Offizier schlägt eine Garderobenfrau nieder, ein Geheimer Rat gibt eine Portion Eis zurück, als er hört, dass er sie selbst bezahlen muss. Nach dem Fest wird ein Haufen Silber vermisst.

Mehrere Besucher schickt man volltrunken aus der Oper, eine Dame bleibt bewusstlos auf der Straße liegen. „Ein Fall, der sich unter Frauen bei einem Volksfeste nicht ereignete.“ 

13. Oktober 1810

München * Die Kronprinzessin ist durch die Aufregungen der letzten Tage erschöpft und will den Ball frühestmöglich verlassen. Das liegt aber nicht nur an den anstrengenden Festivitäten, sondern vor allem an ihren seit Tagen anhaltenden Zahnschmerzen, die ihr schon die Hochzeitsnacht verleidet hatten.

Therese verlässt den Hofball sehr zeitig. Ludwig begleitet seine Frau in die Residenz, kehrt aber alleine noch einmal zu den Tanzenden zurück. Seinem Tagebuch vertraut der Bayernprinz am Morgen danach seine entlarvenden und berechnenden Gedanken an, indem er schreibt: „Mir machte es wenig Vergnügen, aber ich tat es, um meine Freiheit zu zeigen und damit meine Frau nicht glaube, ich müsse, weil sie es getan, wegbleiben. […] So tue ich schon jetzt so viel möglich, bei Nacht schlafe ich in meinem Zimmer, nur zu Besuch zu meiner Frau kommend. […]  Man muß sich gleich anfangs auf den Thron setzen, wie man ihn für die Folge will. So schicke ich mich in den Ehestand, fühle mich nicht unglücklich“.

Und seiner Lieblingsschwester Charlotte bekennt Ludwig: „Ausgezeichnet ist Therese durch ihr Herz, durch Vernunft, Schönheit, keine bessere Frau würde ich mir wünschen, aber leidenschaftslos verehelichte ich mich, es mag vorteilhafter sein für die Zukunft“.

Vertraute Kreise sehen die Zukunft der Ehe weniger rosig und trauen ihr - ganz im Gegenteil - nur sehr wenig Bestand zu. 

14. Oktober 1810

München - Salzburg * König Max I. Joseph ernennt Kronprinz Ludwig I. zum Generalgouverneur des Inn- und Salzachkreises mit Sitz in Innsbruck. Er wird mit seiner Frau Therese im Schloss Mirabell in Salzburg wohnen.

Die Ernennung soll nicht zuletzt dazu dienen, den Kronprinzen mit den Verwaltungsgeschäften vertraut zu machen. Außerdem will ihn sein Vater in Distanz zur Regierungszentrale in München halten, um Auseinandersetzungen zwischen dem Kronprinzen und dem Außen-, Innen- und Finanzminister Maximilian Joseph Freiherr von Montgelas, die sich beide nicht sonderlich mochten, zu vermeiden.

Der Super-Minister hat eine Menge Arbeit mit der Reorganisation des neuen Staates, um tiefgreifende Reformen und um die Schaffung eines einheitlichen Beamten- und Verwaltungsstaates. Gegen seine Aufgabe ist die Deutsche Wiedervereinigung ein Kinderspiel.

Eine wichtige Voraussetzung für die zentralistisch geführte Verwaltung war die Vereinheitlichung der Maße und Gewichte. So gibt es alleine 93 verschiedene Flüssigkeitseinheiten, die anno 1809 durch die Einführung der baierischen Maaß ersetzt werden. Das Baierische Maaß fasst 1.069 Kubikzentimeter und wird Mass ausgesprochen.

17. Oktober 1810

München * An diesem Mittwoch, es ist ein milder Herbstag mit hellblauem Himmel, wird nochmals eine breite Bevölkerungsschicht in die Feierlichkeiten um die Kronprinzenhochzeit einbezogen, nachdem die zuvor abgehaltenen Opernaufführungen und Bälle nur einem kleinen ausgesuchten Kreis geladener Gäste vorbehalten waren.

Diese Festveranstaltungen wurden vom Staat ausgerichtet und finanziert. Doch angesichts von Kriegszeiten und leeren Staatskassen hält sich der sonst bei Fürstenhochzeiten übliche Glanz und Glamour in Grenzen. Und da im Jahr 1808 die städtische Selbstverwaltung abgeschafft worden ist, verfügt München über kein Vermögen, aus dem sie einen eigenen Beitrag zu den Feierlichkeiten hätte leisten können.

Dankbar überlässt man deshalb die Ausrichtung der Feier der gehobenen Bürgerschaft, die dazu in der Lage ist und die die eigentliche Volksbelustigung, ein als Huldigung gedachtes Pferderennen, das in der Tradition des Scharlachrennens steht, durchführen kann.

Es ist der Kavallerie-Major der Nationalgarde 3. Klasse, der Bankier Andreas Michael Edler von Dall’Armi, der im Namen der Nationalgarde, also des Bürgermilitärs, ein Schreiben an den König richtet, in dem er bittet, eine solche Veranstaltung ausrichten zu dürfen. Das Pferderennen soll den Abschluss, aber zugleich auch den Höhepunkt der Feierlichkeiten um die Kronprinzenhochzeit bilden. 

17. Oktober 1810

München-Kreuzviertel * Andreas Michael von Dall’Armi hat in einer „Disposition des Festes“ den Ablauf der Veranstaltung peinlichst genau festgelegt. So wird früh um 9 Uhr eine Messe im Bürgersaal abgehalten, bei der „die National-Garden für die lange Erhaltung Ihrer Majestäten des Königs, und der Königin […] und der ganzen königl. Familie“ beten müssen. 

17. Oktober 1810

München * Im Anschluss an die Messe im Bürgersaal versammeln sich die Kavallerie-Divisionen am Hofgarten, um sich im Abstand von einer Stunde in zwei Zügen auf den Weg zum Rennplatz zu machen. Beide Züge des Bürgermilitärs durchqueren dabei die Stadt in Nord-Süd-Richtung.

Auf der Landstraße nach Sendling nehmen sie eine Abzweigung, um auf die Festwiese zu gelangen. Dort, am Fuße des Sendlinger Berges, befindet sich der Königliche Pavillon, bei dem Gardisten eine Ehrenwache halten. Der Pavillon ist das ursprünglich hellgrüne, circa 67 Meter lange Audienzzelt des türkischen Großwesirs, das Kurfürst Max Emanuel im Jahr 1683, bei der Befreiung Wiens, eroberte hat.

Der von türkischer Musik angeführte zweite Zug der Nationalgarde begleitet die Rennpferde und die Preisfahnen zur Rennwiese. Auf dem Sendlinger Berg, der Landsberger Straße und am Filserbräukeller sind Zelte und Bänke aufgestellt worden. Nach Andreas von Dall’Armi kommen rund 40.000 Zuschauer aus allen Volksschichten zum Sendlinger Berg, der späteren Schwanthaler Höhe, und säumen die unterhalb der Anhöhe bis nahe an die Stadtgrenze sich ausbreitende Festwiese. 

17. Oktober 1810

München-Theresienwiese * Nachdem die königliche Familie endlich eingetroffen ist und im Königspavillon Platz genommen hat, gratuliert eine Gruppe von „Kindern im Nationalkostüme“ dem Kronprinzenpaar. Die Kinder, allesamt Töchter und Söhne von Angehörigen der k.b. Kavallerie Division, überbringen in verschiedenen Landestrachten gekleidet, stellvertretend für die baierische Nation, der Königsfamilie die Huldigungsgrüße des Volkes. 

17. Oktober 1810

München-Theresienwiese * Nachdem die hohen Herrschaften ein kleines Dejeuner eingenommen haben, kann das Pferderennen gestartet werden. Dreißig Pferde werden zur Startlinie geführt. Der dann folgende Startschuss gibt das Rennen über drei Runden frei. Diese drei Runden entsprechen ziemlich exakt einer Strecke von zehn Kilometern.

Die Pferde werden - ohne Sattel - von Rennbuben geritten. Diese sind in der Regel unter zwanzig Jahre. Der Jüngste bei diesem Wettkampf ist gerade einmal zehn Jahre alt. Allerdings werden die Rennknaben, die Jockeys, als derart nebensächlich betrachtet, dass sie teilweise nicht einmal in den Rennbüchern namentlich auftauchen.

Als Rennrichter fungieren Johann Schwangart, der Bierbrauer Cajetan Trappentreu und der Bäcker Anton Seidl. Gewonnen wird das erste Oktoberfest-Pferderennen von dem Münchner Lohnkutscher und Erfinder des Oktoberfest-Pferderennens, Franz Baumgartner, oder besser gesagt von seinem zwölfjährigen Rennbuben, der auf einem Siebenbürger Apfelschimmel nach 18 Minuten und 14 Sekunden als Erster durchs Ziel reitet. Franz Baumgartner erhält 20 von 98 Gulden. Mit der Preisverleihung endet das Fest. 

17. Oktober 1810

München * Beim Aufmarsch der National-Garde III. Klasse zum Oktoberfest-Pferderennen werden die Fahnen, die ihnen König Max I. Joseph am 12. Oktober 1808 überreicht hatte, als stolzes Zeichen der Verbundenheit mit dem Königshaus mitgetragen. 

17. Oktober 1810

München * Am Abend gibt der Organisator der Volksbelustigung, Andreas von Dall’Armi, bekannt, dass König Max I. Joseph einverstanden ist, dass „die Wiese, worauf das erste baierische Nationalfest gefeiert worden, zum bleibenden Andenken Theresens Wiese“ genannt werden darf. Den Wunsch gewährt der König herzlich gerne, da es ihm ja nichts kostet. 

30. Oktober 1810

München-Graggenau * Die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine verpachtet das Kaffeehaus an der Hofgartenmauer vor der Reitschule für 1.400 Gulden jährlichen Pachtschilling an den Italiener Luigi Tambosi.

Der bisherige Kaffeehaus-Besitzer Johann Nepomuk Schuster konnte zuvor die Zinsen für das von der Kurfürstin-Witwe geliehene Geld nicht mehr bezahlen. 


1811

1811

München-Isarvorstadt * Der Staat verzichtet auf eine städtische Mitfinanzierung der „Ringstraße“

Die „Rumfordchaussee“ war anno 1796 als militärische Straßenanlage gebaut worden, weshalb sich der Magistrat erfolgreich gegen jede finanzielle Beteiligung wehrte.
Auch als man die Straßenanlage als wesentlichen Beitrag zur Verschönerung Münchens ansah.

1811

München-Maxvorstadt * Das Eingangstor des „Alten Botanischen Gartens“ entsteht nach Plänen von Joseph Emanuel d‘Herigoyen. 

1811

München - Italien * Joseph Anton Ritter und Edler von Maffei, Peter Paul von Maffei's Sohn, spielt während eines längeren Italienaufenthalts mit dem Gedanken Bildhauer zu werden.

Erst nach strengen väterlichen Ermahnungen widmet sich der feinsinnige und vielseitig interessierte Schöngeist der Tätigkeit im Familienunternehmen.
Dort erweist er sich bald als vorausschauender Geschäftsmann.  

3. März 1811<p><em><strong>München-Angerviertel</strong></em>&nbsp;* Das provisorische Theater des Johann Weinmüller vor dem Isartor brennt ab. Der Hoftheater-Intendant Carl August Delamotte schlägt daraufhin dem Bayernkönig Max I. Joseph die Errichtung eines königlichen Nebentheaters vor. Aus diesem wird das <em>„Königliche Vorstadttheater am Isartor“</em> hervorgehen.&nbsp;</p>
20. März 1811<p><em><strong>München</strong></em> * König Max I. Joseph lässt die arbeitslos gewordene Weinmüller-Schauspieltruppe der Hoftheater-Intendanz unterstellen. Die Hofmusik-Intendanz wird angewiesen, dem Vorstadt-Theater seine Schauspieler und Dekorationen zur Verfügung zu stellen. Das Unternehmen muss sich finanziell selbst tragen und sich <em>„keines Zuschusses aus unserer Staatscassa zu erfreuen haben“</em>.&nbsp;</p> <ul> <li>Damit hat der König zwei Ziele erreicht. Er will einerseits ein etabliertes Theater für die mittleren Einkommensschichten schaffen</li> <li>und andererseits die bisher frei agierende Bühne unter die Kontrolle und Einflussnahme des Hofes zu stellen.&nbsp;</li> </ul>
15. April 1811<p><em><strong>München-Maxvorstadt</strong></em> * Johann Weinmüller, inzwischen zum königlichen Regisseur befördert, kann seinen Theaterbetrieb im Herzoggarten des Clemensschlössls, auf dem Gelände des heutigen Justizpalastes, eröffnen. König Max I. Joseph hat dieses Weinmüller als Übergangslösung zur Verfügung gestellt.&nbsp;</p>
30. August 1811<p><em><strong>München</strong></em> * König Max I. Joseph genehmigt das Projekt eines Volkstheaters am Isartor und stellt dafür eine Summe vom 30.000 Gulden zur Verfügung. Dadurch kann er einerseits gerade den Zuschauern aus den unteren Einkommensschichten ihr privates Vergnügen erhalten und gleichzeitig in die Programmgestaltung steuernd und kontrollierend eingreifen.&nbsp;</p>
26. Oktober 1811<p><em><strong>München-Graggenau</strong></em> * Kronprinz Ludwig legte den Grundstein zum Hof- und Nationaltheater.&nbsp;</p>
26. Oktober 1811

München-Graggenau * Der Grundstein für das Kgl. Hof- und Nationaltheater wird gelegt. 

9. Dezember 1811

München * Mitglieder des Hoforchesters gründen in München die Musikalische Akademie. 

13. Dezember 1811

Stepperg * Maximilian Bernhard Graf von Arco-Zinneberg wird auf Schloss Stepperg geboren. Seine Mutter ist die Kurfürsten-Witwe Maria Leopoldine, sein Vater Ludwig Joseph Graf von Arco. 


1812

1812

München-Maxvorstadt * In den Jahren 1812/13 wird an der Nordseite des „Alten Botanischen Gartens“ ein Gewächshaus errichtet. 

Die Eisen-Glas-Kostruktion ist etwa 135 Meter lang, besitzt sechs Kabinette, von denen die Hälfte als warme Abteilung, die andere als kalte Abteilung genutzt wird.  Das Gewächshaus ist eingespannt zwischen zwei steinernen Eckbauten mit dorischem Fries und Giebel. 

Der östliche Eckpavillon wird als „Direktorenwohnhaus“, der Westliche als Gärtnergebäude genutzt. 

10. März 1812<p><em><strong>München-Angerviertel</strong></em>&nbsp;* Die Arbeiten am Theaterbau vor dem Isartor nach Plänen von Emanuel Joseph d’Herigoyen und Ludwig von Sckell beginnen.&nbsp;</p>
24. Juni 1812

Russland * Mit der Überschreitung der Memel durch die französische Armee beginnt - ohne Kriegserklärung - der Russlandfeldzug. Unter den 450.000 Soldaten der Großen Armee befinden sich 30.249 baierische Soldaten, die von den Generälen Carl Philipp Joseph von Wrede und Bernhard Erasmus von Deroy kommandiert werden. 

23. August 1812

Polck * Bernard Erasmus von Deroy stirbt bei Polck in Russland. 

10. Oktober 1812<p><em><strong>München-Angerviertel</strong></em> * Das Königliche Theater am Isartor wird nach rekordverdächtiger Bauzeit eröffnet. Es fasst 1.200 Personen und verfügt über eine geräumige Bühne. Die Konzeption des Grundrisses des neuen Vorstadttheaters ging auf das Pariser Odeon zurück.&nbsp;</p> <p>Zur Theaterpremiere führt das Weinmüller-Ensemble ein historisch-musikalisches Drama auf, bei dem 105 Personen auf der Bühne stehen. Es wird zugunsten jener Familien aufgeführt, deren Angehörige beim Einsturz der Isarbrücke am 13. September 1813 verunglückten oder ums Leben kamen.&nbsp;</p>
November 1812<p><em><strong>München-Angerviertel</strong></em> * Das neue <em>„Königliche Vorstadttheater am Isartor“</em> spielt mit noch größerem Erfolg als zuvor, und wird dadurch zum Schoßkind des Königpaares, die es als das <em>„lustigste, eigentümlichste Theater der Welt“</em> bezeichnet. Es zählt zu den ersten Theaterbauten Deutschlands, die losgelöst von höfischer Kultur für ein breites bürgerliches Publikum errichtet wurden.&nbsp;</p> <p>Die Schauspieler der Weinmüller-Truppe dürfen sogar im Cuvilliés-Theater aushelfen.</p>
13. Dezember 1812

München * Von den am Russland-Feldzug beteiligten 30.249 baierischen Soldaten sind nur noch 68 kampffähige Soldaten übrig geblieben. Lediglich 2.997 Soldaten werden unversehrt in ihre Heimatdörfer zurückkehren können. 


1813

1813

München * Das Generalcomité der Landwirtschaftlichen Gesellschaft gründet eine Deputation für die Seidenzucht. Doch bis zum Jahr 1824 dümpeln die Aktivitäten dieser Abteilung vor sich hin, obwohl König Max I. Joseph die Unternehmung unterstützt und als Erfolgsanreiz sogar Preise ausgesetzt werden. 

19. Februar 1813

München * Carl von Eichthal, der spätere Kgl. Bay. Hofbankier und Mitbegründer der Bayerischen Vereinsbank, wird in München geboren. 

27. März 1813<p><strong><em>Berlin - Paris</em></strong> * Preußen erklärt Frankreich den Krieg.&nbsp;Damit beginnen die sogenannten&nbsp;Befreiungskriege.&nbsp;Nach dem gescheiterten Russlandfeldzug&nbsp;sind in ganz Europa - und damit natürlich auch in Baiern -&nbsp;Befreiungsbewegungen&nbsp;gegen Napoléon Bonaparte gewachsen.&nbsp;Es geht um die Beseitigung der französischen Vorherrschaft und Fremdherrschaft in Europa.&nbsp;</p>
7. April 1813

Berlin - München * Preußen verlangt den sofortigen Anschluss Baierns an die „antifranzösische Koalition“

10. Juni 1813

München * Im Königreich Baiern tritt das Judenedikt in Kraft. Es legt detaillierte Rechte wie zahlreiche Beschränkungen für die Juden und die genaue Zahl der jüdischen Bevölkerung fest. Die letzte Auflage gilt bis 1861. 

1. Oktober 1813

München * Das von Anselm von Feuerbach verfasste Allgemeine Strafgesetzbuch tritt in Kraft. Das Gesetzeswerk gilt als fortschrittlich und wird zum Vorbild im In- und Ausland. 

3. Oktober 1813

Ried * Mit dem Vertrag von Ried tritt Baiern noch vor der Leipziger Völkerschlacht auf die Seite der Verbündeten Russland, Preußen und Österreich. Dem baierischen König sind darin der derzeitige Besitzstand und die volle Souveränität über alle seine Gebiete zugesichert worden.

8. Oktober 1813

Ried * Mit dem Vertrag von Ried vollzieht das Königreich Baiern den Bündniswechsel zur antinapoleonischen Koalition. Nach achtjährigem Bündnis mit Frankreich wechselt Baiern auf die Seite der Alliierten.

  • Umgehend garantiert Österreich Baiern seine Souveränität und seinen Besitzstand im Umfang von 1812. 
  • Gleichzeitig erklärt Baiern den Austritt aus dem Rheinbund. 
  • Das zu stellende Truppenkontingent erhöht sich allerdings auf 36.000 Mann. 

Das Oktoberfest fällt zum ersten Mal aus.

14. Oktober 1813

München - Paris * Das Königreich Baiern erklärt Frankreich den Krieg. 

16. Oktober 1813

Leipzig * Die Völkerschlacht bei Leipzig beginnt als Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege gegen Napoleon. Sie dauert bis zum vom 19. Oktober 1813. Dabei kämpfen die Truppen der Verbündeten Österreich, Preußen, Russland, Schweden und Baiern gegen die französischen Truppen.

Die Verbündeten bringen Napoleon Bonaparte die entscheidende Niederlage bei, die ihn zwingt, sich mit der verbliebenen Restarmee und ohne Verbündete aus Deutschland zurückzuziehen. In dieser wahrscheinlich größten Schlacht der Weltgeschichte werden von den rund 600.000 beteiligten Soldaten 92.000 getötet oder verwundet.

18. Oktober 1813

Leipzig * Die entscheidende Schlacht der Völkerschlacht bei Leipzig wird geschlagen. Die französischen Truppen können der Übermacht der Verbündeten nicht mehr standhalten und müssen sich in die Stadt zurückziehen. 

19. Oktober 1813

Leipzig • Die französischen Truppen unter Napoleon Bonaparte müssen Leipzig räumen. Die dreitägige Schlacht hatte schwere Verluste gefordert. Viele Franzosen kommen auch auf der Flucht ums Leben, andere müssen sich in Kriegsgefangenschaft begeben. 

1. Dezember 1813<p><em><strong>München-Graggenau</strong></em> * Beim Bau zum Hof- und Nationaltheater werden die Außenmauern fertiggestellt.&nbsp;</p>

1814

1. Januar 1814

Königreich Bayern * Das Volljährigkeitsalter im Königreich Baiern wird - ohne Unterschied des Standes oder Geschlechts - einheitlich auf 21 Jahre festgesetzt. Bisher waren die Regelungen in den einzelnen Reichsteilen Baierns unterschiedlich. 

1. Februar 1814

La Rothière * Die Schlacht bei La Rothière findet im Tal der Aube südlich von Brienne statt. Sie steht in engem Zusammenhang mit der Schlacht von Brienne-le-Château, die drei Tage zuvor mit einem Rückzug der Koalitionstruppen endete. 

Das beherzte Eingreifen des baierisch-österreichischen Korps unter General Carl Philipp Joseph von Wrede hat dazu beigetragen, dass Napoléon Bonaparte um 21 Uhr den Befehl zum Rückzug gibt. 

4. Februar 1814

München * Kronprinz Ludwig I. lässt ein Preisausschreiben zum Bau für ein Antikengebäude für Plastiken, der Glyptothek, sowie eine Ruhmeshalle für große Deutsche, die Walhalla, und für ein Invalidenhaus veröffentlichen. Der Einsendschluss für den Wettbewerb ist auf den 1. Januar 1815 festgelegt. 

26. Februar 1814

München * Graf Alois von Rechberg stellt Kronprinz Ludwig I. den Architekten Leopold Klenze vor. Es kommt noch zu keiner Anstellung. Erst im Januar 1816 wird Leo von Klenze nach München kommen. 

26. Februar 1814

Bar sur Aube * Die baierisch-österreichischen Truppen unter General Carl Philipp Joseph von Wrede kämpfen in Bar-sur-Aube gemeinsam mit Russen und Preußen gegen französisches Militär. Den Baiern gelingt es sogar ein Stadttor aufzubrechen und in das Stadtinnere vorzudringen. Doch sie werden schnell wieder vertrieben.

In der Nacht sitzen die Franzosen im Innern der Stadtmauern fest, während die Baiern das Gelände davor beherrschen.

27. Februar 1814

Bar sur Aube * Die Kämpfe um Bar-sur-Aube gehen weiter. Die Baiern greifen die Stadt entschlossen an, können eines der Stadttore erstürmen und aufbrechen und dringen in die Stadt ein. Ein heftiger Häuserkampf entbrennt, bei dem die Einwohner der Stadt auf der Seite ihrer Truppen mitkämpfen.

Als sich aber die französischen Truppen außerhalb der Stadt über die Aube zurückziehen, beginnt auch die französische Besatzung der Stadt ihren Rückzug über den Fluss. Die Baiern können nun Bar-sur-Aube im Sturm erobern und die in der Stadt festsitzenden französischen Soldaten gefangen nehmen.

Der Name dieses Schlachtortes findet sich seit 1826 in der Barer Straße wieder. Diese hieß zuvor Carolinenstraße beziehungsweise ab dem Carolinenplatz Wilhelminenstraße.  

7. März 1814

München * General Carl Philipp Joseph von Wrede wird wegen seiner besonderen militärischen Leistungen in den Befreiungskriegen zum Feldmarschall befördert. 

11. März 1814

München-Maxvorstadt * Der Alte Botanische Garten ist nahezu fertig gestellt.

20. März 1814<p><strong><em>Arcis-sur-Aube</em></strong> * Die Schlacht von Arcis-sur-Aube&nbsp;stellt sich für Napoleon Bonaparte nahezu aussichtslos dar, da er einen Mehrfrontenkrieg gegen Russland, Preußen, Großbritannien und Österreich führt.&nbsp;</p> <p>Bei Arcis-sur-Aube muss die französische Armee mit 28.000 Mann gegen eine fast dreifach überlegene österreichische Armee unter Generalfeldmarschall&nbsp;Karl Philipp zu Schwarzenberg mit 80.000 Mann kämpfen.&nbsp;Unter ihnen befinden sich auch baierische Truppen unter Feldmarschall&nbsp;Carl Philipp Joseph von Wrede.&nbsp;</p>
21. März 1814

Arcis-sur-Aube * Im weiteren Kampfverlauf in der Schlacht von Arcis-sur-Aube ordnet Napoleon Bonaparte um 12 Uhr mittags den sofortigen Abzug seiner sämtlichen Truppen an. Damit ist der Weg für die Verbündeten nach Paris frei.

Auch an diese Schlacht erinnert eine Straße in der Maxvorstadt, die Arcisstraße, die vor 1826 den Namen Ludwigstraße trug. Die spätere Meiserstraße und heutige Katharina-von-Bora-Straße hieß damals noch Amalienstraße. 

31. März 1814<p><strong><em>Paris</em></strong> * Im Rahmen der Befreiungskriege&nbsp; marschieren die Verbündeten&nbsp;in Paris ein.&nbsp;</p>
6. April 1814<p><strong><em>Fontainebleau</em></strong> * Napoleon Bonaparte dankt in Fontainebleau (erstmals) ab.&nbsp;Der&nbsp;<em>„Rheinbund“</em>&nbsp;hat sich bereits aufgelöst.</p>
10. April 1814<p><strong><em>München - Paris</em></strong> * In der Peterskirche, der Frauenkirche&nbsp;und der Michaelskirche&nbsp;wird ein <em>„Te deum“</em> gesungen.&nbsp;Draußen werden Kanonen abgefeuert.&nbsp;Damit feiern die Münchner das Einrücken der alliierten Truppen&nbsp;mit baierischer Beteiligung&nbsp;ins feindliche Paris.&nbsp;</p>
11. April 1814<p><strong><em>Elba</em></strong> * Napoleon Bonaparte behält seinen Titel.&nbsp;Ihm wird die Insel Elba als Fürstentum zugewiesen.&nbsp;Mit Ludwig XVIII. wird in Frankreich das Königtum restauriert.&nbsp;</p>
30. Mai 1814

Paris * Mit dem Ersten Frieden von Paris werden die napoleonischen Befreiungskriege beendet. Es ist ein Versöhnungsfrieden, der Frankreich als Großmacht in den Grenzen von 1792 bestehen lässt. Das Land erhält sogar besetzte Kolonien und Handelsniederlassungen zurück.

Der Erste Pariser Frieden legt in einer völkerrechtlich verbindlichen Formel fest: „Die Staaten Deutschlands werden unabhängig und durch ein föderatives Band vereinigt sein.“ Damit ist die Restauration der vorrevolutionären Verhältnisse des alten Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation ebenso ausgeschlossen, wie die Gründung eines deutschen Einheitsstaates.

Durch die von Napoleon initiierte große Flurbereinigung der deutschen Landkarte ist die Zahl der deutschen Staaten auf ein überschaubares Maß reduziert worden. Das hat jedoch an den zum Teil enormen Größenunterschieden nichts geändert. Durch die erheblich vergrößerten süddeutschen Mittelstaaten Baiern, Württemberg, Baden und anderer war ein neuer Machtfaktor entstanden.

Die Neuordnung erfolgt freilich unter den Eindrücken der bürgerlichen Reformprojekte der Französischen Revolution, die bereits zuvor in den deutschen Einzelstaaten Resonanz gefunden und dort manche Impulse zur Modernisierung der Staats- und der Gesellschaftsordnung ausgelöst hat. 

3. Juni 1814

Paris - München * Im baierisch-österreichischen Vertrag von Paris werden die Grenzen des Königreichs Baiern neu festgelegt. Für die Abtretung Tirols, Vorarlbergs sowie Salzburgs und einiger anderer österreichischer Gebiete erhält Baiern das Großherzogtum Würzburg, Aschaffenburg, die Pfalz und Berchtesgaden. Bayerns Staatsgebiet erreicht damit fast seine heutige Form.

9. Juni 1814

München - Ellingen * Generalfeldmarschall Carl Philipp Joseph von Wrede wird der Fürstentitel verliehen und ihm die fürstliche Herrschaft Ellingen überlassen. 

26. Juni 1814

Innsbruck - Wien * Österreich ergreift offiziell Besitz von Tirol. Damit endet dort die baierische Herrschaft endgültig. Österreich übernimmt die meisten Errungenschaften der baierischen Verwaltung und hütet sich davor, zu den alten Strukturen zurückzukehren. Selbst die alte Ständeverfassung, deren Abschaffung eine der Hauptursachen des Aufstands von 1809 war, wird nur in sehr mild abgeänderter Form wiederbelebt.

22. August 1814

Auteuil * Sir Benjamin Thompson Reichsgraf von Rumford stirbt in Auteuil bei Paris.

26. August 1814

Innsbruck - Wien * Tirol wird mit Österreich wieder vereinigt.

28. August 1814

Auteuil * Sir Benjamin Thompson, Reichsgraf von Rumford, wird auf dem Friedhof von Auteuil, am Stadtrand von Paris, beerdigt.

18. September 1814

Wien * Der Wiener Kongress beginnt. Er tagt bis zum 9. Juni 1815. Im Mittelpunkt der vom österreichischen Staatskanzler Fürst Clemens Menzel von Metternich geleiteten und unter starkem Einfluss des Zaren Alexander I. und England stehenden Verhandlungen steht die Neuordnung Europas nach den Befreiungskriegen und dem Zusammenbruch des napoleonischen Herrschaftssystems.

Ein wesentlicher Punkt auf der Tagesordnung der europäischen Politik ist die Schaffung einer neuen Friedensordnung, die der Wiener Kongress vornehmlich dadurch umzusetzen versucht, indem er die Macht zwischen den Großmächten ins Gleichgewicht bringen will. Für die Königreiche, darunter Baiern, sowie die Großherzogtümer, Herzogtümer und Grafschaften des Rheinbundes ist vordringlich, dass nach ihrem Wechsel zur antinapoleonischen Allianz die Eigenstaatlichkeit und Souveränität ihrer bestehenden Staaten vertraglich festgeschrieben wird. 

22. September 1814

München • Der mittlerweile zum Königlich Baierischen Hofbankier aufgestiegene Aron Elias Seligmann wird von König Max I. Joseph als erster Jude in Baiern in den erblichen Adelsstand erhoben, nobilitiert. Seither nennen sich er und seine zehn Kinder von Eichthal. Damit verbunden ist auch die Verleihung des Wappens der ausgestorbenen Familie von Thalmann in Augsburg. 

12. Oktober 1814

München-Theresienwiese * Aufgrund der Befreiungskriege findet das Oktoberfest nur in begrenztem Umfang statt. Das Pferderennen fällt aus. Nur das Landwirtschaftliche Zentralfest mit seinem Viehmarkt wird abgehalten. Von der königlichen Familie erscheint nur Prinzessin Auguste auf der Wiesn. 

26. Dezember 1814

Schloss Stepperg * Caroline Gräfin von Arco wird als drittes Kind der Kurfürsten-Witwe Maria Leopoldine auf Schloss Stepperg geboren. Das Kind stirbt bereits am 18. Januar 1815 an Schleimfieber. 


1815

3. Januar 1815

Wien * Österreich, England und Frankreich schließen während des Wiener Kongresses ein Bündnis gegen Preußen. 

25. Januar 1815

München * 39 jüdische Männer gründen in der Wohnung von Judith Wertheimer, der Witwe des kurfürstlichen Hoffaktors Abraham Wolf Wertheimer, die Israelitische Kultusgemeinde. Sie beschließen die Anlage eines jüdischen Friedhofs und für diesen Zweck den Kauf eines Grundstücks an der Thalkirchner Straße. 

9. März 1815

München * Kronprinz Ludwig I. gibt in einer von seinem Vater Max I. Joseph angeforderten Stellungnahme zum Verfassungsentwurf eine sehr detaillierte und bemerkenswerte Denkschrift ab, in der der liberal auftretende Ludwig

  • für eine Beschneidung der Kronrechte und
  • für eine Volksrepräsentation mit weitreichenden Kompetenzen plädiert.  
  • In der Konzeption der Gewissens- und Pressefreiheit geht der Kronprinz sogar weit über den Entwurf der Kommission hinaus. 
5. April 1815<p><strong>Indonesien</strong> * Am Abend des 5. April 1815 bricht im 12.000 Kilometer entfernten indonesischen Insel Sumbawa der Vulkan Tambora mit einer so apokalyptischen Gewalt aus, dass der ursprünglich 4.000 Meter hohe Vulkan 150 Megatonnen Gestein, Asche und Schwefelverbindungen in die Luft sprengt und nach dem Ausbruch 1.300 Meter niedriger ist.&nbsp;</p> <p>Die Verunreinigung der Atmosphäre führen zu einem Schleier, der den gesamten Erdball umfasst und das Weltklima abkühlen lässt. Der Temperaturrückgang hält bis 1819 an. Eine gigantische Aschewolke zieht über die nördliche Erdhalbkugel und bringt im Frühjahr 1816 mit Hunger und Tod das Elend über Baiern.&nbsp;</p>
Ab Juni 1815

Deutscher Bund * Die Zeitspanne vom Ende des Wiener Kongresses [1815] bis zum Beginn der bürgerlichen Revolution [1848] in den Ländern des Deutschen Bundes wird als Biedermeier bezeichnet.

In dieser Zeit wird ein großer Teil der Bevölkerung daran gehindert, einen eigenen Hausstand zu gründen und zu heiraten. Als besonders streng gelten die Vorschriften im rechtsrheinischen Königreich Baiern. Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist die Eheschließung in Bayern an eine obrigkeitliche Genehmigung gebunden. 

1. Juni 1815

Salzburg * Otto, der spätere König von Griechenland, wird als drittes Kind und zweiter Sohn des bayerischen Kronprinzen Ludwig I. und dessen Gemahlin Therese in Salzburg geboren. 

8. Juni 1815

Wien * Auf dem Wiener Kongress wird der Deutsche Bund gegründet. Der Zusammenschluss aller souveränen deutschen Fürsten und Freien Städte tritt an die Stelle des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation.  

In der Bundesakte wird der Deutsche Bund als Staatenbund organisiert. Ohne Zentralgewalt, unter der Präsidialmacht Österreichs, ohne Gerichtshof und ohne gewähltes Parlament. Die Bundesversammlung, inoffiziell auch Bundestag genannt, ist eine Gesandtenversammlung. Darin ist sie dem alten Reichstag ähnlich, wie auch das alte Heilige Römische Reich Deutscher Nation ein Staatenbund war.  

Der Artikel 13 der Deutschen Bundesakte bestimmt für alle Mitgliedsstaaten eine landständische Verfassung. Doch diesem Auftrag kommt das Königreich Baiern nur unvollständig nach, da die Verwirklichung eindeutig ein Rückschritt gegenüber der Konstitution gewesen wäre. Denn in einer landständischen Verfassung hätte sich die Landschaft wieder aus

  • dem landständischen Adel,
  • den landsässigen Prälaten und
  • den Vertretern der Städte und Märkte

zusammengesetzt. Wieder hätte lediglich die Geburt, der Besitz und das Amt die Grundlage zur Beteiligung an der politischen Willensbildung gebildet. 

Weder eine Wahl, noch eine Legislaturperiode ist vorgesehen. Dieses ist schlicht systemfremd. 

9. Juni 1815

Wien * Der Wiener Kongress endet mit der Wiener Schlussakte. 

Um August 1815

Königreich Baiern * Die Getreideernte fällt in diesem Jahr nur sehr gering aus. 

23. September 1815

Elbach bei Miesbach • Vor dem Hause der Mayrin zu Elbach bei Miesbach wird Haberfeld getrieben. 

20. November 1815

Paris * Im 2. Pariser Frieden werden die Grenzen Frankreichs - entgegen dem 1. Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 - auf den Stand von 1789 festgesetzt. 


1816

1816

Berg am Laim * Simon von Eichthal und dessen Ehefrau Julie konvertieren in einer feierlichen Messe in der Berg am Laimer „Michaelskirche“ zum katholischen Glauben. 

1816

München-Lehel * Joseph Anton von Maffei leitet als Pächter die väterliche Tabakfabrik im Lehel.

1816

München - Königreich Baiern * Die Regierung legt fest, dass der zehnjährige Aufenthalt in einem Ort zur Erwerbung des Heimatrechts ausreichend ist. Die Verjährung als Erwerbstitel wird ab dem Jahr 1818 dazu führen, dass viele Anwärter nach neun Jahren abgeschoben werden. 

1816

München - Rom-Vatikan * Die „Konkordats-Verhandlungen“ zwischen dem Königreich Baiern und dem „Heiligen Stuhl“ werden wieder aufgenommen. 

Bischof Johann Casimir Häffelin führt als baierischer Gesandter die Gespräche in Rom. 

Und obwohl er als ein „Mann der katholischen Aufklärung“ gilt, kommt er der römischen Kurie so weit entgegen, sodass die Regierung in München mehrere „Konkordats-Entwürfe“ ablehnen muss. 

um März 1816<p><strong><em>Königreich Baiern</em></strong> * Nach dem gewaltigen Ausbruch des Vulkans Tambora zieht eine gigantische Aschewolke zieht über die nördliche Erdhalbkugel und bringt im Frühjahr 1816 mit Hunger und Tod das Elend über Baiern. Die Vorräte waren durch die Truppendurchzüge und Einquartierungen der letzten Jahre erschöpft worden. Das Land war schon von den Napoleonischen Kriegen ausgezehrt. Jetzt prägen Mangel und Not den Alltag.</p> <p>Die Aschewolke lässt kaum noch einen Sonnenstrahl durch. Mitten im August schneit es. Kälte und Frost vernichteten die Ernte. Es war ein europaweites Phänomen, aber Baiern traf es am härtesten.&nbsp;</p>
24. März 1816

München * Die erste Bestattung auf dem jüdischen Friedhof an der Thalkirchner Straße. 

14. April 1816<p><strong><em>München</em></strong> * Im <em>„Münchner Vertrag“</em> gibt Baiern Salzburg, das Hausruckviertel und Tirol an Österreich.&nbsp;</p> <ul> <li>In Bayern verbleiben Berchtesgaden und die Alt-Salzburger Gebiete rund um Tittmoning, Waging, Laufen, Teisendorf und Staufeneck.&nbsp;</li> <li>Im Umkehrschluss erhält Baiern die linksrheinische Pfalz sowie Hammelburg, Brückenau, Teile von Biberstein, Redwitz, Alzenau, Miltenberg, Amorbach und Heubach.&nbsp;</li> </ul>
23. April 1816

München-Maxvorstadt * Der Grundstein für die Glyptothek wird gelegt. 

um September 1816<p><strong><em>Königreich Baiern</em></strong> * Es kommt aufgrund des Vulkanausbruchs in Indonesien und der damit verbundenen Klimaverschlechterung zu einer fünffachen Brotverteuerung. Und da siebzig Prozent der Ernährung aus Getreideproduktion besteht, kann der Bedarf an Grundnahrungsmittel für rund achtzig Prozent der Bevölkerung nicht mehr gedeckt werden.</p>
17. November 1816

München - Königreich Baiern * Das Armenwesen wird neu geregelt, durch eine Verordnung wieder dezentralisiert und zur Aufgabe der Heimatbezirke erklärt. 

Die Kommunen bekommen mehr Mitbestimmung. Die Armenpflege wird jetzt durch kommunale Pflegschaftsräte und Pflegausschüsse, denen der Ortspfarrer, der Gemeindevorsteher und weitere gewählte Gemeindemitglieder angehören, geregelt. Sie entscheiden abschließend über den Anspruch und die Höhe der Unterstützung. Das Betteln wird grundsätzlich verboten.

Der Anspruch auf Armenpflege steht nur den „eingehörigen Armen“ zu. Die Gesetze über die Heimat legen den betroffenen Personenkreis fest. 

28. November 1816

München - Königreich Baiern * Bettelpolizeiliche Bestimmungen werden in einer Verordnung über Bettler und Landstreicher erlassen. 

28. November 1816

München - Königreich Baiern * Eine Verordnung über Zwangsarbeitshäuser regelt, dass in diese Einrichtungen nicht nur lästige Bettler und Landstreicher, sondern auch

  • „Menschen von fortgesetztem schlechten Lebenswandel, die sich dem Müßiggange, der Unsittlichkeit und öffentlichen Ausschweifungen ergeben und dadurch,
  • sowie durch Widerspenstigkeit und Ungehorsam gegen Eltern und Vorgesetzte Unordnung, Gefahr und Verderben in die Familie und Gemeinde bringen“ untergebracht werden können. 
7. Dezember 1816

München * Der päpstliche Konkordatsentwurf wird für „unannehmbar“ erklärt.  

Noch während der Regierungszeit des Grafen von Montgelas wurden Verhandlungen mit der päpstlichen Administration über die Neuordnung der Kirchenverhältnisse in die Wege geleitet. Anno 1807 stellte man die Gespräche ein, bis im Jahr 1816 der Bayerische Gesandte beim Heiligen Stuhl, Bischof Kasimir Freiherr von Häfflein, in neue Konkordats-Verhandlungen eintrat.  

Da aber die Positionen der bayerischen Regierung und dem wieder erstarkten, selbstbewussten Papsttum nur schwer zu vereinbaren sind, schlägt Bayern als einzigen Gegenstand der Verhandlungen

  • die Neufestsetzung der Diözesangrenzen und 
  • die Regelung zur Besetzung der Bischofsstühle vor.  

Die Grenzen der Diözese stimmen nicht mit den Landesgrenzen überein, weshalb Bayern eine geschlossene territoriale Kirchenorganisation will und auf einen maximalen Einfluss bei der Besetzung der Bischofsstühle und damit indirekt auch auf die Pfarreien drängt. Eine Preisgabe der bisher ausgeübten staatlichen Kirchenhoheit kommt für die Regierung Montgelas nicht in Frage. 


1817

1817

München-Graggenau * Luigi Tambosi und die Kurfürstinwitwe Maria Leopoldine sind sich handelseinig.
Er will ihr um 22.000 Gulden das „Kaffeehaus an der Hofgartenmauer vor der Reitschule“ abkaufen.

Dann erfahren sie, dass das „Kaffeehaus“ abgerissen und in den „Englischen Garten“ verlegt werden soll.

Die Niederlegung der Gebäude verzögert sich bis 1825.
So lange bleibt Maria Leopoldine Eigentümerin und Luigi Tambosi Pächter des „Kaffeehauses an der Hofgartenmauer vor der Reitschule“

1. Februar 1817

München * König Max I. Joseph kehrt von einem fast achtwöchigen Wien-Aufenthalt zurück. Er erhält von seinem Marschall Carl Philipp Fürst von Wrede anstatt des üblichen Rapports über das, was sich in der Abwesenheit des Königs zugetragen hat, einen Brief des Kronprinzen Ludwig überreicht. 

In diesem fordert der „deutschtümelnde“ Prinz die Absetzung des Ministers Maximilian Joseph von Montgelas, weil dieser „alles Vertrauen im In- und Auslande“ verloren habe und der „täglich größer werdende Zerfall der Finanzen“ immer offensichtlicher werde. Aus Sicht Ludwigs, der Montgelas als den „eigentlichen Beherrscher Baierns“ empfindet, muss ein neuer Geist in die Ministerien einziehen. „Männer seines Systems“ dürfen nie wieder Minister werden. 

Marschall Carl Philipp von Wrede hat die Aufgabe den König zu dieser Entscheidung zu überreden und ihn von der unabweislichen Amtsenthebung Montgelas zu überzeugen. 

2. Februar 1817

München-Kreuzviertel * Mit den Worten: „Sonntag um elf Uhr werde ich mich bei Ihnen einfinden; adieu mon cher Montgelas. Ich hoffe, Sie in besserer Gesundheit anzutreffen, als ich Sie verlassen habe“, hat der baierische Herrscher sein Kommen für den 2. Februar 1817 angekündigt. Doch statt dem König fährt ein Bote mit der Entlassungsurkunde in der Tasche in das Palais am Promenadeplatz. 

Der abgesetzte Minister erhält nicht einmal die Gelegenheit, sich zu den Vorwürfen zu äußern. Das Kündigungsschreiben ist so formuliert, als hätte der Graf selbst aus gesundheitlichen Gründen gebeten, „ihn der ganzen Last der ihm bisher anvertrauten Staatsämter zu entheben“. Graf Maximilan Joseph von Montgelas schweigt nach der Überreichung des Schreibens erst einmal eine Viertelstunde und äußert sich dann nur über die - aus seiner Sicht - viel zu niedrige Höhe der Pension. 30.000 Gulden erhält der Neurentner, statt der 36.000 Gulden, die er als aktiver Minister erhalten hat.

Das ist also der Dank des Hauses Wittelsbach für den Mann, der ihnen in jahrzehntelanger Arbeit das Land vergrößerte, einen modernen Staat geschaffen und die Königskrone errungen hatte. Doch für Kronprinz Ludwig ist der Minister, der Baiern geformt, reformiert und modernisiert hat, einfach zu „unteutsch“.

In dieser Zeit kursieren zudem Schmähschriften, in denen Montgelas unterstellt wird, er sei nur ein „halber Baier“ und gehöre der alles unterjochenden französischen Nation an. Als Ernestine von Montgelas nach der Entlassung ihres Mannes als Minister die Gruppierung der Verschwörer an der Hoftafel beschimpft, erhält sie lebenslanges Hofverbot.

Kein Wunder, dass der ansonsten denkmalgeile König Ludwig I. dem Architekten des modernen Baiern kein Bronzestandbild setzen lässt, wohl aber seinem Mitverschwörer Fürst Carl Philipp von Wrede. Danach bewirkt eine deutsch-national gestimmte bayerische Geschichtsschreibung, dass Montgelas bei den Bayern in keinem guten Andenken bleibt.

Nach der Entlassung des Grafen Maximilian Joseph von Montgelas werden die Ministerien neu aufgeteilt. Das Portefeuille des Äußeren erhält Alois Graf von Rechberg, das des Inneren Friedrich Graf von Thürheim und das der Finanzen Maximilian Freiherr von Lerchenfeld.

2. Februar 1817

München - Rom-Vatikan * Als Minister Maximilian Joseph von Montgelas gestürzt wird, nehmen die Konkordats-Verhandlungen einen völlig anderen Verlauf. 

20. Februar 1817

Königreich Baiern * Baiern wird in acht Kreise eingeteilt, die in etwa den heutigen Regierungsbezirken entsprechen. Es sind dies 

  • der Isarkreis,
  • der Unterdonaukreis,
  • der Oberdonaukreis,
  • der Regenkreis, der Rezartkreis,
  • der Obermainkreis,
  • der Untermainkreis und
  • der Rheinkreis. 
um März 1817<p><strong><em>Königreich Baiern</em></strong> * Die Hungersnot erreicht ihren Höhepunkt. <em>„Statt des mangelnden Brotes aß man Flechten, Moose und Baumrinden, man stach die ersten Graswurzeln im Frühjahr 1817 aus der Erde, um sich Gemüse daraus zu machen oder sammelte Brennesseln zum gleichen Zweck, man kaufte sich Kleie, […] um sie zu kochen und Kuchen aus ihr zu backen.“</em></p> <p><em>„Achtzehnhundertunderfroren“</em> nennen die Menschen die Zeit dieses unerklärbaren Klimaschocks. Woher sollen sie auch wissen, dass ein Vulkanausbruch auf einer fernen unbekannten Insel ihr Elend ausgelöst hat. Sie vermuten vielmehr eine Strafe Gottes für die Säkularisation und das Verbot kirchlicher Traditionen. Klöster konnten geschleift werden - der Glaube nicht.</p>
Um März 1817

Königreich Baiern * Die Hungersnot setzt sich fort. Ein Bericht informiert: „[…] man stach die ersten Graswurzeln im Frühjahr 1817 aus der Erde, um sich Gemüse daraus zu machen oder sammelte Brennnesseln zum gleichen Zweck, man kaufte sich Kleie […], um sie zu kochen und Kuchen aus ihr zu backen“

Ab März 1817

Königreich Baiern * Eine Teuerungshysterie beginnt. Man vermutet hinter den horrenden Getreidepreisen das Werk und die Machenschaften von Spekulanten und Wucherern.

Die Folge sind Hungerkrawalle, Magazinplünderungen und Bauernaufstände im Ausland und in Baiern. 

16. April 1817

München-Graggenau * Durch Brandstiftung brennt in der Nacht vom 16. April 1817 der seit zwei Jahren im Hof des Marstalls gelagerte Dachstuhl für das Hof- und Nationaltheater ab. An der Brandstelle findet man Zettel mit der Aufschrift „Brot oder Brand“.

Böse Zungen behaupten ernsthaft, der Dachstuhl „hat brennen müssen“, weil letzte Nachmessungen gezeigt hätten, dass die Querbalken zu kurz gewesen seien und dadurch die Unfähigkeit des Architekten Carl von Fischers ans Licht gekommen wäre. 

Um den 17. April 1817

München-Graggenau * Nach der Brandstiftung am 16. April überlegt König Max I. Joseph die Verlegung der Residenz in eine andere Stadt. An seinen Sohn, Kronprinz Ludwig I., schreibt er: „Die Köpfe fangen an, sich zu erhitzen und unruhig zu werden, die anonymischen Briefe sind häufig.“ 

10. Mai 1817

München-Kreuzviertel * Die baierische Regierung macht einige kleinere Zugeständnisse am Verhandlungsergebnis zum Konkordat.  

5. Juli 1817

Rom-Vatikan - München * Obwohl er dazu nicht ermächtigt ist, unterschreibt Bischof Johann Casimir Häffelin ein zuvor von der baierischen Regierung in wesentlichen Teilen abgelehntes Konkordat. 

Um August 1817

Königreich Baiern * Als Nachwirkung auf den Vulkanausbruch auf der Insel Sumbawa im heutigen Indonesien vom April 1815 kommt es auch in diesem Jahr zu einer nur gering ausfallenden Getreideernte. Die Hungersnot setzt sich fort. 

Um den 10. September 1817

Königreich Baiern * Trotz der Erhöhung des Ausfuhrzolls für Getreide und Ankäufe im Ausland steigen die Getreidepreise erneut. Kapitalkräftige Bauern, Bäcker und Getreidehändler machen in kürzester Zeit ein Vermögen. 

13. September 1817

München-Kreuzviertel * Die Regierung erlässt eine Verordnung über den Getreidehandel, in der alle Vorschriften zusammengefasst werden. Außerdem wird die Anlegung von Notmagazinen mit einem Sechstel des Jahresbedarfs für die Städte angeordnet. 

11. Oktober 1817

München-Maxvorstadt * Der Grundstein für das Leuchtenberg-Palais am Odeonsplatz wird gelegt. 

24. Oktober 1817

München * Die Regierung legt den Konkordatsentwurf König Max I. Joseph zur Unterschrift vor. Neben dem Verzicht auf Kontrollrechte über die Kirche wird der Staat zum Unterhalt der Bischöfe sowie der Domkapitel und zur Wiederherstellung einiger Klöster für Unterricht, Seelsorge und Krankenpflege verpflichtet.  

Weil die religiöse Toleranz und Parität gefährdet scheint, das Konkordat die baierischen Protestanten eindeutig zurückgesetzt hat und gleichzeitig die herausgehobene Stellung der katholischen Kirche im Staat auf ein göttliches Gesetz beruft, ergeht für die neue Verfassung ein neues Religionsedikt, welches den Vertrag mit dem Heiligen Stuhl stark relativiert. Durch einen politisch-juristischen Kunstgriff erhält das Religionsedikt Verfassungsrang, während das Konkordat nur ein Staatsgesetz ist und sich somit unterordnen muss.


1818

1818

München-Ludwigsvorstadt * Leo von Klenze hat Pläne für den Neubau einer evangelischen Kirche in München entwickelt. 

Da seine Planungen mindestens 280.000 Gulden gekostet hätten, einigt man sich auf auf eine günstigere Variante.
Das betrifft auch den Bauplatz an der Sonnenstraße. 

1818

München-Maxvorstadt * Das „Eichthal-Palais“ an der Brienner Straße 12 wird von Leo von Klenze erbaut.

1818

Königreich Baiern * Die Getreidepreise normalisieren sich wieder. 

17. Mai 1818

München - Königreich Baiern * Das Gemeindeedikt überweist die Bürgeraufnahme an die Gemeindebehörden. Die Gemeinden genehmigen damit alleine die Anträge auf Niederlassung und Verehelichung. Natürlich stehen dabei stets die Belange der Armenkasse und der Schutz des ortsansässigen Gewerbes vor möglicher Konkurrenz im Vordergrund. 

17. Mai 1818

München * Das Gemeindeedikt stellt die Selbstverwaltung der Städte und Gemeinden wieder her. In seinem Konzept eines zentralisierten Staates hatte Maximilian Joseph von Montgelas die Selbstverwaltung der Städte, Märkte und Gemeinden abgeschafft. Nach Montgelas‘ Entlassung macht König Max I. Joseph - neun Tage vor dem Erlass einer neuen Verfassung - diese Maßnahme rückgängig.

Nach dem 18. Mai 1818

München - Königreich Baiern * Das Gemeindeedikt vom 17. Mai bewirkt, dass sich die Gemeinden nach Außen hin abschließen und sich insbesondere gegen kinderreiche Familien und Nachwuchs erwartende junge Paare wehren. Das selbst dann, wenn diese Bewerber über ein ausreichendes Einkommen verfügen. Zur Vermeidung von Ansässigmachungen kaufen Gemeinden sogar Land auf.

Bereits ansässigen Gemeindemitgliedern wird häufig die Wiederverheiratung versagt, wenn in der künftigen Ehe mit Kindern zu rechnen ist. 

26. Mai 1818

München * Das Königreich Baiern gibt sich eine konstitutionelle Verfassung. Baiern ist damit unter den großen deutschen Staaten der erste Verfassungsstaat. Baden erreicht diesen Status drei Monate und Württemberg ein Jahre später.  

Der König vereinigt alle Rechte der Staatsgewalt in seiner Person, unterliegt aber in der Ausübung seiner Rechte einigen Beschränkungen.

Es gibt ein Zweikammersystem.

  • Die Erste Kammer sind die Reichsräte,
  • die Zweite Kammer setzt sich zusammen zu je einem Achtel aus adeligen Gutsbesitzern und Geistlichen, ein Viertel kommt von Städten und Märkten, die restliche Hälfte sind Landeigentümer ohne gutsherrliche Gerichtsbarkeit.
  • Es gibt eine Legislaturperiode und
  • außerdem werden die Mitglieder der Abgeordnetenkammer gewählt.  

    Dennoch ist der Weg zu demokratischen Strukturen noch sehr, sehr weit!  
  • Die adeligen Gutsbesitzer stellen ein Achtel, die katholischen und evangelischen Geistlichen ebenfalls ein Achtel, die Städte, Märkte und Gemeinden ein Viertel und die übrigen Landeigentümer ohne gutsherrliche Gerichtsbarkeit die Hälfte.  
  • Dazu kommen zusätzlich drei Vertreter der Universitäten.  
  • Es gibt keinen Parlamentarismus,  
  • die Mehrheitsverhältnisse in der Abgeordnetenkammer haben keinen Einfluss auf die Arbeit des Ministerrats,
  • die Abgeordneten haben kein Initiativrecht, dürfen also selbst keine Gesetzentwürfe einbringen und  dürfen nicht über ihren Zusammentritt selbstständig entscheiden.  

Im Vergleich zu den Vorgaben der Deutschen Bundesakte ist die Baierische Verfassung jedoch sehr modern ausgefallen. Sie legt das Fundament für das System einer konstitutionellen Monarchie.  

Erneut ist das neue Staatsgrundgesetz aber keine Vertragskonstruktion zwischen dem Fürsten und dem Volk, sondern ein einseitiger verfassungsgebender Akt des Königs. Man nennt das auch eine oktroyierte Verfassung, die vom König in freier Selbstbeschränkung erlassen wird und somit nicht das Ergebnis einer Vereinbarung zwischen Fürst und Volksvertretung darstellt.  

Im Gegenteil, der Baiernkönig begründet seine Herrschermacht mit der Verfassung nicht, sondern unterwirft sich vielmehr nur in bestimmten Punkten seinen selbst erlassenen Beschränkungen. 

26. Mai 1818

München * Das Adelsedikt teilt den baierischen Adel in fünf Klassen ein: Fürsten, Grafen, Freiherrn, Ritter (durch Verdienstorden) und einfache „von“

17. Juni 1818

München * König Max I. Joseph verkündet ein Religionsedikt, durch das das Konkordat vom 24. Oktober 1817 stark relativiert wird. Während das Religionsedikt Verfassungsrang erhält, wird das Konkordat diesem als einfaches Staatsgesetz untergeordnet.  Diese Maßnahme ist erforderlich geworden, weil das Konkordat für die katholische Kirche eine von Gott gegebene hervorgehobene Stellung proklamiert und damit die religiöse Toleranz und Gleichwertigkeit gefährdet hatte. 

12. Oktober 1818

München-Graggenau * Am Namenstag von König Max I. Joseph kann das von Carl von Fischer geplante neue Hof- und Nationaltheater mit dem Festspiel „Die Weihe“, einem Stück mit 160 Rollen, eingeweiht werden. Erst als der König - nach langem Zögern - in die Finanzierung eingegriffen hatte, gingen die Arbeiten zügig voran. 

17. November 1818

München - Königreich Baiern * Bei Erteilung der Heiratslizenzen muss jetzt auch der Armenpflegschaftsrat der Heimatgemeinde gehört werden. 

3. Dezember 1818

Lichtenheim * Max Pettenkofer wird in Lichtenheim bei Neuburg an der Donau als Kind eines Einödbauern geboren. 

21. Dezember 1818

Oldenburg * Prinzessin Amalie von Oldenburg, die spätere Königin von Griechenland, wird geboren. 


1819

1819

München * Joseph Baader, ein aus München stammender Ingenieur, regt den Bau einer „eisernen Comerzstraße“ zwischen Nürnberg und Fürth an.

Kronprinz Ludwig I. sieht jedoch noch in dem wirtschaftlichen Nutzen des Projekts Probleme. 

1819

München-Lehel * Der „Holzmarkt“ wird am „Isartor“ eingerichtet.

1. Februar 1819

München-Kreuzviertel * Die erste baierische Ständeversammlung tagt vom 1. Februar bis 25. Juli 1819. 

4. Februar 1819

München-Kreuzviertel * Die erste „Baierische Ständeversammlung“ wird von einem gut gelaunten König Max I. Joseph im „Ständehaus“ an der heutigen Prannerstraße feierlich eröffnet. 

5. März 1819

München-Kreuzviertel * Joseph von Utzschneider bringt in seiner Funktion als Münchner Bürgermeister in der Ständeversammlung einen Antrag gegen den jüdischen Hausiererhandel ein. Der Handel der Juden soll demnach die „Quelle aller den inländischen Handel und das Gewerbe untergrabenden und vernichtenden Übel“ darstellen. 

10. Juli 1819

München-Kreuzviertel * Die Ständeversammlung legt einen Maßnahmenkatalog zur Eingrenzung des jüdischen Hausiererhandels vor. 

22. Juli 1819

München-Kreuzviertel * König Max I. Joseph billigt den von der Ständeversammlung vorgelegten Maßnahmenkatalog zur Eingrenzung des jüdischen Hausiererhandels

25. Juli 1819

München-Kreuzviertel * Die erste Sitzungsperiode des Baierischen Landtags wird nach weniger als einem halben Jahr beendet. 

August 1819

Franken - Würzburg * Kurz nachdem König Max I. Joseph den Maßnahmenkatalog zur Eingrenzung des jüdischen Hausiererhandels genehmigt hat, kommt es in den fränkischen Landesteilen zu schweren Judenverfolgungen, „die vor allem in Würzburg das Maß des seit Jahrhunderten Dagewesenen überschritten. […] Arbeitslose, Handwerksburschen, verschuldete Bauern und Bürger stürmten die Häuser der Juden. Synagogen wurden in Brand gesteckt“.

Die Übergriffe auf die jüdischen Mitbürger dauern - mit Unterbrechungen - bis ins Jahr 1822 hinein an. 

31. August 1819

Karlsbad * Der österreichische Staatskanzler Clemens Menzel Fürst von Metternich will in den Karlsbader Verhandlungen vom 6. bis 31. August 1819 nicht nur

  • die Souveränität des Königreichs Baiern, sondern auch
  • die liberalen Errungenschaften der Baierischen Verfassung ernsthaft bedrohen.  

Es ist hauptsächlich Kronprinz Ludwig, der mit vehementem Einsatz die Errungenschaften verteidigen und bewahren kann - auch gegenüber seinem Vater. 

21. Oktober 1819

München-Au * Baron Aron Elias von Eichthal konvertiert - wie zuvor schon seine Söhne Simon, Bernhard und Arnold - zum Katholizismus. Er lässt sich in der Auer Carl-Borromäus-Kirche [?] taufen und nimmt zusätzlich den Namen Leonhard an. Seine Ehefrau Hindele/Henriette, eine geborene Levi, lässt sich hingegen nicht taufen. Ihre gemeinsamen Kinder können nun auch in den bayerischen Adel einheiraten. 


1820

11. Februar 1820

München * Der Architekt des Kgl. Hof- und Nationaltheaters, Carl von Fischer, stirbt im Alter von 37 Jahren. Kurz vor seinem Tod wird der Architekt - mit Duldung des Kronprinzen Ludwig I. - von Leo von Klenze verdrängt. 

20. Mai 1820

Wien * In den Wiener Ministerkonferenzen, die zwischen dem 25. November 1819 und dem 20. Mai 1820 stattfinden, gelingt es, den baierischen Standpunkt durchzusetzen. 

8. Juni 1820

München - Wien * Die Wiener Schlussakte tritt in Kraft. Damit ist die bereits erlassene Baierische Verfassung gesichert. Mit dieser Verfassung steht Baiern an der Spitze des deutschen Konstitutionalismus.  

Immerhin können sich Österreich und Preußen erst unter dem Eindruck der Revolution von 1848/49 zu Verfassungen durchringen. Bis dahin werden die Konstitutionellen Monarchien argwöhnisch als revolutionäre Gebilde betrachtet. 

27. August 1820<p><strong><em>Zugspitze</em></strong> • Josef Naus, ein bayerischer Offizier, gelingt die Erstbesteigung der Zugspitze.&nbsp;</p>

1821

1821

München-Kreuzviertel * Peter Paul Ritter von Maffei kauft den „Seinsheim'schen Besitz“ am Promenadeplatz 8 zur Unterbringung seiner Bank.

1821

München-Graggenau * Joseph Anton von Maffei gehört dem „Kollegium der Gemeindebevollmächtigten“, später dem „Magistrat“ an.

März 1821

Griechenland * Unter dem Kommando des Fürsten Alexandros Ypsilantis beginnen die Griechen im offenen Aufstand für ihre Freiheit und Selbstständigkeit zu kämpfen. 

Da aber die von Russland erwartete Unterstützung in diesem „Unanhängigkeitskrieg“ nicht erfolgt, wird die „Heilige Schar“ unter Alexandros Ypsilantis innerhalb von nur drei Monaten vollkommen aufgerieben.
Es kommt in der Folge zu grausamen Massakern unter der griechischen Bevölkerung.

Mit Beginn des „Unabhängigkeitskrieges“ gründen sich in ganz Westeuropa Vereinigungen von „Philhellenen“ (das bedeutet „Griechenfreunde“), die in der Öffentlichkeit für die griechische Sache werben, diese mit Geldspenden unterstützen und sich auch selbst in die Kampfhandlungen einmischen.
Zu diesen „Philhellenen“ zählt sich auch Ludwig I..
Der Bayernkönig unterstützt - leidenschaftlich und mit viel romantischem Pathos versehen - die griechischen Patrioten in ihrem „Freiheitskampf“.

Die Griechen kämpfen einen „Guerillakrieg“.
Die griechischen „Freiheitskämpfer“ werden von einem „Kapetánii“ angeführt und bezeichnen sich selbst als „Klephte“, was eigentlich Dieb oder Räuber bedeutet, oder als „Pallikare“, was junger Mann oder Held heißt.
In der Zeit des „Unabhängigkeitskrieges“ sind unter diesen Bezeichnungen aber immer „Freiheitskämpfer“ gemeint. 

5. Mai 1821

St. Helena * Napoleon Bonaparte, der ehemalige französische Kaiser Napoleon I., stirbt in Langwood House auf der britischen Insel Sankt Helena im Südatlantik in der Verbannung

15. September 1821

Tegernsee * Mit der Tegernseer Erklärung wird ein langwieriger Streit zwischen der bayerischen Regierung und der katholischen Kirche ein Ende gesetzt. König Max I. Joseph erklärt darin, dass das Konkordat als Staatsgesetz angesehen und vollzogen werden wird. 

12. Oktober 1821

München-Maxvorstadt * Für diesen Tag ist die Schlüsselübergabe für die Glyptothek vom Architekten Leo von Klenze an Kronprinz Ludwig I. geplant. Diese Zeremonie kann erst am 5. Oktober 1830, fast neun Jahre später, nachgeholt werden. 

1. November 1821

Tegernsee * Nachdem der Streit zwischen Staat und Kirche mit der Tegernseer Erklärung ausgeräumt werden konnte, kann Lothar Anselm Freiherr von Gebsattel zum Bischof geweiht werden. 

5. November 1821

München-Kreuzviertel - Freising * Bischof Lothar Anselm Freiherr von Gebsattel ergreift feierlich Besitz

  • von der Metropolitankirche Zu Unserer Lieben Frau,
  • von seinem Erzbistum, aber auch
  • von seiner Erzbischöflichen Residenz, dem Palais Holnstein. 

1822

1822<p><em><strong>München-Angerviertel</strong></em> * Der aus dem Weinmüller-Ensemble Schauspieler Carl Andreas von Bernbrunn, ein Darsteller aus Wien, übernimmt das Königliche Theater am Isartor. Der aus der österreichischen Hauptstadt kommende Akteur bringt den Wiener <em>„Staberl“ </em>auf die Bühne.&nbsp;</p> <p>Der <em>„Staberl“</em> ist in den Alt-Wiener Volkstheatern eine lustige Person, gekleidet mit einem roten Rock, grauem Hut, blaue Weste, Schnürstiefel á la Tyrolienne und mit einem dünnen, wegstehenden Zopf. Ursprünglich ist der <em>„Staberl“</em> ein Wiener Bürger des Mittelstands mit dem Beruf eines Parapluimachers [= Schirmmacher], der sich in fremdartigen Verhältnissen ungelenk benimmt, sich aber durch Mutterwitz immer zu helfen weiß. Er wird folgendermaßen beschrieben: Er sei ein <em>„lockerer Zeisig, der überall zu Hause ist und Dummheit mit Verschmitztheit vereint“</em>.</p> <p>Theaterstücke mit dieser Figur im Zentrum nannte man „<em>Staberliaden“. </em>Staberl ist auch mit den Darstellern Johann Nestroy und vor allem mit Carl Andreas von Bernbrunn, dem späteren Carl Carl verbunden, der schon in seiner Münchner Zeit Stücke für den <em>„Staberl“</em> schreibt.&nbsp;</p>
21. Januar 1822

München-Kreuzviertel * Die zweite Ständeversammlung tagt vom 21. Januar bis zum 2. Juni 1822. 


1823

1823

Nauplia - Griechenland * Die provisorische Regierung Griechenlands erklärt Nauplia zur Hauptstadt. 

1823

München * In München werden 1.020 eheliche und 990 uneheliche Kinder geboren. Die Quote liegt weit über dem Landesdurchschnitt. 

14. Januar 1823<p><em><strong>München-Graggenau - Angerviertel</strong></em> * Da das Königliche Hof- und Nationaltheater ein Opfer der Flammen wurde, siedelte das dortige Ensemble in das Theater am Isartor um, weshalb der Theaterdirektor Carl Andreas von Bernbrunn mit seiner Schauspielertruppe auf Tournee gehen musste.&nbsp;</p>
14. Januar 1823

München-Graggenau * Das erst am 12. Oktober 1818 eingeweihte Kgl. Hof- und Nationaltheater brennt bis auf die Grundmauern nieder. Während der Aufführung der komischen Oper „Die beyden Füchse“ fängt die Dekoration Feuer. Weil das Löschwasser gefroren ist, müssen die Münchner zusehen, wie eines der größten und modernsten Opernhäuser Europas ein Opfer der Flammen wird. Mit dem Wiederaufbau - nach den Plänen von Carl von Fischer - wird Leo von Klenze betraut. 

24. Februar 1823

München * Friedrich Ludwig von Sckell stirbt in München. Er wird auf dem Alten Südfriedhof beigesetzt. Sein Nachfolger als Hofgartenintendant wird sein Neffe Carl August Sckell.


1824

1824

München-Angerviertel * Baubeginn der „Synagoge“ in der Theaterstraße, der heutigen Westenriederstraße, nach einem Entwurf des „Königlichen Baurats“ Jean Baptiste Métivier.

Die Arbeiten sind bis 1826 fertiggestellt.

1824

München * Die Einwohnerzahl Münchens beträgt 62.290. Das ist gegenüber dem Jahr 1801 eine Steigerung von 21.873 Bewohner. Das entspricht einem Zuwachs von 35 Prozent. 

11. Januar 1824

München * Baron Leonhard von Eichthal, der erste nobilitierte Jude, Hoffaktor und Finanzier des Bayerischen Staates, stirbt in München. Er wird auf dem Alten Südlichen Friedhof beigesetzt. Das Privatbankhaus in der Theatinerstraße führt der jüngste Sohn Simon weiter. 

9. Juni 1824

München * Erzbischof Anselm von Gebsattel veröffentlicht einen „Hirtenbrief zur Sittlichkeit“ und erteilt den Geistlichen massive Anleitungen, um „gegen die große Zahl unehelicher Kinder und andere sittliche Verhaltensweisen“ aktiv zu werden. Das unterstützt die Haberer enorm und fordert die Geistlichen sogar auf, die Treiben zu fördern. 

18. Juni 1824

Speyer * Arnold Zenetti wird in Speyer als Sohn des Regierungsrats Johann Baptist Zenetti geboren. Sein Bruder Julius wird Regierungspräsident von Mittelfranken, sein Bruder Wilhelm Abt von St. Bonifaz in München. 

26. Juli 1824

München-Angerviertel * Der Grundstein für den Bau der jüdischen Synagoge an der Westenriederstraße wird gelegt. 


1825

1825

München-Kreuzviertel * Der „Bayerische Landtag“ ermächtigt das „Finanzministerium“, jährlich 20.000 Gulden für den Bau einer protestantischen Kirche anzusetzen. 

Dafür muss die „Salvatorkirche“ unentgeltlich zurückgegeben werden. Erweiterungsplanungen werden damit hinfällig. 

1825

München * Erst als der Vorstand des Landwirtschaftlichen Vereins, der Staatsrat Joseph Ritter von Hazzi, den Vorsitz der Seidenzucht-Deputation übernimmt, geht es mit dem Vorhaben aufwärts. 

1825

Königreich Baiern * Eine seit Jahren anhaltende Diskussion über die zu ergreifenden Maßnahmen

  • zur Verbesserung der öffentlichen Finanzen und damit
  • einer Abwehr eines Staatsbankrotts sowie
  • die Anhebung des allgemeinen Wohlstands

führen zum Wunsch nach einer

  • Vermehrung der Bevölkerungszahl und
  • der Liberalisierung der Gewerbeverfassung
1825

Königreich Baiern * Als Gründe für den Mangel an Bevölkerung sieht man in

  • den Kriegsverlusten,
  • der mangelnden Freizügigkeit,
  • in dem zur Ehelosigkeit zwingenden Militärstand,
  • in der großen Anzahl der Geistlichen,
  • in den Eheverboten für untergeordnete öffentliche Bedienstete
  • in dem Luxusbedürfnis, das einer Eheschließung entgegen steht,
  • in der Unteilbarkeit der Bauerngüter und
  • in der Erschwerung der Ansässigmachung und Verehelichung
1825

München-Kreuzviertel - Königreich Baiern * Die Ständeversammlung befasst sich mit den Themen Ansässigmachung und Verehelichung. Man verweist auf England und Holland, wo der Wohlstand auf einer zahlreichen und gewerbefleißigen Bevölkerung basiert.

Dagegen hindern im Königreich Baiern die „Erschwerung der Heiraten und Ansässigmachungen […] ein unserem dürftigen Boden und seiner großen Oberfläche angemessenes Wachstum der Bevölkerung und beraubten uns dadurch gerade der Entwicklung jener kostbaren Kräfte, durch deren fruchtbare Produktion der innere Wohlstand am segensreichsten gedeiht und die Gewichtigkeit eines Staates am sichersten emporsteigt“.

Bedenken, dass die wachsende Bevölkerung nicht ernährt werden könne, zerstreut der Abgeordnete Jakobi mit Hunden in der Landeshauptstadt: „In München werden viele Tausend unnütze Hunde gehalten, die besser genährt und gefüttert werden oft als Tausende von Menschen“

2. Januar 1825

München-Graggenau * Das vom Brand zerstörte Kgl. Hof- und Nationaltheater wird nach dem Wiederaufbau mit einem Prolog, einem baierischen Volkslied und dem Ballett „Aschenbrödel“ eröffnet. Die einzige bedeutende Veränderung am Theaterbau ist der Giebel, mit dem Leo von Klenze das Walmdach von Carl von Fischer ersetzt hat. 

25. Februar 1825

München-Kreuzviertel * Die dritte Ständeversammlung während der Regierungszeit von König Max I. Joseph tagt vom 25. Februar bis 12. September 1825. 

1. April 1825

Florenz * Auguste Friederike, Erzherzogin von Österreich und Prinzessin von Toskana, die spätere Ehefrau von Prinzregent Luitpold, wird in Florenz geboren.

August 1825

München-Maxvorstadt * Die Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine verkauft die an Luigi Tambosi verpachtete „reale Kaffeeschenk- und Traiteurgerechtigkeit“ an den „Hofbankier“ Simon von Eichthal und an den „Architekten“ und Unternehmer Ulrich Himbsel. 

Ab August 1825

München-Maxvorstadt * An der Stelle der ehemaligen „Reitschule“ entsteht das „Bazargebäude“, ein für damalige Zeit hypermodernes „Kaufhaus“.   

Der Grundriss wird von Ulrich Himbsel entworfen.
Für die Fassadengestaltung zeichnet Leo von Klenze verantwortlich.

11. September 1825

München-Kreuzviertel - Königreich Baiern * Als drittes Gesetz wird zu den Bestimmungen über Heimat, Ansässigmachung und Verehelichung noch das Gesetz über das Gewerbewesen beschlossen, um „die Hindernisse des Kunstfleißes zu beseitigen“ und „die Ausbildung in den Gewerben zu befördern“. Während die Fabrikbesitzer die völlige Gewerbefreiheit fordern, wollen die Vertreter des Handwerks letztlich die bestehende Zunftverfassung behalten und sogar noch erweitern.

Die Ständeversammlung beschließt einen Kompromiss, in dem ein Konzessionssystem im Mittelpunkt steht. Danach ist die Ausübung eines Gewerbes von der Erteilung einer Gewerbekonzession abhängig. Diese wird von der staatlichen Polizeibehörde erstellt. Sie darf nicht versagt werden, wenn

  • der Bewerber die erforderlichen Fähigkeiten besitzt und
  • der Unterhalt der anderen Gewerbetreibenden durch die Erteilung der Konzession nicht gefährdet wird.

Die bestehenden Realrechte, worunter man die Verkäuflichkeit und Vererbbarkeit des Handwerks versteht, bleiben von dieser Reform ebenso wie die radizierten Gewerbe unberührt. 

11. September 1825

München-Kreuzviertel - Königreich Baiern * Die Ständeversammlung verabschiedet drei Gesetze, die als die ersten von einer bayerischen Volksvertretung verabschiedeten Sozialgesetze angesehen werden:

  • Das Gesetz über die Heimat,
  • das Gesetz über die Ansässigmachung und Verehelichung und
  • das Gesetz über das Gewerbewesen. 
11. September 1825

München-Kreuzviertel - Königreich Baiern * Bedeutete bis dahin der Begriff „Heimat“ im wesentlichen Haus- und Grundbesitz, so wird jetzt das Recht auf Heimat, also Angehöriger einer Gemeinde zu sein, einklagbar.

Der Heimatberechtigte hat Anspruch auf Unterstützung durch seine Heimatgemeinde, wenn er sich selbst nicht mehr unterhalten kann. Das Gesetz besagt: „Jeder Staatsangehörige soll eine bestimmte Heimat haben.“ Jedermann besitzt entweder eine erworbene, eine ursprüngliche oder eine angewiesene Heimat. Durch das Heimatgesetz soll die „Heimatlosigkeit“ und damit die Zahl der Nichtsesshaften, der Vaganten und der „Gauner“ beseitigt werden.

Gleichzeitig entfällt der Erwerb des Heimatrechts nach einem Aufenthalt von zehn Jahren an einem Ort. Diese Vorgabe hat oftmals dazu geführt, dass Anwärter nach neun Jahren abgeschoben wurden. Ebenso wird die Geburt als Rechtstitel des Heimatrechts abgeschafft. Dies hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Schwangere abgeschoben wurden oder sogar kurz vor der Niederkunft aus dem Ort getrieben wurde. 

11. September 1825

München-Kreuzviertel - Königreich Baiern * Mit dem Gesetz über die Ansässigmachung und Verehelichung verfolgt der Staat vier Ziele:

  • Vermehrung der Bevölkerung,
  • Hebung des allgemeinen Wohlstands,
  • Verbesserung der Sittlichkeit und
  • Verringerung der Zahl der unehelichen Kinder.

Ansässigmachung ist ein Rechtsverhältnis, das zwischen einem (männlichen) Individuum und einer Gemeinde begründet wird. Voraussetzung für die Ansässigmachung ist

  • der Besitz eines Grundvermögens,
  • der Besitz eines realen, radizierten oder konzessionspflichtigen Gewerbes oder
  • die definitive Einstellung in einem öffentlichen Amt des Staates, der Kirche oder einer Gemeinde oder
  • ein anderweitig gesicherter Nahrungsstand.
  • Die Erfüllung der Bestimmungen des Militärkonskriptsionsgesetzes,
  • ein guter Leumund und
  • den vorschriftsmäßigen Besuch des Schul- und Religionsunterrichts.

Der Ansässigmachungstitel beinhaltet die Erlaubnis zur Verehelichung. Bei Wiederverehelichung oder wenn zwischen Ansässigmachung und dem Heiratsgesuch ein längerer Zeitraum verstrichen ist, wird überprüft, ob die Voraussetzungen für die erteilte Ansässigmachung noch gegeben sind. So ist es möglich, auch einen Ansässigen Bewerber die Heiratserlaubnis zu verweigern. 

12. Oktober 1825

Schloss Nymphenburg * König Max I. Joseph stirbt. Den Abend verbringt der baierische König auf einem Ball des russischen Gesandten Woronzeff in der Herzogspitalstraße 18. Um 22 Uhr lässt er sich nach Schloss Nymphenburg bringen. Am nächsten Tag findet ihn sein Diener tot im Bett. Max Josephs Sohn Ludwig I. übernimmt nun die Regentschaft über das Königreich Baiern. 


1826

1826

Miesbach * Der Miesbacher „Landrichter“ schreibt, dass es sich bei einem „Haberfeldtreiben“ zwar um einen „einfaltigen und tollen Spuk“ handle, den aber „die Geistlichkeit als Strafe der Gefallenen gerne sieht“.

Es gibt sogar Geistliche, die sich gegen die eigene „kirchliche Obrigkeit“ wenden und „Schnaderhüpfel“ und so manchen „Haberervers“ dichten.
Diese sind in ihrer Ausdrucksweise schon nahe an der Pornographie. 

1826

Aibling * In einem Protokoll vom Aiblinger „Landrichter“ heißt es über die Unterstützung des Pfarrers für das „Haberfeldtreiben“:

„[…] wo schon mehrere denselben diesen Herrn als eine Sünde sollen gebeichtet haben, und aber der Pfarrer ihnen erklärt hätte, dass es keine Sünde sey, das Laster zu bestrafen; ja man behauptet sogar, dass die Geistlichen […] öffentlich in Wirtshäusern oder vielmehr in ihren eigenen pfarrlichen Zechstuben Lobreden auf dieses Haberfeldtreiben machen und, was leicht zu vermuten ist, jeden Meineid deswegen absolvieren“

1826

München-Ludwigsvorstadt * „Oberbaurat“ Johann Nepomuk Pertsch erhält den Auftrag zur Erstellung eines kostengünstigeren Entwurfs für den Bau einer protestantischen Kirche in München. 

Als Standort für das evangelische Gotteshaus wird die Grünanlage in der Sonnenstraße festgesetzt. 

1826

München-Maxvorstadt - Schwabing * Erste Planungsvorstellungen von König Ludwig I. zum Bau des „Siegestores“.

1826

München * Joseph Ritter von Hazzi veröffentlicht sein Lehrbuch des Seidenbaues. Im Vorwort heißt es: „Es findet sich in dieser Schrift sowohl der kleinere als größere Seidenzieher den angemessenen Unterricht über alle Umstände des Seidenbaues, ja über alle, sogar tägliche nöthige Verrichtungen bey der ganzen Seidenzucht“

1826

Landshut - München-Kreuzviertel * Mit dem Umzug der Universität von Landshut nach München dienen die Räume des ehemaligen „Karmeliten-Klosters“ zur vorläufigen Unterbringung des „Georgianums“, dem weltweit einzigen staatlichen „Priesterseminar“.

Das Provisorium hält bis 1841.

7. Februar 1826

München-Maxvorstadt * Nachdem der Bankier Hirsch die notwendigen 256.644 Gulden vorfinanziert hat, kann der Grundstein für das „Odeon“, einem „Konzertsaal“ an der Ludwigstraße, gelegt werden. 

7. April 1826<p><em><strong>München-Maxvorstadt</strong></em> * Der Grundstein für die Alte Pinakothek&nbsp;an der Barer Straße wird gelegt.&nbsp;</p>
9. April 1826<p><em><strong>München-Angerviertel</strong></em> * Die Synagoge&nbsp;in der Theaterstraße, der heutigen Westenriederstraße, wird eingeweiht.</p>
25. April 1826

München-Graggenau * Christian Daniel Rauch übernimmt den Auftrag für das „Max-Joseph-Denkmal“, modelliert einen kleinen „Bozzetto“ der Sitzfigur und kommt in der Zeit vom 25. April bis 13. Mai 1826 nach München.

Da seine plastische Skizze von allen Seiten für gut befunden wird, beginnt man in München schon mal mit der Herstellung des Sockels.

27. Oktober 1826

Thalham * In der Nacht vom 27. zum 28. Oktober 1826 wird der ledigen Wirtstochter von Thalham, der Theresia Kirchberger, das „Haberfeld getrieben“. Durch einen glücklichen Umstand wird dieses Treiben von einem Redakteur der Münchner Zeitung Der Bayerische Volksfreund mit verfolgt, sodass sich sogar einige Habererverse überliefert haben. 

15. November 1826

Landshut - München * Die Universität wird mit ihren rund achtzig Professoren und 1.500 Studenten von Landshut nach München verlegt. Der Akademiebetrieb wird im ehemaligen Jesuitenkolleg abgehalten. 


1827

1827

Königreich Bayern * Die Seidenzucht und Seidenspinnerei lässt sich als neuer Industriezweig in Bayern nachweisen. Das dafür notwendige Fachwissen wird unter anderem durch Lehrbücher verbreitet, die auf dem Zentral-Landwirtschaftsfest erworben und gewonnen werden können. 

1827

Berg am Laim * In den Jahren von 1827 bis 1829 benutzt der Botaniker Alois Sterler in der ehemaligen Unterkunft des Franziskanzer-Hospiz neben der Berg am Laimer Michaelskirche einige Räume für seine „geheimnisumwitterten Experimente“.

Er soll ein neues Futtermittel für Seidenraupen entwickeln. Von den 300 Gulden, die er vom Fonds für Industrie als Unterstützung erhält, musste er jährlich 60 Gulden Miete an die Michael-Hofbruderschaft abführen. 

1827

Rom-Vatikan * Immanuel Kants Buch „Kritik der reinen Vernunft“ wird wegen der darin enthaltenden Widerlegungen der Gottesbeweise vom Vatikan auf das „Verzeichnis verbotener Bücher“ gesetzt.

1827

München * Münchens Einwohnerschaft beträgt 76.117 Personen. Ein Zuwachs von 13.827 Menschen oder 22 Prozent in drei Jahren. 

1827

München * In München werden 1.227 eheliche und 1.028 uneheliche Kinder geboren. 

April 1827

Nauplia * Ioannis Antonios Graf Kapodistrias wird der erste Präsident Griechenlands. 

Er gilt als Außenseiter, weshalb ihn die zerstrittenen Klans und Parteien als für ihre Interessen ungefährlich halten. 

26. Mai 1827

Steingraben bei Elbach - Großpienzenau * In der Nacht vom 26. zum 27. Mai 1827 führen die Haberer einen Doppelschlag aus.

  • In Steingraben bei Elbach treibt man den beiden Bauerntöchtern Anna Kirchberger und Barbara Huber wegen ihres unsittlichen Lebenswandels und wegen ihrer unehelichen Kinder das Haberfeld.
  • Kaum sind in Steingraben die letzten Schüsse verhallt, geht in dem drei Stunden entfernten Großpienzenau das Getöse los. Das „Treiben“ gilt hier der Bauerntochter Anna Taubenberger wegen „Umgangs mit mehreren Männern“. Neben der Anna werden noch „weitere Sünder ins Gebet genommen“

Bei beiden „Treiben“ kann die Obrigkeit keine Spuren der Teilnehmer entdecken. 

5. August 1827

München-Ludwigsvorstadt * Der Grundstein für die evangelische Matthäuskirche in der Sonnenstraße, der ersten protestantischen Kirche Münchens, wird gelegt. 

20. Oktober 1827

Navarino * In der Seeschlacht von Navarino versenkt die vereinigte britische, französische und russische Flotte sämtliche ägyptisch-türkischen Kriegsschiffe. 

20. Dezember 1827

Großpienzenau * In der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember 1827 wird dann noch der 18-jährigen Tochter vom Seltenschmied, Ursula Menhofer, das Haberfeld getrieben. Da auch nach diesem Treiben die Bevölkerung verschwiegen bleibt, bringen die eingeleiteten Ermittlungen wieder keinerlei Hinweise auf die Täter.

In seiner Ohnmacht schlägt der Landrichter der Regierung von Oberbayern vor, künftig jede Gemeinde, „in welcher sich solche Ruhestörung ereignet, in eine ergiebige Geldstrafe nebst Bezahlung der Untersuchungskosten [zu] verurteilen“


1828

1828

München-Graggenau * Das „Bazargebäude“ wird eröffnet. 

Im Erdgeschoss befinden sich Ladengeschäfte.
Im südlichen Eckbau wird das von Luigi Tambosi betriebene „Hofgarten-Café“ untergebracht. 

1828<p><em><strong>Berlin</strong></em> * König Wilhelm III. beauftragt seinen Innenminister und seinen Kultusminister zur Erstellung eines Gesetzentwurfes zugunsten der Fabrikkinder. Allerdings geht es dem König vordergründig nicht um das Wohl der Kinder. Er hatte vielmehr festgestellt, dass die Soldaten in den Industriegebieten abnahmen und <em>„die Armeereserve nicht mehr vollständig zur Verfügung steht. Die Fabrik-, v.a. auch die Nacht- und Schichtarbeit im Kindesalter, haben einen Teil der Soldaten zu Schwächlingen und Krüppeln gemacht“</em>.&nbsp;</p> <p>Sowohl in England als auch in Preußen ist der Anteil für den Militärdienst Untauglicher in den industriellen Provinzen höher als in den ländlichen Bezirken. Dieser Unterschied ist sicher nicht nur durch die krankmachende Arbeit bedingt, sondern ebenso durch die schlechten Wohn- und Ernährungsverhältnisse.&nbsp;</p> <p>Die Arbeit an dem Gesetzentwurf zieht sich jahrelang hin, doch an der Situation der Kinder ändert sich nichts.&nbsp;</p>
1828

München * In München werden 1.486 eheliche und 1.018 uneheliche Kinder geboren.

1828

Obergiesing * Mit Adrian Dick kommt die erste protestantische Familie nach Giesing.

Sie kommen aus der Rheinpfalz und schenken in seiner Gaststätte „Zum Weinbauern“ ihren Rebensaft aus.

6. Februar 1828

München * Der gewünschte Regierungserlass, der jeder Gemeinde in der ein Haberfeldtreiben stattfindet eine Geldstrafe und die Übernahme der Untersuchungskosten auferlegt, wird erteilt. 

10. März 1828<p><em><strong>München-Maxvorstadt</strong></em> * Das von Leo von Klenze neu erbaute Odeon, ein Musiksaal mit hervorragender Akustik, wird eröffnet.&nbsp;Das Gebäude ist gegenüber dem Leuchtenberg-Palais&nbsp;entstanden und hatte sich diesem anzupassen, weshalb Leo von Klenze den Konzertsaal&nbsp;im Inneren des Neubaus versteckt. Es gibt&nbsp;deshalb kein natürliches Licht im 37 Meter langen Konzertraum.&nbsp;</p>
17. April 1828

Daxham bei Dettendorf * Die Gemeinde Dettendorf wird für das Haberfeldtreiben vom 17./18. April 1828 im zur Gemeinde gehörigen Daxham mit 50 Gulden verurteilt.

Der Rumor gilt der Dienstmagd Katharina Babel und dem Einödbauern Schnitzenbaumer, genannt Daxhammer, weil der verheiratete Bauer - trotz der Vorstellungen derGemeinde, des Pfarramts und des Landgerichts - nicht von der bei ihm in Diensten stehenden Magd abgelassen hatte. 14 Burschen veranstalten daraufhin das Haberfeldtreiben. 

26. April 1828

Petersburg - Konstantinopel * Russland erklärt dem Osmanischen Reich den Krieg. 

28. April 1828

München-Maxvorstadt * Der Grundstein zum Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße wird gelegt. 

1. September 1828

München-Kreuzviertel * Als Bauernopfer für die gescheiterte Stände-Versammlung muss der liberal gesinnte Freiherr von Zentner herhalten, der von dem als liberal geltenden Joseph Ludwig Graf von Armansperg, keine zwei Wochen nach dem Ende der Stände-Versammlung, ersetzt wird.  

Armanspergs bisherige Aufgabe als Innenminister übernimmt der als konservativ geltende Eduard von Schenk. Er gilt König Ludjwig I. als wesentlich gefügiger als sein Amtsvorgänger, der die „Trennung von Religion und Staat“ vertritt. 

9. September 1828

Tegernsee * Herzog Max in Bayern heiratet die Königstochter Ludovica Wilhelmine von Bayern in Tegernsee. 

10. November 1828

Berbling bei Aibling * Beim „Treiben von Berbling“ im Raum Aibling am 10. zum 11. November 1828 geht es um die Anna Mayr, die ledige Dorfschusters-Tochter, der man ein intimes Verhältnis mit einem verwitweten Bauern vorwirft, dem sie ein uneheliches Kind geboren hatte. 

17. November 1828

München-Kreuzviertel * Die erste Stände-Versammlungen unter der Leitung von König Ludwig I. findet in der Zeit vom 17. November 1827 bis 18. August 1828 statt. Der bayerische Monarch ist gemeinsam mit seinem Leitenden Minister Georg Friedrich Freiherr von Zentner mit großen Erwartungen an dieses Zusammentreffen herangetreten. Die königlich angeordnete prunkvolle Eröffnung der Stände-Versammlung soll eine neue Ära einleiten.  

Der Hinweis in Ludwigs Thronrede erweckt liberale Hoffnungen, auch wenn der König betont, dass ihm die Religion das Wichtigste sei. Das Einbringen von 39 Gesetzentwürfen in beide Kammern durch König Ludwig I. schürt die hohen Erwartungen zusätzlich.  

Doch die Ernüchterung tritt auf beiden Seiten sehr schnell ein. Die Mandatsträger der beiden Kammer wollen sich nicht als bloße Erfüllungsgehilfen königlicher Politik verstanden wissen. Und der autokratische und ungeduldige Monarch zeigt sich enttäuscht von dem vielfältigen parlamentarischen Widerstand, den er nicht nach seinem Willen brechen kann. Deshalb vergeht ihm schlagartig die Lust am Liberalismus und an den Reformen.  

Kaum hatte er die politische Verantwortung übernommen, soll sich bei ihm eine lebenslang anhaltende Entfremdung gegenüber der Verfassung einstellen. 

31. Dezember 1828

Königreich Bayern * Die Seiden-Deputation zählt bereits 82.844 Maulbeerbäume und 1,5 Millionen Sämlinge. In diesem Jahr bemühen sich „6 Lokalschulkommissionen, 4 Kultus-Kongresse, 4 Bezirks-Comites, 30 Landgerichte und 5.000 einzelne Individuen, die Seidenzucht einzuführen“.

Wie in anderen Ländern soll der Seidenbau ein einträglicher Nebenverdienst für das Gesinde, für Kinder sowie für „arme und alte Leute“ werden. Die Damen sollen sich die Seide für ihre Kleider und Möbel selbst herstellen können. 


1829

1829

München * Lorenz Schellerer, der ebenfalls in die Familie Reichhart eingeheiratet hat, übt das Amt des „Bayerischen Scharfrichters“ aus.

Er ist der Nachfolger von Jakob Keysser.

1829

Wien * Nachdem das „Osmanische Reich“ seine bisherige Kontrolle über die Donau verloren hat, entsteht in Wien die „Erste privilegierte Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft“.

1829

München * In München werden 1.548 eheliche und 1.128 uneheliche Kinder geboren. 

15. August 1829

München-Maxvorstadt * Der Grundstein für die Ludwigskirche wird gelegt. 

14. September 1829

Adrianopel * Im Frieden von Adrianopel wird der türkisch-russische Krieg beendet. Sultan Mahmud II. stimmt der Gründung des autonomen Staates Griechenlands zu. Das Staatsgebiet Griechenlands ist allerdings nur etwa halb so groß wie heute. 


1830

1830

München * München hat 77.802 Einwohner. 

1830

Indien - Europa * Die „Cholera“, die lange Zeit endemisch in Indien beheimatet war, erreicht - durch intensiven Handel, Reiseverkehr und Krieg - erstmals Europa.

Die Erkrankung beginnt mit sturzbachartigen Durchfällen und Dauererbrechen.
Der mit der „Cholera“ infizierte verliert am Tag bis zu 15 Liter Körperflüssigkeit, sodass die erkrankte Person innerhalb weniger Stunden zu einer „verrunzelten Karikatur ihres früheren Ichs zusammenschrumpft“.

Geplatzte Kapillargefäße verfärben die Haut schwarz und blau, der Kranke wird von Krämpfen geschüttelt, die Organe versagen, der Kreislauf bricht zusammen, das Herz stolpert und die Nieren arbeiten nicht mehr.
Die Temperatur kann bis auf 20 Grad absinken, weshalb die „Cholera“ auch „Kalte Pest“ genannt wird.
Der Tod tritt in drei bis fünf Tagen ein, oft aber schon nach wenigen Stunden.

Die Verbreitung der Krankheit erfolgt hauptsächlich über das Trinkwasser, das mit Exkrementen von „Cholera-Kranken“ verunreinigt ist.
Einen weiteren Übertragungsweg bilden Nahrungsmittel, die mit verseuchtem Wasser und ohne Erhitzung zubereitet werden.

Eine Ansteckung ist nur möglich, wenn der Erreger über den Mund in den menschlichen Verdauungstrakt gelangt.
Dabei reicht schon eine Berührung der Lippen mit infizierten Händen aus.

1830

München * Die evangelische Gemeinde in München ist auf 6.000 Mitglieder angewachsen. 

1830

Wien * Die „Erste privilegierte Donau-Dampfschiffahrts-Gesellschaft“ lässt ihr erstes Schiff vom Stapel.

1830

München * In München leben 825 Juden.

1830

München * In München werden 1.503 eheliche und 1.070 uneheliche Kinder geboren. 

1830

München * München hat 77.802 Einwohner. 

27. Mai 1830

München * Die Privilegien der Münchner Maurermeister werden beschnitten. Jetzt wird ihnen durch eine Verordnung das Anfertigen von Bauplänen verboten. 

27. Juli 1830

Paris * Zwischen dem 27. und dem 29. Juli 1830 kommt es in Frankreich zur sogenannten „Julirevolution“, bei der der restaurative Bourbonenkönig Karl X. gestürzt und durch den liberalen Bürgerkönig Louis-Philippe ersetzt wird.  

Da diese liberale Bewegung in ganz Europa Auftrieb erhält und es in mehreren Staaten des Deutschen Bundes wie dem Königreich Sachsen, dem Königreich Hannover, dem Großfürstentum Hessen-Kassel und dem Herzogtum Braunschweig zu Unruhen und neuen Verfassungen kommt, erhöht sich beim bayerischen König - völlig berechtigt - auch die Angst vor einem Umsturz, weshalb seine Politik - spätestens jetzt - extrem konservative Züge annimmt. In König Ludwigs I. Regierungszeit gibt es fast 1.000 politische Prozesse. 

18. August 1830

Wien * Franz Joseph, der spätere Kaiser von Österreich-Ungarn wird in Wien geboren. 

5. Oktober 1830

München-Maxvorstadt * Endlich kann der Architekt der Glyptothek, Leo von Klenze, den Schlüssel für das Plastiken-Museum an König Ludwig I. übergeben. 

22. Oktober 1830

Wien * Der 21-jährige Aloys (Louis) Graf von Arco-Stepperg heiratet in der Jesuitenkirche am Hof in Wien die 19-jährige Irene Marchesa Pallavicini. 

Ab 24. Dezember 1830

München * Bis zum 29. Dezember kommt es in München zu nächtlichen Ruhestörungen durch Studenten. Gegen diese sogenannten „Dezember-Unruhen“ werden auf königlichen Befehl hin Landwehr und Linientruppen eingesetzt. 

29. Dezember 1830

München-Kreuzviertel * König Ludwig I. lässt die Universität schließen, weil es dort zwischen dem 24. und 29. Dezember 1830 zu einer Randale von Münchner Studenten gekommen ist. 

30. Dezember 1830

München-Kreuzviertel * König Ludwig I. muss die am Tag zuvor angeordnete Schließung der Universität auf Bitten der Bürgerschaft wieder zurücknehmen. Die Ausschreitungen waren vollkommen unpolitisch motiviert. 


1831

1831

Preußen * Über Russland und Polen gelangt die „Cholera“ nach Preußen und von dort nach England.

Kuriose Vorschläge zur Bekämpfung der Seuche tauchen auf.

So schreibt die Freiin Caroline von Maiern in einer in Nürnberg erschienenen Flugschrift „Entdeckung des Geheimnisses der Cholera“ folgendes:
„Von Polizei wegen sollte Männern ein anderes Zeichen ihres Grußes bewilligt werden, als auf offener Straße ihre Hüte und Mützen abzuziehen, weil das Choleragift sehr leicht dem Haare sich mitteilt.
Und ferner sollte die Polizei das Tabakrauchen auf offener Straße erlauben, um das Miasma [„Choleradunst“] auch durch den Rauchtabak zu verscheuchen“
.

Eine andere Schrift, die auch in München auftaucht, will Händler, „welche aus angesteckten Ländern kommen“, in eine vierzigtägige Quarantäne stecken.

Mitgeführte Papiere sollten geräuchert, Nahrungsmittel in Essig getaucht werden.
Auch Geld sollte nicht aus der fremden Hand genommen werden. Es sollte ebenfalls zuvor in Essig gelegt werden.

Die Schrift endet mit der Drohung: „Diejenigen, welche gegenwärtigen Vorschriften keinen Glauben schenken, werden sich der Gefahr aussetzen, ihren Unglauben mit dem Leben zu büßen“.

1831

München-Graggenau * Das bereits von Luigi Tambosi betriebene „Hofgarten-Café“ geht um 30.000 Gulden von Simon von Eichthal und Ulrich Himpsel in dessen Eigentum über. 

Nach 1831

München-Isarvorstadt * Die Reichenbachstraße und Reichenbachbrücke wird nach Georg von Reichenbach benannt.

Die Büste des Mitglieds der „Baierischen Akademie der Wissenschaften“ wurde inzwischen in der „Ruhmeshalle“ aufgenommen.

1831

München * In München werden 1.511 eheliche und 1.182 uneheliche Kinder geboren. 

1831

Königreich Bayern * Die Quote der unehelich geborenen Kinder liegt im Königreich Bayern bei 21,5 Prozent. 

28. Januar 1831

München * König LudwigI. schränkt die Pressefreiheit durch starke Zensurbestimmungen für die innenpolitische Berichterstattung in der Tages- und Wochenpresse ein.  

Zuvor hatte er drei aus dem Ausland stammende Publizisten des Landes verweisen lassen. Die Maßnahmen führen zu einer politischen Entrüstung der liberal eingestellten Bevölkerung, die in der Pressefreiheit ein extrem schützenswertes Gut sieht. 

20. Februar 1831

München-Kreuzviertel * Die zweite Ständeversammlung in Ludwigs I. Regierungszeit beginnt. Die Sitzungsperiode dauert bis zum 29. Dezember 1831.  

Die Mitglieder der Abgeordnetenkammer sind im Dezember des Vorjahres neu gewählt worden. Das Ergebnis brachte 62 Abgeordnete auf die christlich-konservative Regierungsseite und 66 Abgeordnete auf der fortschrittlich-liberale Bank der Opposition.  

Weil der Monarch mit dem Wahlergebnis nicht einverstanden ist, macht er von seinem ihm verfassungsgemäß zustehenden „Ausschließungsrecht“ bei fünf zur Opposition zählenden Abgeordneten Gebrauch und verweigert ihnen die Teilnahme an der Ständeversammlung. 

22. Mai 1831

München-Kreuzviertel * Die schwäbischen und fränkischen Oppositionellen zwingen in der Frage der Pressefreiheit - sehr zum Ärger von König Ludwig I. - den Innenminister Eduard von Schenk zum Rücktritt. Dadurch muss König Ludwig I. die Zensurverordnung wieder zurücknehmen, was allerdings nichts an der Praxis der Zensur ändert. 

12. Juni 1831

München * König Ludwig I. muss die von ihm am 28. Januar eingeführte Zensur für periodisch erscheinende Blätter auf dem Gebiet der Innenpolitik wieder zurücknehmen. 

21. Juni 1831

München-Maxvorstadt * Das Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße ist fertiggestellt. 

13. September 1831

München-Kreuzviertel * Eine überwältigende Mehrheit der Abgeordnetenkammer fordert, dass bei der Verleihung eines Gewerbes „nicht bloß der Nahrungsstand des Bewerbers, sondern auch jener der bereits Berechtigten berücksichtigt werde“

17. September 1831

München-Kreuzviertel * Die Abgeordneten des Bayerischen Landtags beraten über das Budget. Um die Abgeordneten zur Eile und damit zu nicht allzu gründlicher Beratung der Einzelposten zu zwingen, lässt König Ludwig I. - angesichts der herannahenden Cholera - verkünden, die Abgeordneten hätten so lange auszuharren, bis das Budget vereinbart ist.

  • Die Abgeordneten kürzen den Gesamtetat von 28 auf 26,8 Millionen Gulden,
  • die Zivilliste des Königs von 3,15 Millionen auf 2,5 Millionen Gulden 
  • und den Heeresetat von 6,7 auf 5 Millionen.  

Innerhalb dieser Kürzungen beschließen sie zahllose Umverteilungen von Ausgabeposten sowie neue Ausgaben. Gekürzt wird bei den königlichen Prestigeobjekten Alte Pinakothek, Staatsbibliothek und Odeon sowie den Ausgaben für die zahlreichen wiedererrichteten Klöster. Mehr Geld soll dagegen in die Rechtspflege, die innere Verwaltung und das Bildungswesen fließen.

Für den König bedeutet dieses Verhalten „Anmaßung und Eingriff in die Exekutive“. Zum Glück gibt es noch die Erste Kammer, die Kammer der Reichsräte, die umgehend ihr Veto gegen die Kürzungen und Umverteilungen einlegt - und damit die Regierung rettet.

Unter dem Druck der Regierung, die sogar mit der Auflösung der Abgeordnetenkammer droht, knicken viele Abgeordnete ein. Dabei werden die Kürzungen der königlichen Zivilliste weitestgehend zurückgenommen. Die anderen Etatkürzungen fallen nicht so extrem aus, sodass immerhin noch 2 Millionen Gulden eingespart werden. 

9. Oktober 1831

Nauplia * Der erste griechische Präsident, Ioannis Antonios Graf Kapodistrias, wird in Nauplia auf dem Weg zur Kirche ermordet.

13. Oktober 1831

München-Maxvorstadt * Herzog Max in Bayern und seine Ehefrau Ludovica beziehen das Herzog-Max-Palais in der Ludwigstraße. 

18. Oktober 1831

Donaustauf * Der Grundstein für die Walhalla bei Donaustauf wird gelegt.

Um den 1. November 1831

München * Die Griechen und die griechischen Schutzmächte Großbritannien, Frankreich und Russland  erhoffen sich durch einen über den Parteien stehenden, neutralen „christlichen erblichen Fürsten“ das Land stabilisieren zu können. Da England, Frankreich und Russland um die Einflussnahme in Griechenland konkurrieren, soll der künftige Herrscher jedoch einem politisch eher unbedeutendem Fürstenhaus entstammen.

Eine Wahl fällt auf den bayerischen Prinzen Carl, dem jüngeren Bruder König Ludwigs I.. Als ihm über die französische Regierung - vom Bruder nachhaltig unterstützt - die griechische Königskrone angetragen wird, macht dieser aber keinen Hehl daraus, dass ihm an Politik und Macht nichts liegt und er in Hinblick auf die Krone keinerlei Ehrgeiz entwickelt. 

Prinz Carl widmet sich lieber seiner militärischen Karriere und seiner Familie. Ohne auch nur nachzudenken, lehnt er deshalb das Angebot umgehend ab. Das ist auch nicht verwunderlich, denn die Lage Griechenlands ist desolat. Das Land ist ausgeblutet und wirtschaftlich kaum entwickelt. 


1832

1832

München * In München werden 1.456 eheliche und 1.206 uneheliche Kinder geboren. 

Januar 1832

Frankreich * Die „Cholera“ tritt in Frankreich auf und verbreitet sich von da aus über die ganze Erde.

19. Januar 1832

Bubenhausen * Auf Initiative von Johann Georg August Wirth gründet sich in Bubenhausen der „Preß- und Vaterlandsverein zur Abwehr von staatlichen Eingriffen in die Pressefreiheit“.  

  • Mit ihm will er die Arbeit der liberalen Journalisten unterstützen.  
  • Durch eine freie, unzensierte Presse sollte die öffentliche Meinungsbildung bis hin zur grundlegenden Staatsveränderungen geschaffen werden.  
  • Der Verein sollte den Journalisten und ihren Familien ein festes Einkommen sichern und Vertriebswege schützen. 
13. Februar 1832

London - Petersburg - Paris - München * Nachdem Prinz Carl die griechische Krone ausgeschlagen hat, wählen die drei Schutzmächte England, Russland und Frankreich Carls Neffen Otto, den zweitgeborenen, erst 16-jährigen Sohn König Ludwigs I., zum griechischen König. 

1. März 1832

München * Der „Preß- und Vaterlandsverein zur Abwehr von staatlichen Eingriffen in die Pressefreiheit“ wird verboten. Johann Georg August Wirth wird zwei Wochen später wegen Hochverrats verhaftet. 

14. April 1832<p><strong><em>Zweibrücken</em></strong> * Das Schwurgericht&nbsp;in Zweibrücken spricht Johann Georg August Wirth von der Anklage des Hochverrats&nbsp;wieder frei.&nbsp;</p>
18. April 1832

Hambach * In verschiedenen rheinbayerischen Zeitungen wird ein Aufruf veröffentlicht, der zu einer „Feier des Jahresgedächtnisses der Verkündigung der Verfassungsurkunde am 26. Mai 1818“ für den 26. Mai 1832 auf die als Ausflugsort genutzte Hambacher Schlossruine einlädt.

19. April 1832<p><strong><em>München</em></strong> * Das Bayerische Innenministerium&nbsp;befasst sich mit der Cholera&nbsp;und gibt erste vorsorgliche Hinweise an die Bevölkerung.</p>
20. April 1832<p><strong><em>Neustadt</em></strong> * 32 Neustadter Bürger laden zu einem Volksfest&nbsp;ein, das der <em>„politischen Diskussion über die Gestaltung eines demokratischen Nationalstaats und über die Mittel zu seiner Durchsetzung“</em> gewidmet ist.&nbsp;Der Kreis der Einladenden für das <em>„Volksfest auf dem Hambacher Schloss“</em> setzt sich überwiegend aus wohlhabenden Geschäftsleuten und Gutsbesitzern zusammen.&nbsp;</p> <p>Als äußeres Zeichen dafür, dass das Fest einem künftigen und nicht bereits erreichten politischen Ziel gilt, wird es vom bayerischen Verfassungstag am 26. auf den 27. Mai verschoben.&nbsp;Das ist zudem ein Sonntag und damit für die arbeitende Bevölkerung ein wesentlich günstigerer Termin.&nbsp;Ausdrücklich werden auch die Frauen zu dieser politischen Versammlung aufgerufen.&nbsp;</p>
29. April 1832

Hambach * Der Festausschuss für das Volksfest auf dem Hambacher Schloss veröffentlicht Zeitungsartikel und Flugblätter für das Hambacher Fest am 27. Mai 1832.

7. Mai 1832

London * Im Londoner Vertrag werden die Bedingungen für die Einsetzung des bayerischen Kronprinzen Otto auf dem griechischen Thron detailliert festgelegt. Im Königreich Bayern wird die Berufung mit Stolz und Begeisterung aufgenommen.

8. Mai 1832

Hambach * Die Rheinbayerische Kreisregierung unter der Leitung von Ferdinand Freyherr von Adrian-Werburg verbietet das „Hambacher Fest“. Begründet wird das Verbot mit

  • der Ungesetzlichkeit des Versammlungszwecks,  
  • der politischen Diskussion und
  • dem Bestreben der Auflösung der bestehenden Ordnung. 
17. Mai 1832

Pfalz * Ferdinand Freyherr von Adrian-Werburg und die Rheinbayerische Kreisregierung müssen das Verbot des „Hambacher Festes“ wieder zurücknehmen. Der Landrat, verschiedene Städte und einflussreiche, angesehene Bürger haben gegen das Verbot interveniert. 

19. Mai 1832

Neustadt * Der Neustadter Stadtrat richtet - neben der Gendarmerie - eine aus Neustadter Bürgern zusammengesetzte, uniformierte Sicherheitsgarde ein. Das Tragen von Feuer- und sonstigen Waffen wird verboten. 

27. Mai 1832

Hambach * Auf dem Hambacher Fest demonstrieren rund 30.000 Menschen aus Süddeutschland in den Farben Schwarz-Rot-Gold für die Einheit Deutschlands, für eine föderative deutsche Republik und für eine Allianz der demokratischen Bewegungen Europas. Offenbar sind viele Frauen dem Aufruf gefolgt, der sich ja auch ausdrücklich an die „deutschen Frauen und Jungfrauen“ gewendet hat, „deren politische Missachtung in der europäischen Ordnung ein Fehler [...] ist“.

Die Festteilnehmer tragen Fahnen mit politischen Aufschriften mit, die auf die Themen der Veranstaltung aufmerksam machen. In mehr als zwanzig Reden beschreibt man die augenblickliche politische Lage und beschreibt - in einer heute ungewohnt pathetischen Sprache - die künftige Gestaltung Deutschlands.

  • Die Forderung nach Einheit meint die staatliche Einheit der deutschen Kulturnation, die auf der gemeinsamen Sprache und der gemeinsamen historischen Vergangenheit beruht.
  • Die Forderung nach Freiheit meint die bürgerlichen Rechte wie Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit, Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit, Freizügigkeit sowie Handels- und Gewerbefreiheit.
  • Die Forderung nach Gleichheit richtet sich gegen die mittelalterliche „Ständeordnung“, die die Menschen in Adel, Klerus und den dritten Stand, welcher über keinerlei politischen Rechte verfügt, einteilt. Gleichheit meint aber auch eine Gleichberechtigung aller Staatsbürger vor dem Gesetz ohne Bindung an den Geburtsstand.
  • Gegen dieses absolutistische System setzen die Hambacher die Volkssouveränität als den obersten Wert der Staatsverfassung. Die Macht im Staate soll vom Volk ausgehen, gesetzlich festgelegt und kontrollierbar sein, damit Willkürakte verhindert werden und der Einzelne mit Hilfe der Gesetze in seinen Eigentums- und Freiheitsrechten geschützt ist.
  • Anstelle der dem Fürsten verantwortlichen Heere fordern die Hambacher eine allgemeine Bürgerbewaffnung.
  • Die Frau wird als gleichberechtigte Partnerin des Mannes gesehen. Sie ist „nicht mehr die dienstpflichtige Magd des herrschenden Mannes, sondern die freie Genossin des freien Bürgers“, deren Aufgabe es ist, frühzeitig ein politisches Verantwortungsbewusstsein in den Kindern zu wecken.

Überhaupt sehen die in Hambach Versammelten in der politischen Bildungsarbeit ein bedeutendes Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen. Das soll in einem öffentlichen Meinungsbildungsprozess in der Presse und auf Volksversammlungen gefördert werden, damit sich die Ziele der Einheit, der Freiheit, der Gleichheit und der Volkssouveränität in der Bevölkerung festsetzen und so allmählich gewaltlos verwirklicht werden können. 

27. Mai 1832

Gaibach * Im fränkischen Gaibach wird auf dem Platz der Konstitutionssäule - ähnlich wie am gleichen Tag in Hambach - eine Verfassungsfeier abgehalten. Auch hier werden statt der Vivat-Rufe kritische Töne gegenüber der Regierung angeschlagen. 

28. Mai 1832

Hambach * Mehrere hundert Menschen treffen sich zu einer Versammlung in dem neben dem Hambacher Schloss befindlichen Schießhaus. Man beschließt die Herausgabe einer Festbeschreibung und die Initiierung ähnlicher Feste in anderen deutschen Staaten. Die folgenden Erörterungen über das weitere Vorgehen enden mit dem Ergebnis, „jeder soll auf eigene Faust handeln“.  

Heinrich Heine schreibt dazu spöttisch: „Ihr großen Königskinder, ich bitte Euch, öffnet die  Kerkertüren der gefangenen Patrioten [...].Ihr habt nichts zu riskieren, die deutsche Revolution ist noch weit von Euch entfernt, gut Ding will Weile und die Frage der Kompetenz ist noch nicht entschieden. [...] O Schilda, mein Vaterland!“ 

1. Juni 1832

Hambach * Das Hambacher Fest wird offiziell beendet. 

Nach dem 1. Juni 1832

München - Pfalz * Aus Sorge über die Entwicklung in der Pfalz und um hier die Ruhe und Ordnung wieder herzustellen, werden militärische Maßnahmen ergriffen. 

2. Juni 1832

München - Hambach * Das Bayerische Gesamtministerium gibt ihre erste öffentliche Stellungnahme zum Hambacher Fest heraus. Darin erklärt sie ihre „äußerste Missbilligung“ und ihre „Überzeugung von der Strafbarkeit“ der Hambacher Vorgänge. Zu diesem Zeitpunkt befindet sich König Ludwig I. noch in Italien. 

15. Juni 1832

Homburg * Der Jurist und Publizist Dr. Johann Georg August Wirth, einer der Wortführer des Hambacher Festes, stellt sich in Homburg selbst der Polizei.

16. Juni 1832

Pfalz * Bayerische Truppen, bestehend aus 8.000 Soldaten, marschieren zur Besetzung in die Pfalz ab. 

17. Juni 1832

Haardt/Neustadt * Der Jurist Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer, ebenfalls ein Wortführer des Hambacher Festes, wird in seinem Haus in Haardt/Neustadt verhaftet. 

22. Juni 1832

München - Hambach - Gaibach - Speyer * Auf ausdrücklichen Befehl des Königs Ludwig I. wird jetzt gegen die Aktivisten von Hambach und Gaibach mit harten Strafen vorgegangen. Feldmarschall Carl Philipp Joseph Fürst von Wrede wird vom Bayernkönig mit nahezu diktatorischen Vollmachten ausgestattet, um die Unruhen im Rheinkreis zu „befrieden“ und um gleichzeitig die Verwaltungsmissstände zu untersuchen. 

Der Regierungspräsident des Rheinkreises, Ferdinand Freyherr von Adrian-Werburg, wird abberufen und durch den früheren Generalkommissär von Carl Albert Leopold Freiherr von Stengel ersetzt. Die bayerischen Truppenkontingente treffen in der Pfalz ein. 

28. Juni 1832

Hambach * Feldmarschall Carl Philipp Joseph Fürst von Wrede verordnet in 16 Paragraphen detaillierte Maßnahmen, mit denen die oppositionelle Volksbewegung unterdrückt werden soll. Im Einzelnen verbietet er

  • öffentliche Versammlungen, politische Vereine und Verbindungen sowie 
  • das Tragen von schwarz-rot-goldenen Abzeichen und Fahnen.
  • Er befiehlt die Entfernung der Freiheitsbäume und
  • kündigt die Bestrafung der Verfasser und Verbreiter unzensierter politischer Flugschriften an. 
  • Für den Fall, dass die angeordneten Maßnahmen zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung unzureichend sein sollten, kündigt Wrede die Verhängung des Kriegszustandes an. 

Im weiteren Verlauf kommt es zu 142 Gerichtsprozessen, in denen sogar sieben Todesstrafen ausgesprochen werden. Diese werden allerdings in lebenslange Haft umgewandelt. 

8. Juli 1832

München-Maxvorstadt * Der Grundstein für die Bayerische Staatsbibliothek an der Ludwigstraße wird gelegt. 

1. August 1832

Pfalz * Feldmarschall Carl Philipp Joseph Fürst von Wrede verlässt den Rheinkreis wieder. Die Ruhe in der Pfalz ist äußerlich wiederhergestellt, seine Anordnungen bleiben jedoch weiterhin in Kraft. 

8. August 1832

Nauplia * Die griechische Nationalversammlung akzeptiert Prinz Otto von Bayern als König von Griechenland. Ludwig I., der sich selbst gerne als „alten Philhellenen“ bezeichnet, fühlt sich mit der Ernennung seines zweitgeborenen Sohnes Otto zum griechischen König am Ziel seiner Träume. 

September 1832

Dettendorf - Miesbach - München * Die Gemeinde Dettendorf kämpft - unterstützt von den Pfarrherren von Elbach, Au und Irschenberg - mit den Miesbacher Behörden und die Regierung von Oberbayern gegen die 50-Gulden-Strafe und die Untersuchungskosten in Höhe von 244 Gulden und 42 Kreuzer.

Letztlich bringen aber nur verschiedene Gesuche an König Ludwig I. den Erlass der Strafe. Auch die Untersuchungskosten werden Ende September 1832 der Staatskasse auferlegt. 

13. Oktober 1832

München * Eine zwölfköpfige Delegation trifft in München ein, um dem künftigen König die Huldigung der Griechen darzubringen und ihn anschließend nach Griechenland zu begleiten. 

14. Oktober 1832

München-Theresienwiese * Um den griechischen Abgesandten die Teilnahme am Oktoberfest zu ermöglichen, wird der Beginn der Wiesn vom 7. auf den 14. Oktober verschoben.

20. Oktober 1832

Wildparting * In der Nacht vom 20. zum 21. Oktober 1832 findet in Wilparting ein Haberfeldtreiben statt. 

30. Oktober 1832

Irschenberg * Vom 30. auf den 31. Oktober wird in Irschenberg ein Haberfeldtreiben abgehalten. 

22. November 1832

Litzldorf * In der Nacht vom 22. zum 23. November 1832 wird ein weiteres Haberfeldtreiben in Litzldorf abgehalten. Aus Sicht des Landrichters ist das die Folge der „oberbehördlichen Güte“. Konsequenterweise forderte er einen härteren Kurs gegen die Haberfeld­treiber und ihre Unterstützer.

Aus seiner Sicht wäre es gleich anders, wenn „rücksichtslos gegen diese Ruhestörer auf Leben und Tod fürgeschritten werden dürfte, wo vielleicht mit ein paar Kugelschüssen, Verwundeten oder einer Tötung diesem Mißstand auf lange Zeit, wenn nicht für immer, begegnet würde“

6. Dezember 1832

Ottobrunn - Aibling * Der 17-jährige Bayernprinz Otto macht sich von der Münchner Residenz auf nach Griechenland, in sein neues Königreich. In Ottobrunn nimmt König Ludwig I. Abschied von seinem Sohn.

Königin Therese wird ihn noch bis nach Aibling begleiten. An der Brücke über die Mangfall wird sie sich - unter Tränen - von ihrem Sohn trennen.

7. Dezember 1832

Kufstein - Kiefersfelden * Weil Prinz Otto am 6. Dezember die bayerisch-österreichische Grenze schlafend überquert hat, kehrt er von Kufstein aus nochmal zurück nach Kiefersfelden, um den Abschied von seiner bayerischen Heimat bewusst zu vollziehen. 


1833

1833

München-Graggenau * Der Bildhauer Ludwig von Schwanthaler erhält den Auftrag, zwölf Bronzefiguren mit Ahnen der Wittelsbacher für den Thronsaal der Residenz zu erstellen. 

1833

München * In München werden 1.376 eheliche und 1.180 uneheliche Kinder geboren. 

30. Januar 1833

Nauplia * König Otto von Griechenland trifft im Geleit von 33 Segelschiffen mit der britischen Fregatte Madagaskar in der damaligen griechischen Hauptstadt Nauplia ein. Mit Otto reisen 3.500 bayerische Soldaten, eine größere Zahl Wissenschaftler und Verwaltungsbeamte sowie ein dreiköpfiger Regentschaftsrat, bestehend aus dem ehemaligen bayerischen Finanzminister Joseph Ludwig Graf von Armansperg, dem Kgl. Staatsrat Georg Ludwig von Maurer und dem Generalmajor Karl Wilhelm von Heideck. 

Der Regentschaftsrat soll bis zur Volljährigkeit Ottos - in zweieinhalb Jahren - die Regierungsgeschäfte führen. 

6. Februar 1833

Nauplia * König Otto von Griechenland zieht in die griechische Hauptstadt Nauplia ein. Angeblich wird er von 50.000 jubelnden Landesbewohnern begrüßt und feierlich empfangen. 

21. März 1833

München * König Ludwig I. steht dem Haberfeldtreiben positiv gegenüber. Für ihn ist es kein Politikum, denn: „Bey dem alten Brauch des Haberfeldtreibens soll es gelassen, die dagegen gegebenen Verordnungen aufgehoben werden […]. Ohne meine Genehmigung soll keine Verordnung gegen einen alten Brauch gemacht werden“

3. Juni 1833

München * Maximilian Bernhard Graf von Arco-Zinneberg heiratet Leopoldine Gräfin von Waldburg-Zeil-Trauchburg. 

11. Juli 1833

Athen * Athen wird - statt Nauplia - zur neuen Hauptstadt Griechenlands erwählt. Die Stadt hat stark unter dem Unabhängigkeitskrieg gelitten. Von 2.000 Häusern sind gerade mal sechzig noch bewohnbar. 

29. Juli 1833

Landau/Pfalz * Der Prozess gegen die Wortführer des Hambacher Festes findet in Landau statt. Er dauert bis zum 16. August und endet mit dem Freispruch der Angeklagten. 

König Ludwig I. versucht die Freilassung des Juristen und Publizisten Dr. Johann Georg August Wirth sowie des Juristen Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer zu verhindern, indem er aufgrund napoleonischer Gesetze eine „Präventivhaft“ anordnet. Aus seiner Sicht sind von den Beiden „staatsgefährdende Aktivitäten“ zu befürchten. Wegen kleinerer Vergehen (Beamtenbeleidigung) werden sie vor ein Zuchtpolizeigericht gestellt und zur Höchststrafe von zwei Jahren verurteilt. 

25. August 1833

München-Ludwigsvorstadt * An König Ludwigs I. Geburtstag wird die evangelische Matthäuskirche in Anwesenheit der Königinmutter Caroline eingeweiht. Der katholische König selbst bleibt der Zeremonie allerdings fern. 

18. Oktober 1833

München-Maxvorstadt * Der Grundstein für den Obelisken auf dem Carolinenplatz wird gelegt. Er ist ein Denkmal für die im Russlandfeldzug Napoleons umgekommenen bayerischen Soldaten.

20. Oktober 1833

Haidhausen - Ottobrunn * Der in Haidhausen niedergelassene Steinmetzmeister Anton Ripfel beginnt mit den Arbeiten an dem 8,75 Meter hohen Ehrendenkmal in Form einer griechisch-dorischen Säule am Ortsrand von Ottobrunn, dem damaligen Hehenkirchner Forst. Die sogenannte Ottosäule trägt die Inschrift: „3 ¼ Stunden von München entfernt, wo Ludwig I., König von Bayern, von seinem edlen Sohn, Otto I. von Griechenland, am 6. Dezember 1832 Abschied nahm.“

Die Aufstellung der Ottosäule geschieht in Abstimmung mit dem Regenten. Da der huldigende Aspekt des Denkmals schon von Anfang an feststeht, wünscht König Ludwig I. solche Initiativen nicht nur, sondern erwartet sie geradezu.

15. November 1833

Landau/Pfalz * Der Jurist Dr. Philipp Jakob Siebenpfeiffer, einer der Wortführer des Hambacher Festes, flüchtet aus seinem Gefängnisaufenthalt und reist in die Schweiz. 


1834

1834

Donau * Nach der Sprengung der berüchtigten Katarakten des Eisernen Tores können Dampfschiffe bis ins Schwarze Meer fahren, wodurch die Donau-Dampfschifffahrt einen enormen Aufschwung erlebt. Nun ist eine direkte Schifffahrtsverbindung bis nach Griechenland möglich, wo seit 1832 mit König Otto ein Wittelsbacher regiert.

1834

München * Die Königliche Civilliste beträgt jährlich 2,3 Millionen Gulden, wovon dem König rund 300.000 Gulden zur freien Verfügung stehen.

1834

München * Die Einwohnerzahl Münchens hat sich auf 88.905 erhöht. 

1834

München * In München werden 1.341 eheliche und 1.289 uneheliche Kinder geboren. 

1834

München * Die Wiedereinführung der Fornikationsstrafe [= Bestrafung der einfachen Unzucht] wird in der Ständeversammlung von katholischen und evangelischen Abgeordneten in einer gemeinsamen Eingabe gefordert. Es kommt zu keiner Verschärfung des Strafrechts, weil man eine Erhöhung der Abtreibungs- und Kindermorddelikte befürchtet. 

13. Februar 1834

Ottobrunn * Die Ottosäule in Ottobrunn wird eingeweiht. Sie trägt die antik gestaltete Büste des damals siebzehnjährigen griechischen Königs aus dem bayerisch-wittelsbachischen Herrscherhaus. Der Sockel ist mit Blattvoluten und Eckpalmetten verziert, die von Trophäen, Insignien und den Wappen der Königreiche Bayern und Griechenland umringt werden. Ein Löwe liegt zu Füßen des Sockels. Die künstliche Anhöhe, auf der sich die Ottosäule in Ottobrunn erhebt, wird erst in späterer Zeit mit Felsensteinen verkleidet werden. 

19. Februar 1834

Nürnberg * König Ludwig I. gibt der von Geschäftsleuten gegründeten Nürnberg-Fürth-Ludwig-Eisenbahngesellschaft seine Zustimmung zum Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth. Er merkt dabei an, dass weitere Eisenbahnen genehmigt und sogar vom Staat gebaut werden könnten. 

4. März 1834

München-Kreuzviertel * Das nächste Zusammentreffen der Stände-Versammlung wird für die Zeit vom 4. März bis 3. Juli 1834 einberufen. Innenminister Ludwig Fürst zu Oettingen-Wallerstein setzt alles daran, dass die Beratungen zu einem Erfolg für König Ludwig I. werden sollen. Und die vorausgegangenen, vom König veranlassten Einschüchterungen zeigen auch in der Abgeordnetenkammer ihre Wirkung. 

19. April 1834<p><em><strong>Maxhofen bei Kirchdorf</strong></em> * Vom 19. zum 20. April 1834 findet das bis dahin teilnehmerstärkste Haberfeldtreiben&nbsp;statt. Bis zu 150 Burschen&nbsp;versammeln sich auf einem Hügel zwischen Maxhofen und Kirchdorf, um dem Lehrer Rothammer wegen <em>„Umgangs mit ledigen Mädchen“</em> und verschiedenen Bauern von Kirchdorf wegen <em>„ehelicher Untreue“</em> die Leviten zu lesen.</p> <p>Besonders gilt das Treiben&nbsp;aber dem Jäger des Grafen Arco, Friedrich Oberbichler, der die Gärtnermagd Katharina Wagner geschwängert hatte, ohne dass die Beiden aus dem Schloss verstoßen worden wären.</p> <p>Bei diesem Haberfeldtreiben&nbsp;wird dem Bauern Kaspar Schnitzenbaumer durch den Hut geschossen und eine Magd durch eine Schrotkugel verletzt.&nbsp;</p>
3. Mai 1834

Weyarn * Beim Haberfeldtreiben von Weyarn in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai 1834, das sich gegen die Wirtstochter Anna Kirchberger, die Hausmagd Maria Strohschneider, den Wirt Alois Kirchberger und andere Dorfbewohner richtet, kommt es zur direkten Konfrontation zwischen den Dorfbewohnern und den Haberern. 

Der Wirt, sein Sohn und der Knecht gehen auf die Haberer los. Vater und Sohn Kirchberger werden nur leicht verletzt, der Knecht wird dagegen von fünf Schüssen schwer verwundet. Auch auf den herbeigeholten Pfarrer wird geschossen. Er kann den Verletzten nur im Schutze des Straßengrabens erreichen. Die heftigen verbalen Attacken richteten sich erneut gegen den Standesunterschied von Wirt und Dirn. 

Durch die Vorgänge von Weyarn wird das Haberfeldtreiben endgültig kriminalisiert. 

15. Juni 1834

Schloss Maxlrain * In der Nacht vom 15. zum 16. Juni 1834 verüben - angeblich - die Haberer einen „lebens- und eigentumsgefährlichen Angriff auf das Schloß Maxlrain“.

Doch bei der „Schlacht von Maxlrain“ sind vollkommen andere Gründe maßgeblich. Bestimmt werden Mord- und Branddrohungen ausgesprochen, denn die bewaffneten Burschen verdächtigen den Maxlrainer Jäger des Mordes an einem ihrer Freunde. Der Aufruhr läuft ziemlich unorganisiert ab und hat auch sonst nur wenig Ähnlichkeit mit einem Haberfeldtreiben. 

Juli 1834

Nürnberg - Fürth * Nachdem die Aktien schnell verkauft sind, kann der Königlich-Bayerische Bezirksingenieur Paul Denis mit den notwendigen Vermessungsarbeiten zur Errichtung der Eisenbahnlinie zwischen Nürnberg und Fürth beginnen. Aufgrund eines trockenen Sommers kommen die Schienenverlegungsarbeiten für die 6,05 Kilometer lange Strecke zwischen Nürnberg und Fürth schnell voran. 

1. Juli 1834

München-Kreuzviertel * Die bayerische Ständeversammlung genehmigt den Bau eines Kanals zwischen Main und Donau, den Ludwig-Main-Donau-Kanal. 

1. Juli 1834

München-Kreuzviertel * Innenminister Ludwig Fürst von Oettingen-Wallerstein bringt in die Ständeversammlung einen Gesetzentwurf zur Revision des Ansässigmachungs- und Verehelichungsgesetzes ein.

Ziel der Gesetzesvorlage ist die Begrenzung des Bevölkerungswachstums durch Verhinderung der Verehelichung und Familiengründung durch Besitzlose. Damit sollen gleichzeitig

  • die Lasten der Armenkasse gesenkt sowie
  • die Unzufriedenheit der sozialen Unterschichten und die damit verbundene Revolutionsbereitschaft unterbunden werden.

Der Innenminister kommt damit der überwältigenden Mehrheit der Abgeordnetenkammer entgegen, die bereits am 13. September 1831 derartige Schritte forderte. Fürst Ludwig von Oettingen-Wallenstein schafft mit diesem Deal auch die Zustimmung zu anderen Gesetzesvorlagen wie die Zivilliste, den Festungsbau in Ingolstadt und den Ludwig-Main-Donau-Kanal. 

1. Juli 1834

München-Kreuzviertel * Die Ständeversammlung beschließt ein Ansässigmachungs- und Verehelichungsgesetz, in dem den Gemeinden ein „absolut hindernder Widerspruch (Vetorecht)“ zugestanden wird. Das gilt in all den Fällen, wo das Gesuch auf Ansässigmachung lediglich auf dem Nachweis eines „anderweitig gesicherter Nahrungsstandes“ gestützt ist.

Damit liegt das Schicksal der Bewerber, für die kein Anspruch auf Ansässigmachung besteht, ausschließlich in der Hand der Gemeinde. Davon betroffen sind in erster Linie besitzlose Lohnabhängige, die dadurch auch von der Verehelichung ausgeschlossen werden. 

1. Juli 1834

Königreich Bayern * Durch das neue Ansässigmachungs- und Verehelichungsgesetz unterscheidet man jetzt zwischen  

  • Gemeindeeingeborenen sowie
  • sonstigen Inländern und
  • Ausländern. 
1. Juli 1834

München * Die Ansässigmachung wird zusätzlich erschwert, da der Wert des Grundbesitzes von bisher etwa 600 Gulden auf 2.000 Gulden heraufgesetzt wird.

  • Der Höchstsatz der Aufnahmegebühr liegt in München bei 100 Gulden, wenn das Vermögen 3.000 Gulden übersteigt.
  • Die Aufnahmegebühr für besitzlose Lohnabhängige liegt in den größeren Städten zwischen 10 und 25 Gulden. Die Angehörigen dieses Personenkreises werden zu Bürger zweiter Klasse, zu „Beisassen“ oder „Insassen“
1. Juli 1834

München * Durch die Novellierung des Gemeindeedikts von 1818 unterteilt man die Angehörigen eines Gemeindebezirks in Gemeindebürger und Nichtbürger ein.

  • Gemeindebürger sind Personen, die im Gemeindegebiet ein Anwesen besitzen und eine Grundsteuer bezahlen oder
  • ein besteuertes Gewerbe ausüben.

Zu diesen gesellen sich die „einem Gemeindebezirk angehörigen, aber mit Gemeindebürgerrecht nicht begabten Personen“, die in verschiedenen Klassen eingeteilt sind: 

  • Die erste Klasse der Nichtbürger bilden die Schutzverwandten oder Passivbürger, in den Städten auch Insassen genannt. Das sind Personen, die sich auf Lohnerwerb oder wegen definitiver Einstellung in einem öffentlichen Amt des Staates, der Kirche oder einer Gemeinde ansässig machen konnten. Dieser Personenkreis ist nicht wahlberechtigt.
  • Die zweite Klasse der Nichtbürger besteht aus den ohne Ansässigmachung Heimatberechtigten.
  • Die dritte Klasse der Nichtbürger aus den Heimatberechtigten anderer Gemeinden. Das ist der größte Teil der unverheirateten zugezogenen Arbeiter und Tagelöhner. 
17. Juli 1834

Valley * Das Schloss Valley brennt ab. Man vermutet, dass Haberer hinter dieser Brandschatzung stecken. 

31. Juli 1834

München * König Ludwig I. gibt seine wohlwollende Haltung gegenüber dem Brauch des Haberfeldtreibens auf und erteilt den Befehl: „Seine Majestät der König haben zu genehmigen geruht, daß

  • die alte Sitte des Haberfeldtreibens in jenen Gemeinden, in welchen selbes zur Verübung von Exzessen irgendeiner Art, d.h. als Spottung vor die Häuser der Mütter unehelicher Kinder mißbraucht wurde, oder künftig mißbraucht wird, verboten, und daß
  • sodann die von einem solchen Verbote betroffenen Gemeinde für etwaige Zuwiderhandlungen in solidum [= ganzheitlich] verantwortlich erklärt und nach Lage der Sache durch die Kreisregierung selbst mit militärischer Exekution belegt werde.“ 
11. August 1834

Schloss Maxlrain * Auf den Maxlrainer Schlossherrn, Carl Theodor Graf von Lodron, wird ein Überfall versucht und am 11. August 1834 in einem Drohbrief ein Brandanschlag ankündigt. Jetzt wächst die Angst vor den Haberern ins Unermessliche. Auch, weil das Schloss Valley bereits am 17. Juli 1834 abgebrannt war. 

21. August 1834

Valley * Auf den Brauereiaufseher von Valley wird ein Anschlag verübt. Wieder verdächtigt man Haberer. 

29. August 1834

München * Auf Bitten der Regierung von Oberbayern um Mithilfe bei der Bekämpfung des Haberfeldtreibens erlässt das Bischöfliche Ordinariat eine oberhirtliche Verfügung an die Dekanatsämter Miesbach, Aibling und Söllhuben.

Darin können diese entnehmen, dass sie „durch alle in ihrem seelsorgerischen Wirkungskreise ihnen zu Geboth stehenden Mittel, durch zweckmäßig eindringliche Belehrung in Kanzelvorträgen und Christenlehren sowohl, als vorzüglich im Beichtstuhle zur Ausrottung dieses so tief gewurzelten Übels mit aller Kraft und Klugheit einzuwirken, […] und besonders der männlichen Jugend die schwere Verantwortung, die sie sich vor dem weltlichen wie vor dem göttlichen Richterstuhle zuziehen würde, vorzustellen, wenn sie an diesen strafbaren nächtlichen Exzessen und unbefugten Rotten auf die eine oder andere Weise theilnehmen, und dieselben begünstigen würden“

Dezember 1834

Nauplia - Athen * Die griechische Regierung zieht von Nauplia nach Athen um. 


1835

1835

München * Die Zahl der Kaffeehäuser hat sich in München auf 41 erhöht. 

1835

München * In München werden 1.401 eheliche und 1.320 uneheliche Kinder geboren. 

1835

Königreich Bayern * Die Quote der unehelich geborenen Kinder liegt im Königreich Bayern bei 23,8 Prozent. 

1835

Landgericht Au * Im Landgericht Au, das die Vorstadt Au und die Gemeinden Haidhausen, Obergiesing, Bogenhausen, Oberföhring, Daglfing und Berg am Laim umfasst, werden 514 eheliche und 252 uneheliche Kinder geboren. 

2. März 1835

Wien * Kaiser Franz I. Joseph Karl (Franz II.) von Österreich stirbt in Wien. 

1. Juni 1835

Aibling * Das Theresienmonument an der Brücke über die Mangfall, gleich hinter Aibling, wird eingeweiht. Das Denkmal erinnert an die tränenreiche Verabschiedung der Bayernkönigin Therese von ihrem 17-jährigen Sohn Otto, auf seinem Weg nach Griechenland. Das Theresienmonument ist eine neugotische „Fiale mit eingestellter Muttergottesfigur“, nach Plänen von Friedrich Ziebland. 

1. Juni 1835

Nauplia * König Otto von Griechenland ist volljährig geworden und übernimmt damit vom dreiköpfigen Regentschaftsrat die Regierung. Obwohl die griechischen Schutzmächte England, Frankreich und Russland den Griechen bereits vor König Ottos Einsetzung eine Verfassung versprochen haben, regiert Otto zunächst als nahezu uneingeschränkter Herrscher. 

Bestärkt wird der darin von seinem Vater, dem Bayernkönig Ludwig I., der ihm schreibt: „Nicht zu reiflich überdacht kann die Einführung einer Verfassung werden; es ist die Höhle des Löwen, aus der keine Fußstapfen gehen; sie hat Folgen, die man gar nicht voraussieht.“ 

18. Juni 1835

München * Auf Betreiben des Hofbankiers Simon von Eichthal beteiligt sich Joseph Anton von Maffei - unterstützt von den Bankhäusern Rothschild in Frankfurt sowie Hirsch in Würzburg - mit 250.000 Gulden an der Gründung der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. In den kommenden fünf Jahren steuert Ritter von Maffei als Vorstandsmitglied die Geschicke der Bank aktiv mit.

24. September 1835

München - Königreich Bayern * Da sich nach 1830 die wirtschaftliche Lage im Königreich Bayern verschlechtert hat, werden jetzt Stimmen laut, die die Faulheit, Liederlichkeit und Sittenlosigkeit der unteren Bevölkerungsgruppen anprangern.

Für die Behörden sind viele Arme und die meisten Bettler nur „Scheinarme“, die sich auf Kosten anderer ein schönes Leben machen wollen. 

Dezember 1835

Passau * Der Jurist und Publizist Dr. Johann Georg August Wirth, einer der Wortführer des „Hambacher Festes“, wird nach seiner Freilassung nach Passau gebracht, um dort noch eine sechswöchige „Kontumazstrafe“ (Verurteilung wegen Nichterscheinen vor Gericht) aus dem Jahr 1831 abzusitzen. 

7. Dezember 1835

Nürnberg - Fürth * Der englische Lokomotivführer Wilson befährt auf seiner ebenfalls aus England stammenden 10-PS-Lokomotive Adler erstmals die Strecke zwischen Nürnberg und Fürth mit einer Geschwindigkeit von knapp zwanzig Stundenkilometern.

Der Lokomotiv-Führer verdient - mit einem Jahresgehalt von 2.571 Mark - mehr als der Eisenbahndirektor. 

Um den 15. Dezember 1835

München - Augsburg * Nach dem Erfolg des „Adlers“ gibt König Ludwig I. die Zustimmung zum Bau der sechzig Kilometer langen Strecke zwischen München und Augsburg. Mit den Planungen der Neubaustrecke wird erneut Paul Denis beauftragt. 

Noch während man in Nürnberg die Schienen nach Fürth verlegt, treffen sich in München und Augsburg vermögende Herren, um den Bau einer Eisenbahn zwischen den beiden Städten zu planen. Als Probleme mit verkaufsunwilligen Grundstückseigentümern auftreten, beschließt der Landtag ein Gesetz, das Enteignungen erlaubt. 


1836

1836

Miesbach * Es kommt zur Verhandlung zum „Maxhofener Haberfeldtreiben“ vom 19. zum 20. April 1834, bei der die „Tötungsabsicht“ an Kaspar Schnitzenbaumer im Mittelpunkt steht.

43 Personen werden zu „Arreststrafen“ und weitere 32 zu „Rutenhiebe“ verurteilt. 

1836

Nürnberg - Fürth * Die „Nürnberg - Fürther Privateisenbahn“ erfüllt ihren Aktionären die Hoffnung auf's schnelle Geld.

Satte 20 Prozent Dividende werden ausgeschüttet und lassen die Aktien auf ein Vielfaches ihres Nennwerts steigen.

1836

München-Graggenau * Der Stadtmagistrat bietet Ludwig von Schwanthaler die Aufstellung von acht vergoldeten Gipsfiguren der Wittelsbacher-Ahnen im „Festsaal des Alten Rathauses“ an, damit dieser eine „patriotische Ausschmückung“ erhält. 

Bedingung ist die Renovierung des nicht mehr repräsentativen Zwecken genutzten und dementsprechend ramponierten „Rathaussaales“

1836

München * In München werden 1.325 eheliche und 1.301 uneheliche Kinder geboren. 

Ab 1836

Königreich Bayern * Zwischen 1836 und 1845 wandern 60.980 Personen aus dem Königreich Bayern aus. 

1836

München * Bei seinem Tod hinterlässt Peter Paul Ritter von Maffei seinem Sohn ein Vermögen von 2,7 Millionen Gulden.

Joseph Anton von Maffei steht als Unternehmerpersönlichkeit seinem Vater in nichts nach und wird als eine „der bedeutendsten Industriepioniere Bayerns im 19. Jahrhundert“ beschrieben.

Februar 1836

Hof - Weißenburg * Dr. Johann Georg August Wirth, einer der Wortführer des „Hambacher Festes“, begibt sich in seinen Heimatort Hof, wo er aber weiterhin unter Polizeiaufsicht steht. 

Ihm gelingt jedoch die Flucht nach Weißenburg im Elsass. 

6. Februar 1836

Athen * Der Grundstein für das Königliche Schloss in Athen wird in Anwesenheit des bayerischen Königs Ludwig I. gelegt. 

Um März 1836

Süddeutschland * Die „Cholera“ grassiert erstmals in Süddeutschland.

Das Bürgertum fühlt sich zunehmend von den „armen“ Bevölkerungsschichten bedroht, weshalb das „Bayerische Staatsministerium des Innern“ eine Verordnung erlässt.

In dieser wird die Notwendigkeit der Unterstützung der Armen angesichts der herrschenden Epidemie eingefordert, da sie „zum Schutze der Gesamtheit nicht minder als zum Schirme der Dürftigen selbst“ notwendig sei, „da die in den Hütten sich steigernde Krankheit auch auf alle übrigen Klassen und den Gesundheits-Zustand ganzer Orte nicht ohne Rückwirkung bleibt“.

Um Mai 1836

Athen - München * König Otto von Griechenland begibt sich auf Brautschau nach Deutschland. 

16. Juni 1836

München - Donau * König Ludwig I. erteilt der Bayerisch-württembergischen Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft ein auf vierzig Jahre befristetes Privileg zum Betrieb der Dampfschifffahrt auf der bayerischen Donau.

19. Juni 1836

Kiefersfelden * Ein weiteres Denkmal der etappenweisen Verabschiedung des 17-jährigen Bayernprinzen Otto auf seinem Weg nach Griechenland findet sich in Kiefersfelden. Da Prinz Otto die dortige Grenze nach Österreich schlafend überquert hatte, kehrt er am nächstens Tag noch einmal zurück, um sich ganz bewusst „vom Boden seiner Heimat“ zu verabschieden. Diese aufsehenerregende Geste führt zur Errichtung der vom Bauinspektor Daniel Ohlmüller geplanten neugotischen Ottokapelle. 

August 1836

München - Vorstadt Au - Haidhausen * In München bricht die erste „Cholera-Epidemie“ aus.
Sie dauert bis Januar 1837.

143 von 4.700 Bewohner Haidhausens sterben daran, das sind rund 3 Prozent.
259 von rund 10.000 Bewohner der Au sterben daran, das sind rund 2,6 Prozent.
1.061 von rund 100.000 Bewohner Münchens sterben daran, das sind rund 1 Prozent.

Von Übergriffen auf Ärzten wegen der „Cholera“ wird berichtet:

„Im Jahre 1836 hielt man in der Vorstadt Haidhausen dafür, daß die Aerzte den Leuten die Cholera erst ins Haus brächten, und sie wollten von ärztlichen Nachforschungen im Hause nichts wissen.
Ja, es bestanden dort Vorurtheile, als ob die reichen Leute die Cholera machten, als leiser Nachklang der Brunnenvergiftungsfurcht durch die Juden im Mittelalter.

Es war daher das Aufsuchen und die Nachfrage in Haidhausen, ob im Hause keine Diarrhöen vorkämen, dem vorurtheilsvollen und ungebildeten Publikum gegenüber sogar mit persönlicher Gefahr verbunden“.

Bei den nächsten Epidemien spielten Vergiftungsvorstellungen keine Rolle mehr.
Doch nachvollziehbar sind solche Theorien schon.

So hält sich die Vorstellung, der „Aids-Virus“ sei in einem amerikanischen Labor geschaffen worden, um die „Schwarzen“ auszurotten, auch noch immer.

31. August 1836

München * Hugo Alois von Maffei wird geboren. Er wird später die Maffei-Werke von seinem Onkel erben und erfolgreich weiterführen.

Oktober 1836

Regensburg - München-Theresienwiese * Regensburg hat sich zum Zentrum der bayerischen Seidenzucht entwickelt. Die Qualität der erzeugten Seide findet Anerkennung und die Regensburger Gesellschaft zur Beförderung der Seidenzucht bekommt auf dem Oktoberfest des Jahres 1836 eine Auszeichnung. 

16. Oktober 1836

München-Maxvorstadt * Die Alte Pinakothek an der Barer Straße wird eröffnet. Aus dem überreichen Gemäldebestand können nur 1.300 Bilder gezeigt werden. 

22. November 1836

Oldenburg * König Otto von Griechenland heiratet in Oldenburg die 18-jährige Prinzessin Amalie aus dem Großherzogtum Oldenburg. 

Dezember 1836

Nancy - Kreuzlingen * Der Jurist und Publizist Dr. Johann Georg August Wirth, einer der Wortführer des „Hambacher Festes“, kommt nach Nancy in Frankreich und 1839 nach Kreuzlingen im Thurgau in der Schweiz. 


1837

1837

Vorstadt Au - Haidhausen - Giesing * Der Auer „Armenarzt“ Anselm Martin schreibt:

„In den Herbergen sind nicht nur Menschen, sondern auch noch alle Gattungen Hausthiere Katzen, Kaninchen, Vögel, Mäuse und dergleichen, so wie alle nur erdenklichen Handwerksgeräthe, Hausutensilien, alte, bereits halb verfaulte, zusammengesammelte Leinwand, zerbrochenes Glas, neugewaschene zum Trocknen aufgehängte Wäsche und dergleichen in den kleinsten, mit zurückstoßender Luft angefüllten Gemächern anzutreffen.

Die Öfen sind gewöhnlich von Ziegel, selten von Eisen.
Die Feuerung geschieht mit Holz und zwar mit den schlechtesten und wohlfeilsten Holzgattungen, oft mit halbverfaulten, in der Isar aufgefangenen Gerten und Prügeln“
.

Die „Höhe der Wohnräume“ liegt bei 180 bis 192 Zentimetern; die „Dachdeckungen“ aus Ziegel oder Blech lösen erst im 19. Jahrhundert die Schindel- oder Strohdeckung ab; ihre „Galerien und Träger“ verzieren die Bewohner mit Schnitzereien.

„Gemeinsamer Besitz“ aller Hausbewohner sind das „Grundstück“, die „Umfassungsmauern“ und das „Dach“.

Diese komplizierten Eigentumsverhältnisse führen häufig zu ausgiebigen Streitereien.
Wird das Dach undicht, so sind in erster Linie nur die Parteien des obersten Stockwerks vom Schaden betroffen, die Bewohner des Parterres dagegen haben nur sehr wenig Interesse an einer kostspieligen Reparatur.
Deshalb soll es vorgekommen sein, dass die „Oberen“ kübelweise Wasser auf den Fußboden schütteten, um die „Unteren“ drastisch an die gemeinsamen Verpflichtungen zu erinnern.

Nicht umsonst heißt es in den Akten des Landgerichts: „So viele Herbergsbesitzer sich in einem Hause befinden, ebensoviele Hauseigentümer gibt es im selben; keiner lässt sich vom andern etwas einsprechen, jeder tut in seiner Herberge, was er will“.

Auch die „hygienischen Zustände“ sind katastrophal.
Das „Trinkwasser“ muss von weit entfernten „Pumpbrunnen“ geholt werden.

Da eigene „Abtritte“ fehlen, benutzt man „Häfen und Leibstühle“.
Wegen der fehlenden Kanalisation werden „Abfälle und Abwässer“ jeglicher Herkunft in den „Auer Mühlbach“ geschüttet.
Eine „städtische Verordnung“ bestimmt deshalb, dass dies nur während der Nacht geschehen darf, da tagsüber die Frauen ihre Wäsche im „Auer Mühlbach“ waschen.

Das Fehlen der „Abfalltonnen“ bedingt viele unreinliche Wohnungen.
Dadurch sind die „Herbergsviertel“ in „Seuchenzeiten“ Brutstätten von Krankheiten.

Es ist also kein Wunder, dass viele Bewohner an den „Typhus- und Choleraepidemien“ sterben und die Einwohner oft hohen Blutzoll zu entrichten haben.

Bis um den 1837

Griechenland * Von den 3.500 Soldaten, die König Otto von Griechenland begleitet haben, sind 2.300 an den mangelhaften hygienischen Verhältnissen und den ständig kursierenden Epidemien gestorben. 

1837

München-Maxvorstadt * Die von Friedrich von Gärtner geplante „Staatsbibliothek“ wird bezogen.

1837

München * In München werden 1.220 eheliche und 1.241 uneheliche Kinder geboren. 

Ab 1837

München-Kreuzviertel * Zwischen 1837 bis 1847 ist Joseph Anton von Maffei Mitglied in der „Kammer der Abgeordneten“.

2. Februar 1837

München-Kreuzviertel * Die nächste Zusammenkunft der Volksvertretung beginnt am 2. Februar und dauert bis zum 17. November 1837. Das Ergebnis der im Vorfeld durchgeführten Wahlen war von der Staatsregierung schon ganz in ihrem - konservativen - Sinne beeinflusst worden. 

15. Februar 1837

Athen * Nach neunmonatiger Abwesenheit kehrt König Otto von Griechenland mit seiner Gemahlin Amalie nach Athen zurück. 

23. Juli 1837

Bath * Die 16-jährige Eliza Gilbert [= Lola Montez] heiratet in Irland den nur zwölf Jahre älteren Liebhaber ihrer Mutter, Thomas James. Beide fliehen aus dem südenglischen Bath, als Eliza mit dem siebzigjährigen Sir Lumley verheiraten werden soll. 

18. September 1837

München-Kreuzviertel * König Ludwig I. argumentiert vor der Stände-Versammlung so:

„Die Verfassungsurkunde räumt den Ständen keineswegs das Recht ein, die einzelnen Positionen der Einnahmen und Ausgaben unabänderlich mit verbindender Kraft für die Regierung festzustellen, nur zum Zwecke der Steuerbewilligung wird denselben das Budget vorgelegt; ein Finanzgesetz ist in der Verfassung nicht vorgeschrieben, sondern nur durch eine gezwungene Interpretation ist die bisherige Übung eingeführt worden. Zwingen lasse ich mich nicht, dafür meyne ich, sollte ich zu gut bekannt seyn. [...].“ 

Die Kammer der Abgeordneten wollte einen derartigen Angriff des Königs freilich nicht akzeptieren und selbst die Kammer der Reichsräte ist von den Argumenten des Innenministers Oettingen-Wallerstein überzeugt. Es kommt, was kommen musste: wer dem König nicht nach dem Mund spricht, hat mit Sanktionen zu rechnen, weshalb Ludwig I. seinen liberal geltenden Innenminister Ludwig Fürst zu Oettingen-Wallerstein am 4. November 1837 entlässt. 

Oktober 1837

Regensburg - Linz * Der erste Dampfer der „Bayerisch-württembergischen Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft“ fährt erstmals bis nach Linz.

Im folgenden Jahr wird der fahrplanmäßige Verkehr zwischen Regensburg und Linz aufgenommen.

4. November 1837

München * König Ludwig I. entlässt seinen als liberal geltenden Innenminister Ludwig Fürst zu Oettingen-Wallerstein. An seine Stelle rückt der erzkonservative Ministerialrat Karl August von Abel. 

24. Dezember 1837

München-Maxvorstadt * Herzogin Elisabeth in Bayern, die als „Sisi“ bekannt gewordene spätere österreichische Kaiserin, wird in München geboren. 


1838

1838

England - Indien - England * Eliza [= Lola Montez] und ihr Ehemann Thomas James brechen in Richtung Indien auf.  

Kaum in Indien angekommen, verlässt Eliza ihren Mann und segelt nach England zurück, um dort einen Neuanfang zu versuchen.  
Ihre Ehe wird anno 1842 aufgelöst. 

1838

München-Graggenau * Simon von Eichthal verkauft sein Palais an der Residenzstraße 26 an den „Konditor“ Carl Rottenhöfer.

Dessen Geschäft floriert derart, dass es schon bald nach seiner Eröffnung zur „Königlich-Bayerischen Hofkonditorei“ ernannt wird.

Bis Mitte 2013 trägt es den Namen „Confiserie Rottenhöfer Café Hag“ und befand sich an der selben Adresse.

1838

München * In München werden 1.362 eheliche und 1.153 uneheliche Kinder geboren. 

29. Januar 1838

München-Englischer Garten - Hirschau * Obwohl der Kaufvertrag für den Lindauer'schen Hammer erst am 20. März unterschrieben wird, führt „von diesem Tage an [...] der Herr Käufer das Geschäft auf seine Rechnung und hat auch von diesem Tage an alle laufenden Kapitalzinsen, Staats-, Haus- und Kommunallasten zu tragen“.

20. März 1838<p><strong><em>München-Englischer Garten - Hirschau</em></strong> * Der Kaufvertrag für die Hofhammerschmiede, auch Lindauer'scher Hammer&nbsp;genannt, wird&nbsp;von Franziska Lindauer und Joseph Anton von Maffei unterschrieben.&nbsp;Das Unternehmen firmiert zunächst viele Jahre unter Eisenwerk Hirschau.</p> <p>Weil Maffei gegenüber seinen Konkurrenten Emil Keßler in Karlsruhe und August Borsig in Berlin nicht als Nachzügler erscheinen will, gibt er immer 1837 als Gründungsjahr&nbsp;seines Unternehmens an.</p>
14. Juni 1838

München-Maxvorstadt * Graf Maximilian Joseph von Montgelas stirbt in seinem Haus am Karolinenplatz 2. 

14. August 1838

München * Als ein Beispiel der rückwärtsgewandten antikatholischen Maßnahmen kann die „Kniebeugeverordnung“ für die Bayerische Armee gelten.  

Die Vorschrift über die Kniebeuge war vom damaligen Kurfürsten Max IV. Joseph im Jahr 1803 abgeschafft worden, nachdem Baiern kein ausgesprochen katholisches Land mehr war und Katholiken und Protestanten in der gleichen Armee dienten. Wenn also der Priester den Segen gab, knieten sich die Katholiken hin, während die Protestanten gemäß ihrer Glaubensauffassung stehen blieben. Nun befiehlt aber König Ludwig I., dass Alle niederzuknien haben. 


1839

1839

Regensburg - München * König Ludwig I. besichtigt die Regensburger Plantage und zeigt sich zufrieden, weshalb im ganzen Land immer mehr Maulbeerbäume angepflanzt werden.

Da trifft es sich gut, dass die Münchner Stadtverwaltung die Kultivierung und Erschließung der brachliegenden Oberen Isaranlagen ausführen will, um dort für die Bewohner der südlichen Stadtquartiere eine Erholungszone zu erschließen, wie sie sich für die Bewohner der nördlichen Stadtviertel im Englischen Garten anbietet.

Auf der sogenannten Abdeckerinsel soll ein zwei Tagwerk großes Grundstück für die Anpflanzung von Maulbeer- und anderen Pflanzlingen vorbereitet werden. 

1839

München * In München werden 1.365 eheliche und 1.046 uneheliche Kinder geboren. 

1. September 1839

München - Lochhausen * Mit der feierlichen Eröffnung der Eisenbahn-Teilstrecke von München nach Lochhausen - wird der offizielle Betrieb der Privatbahn aufgenommen. 

9. September 1839<p><strong><em>Berlin - Königreich Preußen</em></strong> * Das <em>„Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in Fabriken“</em> tritt in Kraft.&nbsp;</p> <ul> <li>Danach dürfen Kinder unter 17 Jahren erst dann arbeiten, wenn sie nachweisen können, dass sie eine dreijährige Schulbildung genossen haben. Unternehmer können diesen Punkt jedoch leicht umgehen, wenn sie eine Fabrikschule führen. Diese sind dann aber mehr Alibischulen.&nbsp;</li> <li>Kinder unter 17 dürfen nicht mehr als zehn Stunden täglich arbeiten. Die Ortspolizei kann jedoch die Arbeitszeit für maximal einen Monat erhöhen.&nbsp;</li> <li>Zwei Pausen von mindestens 15 Minuten und eine einstündige Mittagspause müssen eingeräumt werden.&nbsp;</li> <li>Sonntags- und Feiertagsarbeiten sowie die Nachtschicht ist für Kinder völlig verboten.&nbsp;</li> <li>Fabrikbesitzer müssen Buch über die Kinder in ihren Unternehmen zu führen. Nichteinhaltung der Vorschriften wurden mit Geldstrafen geahndet.&nbsp;</li> </ul> <p>Die Vorgaben gelten nicht für Arbeiterkinder in der Landwirtschaft.&nbsp;</p>
28. Dezember 1839

München-Kreuzviertel * Die Stände-Versammlung dauert vom 28. Dezember 1839 bis 15. April 1840. Die Reichsräte und die Abgeordneten haben sich nun auch mit dem politischen Kurswechsel in der ludovizianischen Innenpolitik durch den konservativen Innenminister Karl August von Abel auseinanderzusetzen. 


1840

1840

München-Maxvorstadt - Schwabing * Friedrich von Gärtner beginnt im Auftrag König Ludwigs I. mit den Planungen zum „Siegestor“.

Johann Martin von Wagner wird mit dem Skulpturenschmuck des „Siegestores“ beauftragt.

15. Januar 1840<p><strong><em>München - Königreich Bayern</em></strong> * Die <em>„Königlich Allerhöchste Verordnung, die Verwendung der werktagsschulpflichtigen Jugend in Fabriken betreffend“</em> tritt im Königreich Bayern in Kraft.&nbsp;</p> <ul> <li>Nach dieser darf&nbsp;kein Kind vor dem zurückgelegten neunten Lebensjahr zu einer regelmäßigen Beschäftigung in Fabriken aufgenommen werden.&nbsp;</li> <li>Kinder mussten ein gerichtsärztliches Zeugnis über ihre gesundheitliche Tauglichkeit sowie ein Zeugnis der Lokalschulinspektion über vorgeschriebene Kenntnisse vorweisen.&nbsp;</li> <li>Die Arbeitszeit der Neun- bis Zwölfjährigen durfte nicht mehr als zehn Stunden am Tag betragen, nicht vor sechs Uhr morgens beginnen und nicht nach 20 Uhr abends enden.&nbsp;</li> <li>Die Erfüllung der Schulpflicht hatte durch die Teilnahme an mindestens zwei Unterrichtsstunden pro Tag zu erfolgen.&nbsp;</li> </ul> <p>Durch diese und weitere Bestimmungen bleibt die erste bayerische Fabrikkinder-Schutzverordnung hinter dem im Jahr zuvor erlassenen preußischen <em>„Regulativ über die Beschäftigung jugendlicher Arbeiter in den Fabriken“</em> zurück. Dieses hatte beispielsweise die Arbeitszeit nicht nur bis zum Alter von zwölf Jahren, sondern bis zum zurück-gelegten 16. Lebensjahr auf zehn Stunden pro Tag beschränkt.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>
1. Juli 1840

München * In München werden in der Zeit von 1826 bis 1840 insgesamt 19.222 eheliche und 16.015 uneheliche Kinder geboren. Fast die Hälfte der unehelichen Geburten geht auf das Konto der von auswärts kommenden Mütter, die in der Münchner Gebäranstalt entbinden. 

4. Oktober 1840

München - Augsburg * Die rund 60 Kilometer lange Eisenbahn-Gesamtstrecke von München nach Augsburg kann erstmals der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Auf der vorerst eingleisigen Strecke braucht der Reisende - trotz der acht Zwischenstationen - eine Fahrzeit von nur 2 Stunden 45 Minuten. Auf der Straße benötigt die Kutsche 17 Poststunden bis sie in der Banken- und Handelsmetropole am Lech ankommt.

In der Anfangszeit verkehren zwischen München und Augsburg täglich zwei Züge. Sie fahren um 8 Uhr und um 15 Uhr an ihren Endpunkten ab. Während der Sommermonate werden drei, gelegentlich vier Züge eingesetzt.

Neben dem Lokomotivbetrieb werden „Nacht-Fahrten mit Pferde-Kraft“ durchgeführt.

  • Bei diesen Fahrten ziehen neben den Schienen herlaufende Pferde die Wagen.
  • Die Reisenden brauchen - bei fünfmaligem Pferdewechsel - acht Stunden bis ans Ziel.
  • Da dieses Fahrten nicht rentabel sind und der Bahndamm dabei Schaden nimmt, werden sie nach kurzer Zeit wieder eingestellt. 

1841

1841

London * Eliza oder Betty James [= Lola Montez] befasst sich mit den damals modernen spanischen Tänzen und besucht einige Ausbildungsstunden bei einer Tanzlehrerin in London.  

Seit dieser Zeit gibt sie sich als spanische Adelige mit dem exotischen Namen „Maria de los Dolores Porrys y Montez” aus.

Bald stellten sich die ersten Verehrer aus den besten Londoner Kreisen ein und schon erscheint ihr Name in allen Zeitungen.  
Damit beginnt der Karriere-Stern der „Donna Lola Montez vom Teatro Real, Sevilla” zu leuchten.  

Das gebildete England begeistert sich seit den Dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts an Spanien und den von dort stammenden Tänzen. 

1841

München-Maxvorstadt * Das „Georgianum“, das weltweit einzige staatliche „Priesterseminar“, zieht in seinen Neubau an der Ludwigstraße.

14. Januar 1841

München-Graggenau * Im Münchner Hof- und Nationaltheater findet ein Ringkampf statt. Gegen den bislang unbesiegten „französischen Herkules“ Jean Dupuis tritt der Meisinger Simmerl an - er ist Hausknecht beim Faberbräu. Der Simmerl zwingt den Franzosen auf den Boden und kassiert die als Belohnung ausgesetzten 1.000 bayerischen Gulden. 

August 1841

München-Maxvorstadt - Schwabing * Das endgültige Reliefprogramm für das „Siegestor“ wird festgelegt. 

9. September 1841

München * Joseph Anton von Maffei vertritt gegenüber König Ludwig I. die Auffassung, dass es notwendig ist, „alles Eisenbahnmaterial im eigenen Land herzustellen, um unabhängig vom Ausland zu werden“. Er habe zu diesem Zweck das Lindauer'sche Hammerwerk, eine Eisenschmiede mit kleinem Walzwerk, erworben und zu einer Maschinenfabrik mit Gießerei und Kesselschmiede umgestaltet. Dort, in der Hirschau, stünde seine erste, mit eigenen Mitteln erbaute Lokomotive vor der Vollendung. Und weil er die Maschine auch verkaufen will, bittet er den König - in einer peinlich unterwürfigen Sprache - zur Namengebung der Lokomotive:

„Euer Königliche Majestät wollen den in meiner Werkstätte erbauten ersten Bayerischen Dampfwagen den Namen Allergnädigst zu bestimmen geruhen.
Indem ich der Gewährung dieses allerunterthänigsten Gesuchs von Eurer Königlichen Majestät Huld und Gnade entgegenharre, erstrebe ich allertiefster Ehrfurcht Euer Königlichen Majestät
allerunterthänigst treugehorsamster Joseph Anton von Maffei“
.

25. September 1841

Wöllkauer Anhöhe bei Irschenberg * In der Nacht vom 25. zum 26. September 1841 zitieren etwa 100 Haberer auf der Wöllkauer Anhöhe bei Irschenberg den Pfarrer Ignaz Kalm zur mitternächtlichen Stunde heraus und lesen ihm beim Schein von Fackeln und Laternen aufgrund seines recht liederlichen Lebenswandels die Leviten.

Man wirft ihm unter anderem vor, dass „er sich mit Dirnen und Eheweibern abgebe, ja, daß er sich sogar soweit verfehlt habe, einer am Sterbebette befindlichen Weibsper­son die Schamteile zu berühren“. Die Anschuldigungen führen dazu, dass der Pfarrer Ignaz Kalm „wegen seines äußerst unsittlichen und in der That höchst empörenden Wandels“ des Amtes enthoben wird.

Die geistlichen Herren rücken immer mehr in das Zentrum der Verfolgung, je mehr die Amtskirche mit der zunehmenden Kriminalisierung der Haberer eine kritische Position gegenüber den Treiben einnimmt. 

13. November 1841

München - München-Kreuzviertel * Königin Caroline von Bayern stirbt. König Ludwig I. verbietet die Aufbahrung der Toten in der evangelischen Kirche. Sie wird stattdessen in die Herzog-Maxburg gebracht. 

Schloss Biederstein erbt ihre jüngste Tochter, die Herzogin Ludovika in Bayern. 


1842

1842

München-Maxvorstadt * Joseph Anton Ritter und Edler von Maffei steht der neu gegründeten „Handelskammer für Oberbayern“ vor.

1842

München-Maxvorstadt * Die „Staatsbibliothek“ in der Ludwigstraße ist endgültig fertiggestellt. 

1842

München-Graggenau * Mindestens acht vergoldete Gipsmodelle aus Ludwig von Schwanthalers Zyklus der Wittelsbacher Ahnen kommen im „Festsaal des Alten Rathauses“ zur Aufstellung. 

5. Oktober 1842

Berlin * Prinzessin Marie Friederike von Preußen wird in Abwesenheit ihres Bräutigams [per procuram] nach den Vorschriften der evangelischen Kirche getraut. Prinz Wilhelm, der spätere König Wilhelm I. von Preußen und Deutscher Kaiser vertritt den Bräutigam Kronprinz Max II. von Bayern. 

7. Oktober 1842

Berlin - Bayreuth * Die preußische Prinzessin Marie Friederike wird mit der Eisenbahn von Berlin ins bayerische Bayreuth gebracht. 

8. Oktober 1842

Bayreuth * In Bayreuth wird die preußische Prinzessin Marie Friederike in einem protestantischen Gottesdienst feierlich an Bayern und ihren Bräutigam übergeben. Dieser ist allerdings nicht selbst anwesend, sondern wird von Finanzminister Carl Graf von Seinsheim vertreten.

10. Oktober 1842

Bayreuth - Landshut * Mit der Kutsche reist Prinzessin Marie Friederike nach Landshut. Dort trifft sie auf ihren Bräutigam Kronprinz Max II., der aber noch am selben Tag zurück nach München aufbricht. 

11. Oktober 1842

München * Kronprinzessin Marie Friederike trifft in der bayerischen Haupt- und Residenzstadt ein.

12. Oktober 1842

München-Graggenau * In der Allerheiligen-Hofkirche findet die Hochzeit des Kronprinzen Max II. und Prinzessin Marie Friederike nach katholischem Ritus statt. Die Trauung ist auf den Hochzeitstag König Ludwigs I. gelegt worden. Der Tag war zugleich der Namenstag von König Max I. Joseph.

16. Oktober 1842<p><strong><em>München - München-Theresienwiese</em></strong> *&nbsp;An diesem Sonntag versammeln sich 35 Brautpaare, die aus den acht Regierungsbezirken des Königreichs Bayern stammen, samt ihren Eltern oder deren Stellvertreter,&nbsp;mit den Trauzeugen&nbsp;und der sonst an jedem Ort üblichen Begleitung eines Brautzuges. Sie werden in der katholischen Michaelskirche beziehungsweise der evangelischen Matthäus-Kirche verehelicht.&nbsp;</p> <p>Nach einem gemeinsamen Mittagsmahl im Saal des Alten Rathauses bewegt sich der etwa 400 Personen umfassende und in den unterschiedlichen Trachten gekleidete <em>„Hochzeiter“</em>-Zug zur Theresienwiese, in die die 24 katholischen und elf protestantischen Brautpaaren in bayerischer Tracht einbezogen werden.&nbsp;</p> <p>Das Kronprinzenpaar eröffnet das Oktoberfest. Danach wohnen die Brautpaare gemeinsam mit der Herrscherfamilie dem Hauptpferderennen und der Preisverleihung des Landwirtschaftsfestes bei.&nbsp;</p>
17. Oktober 1842

Donaustauf * Bei Donaustauf wird die Walhalla eingeweiht.

18. Oktober 1842

Kelheim * Der Grundstein für die Befreiungshalle bei Kelheim wird gelegt.

14. November 1842

München-Kreuzviertel * Die nächste Stände-Versammlung dauert vom 14. November 1842 bis zum 30. August 1843. Sie ist zu Beginn überschattet vom Ausschluss mehrerer Abgeordneter, hauptsächlich aus der Pfalz.  

Den Schwerpunkt der Verhandlungen bildet wiederholt die Frage der „Erübrigungen“, deren Summe seit dem Jahr 1837 auf fast 30 Millionen Gulden angewachsen ist, und die der König ohne Beteiligung der Volksvertretung für sich beanspruchen will.

Eingespart wurden diese Gelder zum größten Teil bei Infrastrukturmaßnahmen. Dabei war der Zustand der Straßen so katastrophal, dass man amüsiert feststellte, man könne bald nicht mehr zu den Prachtbauten Ludwigs gelangen. Doch der öffentliche Straßenbau interessierte den König nicht, da ihm sonst nicht genügend Geld für „seine Sachen“ bleibt. 

Zudem wird bei der Verwaltung und den Bildungseinrichtungen gespart. Der Bildungsetat bleibt dreißig Jahre lang gleich und beträgt für ganz Bayern nur ein Viertel der Zivilliste für das Königshaus.  

Das Ergebnis der Stände-Versammlung ist das sogenannte „Verfassungsverständnis“, in dem der König seinen Anspruch auf die alleinige Verfügungsmacht über die „Erübrigungen“ aufgeben muss. Das Parlament erhält bei der Verwendung der Gelder ein Mitspracherecht und geht aus dieser Auseinandersetzung gestärkt hervor. 


1843

24. Januar 1843

München * „In Anerkennung der Mühe und Anordnungen, welche er für die würdige Ausschmückung des Rathaussaales“ aufgewendet hat, erhält Ludwig von Schwanthaler vier Moriskentänzer zum Geschenk, von denen zuvor allerdings Kopien angefertigt worden sind. Ludwig von Schwanthaler verkauft sie bald an einen italienischen Adeligen, den Conte Pallavicini-Barrocco, der sie auf seinen Stammsitz in Villa Rocca in Cremona bringt. 

1. Mai 1843

München-Hackenviertel * Die erste öffentliche „Maiandacht“ auf deutschem Boden findet in der Wallfahrtskirche der „Schmerzhaften Muttergottes“ in der „Herzogspital-Kirche“ statt.

1. Mai 1843

München-Hackenviertel * Die erste Maiandacht auf Münchner Boden findet in der Herzogspitalkirche statt. Die Herzogspitalkirche ist aber keine Pfarrkirche

Um Juni 1843

Athen * König Otto und Königin Amalie von Griechenland beziehen den neuen „Königspalast“ in Athen. 

9. Juni 1843

London * Die Illustrated London News schreibt über die Tänzerin Lola Montez: „Jede Bewegung ist von einem Instinkt für Rhythmus und Bewegung begleitet. Ihre dunklen Augen leuchten, wenn sie spürt, dass man sie bewundert.” 

12. Juni 1843

London * In der Morning Post manipuliert Elizabeth Rosanna James alias Lola Montez erstmals ihren Lebenslauf, indem sie schreibt: „Ich stamme aus Sevilla und wurde im Jahr 1833, als ich zehn Jahre alt war, zu einer katholischen Lady nach Bath geschickt, wo ich sieben Monate blieb und dann zu meinen Eltern nach Spanien zurückgeschickt wurde.
Seit dieser Zeit bis zum letzten 14. April, als ich in London ankam, habe ich nie einen Fuß in dieses Land gesetzt und habe London auch nie zuvor in meinem Leben gesehen.” 

Um den 20. August 1843

Berlin * Lola Montez‘ rastloses Leben hat sich auf den Kontinent verlagert. Vom Fürstentum Reuß im Thüringischen Wald kommend, wo Prinz Heinrich LXXII. residiert, trifft die Künstlerin in Berlin ein, wo sie als Tänzerin auftritt. Bei dem nach Erotik und Exotik lechzenden Publikum hat sie so enormen Zuspruch, dass das Königliche Preußische Schauspielhaus ausverkauft ist. 

3. September 1843

Athen * Auf dem Athener Schlossplatz kommt es zu einer unblutigen Revolte. König Otto von Griechenland muss seine absolutistische Herrschaft aufgeben und eine parlamentarische Verfassung mit königlicher Oberhoheit anerkennen. Außerdem werden alle bayerischen und fremdländischen Offiziere und Beamten entlassen. 

7. September 1843

Berlin * Lola Montez tanzt in einer Privatvorstellung unter anderem vor König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen und Zar Nikolaus I. von Russland. Als sie auf einer Truppenparade zu Ehren des Zaren einem preußischen Gendarmen mit ihrer Reitpeitsche ins Gesicht schlägt, muss sie Berlin umgehend verlassen. 

25. Oktober 1843

München * König Ludwig I. unterzeichnet das Eisenbahndotationsgesetz, das die staatliche Finanzierung der ersten Hauptstrecken sichert.


1844

1844

xxx * Justus von Liebig, einer der „Gründungsväter der Chemie“, schrieb in seinen „Chemischen Briefen“ aus dem Jahr 1844: „Der Stein der Weisen, den die Alten im dunkeln unbestimmten Drange suchten, ist in seiner Vollkommenheit nichts anderes gewesen, als die Wissenschaft der Chemie. Ist sie nicht der Stein der Weisen, der uns verspricht, die Fruchtbarkeit unserer Felder zu erhöhen und das Gedeihen vieler Millionen Menschen zu sichern?

Ist nicht die Chemie der Stein der Weisen, welcher die Bestandtheile des Erdkörpers in nützliche Producte umformt, welche der Handel in Gold verwandelt; ist sie nicht der Stein der Weisen, der uns die Gesetze des Lebens zu erschliessen verspricht, der uns die Mittel liefern muss, die Krankheiten zu heilen und das Leben zu verlängern?“

29. Februar 1844

Dresden - Paris * Lola Montez taucht in Dresden auf, wo sie mit dem Klaviervirtuosen Franz Liszt, dem damals „umschwärmtesten Mann“, eine kurze Liaison hat. Nach einem Ohrfeigenduell mit einem italienischen Tenor ist Lola auf der Flucht nach Paris, wo die „Spanische Tänzerin” an der weltberühmten Oper durchfällt und erneut Zweifel an ihrer Herkunft hochkommen.  

Ein Kritiker schreibt: „Mlle. Lola hat kleine Füße und schöne Beine. Aber wie sie sie nutzt, ist eine andere Angelegenheit. Es muss zugestanden werden, dass die Neugierde, die durch Lola Montez’ Pferdepeitschen-Unterhaltungen mit der preußischen Polizei erregt wurde, nicht befriedigt worden ist.” 

8. September 1844

München-Maxvorstadt * Die Ludwigskirche wird - nach 15-jähriger Bauzeit - durch Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel eingeweiht. Der ursprüngliche Weihetermin war für den 25. August 1844 vorgesehen, konnte aber nicht eingehalten werden, weshalb weder der sich inzwischen auf einer Badereise befindliche König Ludwig I., noch der Architekt Friedrich von Gärtner und der Innenminister Karl August von Abel daran teilnehmen können. 


1845

1845

München * Arnold Zenetti legt die „Examina im Hoch- und Tiefbau“ erfolgreich ab. 

1845

Ludwig-Main-Donau-Kanal * Der „Ludwig-Main-Donau-Kanal“ kann durchgängig befahren werden, erfüllt aber wegen seiner zu geringen Dimension nicht die in ihn gesetzten Erwartungen.

4. April 1845<p><em><strong>München</strong></em> * Das Ordinariat genehmigt der Pfarrkirche Sankt Ludwig das Abhalten der Maiandacht.&nbsp;</p>
1. Mai 1845

München-Maxvorstadt * In der Ludwigskirche wird die erste Maiandacht auf deutschem Boden in einer Pfarrkirche gehalten. 

Bereits im Mai 1841 wurde die Maiandacht in der Hauskapelle der Frauen zum guten Hirten im damals noch nicht zu München gehörenden Haidhausen eingeführt.

Im Mai 1843 fand die erste Maiandacht auf Münchner Boden in der Herzogspitalkirche statt. Beide Gotteshäuser waren aber keine Pfarrkirchen

August 1845

Bonn * Von Paris kommend trifft Lola Montez in Bonn auf Franz Liszt, der dort in Gegenwart königlicher Hoheiten eine Beethoven-Statue enthüllt.  

In Anwesenheit französischer und deutscher Würdenträger stürmt Lola in den Festsaal, springt auf einen Tisch und „tanzte zwischen den Schüsseln“.  

Zu einem weiteren Skandal kommt es in Baden-Baden, als Lola Montez im „Spielsalon“ für einen neben ihr sitzenden Herrn ihr Kleid bis zum Oberschenkel hochzieht, um ihm den im Strumpfband steckenden Dolch zu zeigen.  

Doch solche höchst gewagten Aktionen tragen nur zur Steigerung des Bekanntheitsgrades der jungen Frau bei. 

1. Dezember 1845

München-Kreuzviertel * Die Stände-Versammlung wird für den 1. Dezember 1845 einberufen und tagt bis zum 24. Mai 1846. Die feierliche Eröffnung der Zusammenkunft der Volksvertreter findet, wie bereits beim vorhergegangen Treffen des Jahres 1842, in der Residenz statt. König Ludwig I. sucht das Ständehaus in der Prannerstraße nicht mehr offiziell auf.  

Neun Abgeordnete werden ausgeschlossen, darunter acht Protestanten. Nun kocht der Widerstand gegen die Konfessionspolitik des Innenministers Karl August von Abel hoch. Die evangelischen Untertanen fühlen sich schon seit längerer Zeit zurückgesetzt und ungerecht behandelt. 

12. Dezember 1845

München * König Ludwig I. muss den sogenannten Kniebeugeerlass vollständig zurücknehmen. 


1846

Ab 1846

Königreich Bayern * Zwischen 1846 und 1856 wandern 141.638 Personen aus dem Königreich Bayern aus. 

5. Oktober 1846

München * Die Spanische Tänzerin Lola Montez trifft im biedermeierlichen München ein. Die 25-jährige Künstlerin, die in ganz Europa für ihre zahlreichen Skandale und stürmischen Affären berühmt ist, steigt in Münchens erster Adresse - dem Hotel Bayerischer Hof am Promenadeplatz - ab und bemüht sich umgehend um ein Engagement.  

Vom Intendanten des Theaters wird ihr mitgeteilt, dass für ihre Tanzaufführungen das Hof- und Nationaltheater nicht infrage kommt, weil dafür ihr Können nicht ausreichend gut sei. 

8. Oktober 1846

München * Die spanische Tänzerin Lola Montez hat einen Termin bei König Ludwig I.. Dieser fordert zur Audienz einen Bericht über das Vorleben der Tänzerin an, in dem er lesen kann: 

„Dem allerhöchste Befehle vom 6. d.M. pflichtschuldige Folge leistend berichtet der treugehorsamst Unterzeichnete Euer Koeniglichen Majestät allerdevotest, wie die spanische Tänzerin Lola Montez dadurch öffentlich Anstoß erregte, dass sie, den Mitheilungen mehrerer Zeitungen zufolge, in einem Gasthofe zu Berlin einem ihr gegenüber sitzenden Offizier, der ihr mit übergroßer Freundlichkeit zu begegnen bemüht war, ein Champagnerglas an den Kopf warf, dass sie ferner, ebenfalls Nachrichten zufolge, einem bei der Revue in Berlin sie zurechtweisenden Polizeicommisär mit der Reitgerte übers Gesicht hieb, worauf sie mit 14-tägigem Arrest bestraft wurde, und dass sie endlich in Warschau dem Publikum, das ihren Kunstleistungen den gewünschten Beifall nicht zollte, von der Bühne herab mit begleitendem Gestikulieren den hinteren Theil ihres Körpers zuwandt".

Der König will sich von der Skandalnudel ein eigenes Bild machen. Bei dieser Audienz soll sich Lola Montez, „als der König einigen Zweifel über die Realität der ersichtlichen Wölbung ihres Busens andeutet", eine Schere genommen und sich damit „das Kleid vor der Brust aufgeschnitten“ haben. Der 60-jährige Bayernkönig ist augenblicklich Feuer und Flamme für die exotische Schönheit.

  • Er engagiert die als erotisches Feuerwerk bekannte Tänzerin unverzüglich und
  • erlässt eine Anweisung, dass die Tänzerin in den Zwischenaufzügen des Lustspiels „Der verschwundene Prinz" spanische Tänze in spanischer Tracht darbieten soll.
10. Oktober 1846

München-Graggenau * Am 36. Hochzeitstag von König Ludwig I. und Königin Therese findet Lola Montez' erster Auftritt im Hof- und Nationaltheater statt. Die angebliche Spanierin tanzt einen Cachucca und in der zweiten Pause - zusammen mit einem Ensemble-Tänzer - einen Fandango genannten Tanz.

13. Oktober 1846

München-Kreuzviertel * Die Spanische Tänzerin Lola Montez zieht vom Hotel Zum Bayerischen Hof in den näher an der Residenz gelegenen Gasthof Zum Goldenen Hirschen an der Theatinergasse um. 

14. Oktober 1846

München-Graggenau * Die Solotänzerin Lola Montez tritt zum zweiten und gleichzeitig letzten Mal im Münchner Hof- und Nationaltheater auf. Luise von Kobell schreibt über den Auftritt: „Lola Montez stellte sich inmitten der Bühne, nicht im Trikot, mit dem üblich kurzen Ballettröckchen, sondern in spanischer Tracht, mit Seide und Spitzen angetan, da und dort schimmerte ein Diamant. 

Sie blitzte mit ihren wunderbaren Augen und verbeugte sich wie eine Grazie vor dem König, der in seiner Loge saß. Dann tanzte sie Nationaltänze, wobei sie sich in den Hüften wiegte und bald diese, bald jene Haltung einnahm, voll unerreichter Schönheit. Solange sie tanzte, fesselte sie alle Zuschauer.“

Um den 25. Oktober 1846

München-Maxvorstadt * Schon bald nach ihren Auftritten im Hof- und Nationaltheater lässt der verliebte König Ludwig I. Lola Montez für den Saal der Schönheiten in der Residenz malen. Dazu beauftragt er den Hofmaler Joseph Stieler. Stieler malte zwei Bilder der Lola Montez. Die Señora Lola Montez ist eine international agierende, extravagante Persönlichkeit, die man ohne Zweifel mit heutigen Pop-Stars gleichsetzen kann.  

Wie die Film-, Sport- und Pop-Idole unseres Jahrhunderts versucht auch die Señora durch den bewusst herbeigeführten Skandal im Gespräch - und damit interessant - zu bleiben. Und genau wie in heutigen Tagen werden die Skandale und Skandälchen interessiert vom Volk beobachtet und in allen Details besprochen. 

22. November 1846

München-Maxvorstadt * Auf einem Plakatanschlag an der Schönfeldstraße 25 ist zu Lesen:  

„Ich bin nicht irgendein gnädiges Fräulein, ich bin die Mätresse des Königs.  
Lola Montez“

Seit Dezember 1846

München-Kreuzviertel * Der bayerische „Finanzminister“ Karl Graf von Seinsheim lässt die „Tänzerin“ Lola Montez im „Gasthof zum Goldenen Hirschen“ ausspionieren.  

Er schleust dazu die Creszentia Ganser als „Haushälterin“ in den „Goldenen Hirschen“ ein.  
Ihr Auftrag ist, ein minutiöses Tagebuch über das „ausschweifende Nachtleben“ ihrer Arbeitgeberin zuführen.  

Mit ihren „schlüpfrigen Informationen“ soll genügend Beweismaterial gesammelt werden, um die „Tänzerin“ vor das Münchner „Stadtgericht“ zu zerren, um sie letztlich des Landes zu verweisen.  

Geleitet wird die gesamte Aktion vom „Polizeidirektor“ Johann Nepomuk Freiherr von Pechmann.  
Doch der Plan wandelt sich ins Gegenteil. 

1. Dezember 1846

München-Maxvorstadt * „Maria de los Dolores Miontes, genannt Lola Montes“, kauft um 16.000 Gulden vom Steinbruchbesitzer Friedrich Adam Schwarz aus Solnhofen das Palais an der Barer Straße. Die Kaufurkunde weist aus, dass Lola Montez von Anfang an als Eigentümerin des Anwesens samt Hofraum, Hintergebäuden und Garten eingetragen ist.  

Damit scheinen die Voraussetzungen für ihre Einbürgerung der „Spanischen Tänzerin“ gegeben. 

2. Dezember 1846

München * August Manostetter, der Anwalt der Lola Montez, stellt beim Magistrat der Stadt München den Antrag auf Erwerbung des bayerischen Indigenates durch Naturalisation. Im Bewusstsein um die Brisanz des Antrags, verschleppt der Magistrat die Angelegenheit.  

Die Regierung von Oberbayern lehnt die Einbürgerung ab und begründet dies unter Berufung auf das Gesetz vom 1. Juli 1834 damit, dass „Frauenspersonen [...] nicht ansässig im Sinne des Gesetzes werden, wenn sie sich nicht gleichzeitig verehelichen oder wieder verehelichen“. Gleichzeitig stellt man klar, dass Lola Montez weder einen Pass hat, noch sonst imstande ist, sich auszuweisen. 

6. Dezember 1846

München-Maxvorstadt * Der Kauf des Palais an der Barer Straße durch Lola Montez wird ins Grundbuchverzeichnis eingetragen. Kauf, Umbau und Ausstattung verschlingen etwa 40.000 Gulden. Man kann also sagen, dass König Ludwig I., oder besser gesagt seinen bayerischen Untertanen, Lola Montez unterm Strich so viel gekostet hat wie die Feldherrnhalle. 

7. Dezember 1846

München * Eine Schmähschrift gegen König Ludwig I. schlägt vor: „Wenn Landeswappen [mit] ihren Emblemen immer den sittlichen Karakter des jeweiligen Fürsten darzustellen hätten, so müsste der bayerische Löwe bald einem gemeinen Schwein Platz machen.“ 

24. Dezember 1846

München * Als der König zu Weihnachten 1846 von dem Komplott gegen Lola Montez erfährt [Auspioniererei durch die Creszentia Ganser], nimmt er Lola in Schutz und wendet sich gegen die selbsternannten Sonderermittler. An Freiherr von Pechmann wird daraufhin ein Exempel statuiert und dieser umgehend als Landrichter nach Landshut versetzt.  


1847

1847

München * König Ludwig I. genehmigt die Gründung eines Frauenvereins zur Beförderung der Seidenzucht. Mit der Aufgabe der Obersten Schutzfrau wird Königin Therese beauftragt. 

Im Morgengrauen des Januar 1847

Regensburg * Am Regensburger „Knorrkeller“ findet die Polizei folgenden Reim:  

„Montez du große Hur‘  
Bald schlagen wird dein Uhr  
Wo wir di außi hau‘n  
Weil d‘Münchner sich nöt trau‘n.  
Pfuy Teufl Königshaus  
Mit unsrer Treu is aus  
Bringst uns in Schand und Spott  
Helf‘ uns der liebe Gott.  
Ein Gebirgler“

1. Januar 1847

München-Kreuzviertel * Dem Innenminister Karl August von Abel wird ein wichtiges Ressort entzogen, indem man ein eigenes Ministerium des Inneren für Kirchen- und Schulangelegenheiten ins Leben ruft. Zum zuständigen Minister wird Karl Freiherr von Schreck ernannt. 

5. Januar 1847

München * Um seine Geliebte vor Übergriffen zu schützen, ordnete König Ludwig I. Personenschutz für Lola Montez an. Er befiehlt, die „Begleitung der Spanier in Lolla Montez durch einen Gendarmen nicht nur für das Theater, Konzerte u.d.gl. [...], sondern dass, auf so lange Allerhöchstdieselben nicht anders verfügen, ununterbrochen ein Gendarm bey derselben zu ihrem Schutze sich befinden soll“

8. Februar 1847

München * Der „Staatsrats“ befasst sich in seinen Sitzungen vom 8. und 9. Februar 1847 mit dem Gesuch auf „Erwerbung des bayerischen Indigenates durch Naturalisation“ für Lola Montez - spricht sich aber einmütig dagegen aus. 

11. Februar 1847

München * Innenminister Karl August von Abel soll das Indigenat [= Einbürgerung, Staatsangehörigkeit, Heimatrecht] für Lola Montez gegenzeichnen. Doch dieser versicherte sich der Solidarität seiner Justiz-, Finanz- und Kriegsminister-Kollegen und bittet in einem von ihm verfassten und gemeinsam unterzeichneten Memorandum um die „Entfernung der Unruhestifterin“ oder um Amtsenthebung.  

Der Inhalt des Memorandums, das Karl August von Abel in einem Akt mit der Aufschrift „Die unnennbare Weibsperson betr.“ aufbewahrt, wird in der Augsburger Allgemeinen Zeitung veröffentlicht. 

16. Februar 1847

München * Die Veröffentlichung des Memorandums von Karl August von Abel in der Augsburger Allgemeinen Zeitung verärgert den starrsinnigen König derart, dass er in seiner Empörung die vier aufsässigen Minister entlässt. Für die Ultramontanen um Minister Karl August von Abel kommen jetzt liberale Männer in Amt und Würden. Man spricht jetzt vom „Ministerium der Morgenröte“.  

Mit der Neubesetzung der Ministerien steht der Ernennung der Señora Lola Montez zur Gräfin Maria von Landsfeld nichts mehr im Weg. Immerhin ist es den deutschen Landesfürsten seit dem Jahr 1806 möglich, selbst Adelsbriefe auszustellen. Auch König Ludwig I. macht von dieser Regelung regen Gebrauch und adelte seine Künstler reihenweise - bezahlt sie dafür aber schlecht. 

19. Februar 1847

München-Maxvorstadt * Der Universitätsprofessor Ernst von Lasaulx fordert im Senat der Universität, dass man dem abgetretenen Innenminister Karl August von Abel für sein „mannhaftes Eintreten für die Sache des Rechts und der Moral“ eine Dankaufwartung machen sollte. Daraufhin wird ihm von König Ludwig I. die Lehrerlaubnis entzogen. 

13. März 1847<p><strong><em>München-Maxvorstadt</em></strong> * Lola Montez wohnt jetzt in der Theresienstraße 8, beim <em>„Maurerpolier“</em> Lüglein, zur Miete. Die Solotänzerin&nbsp;hatte&nbsp;bei einem Hausball&nbsp;dem Geschäftsführer des Gasthofs <em>„Zum Goldenen Hirschen“</em> in aller Öffentlichkeit eine Watschen verpasst. Deshalb erhält sie - nach fünf Monaten - ein Hausverbot.</p> <p>Das Zimmer dient ursprünglich nur als Zwischenlösung, bis das am 1. Dezember 1846 vom König angekaufte, neu gestaltete und standesgemäße Palais&nbsp;an der Barer Straße 7 bezugsfertig ist. Doch kann sie dieses Haus erst am 28. April 1847 beziehen.&nbsp;</p>
21. April 1847<p><strong><em>München</em></strong> * Friedrich von Gärtner stirbt.&nbsp;Eduard Metzger übernimmt daraufhin die Bauleitung für die Arbeiten am Siegestor.</p>
28. April 1847

München-Maxvorstadt * Lola Montez kann das für sie vom König angekaufte, neu gestaltete und standesgemäße Palais an der Barer Straße 7 beziehen. 

3. Mai 1847

München-Ludwigsvorstadt - München-Maxvorstadt * Das Gelände der „Königlich Privilegierten Hauptschützengesellschaft“ wird an die staatliche „Generalverwaltung der Kgl. Eisenbahnen“ um 150.000 Gulden verkauft.

Weil aber viele Bürger die Notwendigkeit der Eisenbahn nicht anerkennen, beschweren sie sich in einer „Petition“ über den Verkauf der „Schießstätte“.
Für die Beschwerdeführer ist die Eisenbahn ein „unnützes Spielzeug finanzkräftiger und prestigesüchtiger Bürger“.
Außerdem, so die Kritiker, schadet das Reisen mit der Eisenbahn - durch die Rauchentwicklung, der die Passagiere schutzlos ausgeliefert sind - der Gesundheit.

Tatsächlich verfügt damals nur die erste Wagenklasse über verglaste Fenster;
die Wagen der 4. Klasse sind nicht einmal überdacht.
Und da die „München-Augsburger-Eisenbahngesellschaft“ statt der teuren Kohlen mit Torf und Holz heizt, regnet es nicht selten auch brennende Funken und Späne auf die Passagiere nieder.

Die Argumente änderten letztlich aber nichts am Verkauf der „Schießstätte“.
Doch zur Beruhigung der Situation lässt König Ludwig I. die zu fällenden Kastanien ausgraben und am „Wittelsbacher Palais“ wieder einpflanzen. 

27. Mai 1847

München * Die Bayerische Eisenbahn und die Post werden in der Generalverwaltung der Posten und der Eisenbahnen zusammengefasst.

20. Juni 1847

München * Das Verbot des Tabakrauchens in den Straßen und auf den Plätzen wird aufgehoben. Danach bleibt es nur in der Nähe der königlichen Residenzen und in den Arcaden des Hofgartens verboten. Die rauchende Lola Montez passt natürlich in das Bild der verruchten und selbstbewussten Frau. Denn das Rauchen ist eine männliche Domäne. 

26. Juli 1847

München * Dem Korps Alemannia werden alle Rechte garantiert, die auch die anderen Korps haben. Die neue Studentenverbindung Alemannia steht unter dem Schutz der Lola Montez - und versteht sich umgekehrt als ihre Garde. Angeblich sind ihre roten Mützen aus den Unterröcken der Tänzerin geschneidert.  

Es wird nicht lange dauern, bis man die Alemannen als „Lolamannen“ diffamiert. Mehr wie achtzehn Mitglieder zählt die Verbindung nie. Wenn sie die Hörsäle betreten, ertönt ein gellendes Pfeifkonzert, weshalb sie sich bevorzugt im Kaffeehaus Rottmann treffen. Es befindet sich gegenüber dem Hofgartencafé von Luigi Tambosi, am anderen Ende des Bazargebäudes.  

Der 23-jährige Jurastudent Elias [genannt Fritz] Peißner aus Vilseck in der Oberpfalz ist der leitende Senior der Verbindung. Er hat eine Art Büro im Palais Montez eingerichtet und ist verdächtigt, Lolas Liebhaber zu sein. 

4. August 1847

München * König Ludwig I. erteilt seinem „führenden Minister“ Georg Ludwig Freiherr von Maurer den Auftrag, das „Adelsdiplom“ für Lola Montez entsprechend dem üblichen Reglement gegenzuzeichnen.  

Vorsorglich teilte ihm Ludwig mit:  
„Es ist keine Verfassungsverletzung das Grafendiplom zu unterzeichnen, für Adelsverleihungen braucht der König niemand zu vernehmen“.  
Sollte er sich jedoch sträuben, droht der Bayernmonarch „einen anderen Ministerverweser zu benennen“.  

Gleichzeitig schreibt Ludwig I. seiner Geliebten:  
„An meinem Geburtstag mache ich mir selbst das Geschenk, Dir die Gräfinnen-Würde zu verleihen“

14. August 1847

München * Minister Maurer unterzeichnet das Adelsdiplom, sodass es der Gräfin Maria von Landsfeld alias Lola Montez am 25. August 1847, dem Geburtstag König Ludwigs I., in der Hofkirche ausgehändigt werden kann. 

25. August 1847

München-Graggenau * Lola Montez erhält an König Ludwigs I. 61. Geburtstag in der Hofkirche ihr Adelsdiplom, das sie zur Gräfin Maria von Landsfeld macht. Das Adelsdiplom hat den folgenden Wortlaut: „Wir Ludwig von Gottes Gnaden König von Bayern, Franken und in Schwaben urkunden und bekennen hiermit, dass Wir beschlossen haben, die aus Spanischem Adel geborene Maria von Porrys und Montez, Lola Montez, in den gräflichen Stand unter der Benennung einer Gräfin von Landsfeld allergnädigst zu erheben“.  

Das gräfliche Wappen hat der König höchstpersönlich entworfen. Es ist, wie der Name selbst, ein Phantasiegebilde, denn eine Grafschaft Landsfeld gibt und gab es nie. 

30. August 1847

München * Der Kunstmaler August Wilhelm von Kaulbach schreibt seiner Frau: „Die Lola Montez ist ja endlich Gräfin geworden!  

Das ist ja herrlich, das freut mich sehr - da gehört sie hin, zum hohen Adel, der ist so trefflich, edel, keusch, wie sie selber ist, der Bürgerstand soll froh sein, dass er sie los ist, dem war sie zu gut für sie- also weg mit den H---; in Paris hat sie ihre adeligen Studien gemacht“

2. September 1847

München * Wenn Freiherr Georg Ludwig von Maurer schon das Adelsdiplom für Lola Montez unterzeichnen soll, will er wenigstens daraus ein Geschäft machen und retten, was zu retten ist. Er selbst will zum Reichsrat befördert werden und seinem Sohn Konrad will er durch den Ruf an die juristische Fakultät der Universität die Zukunft sichern.  

Der Titel eines Reichsrats wird Minister Maurer zwar verwehrt, aber sein Sohn Konrad erhält an diesem 2. September 1847 eine außerordentliche Professur der Rechte. 

6. September 1847

München * Erst jetzt beauftragt König Ludwig I. seinen Staatsrat und Innenminister Franz von Berks mit der Veröffentlichung der Ernennung Lola Montez zur Gräfin Landsfeld im Regierungsblatt. Dadurch gerät jetzt allerdings die Königin Therese in Rage. 

20. September 1847

München-Kreuzviertel * Vom 20. September bis 30. November 1847 wird eine „Außerordentliche Stände-Versammlung“ einberufen, bei der es im Grunde nur um eine „Anleihe“ zur Finanzierung der Eisenbahn geht. 

In beiden „Stände-Kammern“ werden lautstark liberale Forderungen wie die „Ausweitung der Pressefreiheit“ und weitere Reformen, die die „Märzforderungen“ des darauffolgenden Jahres vorwegnehmen, erhoben. 

15. November 1847

München-Maxvorstadt * Zur Aufrechterhaltung des Eisenbahnbetriebs lässt man den alten, aus Holz erbauten und auf dem Marsfeld stehenden Bahnhof behelfsmäßig wiederherstellen und gleichzeitig die Gleise zur Schießstätte verlängern. Der Bahnhof war am 4. April 1847 einem Brandanschlag zum Opfer gefallenen.  

Am neuen Standort werden die behelfsmäßigen Betriebs- und Empfangsräume eingerichtet, um den Bahnverkehr an diesem Tag dort aufzunehmen. Als Architekten für das neue Bahnhofsgebäude wird der Friedrich-von-Gärtner-Schüler, Friedrich Bürklein, beauftragt. Es sollte der spektakulärste Bahnhofsbau werden, den er von 1847 bis 1849 im Rundbogenstil ausführt. Die kühn konstruierte und wegen ihrer Zweckmäßigkeit von den Zeitgenossen bewunderte Bahnsteighalle darf mit Recht als eine der ersten Ingenieurbauten bezeichnet werden, das den Bedürfnissen der Zeit entspricht.  

Auf dem Platz des neuen Bahnhofs haben die Münchner Armbrustschützen, später Feuerschützen, ihre Schießstatt. Die Schützengesellschaft lässt sich dafür auf der Theresienhöhe ein Neues Schießhaus von Bürklein errichten. 

30. November 1847

München-Kreuzviertel * Auch deshalb, weil sich die „Herren Minister“ weigern, die Gräfin von Landsfeld zu gesellschaftlichen Veranstaltungen einzuladen, bildet König Ludwig I. - gleich nach Beendigung der Stände-Versammlung - das Kabinett um.  

Ludwig Fürst zu Oettingen-Wallerstein wird Minister des Königlichen Hauses und des Äußeren sowie Minister des Inneren für Kirchen- und Schulangelegenheiten. 

16. Dezember 1847

München * Die neuernannte Regierung versucht umgehend innenpolitisch die Wogen zu glätten und erreicht die „Aufhebung der Zensur für die inneren Angelegenheiten“. Der Leitende Minister Ludwig zu Oettingen-Wallerstein sammelt inzwischen - natürlich ohne Wissen des Königs - Material für die „Entfernung der Lola Montez“

Das bedeutet allerdings, dass satirische Zeitschriften nun vermehrt Karikaturen von Lola und Ludwig veröffentlichen. Auch Schmähschriften kursieren in großer Menge. In der politischen Presse offenbart sich, dass die Person des Königs nicht mehr unantastbar erscheint und Ludwig I. den Staat nicht mehr unangefochten repräsentiert. 


1848

1848

München * Arnold Zenetti legt die Prüfung für den Staatsdienst mit Erfolg ab. 

1848

München * Der Pharmazeut und Hygieniker Max Pettenkofer, von den Münchnern liebevoll-verachtend „Scheißhäusl-Apostel“ genannt, wird Mitglied der „Königlichen Kommission der Erforschung der indischen Cholera“.

1848

Königreich Bayern * Die Quote der unehelich geborenen Kinder liegt im Königreich Bayern bei 20,9 Prozent. 

1. Januar 1848

Hanau * In Hanau kursiert ein Flugblatt, das mit den Worten endete: „Ihr verfluchten Tyrannen,ihr Henker des Rechts, ihr schonungslosen Volksschinder, ihr Fürsten, Aristokraten, Pfaffen und Geldsäcke! Das Gericht komme über euch.“  In einem anderen steht zu lesen: „Gebt uns, was wir wollen, die Freiheit, oder wir werden sie uns nehmen!“  

In dieser revolutionsbereiten Stimmung wird die Nachricht über die Revolution in Paris auch in München zum Signal des Aufbruchs. 

Um den 6. Januar 1848

München * Zu Beginn des Jahres 1848 herrscht eine positive Lage in München. In Geheimberichten heißt es:

„Die Stimmung gegen die Frau Gräfin von Landsfeld ist gleichfalls von Seiten der Bürgerschaft gut zu nennen und wenn auch hie und da sich ein oder das andere bürgerliche Individuum beygehen lassen sollte, Resonements auszusprechen, so ist dies eine Folge von hochgestellten Personen, die in Gast- oder Kaffeehäusern Abends zusammen kommen und dort Gespräche führen, woraus sich Ressonements gegen die Frau Gräfin entnehmen lassen.“ 

24. Januar 1848

San Francisco * Am American River wird das erste Gold gefunden. Der Goldrausch bricht aus. Das Land wird von Metallgräbern und Glücksrittern, von Geschäftsleuten, Gaunern und Spielern überschwemmt. 

3. Februar 1848

München * Die Beisetzungsfeierlichkeiten für den am 29. Januar 1848 verstorbenen Joseph von Görres führen an der Residenz vorbei. Es ist ein öffentlicher Protest der katholisch-konservativen Partei gegen die königliche Mätressenwirtschaft

Wieder steht Ernst von Lasaulx, der Neffe von Joseph von Görres, im Mittelpunkt. Er will aus den Trauerfeierlichkeiten um den Verstorbenen eine Großdemonstration der Ultramontanen Partei inszenieren.  

Die Polizeidirektion versucht solche Selbstdarstellungen zu verhindern und verbietet zunächst einen geplanten Fackelzug. Dies auch aus Angst vor Krawallen verfeindeter Studentenverbindungen, deren eine das neu gegründete Korps Alemannia ist. 

9. Februar 1848

München-Maxvorstadt * König Ludwig I. lässt wegen der öffentlichen Proteste der katholisch-konservativen Partei gegen die königliche „Mätressenwirtschaft“ die „Universität“ schließen und verfügt, dass alle Studenten umgehend München zu verlassen haben.  

Als der der „Burschenschaft Alemannia“ zugehörige Eduard Graf von Hirschberg am Odeonsplatz von anderen „Burschenschaftlern“ bedrängt wird, zieht der Graf sein Messer und fuchtelt damit in der Luft herum.
Dadurch eskaliert die Situation. Verletzt wird bei dieser Aktion jedenfalls niemand.  

Lola Montez mischt sich unter die Schaulustigen und sieht sich sofort einer bedrohlichen Verfolgungsjagd ausgesetzt.  
Sie kann gerade noch vor der aufgebrachten Menge in die „Theatinerkirche“ flüchten, wo sie von ausgerückten „Kürassieren“ in die „Residenz“ eskortiert werden muss.  

König Ludwig I. tobt und lässt daraufhin umgehend die „Universität“ bis zum „Wintersemester“ schließen.  
Außerdem verfügt er, dass alle nicht aus München stammenden Studenten innerhalb von 48 Stunden die Stadt zu verlassen haben.  

In München sind etwa 1.500 Studenten „immatrikuliert“.  
Rund die Hälfte davon zieht vor das Haus des „Rektors“ Friedrich Wilhelm von Thiersch, der die Betroffenen mit den Worten beruhigt:  
„Sagen Sie überall, Sie seyen arme Studenten aus München, die man aus der Stadt gewiesen, aus Gründen, die Sie vor aller Welt aussprechen dürfen“

10. Februar 1848

München * Der autokratische König Ludwig I. hält unbeirrt an seinem Vorhaben fest, der Tänzerin Lola Montez das bayerische Indigenat [= Einbürgerung, Staatsangehörigkeit, Heimatrecht] zu übertragen. Er ist der rechtlichen Auffassung, dass er mit der Anhörung des Staatsrats der Verfassung Genüge getan habe.  

Daraufhin fertigt er das Indigenat höchstpersönlich aus, indem er dem Protokoll des Staatsrats vom Vortag hinzufügt: „Den Staatsrat vernommend habend, erteile ich der Senora Lola Montez (Maria de los Dolores Porrys y Montez) das bayerische Indigenat hiemit und das tax- und siegelfrei und mit Beibehaltung ihres dermaligen Indigenats.“  

Um aber dem ganzen Vorgang Gesetzeskraft zu verleihen, muss der Minister des Königlichen Hauses und des Äußeren die Urkunde gegenzeichnen. Dieses Ansinnen lehnt Otto Graf von Bray-Steinburg ab und bittet gleichzeitig um seine Entlassung. Damit ist die ursprünglich rein private Beziehung des bayerischen Monarchen zu seiner Favoritin zu einer Staatsangelegenheit geworden. 

10. Februar 1848

München * Doch jetzt werden die Münchner richtig sauer. Die Bürgerschaft sieht sich in ihrem „friedlichen Handel und Wandel“ bedroht und übernimmt die Forderungen der Studenten. Steine fliegen, Militär sichert das Palais der Montez. Tausend Bürger eilen zum Rathaus und von dort zur Residenz und fordern die Wiedereröffnung der Universität.  

Bürgermeister Kaspar von Steinsdorf nimmt die Protestadresse der Münchner Bürger entgegen und setzt - begleitet von 2.000 angesehenen Münchner Bürgern - eine Audienz beim König durch. Eine Deputation, bestehend aus sieben Vertretern, will mit dem König sprechen, der jedoch einen Empfang der Abordnung kategorisch ablehnt und nur unter großem Einsatz seiner Familienmitglieder dazu überredet werden kann.  

Bei den Verhandlungen lehnt König Ludwig I. jegliches Zugeständnis kategorisch ab und droht der Stadt im Umkehrschluss mit der Verlegung der Residenz an einen anderen Ort. Cholerisch verabschiedet er die Mitglieder der Deputation: „Es bleibt dabei, ich lasse mich nicht schrecken; man kann mir mein Leben nehmen, aber meinen Willen nicht. Meinen gefassten Entschluss werden Sie alsbald durch das Ministerium und schriftlich erhalten.“ 

10. Februar 1848

München * König Ludwig I. erkennt den Ernst der Lage nicht. Am Abend des 10. Februar 1848 lässt er folgende Nachricht ins Rathaus bringen: „Jetzo, da die Bürger sich ruhig zurückbegeben haben, ist‘s mein Vorhaben, dass statt erst mit dem Wintersemester bereits mit dem Sommersemester die Universität wieder geöffnet werde, wenn bis dahin Münchens Einwohner sich zu meiner Zufriedenheit benehmen.“  

Doch jetzt reicht es den Münchnern endgültig ! 

11. Februar 1848

München-Maxvorstadt - Schloss Blutenburg * Am Morgen belagert eine aufgebrachte Menge das Palais Montez in der Barer Straße. Die ersten Steine fliegen, ein Eingreifen des Militärs wird als aussichtslos angesehen. Der Bayerische Innenminister Franz von Berks meint sogar: „Die Position an der Barer Straße ist unhaltbar“ und befürchtet, „die Gräfin könne eine Stunde nach dem Angriff eine Leiche sein.“ 

Auch der Polizeidirektor will für Lolas Sicherheit nicht mehr garantieren und erklärt ihr, sie müsse innerhalb einer Stunde die Stadt verlassen. Da bleibt nur die Flucht. Lola Montez entkommt in einer Kutsche, die sie im Eiltempo aus der Stadt bringt. Das Palais der Gräfin von Landsfeld wird danach gestürmt - eine Verwüstung der Villa aber verhindert.  

Lola Montez flieht - eskortiert und bewacht von einem Tross, den Graf von Arco-Steppberg anführt - über die Vorstadt Au nach Baiersbrunn. Dort verlassen sie ihre Bewacher. Nun begibt sie sich über Schleichwege über Großhesselohe nach Schloss Blutenburg. Der Wirt meldet das Versteck, weshalb die Polizei die sich auf der Flucht befindliche Gräfin von Landsfeld festnimmt, sie nach Pasing bringt und in den Zug nach Augsburg setzt. 

11. Februar 1848

München * König Ludwig I. verfügt nach einer heftigen Diskussion mit seinen Ratgebern die Wiederaufnahme des Universitätsbetriebs. Die bayerische Monarchie hat eine ernsthafte Niederlage erlitten ! 

13. Februar 1848<p><strong><em>Lindau</em></strong> *&nbsp;Lola Montez reist nach Lindau am Bodensee. Dort wartet sie auf ihre Habseligkeiten, Dienerschaft, Hunde und briefliche Antwort von Ludwig.&nbsp;</p>
18. Februar 1848

Lindau * König Ludwig I. schreibt seiner Lola, dass es besser wäre, „am Genfer See zu warten, wo die Luft milder“ sei. Er würde dann am 12. April nachkommen. 

Um den 20. Februar 1848

München - Altötting * Ein besonders berüchtigter Eiferer ist der Reichsrat Max Graf von Arco-Valley, der nach der „Verjagung“ der Lola Montez aus München eine Spende über 5.000 Gulden an die Armen der Stadt aushändigt. Das Geld hat er angeblich von den Redemptoristen aus Altötting erhalten. 

21. Februar 1848

Paris * Durch die sich in Frankreich verschärfenden sozialen Probleme kommt es ab dem 21. Februar 1848 in Paris zu öffentlichen Protesten, die rasch eine revolutionäre Entwicklung annehmen. 

23. Februar 1848

Paris * Die Arbeiter vereinigen sich vorübergehend mit den Bürgern, so dass am 23. und 24. Februar in Paris heftige Straßen- und Barrikadenkämpfe zwischen den Aufständischen und den königlichen Truppen toben. 

24. Februar 1848

Bodensee * Lola Montez befindet sich an Bord des Dampfschiffes „Ludwig“, um über den Bodensee ins Schweizer Exil zu schippern. In ihrem Gefolge befinden sich Elias Peißner und zwei weitere Alemannen. 

24. Februar 1848

Paris * König Louis-Philippe dankt ab und flieht nach England ins Exil. 

25. Februar 1848

Paris * In Paris wird eine provisorische französische Regierung eingesetzt und die Zweite Republik ausgerufen. Diese Revolutionsregierung besteht aus einem elfköpfigen Ministerrat, in dem Vertreter der Linken, der Liberalen und Demokraten sowie der konservativen Rechten vertreten sind. Die gemäßigt reformorientierte Regierung beschließt einige wichtige Entscheidungen, darunter

  • die Abschaffung der Sklaverei in den Kolonien,
  • die Abschaffung der Todesstrafe für politische Delikte,
  • die Einführung der Pressefreiheit und
  • des allgemeinen Wahlrechts sowie
  • die Anerkennung des Rechts auf Arbeit. 
27. Februar 1848

Bern * Lola Montez und ihre Begleiter kommen in Bern an und nehmen zunächst Quartier bei dem britischen Diplomaten Robert Peel. Voller Ungeduld wartet sie auf König Ludwig I., doch der hat ganz andere Probleme zu lösen. 

27. Februar 1848

Mannheim * Mit Bekanntwerden der Februarrevolution in Frankreich verstärken sich die politischen Forderungen nach einer stärkeren Beteiligung am politischen Leben. Die Bevölkerung Mannheims reagiert als erste auf die Nachrichten aus Paris. An diesem Tag, einem Sonntag, kommen hier 2.500 Menschen zu einer Volksversammlung zusammen. Sie beratschlagen über eine Petition, die erstmals die vier Forderungen beinhalteten, die als Märzforderungen in alle künftigen Petitionen eingehen:  

  • Pressefreiheit,  
  • Volksbewaffnung,  
  • Schwurgerichte und  
  • ein nationales Parlament. 
1. März 1848

Mannheim * Die Mannheimer Petition, versehen mit vielen Unterschriften, wird den Abgeordneten im badischen Parlament überreicht. Eine mehrere tausend Menschen starke Demonstration begleitet die Delegation, um ihren Willen zur Änderung der politischen Verhältnisse zu unterstreichen. Das Großherzogtum Baden ist auch der erste Staat, der die Märzforderungen umsetzt. 

Nach dem 1. März 1848

Deutschland * Innerhalb weniger Wochen greifen die revolutionären Vorgänge auch auf die übrigen Staaten des Deutschen Bundes über. Ein wesentliches Ziel der Märzrevolution ist die Überwindung der Restaurationspolitik, die die Zeit seit dem Wiener Kongress geprägt hat. Einer der bedeutendsten Verfechter der politischen Restauration ist  der österreichische Staatskanzler Klemens Wenzel Fürst von Metternich.  

Die Politik der Restauration wurde auf dem Wiener Kongress am 9. Juni 1815 von den meisten europäischen Staaten beschlossen. Sie sollte innenpolitisch und zwischenstaatlich die politischen Machtverhältnisse des Ancien Régime in Europa wiederherstellen, wie sie vor der Französischen Revolution von 1789 geherrscht hatten. Dies bedeutet die Vorherrschaft des Adels und die Wiederherstellung seiner Privilegien.  

Weiterhin sollte die napoléonische Neuordnung Europas, die mit dem Code civil auch bürgerliche Rechte etabliert hatte, rückgängig gemacht werden. Innenpolitisch wurden im Zuge der Restauration Forderungen nach liberalen Reformen oder nach nationaler Einigung unterdrückt, Zensurmaßnahmen verschärft und die Pressefreiheit stark eingeschränkt. Vor allem die studentischen Burschenschaften sind zu dieser Zeit die Träger der Forderung nach nationaler Einigung und demokratischen Bürgerrechten.  

In manchen Ländern des Deutschen Bundes lenken die Fürsten rasch ein. Dort kommt es bald zur Errichtung von liberalen „Märzministerien“, die den Forderungen der Revolutionäre nachkommen, durch Einrichtung von Schwurgerichten, der Abschaffung der Pressezensur, und der „Bauernbefreiung“. Oft bleibt es jedoch bei bloßen Versprechungen.  

2. März 1848

München * In München beginnt die „Märzrevolution“ mit dem Sturm auf das Haus des Ministers Franz von Berks, einem Vertrauten König Ludwigs I., der mit Unterstützung von Lola Montez in die Position des Innenminister-Verwesers gehievt worden war und deshalb von den Münchnern als „Lola-Minister“ oder „Huren-Minister“ bezeichnet wird. 

3. März 1848

Budapest - Wien * Der Landtagsabgeordnete Lajos Kossuth hält im ungarischen Reichstag eine Rede, in der er mehr Souveränität für Ungarn fordert. Er greift in seinem Vortrag das Metternich-Regime scharf an und verlangt eine umfassende Reform der Habsburger Monarchie. Die Rede löst begeisterte Zustimmung in den Oppositionskreisen des österreichischen Kaiserreichs aus und gibt den Anstoß zur Wiener Märzrevolution.

Staatskanzler Klemens Wenzel Fürst von Metternich verliert daraufhin seinen Rückhalt am kaiserlichen Hof, sieht sich zum Rücktritt gezwungen und flieht nach England. Die Pressefreiheit wird eingeführt und eine Verfassung versprochen. Bis zum 15. März 1848 sind in Wien die zentralen Forderungen der Revolution durchgesetzt. 

3. März 1848

München * In einem Forderungskatalog verlangen die Münchner Untertanen vom König:  

  • Die Verabschiedung eines Gesetzes über Ministerverantwortlichkeit.  
  • Die Einführung voller Pressefreiheit und eines Pressegesetzes.
  • Die Einführung öffentlicher Gerichtsverfahren.
  • Die Unterstützung des Wunsches nach Schaffung einer Volksvertretung für den Frankfurter Bundestag.
  • Die Vereidigung des Militärs auf die Verfassung.
  • Die Verabschiedung eines neuen Polizeigesetzes.
  • Die Verabschiedung eines neuen Wahlgesetzes.
  • Die Entlassung des Verwesers des Innenministeriums Berks.  

Die Resolution liegt im Rathaus auf und „innerhalb von nur vier Stunden sollen bereits mehr als 10.000, bald gar 20.000 Unterschriften gesammelt worden sein“. Der Magistrat und zwei aus dem Bürgerstand ausgewählte Vertrauensmänner überreichen die Resolution.  

Noch am Abend verkündet der Leitende Minister Ludwig Fürst zu Oettingen-Wallerstein, dass die Stände zur Prüfung der Resolution vorzeitig einberufen werden sollen. Als Termin wird der 31. Mai festgesetzt. König Ludwig I. kann und will die Forderungen der Bürger nicht akzeptieren, verspricht aber die Entlassung Berks. Außerdem soll die nächste Stände-Versammlung auf den 31. Mai 1848 vorverlegt werden.  

Als die Münchner diese Forderungen aufstellen, hat Lola Montez das Königreich Bayern bereits seit drei Wochen in Richtung Schweiz verlassen. Es geht nicht mehr um die Affäre mit der Spanischen Tänzerin, es geht nur noch um das autokratische und neoabsolutistische Herrschaftssystem König Ludwigs I., das nicht mehr länger aufrechtzuerhalten ist. 

4. März 1848

München * König Ludwig I., die Prinzen und die Minister beraten am 4. und 5. März 1848 über die Forderungen des Volkes vom 3. März und über das Ausmaß der zu gebenden Zugeständnisse. 

4. März 1848

München * An diesem Faschingssamstag kommt es zur Stürmung des Zeughauses. Mehrere Gerüchte machten in München die Runde.

  • Ein Gerücht lautet: „Der König hat alles zurückgenommen. Er will von den Bürgern nichts mehr wissen“.  
  • Ein anderes spricht von bewaffneten Bauern, die vor den Stadttoren lauern. Sie „wollen die Regierung stürzen und in der Stadt sengen und brennen“.  

Um 14 Uhr wird bekannt, dass die Landwehr mit dem sogenannten Generalmarsch mobilisiert worden ist. Damit ist faktisch der Ausnahmezustand ausgerufen. In dieser Stimmung aus Angst vor einem militärischen Übergriff oder vor anarchischen Zuständen durch Vorstädter aus der Au oder Haidhausen, kommt es an zur Stürmung des Zeughauses.

Das Korn- und Geschützhaus am Jakobsplatz, dem heutigen Stadtmuseum, wird ohne Blutvergießen gestürmt und die Waffen aller Gattungen ausgegeben. Der mehrere Tausend Menschen umfassende und bewaffnete Demonstrationszug zieht bis zum Promenadeplatz, wo sich das bewaffnete Bürgertum mit der dort versammelten Landwehr vereinigen will. Doch zwischen den beiden Lagern hat inzwischen das Militär mit schwerer Ausrüstung und vier Kanonen Stellung bezogen. In dieser angespannten Situation erscheint rechtzeitig Prinz Carl, der Bruder des Königs und seit 1841 bayerischer Feldmarschall. Er kann die Situation mit der Aussage beruhigen, dass die Stände bereits zum 16. März einberufen werden.  

Erstaunlicherweise reicht den Münchnern diese - eigentlich lächerliche - Zusage. Sie legen die Waffen nieder und bringen das Kriegszeug brav wieder zurück ins Korn- und Geschützhaus. 

5. März 1848

Heidelberg * 51 führende Liberale und Demokraten, vorwiegend aus dem süddeutschen Raum, treffen sich im Heidelberger Schloss. Darunter befinden sich auch fünf bayerische Abgesandte, wovon vier aus der Pfalz und einer aus Franken stammt.  

Sie beratschlagen Wege und Möglichkeiten der Umsetzung der Forderung der Reform des Deutschen Bundes, insbesondere zu einem deutschen Nationalparlament. Daraus resultiert das sogenannte Vorparlament. 

6. März 1848

München * König Ludwig I. kündigt in einer vom Leitenden Minister Ludwig Fürst zu Oettingen-Wallerstein verfassten Proklamation Verbesserungen in all den von den Bürgern geforderten Punkten an. Auch die Minister halten die Forderungen für berechtigt und plädieren für eine Weiterentwicklung der Verfassung - und damit für mehr Rechte des Parlaments.

Keiner tritt für die Beibehaltung der ludovizianischen Politik ein. Die weitreichenden Zugeständnisse des Königs kommen einer politischen Bankrotterklärung gleich. 

Nach dem 6. März 1848

München * Das ganze bayerische Zensursystem und damit auch die Manipulation der Post zu Zensurzwecken bricht zusammen.

6. März 1848

München * Die Königliche Proklamation wird als Antwort auf die Forderungen der Münchner Bürgerschaft vom 3. März veröffentlicht. Ludwig Fürst zu Oettingen-Wallerstein hat den Inhalt der Proklamation, in der der König seine weit­ reichenden Versprechungen zur Weiterentwicklung der Bayerischen Verfassung abgibt, redigiert. Sie beinhaltet:  

  • die verfassungsmäßige Ministerverantwortlichkeit,  
  • die vollständige Pressefreiheit,  
  • eine Verbesserung der Wahlordnung,  
  • die Einführung der Öffentlichkeit und Mündlichkeit in eine Rechtspflege mit Schwurgerichten,  
  • eine umfassende Fürsorge für Staatsdiener und ihre Angehörigen und Ausdehnung dieser Maßnahmen auf die übrigen Angestellten des Staates,  
  • eine Verbesserung der Verhältnisse der Israeliten,  
  • die Abfassung eines Polizeigesetzbuches,  
  • die Vereidigung des Heeres auf die Verfassung und  
  • eine Reform des Deutschen Bundes, insbesondere zu einem deutschen Nationalparlament.  

Die Proklamation schließt mit den Worten: „Alles für mein Volk! Alles für Deutschland!“ und geht sogar über die Forderungen der Petition vom 3. März weit hinaus, beinhaltet aber alle Punkte und damit auch die Märzforderungen. Was aber mit keinem Wort erwähnt wird ist die „soziale Frage“, die Frage der „Bauernbefreiung“.

Nicht nur, dass mit der Proklamation vom 6. März 1848 die Märzforderungen in Bayern noch vor den anderen deutschen Staaten ihre Anerkennung finden, nein, es wird damit auch König Ludwigs I. auto­kratischer Regierungsanspruch mit einem Handstreich ausgehöhlt.

9. März 1848

München-Graggenau * Lola Montez kommt in der Nacht zum 9. März 1848 - „wie ein Mann bekleidet“ - in Begleitung eines Baron Meller nach München und versteckt sich beim Tapezierer Krebs in der Wurzerstraße 12, der viele Arbeiten in Lola Montez‘ Palais ausgeführt hatte.  

Doch Polizisten dringen in das Haus ein, finden „die Gräfin unter einem Sofa versteckt“ und bringen sie ins Polizeipräsidium in der Weinstraße. Dort verleben Ludwig I. und Lola Montez drei gemeinsame Stunden. Danach schleust man sie unter größter Geheimhaltung aus der Stadt. Das Treffen auf der Polizeiwache ist die letzte Zusammenkunft des Liebespaares. Danach wird Ludwig I. seine geliebte „Lolitta“ nie wieder sehen. 

11. März 1848

München * In einem Anfall von Rachegelüsten entlässt König Ludwig I. seinen Leitenden Minister Ludwig Fürst zu Wallerstein. 

13. März 1848<p><strong><em>Wien</em></strong> * Die Forderungen des Landtagsabgeordneten&nbsp;Lajos Kossuth werden in Wien mit Petitionen&nbsp;unterstützt und im Ständehaus&nbsp;beraten. Vor dem Gebäude demonstrieren Studenten, Bürger und Arbeiter, die den Rücktritt des verhassten Staatskanzler&nbsp;Klemens Wenzel von Metternich fordern. &nbsp;<br /> Metternich personifiziert für sie ein repressives, jegliche Freiheitsregung rücksichtslos verfolgendes System.</p> <p>Die Stimmung eskaliert, als am Nachmittag das Militär die Demonstranten plötzlich mit Waffengewalt angreifen.&nbsp;Es beginnen Straßenkämpfe in der Innenstadt und in den Vorstädten, die mehrere Dutzend Opfer fordern.&nbsp;</p>
15. März 1848

Wien * In Wien sind die zentralen Forderungen der Revolution durchgesetzt. 

16. März 1848<p><strong><em>München</em></strong> * Es kommt in München erneut zu Tumulten. Erstmals zieht König Ludwig I. die Abdankung&nbsp;in Erwägung.&nbsp;</p>
17. März 1848<p><strong><em>München</em></strong> * Ludwig Fürst zu Öttingen-Wallersteins Posten geht an Gottlieb Freiherr von Thon-Dittmer, der mit seiner ersten Amtshandlung der Lola Montez das <em>„Bayerische Indigenat“</em> entzieht. König Ludwig I. muss öffentlich verkünden, dass Lola Montez das bayerische <em>„Indigenat“</em> nicht mehr besitzt, sie als <em>„Unruhestifterin“</em> mit Haftbefehl&nbsp;gesucht und nach ihrer Festnahme in die nächstgelegene Festung&nbsp;gebracht wird.&nbsp;</p>
18. März 1848<p><strong><em>München</em></strong> * Die große Mehrheit der Vertreter der Abgeordnetenkammer&nbsp;will, dass die Eröffnung der Stände-Versammlung&nbsp;nicht mehr im Thronsaal der Residenz, sondern wieder im Ständehaus&nbsp;stattfinden soll.&nbsp;Anderenfalls sei <em>„ein förmlicher Bruch zwischen den Ständen und der Regierung“</em> zu erwarten. &nbsp;</p> <p>König Ludwig I. ist strikt gegen diese Aufforderung und vermerkt verärgert, er möchte von dieser Angelegenheit nichts weiter mehr hören. Wenige Stunden später streicht er eigenhändig die Sätze und schreibt kleinlaut darunter: <em>„Im Ständehaus soll dieses Mal die Eröffnung stattfinden.“&nbsp;</em></p>
18. März 1848<p><strong><em>Berlin</em></strong> * In Berlin kommt es in der Nacht vom 18. auf den 19. März zu einem erbittert geführten Barrikadenkampf. Vor dem Berliner Stadtschloss&nbsp;hat sich eine große Menschenmenge versammelt, um auf die Antwort des Königs auf die Märzforderungen&nbsp;der Berliner Bürgerschaft zu warten. Als während der Verlesung eines Patents&nbsp;von König Friedrich Wilhelm IV. zu den Reformen in Preußen&nbsp;auf der anfangs friedlichen Versammlung revolutionäre Parolen laut wurden, fallen zwei - angeblich versehentlich ausgelöste - Schüsse. Das ist das Signal für einen Barrikadenkampf. &nbsp;</p> <p>Innerhalb von wenigen Stunden türmen sich im Zentrum von Berlin die Barrikaden&nbsp;auf. Das Militär geht mit großer Härte und Brutalität auch gegen Unbeteiligte in den Häusern vor. Dennoch kann sich das Militär nicht durchsetzen. Als Bedingung für einen Waffenstillstand&nbsp;muss der König am 19. März seine Truppen abziehen.&nbsp;</p>
19. März 1848

München * König Ludwig I. tritt zurück. 

19. März 1848<p><strong><em>Berlin</em></strong> * König Friedrich Wilhelm IV. muss seine Truppen abziehen. Nach Angaben der Behörden starben insgesamt 303 Menschen, darunter 288 Männer, elf Frauen und vier Kinder. König Friedrich Wilhelm IV. wird gezwungen zu Erscheinen und vor den im Schlosshof&nbsp;aufgebahrten <em>„Märzgefallenen“</em> den Hut zu ziehen.&nbsp;</p>
20. März 1848<p><strong><em>München</em></strong> * Nach 23-jähriger Regierungszeit dankt Ludwig I. ab und überträgt das Herrscheramt an seinen Sohn Max II..Sein Enkel Ludwig (II.) wird dadurch Kronprinz.</p> <p>Auch wenn sich Max II. nach Außen hin als Musterbild eines bürgernahen, konstitutionellen Staatsoberhauptes darstellt so plagt ihn zeitlebens die Furcht, dass ihm von seinem Volk ein ähnliches oder gar schlimmeres Schicksal bereitet werden könnte, wie seinem abgedankten Vater Ludwig I..</p> <p>Die revolutionären Begleitumstände, die König Max II. auf den Thron verhalfen und seinen Vater vom selben stießen, haben den neuernannten Bayernherrscher geradezu traumatisch geprägt.&nbsp;Er fühlt sich, nachdem auch das Militär auf die Verfassung vereidigt worden ist, <em>„schutzlos der Demokratie preisgegeben“</em>.&nbsp;Doch nachdem sich die revolutionäre Situation wieder beruhigt hat, kann König Max II. seine politischen Visionen endlich in die Tat umsetzen.&nbsp;Dazu gehören auch Maßnahmen zur Förderung einer bayerisch-monarchischen Gesinnung.&nbsp;Greifbare Formen nehmen das <em>„Athenäum-Projekt”</em> und der Bau des Prachtboulevards&nbsp;an.</p>
20. März 1848<p><strong><em>München</em></strong>&nbsp;* König Ludwig I. stellt in einer Proklamation an das bayerische Volk&nbsp;die zentralen Momente seiner Herrschaft - aus seiner Sicht - dar: &nbsp;</p> <ul> <li><em>„Treu der Verfassung regierte Ich; dem Wohle des Volkes war Mein Leben geweiht; - als wenn ich eines Freistaats Beamter gewesen, so gewissenhaft ging Ich mit dem Staatsgute, mit dem Staatsgeldern um. [...]</em></li> <li><em><em>Auch vom Throne herabgestiegen, schlägt glühend Mein Herz für Bayern, für Teutschland.“</em>&nbsp;&nbsp;</em></li> </ul> <p>Den liberalen Forderungen der Märzrevolution&nbsp;kann und will der Autokrat&nbsp;Ludwig I. nicht entsprechen. &nbsp;<br /> <em>„Regieren konnte ich nicht mehr und einen Unterschreiber abgeben wollte Ich nicht. Nicht Sklave zu werden, wurde Ich Freyherr“</em>.&nbsp;</p>
21. März 1848

Berlin * König Friedrich Wilhelm IV. reitet mit einer schwarz-rot-goldenen Schärpe durch die Stadt und verkündet seinen Willen für die Einheit und Freiheit Deutschlands. Insgeheim aber schreibt er seinem Bruder, dem Prinzen Wilhelm: „Die Reichsfarben musste ich gestern freiwillig aufstecken, um Alles zu retten. Ist der Wurf gelungen […], so lege ich sie wieder ab!“  

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen ist von Anfang an entschlossen, bei veränderten Kräfteverhältnissen der Revolution mit einer Gegenrevolution zu begegnen. 

22. März 1848

München-Kreuzviertel * Der sogenannte „Reform-Landtag“ beginnt.  
Er wird bis zum bis 30. Mai 1848 dauern.  

Diese „Stände-Versammlung“ leistet wichtige Arbeit, verabschiedet in nur zwei Monaten 14 Gesetze, die der bayerischen Verfassung liberalere Züge verleihen. 

31. März 1848<p><strong><em>Frankfurt am Main</em></strong> * In Frankfurt am Main versammelt sich das sogenannte Vorparlament, das aus 574 ehemaligen und gegenwärtigen Mitgliedern von Stände-Versammlungen&nbsp;sowie aus etlichen durch <em>„das Vertrauen des deutschen Volkes“</em> ausgezeichneten Männern besteht. Das sond allerdings noch keine gewählten Vertreter, die die verschiedenen Staaten des Deutschen Bundes&nbsp;deshalb nur sehr ungleichgewichtig repräsentierten. &nbsp;</p> <p>Sofort bricht der Konflikt zwischen den Demokraten, die eine republikanische Staatsform&nbsp;und soziale Reformen&nbsp;durchsetzen wollen, und den Liberalen&nbsp;aus, die der Konstitutionellen Monarchie&nbsp;den Vorzug geben.&nbsp;</p>
3. April 1848

Frankfurt am Main * Das Vorparlament in Frankfurt am Main beendete am Abend seine Tätigkeit mit dem Beschluss über die Durchführung „allgemeiner und gleicher Wahlen“

7. April 1848<p><strong><em>Frankfurt am Main</em></strong> * Da sich das <em>„Vorparlament“</em> in Frankfurt am Main nicht auf einen gemeinsamen Wahlmodus einigen konnte, wird das direkte Wahlverfahren&nbsp;lediglich empfohlen. &nbsp;</p> <p>Bei der direkten Wahl&nbsp;werden die Kandidaten direkt vom Wähler gewählt, bei der indirekten Wahl&nbsp;werden die Kandidaten erst im zweiten Wahlgang durch die zuvor gewählten Wahlmänner&nbsp;gewählt. &nbsp;<br /> Im Königreich Bayern&nbsp;wird das indirekte Wahlverfahren&nbsp;angewandt werden.&nbsp;</p>
12. April 1848<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> * Zwischen dem 12. und 15. April wird &nbsp;das Bayerische Wahlgesetz&nbsp;für das Frankfurter Paulskirchenparlament&nbsp;im Landtag&nbsp;verabschiedet und nach der Zustimmung der Kammer der Reichsräte&nbsp;und des Staatsrats&nbsp;verkündet.&nbsp;</p>
23. April 1848

Frankreich * In Frankreich findet die Wahl zu einer verfassungsgebenden Nationalversammlung statt. Bei dieser unterliegt die Linke, während die Konservativen und die gemäßigten Liberalen siegreich hervorgehen. 

25. April 1848

Königreich Bayern * In Bayern finden die „Urwahlen“, also die „Wahlen der Wahlmänner“ für das Frankfurter „Paulskirchenparlament“ statt.  

6.901 Münchner beteiligen sich an den „Urwahlen“.  
Sie wählen 125 [„München I“] beziehungsweise 59 „Wahlmänner“ [„München II“]. 

28. April 1848

München * Die Wahlmänner wählen die bayerischen Abgeordneten für das Frankfurter Paulskirchenparlament. Bayern hat siebzig Abgeordnete zu stellen. Die in München gewählten 125 und 59 Wahlmänner wählen in einer Honoratioren-Auslese aus der lokal bekannten Bürger- und Beamtenschaft zwei Abgeordnete. 

12. Mai 1848

München-Kreuzviertel * Das „Gesetz, einige Abänderungen des Strafgesetzbuches vom Jahre 1813 [...] betreffend“, wird veröffentlicht.  

Darin führt Maximilian II. von Gottes Gnaden König von Bayern die Schwurgerichte zur Aburteilung von Verbrechen und Pressedelikten ein. 

18. Mai 1848

Frankfurt am Main * Die 585 gewählten Abgeordneten treten erstmals in der Frankfurter Paulskirche zusammen und nehmen - nach einem triumphalen Einzug - auf den Kirchenbänken Platz. Es ist ein Akademiker-Parlament, dem alleine fünfzig Professoren angehören. Drei Viertel aller Abgeordneten haben eine akademische Ausbildung. Nach einem eher chaotischen Start entwickelt die Nationalversammlung in der Folge kontinuierlich alle Elemente eines funktionierenden parlamentarischen Verfahrens.  

Die erste deutsche Nationalversammlung tagt vom 18. Mai 1848 bis zum 30. Mai 1849 an insgesamt 230 Sitzungstagen. An jedem Sitzungstag versammeln sich um 9 Uhr zwischen 400 und 450 Abgeordnete, die für einen nationalen Staat und für eine freiheitliche Verfassung streiten. 

4. Juni 1848

München-Kreuzviertel * Das Gesetz über die Wahl der Landtags-Abgeordneten bringt einige Neuerungen, die als „entscheidend“ bezeichnet werden müssen. Es beseitigt das ständische Element der Verfassungsurkunde von 1818. In diesem bestand die Kammer der Abgeordneten zu einem Achtel aus der Klasse der adeligen Großgrundbesitzer, ebenfalls ein Achtel aus der Geistlichkeit der christlichen Konfessionen, ein Viertel stellten die Vertreter der Städte und Märkte und die verbliebene Hälfte die Landeigentümer ohne gutsherrliche Gerichtsbarkeit.  

  • Im neuen Gesetz errechnet sich die Anzahl der Landtags-Abgeordneten nach dem Verhältnis von je Einem Abgeordneten auf 31.500 Seelen der Gesamtbevölkerung des Königreichs, die auf die „einzelnen Kreise vertheilt“ werden.  
  • Die Wahl ist indirekt. Das heißt, dass in einer Urwahl zunächst Wahlmänner gewählt werden, die dann in einem zweiten Wahlgang die Abgeordneten wählen.
  • Zum Abgeordneten kann jeder gewählt werden, der das 30. Lebensjahr vollendet hat.
  • Für das aktive Wahlrecht genügt die Zahlung einer direkten Steuer, und sei sie auch noch so klein.
  • Weder das aktive noch das passive Wahlrecht ist an ein bestimmtes Glaubensbekenntnis“gebunden. Damit kommt auch die staatsbürgerliche Gleichberechtigung der Juden einen Schritt weiter.
  • Und die nicht an ein bestimmtes Glaubensbekenntnis gebundenen Angehörigen nichtchristlicher Konfessionen dürfen den Verfassungseid unter Weglassung des Bezugs auf das Evangelium schwören.
  • Die Wahl der Landtags-Abgeordneten ist öffentlich, die Stimmzettel müssen jedoch noch vom Wähler unterschrieben werden. Die Geheime Wahl wird erst im Jahr 1881 eingeführt.
  • Außerdem werden noch keine amtlichen Stimmzettel ausgegeben. Diese gibt es erst - mit dem Frauenwahlrecht - im Januar 1919.
  • Das bisherige Ausschließungsrecht des Königs, mit dem er gewählten Abgeordneten den Urlaub für die Teilnahme am Landtag verweigern konnte, wird beseitigt.  

Das Gesetz, das als Bestandteil der Verfassungs-Urkunde angesehen wird, tritt mit der nächsten Wahl in Wirksamkeit. 

4. Juni 1848

München-Kreuzviertel * Im Artikel 1 des Grundlagengesetzes wird erklärt: „Die Rechtspflege soll von der Verwaltung, selbst in den untersten Behörden, gänzlich getrennt werden“.  Es dauert jedoch bis zum 10. November 1861, bis der verkündete Grundsatz verwirklicht wird.

4. Juni 1848

München-Kreuzviertel * Außerdem tritt das Gesetz über die Abschaffung der Pressezensur in Kraft. In dem vom König erlassenen Edikt über die Freiheit der Presse und des Buchhandels ist festgelegt worden, dass das Erscheinen von Presseerzeugnissen nicht „von obrigkeitlicher Prüfung und Genehmigung des Inhalts oder überhaupt von irgend einer obrigkeitlichen Erlaubniß abhängig“ sei. „Die Strafgerichtsbarkeit [steht] nicht den Polizeibehörden, sondern den Gerichten zu.“ 

4. Juni 1848

München-Kreuzviertel * Ein weiteres Reformgesetz von König Max II. ist das Gesetz, die Verantwortlichkeit der Minister betreffend. Kernpunkt dieses Verfassungsgesetzes ist, dass Regierungsanordnungen des Königs nur durch die Gegenzeichnung des verantwortlichen Ressortministers Geltung erhalten. Damit ist der Spätabsolutismus eines König Ludwigs I. mit einem Gesetz beseitigt.  

Freilich verliert damit der König letztlich seine Verantwortlichkeit gegenüber der Bevölkerung, aber das Parlament hat immer jemanden, den es zur Verantwortung ziehen kann. 

4. Juni 1848

München-Kreuzviertel * Mit einem weiteren Reformgesetz werden auch die letzten Elemente der feudalen Grundherrschaft im Königreich Bayern beseitigt. Im I. Abschnitt des Gesetzes über die Aufhebung der standes- und gutsherrlichen Gerichtsbarkeit, dann die Aufhebung, Fixierung und Ablösung von Grundlasten hebt König Max II. die standes- und gutsherrliche Gerichtsbarkeit auf.

Das Gesetz entzieht den Gutsherren die Gerichtsbarkeit und die Polizeigewalt ohne Entschädigung und überträgt diese Befugnisse auf den Staat. Damit sind die letzten Reste des feudalen Staatsaufbaus abgeschafft worden. Dem Aufbau einer modernen einheitlichen Justizverwaltung steht nun nichts mehr im Weg. 

22. Juni 1848

Paris * In den Straßen von Paris tobt zwischen dem 22. bis 26. Juni 1848 eine Schlacht, an der bis 50.000 Menschen kämpfen. Über 400 Barrikaden werden errichtet, über 3.000 Tote sind das Ergebnis. Kein anderes Ereignis in der Revolution von 1848/49 hat so viele Menschenleben gekostet.

Der Auslöser des Protests, der sich von anfänglichen Arbeiter-Demonstrationen schnell zum bewaffneten Aufstand ausweitet, ist die Beseitigung der Nationalwerkstätten. Diese waren im Februar 1848 unter dem Eindruck der hohen Arbeitslosigkeit eingerichtet worden. Damals war über die Hälfte der Pariser Arbeiter ohne Arbeit. Durch die Nationalwerkstätten konnten insgesamt 100.000 Menschen mit Erd- und Kanalisationsarbeiten beschäftigt und damit das Recht auf Arbeit verwirklicht werden. 

23. Juni 1848

Wasserburg * Maria Leopoldine Gräfin von Arco, die ehemalige baierische Kurfürstin, stirbt bei Wasserburg bei einem Verkehrsunfall.

28. Juni 1848

Frankfurt am Main * Die vorläufige deutsche Regierung wird in Frankfurt eingerichtet. 

29. Juni 1848

Frankfurt am Main * Die Nationalversammlung wählt den österreichischen Erzherzog Johann zum Reichsverweser.  

  • Die Monarchisten stimmen zu, da er Fürst ist,
  • die Großdeutschen, da er Österreicher ist,
  • der Linken ist er genehm, weil er als volkstümlich gilt. 
  • Überhaupt ist Erzherzog Johann ein Gegner Metternichs gewesen.  

Seine Popularität bei den Linken basiert auch auf seiner morganatischen Ehe mit einer bürgerlichen Postmeisterstochter. Am 18. Februar 1829 hatte er die aus Aussee stammende Anna Plochl geheiratet und hinnehmen müssen, dass er von der Thronfolge ausgeschlossen wurde. 

11. Juli 1848

Frankfurt am Main * Erzherzog Johann zieht unter großem Jubel in Frankfurt ein. Als Reichsverweser ist er das provisorische Oberhaupt des Deutschen Reiches, eines Staates, der noch in der Entstehung ist. Aufgabe des Reichsverwesersmist es, die Reichsminister zu ernennen und zu entlassen. Außerdem unterschreibt er die Reichsgesetze.

Doch die Macht der Zentralregierung und der Nationalversammlung ist gering. Die Armeen der Großmächte Österreich und Preußen weigern sich, dem Reichsverweser zu huldigen und die Staaten England sowie Frankreich versagten ihm die völkerrechtliche Anerkennung.  Und weil sie über keine eigenen Streitkräfte verfügt, muss die Zentralgewalt auf die ehemaligen Bundestruppen zurückgreifen, die aber letztlich ihre Befehle von den einzelstaatlichen Regierungen empfangen.

Diese intervenieren immer dann, wenn Ruhe und Ordnung durch linke Volksaufstände gefährdet sind. Wenn aber die Errungenschaften des März verteidigt werden sollen, ist mit den Bundestruppen nicht zu rechnen. 

3. August 1848

München-Kreuzviertel * Mit dem Gesetz über die Einführung der Schwurgerichte wird die Reform der Rechtspflege erweitert. 

13. September 1848

Berlin * In Berlin überträgt König Friedrich Wilhelm IV. seinem General Friedrich Graf von Wrangel das „Commando über sämmtliche Truppen“. Auf diese Provokationen antwortete die Nationalversammlung, indem sie die Abschaffung von Adel, Titel und Orden sowie das „von Gottes Gnaden“ des preußischen Königs beschließt. 

18. September 1848

Frankfurt am Main * In Deutschland kommt es zum sogenannten September-Aufstand. Dieser beginnt, nachdem sich eine Demonstration in Frankfurt zu einem Barrikadenkampf zwischen revolutionären Arbeitern, Bauern und Handwerkern einerseits und dem preußischen und österreichischen Militär auf der anderen Seite, auswächst.  

Der Aufstand wird sehr schnell unterdrückt, da die Handwerker, Tagelöhner und Gesellen spontan und planlos vorgehen. Sie haben zwar an rund vierzig Stellen in der Stadt Barrikaden errichtet, aber versäumt, wichtige militärische Zufahrtswege zu sperren und aus den Dörfern Unterstützung zu holen. Gegen Mitternacht ist der Aufstand niedergeschlagen. Bei den Kämpfen fallen dreißig Aufständische und zwölf Soldaten.  

Doch mit diesem September-Aufstand sind die revolutionären Veränderungen von Staat und Gesellschaft gescheitert. Den Demokraten geht es nur mehr um die Wahrung der Märzerrungenschaften. 

21. September 1848

München - Berlin • In einem Brief an seinen Onkel, dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV., schreibt König Max II.: „Schwer ist unser Beruf, wir trugen, ich wenigstens trug bisher nur eine Dornenkrone.“ 

6. Oktober 1848

Wien * Der österreichische Kriegsminister Theodor Graf von Latour gibt den Befehl zum Einsatz deutscher Truppen gegen Ungarn. Der Befehl wird jedoch verweigert. Aus der Meuterei wird ein allgemeiner Aufstand. Blutige Straßenschlachten fordern mehr als 500 Tote und Schwerverletzte. Das Kriegsministerium wird gestürmt und der Kriegsminister an einer Laterne aufgehängt. Kaiser Ferdinand I. und seine Regierung müssen in das mährische Olmütz fliehen.  

Der Abmarsch der Truppen nach Ungarn ist erfolgreich verhindert worden. 

16. Oktober 1848

Wien * Der österreichische Kaiser Ferdinand I. ernennt Alfred Fürst zu Windischgrätz, den führenden Kopf der Gegenrevolution, zum Oberbefehlshaber aller österreichischen Truppen. Fürst Windischgrätz gilt in der Bevölkerung als Schreckensmann, mit dem man Kinder erschreckt, wenn sie nicht gehorchen. 

20. Oktober 1848

Wien * Alfred Fürst zu Windischgrätz hat die Stadt Wien umzingelt, verkündet nun den Belagerungszustand und verhängt das Standrecht über Wien. Fürst zu Windischgrätz stellt den Bewohnern der Hauptstadt Bedingungen und ein Ultimatum bis zum 25. Oktober 1848. 

26. Oktober 1848

Wien * Nach Ablauf des Ultimatums gibt der Oberbefehlshaber aller österreichischen Truppen, Alfred Fürst zu Windischgrätz, den Befehl zum Kampf. Innerhalb von fünf Tagen nehmen seine Truppen die Stadt ein. Die Bilanz: über 2.000 Tote.  

Zwei Wochen nach der Niederschlagung des Wiener Aufstands werden 1.600 Personen verhaftet, davon 966 wieder entlassen. 24 Todesurteile kommen zur Vollstreckung. Das prominenteste Opfer ist der Nationalversammlungs-Abgeordnete Robert Blum, der - trotz seiner Immunität - am 9. November 1848 standrechtlich erschossen wird. 

2. November 1848

Berlin * Mit Blick auf die Vorgänge in Wien holt jetzt auch die preußische Reaktion zum entscheidenden Schlag aus. König Friedrich Wilhelm IV. den reaktionären Grafen Friedrich Wilhelm von Brandenburg mit der Regierungsbildung. Außerdem sollt er die Verfassungsfrage unter Ausschaltung der Nationalversammlung lösen und „die Märzrevolution entschieden und siegreich stürzen“

4. November 1848

Paris * Von der Nationalversammlung in Paris wird eine Verfassung verabschiedet, in der auch die Wahl eines Staatspräsidenten vorgesehen ist. Charles Louis Napoleon Bonaparte, der Neffe des großen Napoleon Bonaparte, kandidiert als Staatspräsident. Er, der anno 1836 und 1840 gegen den Bürgerkönig Louis-Philippe vergeblich geputscht hatte, holt 75 Prozent der Stimmen und damit das Amt des französischen Staatspräsidenten. 

9. November 1848

Berlin * König Friedrich Wilhelm IV. lässt die Preußische Nationalversammlung in das altmärkische Städtchen Brandenburg verlegen. 

9. November 1848

Wien * Der populäre Nationalversammlungs-Abgeordnete Robert Blum wird - trotz seiner Immunität - in der Brigittenau bei Wien standrechtlich erschossen. Seine Hinrichtung ist ein „Akt der Willkür und Brutalität“

12. November 1848

Berlin * General Friedrich von Wrangel verhängt den Belagerungszustand über Berlin. 

27. November 1848

London * „Die treue Lolitta“ [Montez] teilt ihrem „geliebten Louis“ mit, dass sie nach London in England abreisen werde. 

2. Dezember 1848

Wien * Der 18-jährige Franz Joseph I. wird Kaiser von Östereich-Ungarn. 

4. Dezember 1848

München * Rund 2.000 Fackelträger und Tausende Münchner ziehen durch die Straßen der Stadt. Sie wollen damit den am 9. November in Wien hingerichteten demokratischen Paulskirchen-Abgeordneten Robert Blum die letzte Ehre erweisen. 

5. Dezember 1848

Berlin * Die Preußische Nationalversammlung wird aufgelöst und eine neue Verfassung oktroyiert. Damit erhält das Königreich Preußen - vierzig Jahre nach Bayern - eine Verfassung.  

Im Gegensatz zu Wien ist der Sieg der Gegenrevolution zwar unblutig errungen, aber dennoch unumkehrbar. 

7. Dezember 1848

München * Der eher zögerliche, häufig unentschlossene und kränkliche Bayernkönig Max II. schreibt an seinen Vater, Ludwig I., folgende Zeilen:  

„Sie wissen, lieber Vater, unter welchen Umständen ich den Thron bestieg, welchen Zustand der Dinge ich gefunden; der Boden schwankte unter meinen Füßen, alle Bande der Ordnung waren gelockert. Diese schwere Last übernahm ich mit leidender Gesundheit. [...] Durch diese täglichen Körper- und Seelenleiden erscheint sie mir oft eine unerträgliche Bürde.“ 

27. Dezember 1848

Frankfurt am Main * Die Nationalversammlung in Frankfurt am Main verabschiedet die Grundrechte des deutschen Volkes, die am 28. März 1849 in die Paulskirchen-Verfassung münden wird.  

  • Erbkaiser soll der König von Preußen werden.
  • Anstatt eines Großdeutschland sollte es nur ein Kleindeutschland geben, da Österreich nicht bereit ist, seine nichtdeutschen Gebiete aufzugeben.

1849

1849

München * München hat 96.398 Einwohner. 

1849

Frankfurt am Main * Im Paragraph 139 der „Paulskirchen-Verfassung“ ist die „Abschaffung der Todesstrafe“ vorgesehen.

Die anschließende „Reaktion“ führt sie jedoch wieder ein.

15. Januar 1849

München-Kreuzviertel * Der neugewählte Landtag, es war der 13., tagt vom 15. Januar bis 7. März sowie vom 15. Mai bis 11. Juni 1849. Es ist der erste und bislang letzte Bayerische Landtag mit einer linken Mehrheit. Diese Mehrheit vertritt eine andere Auffassung als die Königliche Regierung.  

69 Abgeordnete leisten ihren Verfassungseid nur mit dem Vorbehalt, dass sie durch diesen „an der Anerkennung der Gültigkeit der Reichsgesetze insbesondere der die Grundrechte betreffenden hiedurch nicht gehindert“ sein sollen.  

Bei der ersten öffentlichen Sitzung der Abgeordnetenkammer erklärt sich Innenminister Hermann von Beisler bereit, „die Gesetzgebung Bayerns mit der des deutschen Reiches in Einklang zu setzen. In diesem Sinne werden Ihnen bezüglich der Grundrechte die entsprechenden Vorlagen gemacht werden.“ 

20. Januar 1849

Holzolling * In der Nacht vom 20. zum 21. Januar 1849 wird auf einer Wiese außerhalb von Holzolling ein Haberfeldtreiben abgehalten. Die Treiben finden nun schon seit einiger Zeit aus Sicherheitsgründen außerhalb der dörflichen Siedlungen statt. Getrieben wird  von 50 bis 60 Haberern. Es gilt mehreren Einwohnern des Dorfes, in der Hauptsache aber dem Lehrer Franz Xaver Bacherl.

Der Grund für das Haberfeldtreiben ist bei Franz Xaver Bacherl nicht in einer Leichtfertigkeit zu finden, sondern ist politischer Natur und zeigt damit eine völlig neue Tendenz weg vom Sittlichkeitstreiben. Der Lehrer Franz Xaver Bacherl

  • begeisterte sich für ein großes, geeinigtes Deutschland,
  • hatte einen Arbeiterverein, angelehnt an den Münchner Märzverein gegründet,
  • organisierte Versammlungen und hielt politische Reden.

Als der Holzollinger Kooperator Haid gegen den Arbeiterverein von der Kanzel predigte, schrieb Bacherl über ihn einen Artikel in der revolutionsfreundlichen, radikal-demokratischen Zeitung „Gradaus mein deutsches Volk! * Volksblatt für uneingeschränkte Freiheit“.

Daraus ergibt sich einerseits, dass das Haberfeldtreiben gegen Franz Xaver Bacherl von einem geistlichen Herrn forciert worden war, und dass andererseits die Haberer wenig sorgfältig über ihr Opfer recherchierten und wie hilflos sie im Grunde den neuen sozialen und politischen Entwicklungen gegenüber standen. Die Haberer werfen dem Lehrer vor: 

  • seinen schändlichen Artikel im „Gradaus“ und 
  • unterstellen ihm, er hätte einen „Lumpenverein“ gegründet,
  • den Opferstock ausgeraubt und
  • die Vorhänge aus dem Beichtstuhl gestohlen, um sich daraus einen Frack schneidern zu lassen. 
22. Januar 1849

München-Kreuzviertel * König Max II. eröffnet den Landtag im Landtagsgebäude an der Prannerstraße und kündigt eine ganze Serie von Gesetzesvorlagen an. Doch diese Zusammenkunft der Abgeordneten steht unter einem einzigen Thema: der Reichsverfassung, die die Frankfurter Nationalversammlung ausgearbeitet hat.  

Es entsteht ein heftiger Meinungsstreit, weil das Frankfurter Staatsgrundgesetz von den konservativen Kräften als Eingriff in die Souveränität der Bundesstaaten betrachtet wird. 

4. März 1849

Wien * Die Großmacht Österreich erhält eine Verfassung. Das ist immerhin über dreißig Jahre nach Bayern. 

8. März 1849

München-Kreuzviertel * Der Abgeordnetenkammer wird die Vorlage einer im Sinne der „Frankfurter Grundlage“ geänderten Bayerischen Verfassung versprochen. Doch noch am gleichen Tag vertagt König Max II. den Landtag und bildet die Regierung um. 

28. März 1849

Frankfurt am Main * Die Frankfurter Nationalversammlung verabschiedet ihre Verfassung. 

3. April 1849

Berlin - Frankfurt am Main * Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. lehnt die ihm von der Nationalversammlung angebotene Kaiserkrone ab. Die von Volksvertretern angebotene Krone besteht für Friedrich Wilhelm IV., der in seinem monarchischen Selbstbild vom traditionellen Gedanken des Gottesgnadentums ausgeht und die Idee der Volkssouveränität ablehnt, nur aus „Dreck und Letten“. Ein „Kaiser von Volkes Gnaden“ will er keinesfalls sein. Damit sind auch die Deutsche Einheit und die Reichsverfassung gescheitert.

Die Zurückweisung der Kaiserkrone durch den preußischen König liegt an dessen innerlichen Ablehnung der Frankfurter Reichsverfassung, weil diese von Demokraten und Liberalen beschlossen worden ist. Denn während der Revolutionszeit hat der Preußenkönig immer wieder seine Bereitschaft signalisiert, an die Spitze eines deutschen Bundesstaates zu treten. Er wünscht sich allerdings eine konservativere Verfassung und scheut sich vor dem Titel eines Kaisers.

Viel wichtiger ist ihm, die Zustimmung seiner Standesgenossen, der anderen deutschen Fürsten, zu erhalten. Bereits am 3. April 1849, als Friedrich Wilhelm IV. die Kaiserkrone des Frankfurter Parlaments ablehnt, lässt er die übrigen deutschen Staaten wissen, dass er an die Spitze eines deutschen Bundesstaates treten wolle, an dem diejenigen Staaten teilnehmen sollen, die dies wünschen. 

23. April 1849

München * Das „Königreich Bayern“ lehnt die „Reichsverfassung“ ab.  
Der „Landtag“ tagt zu diesem Zeitpunkt nicht mehr.  

In der Folge kommt es zu einer breiten „Protestbewegung“, die sich in der Pfalz sogar zum „Aufstand“ auswächst.  
„Es verstand sich bei den Pfälzern von selbst, wenn der König von Bayern nicht deutsch sein wollte, die Pfalz aufhören müsse, bayerisch zu sein“

2. Mai 1849

Kaiserslautern * Die Vertreter der „demokratischen Vereine“ in der Pfalz wählen in Kaiserslautern einen „provisorischen Landesverteidigungsausschuss“, der von der bayerischen „Regierung“ die „Anerkennung der Reichsverfassung“ fordert und zur „Volksbewaffnung“ aufruft. 

3. Mai 1849

Dresden * Die Ausrufung der „Sächsischen Republik“ scheitert im „Dresdner Maiaufstand“, der vom 3. bis 9. Mai 1849 andauert und von preußischen Truppen niedergeschlagen wird. 

9. Mai 1849

Dresden * Richard Wagner wird wegen seiner Beteiligung am Dresdner Mai-Aufstand in Deutschland steckbrieflich gesucht. Er ist beim Aufstand in Dresden als Schriftführer der Revolutionsregierung und als Beschaffer von [Semper'scher] Barrikadenarchitektur aufgefallen. Der Aufstand wird jedoch niedergeschlagen.

Zuvor sprach Richard Wagner in einem anonymen Artikel von der „Zerstörung der bestehenden Ordnung der Dinge“ durch die „erhabene Göttin Revolution“Unterstützt von Franz Liszt flieht er über Weimar nach Zürich, wo er als Komponist und Musikschriftsteller arbeitet.

11. Mai 1849

Baden * Der beginnende „Badische Maiaufstand“ führt zur Flucht des Großherzogs Leopold von Baden am 13. Mai und zur Ausrufung der „Republik Baden“.  

Doch preußische Truppen rückten gegen Baden vor. 

16. Mai 1849

München-Kreuzviertel * Der Bayerische Landtag tritt wieder zusammen. 

21. Mai 1849

München-Kreuzviertel * Die Kammer der Abgeordneten fordert mit 72 gegen 62 Stimmen die Anerkennung der „Reichsverfassung, die insbesondere von der fränkischen, schwäbischen und rheinpfälzischen Bevölkerung laut und freudig begrüßt“ wird. 

22. Mai 1849

München-Kreuzviertel * Die Regierung verweigert den pfälzischen Abgeordneten die Teilnahme am Landtag, woraufhin die Linke geschlossen das Parlament verlässt. 

27. Mai 1849

München - Berlin * Das Königreich Bayern lehnt den Beitritt der von Preußen gegründeten Erfurter Union ab. 

1. Juni 1849

München-Kreuzviertel * Die Regierung beschließt die Entsendung von Truppen in die Pfalz. König Max II. setzt sich mit seinem Onkel Friedrich Wilhelm IV. von Preußen in Verbindung. 

6. Juni 1849

Stuttgart * Der verbliebene Rest der Frankfurter Nationalversammlung tagt in Stuttgart, wird dann aber von württembergischen Truppen aufgelöst. 

10. Juni 1849

München * Bevor das Militär in die Pfalz einmarschiert, macht der Bayernmonarch am 10. Juni 1849 erstmals vom Instrument der Auflösung des Landtags Gebrauch und veranlasst die nötigen Neuwahlen, die eine für die Regierung günstigere Zusammensetzung der Abgeordnetenkammer bewirken soll.

Gleichzeitig wird der Kriegszustand über die Pfalz verhängt. 

Ab dem 13. Juni 1849

Pfalz * Der Aufstand in der Pfalz wird ab dem 13. Juni mit preußischer Unterstützung niedergeschlagen. Nach den Unruhen in Schwaben und Franken, welche die Bürger aufgeschreckt und verunsichert haben, gewinnen die gemäßigten und konservativen Kräfte wieder die Oberhand. 

2. Juli 1849

Brünn * Marie Therese, Erzherzogin von Österreich-Este und Prinzessin von Modena, die spätere Ehefrau von Prinzregent und König Ludwig III., wird in Brünn geboren.

14. Juli 1849

Königreich Bayern * Die für diesen Tag angesetzten Landtagswahlen werden von der Staatsregierung sorgfältig vorbereitet. Sie setzt dabei vor allem auf den Einfluss der kirchlichen Oberhirten und Pfarrer sowie auf das Engagement der(höheren) Beamtenschaft. Der Regierung genehme Vereine werden gefördert; nach den Wahlen jedoch alle politischen Vereine wieder verboten.  

Die Wahlkreise werden erstmals von der Regierung nach wahltaktischen Gesichtspunkten gebildet. Eine Praxis, die die Regierung von nun an bis zur Wahlrechtsreform von 1906 beibehalten wird. Mit den so gewonnenen neuen Mehrheitsverhältnissen kann König Max II. eine Politik der Reaktion verfolgen und versuchen, die Änderungen der Bayerischen Verfassung wieder rückgängig zu machen. 

19. Juli 1849

London * Lola Montez heiratet den 21-jährigen George Trafford Heald. Der reiche Erbe war eine der besten Partien in London. Die Braut Lola Montez unterschreibt die Heiratsurkunde mit Maria de los Dolores de Landsfeld. Die Ehe hält nicht lange und wird annulliert. Während der Ehezeit tauschen Lola und Ludwig I. weiterhin Briefe aus. Außerdem erhält sie finanzielle Unterstützungen aus Bayern. 

23. Juli 1849

Rastatt * Preußischen Truppen nehmen Rastatt ein. Damit endete zumindest symbolisch die Deutsche Revolution von 1848/49

3. Oktober 1849

Wien * Die letzten ungarischen Revolutionäre kapitulieren gegenüber den Österreichern. 

Dezember 1849

Berlin * Im Deutschen Bund gibt es noch 36 deutsche Länder, von denen sich 28 der sogenannten Erfurter Union anschlossen. Acht Länder treten der Union nie bei. Außer Österreich sind dies: Bayern, Württemberg, Schleswig und Holnstein, Luxemburg-Limburg, Liechtenstein, Hessen-Homburg und Frankfurt. 


1850

1850

München * Resigniert muss der Frauenverein zur Beförderung der Seidenzucht feststellen, dass zwar 150.000 Maulbeerbäume gepflanzt worden waren, aber daraus nur 389½ Pfund Seide gewonnen werden konnten. 

1. Mai 1850

München-Englischer Garten - Hirschau * Die „Maffei'sche Maschinenfabrik“ präsentiert ihr erstes Dampfschiff.

Über dem zu den Werkstätten in der „Hirschau“ führenden Isarkanal fährt der Raddampfer „Stadt Donauwörth“ über die Isar bis zur „Praterinsel“.
Die Fabrikarbeiter haben den Dampfer, der eine Länge von etwa 40 Metern bei 3½ Meter Breite und einen sehr geringen Tiefgang besitzt, reich verziert und an der Landspitze nahe der „Praterinsel“ eine große, mit maschinentechnischen Emblemen geschmückte Pyramide aufgebaut.

Eine große Schar Neugieriger beobachtet die Fahrt des Schiffes, das mit einer Leistung von 43 Pferdestärken gegen den Strom der Isar hinauf fährt; später dann flussabwärts bis zur Donau.

15. Oktober 1850

München-Maxvorstadt - Schwabing * Das Siegestor wird - noch ohne der Quadriga - eingeweiht.

15. Oktober 1850

Berlin - Wien * Bis zum 15. Oktober 1850 reduzieren sich die Mitgliedsstaaten der Erfurter Union auf 21. Österreich kann die abgefallenen Staaten hinter sich bringen. Doch dadurch spitzte sich der preußisch-österreichische Konflikt immer mehr zu. 

10. November 1850

Wöllkauer Anhöhe bei Irschenberg * Dem Nachfolger von Ignaz Kalm, Pfarrer Zänger, wird in der Nacht vom 10. auf den 11. November 1850, gemeinsam mit dem Kooperator Bartl, dem Schulmeister Strahler und noch ein paar anderen Dorfbewohnern das Haberfeld getrieben.

Der neue Pfarrer hatte zur Hebung des angekratzten Images von Kirche und Dorf einen katholischen Jungfernbund gegründet. Doch noch im gleichen Jahr hatten zwei junge Frauen „das theure Guth der Jungfrauenschaft“ verloren, ohne verheiratet zu sein. Die Haberer behaupten zudem, dass eine weitere Jungfer ein „Pfaffenkind“ ausgetragen hat.

Während beim ersten Treiben vom 20./21. Januar 1849 die Beteiligten ungeschoren davon kamen, werden im zweiten Verfahren alle dreißig Haberer verurteilt. Sie erhalten Zuchthausstrafen, die obligatorischen Rutenstreiche und müssen zudem fünf Gulden Strafe zahlen. 

Um den 20. November 1850

Berlin - Wien * Der drohende Krieg zwischen Preußen und Österreich kann gerade noch abgewendet werden, nachdem sich Russland auf die Seite Österreichs schlägt. 

29. November 1850

Olmütz * Österreich und Preußen verständigen sich in der Olmützer Punktation wieder auf eine Zusammenarbeit. Der Deutsche Bund soll wieder vollständig hergestellt werden. Preußen verzichtet auf seinen Führungsanspruch und muss seine Unionspolitik endgültig aufgeben. 


1851

1851

München - Anif * Irene Gräfin von Arco-Stepperg, die Gattin von Aloys (Louis), wird von ihren Brüdern aus dem Hause Pallavicini gezwungen, sich zur „Wahrung der Familienehre“ von ihrem Ehemann zu trennen. 

Die Ursache für diesen ungewöhnlichen Schritt liegt in einem Prozess begründet, den man Aloys (Louis) Graf von Arco-Stepperg in Anif macht.
Es geht dabei um die „Verführung minderjähriger Mädchen“

Mai 1851

Rom * Franz von Pocci erhält die von König Ludwig I. an Lola Montez geschrieben Briefe zurück.  

Mit der Übergabe der Liebesbriefe in Rom ist die spektakuläre Liebesbeziehung endgültig beendet. 

21. Juni 1851

München - Wien * Das Königreich Bayern schließt mit Österreich einen Vertrag zur Weiterführung einer Bahnverbindung über Rosenheim nach Salzburg auf österreichischem Territorium. Diese Planung hat eine europäische Dimension. 

Um den 15. September 1851

Frankreich * Lola Montez tritt in verschiedenen französischen Städten auf. 

20. November 1851

Le Havre * Lola Montez geht in Le Havre an Bord des Segelschiffes „Alexander von Humboldt“, um nach New York zu reisen. 

2. Dezember 1851

Paris * Kurz vor Ablauf seiner Amtszeit löst der französische Staatspräsident Charles Louis Napoleon Bonaparte die Nationalversammlung auf und lässt führende Oppositionspolitiker verhaften. 

5. Dezember 1851

New York * Lola Montez erreicht nach einer 16-tägigen Schiffsreise New York. 

5. Dezember 1851

Paris * Die nach der Auflösung der Nationalversammlung und Verhaftung führender Oppositionspolitiker folgenden blutigen Kämpfe kann Charles Louis Napoleon Bonaparte am 5. Dezember schließlich für sich entscheiden. 

21. Dezember 1851

Frankreich * Die Franzosen stimmen - für den Staatspräsidenten Charles Louis Napoleon Bonaparte erfolgreich - über eine neue Verfassung ab. 

29. Dezember 1851

New York * Lola Montez gibt ihr amerikanisches Debüt in „Betley, die Tirolerin“ am Broadway Theatre in New York. Sie ist der vor dreitausend Zuschauern umjubelte Star des Abends. Die Vorführungen müssen auf drei Wochen verlängert werden. Sie bricht damals in der ersten Woche erstmals den „Box Office Record“ der amerikanischen Theatergeschichte.  

Der Finanz- und Publikumserfolg bleibt ihr in den nächsten Wochen und Monaten bei ihrer ausgedehnten Tournee an der amerikanischen Ostküste weiter treu. 


1852

7. Mai 1852

Rosenheim - Salzburg * Der bayerische Staat finanziert und übernimmt die Ausführung der Bahnverbindung über Rosenheim nach Salzburg. 

25. Mai 1852

New York * Das von Lola Montez selbst in Auftrag gegebene Stück „Lola Montez in Bavaria“ hat am Broadway Premiere. Im Mittelpunkt des Stückes steht ihre Affäre mit König Ludwig I.. Sie selbst spielt die Hauptrolle. 

9. Juni 1852

München * König Max II. lässt die Vereidigung der Armee auf die Verfassung abschaffen. Diese hatte sein Vater König Ludwig I. mit Ausrufung der Proklamation am 6. März 1848 eingeführt. Im neuen Eid ist von der Verfassung keine Rede mehr. 

28. Juni 1852

New York * In dem Schauspiel „Lola Montez in Bavaria” tritt Lola Montez im New Yorker Bowery Theatre als Lola Montez auf. 

16. Oktober 1852

München-Maxvorstadt - Schwabing * Nach dem Aufsetzen der Quadriga wird das Siegestor feierlich eröffnet.

21. November 1852

Frankreich * Das französische Volk stimmt über ein vom Staatspräsidenten Charles Louis Napoleon Bonaparte vorgelegtes Plebiszit [= eine von oben angesetzte Volksbefragung] über die Wiedereinführung des Kaisertums ab. 

2. Dezember 1852

Paris * Frankreichs Staatspräsident Charles Louis Napoleon Bonaparte lässt sich zum Kaiser der Franzosen ausrufen. Das war am ersten Jahrestag des Staatsstreichs und am selben Tag, als sich sein Onkel Napoleon Bonaparte im Jahr 1804 selbst zum erblichen Kaiser von Frankreich krönte.

Das bedeutet zusätzlich das Ende der im Jahr 1848 ausgerufenen Zweiten Republik und den Beginn des Zweiten Kaiserreichs. Fortan nennt er sich Napoleon III..

11. Dezember 1852

München * König Max II. schreibt an seinen Innenminister: „Ich will die gegenwärtige ruhige Zeit nicht ungenützt vorübergehen lassen, um [...] die Regierung der lähmenden und auf geradezu antimonarchische Grundlagen gebauten Gesetze zu entledigen, welche das Jahr 1848 förmlich oktoyiert hat.“ 

30. Dezember 1852

New Orleans * Lola Montez erreicht mit ihrer Schauspieltruppe das im Mississippi-Delta gelegene New Orleans. 


1853

1853

München - Starnberg * Der weitere Ausbau des Eisenbahn-Streckennetzes wird angegangen.

Ulrich Himbsel, der ehemalige „Baudirektor der München-Augsburger-Eisenbahngesellschaft“, beginnt, trotz der anfänglich auftretenden Probleme mit der Finanzierung, mit dem Streckenbau zu dem „an Naturschönheiten so reichen Starnberger See“.   

Die Linie zweigt hinter Pasing nach Süden ab und erfreut sich beim „gebirgssinnigen Münchner Publikum“ bald großer Beliebtheit. 

Februar 1853

Cincinnati * Lola Montez tritt in Cincinnati/Ohio auf. 

1. Mai 1853

Cincinnati - Panama City * Lola Montez, die „pikante Abenteuerin“, reist mit dem Schiff „Philadelphia“ in Richtung Panama City ab. 

5. Mai 1853

Panama City - San Francisco * Lola Montez besteigt den Raddampfer „Northener“, um mit ihm nach San Francisco zu reisen. 

21. Mai 1853

San Francisco * Lola Montez trifft in der Bucht von San Francisco ein. „Die Stadt hatte geflaggt, zahlreiche Musikkapellen marschierten durch die Straßen, Kinder streuten Blumen, Salutschüsse wurden abgefeuert.“ Ein Triumphzug für Lola Montez. 

12. Juli 1853

San Francisco * Lola Montez heiratet Patrick Hull, den Miteigentümer der Zeitschrift „San Francisco Whig“. Er ist irischer Abstammung. Die Ehe wird bereits im November wieder geschieden. 

24. Juli 1853

München * Oberst Franz Freiherr von Hörmann zu Hörbach legt einen Sicherheitsbericht für München vor. Er trägt den Titel: „Erläuterungen zum Entwurfe der militärischen Dispositionen für die Sicherheit und Verteidigungsfähigkeit der Haupt- und Residenzstadt München behufs Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung.“  Es ist die Angst vor einer neuen Revolution, die König Max II. seine Armee auf einen Bürgerkrieg vorbereiten lässt. Um verbindliche Vorschläge auszuarbeiten, gründet er eine Special-Commissorium.

Inhaltlich geht Oberst Hörmann von einem Bedrohungsszenario aus, wonach „der inländische Pöbel - durch auswärtiges Proletariat verstärkt - bei Tag und Nacht ohne Hindernis in die Stadt eindringen kann, theils um die größten Schätze des Staates und des Landes zu plündern, theils um die heillosen Umtriebe der machtlosen Umsturzpartei in Vollzug zu setzen“. Freiherr von Hörmann fügt noch eine interessante Einteilung der Tumulte in vier Klassen bei.

  • Als Erste und harmloseste Klasse bezeichnete er darin „Tumulte ohne insurreaktionäre politische Tendenz“, etwa die Studenten- und Handwerkertumulte oder die Münchner Bierkrawalle.
  • Als nächste Kategorie folgen „Politische Tumulte durch demokratische Umtriebe der republikanisch gesinnten Umsturzpartei veranlaßt“. Als Beispiel führt er die Märzrevolution von 1848 an.
  • Als dritte Klasse bezeichnet er „Tumulte mit kommunistischer Tendenz“. Der erzkonservative Oberst verschließt dabei aber keineswegs die Augen vor der bitteren Armut vieler Zeitgenossen und fordert zur Vorbeugung eine effektive staatliche Sozialpolitik.
  • Die Letzte und zugleich gefährlichste Form der Unruhe klassifiziert der Militarist die „Tumulte durch Theuerung, Mißwachs und Hungersnoth veranlaßt“.

Sein konkreter Vorschlag beinhaltet die Erhöhung der Zahl der Kasernen in der Innenstadt und weitere flankierende Maßnahmen, um die Hauptverteidigungspunkte zu schützen. Dazu zählen unter anderem - neben der Residenz - das Nationaltheater, das Postgebäude, die Münze und der Alte Hof.

August 1853

Grass Valley * Lola Montez lässt sich in der „Goldgräbersiedlung“ Grass Valley nieder und kauft sich dort ein Haus. 

16. August 1853

Bad Ischl * In Bad Ischl soll die Verlobung des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. mit der 19-jährigen Herzogin Helene in Bayern gefeiert werden. Doch es kommt anders. Dem 23-jährigen Regenten gefällt seine drei Jahre jüngere Cousine Elisabeth „Sisi“ ganz einfach viel besser. 

18. August 1853

Wien - München * An seinem 23. Geburtstag hält der österreichisch-ungarische Kaiser Franz Joseph I. um die Hand seiner Cousine Herzogin Elisabeth „Sisi“ in Bayern an. In der Überzeugung „einem Kaiser von Österreich gibt man keinen Korb“ stimmt das herzogliche Haus der Verlobung zu. Herzog Max in Bayern und die kaiserliche Administration einigen sich auf eine Mitgift in Höhe von 50.000 Gulden, dazu Kleider und Schmuck.


1854

1854

München - Augsburg - Württemberg * Die Eisenbahnstrecke München - Augsburg wird bis an die Grenze zum „Königreich Württemberg“ weitergebaut. 

20. April 1854<p><strong><em>München - Straubing</em></strong> * Herzogin Elisabeth <em>„Sisi“</em> in Bayern verlässt München in Richtung Straubing.&nbsp;Dort besteigt sie den Raddampfer <em>„Franz Joseph“</em>, der sie nach Wien-Nußdorf bringt.&nbsp;</p>
24. April 1854

Wien * Der 23-jährige österreichische Kaiser Franz Joseph heiratet in Wien die 16-jährige Herzogin Elisabeth „Sisi“ in Bayern. 

Mai 1854

München-Angerviertel * Der „Scharfrichter“ Lorenz Schellerer vollzieht auf dem „Heumarkt“, dem heutigen „Rindermarkt“, die letzte Hinrichtung mit dem „Handschwert“.

Die sich heftig wehrende „Gattenmörderin“ kann den Schlägen des Henkers mehrmals ausweichen. Er braucht sieben Hiebe, „bis sich ihr Kopf vom Rumpfe trennt“.

Die Menschenmenge ist aufgebracht und muss mit Gewalt zurückgedrängt werden.

Lorenz Schellerer bedient danach die ausschließlich zum Einsatz kommende „Guillotine“.

17. Mai 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Fünf Jahre dauern die Überlegungen des Kgl. Bay. Staatsministeriums des Inneren, bis die 25 Paragraphen zur Eingemeindung ausgearbeitet sind. Nun ist die Vereinigung Münchens mit der Au, Haidhausen und Giesing genehmigt.

„Seine Majestät der König haben die nachgesuchte Vereinigung der Gemeinde Au, Giesing und Haidhausen mit der Reichshaupt- und Residenzstadt München in Eine Gemeinde unter Erhebung jener drei Gemeinden zu Vorstädten von München [...] allergnädigst zu genehmigen geruht.“

15. Juli 1854

München-Maxvorstadt * Die im Glaspalast stattfindende Industrie-Ausstellung wird von König Max II. feierlich eröffnet.

Nur wenige Tage später bricht die Cholera aus. Bei der Eröffnungsrede bricht ein Billeteur tot zusammen. Man glaubt an einen Schlaganfall, doch vermutlich handelt es sich um das erste Opfer der Cholera.

16. Juli 1854<p><em><strong>München - Königreich Bayern</strong></em> *&nbsp; Die <em>„Königlich Allerhöchste Verordnung, die sanitäts- und sittenpolizeiliche Fürsorge für jugendliche Arbeiter in den Fabriken betreffend“</em> wird erlassen. Diese zweite bayerische Kinderschutzverordnung erhöht immerhin&nbsp;</p> <ul> <li>das Mindestalter von Fabrikarbeitern auf zehn Jahre,&nbsp;</li> <li>gleichzeitig senkt sie die zulässige Höchstarbeitszeit von Kindern auf neun Stunden pro Tag.&nbsp;</li> <li>Nachtarbeit von schulpflichtigen Kindern ist nun ausdrücklich und uneingeschränkt verboten.&nbsp;</li> <li>Der den Kindern während der Arbeitszeit zu erteilende Schulunterricht wird auf drei Stunden am Tag erhöht.&nbsp;</li> </ul> <p>Die Verordnung erweitert somit den Kinderschutz in Bayern, bleibt aber erneut hinter den Bestimmungen eines ein Jahr zuvor in Preußen erlassenen Gesetzes zurück.&nbsp;</p>
18. Juli 1854

München-Graggenau * Ein Theaterbesucher aus der Schweiz bricht während der Vorstellung zusammen und wird in die Klinik gebracht. Vermutlich ist auch er bereits vom Cholera-Erreger angesteckt.

27. Juli 1854

München * Der 39-jährige Tagelöhner Peter Stopfer ist das erste amtliche Opfer der Cholera-Epidemie.

29. Juli 1854

München * Der 39-jährige Tagelöhner Peter Stopfer stirbt. Mit ihm beginnt offiziell die Statistik der Cholera-Todesopfer.

2. August 1854

München * Das Bayerische Innenministerium beruft ein Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr, das sich bis Mitte Oktober wöchentlich zwei Mal treffen wird.

Beim ersten Zusammentreffen muss man seit dem 29. Juli weitere 22 Brechdurchfall-Erkrankungen zur Kenntnis nehmen, von denen zwölf mit dem Tod endeten. Aufgrund der Arztberichte bestätigt sich das Vorhandensein der Cholera.

Eine vorsichtige Information der Bevölkerung in der halbamtlichen Neuen Münchner Zeitung wird beauftragt. Mit den Warnungen vor bestimmten Lebensmitteln hofft das „Komitee“ auf keine weitere Verbreitung der Krankheit.

3. August 1854

München * In der halbamtlichen Neuen Münchner Zeitung wird mitgeteilt, dass „in Folge der außergewöhnlichen, rasch eingetretenen Hitze, Durchfälle vorgekommen“ und dass „daran namentlich einige kleine Kinder, alte und kränkliche Personen gestorben“ sind. Als Ursache wird „die Überladung des Magens mit Kartoffeln, Gurken und dergleichen“ angegeben.

Die Cholera erreicht auch die Vorstädte Au, Haidhausen und Giesing. Bis zu deren Eingemeindung am 1. Oktober werden die Sterbestatistiken getrennt geführt.

5. August 1854

München - Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Die Cholera-Erkrankungs- und Todesfälle haben weiter zugenommen, weshalb das „Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr“ einen Maßnahmenkatalog in Angriff nimmt.

Ärztliche Besuchsanstalten werden eingerichtet und dabei das Stadtgebiet und die Vorstädte Au, Haidhausen und Giesing in 13, später 15 Distrikte eingeteilt.

5. August 1854

München * König Max II. verfügt die Abschaffung des mittelalterlichen Richtschwerts. Die Todesstrafe wird künftig ausschließlich mit der Guillotine vollstreckt.

Die bayerische Guillotine ist im Gegensatz zu dem aus Holz hergestellten französischen Original aus Eisen. Das Fallbeil  braucht deshalb nur eine Fallhöhe von 1,50 Metern, statt den 5 Metern der Original-Guillotine.

6. August 1854

München * Der Bayerische Landbote dementiert die über Mundpropaganda verbreitete Nachricht, „dass die Cholera wieder herrsche“.

7. August 1854

München * Seit Ausbruch der Cholera sind alleine auf Münchner Stadtgebiet 44 Todesfälle aufgetreten.

8. August 1854

München * In der Neuen Münchner Zeitung wird erstmals zugegeben, dass die Gefahr einer Cholera-Epidemie besteht.

13. August 1854

München * Die Ärztlichen Besuchsanstalten nehmen ihre Tätigkeit auf. Die Zahl der durch die Cholera verursachten Todesopfer ist auf 208 angestiegen.

20. August 1854

München * Ludwig Joseph Graf von Arco, der Ehemann der Kurfürstin-Witwe Maria Leopoldine, stirbt in München. 

Bis 22. August 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * In den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing zählt man insgesamt 138 Cholera-Tote.

23. August 1854

München * Der Epidemie-Höhepunkt ist in München erreicht. An diesem Tag sterben 82 Personen an der Cholera und erhöhen damit die Gesamtsterbezahl auf 803.

28. August 1854

München-Graggenau * Um die Abwendung der Cholera-Epidemie zu erflehen und die Ausbreitung künftig möglichst zu unterbinden, wird ein großer Bittgottesdienst an der Mariensäule auf dem Schrannenplatz zelebriert. 25.000 Menschen sollen sich dort eingefunden haben.

28. August 1854

Ebersberg * Simon von Eichthal, der Mitbegründer der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, stirbt in Ebersberg. 

30. August 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Der Epidemie-Höhepunkt ist in den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing erreicht. An diesem Tag sterben 34 Personen an der Cholera und erhöhen damit die Gesamtsterbezahl auf insgesamt 355.

September 1854

München-Theresienwiese - München-Au - München-Maxvorstadt * Wegen der grassierenden „Cholera“ sagt die Regierung das „Oktoberfest“ ab, was zu zahllosen Klagen der Geschäftsleute führt.

Als auch noch die „Auer Herbstdult“ storniert werden soll, bitten die Geschäftsleute, „dem ohnedieß diesem Sommer schwerheimgesuchten Gewerbestand“ nicht auch noch dieses „Bißchen Brot“ zu entziehen.

Weder zur „Auer Herbstdult“ noch zu der seit 15. Juli stattfindenden „Industrie-Ausstellung“ im „Glaspalast“ finden sich viele Interessenten ein.

2. September 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Die Cholera-Sterbezahl in München und den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing beträgt an diesem Tag insgesamt 107.

3. September 1854

München * Die täglichen Cholera-Sterbefälle nehmen in München deutlich ab. Seit dem Ausbruch der Epidemie sind 1.468 Münchner verstorben.

9. September 1854

Vorstadt Au - Giesing - Haidhausen * Die täglichen Cholera-Sterbefälle gehen jetzt auch in den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing  deutlich nach unten. Seit dem Ausbruch der Epidemie sind 564 Personen verstorben.

13. September 1854

München * In München werden die ersten - wegen der Cholera-Epidemie eingerichteten - Ärztlichen Besuchsanstalten aufgelöst.

Ab 23. September 1854

München • Die Münchner Armenärzte übernehmen wieder die Behandlung der Cholera-Kranken.

29. September 1854

München-Graggenau * Ein „Verein hiesiger Bürger“ lädt für den 3. Oktober zu einem feierlichen Dankamt zur Mariensäule am Schrannenplatz ein, „um Gott den Herrn für die Errettung aus dieser großen Drangsal die innigsten Dankgebete darzubringen“. In dieser Einladung wird die Cholera schon für beendet erklärt.

30. September 1854

München * Das Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr beschließt, das die Cholera in München erloschen ist. Nur drei Ärzte stimmen dagegen. Alle Ärztlichen Besuchsanstalten werden geschlossen, die Suppenanstalten wieder auf vier reduziert. Die ärztliche Versorgung in den Vorstädten wird eine Woche länger aufrecht erhalten.

2.143 von rund 114.000 Münchner Einwohnern fallen bis dahin der sogenannten Kalten Pest zum Opfer, das sind 1,9 Prozent. In den Vorstädten Au, Haidhausen und Giesing sterben 781 von 21.000 Bewohnern, das ist mit 3,7 Prozent eine fast doppelt so hohe Sterbequote.

Kinder, Frauen und ältere Menschen machen die Mehrzahl der Opfer aus. In München liegt der Anteil der Frauen bei 45,7 Prozent, der der Kinder unter zehn Jahren bei 19,7 %. In den Vorstädten liegt die Sterblichkeit bei den Frauen bei 39,5 und bei den Kindern bei 25,2 Prozent. An der Cholera sterben stets mehr Frauen als Männer. Das liegt daran, dass Frauen immer einer größeren Infektionsgefahr ausgesetzt sind, da sie die Kranken versorgen und die Wäsche waschen. Während der Anteil der über 60-jährigen Opfer in der Stadt München fast 27 Prozent beträgt, sind es in den Vorstädten „nur“ 17,7 Prozent. Das liegt aber an der sowieso wesentlich geringeren Lebenserwartung.

In Haidhausen wird fast kein Haus von der Cholera verschont. Hier liegt die Sterbequote bei 4,8 Prozent. Darunter sind 57 Mütter und 42 Väter, wodurch 102 Kinder einen Elternteil verlieren. Zwanzig Kinder werden zu Vollwaisen.

Von den in der Strafanstalt in der Au einsitzenden 541 Häftlingen sterben 63, gleich 11,6 Prozent.

1. Oktober 1854

München-Au - München-Haidhausen - München-Giesing * Eingemeindung nach München 

  • der Vorstadt Au mit den Gemeindeteilen Niedergiesing und Nord-Falkenau,
  • die selbstständige Gemeinde Haidhausen und
  • die Gemeinde Giesing mit den Gemeindeteilen Obergiesing, Lohe, südliche Falkenau, Pilgersheim, Birkenleiten, Siebenbrunn, Hellabrunn, Harlaching, Soyerhof, Stadelheim und Menterschweige. 

Dadurch erhöht sich die Bevölkerungszahl Münchens um 20.662 Einwohner. Davon kommen aus der Au 10.840, aus Haidhausen 6.273 und aus Giesing 3.549 Menschen. Damit wächst zusammen, was zusammen gehört, den die Bewohner der drei Vorstädte gehörten schon immer „funktional“ nach München.

Die Au ist zu diesem Zeitpunkt die zehntgrößte Stadt des Königreichs Bayern. Der Burgfrieden von München, der sich durch Korrekturen seit dem Jahr 1724 von 1.593 Hektar auf rund 1.700 Hektar erweitert hat, verdoppelt sich nahezu. Mit der Au [87 ha], Haidhausen [296 ha] und Giesing [1.287 ha] vergrößert sich das Stadtgebiet um weitere 1.670 Hektar. Wegen der noch grassierenden Cholera-Epidemie erfolgt der Eingemeindungsakt ohne großes Aufsehen.

1. Oktober 1854

München-Au * Mit der Eingemeindung der Vorstädte Au, Giesing und Haidhausen kommt das Auer Leihhaus in der Lilienstraße 79 unter städtische Verwaltung. 

2. Oktober 1854

München * Die Cholera-Epidemie wird in der Neuen Münchener Zeitung offiziell für erloschen erklärt. An die Bevölkerung wird appelliert, auch weiterhin die empfohlenen Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, da die Krankheit noch längere Zeit vereinzelt auftreten kann.

3. Oktober 1854

München-Graggenau * Aus Dankbarkeit für die Abwendung der Cholera versammeln sich „zahllos die Andächtigen jeden Standes, Geschlechts und Alters um die im schönsten Blumenschmuck prangende Mariensäule“ am Schrannenplatz. Ein „Verein hiesiger Bürger“ hatte dazu bereits am 29. September eingeladen, „um Gott den Herrn für die Errettung aus dieser großen Drangsal die innigsten Dankgebete darzubringen“.

14. Oktober 1854

München * Das Komitee zur Beschließung von Maßnahmen gegen die epidemische Brechruhr [= Cholera] hält seine letzte Sitzung ab.

17. Oktober 1854

München-Kreuzviertel * Nachdem König Max II. mit seiner Familie wieder nach München zurückgekehrt war, musste auf seinen Befehl hin nochmals ein Dankgottesdienst zur Überwindung der Cholera in der Frauenkirche abgehalten werden. Hierzu haben alle Beamten in ihrer Uniform zu erscheinen.

20. Oktober 1854

München-Graggenau * Der Stadtmagistrat teilt der Öffentlichkeit mit, dass „der bisherige Schrannenplatz dahier fernerhin 'Marienplatz' genannt werden dürfe“.

26. Oktober 1854

München-Graggenau * Die Königinmutter Therese stirbt an der Cholera. Ihre Grabstätte befindet sich heute in der Basilika Sankt Bonifaz in München. 

28. Oktober 1854

München - Darmstadt * Der Ex-König Ludwig I. reist in Begleitung seiner Tochter, der Großherzogin Mathilde von Hessen, und seinem Sohn Adalbert mit dem Eilzug nach Darmstadt. Er will scheinbar bei der Bestattung seiner evangelischen Frau Therese in der Theatinerkirche einen möglichen Eklat ausweichen, wie er sich 1841 bei Königin Caroline ereignet hat.

30. Oktober 1854

München-Graggenau * Der Schrannenplatz wird in Marienplatz umbenannt. 

31. Oktober 1854

München-Kreuzviertel * Die evangelische Ex-Königin Therese wird vorübergehend in der Gruft der Theatinerkirche beigesetzt.

8. Dezember 1854

Vatikan * Papst Pius IX. verkündet das dritte Marianische Dogma, das besagt: „Maria hat unbefleckt empfangen.“  Es geht darum, dass bereits Maria ohne Erbsünde geboren worden ist.  

Damit entscheidet das Oberhaupt der katholischen Kirche einen Jahrhunderte alten theologischen Streit. Doch nicht nur der Inhalt des Dogmas erregt Aufsehen, sondern auch die Tatsache, dass der Papst diese Entscheidung ohne ein Konzil und damit völlig eigenmächtig getroffen hat. Dogmen gelten in der katholischen Kirche als geoffenbarte Glaubenswahrheit und sind deshalb für alle Katholiken verbindliche und unumstößliche Glaubenssätze.  

Ignaz von Döllinger und viele deutsche Theologen sind entsetzt über dieses Dogma. Döllinger kann aber weder in der Heiligen Schrift noch in der Überlieferung der alten Kirche etwas auffinden, das diesen Glaubenssatz gerechtfertigten würde. Die Münchner theologische Fakultät rät dem Papst jedenfalls in einem Gutachten von diesem Schritt eindringlich ab. Ignaz von Döllinger hält sich dabei noch zurück. 


1855

1855

München-Maxvorstadt * Der nördliche und der südliche Eckbau des „Bazargebäudes“ wird um ein Stockwerk erhöht. 

Zuvor war nur der Mittelbau dreigeschossig. 

Bis April 1855

München * Die „Cholera“ tritt in München sporadisch immer wieder auf.

Bis zu ihrem endgültigen Verschwinden kostet sie 3.082 Menschen das Leben.


1856

1856

München-Maxvorstadt * Der Ex-König Ludwig I. bestimmt die „Sankt-Bonifaz-Kirche“ zur „Grabkirche“.

3. Januar 1856

München-Kreuzviertel * Das unbestreitbar erste große Kaffeehaus Münchens mit einer aufwändigen Ausstattung ist das Café Probst an der Neuhauser Straße. Es befindet sich von 1856 bis 1903 an der Stelle des heutigen Kaufhauses Oberpollinger. Zur Eröffnung vermerkt der Münchner Stadtchronist: „[...] viel bewundert wurden [...] die Schnitzereien des Buffetts und die Oelgemälde im Billardsaale, die Szenen aus dem Caféhaus-Leben darstellten.“  

Gewölbte und glasgedeckte Raumkompartimente, getrennt durch Säulen und Karyatiden, wechseln sich ab; Stuckornamente überziehen die Wände. König Ludwig I. soll bei der Besichtigung geäußert haben: „Was, was! Stuck! So viel Stuck! Was bleibt mir dann noch für meine Kirchen!“ 

Der Vergleich zu den kargen Kaffeestuben macht das Aufsehen, welches das Café Probst erregt, nachvollziehbar. Dabei hat König Ludwig I. angeblich bezweifelt, „dass ein so nobles Kaffeehaus sich halten kann“

16. August 1856

Sydney * Lola Montez kommt mit ihrem Ensemble in Sydney an. 

23. August 1856

Sydney * Lola Montez tritt mit „Lola Montez in Bavaria“ im überfüllten Victoria Theatre in Sydney auf. Diese höchst erfolgreiche Sensationsstory führt die Señora zu weiteren großen Erfolgen in den Weiten des australischen Kontinents. 


1857

1857

München-Haidhausen * Aus Dankbarkeit von der „Cholera“ verschont worden zu sein, lassen die „Frauen vom guten Hirten“ in Haidhausen eine aus Stein gehauene Madonna in ihrem Garten aufstellen.

9. April 1857<p><strong><em>München-Maxvorstadt</em></strong> * Der Sarkophag des Ex-Königs Ludwig I. wird noch zu seinen Lebzeiten in der Sankt-Bonifaz-Kirche&nbsp;aufgestellt.</p>
14. Juli 1857

Berlin * König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen erleidet mehrere Schlaganfälle, wodurch auch sein Sprachzentrum in Mitleidenschaft gezogen wird. Er wird von seinem Bruder Prinz Wilhelm vertreten. 

26. Juli 1857

San Francisco * Lola Montez ist wieder in San Francisco. Von dort reiste sie nach New York weiter, wo sie sich auf ihre nächste Karriere als Vortragsreisende vorbereitet. 

September 1857

Sacramento * Lola Montez tritt in der „Goldgräbersiedlung“ Sacramento auf.

Sie fühlt sich in der Gesellschaft der „rauen Gesellen“ wohl, die sich gerne in der Rolle der „Beschützer“ sehen. 

15. September 1857<p><strong><em>München-Kreuzviertel - Hackenviertel</em></strong> * Gegen 22:30 Uhr explodiert das rechts am Haupttorturm des Karlstores anschließende Haus des Eisenhändlers Rosenlehner. Auf dem Anwesen war Schwarzpulver gelagert, das detoniert. Bei diesem Unglück kommen fünf Menschen ums Leben, das Haus wird&nbsp;völlig zerstört und der Turm in seinen Grundfesten so stark erschüttert, dass er anschließend abgetragen werden muss.&nbsp;</p>
17. Oktober 1857

Sacramento - Grass Valley * Lola Montez steht letztmals in Kalifornien auf der Bühne. 

26. Oktober 1857

München-Großhesselohe * Die elegante Großhesseloher Brücke, die das tief eingeschnittene Isartal überquert und die Bahnverbindung über Holzkirchen nach Rosenheim weiterführt, wird eröffnet. 

31. Oktober 1857

München-Großhesselohe * Der 62,9 Kilometer lange Eisenbahn-Streckenabschnitt von dem Belustigungsorte Hesselohe bis Rosenheim ist fertiggestellt.  

November 1857

New York * Lola Montez fährt mit dem Dampfschiff „Orizaba“ nach New York zurück. 


1858

11. Februar 1858

Lourdes - Rom-Vatikan * In den Auseinandersetzungen um das Dogma der unbefleckten Empfängnis erscheint dem Bauernmädchen Bernadette Soubirous in einer Felsengrotte bei Lourdes eine „schöne weiße Dame“, die sich als „die unbefleckte Empfängnis“ betitelt.

Aus der Sicht von Papst Pius IX. gerade im richtigen Moment. Umgehend wird der Ort der Erscheinung zum Wallfahrtsort erhoben. 

5. August 1858

Rosenheim - Kufstein * Die 31,9 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Rosenheim bis zur Grenze bei Kufstein ist fertiggestellt. 

7. Oktober 1858

Berlin * Nachdem die Stellvertretung des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. durch seinen Bruder Prinz Wilhelm von Preußen dreimal verlängert worden ist, unterzeichnete der kranke König die Regentschaftsurkunde für Wilhelm I., der damit die Funktion des Prinzregenten übernimmt. 

3. November 1858

München - Landshut * Auf den Vorarbeiten der staatlichen Eisenbahn-Commission aufbauend, kann die Landshuter Linie eröffnet werden. Die Landshuter Allee erinnert noch heute an die ursprüngliche Trassenführung. 


1859

1859

London * Lola Montez hält sich in London auf.

Im Laufe des Jahres 1859

München * König Max II. beendet seine sämtlichen Versuche, die „Verfassung“ zu verschlechtern.  

Sie scheitern an der hohen Hürde der „Dreiviertelmehrheit“, die in „Titel X Artikel 7 der Verfassungsurkunde des Jahres 1818“ festgelegt worden war.  

Der angebliche Leitspruch Königs Max II.: „Ich will Frieden haben mit meinem Volk!“ trat damit tatsächlich ein.  
Der König erkennt die Unmöglichkeit der „Verfassungsänderung“ gegen den Willen der bayerischen Bevölkerung. 


1860

7. Mai 1860

Rosenheim - Traunstein * Die 53,3 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Rosenheim bis nach Traunstein ist fertiggestellt. 

30. Juni 1860

New York * Lola Montez erleidet einen Schlaganfall, ist linksseitig gelähmt und kann nicht mehr sprechen. 

1. August 1860

Traunstein - Salzburg * Die 29,5 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Traunstein bis zur Grenze bei Salzburg ist fertiggestellt. 

12. August 1860

München - Salzburg * Die in fünf Teilabschnitten erbaute und insgesamt 188 Kilometer lange Eisenbahn-Strecke von München nach Salzburg kann erstmals befahren werden. Ab Salzburg führt die Bahnlinie weiter nach Wien.

Kaiser Franz Joseph I. von Österreich trifft aus Wien mit der k.k. privilegierten Kaiserin-Elisabeth-Bahn ein, König Max II. von Bayern in Salzburg in seinem Hofzug an. Der bayerische Zug wird von zwei Maffei-Lokomotiven gezogen.

Mit dieser Zugverbindung liegt München genau zwischen den zwei großen europäischen Metropolen Wien und Paris. 

15. Dezember 1860

München * Erstmals erklingt die „Bayernhymne“,  intoniert von den Mitgliedern der Münchner Bürger-Sänger-Zunft. Die Melodie in G-Dur geht angenehm ins Ohr und hat deshalb großen Anteil an der Popularität der „Bayernhymne“

  • Komponiert hat die Melodie Konrad Max Kunz, der Chordirigent der Königlichen Hofoper.
  • Den Text der „Bayernhymne“ verfasste der wegen kritischer Artikel im Visier der Obrigkeit stehende Lehrer Michael Öchsner. 

1861

1861

München - Starnberger See * Der bayerische Staat erwirbt die Eisenbahn-Strecke zum Starnberger See von Ulrich Himbsel. 

1861

München * Der sogenannte „Matrikelzwang“ wird aufgehoben.

Den jüdischen Mitbürgern ist damit die Ansiedelung in München ohne Beschränkung möglich.

1861

München-Graggenau * Kopien der verschenkten „Moriskentänzer“ werden im „Festsaal des Alten Rathauses“ zur Aufstellung gebracht. 

2. Januar 1861

Berlin * Ein letzter Schlaganfall setzt den Leiden des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. im Schloss Sanssouci ein Ende. 

17. Januar 1861

New York * Einen Monat vor ihrem 40. Geburtstag stirbt Lola Montez. Ein kurzes, aber ereignisreiches Leben ist damit zu Ende. 

27. April 1861

München * Prinz Otto wird an seinem 13. Geburtstag von seinem Vater zum „Unteroffizier“ ernannt. 

18. Oktober 1861

Königsberg * Prinzregent Wilhelm I. von Preußen krönt sich im Königsberger Schloss zum König von Preußen. 


1862

1862

München * In München gibt es noch 2.298 Rinder und rund 4.500 Hunde.

1862

München - Wien * Der bayerische Staat gibt seinen gesamten Schifffahrtsbesitz an der Donau an die Wiener „Donau-Dampfschiffahrtsgesellschaft“ ab.

24. September 1862

Berlin * Der Preußische Gesandte in Paris, Otto von Bismarck, wird zum Preußischen Ministerpräsidenten ernannt. Bismarck ist als hochkonservativ und als „personifizierte Konterrevolution“ gefürchtet.

Er verspricht König Wilhelm I. die Stabilisierung der königlichen Macht und die Niederwerfung der liberalen Parlamentsherrschaft. Ihm geht es aber um mehr. Bismarck versteht seine Ministerpräsidentschaft nur als Mittel zur Erreichung eines höheren Zieles. Er will die Oberherrschaft [= Hegemonie] Preußens in Deutschland - auf Kosten Österreichs. 

22. Oktober 1862

Athen * Während das griechische Königspaar durch Griechenland reist, wird das Athener Schloss von Aufständischen gestürmt und König Otto für abgesetzt erklärt. 

23. Oktober 1862

Athen * König Otto von Griechenland muss auf den griechischen Thron verzichten und nach Bayern zurückkehren.

30. Oktober 1862

München-Maxvorstadt * Die Propyläen am Königsplatz werden für den Publikumsverkehr freigegeben. Das ist exakt eine Woche, nachdem König Otto von Griechenland abdanken musste. 

2. November 1862

München-Graggenau * Der abgesetzte König Otto von Griechenland trifft mit seiner Gemahlin Amalie in München ein. Sie wohnen hier zunächst in der Residenz. 

29. November 1862

Weißenburg * Gustav von Kahr wird in Weißenburg geboren. 


1863

1863

München * Die Ernennung zum „Adeligen lebenslänglichen Reichsrat der ersten Kammer des Landtags“ durch König Max II. ist der Höhepunkt der politischen Karriere von Joseph Anton von Maffei.

Damit gehört er dem höchsten bayerischen Gremium an und sitzt an der Spitze der Entscheidungsträger. 
Dieses politische Engagement verschafft dem Geschäftsmann und dem gesamten „Geldadel“ seiner Zeit einen massiven Informationsvorsprung. 

Mit diesem Insider-Wissen ist es vergleichsweise einfach, sein Geld in gewinnbringende Projekte und Immobiliengeschäfte zu investieren.
Von der „Karmelitenbrauerei“ in Regensburg über das „Gut Weichs“ bei Ohlstadt zu einer „Villa in Feldafing“ und einem weiteren Großanwesen in der Nähe von Iffeldorf, das „Gut Staltach“.

1863

München * Die Seidenraupe ist in Bayern nahezu verschwunden.

20. März 1863<p><strong><em>Athen</em></strong> * Die griechische Nationalversammlung wählt auf Empfehlung Englands den 17-jährigen Prinzen Wilhelm Georg von Dänemark zum neuen König.&nbsp;Er wird als Georgios I. gekrönt.&nbsp;</p>
23. Mai 1863

Leipzig * In Leipzig wird der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein - ADAV gegründet und Ferdinand Lassalle zum Präsidenten gewählt. 

6. Juni 1863

Bamberg * Die ehemalige fürstbischöfliche Residenz in Bamberg wird der neue Wohnsitz für das abgesetzte griechische Königspaar Otto und Amalie. 

13. Juli 1863

Wien * Die Hauptstreitmacht der Osmanen steht vor Wien. 

10. November 1863

München * Mit einem Hirtenbrief forderte Erzbischof Gregorius von Scherr die immer radikaler agierenden Haberer auf, „von einem Thun und Treiben abzulassen, das gegen die Grundsätze der Religion, der bürgerlichen Ordnung und aller Sittlichkeit verstößt“


1864

1864

München-Isarvorstadt * Das Haus in der Reichenbachstraße 13, in dem sich heute die „Deutsche Eiche“ befindet, wird erbaut.

27. Januar 1864

München * Leo von Klenze stirbt in München. 

März 1864

Augsburg * Eine Gruppe Augsburger Arbeiter tritt dem 1863 in Leipzig gegründeten „Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein - ADAV“ bei.

Damit beginnt in Bayern die Geschichte der „Sozialdemokratie“, denn der „ADAV“ ist die erste selbstständige deutsche Arbeiterpartei.

1. März 1864

München * Prinz Otto wird zur militärischen Ausbildung ins Kadettenkorps eingeführt. 

10. März 1864<p><strong><em>München - München-Kreuzviertel</em></strong> * König Max II. stirbt nach kurzer Krankheit. &nbsp;Seine Grabstätte befindet sich in der Fürstengruft&nbsp;der Theatinerkirche&nbsp;in München.</p> <p>Ihm folgt sein&nbsp;18-jähriger Sohn&nbsp;Ludwig II. auf dem Thron. Er wird noch am gleichen Tag zum König proklamiert.</p>
11. März 1864

München * Nach dem Tod seines Vaters, König Max II., wird Kronprinz Ludwig II. zum König der Bayern. Um 10 Uhr vormittags leistet er seinen Eid auf die Verfassung.

21. April 1864

Erfurt * Max Weber, der spätere Soziologe, Ökonom, Jurist, Historiker und politische Analyst, wird - in großbürgerlichen Verhältnissen - in Erfurt geboren. 

26. Mai 1864

München * Prinz Otto wird von seinem Bruder - König Ludwig II. - zum Oberleutnant befördert. 

11. Juni 1864

München-Hackenviertel * Der Komponist Richard Strauss wird in München geboren. 

25. August 1864

München-Isarvorstadt * Der Grundstein für das Münchner Volkstheater, dem späteren Gärtnerplatz-Theater wird gelegt.


1865

Seit 1865

München * An den bayerischen „Hochschulen“ werden „Lehrstühle für Hygiene“ eingerichtet.

1865<p><em><strong>Augsburg</strong></em> * Arbeiter einer Augsburger Textilfabrik wenden sich an König Max II. mit der Bitte um Verkürzung der täglichen Arbeitszeit um eine Stunde. Begründet wird die Bitte damit, dass zahlreiche&nbsp;Arbeiter in den umliegenden Dörfern wohnen.&nbsp;</p> <p><em>„Um nun rechtzeitig an ihrer Arbeit einzutreffen, sind diese Arbeiter genötigt, morgens um drei&nbsp;Uhr aufzustehen. Um fünf Uhr morgens beginnt diese Arbeit und dauert bis abends sieben Uhr. Bis die Arbeiter nach Hause kommen, wird es neun Uhr und bis sie zur Nacht gegessen und die Ruhestätte aufsuchen können, wird es zehn Uhr. So bleibt diesen Arbeitern, wovon die Hälfte nKinder und Weibspersonen sind, nur fünf Stunden zur nötigen Ruhe.“</em></p>
2. August 1865

München * Münchens erste öffentliche Toilette wird von der ersten städtisch bestallten Abortwärterin eröffnet. Zu ihren Aufgaben gehört es: „streng die angeordnete Scheidung der Geschlechter bei Benutzung der Abtritte zu überwachen und allen den Abtritt benützenden Personen mit Höflichkeit entgegenzukommen“.

10. Dezember 1865

München * König Ludwig II. will erstmals zugunsten seines Bruders abdanken und sich zu Richard Wagner in die Schweiz begeben. 

24. Dezember 1865

USA * Der amerikanische „Ku-Klux-Klan“ wird gegründet. Sein Ziel ist vor allem die Unterdrückung der Schwarzen. Es handelt sich um einen paramilitärischen Geheimbund im Süden der Vereinigten Staaten von Amerika, der seine politischen Ziele mit rücksichtslosem Terror durchsetzen will.

Seine Gewalttaten richten sich zunächst gegen Schwarze und deren Beschützer sowie gegen die zahlreichen ehemaligen Nordstaatler, die vom Wiederaufbau des Südens profitieren wollen. 


1866

30. Januar 1866

München * Weil das anno 1826 fertigestellte jüdische Gotteshaus an der Westenriederstraße - mit seinen 160 Männer- und 160 Frauen- Betplätzen - bald aus allen Nähten zu platzen droht, bittet der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde den Münchner Stadtmagistrat um finanzielle Unterstützung für den Bau einer größeren Synagoge.

16. Februar 1866

München * In einem Hirtenbrief droht Erzbischof Gregorius von Scherr den immer radikaler agierenden Haberern den Kirchenbann an. Die Herausgabe der Hirtenbriefe wird von den Regierungsstellen einhellig begrüßt. 

27. April 1866

München * Prinz Otto erreicht seine Volljährigkeit mit Vollendung seines 18. Lebensjahres. Damit steht ihm ein eigener Hofstaat, eine Apanagenvon 80.000 Gulden und eine Beförderung zum Hauptmann im Infanterie-Leib-Regiment zu. 

1. Mai 1866

München * Prinz Otto tritt in den aktiven Militärdienst ein. 

9. Mai 1866

München * Der bayerische Ministerrat beantragt beim König die Mobilmachung. Ludwig II. will daraufhin zugunsten seines Bruders Otto abdanken. 

10. Mai 1866

München - Königreich Bayern * Die Mobilmachung der bayerischen Armee wird ausgerufen. Da das bayerische Heer nicht für den Krieg vorbereitet ist, dauert es bis zum 22. Juni, bis die Truppen in die vorgesehenen Standorte eingerückt sind. Inzwischen sind die Preußen bereits in Böhmen eimarschiert. 

27. Mai 1866

München-Graggenau * König Ludwig II. eröffnete den 22. Landtag im Thronsaal der Residenz. Er will zur Eröffnung des Landtags eine Rede zu halten, in der er  

  • Bayerns Eintreten für ein frei gewähltes Parlament befürwortet,  
  • die Volksbewaffnung anstelle eines stehenden Heeres empfiehlt und  
  • die Militärgerichtsbarkeit abschaffen will.  

Der Bayerische Ministerrat kann gerade noch rechtzeitig die eindeutig auf Richard Wagner zurückgehenden radikaldemokratischen Vorschläge aus der Thronrede streichen.

14. Juni 1866

Wien - München - Berlin * Nachdem Preußen Holnstein wiederbesetzt und damit den Bundesfrieden bricht, unterstützt das Königreich Bayern den Antrag Österreichs auf Bundesexekution gegen Preußen. 

Um den 16. Juni 1866

Roseninsel • König Ludwig II. verbringt diese für Bayern schwierigen Tage mit seinem Adjudanten Paul Fürst von Thurn und Taxis auf der Roseninsel im Starnberger See, wo er „zu seiner Zerstreuung Feuerwerke abbrennen ließ und bei künstlichem Mondschein Vergessen suchte“

16. Juni 1866

Wien - München - Berlin • Der Deutsche Bund beschließt den Krieg gegen Preußen. 

22. Juni 1866

München * Mobilmachung der bayerischen Truppen gegen Preußen. 

24. Juni 1866

Bamberg * König Ludwig II. besucht die bayerischen Truppen in Bamberg. 

30. Juni 1866

München * Für die Polytechnische Schule wird der Grundstein gelegt. 

18. Juli 1866

München • König Ludwig II. will unter dem Eindruck des verlorenen Krieges erneut zurücktreten. Bereits am 9. Mai, als er vom Ministerrat zur Mobilmachung aufgefordert worden war, äußerte er erstmals Rücktrittsabsichten. 

1. August 1866

Nürnberg * Die preußische Armee besetzt Nürnberg.

2. August 1866

??? * Der Waffenstillstand zwischen dem Königreich Preußen und dem Königreich Bayern wird geschlossen. 

16. August 1866

München * Die Freiwillige Feuerwehr München wird gegründet. 180 Münchner lassen sich als Mitglieder einschreiben. Arnold Zenetti umgehend zum ersten Vorsitzenden bestimmt. Viele Neuerungen im gesamten Löschwesen lassen sich von da an auf ihn zurückführen. Darunter fällt beispielsweise die Installierung der damals hochmodernen telegraphischen Feuermeldestationen. 

22. August 1866

??? * Bayern macht seinen Frieden mit Preußen. Das Königreich Bayern muss 30 Millionen Gulden zahlen, verliert Land und verpflichtet sich in einem Geheimvertrag, in einem künftigen Kriegsfall mit seinen Truppen an Preußens Seite zu kämpfen. 

23. August 1866

Prag - Wien - Berlin - München * Mit dem Frieden von Prag drängt Preußen Österreich aus Deutschland. Außerdem annektiert Preußen die umstrittenen Elbherzogtümer Holstein und Lauenburg, das Königreich Hannover, das Herzogtum Nassau und das Kurfürstentum Hessen-Kassel sowie die Freie Stadt Frankfurt am Main.

Geblieben ist ein Bundesstaat mit 15 Klein- und Mittelstaaten nördlich der Mainlinie, der politisch, wirtschaftlich und militärisch im Norddeutschen Bund von Preußen dominiert wird. Eine sonderbare staatsrechtliche Konstruktion, die keinen langen Bestand haben wird.

Der Norddeutsche Bund erhält ein eigenes Parlament. Seine Verfassung nimmt bereits die des 1870/71 begründeten Deutschen Reiches vorweg.

31. August 1866

München-Kreuzviertel * Obwohl ihn die Verfassung dazu nicht zwingt, legt König Ludwig II. den Friedensvertrag dem Landtag vor. Nach einer teilweise hitzigen Debatte wird der bayerisch-preußische Friedensvertrag schließlich von beiden Kammern gebilligt. 

An diesem Tag werden sowohl der Friedensvertrag als auch das geheime Schutz- und Trutzbündnis unterzeichnet, das Bayern verpflichtet, Preußen im Fall des Angriffs einer auswärtigen Macht durch die Unterstellung der bayerischen Armee unter preußischem Oberbefehl zu unterstützen. 

31. Dezember 1866

München-Graggenau * Prinz Otto fühlt sich bei einer Teegesellschaft seiner Mutter grundlos provoziert und fordert eine dritte Person zum Duell. König Ludwig II. schließt eine eventuelle Thronfolge seines Bruders aus. 


1867

1867

München-Lehel * Erst mit dem „Topographischen Atlas“ liegt ein Nachfolgewerk von Philipp Apians Baiernkarte aus dem Jahr 1563 vor.

1867

München-Isarvorstadt * Friedrich Brugger erschafft das „Leo-von-Klenze-Denkmal“ am Gärtnerplatz. 

26. Juli 1867

Bamberg - München-Kreuzviertel * Otto, der ehemalige König von Griechenland, stirbt in Bamberg. Er wird in der Fürstengruft der Theatinerkirche beigesetzt.

Prinz Ludwig, der spätere König Ludwig III. von Bayern, verzichtet auf den griechischen Thron. 


1868

20. Februar 1868

Wien * Prinz Ludwig III., der spätere Prinzregent und König, heiratet Marie Therese, Erzherzogin von Österreich-Este und Prinzessin von Modena, in Wien.

29. Februar 1868

Nizza * Der Ex-König Ludwig I. stirbt in Nizza. Seine Grabstätte befindet sich in der Basilika Sankt Bonifaz in München. 

29. April 1868

München * Prinz Otto wird durch seinen Bruder König Ludwig II. in den Ritterorden vom Heiligen Georg, dem Hausorden der Wittelsbacher, aufgenommen. 

Um den Dezember 1868

Berlin • Helmuth von Moltke, der Chef des preußischen Generalstabs, beginnt bereits im Winter 1868/69 mit den konkreten und detaillierten Planungen für die kriegerische Auseinandersetzung mit Frankreich. Wichtig ist  ihm dabei, dass der Krieg nicht lange dauern darf. Schnelligkeit zählen neben zahlenmäßiger Überlegenheit und guter Bewaffnung zu den wichtigsten Voraussetzungen eines modernen Krieges. 

19. Dezember 1868

Maxvorstadt * Die Polytechnische Schule an der Arcisstraße wird eingeweiht. 


1869

1869

München * Mit der Einführung der neuen „Gemeindeordnung“ wird auch Bayerns Hauptstadt aus der Vormundschaft des Staates entlassen und die Stadt mit allen erforderlichen organisatorischen und finanziellen Kompetenzen ausgestattet.

27. April 1869

München-Kreuzviertel * Prinz Otto wird in die „Kammer der Reichsräte“ eingeführt. 

29. April 1869

München * Meter und Kilogramm werden als einheitliche Maße eingeführt. 

Juni 1869

München-Maxvorstadt * Die erste Münchner Gruppe des „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins - ADAV“ gründen die „Schriftsetzer“ Leonhard Tauscher und Robert Neff in der „Nordendhalle“ in der Schellingstraße. 

1. Juli 1869

München * Die Bayerische Vereinsbank öffnet erstmals ihre Schalterhalle. Die ersten Geschäfte werden noch in Bayerischen Gulden abgewickelt. 

27. Juli 1869

USA * Amos Tyler aus Ohio erhält das erste Kaugummi-Patent zugesprochen. 

1. August 1869

München * Die erste sozialdemokratische Zeitung „Der Proletarier - Sozialdemokratisches Arbeiterwochenblatt“ in Bayern erscheint. 

9. Dezember 1869

München-Graggenau * Die Königlichen Appartements Ludwigs II. im Pavillon des Hofgartentrakts der Residenz werden fotografiert. 


1870

1870

USA * Der amerikanische Ku-Klux-Klan wird aufgelöst. 

14. Juli 1870

Paris * In der französischen Zeitung Soir erscheint Otto von Bismarcks Pressemitteilung zur Emser Depesche am französischen Nationalfeiertag, abends um 18:30 Uhr. Durch den brüsken Ton der Depesche fühle sich Frankreich tief gedemütigt.

Der Ministerrat beschließt am Abend die Mobilmachung. Das bedeutet Krieg.

15. Juli 1870

Ems - Berlin * Der Preußenkönig Wilhelm I. beendet seinen Kururlaub in Ems und reist über Potsdam nach Berlin. Er wird von einer jubelnden Bevölkerung empfangen. Der König erlässt die Mobilmachungsorder für Preußen. 

15. Juli 1870

Karlsruhe * In Karlsruhe, der Hauptstadt des Großherzogtums Baden, ergeht der Befehl zur Mobilmachung.

16. Juli 1870

??? • Die erste Ansichtskarte wird verschickt. Eine Seite der Karte trägt eine Holzschnittvignette, ein Artilleriebildchen. Die Ansichtsseite ist nicht vollständig bedruckt. Den bis dahin kursierenden „Correspondenzkarten“ zur rein schriftlichen Kommunikation ist damit ein entscheidendes Motiv hinzugefügt worden. 

16. Juli 1870

Norddeutscher Bund • Einen Tag nach der Mobilmachung beginnen die Truppentransporte. Dazu werden die Bahnstrecken für den zivilen Verkehr gesperrt. 

16. Juli 1870

London * In der Londoner Times kann gelesen werden: „Über das eine kann gegenwärtig kein Zweifel herrschen, dass aller Welt Sympathien sich jetzt dem angegriffenen Preußen zuwenden. Napoleon hat. sich zu einer unpolitischen und verbrecherischen Tat hinreißen lassen, die Gedanken des ersten Kaiserreichs scheinen der Fluch des zweiten zu werden. […] Wehe dem Kaiser, wenn seine Soldaten eine Schlappe oder gar eine Niederlage erleiden sollten.“ 

16. Juli 1870

München - Berlin * Da für die bayerische Regierung der Bündnisfall gegenüber Preußen eingetreten ist, befiehlt König Ludwig II. die Mobilmachung. 

18. Juli 1870<p><em><strong>Rom-Vatikan</strong></em> • Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil wird die Unfehlbarkeit des Papstes verkündet. Von dem umstrittenen Dogma wird nur einmal Gebrauch gemacht.&nbsp;</p>
19. Juli 1870

Rhein - Saar - Mosel * Im Grenzgebiet an Rhein, Saar und Mosel kommt es zu ersten Scharmützeln zwischen vorgeschobenen Kavallerie-Patrouillen. 

19. Juli 1870

Paris - Berlin • Die französische Kriegserklärung trifft in Berlin ein. Kaiser Napoleon III. tritt die Flucht nach vorne an und erklärt - überstürzt und ohne außenpolitische Rückendeckung - Preußen den Krieg. „Nach Berlin!“ heißt der Schlachtruf und Marschall Leboeuf erklärt: „Frankreich ist bereit. Die preußische Armee existiert nicht. Ich kenne sie nicht!“

Da nun aber Preußen der angegriffene Staat ist, werden - für Frankreich völlig unerwartet - die süddeutschen Länder Bayern, Baden und Württemberg als Verbündete Preußens mit in den Krieg ziehen. 

20. Juli 1870

München - Berlin * König Ludwig II. telegrafiert seinem Vetter, dem Preußenkönig Wilhelm I.: „Mit Begeisterung werden Meine Truppen an der Seite ihres ruhmreichen Bundesgenossen für deutsches Recht und deutsche Ehre den Kampf aufnehmen.“ 

23. Juli 1870

Pfalz • Die Züge mit den Truppentransporten rollen in die Pfalz und an den Rhein. 

25. Juli 1870

Frœschwiller • In Schirlenhof, in der Nähe von Frœschwiller im Elsass, gab es auf beiden Seiten die ersten Gefallenen im Deutsch-Französischen Krieg. 

30. Juli 1870

Pfalz * Der preußische Kronprinz Friedrich vertraut seinem Kriegstagebuch seine Eindrücke über die bayerischen Truppen an: „Das preußische Auge freilich muss man ablegen, weil hier eben alles anders ist als bei uns, auch Schwerfälligkeit und auffällige Beleibtheit bereits unter den jüngeren Altersklassen vorwalten.“ 

1. August 1870

Stürzelbronn * In der Nähe der elsässischen Ortschaft Stürzelbronn stößt deutsche Kavallerie überraschend auf französische Truppen. Die Deutschen müssen sich unter heftigem Feuer zurückziehen. Herrmann Weihnacht vom bayerischen 5. Chevaulegersregiment nimmt dabei einen preußischen Husaren, der sein Pferd verloren hat, mit auf das seine und bewahrt ihn so vor Gefangenschaft. 

1. August 1870

Deutschland - Frankreich * Die Deutschen können den etwa 265.000 französischen Soldaten etwa 500.000 Mann gegenüberstellen. Zielstrebig setzen die Deutschen die Eisenbahn zum Transport der Truppen und der Geschütze ein. 

2. August 1870

Saarbrücken * Frankreichs Armee greift mit drei Divisionen Saarbrücken an und kann dieses kurzfristig besetzen. Doch dann ziehen sich die französischen Truppen wieder zurück. 

3. August 1870

Pfalz - Saarland • 460.000 Mann stehen in ihren Aufmarschplätzen in der Pfalz und im Saarland bereit. 

4. August 1870

Weißenburg • Die ersten Kampfhandlungen zwischen deutschen und französischen Truppen beginnen bei der elsässischen Grenzstadt Weißenburg. Erstmals tritt hier ein gesamtdeutsches Heer auf. Nach der Einnahme Weißenburgs wenden sich die Deutschen den französischen Stellungen auf dem Geisberg zu, auf dem sich auf halber Höhe das Schloss Geisberg befand, in welchem der französische General Abel Douay sein Hauptquartier eingerichtet hatte, sowie oben auf dem Berg ein Gehöft mit dem Namen Schafbusch.

Die französischen Truppen sind zwischen den beiden Gebäuden verteilt. Der Großteil der deutschen Truppen wird auf das Schloss Geisberg konzentriert. Die Franzosen sind im Schloss und in den Gebäuden allerdings gut verschanzt. Dadurch muss die Erstürmung des Geisbergs mit vielen Opfern bezahlt werden. Den Sieg in der Schlacht haben die Deutschen ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit zu verdanken. Scheinbar ist der französische General Douay auf die Schlacht nicht ausreichend vorbereitet. Die Verluste sind auf beiden Seiten erheblich. So gibt es auf deutscher Seite 700 Tote, Verwundete und Gefangene, auf französischer Seite waren es über Tausend, darunter General Abel Douay. 

5. August 1870

Berlin - München * Der Preußenkönig Wilhelm I. versichert dem Märchenkönig Ludwig II., Bayerns Selbstständigkeit und Integrität zu achten. 

6. August 1870

Wörth * Auch in Wörth prallen die deutschen und die französischen Soldaten aufeinander.

Bei Karl Graf von Rambaldi liest sich das so: „Zur Erinnerung an die Schlacht bei Wörth […], an welcher beide bayerischen Armeekorps […] mit Auszeichnung Anteil nahmen. […] Heiß war der Kampf; die die Weinberge dicht besetzt haltenden Turkos und Zuaven wehrten sich grimmig; aber unaufhaltsam war das Vordringen der Deutschen und zuletzt zerstob die französische Armee in wilder Flucht. […] Der Sieg war mit einem eigenen Verlust von 489 Offizieren und 10.153 Mann erkauft.” 

6. August 1870

Spichern * Die Spicheren Höhen bei Saarbrücken sind umkämpft. Die Schlacht wird nach ihrem Schauplatz, dem Dorf Spichern bei Forbach, nahe Saarbrücken, benannt. Ein Grund für den preußischen Sieg ist das zögerliche Verhalten der französischen Führung. Der Sieg der Preußen ist unvorhergesehen. Es war ein Risiko, einen Feind von unbekannter Truppenstärke und in starken Stellungen anzugreifen; der Angriff hätte in einer Niederlage enden können. 

9. August 1870

Pfalz - Saarland • Deutschen Eisenbahnen befördern mit insgesamt 1.500 Zügen bis zum 9. August 640.000 Soldaten und 170.000 Pferde an die Aufmarschplätze. Anders ist dies in Frankreich, das im Jahr 1870 über das wohl modernste Eisenbahnnetz Europas verfügt. Doch was die Organisation der Truppentransporte betrifft, befindet sich das Land auf dem Stand von 1859. Bleibt festzustellen, dass von Mitte Juli bis Anfang August 1870 die Eisenbahn die entscheidende Rolle für den Kriegsverlauf hatte und der preußische Fahrplan besser war. 

12. August 1870

Straßburg * Die ersten deutschen Truppenteile erreichen die Umgebung von Straßburg. Sie schneiden die Stadt von der Außenwelt ab, indem sie die Eisenbahn- und Telegrafenverbindungen kappen. Die Verteidiger Straßburgs ziehen sich in die Festung zurück. 

14. August 1870

Colombey-Nouilly - Courcelles * Östlich von Metz, in der Nähe der zwei lothringischen Dörfer tobt die Schlacht bei Colombey-Nouilly. Der Kampf endet letztlich mit einem Sieg der Deutschen, wobei auf deutscher Seite 1.189, auf französischer Seite 377 Tote zu verzeichnen sind. Die Franzosen ziehen sich unter den Schutz der Forts von Metz zurück. 

15. August 1870

Straßburg * An Napoleon Bonapartes Geburtstag beginnen die deutschen Truppen mit der Belagerung von Straßburg. Sie wird bis zum 27. September andauern.

16. August 1870

Toul * Die Einnahme der Festung Toul durch scheitert am Widerstand der Besatzung. 

16. August 1870

Vionville - Mars-la-Tour * Eine weitere Schlacht des Deutsch-Französischen Krieges wird bei Mars-la-Tour, im Nordosten Frankreichs, etwa zwanzig Kilometer westlich von Metz, geschlagen. Zwei preußische Korps besiegen die zahlenmäßig deutlich überlegene komplette Französische Rheinarmee und zwingt diese zum Rückzug in die Festung Metz.

Die Schlacht ist ein großer strategischer Sieg für die Preußen. Frankreichs Truppen können nicht mehr nach Verdun flüchten, sondern müssen den Rückzug in die Festung Metz antreten. Gründe hierfür sind neben den hohen Menschen-Verlusten auch der Mangel an Munition. 

18. August 1870

Gravelotte - Saint Privat - Metz • In Lothringen kommt es zur Schlacht von Gravelotte, die auch Schlacht bei Saint Privat genannt wird. Es ist zugleich die letzte Schlacht um die Einkesselung der Festung Metz.

Beide Armeen büßen ein Achtel ihres Bestandes ein. Anders als in den meisten Schlachten zuvor fordert es in Gravelotte und Saint Privat einen erheblichen preußischen Blutzoll. Die Deutschen haben seit der Völkerschlacht bei Leipzig keinen verlustreicheren Kampf mehr geführt. Die geschlagene französische Rheinarmee zieht sich nach Metz zurück.

19. August 1870

Straßburg - Kehl * Die Franzosen beschießen von Straßburg aus die deutsche Stadt Kehl auf dem rechten Rheinufer. 

20. August 1870

Metz * Die Belagerung von Metz beginnt. Mehrere Ausbruchsversuche scheitern. Sie dauert bis zum 27. Oktober 1870 und endet mit einer vernichtenden Niederlage für die Franzosen. 

23. August 1870

Straßburg * Die deutschen Geschütze eröffnen das Feuer auf die Stadt Straßburg und verursachen starke Schäden, auch am Straßburger Münster. Der Bischof von Straßburg bittet vergeblich um Einstellung des Feuers. Die Zivilbevölkerung schlägt vor, jeden Tag 100.000 Franc zu bezahlen, an dem die Stadt nicht bombardiert würde.

Der Beschuss hört allerdings erst auf, als man sich bewusst wird, dass ein fortgesetztes Bombardement zu viel Munition verbrauchen und schwerste Schäden in der Stadt anrichten würde. Man will jedoch die Stadt erobern und nicht zerstören. 

24. August 1870

Straßburg * Während der Belagerung Straßburgs wird das Museum der Schönen Künste durch einen Brand und die Stadtbibliothek mit ihrer einzigartigen Sammlung mittelalterlicher Manuskripte, seltener Bücher aus der Zeit der Renaissance und römischer Artefakte vernichtet.

1. September 1870

Sedan • Die für den Deutsch-Französischen Krieg vorentscheidende Schlacht findet in Sedan, einer Stadt am Ufer der Maas, in der Nähe der belgischen Grenze statt. 

1. September 1870

Bazeilles * Bayerische Truppenteile greifen Bazeilles an. Der Kampf endet mit der völligen Vernichtung des Ortes. Ein Teil der Einwohner war bereits am Vorabend der Kämpfe geflohen. Dem in Bazeilles gebliebenen Teil der Bevölkerung wird die Beteiligung an Schießereien gegen die Bayern vorgeworfen. Zwar wird keiner der Zivilisten mit Waffen angetroffen, dennoch ermorden bayerische Soldaten noch am 1. September vierzig Frauen und Männer aus dem Ort, weitere 150 in den folgenden Tagen. Zudem werden 363 Häuser in Bazeilles niedergebrannt.

Der Kampf um Bazeilles ist für die Bayerische Armee besonders verlustreich und gilt in der deutschen Öffentlichkeit als „Ein blutiger Beitrag zur Bayerischen Waffenehre, ein ehrenvoller Kitt für die Deutsche Einigkeit“

1. September 1870

Balan * Auch in Balan kämpfen französische Truppen wenig erfolgreich gegen die Deutschen. Da sich die französischen Offiziere nach dem Gefecht von Balan weigern, ihrem Befehlshaber weiter zu folgen, ziehen sie auf Weisung von Kaiser Napoleon III. den Rückzug in die Festung Sedan an. 

1. September 1870

Sedan * Am Abend hissen französische Soldaten, die den Kampf beendet sehen wollen, auf einem Turm der Festung von Sedan eine weiße Fahne.

Zur gleichen Zeit übergibt ein französischer General auf einer Anhöhe oberhalb der Stadt dem preußischen König Wilhelm I. einen Brief von Kaiser Napoleon III., in dem dieser schreibt: „Nachdem es mir nicht vergönnt war, in der Mitte meiner Truppen zu sterben, bleibt mir nichts übrig, als meinen Degen in die Hände Eurer Majestät zu legen.“ 

2. September 1870

Sedan * Nachdem über der Festung Sedan eine weiße Flagge gehisst worden ist, schweigen die Waffen. Preußenkönig Wilhelm I. schickt daraufhin zwei deutsche Parlamentäre zur Festung, um die Übergabe zu fordern. Sie werden direkt zu Kaiser Napoléon III. geführt, von dessen Anwesenheit die Deutschen bisher nichts gewusst haben.

Gegen 19 Uhr wird das Kapitulationsangebot an König Wilhelm von Preußen übergeben.

Der französische Kaiser Napoleon III. begibt sich in preußische Gefangenschaft und mit ihm 83.000 Offiziere und Soldaten. Zusätzlich waren schon während der Kampfhandlungen 21.000 Mann gefangen genommen worden. Frankreich hat damit keine handlungsfähige Armee mehr im Felde, weil die anderen 180.000 Mann nach wie vor in Metz eingeschlossen sind. Nur ein Korps hat sich der Einkesselung bei Sedan entziehen können und ist damit der letzte einsatzfähige Rest des französischen Feldheeres. 

3. September 1870

Berlin * Am Vormittag trifft die Siegesbotschaft aus Sedan in Berlin ein. In den Kirchen der deutschen Länder werden Dankgottesdienste gefeiert und „Nun danket alle Gott!“ gesungen. Beseelt von der Überzeugung, dass der Krieg nun bald beendet sein würde, umarmen sich unbekannte Menschen in den Straßen. 

3. September 1870

Sedan - Paris * Am Nachmittag des 3. September dringt die Kunde von der Niederlage und der Gefangennahme durch ein Telegramm des Kaisers an die Kaiserin Eugénie nach Paris. Auf französischer Seite hat die Kapitulation der französischen Truppen das Ende des Zweiten Kaiserreichs und die Ausrufung der Dritten Republik zur Folge. 

3. September 1870

Sedan - Kassel * Als ab dem 3. September 1870 rund 104.000 französische Soldaten, darunter 4.000 bis 5.000 Offiziere, in die Kriegsgefangenschaft gehen, ist Kaiser Napoleon III. schon auf dem Weg nach Wilhelmshöhe bei Kassel, wo er den Friedensschluss abwarten soll.

Der französische Noch-Kaiser will schnellstens durch Belgien nach Kassel reisen. Seinem eigenen Volk misstraut er. Und seinen Soldaten tritt er nicht mehr gegenüber, so groß ist die Schmach der Niederlage. 

4. September 1870

Paris * Die französische Kaiserin Eugénie verlässt am Nachmittag Paris und flieht nach England, nachdem die Demonstranten vor den Tuilerien unverhohlen ihren Kopf fordern und alles, was an Napoleon III. erinnert zerstören. 

4. September 1870

Paris * Volksmassen stürmen die Deputiertenkammer, kurz danach wird die Absetzung des Kaisers verkündet und die „provisorische“ Französische Republik ausgerufen, die den Krieg gegen die Deutschen fortsetzt. Die französischen Volksheere können zunächst die deutschen Angriffe zurückdrängen, zu keiner Zeit aber den deutschen Sieg ernsthaft gefährden. 

11. September 1870

Straßburg * Eine Delegation des Roten Kreuzes kann Straßburg betreten, um Alte und Kranke zu evakuieren. Nun erst erfahren die Straßburger von der Niederlage bei Sedan. Ihnen wurde bis dahin vom Stadtkommandanten Jean-Jacques Uhrich erzählt, dass ein 100.000 Mann starkes Entsatzheer auf dem Weg wäre. Jetzt verlässt viel Straßburger die Zuversicht. 

12. September 1870

Toul * Die deutsche Belagerung von Toul beginnt. Sie dauert bis zum 23. September 1870. 

12. September 1870

München - Berlin * Der Ministerrat erbittet von König Ludwig II. die Ermächtigung, mit dem Norddeutschen Bund über eine verfassungsrechtliche Verbindung zu verhandeln. Dabei lehnt das Königreich Bayern einen Beitritt zum Norddeutschen Bund ab, stellt aber einen offiziellen Antrag auf Verhandlungen, um im Falle einer Reichsgründung möglichst viele Sonderrechte [= Reservatsrechte] zu erringen. Zudem fordert Bayern von Preußen

  • die Rückzahlung der Kriegsentschädigung von 1866,
  • den vollständigen Ersatz aller im gegenwärtigen Krieg anfallenden Kosten,
  • den Verzicht auf die Düsseldorfer Galerie, auf die Preußen im Jahr 1866 Anspruch erhoben hatte, und
  • einen Gebietszuwachs im Anschluss an die Pfalz. 
13. September 1870

Berlin - München * Rudolph von Delbrück, der Präsident des Bundeskanzleramtes und Bismarcks Beauftragter für die Verhandlungen mit Württemberg und Bayern, legt ein Programm zum raschen Beitritt Bayerns vor. Das Deutsche Reich soll ein föderaler Staatenbund auf Grundlage des Norddeutschen Bundes werden, dem die Süddeutschen beitreten, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren.

Daraufhin gibt König Ludwig II. dem Kanzler des Norddeutschen Bundes und preußischen Ministerpräsidenten, Otto von Bismarck, seine Bereitschaft zu einem Verfassungsbündnis bekannt. 

17. September 1870

Versailles * Versailles wird von den deutschen Truppen besetzt. 

19. September 1870

Sceaux * Eine deutsche Vorhut und die Truppen der Verteidiger von Paris treffen aufeinander. Obwohl die französischen Truppen zahlenmäßig weit überlegen sind, verlieren sie die Schlacht. 

19. September 1870

Ferrières-en-Brie • Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck und Jules Favre, Außenminister und Repräsentant der französischen republikanischen Regierung, verhandeln im deutschen Hauptquartier in Ferrières-en-Brie über einen möglichen Friedensschluss.  

  • Bismarck bietet Favre einen 14-tägigen Waffenstillstand an. In dieser Zeit könnten die Wahlen zu einer neuen Nationalversammlung stattfinden. Er erhofft sich damit ein Wahlergebnis, das eine monarchisch orientierte Mehrheit hervorbringt und ihm die Verhandlungen erleichtert.
  • Favre lehnt jedwede Abtretung französischen Territoriums ab,
  • Bismarck besteht darauf, dass Straßburg und das Elsass deutsch werden muss. 
ab 19. September 1870

Paris * Der Belagerungsring um Paris ist geschlossen. Paris gilt zu diesem Zeitpunkt als „die am stärksten befestigte Stadt der Welt“. Die Stadt ist von einer zehn Meter hohen und sechs Meter breiten Mauer umgeben, die unter dem Bürgerkönig Louis Philipp nach 1830 erneuert worden war. Aber noch viel wichtiger als die Mauern sind die 16 Forts, die mit ihren Artilleriestellungen einen Schutzring von 53 Kilometern Länge um die Stadt bilden. Für die belagernde Armee bedeutete das, dass sie einen Einschließungsring von mindestens achtzig Kilometer bilden muss.

Nun kappen die Belagerer die Telegraphenleitungen nach Paris, sodass die Kommunikation mit dem restlichen Land nur mit Brieftauben aufrecht erhalten werden kann. Es kommen keine Vorräte mehr in die Stadt, in der sich über zwei Millionen Menschen befinden.

Die deutsche Heeresführung geht davon aus, dass die Versorgung der Stadt sechs Wochen hält, danach muss Paris kapitulieren. Die Belagerung mit preußischen und süddeutschen Truppen wird bis zum 28. Januar 1871 dauern. 

20. September 1870

Rom • Die weltliche Herrschaft der Päpste endet mit dem Einzug der italienischen Truppen in Rom. Der Kirchenstaat mit Latinum wird dem Königreich einverleibt. 

Ab dem 22. September 1870

München • In der sogenannten Münchner Konferenz, die vom 22. bis zum 26. September 1870 in München stattfindet, besprechen die Vertreter Bayerns und Württembergs den von Rudolph von Delbrück vorgelegten Beitritts-Vorschlag zum Deutschen Reich. 

23. September 1870

Ferrières-en-Brie • Die Verhandlungen über einen Friedensschluss zwischen Otto von Bismarck und Jules Favre werden ergebnislos abgebrochen. 

23. September 1870

Toul • Die deutschen Belagerer beginnen Toul zu beschießen. Schon kurz darauf hisst die Besatzung die weiße Fahne. 

23. September 1870

Paris • Von Montmartre aus bringt man Post mit einem Heißluftballon aus der besetzten französischen Hauptstadt Paris.

26. September 1870

München * Die Münchner Konferenz, bestehend aus Vertretern Württembergs und Bayerns, erkennen die Bedingungen der Norddeutschen Bundesverfassung über Bundesoberhaupt, Bundesrat und Reichsrat als annehmbar an. Eine Einigung mit Preußen liegt in der Luft. 

27. September 1870

Straßburg • Straßburg fällt. Nach deutschen Angaben feuerten 241 Geschütze 193.722 Geschosse in die Stadt. 500 Häuser werden vollständig zerstört. Am Straßburger Münster wurde der Dachstuhl beschädigt und eines der kunstvollen Fenster zerstört. 

Karl von Rambaldi: „Leider gingen hiebei gegen 400 Häuser, darunter die berühmte Bibliothek mit wertvollen Büchern, zugrunde und wurden aus der Bürgerschaft Straßburgs 1.700 Personen teils getötet, teils verwundet.“ 

17. November 1870

München * Der Preußische Gesandte Georg Freiherr von Werthern informiert den preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck über die Geldprobleme König Ludwigs II.:  

„Der König von Bayern ist durch Bauten und Theater in große Geldverlegenheiten geraten. Sechs Millionen würden ihm sehr angenehm sein, vorausgesetzt, dass die Minister es nicht erfahren. Für diese Summe würde er sich auch zur Kaiser-Proclamation und Reise nach Versailles entschließen." 

19. November 1870

München * Der Bismarck‘sche Presseagent Moritz Busch schreibt nach Berlin:  

„Aus München meldet man, dass sich Prinz Ottos Gesundheitszustand fortwährend verschlimmert, dass man infolgedessen an seiner Sukzessionsfähigkeit zweifelt, und dass deshalb der König Ludwig sich der Familie Luitpold wieder nähert und ihr schon zweimal abends Besuche gemacht hat, was sonst nicht seine Gewohnheit ist.“ 

23. November 1870<p><strong><em>Berlin - München</em></strong> * Eine Verbesserung der Kinder-Schutzvorgaben in Bayern bringt der Bündnisvertrag des Königreichs mit dem Norddeutschen Bund vom 23. November 1870. Mit der Ausrufung des Deutschen Reichs werden deren Gesetze und Verordnungen auch in Bayern maßgeblich. Für die regelmäßig beschäftigten Fabrikarbeiter gilt nun&nbsp;</p> <ul> <li>ein Mindestalter von zwölf Jahren,&nbsp;</li> <li>für unter 14-jährige Beschäftigte eine maximale Arbeitszeit von sechs Stunden am Tag.&nbsp;</li> <li>die Arbeit an Sonn- und Feiertagen war verboten.</li> <li>Der Schulunterricht, der den Kindern zu erteilen war, die in Fabriken arbeiteten, sollte mindestens drei Stunden am Tag betragen.&nbsp;</li> </ul> <p>Das ist eine erhebliche Verbesserung gegenüber der bisher in Bayern geltenden Verordnung.&nbsp;</p>
23. November 1870

München - Berlin * In den sogenannten Novemberverträgen kann sich das Königreich Bayern mehrere Reservatrechte sichern. Sie betreffen vor allem

  • das Militär,
  • die Eisenbahn,
  • das Post- und Telegrafenwesen,
  • die Branntwein- und Biersteuer sowie
  • die allgemeine Staatsverwaltung.  

Die Reservatrechte sind von der Aufsicht und Gesetzgebung des Deutschen Reichs befreit. Eisenbahn, Post und Biersteuer stellen wichtige Einnahmequellen dar.  

Das Bayerische Heer bildet - in Friedenszeiten - einen geschlossenen Bestandteil innerhalb der Streitkräfte des Deutschen Reichs. Es steht mit eigener Verwaltung unter der Hoheit des bayerischen Königs. Doch mit dem Beginn der Mobilmachung - und damit dem Eintritt des Kriegsfalles - untersteht das bayerische Militär direkt dem Kaiser. 

28. November 1870

München * Als König Ludwig II. als Regent des zweitgrößten Königreichs dem preußischen König Wilhelm I. die Kaiserkrone antragen soll, fleht ihn Prinz Otto an:  

„Höre noch einmal meine Stimme; ich beschwöre Dich, das Schreckliche nicht zu tun!  
Wie kann es denn für einen Herrn und König eine zwingende Gewalt geben, seine Selbstständigkeit dahinzugeben und außer Gott noch einen Höheren über sich anerkennen zu müssen! [...]  
Mögen wir auch für den jetzigen Augenblick Vorteile und Zugeständnisse erlangen, die vielleicht von großem Umfang sind, so wiegen Sie doch gewiss nicht den hundertsten Teil von jenem Nachteil auf, den wir durch Dahingebung der Selbstständigkeit erleiden.“
  

Ganz schön weitblickend! 

30. November 1870

München * Bayernkönig Ludwig II. schreibt den sogenannten Kaiserbrief an König Wilhelm I. von Preußen. Darin regt er die „Wiederherstellung der deutschen Kaiserwürde“ und eines Deutschen Reiches an. Im Namen aller Bundesfürsten trägt er dem Preußenkönig die Kaiserkrone, die höchste deutsche Würde, an.  

Oberststallmeister Max Graf von Holnstein hat gemeinsam mit Bismarck den Brief entworfen, den der mit Zahnschmerzen im Bett liegende Bayernkönig nur ab- und unterschreiben muss. Noch am selben Tag reist Graf Holnstein nach Frankreich und überreicht dort den entscheidenden Brief an Prinz Luitpold.  

Für diesen bayerischen Ausverkauf wird König Ludwig II. allerdings persönlich mit rund fünf Millionen Mark aus Bismarcks Welfenfond entschädigt. Jedenfalls wird dem König lange Zeit unterstellt, dass der Kaiserbrief der noble Preis für diese Rentenzahlung gewesen ist. Max Graf von Holnstein, der Überbringer des Geldes und Mitbegründer der Bayerischen Vereinsbank, ist mit zehn Prozent an diesem Deal beteiligt. 

3. Dezember 1870

Versailles * Prinz Luitpold von Bayern übergibt den „Kaiserbrief“ im Hauptquartier von Versailles an den preußischen König Wilhelm I..  

  • Der bayerische Märchenkönig Ludwig II. verhält sich also gegenüber Preußen sehr loyal, muss aber - statt belohnt zu werden - bayerische Rechte an das von Preußen geführte Reich abtreten.  
  • Nichts ist es mit der erhofften Vergrößerung des Bayernlandes,  
  • nichts mit der gewünschten alternierenden Kaiserkrone, derzufolge dem preußischen Kaiser einer aus dem bayerischen Herrscherhaus folgen soll.  

Ein paar Reservatrechte, das Heer, die Post und die Eisenbahn betreffend, bleiben den süddeutschen Verbündeten. Ansonsten hat sie sich Bismarcks großpreußischem Staatengebilde unterzuordnen. 

Ab 27. Dezember 1870

Paris * Paris wird mit Granaten beschossen. 

30. Dezember 1870

München-Kreuzviertel * Zur Annahme der Versailler Verträge vom 23. November 1870 und dem damit verbundenen Reichsbeitritt ist im Bayerischen Landtag eine verfassungsändernde Zweidrittelmehrheit notwendig.  

Diese Verträge regeln die Modalitäten, unter denen die süddeutschen Staaten dem Deutschen Kaiserreich beitreten sollen. Dabei ist zu entscheiden, ob das Königreich Bayern selbstständig bleiben oder ein Teil des Deutschen Reiches werden soll.  

Die Kammer der Reichsräte, der Vertretung des Hochadels, der Hochfinanz und der hohen Geistlichkeit, hat den Verträgen, die am 1. Januar 1871 in Kraft treten sollen, bereits an diesem 30. Dezember 1870 mit großer Mehrheit zugestimmt. Um die Souveränität des bayerischen Volkes preiszugeben, haben die erklärten „Sachwalter bayerischer Interessen“ genau einen Vormittag gebraucht. 


1871

1871

München *  München hat 169.693 Einwohner. 

1871

München-Kreuzviertel * Nach Joseph Anton Ritter von Maffei's Tod wird das Anwesen des Hotels zum Bayerischen Hof für 580.000 Gulden an die Bayerische Vereinsbank verkauft.

1871

Deutsches Reich * Die für das gesamte Deutsche Reich geltende Verfassung sieht die Todesstrafe nur mehr bei Mord und schweren Militärstraftaten im Krieg vor. Nur für Letztere wird die Vollstreckung durch Erschießen eingeführt.

Vor dem 16. Januar 1871

Versailles * Die Frage der richtigen Anrede des künftigen Kaisers sollte noch zu viel Ärger führen. Im „Kaiserbrief“ von König Ludwig II. benannte dieser den höchsten Repräsentanten mit „deutscher Kaiser“. Doch der Preußenkönig Wilhelm I. wollte den Titel „Kaiser von Deutschland“ und damit weitreichende Machtbefugnisse.

Der Titel „deutscher Kaiser“ strahlt für ihn keine Macht aus. Abfällig äußert er sich dazu: „Was soll mir der Charaktermajor?“ Gemeint damit ist zu dieser Zeit ein unbesoldeter Ehrentitel, mit dem man meist beim Ausscheiden aus dem aktiven Dienst geehrt wird. Dieser hat zwar alle äußerlichen Anzeichen einer Beförderung wie Uniform, Titel etc., jedoch keinerlei wirklichen Befugnisse. Also, ein Titel ohne jeden Wert. Dennoch hat der Norddeutsche Bund zuvor den Titel „deutscher Kaiser“ beschlossen. 

17. Januar 1871

Versailles • Dass der Norddeutsche Bund den Titel „deutscher Kaiser“ beschlossen hat, verärgerte den Preußenkönig Wilhelm I. derart, dass er noch bei den Schlussberatungen einen Tag vor der Proklamierung erklärt, „er wolle Kaiser von Deutschland oder gar nicht Kaiser sein“.

Weder Bismarck noch Wilhelms Sohn können ihn überzeugen. Im Gegenteil: „Im höchsten Zorn sprang der König schließlich auf, brach die Verhandlungen ab und erklärte, von der morgen angesetzten Feier nichts mehr hören zu wollen.“ 

17. Januar 1871

München-Graggenau • König Ludwig II. eröffnet den 24. Landtag, der sich mit dem Reichsbeitritt befassen muss, im Thronsaal der Residenz mit einer Thronrede. Es wird Ludwigs letzte Landtags-Eröffnung gewesen sein. 

18. Januar 1871

Versailles * Als König Wilhelm von Preußen in der Spiegelgalerie von Schloss Versailles zum Deutschen Kaiser ausgerufen wird, lässt sich der Bayernkönig Ludwig II. von Prinz Otto und seinem Onkel Luitpold vertreten. Otto empfindet die Kaiserproklamation als bedrückend. Seinem Bruder klagt er: „Der deutsche Kaiser, das deutsche Reich, Bismarck, die laute preußische Begeisterung, die vielen Stiefel, das alles macht mich sehr traurig“.  

Ein böses Gerücht macht die Runde, in dem Otto nachgesagt wird, er hätte während der Proklamation zu Versailles „infolge einer plötzlichen Diarrhöe ein degoutantes Malheur gehabt“. Das heißt, er hat - aus ohnmächtiger Enttäuschung und Widerwillen, vielleicht aber auch schon als Folge seiner geistigen Zerrüttung - in die Hose gemacht. In Bayern geht der Satz um: „Otto hat auf Preußens Kaiserkrone geschissen!“ 

18. Januar 1871

Versailles • Als Tag der Kaiserproklamation hat man den 18. Januar 1871 auserkoren. Es ist der Tag, als Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg im Jahr 1701 zum ersten preußischen König Friedrich I. gekrönt und damit zugleich das Königreich Preußen gegründet worden ist. Mit der Terminwahl will das Haus Hohenzollern an seinen Aufstieg innerhalb von 170 Jahren von Kurfürsten zu mächtigen Monarchen Europas erinnern. 

18. Januar 1871

Versailles • Da sich auch am frühen Tag der Proklamation noch nicht abzeichnete, wie die unwillige Hauptperson, König Wilhelm I. reagieren würde, nimmt Bismarck mit dem ranghöchsten anwesenden Fürsten, der den Kaiser proklamieren soll, Kontakt auf. Es ist dies Friedrich I., der Großherzog von Baden. Auf die Frage, wie er gedenke, Wilhelm auszurufen, schockiert dieser Bismarck mit den Worten: „Kaiser von Deutschland, auf Befehl Seiner Majestät.“

Bismarck bittet den Großherzog inständig, Wilhelm I. von der Unmöglichkeit dieser Titulatur zu überzeugen, da dies die süddeutschen Monarchen kaum akzeptieren würden. Außerdem lautet der verfassungsmäßige Titel seit dem 1. Januar bereits „Deutscher Kaiser“

18. Januar 1871

Versailles • Um 12 Uhr beginnt die Zeremonie der Kaiserproklamierung im prachtvollen Schloss des „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV.. Nach einer kurzen Rede Wilhelms I., in der er die Kaiserwürde annimmt, verliest Reichskanzler Otto von Bismarck die Proklamation. Dann wird es spannend. Der Großherzog von Baden tritt nach vorne und ruft: „Seine Kaiserliche und Königliche Majestät, Kaiser Wilhelm, lebe hoch! Hoch! Hoch!“ Eine elegante Lösung. Otto von Bismarck fällt ein Stein vom Herzen. 

Gleichzeitig wird auch das Zweite Kaiserreich gebildet und ausgerufen. 

19. Januar 1871

Paris • Die Verteidiger der französischen Hauptstadt Paris unternehmen einen letzten Durchbruchsversuch, der aber von den Belagerern mühelos zurückgeschlagen werden kann. 

20. Januar 1871

Paris • Ein für den 20. Januar geplanter Ausbruch unterbleibt, nachdem bekannt worden war, dass die Loirearmee geschlagen ist. Am Nachmittag berät die Regierung zusammen mit zwanzig Arrondissements-Bürgermeistern die Lage. 

21. Januar 1871

München-Kreuzviertel * Nach einer zehnstündigen Redeschlacht stimmen 102 Abgeordnete für den Beitritt Bayerns zum Deutschen Kaiserreich und nur noch 48 dagegen. Damit ist die Zweidrittelmehrheit - wenn auch knapp - erreicht.  

Das im Jahr 1871 gegründete Deutsche Reich ist nach der Präambel seiner Verfassung ein „ewiger Bund zum Schutz des deutschen Bundesgebietes und des innerhalb dieses gültigen Rechtes, sowie zur Pflege der Wohlfahrt des Deutschen Volkes“.  

Diesen Bund schließen die 22 Repräsentanten  

  • der vier Königreiche Preußen, Bayern, Württemberg und Sachsen;  
  • der sechs Großherzogtümer Baden, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Hessen-Darmstadt, Oldenburg und Sachsen-Weimar;  
  • der fünf Herzogtümer Braunschweig, Anhalt, Sachsen-Coburg-Gotha, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Altenburg;  
  • der sieben Fürstentümer Schwarzburg-Sonderhausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Waldeck, Reuss ältere Linie, Reuss jüngere Linie, Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe, des mitregierten Reichslandes Elsass-Lothringen sowie  
  • der Regierenden Bürgermeister der drei Freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck.  

Dieser Bundesstaat wird durch zwei Institutionen - Bundesrat und Reichstag - repräsentiert. Verfassungsrechtlich ist der Bundesrat das höchste Reichsorgan, in dem Preußen aufgrund seiner Größe und seiner hegemonialen Stellung dominiert.  

In diesem Gremium sind die einzelnen Länder entsprechend ihrer Größe mit unterschiedlichen Stimmenzahlen ausgestattet vertreten:  

  • Preußen 17,  
  • Bayern 6,  
  • Sachsen und Württemberg je 4,  
  • Baden und Hessen je 3,  
  • die kleineren je 2 oder 1 -  
  • insgesamt 58 Stimmen. 
30. Januar 1871

München * König Ludwig II. setzt mit seiner Unterschrift die Beitritts-Verträge rückwirkend zum 1. Januar 1871 in Kraft. Doch trotz aller Zugeständnisse bedeutete die Reichsgründung für Bayern und seinen König  

  • eine deutliche Einschränkung der Souveränität,  
  • den Verlust der staatsrechtlichen Unabhängigkeit und  
  • eine Unterstellung der Monarchie der Wittelsbacher unter die Vorherrschaft der Hohenzollern. 
12. Februar 1871

Bordeaux * In Bordeaux trifft die verfassungsgebende Versammlung zusammen. In ihr sind mehr als doppelt so viele Monarchisten als Republikaner vertreten. Dagegen sind die städtischen Gemeinderäte in ihrer Mehrheit entschlossen republikanisch. 

15. Februar 1871

Bordeaux - Versailles • Die deutschen und die französischen Verhandlungsführer einigen sich auf eine Verlängerung des Waffenstillstands bis zum 26. Februar und weiten ihn auf ganz Frankreich aus.

Das Deutsche Reich forderte von Frankreich

  • das Elsass und Teile von Lothringen,
  • dazu eine Entschädigung von sechs Milliarden Goldfranc
  • sowie eine Parade der deutschen Truppen in Paris.
  • Die Besetzung der Stadt sollte bis zur Unterzeichnung eines vorläufigen Friedensvertrages anhalten.
  • Bis zur Abwicklung der vollständigen Zahlung - vorgesehen ist der 2. März 1874 - sollen deutsche Truppen stationiert bleiben und Teile des Landes besetzen. 
16. Februar 1871

Versailles • Paraphierung des Vorfriedens von Versailles zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich. 

16. Februar 1871

Belfort • Die Festung Belfort kapituliert auf Weisung der französischen Regierung, ohne militärisch besiegt zu sein. Die Übergabe war zur Bedingung für die Verlängerung des Waffenstillstandes gemacht worden. Die Garnison erhält freien Abzug unter Mitnahme ihrer Waffen und Feldgeschütze. 

17. Februar 1871

Bordeaux • Die neugewählte verfassungsgebende Versammlung wählt Adolphe Thiers zum Chef der „Regierung der nationalen Verteidigung“

1. März 1871

Bordeaux • Der Versailler Vorfriede wird in Bordeaux von der französischen Regierung unterschrieben. 

1. März 1871

Paris * 20.000 deutsche Soldaten, darunter 1.000 bayerische, marschieren in Paris ein und paradierten auf dem Longchamps vor dem Deutschen Kaiser Wilhelm I.. Die Parade ist der der Abmachung vom 15. Februar 1871. 

2. März 1871

Bordeaux • Der von der französischen Regierung unterschriebene Vorfriede wird mit der deutschen Delegation ausgetauscht. 

3. März 1871

Paris • Die deutschen Truppen müssen zwei Tage nach ihrem triumphalen Einmarsch in Paris die französische Hauptstadt schon wieder verlassen. 

10. März 1871

Paris • Die französische Nationalversammlung bestimmt auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Adolphe Thiers nicht Paris, sondern Versailles zum vorläufigen Sitz von Regierung und Parlament. Versailles war inzwischen von den deutschen Truppen geräumt worden. 

18. März 1871

Versailles • Die französische Regierung flieht nach Versailles. 

19. März 1871

Kassel • Der französische Ex-Kaiser Napoleon III. verlässt die Wilhelmshöhe in Kassel, von wo aus er mehrfach versucht hat, sein gescheitertes Regime wiederherzustellen. Doch das französische Volk hatte von ihrem bisherigen Staatsoberhaupt einfach genug. Er geht ins Exil nach Großbritannien. 

21. März 1871

Chislehurst • Der französische Ex-Kaiser Napoleon III. trifft in seinem Exil in Chislehurst, im heutigen Stadtbezirk London Borough of Bromley, ein. 

16. April 1871

Deutsches Reich - Königreich Bayern * Die Reichsverfassung wird rechtskräftig.

Das Zweite Deutsche Kaiserreich ist ein Bundesstaat, dem - unter preußischer Hegemonie - 25 Einzelstaaten angehören. Der preußische Ministerpräsident ist gleichzeitig Reichskanzler.

Das Deutsche Reich ist nach der Präambel seiner Verfassung ein „ewiger Bund zum Schutze des deutschen Bundesgebietes und des innerhalb desselben gültigen Rechtes, sowie zur Pflege der Wohlfahrt des Deutschen Volkes“.

Diesen Bund schließen die 22 Repräsentanten:

  • der vier Königreiche Preußen, Bayern, Württemberg und Sachsen;  
  • der sechs Großherzogtümer Baden, Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Hessen-Darmstadt, Oldenburg und Sachsen-Weimar;  
  • der fünf Herzogtümer Braunschweig, Anhalt, Sachsen-Coburg-Gotha, Sachsen-Meiningen und Sachsen-Altenburg;  
  • der sieben Fürstentümer Schwarzburg-Sonderhausen, Schwarzburg-Rudolstadt, Waldeck, Reuss ältere Linie, Reuss jüngere Linie, Lippe-Detmold und Schaumburg-Lippe,
  • des mitregierten Reichslandes Elsass-Lothringen sowie
  • der Regierenden Bürgermeister der drei Freien Städte Hamburg, Bremen und Lübeck.

Dieser Bundesstaat wird durch zwei Institutionen - Bundesrat und Reichstag - repräsentiert. Verfassungsrechtlich ist der Bundesrat das höchste Reichsorgan, in dem Preußen aufgrund seiner Größe und seiner hegemonialen Stellung dominiert.

In diesem Gremium sind die einzelnen Länder entsprechend ihrer Größe mit unterschiedlichen Stimmenzahlen ausgestattet vertreten: Preußen 17, Bayern 6, Sachsen und Württemberg je 4, Baden und Hessen je 3, die kleineren je 2 oder 1 - insgesamt 58 Stimmen.  

Bis im Rahmen der Reichsgründung auch in Bayern das metrische Maß eingeführt wird, fasst die Bayerische Mass 1.069 Kubikzentimeter. Durch die Preußische Maß- und Gewichtsordnung wird das Bayerische Maaß abgeschafft. Als gesamtdeutsche Maßeinheit gilt nun der Liter. Und dieser ist auf 1.000 Kubikzentimeter festgelegt worden.

18. Mai 1871

Husum * Franziska „Fanny“ Gräfin zu Reventlow, die später als „Skandalgräfin“ oder „Schwabinger Gräfin“ der Münchner Bohème und als Autorin des Schlüsselromans „Herrn Dames Aufzeichnungen“ bekannt werden wird, kommt in Husum zur Welt. 

21. Mai 1871

Paris * Die Truppen der Versailler Regierung beginnen mit dem Sturm auf Paris. Die „Blutige Woche“ beginnt. 

28. Mai 1871

Paris * Die „Blutige Woche“, in deren Verlauf grausame Rache an den aufständischen Frauen und Männer aus Paris geübt wird, endet auf dem Friedhof von Père-Lachaise. Rund 30.000 Tote, mindestens 50.000 Verschwundene, fast 40.000 Verhaftete sind die Opfer. Die Mehrzahl der 13.000 Verurteilten werden nach Neukaledonien deportiert.

So etwas, darüber sind sich die konservativen Politiker und Militärs - in Hinblick auf die deutsche Sozialdemokratie - einig, darf in Deutschland nie passieren. Die in Paris gemachten Erfahrungen münden später in das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen“, kurz gesagt, das „Sozialistengesetz“ vom 21. Oktober 1878. 

18. Juni 1871

München * Die sozialdemokratische Zeitung „Der Proletarier“ stellt sein Erscheinen ein, nachdem die Redakteure Robert Neff und Jacob Franz wegen Beleidigung der Staatsregierung zu drei beziehungsweise fünf Monaten Gefängnis verurteilt worden sind. 

30. Juni 1871

Königreich Bayern - München * Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei - SAP hat etwa 500 Mitglieder in ganz Bayern, in München 43. 

16. Juli 1871

Schwabing - München-Maxvorstadt * Die siegreichen bayerischen Truppen ziehen triumphierend durch das feierlich geschmückte Siegestor.

25. September 1871

Oberammergau * Separatvorstellung des Oberammergauer Passionsspieles für König Ludwig II..


1872

1872

München * Die dritte Welle der „Cholera“ kündigt sich an.

In München sterben 17 Menschen an der Seuche.

1. Januar 1872

München * Das Gesetz, die Maß- und Gewichtsordnung betreffend tritt in Kraft. Damit wird das metrische System mit seinen dezimalen Teilungen und Vielfachen im Königreich Bayern eingeführt. Eine Ausnahme bildet das Pfund, das gesetzlich auf ein halbes Kilogramm festgelegt wird. 

Um den 15. Januar 1872

München * Prinz Otto wird von mehreren Ärzten untersucht. Die Mediziner sehen eine Heilung im Bereich des Möglichen, wenn der Patient von München entfernt und einer konsequenten Behandlung unterzogen werden würde. Ottos Leibarzt Dr. Gietl vermutet sogar, dass der Prinz innerhalb eines halben Jahres sterben wird, wenn er sich nicht einer strengen Kur unterzieht.  

Man attestiert ihm aber nicht Schizophrenie, sondern Syphilis. Erst als Ottos Tod partout nicht eintreten will, ändert man das Krankheitsbild auf Paranoia um. 

25. Februar 1872

München-Graggenau - Schloss Nymphenburg * Prinz Otto wird - gegen seinen Willen - auf Anordnung seines Bruders König Ludwig II. aus der Residenz entfernt und nach Schloss Nymphenburg gebracht, wo er im südlichen Pavillon isoliert wird. 

29. September 1872

München-Theresienwiese * Michael August Schichtl und seine Brüder bringen aus Frankreich einen neuen Trick mit: „Die Enthauptung einer lebenden Person auf hell erleuchteter Bühne.“ 


1873

September 1873

München-Theresienwiese * Das „Oktoberfest“ wird wegen der heraufziehenden „Cholera-Epidemie“ abgesagt.

Seit 1810 fällt das Volksfest damit zum fünften Mal aus.

2. September 1873

Deutsches Reich * Im Deutschen Kaiserreich wird am 2. September der „Sedantag“ als patriotischer Feiertag an Stelle eines noch nicht existierenden Nationalfeiertages gefeiert. Es ist vor allem ein Feiertag des kaisertreuen Bürgertums, des Adels sowie des Militärs, der preußischen Beamtenschaft und der ländlichen Bevölkerung gewesen, nicht oder nur kaum einer der Arbeiterschaft.

Ab 9. November 1873

München * Die dritte Cholera-Epidemie bricht zwischen 9. und 15. November in München aus. Sie wütet am Schlimmsten bis April 1874 und wird bis 1875 andauern. Obwohl die Seuche diesmal vergleichsweise glimpflich abläuft, werden dennoch etwa 1.400 Münchner an der Cholera sterben.

Sie führt zur Umsetzung der von Professor Max von Pettenkofer vorgeschlagenen hygienischen Maßnahmen der Stadtsanierung:

  • den Bau der Schwemmkanalisation,
  • einer zentralen Wasserversorgung und
  • dem zentralen Schlacht- und Viehhof.

Damit wird München, als eine der schmutzigsten Städte die „sauberste Stadt Europas“.

10. November 1873

München-Maxvorstadt * Der Grundstein für die evangelische Markuskirche an der Gabelsbergerstraße in der Maxvorstadt wird gelegt. 


1874

1874

München-Kreuzviertel * Zum Andenken an Joseph Anton Ritter von Maffei nennt der Magistrat die „Fingergasse“ auf den Namen dieser außergewöhnlichen bayerischen Unternehmerpersönlichkeit um.

Ab 1874

München * Die Planungen für eine „zentrale Wasserversorgung“ beginnen.

Im Jahr 1874

München * Auf Betreiben des Münchner „Polizeidirektors“ Max Freiherr von Feilitzsch wird der „Sozialdemokratische Verein“ aufgelöst. 

Von 1875 bis 1878 werden 568 Verfahren wegen „geheimer Verbindung und verbotener Affiliation“ eingeleitet. 

1874

München * Nachdem Prinz Otto von Bayern partout nicht sterben will, attestieren ihm die Ärzte „Paranoia“

Darunter versteht man zu dieser Zeit „Geistesstörungen mit Sinnestäuschungen, Wahnvorstellungen und Beziehungsideen, Verfolgungs- und Größenideen“

12. Oktober 1874

Waltenhofen * Die Königin-Mutter Marie tritt in Waltenhofen zum römisch-katholischen Glauben über. 


1875

1875

München-Ludwigsvorstadt * 100 Hektoliter Wasser werden vom „Taubenberg“ nach München gebracht und beim „Spatenbräu“ ein Probesud angesetzt.

Das gebraute Bier entspricht den Vorstellungen und den Qualitätsanforderungen der Brauer und der Verbraucher.

1875

München * Wichtige Verkehrsregeln treten in Kraft. 

  • Das Rechtsfahren von Pferdefuhrwerken wird eingeführt;
  • das Zerkleinern von Brennholz in weniger als vier Meter breiten Straßen wird verboten.
9. Februar 1875

München * Dr. Bernhard von Gudden fertigt ein Gutachten über Prinz Otto und dessen geistig-seelischen Zustand. 

3. Mai 1875

München * Die „Polizeidirektion“ erlässt eine neue „Bezirks- und Distriktseinteilung“, mit der Aufzählung sämtlicher Straßen, die zu dem jeweiligen Bezirk gehören.  

Alle bisherigen „Gassen“ heißen seitdem „Straße“.  
Nur die „Preysinggasse“ wird vergessen und dafür im Jahr darauf zur Straße.

Inzwischen ist aus der „Preysingstraße“ die „Viscardigasse“ geworden.  

Andere „Straßen“ nennt man später wieder in „Gasse“ um.  
Es sind dies die „Dürnbräugasse“, die „Albertgasse“ und die „Filserbräugasse“

10. Mai 1875

Bamberg - München-Kreuzviertel * Amalie, die ehemalige Königin von Griechenland, stirbt in Bamberg. Sie wird in der Fürstengruft der Theatinerkirche beigesetzt. 

7. Juni 1875

München * Prinz Otto will eine Reise in die Beneluxländer, Skandinavien und Russland unternehmen. 

9. Juni 1875

Würzburg - München * Prinz Otto muss seine Reise in die Beneluxländer, Skandinavien und Russland wegen auftretender starker Wahnideen abbrechen. Zwei Tage nach Reiseantritt trifft er schon wieder in München ein. 

22. August 1875

München * Bayernprinz Ottos letzter öffentlicher Auftritt gemeinsam mit seinem Bruder König Ludwig II. bei der Königsparade auf dem Münchner Marsfeld. 


1876

Ab 1876

Sendling - München-Angerviertel * Zwischen 1876 und 1878 entsteht auf dem „Sendlinger Unterfeld“ der „Zentrale Schlacht- und Viehhof“.

Damit können die „Untere Metzg' am Füße des Petersbergls“ und die „Obere Metzg' am Färbergraben“ aufgehoben werden.

1876

München-Maxvorstadt * Durch das ständig steigende Verkehrsaufkommen wird der „Centralbahnhof“ umgebaut. 

1876

München * Über die Münchner „Prostituierten“ liest man:

„München zählt [...] nahezu 1.000 konskribierte öffentliche Phrynen [Dirnen], deren Kleiderkunst und übertünchte Gesichter sich in den schönen Teilen der Stadt zeigen“.

Weiter beklagt der Bericht die überhand nehmende Straßenprostitution und plädierte für die Errichtung eigener „Freudenhäuser“.

5. Januar 1876

Köln * Konrad Adenauer, der spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und CDU-Vorsitzende, wird in Köln geboren. 

2. März 1876

Rom * Eugenio Pacelli, der spätere Papst Pius XII. und langjährige Nuntius in München, wird in Rom geboren. 

7. Mai 1876

München * Franz von Pocci stirbt in München. 

29. Oktober 1876

München * Dr. Bernhard von Gudden wird der betreuende Arzt von Prinz Otto. Er führt das System der Prinzenärzte ein. Seine Assistenzärzte übernehmen freiwillig Prinz Ottos Betreuung für ein oder zwei Monate. 


1877

1877

München * Irene Gräfin von Arco stirbt.

Aloys (Louis) Graf von Arco-Stepperg heiratet in zweiter (morganatischer) Ehe die Tänzerin Pauline Oswald, die Mutter seiner inzwischen neunjährigen Tochter Sophie Gräfin von Arco-Stepperg.

6. August 1877

München-Maxvorstadt * Die Polytechnische Schule wird in Technische Hochschule in München umbenannt. 

6. November 1877

Rinnerspitz * Girgl Jennerwein, der berühmte „stolze Wildschütz‘“, der in „seinen schönsten Jahren“ als Wilderer wird auf dem Rinnerspitz in den Schlierseer Bergen ermordet. Er ist auf dem Friedhof Westenhofen in Schliersee beerdigt. 


1878

16. März 1878

München * König Ludwig II. entmündigt seinen Bruder Prinz Otto. 

Um den 18. Oktober 1878

Schloss Schleißheim * Prinz Otto wird in Schloss Schleißheim untergebracht. 


1879

24. Dezember 1879

München * Die Münchner erleben mit minus 13,5 Grad den kältesten Heiligabend seit es Wetteraufzeichnungen gibt. 


1880

1880

München * Joseph Anton Ritter von Maffei's Neffe und Nachfolger, Hugo Alois von Maffei, gehört zu den Gründern der „Bayerischen Rückversicherungsgesellschaft“, aus der später die „Allianz-Versicherung“ hervorgeht. 

Seit um den 3. Februar 1880

Schloss Fürstenried * Das Schloss Fürstenried wird für die Unterbringung des Wittelsbacher-Prinzen Otto saniert und umgebaut. Die Arbeiten dauern bis zum Jahr 1883. 

13. März 1880<p><strong><em>München</em></strong> * Die Unterbringung des Prinzen Otto in Schloss Fürstenried&nbsp;wird offiziell beschlossen. &nbsp;</p> <ul> <li>Ottos Vermögensverwaltung erwirbt das Schloss um 126.915 Mark. Damit ist Schloss Fürstenried&nbsp;Ottos Privateigentum.&nbsp;</li> <li>Schloss Fürstenried&nbsp;wird der ständige Aufenthaltsort des Prinzen Otto von Bayern bis zu dessen Tod.&nbsp;</li> </ul>
3. Juli 1880

München * Carl von Eichthal, der Kgl. Bay. Hofbankier und Mitbegründer der Bayerischen Vereinsbank, stirbt in München. 

August 1880

München * Der Scharfrichter Lorenz Schellerer stirbt nach 72 selbst vorgenommenen Enthauptungen in der Psychiatrie, in die er wegen Verfolgungswahns eingeliefert worden ist.

In der Zwischenzeit ist Joseph Kißlinger, ebenfalls ein Verwandter der Reichharts, zum Henker ernannt worden.


1881

1881

München * Der Bau der „Schwemmkanalisation“ wird begonnen.

Damit kann sich der durch Miststätten, Latrinen und Versitzgruben verseuchte Boden wieder selbst reinigen.

21. März 1881

München-Kreuzviertel * Das Landtags-Wahlgesetz vom 4. Juni 1848 wird geändert und darin die Geheime Wahl eingeführt. Es werden zwar weiterhin in einer Urwahl zunächst die Wahlmänner bestimmt, die dann in einem elitären Kreis noch elitärere Kandidaten zum Landtags-Abgeordneten wählen.  

Doch bis dahin mussten die Urwähler den Wahlzettel unterschreiben. Diese Vorschrift entfällt jetzt. 

25. November 1881

Sotto il Monte * Angelo Giuseppe Roncalli, der spätere Papst Johannes XXIII., wird in Sotto il Monte, in der Provinz Bergamo, geboren. 


1882

1882

München-Maxvorstadt * Die „Ostbahnhalle“ beim „Centralbahnhof“ wird abgerissen.

1882

München-Isarvorstadt * Im Haus in der Reichenbachstraße 13, in dem sich heute die „Deutsche Eiche“ befindet, ist ein Gastwirtschaft untergebracht.

Der Name „Deutsche Eiche“ entstand nach der „Reichsgründung“ 1870/71 und sollte „Nationalstolz sowie Recht und Ordnung“ demonstrieren.

1882

München-Graggenau * Für die evangelischen Schulkinder des Münchner Ostens ist die protestantische „Schule an der Herrnstraße“ zuständig. 

Lediglich den Kindern des ersten und des zweiten Schuljahres ist es wegen der Länge und Gefährlichkeit des Schulweges gestattet, die entsprechenden Klassen in einer katholischen Schule zu besuchen. 

Von diesem Entgegenkommen machen jedoch nur wenige Schüler Gebrauch, da die Mehrzahl der Eltern befürchtet, ihre Kinder würden von dem „katholischen Geist dieser Klassen“ negativ beeinflusst werden und nehmen deshalb lieber den Weg in die Stadt in Kauf. 


1883

1883

Ägypten - Indien * Robert Koch entdeckt die „Cholera-Erreger“, die die akute bakterielle Darminfektion verursachen.

1883

München * Die „Wasserversorgung aus dem Mangfalltal“ bringt reines, gesundes Wasser nach München.

5. April 1883<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> * Der 30. Landtag&nbsp;dauert vom 5. April 1883 bis zum 1. Juli 1886 und steht ganz im Zeichen der wachsenden Schulden&nbsp;des <em>„Märchenkönigs“</em> Ludwig II. auf Grund seiner Schlösserbauten. Weitere Themen sind die&nbsp;Entmündigung&nbsp;sowie der&nbsp;Tod Ludwigs II..&nbsp;</p>
1. August 1883

Mangfalltal - München * Die Wasserleitung aus dem Mangfallgebiet wird - mit den üblichen Gottesdiensten in der katholischen Frauenkirche, der evangelischen Matthäuskirche und in der Synagoge - offiziell eingeweiht.

20. September 1883

Schloss Fürstenried * Prinz Otto wird Schloss Fürstenried bis zu seinem Tod nicht mehr verlassen. Er ist lebendig begraben. 

November 1883

München-Lehel * Ein Artikel in den „Münchner Neuesten Nachrichten“ befasst sich mit der „Bedeutung des Isarquaies für München“.
Der Verfasser betont darin die städtebaulich „unvergleichlich günstige Lage des Mariannenplatzes“, der sogar als Bauplatz für den „Justizpalast“ in Erwägung gezogen worden ist.

Der evangelischen Kirchenverwaltung erscheint der Bauplatz als sehr teuer, weshalb sie noch das Gelände der „I. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung“ am Isartorplatz ins Gespräch bringt.
Die „Lokalbaukommission“ schlägt ihrerseits noch Standorte auf der „südlichen“ beziehungsweise „nördlichen Kohleninsel“ vor.  Schließlich einigt man sich doch auf den Mariannenplatz als Standort für die „Lukaskirche“.  

Das Gotteshaus sollte eigentlich die protestantische Kirche für den Münchner Osten werden, doch bereits 1889 wurde am Preysingplatz in Haidhausen die „Johanneskirche“ als evangelische „Notkirche“ erbaut.
Nun haben die Protestanten auch „ihren Sammelpunkt jenseits der Isar“. Doch das war bestimmt kein Zufall, denn der Architekt beider Kirchen ist Albert Schmidt, der gleichzeitig - heute kaum vorstellbar - den acht Mitgliedern der „protestantischen Kirchenverwaltung“ in München angehörte. 

„Der soziale Status der protestantischen Gemeindemitglieder lag deutlich über dem Durchschnitt. Viele gehörten der geistigen und finanziellen Oberschicht an“, weshalb die Gruppierung sehr selbstbewusst auftrat, was im fundamental katholischen Bayern ganz bestimmt auch nötig war [und ist?]. 


1884

2. Mai 1884

Amberg * Franz Xaver Reichhart wird neuer „Scharfrichter“ und vollzieht an diesem Tag sein erstes Todesurteil auf der „Amberger Fronfeste“.


1885

1885

München-Ludwigvorstadt - München-Maxvorstadt * Die beiden evangelischen Kirchen erhalten ihre Namen: „Matthäuskirche“ und „Markuskirche“

23. September 1885

München • Carl Spitzweg stirbt in München. 

29. September 1885

München-Kreuzviertel * Die Sitzungsperiode des Bayerischen Landtags beginnt.  

Nachdem Reichskanzler Otto von Bismarck die Übernahme der Schulden von König Ludwig II. durch den Landtag vorgeschlagen hat, entwickelt sich bei den Abgeordneten der Patriotenpartei eine für den König sehr ungünstige Stimmung. Pläne zur Erhöhung der Zivilliste, um König Ludwig II. - unter strengen Auflagen - die Abzahlung seiner Schulden zu ermöglichen, werden zwar diskutiert, aber nicht weiter verfolgt.  

Bei den Konservativen besteht keine Neigung für eine Finanzhilfe. „Wir halten fest zu unserem angestammten Fürstenhause, zu unserem Könige, aber was auch kommen möge, wir werden auch die Interessen des Volkes hoch halten, Wünschen gegenüber, die mit dem Volkswohl nicht im Einklang stehen“. Eine Diskussion des Themas im Landtag wird sogar als gefährlich bezeichnet, „denn die Stimmung im Lande sei der Art, daß jede Discussion die Aufregung bis zum Überlaufen steigern und Dinge ans Licht bringen könne, über die man sich entsetzen würde“

31. Dezember 1885

München * München hat 262.000 Einwohner. 

  • Nur 37 Prozent sind eingeborene Münchner. Die anderen sind aus Bayern zugezogen. 
  • 6 Prozent kommen aus anderen deutschen Länder, 4 Prozent aus dem Ausland, überwiegend aus Österreich und Ungarn. 

1886

1886

Main * Die Dampfschifffahrt auf dem Main erlebt mit der Errichtung der „Kettenschleppschifffahrt“ eine neue Blüte.

2. Mai 1886

Nürnberg * Der „Nürnberger Anzeiger“ schreibt zur Finanzmisere König Ludwigs II. folgende Zeilen:  

„[...] der Staat soll Schulden machen, um die Kalamität der Kabinettskassa zu beseitigen, wozu eine Summe von 12 bis 20 Millionen Mark - nach den verschiedenen Lesearten - nötig sein wird.  
Ob hierzu wirklich so leicht die Genehmigung der 2/3-Mehrheit der Landboten zu erhalten ist, wollen wir doch erst abwarten, nach unserer Meinung kann hierzu eine Volksvertretung ihre Zustimmung unmöglich geben“

7. Juni 1886

München * In den Ministerrats-Sitzungen vom 7., 8. und 9.Juni 1886 werden - unter dem Vorsitz des Bayernprinzen Luitpold - die entscheidenden Schritte zur Entmündigung von König Ludwig II. und der Übernahme der Regentschaft durch Prinz Luitpold in die Wege geleitet. 

14. Juni 1886

München - Schloss Fürstenried * Nachfolger auf dem Thron des Märchenkönigs und damit Bayerns fünfter König wird dessen 38-jähriger, schwer geisteskranke, seit dem 16. März 1878 entmüdigte und seit März 1880 in Schloss Fürstenried weggesperrte Bruder Otto I.. Er wird offiziell zum König proklamiert, wobei man die feierliche Ausrufung durch einen Herold allerdings unterlässt. Pro forma werden aber die Truppen auf den neuen König Otto I. vereidigt.

Obwohl er den Königstitel seit dem Tag seiner Proklamation bis zu seinem Lebensende - am 11. Oktober 1916 - trägt, wird er in den bayerischen Geschichtsbetrachtungen kaum erwähnt. Otto ist dreißig Jahre lang bayerischer König; so lange wie kein anderer Wittelsbacher. Der um drei Jahre jüngere Bruder des Märchenkönigs ist allerdings wegen „schwerer und unheilbarer geistiger Umnachtung“ nicht in der Lage, die Regierungsgeschäfte wahrzunehmen.

Ein von drei unabhängigen Ärzten verfasstes und in Einstimmigkeit unterzeichnetes Gutachten „über den Geisteszustand seiner Majestät Otto I. von Bayern“ kommt zu dem abschließenden Ergebnis, dass „Seine Majestät Otto I. König von Bayern in Folge langjähriger und unheilbarer Geistesstörung als verhindert an der Ausübung der Regierung zu betrachten sei, und daß diese Verhinderung mit Bestimmtheit für die ganze Lebenszeit andauern werde“.

Auch der „Besondere Ausschuß der Kammer der Reichsräte“ befasst sich mit dem Gesundheitszustand des fünften Bayernkönigs. Deshalb tritt Prinz Luitpold auch die Regentschaft für König Otto I. an und damit in die in der Bayerischen Verfassung aus dem Jahr 1818 vorgesehene Regelung der Reichs-Verwesung ein. 

Diese ist vorgesehen, „während der Minderjährigkeit des Monarchen“ oder „wenn derselbe an der Ausübung der Regierung auf längere Zeit verhindert ist, und für die Verwaltung des Reichs nicht selbst Vorsorge getroffen hat, oder treffen kann“.

Der Regent unterzeichnet als „des Königreichs Baiern Verweser“ oder - populär ausgedrückt - als Prinzregent. Die Bayerische Verfassung schließt also die Thronfolge trotz der gegebenen Regierungsunfähigkeit nicht aus.

15. Juni 1886

Schloss Fürstenried * Oberhofmarschall Ludwig Freiherr von Malsen und General Siegmund Freiherr von Pranckh besuchen den neuen König Otto I. und melden ihm den Tod seines Bruders Ludwig. II.. Otto zeigt keine Regung auf die Todes-Nachricht.  

Danach wird ihm die Thronfolge- und Regentschaftsproklamation verlesen. Er freut sich offensichtlich darüber, künftig mit Majestät angesprochen zu werden. Ob er jedoch die Nachricht in Gänze begriffen hat, wird schon damals bezweifelt. 

20. Juni 1886

München * Der Journalist Anton Memminger schreibt in der Bayerischen Landeszeitung:  „Um sich auf seinen Sesseln weiter halten und in gewohnter Weise fortwursteln zu können, hat das Ministerium Lutz den Prinzen Otto zum König eingesetzt. [...]  

Allein der klare Wortlaut der Verfassung widerspricht der Ernennung Ottos zum König. In der Urkunde heißt es, dass der König den Eid auf die Verfassung leisten muss. Ein Prinz, der aber nichtfähig ist einen Eid zu leisten, weil er den selben weder verstehen noch halten kann, soll der nun fähig sein, König zu werden? [...]  

Das ganze Volk war auch völlig verblüfft, als ihm das Ministerium einen irrsinnigen Prinzen als König vorstellte. [...]  Wo soll das hinaus? Man kann doch dem Volke nicht zumuten, dass es die Ehrfurcht, Liebe und Achtung, die es dem genialen König Ludwig II. auch im Unglück nicht versagte, auf einen unheilbaren blödsinnigen Prinzen überträgt.“  

Der Verfasser der Zeilen wird wenig später deswegen verurteilt. 

21. Juni 1886

München-Kreuzviertel * Die Kammer der Reichsräte gibt seine Zustimmung zu der für König Ludwig II. übernommenen und für den geisteskranken König Otto I. fortzusetzende Regentschaft durch den Prinzen Luitpold. 

26. Juni 1886

München-Kreuzviertel * Die Kammer der Abgeordneten erteilt seine Zustimmung zu der für König Ludwig II. übernommenen und für den geisteskranken König Otto I. fortzusetzende Regentschaft durch den Bayernprinzen Luitpold. 

29. Dezember 1886

Schwabing * Prinzregent Luitpold verleiht der künftigen Stadt Schwabing [Stadterhebung am 1. Januar 1887] ein eigenes Stadtwappen. In einem blauen Schild werden zwölf goldene Ähren von einem silbernen, zu einer Schleife verschlungenen Band zusammengehalten.


1887

1. Januar 1887

Vorstadt Schwabing * Die Gemeine Schwabing wird zur Stadt erhoben. 

8. Januar 1887

München - Vorstadt Schwabing * Die Regierung von Oberbayern, Kammer des Innern übergibt der Stadt Schwabing ihr neues Stadtwappen. Es zeigt zwölf goldene Ähren im blauen Schild, deren Halme von einem silbernen, zu einer Schleife verschlungenen Band zusammengehalten werden.

16. September 1887

München-Angerviertel - München-Kreuzviertel * In den Morgenstunden begehen die jüdischen Gläubigen Münchens in der alten Münchner Synagoge an der Westenriederstraße den letzten Gottesdienst und überführen anschließend die Thora-Rollen in das neue israelitische Gebetshaus. Dort angekommen legen sie den Schlussstein der Kirche, der eine Kapsel mit einer Urkunde über den feierlichen Akt sowie sämtliche Tageszeitungen und die in Umlauf befindlichen Münzen enthält.

Um 17 Uhr erfolgt dann - unter interessierter Beteiligung der Münchner Öffentlichkeit und der offiziellen Repräsentanten von Stadt und Staat - die feierliche Einweihung der neuen, nach dreijähriger Bauzeit fertiggestellten Münchner Haupt-Synagoge an der Herzog-Max-Straße 7. Ausgestattet mit 1.000 Männer- und 800 Frauen-Betstühlen ist sie - nach der Berliner und der Breslauer Synagoge - das drittgrößte deutsche jüdische Gotteshaus und Zentrum der liberal ausgerichteten Mehrheitsgemeinde.

Die zeitgenössischen Kritiker würdigen den Bau als „ein völlig selbständiges Werk von ausgeprägter Eigenart, ein Denkmal, nicht nur des Meisters, der es geschaffen hat, sondern auch der Zeit, in der es entstand“. Und das Münchner Tagblatt vermerkt überschwänglich, dass das „architektonische Schmuckkästchen“ München nun wieder „um eine köstliche Perle reicher geworden“ ist.

13. Oktober 1887

München-Graggenau * Die vier Moriskentänzer aus dem Besitz des Conte Palavicini-Barrocco werden um 8.000 Francs wieder zurückgekauft. 

4. November 1887

München-Hackenviertel * Da die vier Moriskentänzer aus dem Besitz des Conte Palavicini-Barrocco „hier mit kleineren Defecten angekommen“ sind, werden sie der Firma Radspieler zur Restaurierung übergeben und die Figuren neu gefasst. 


1888

1888

München * Meyers Konversations-Lexikon beschreibt den „autochthonen [= einheimischen] Münchner“ folgendermaßen: „Insoweit sich noch typische Figuren des echten Münchners finden, zeigt dieser sich bieder, trockenen Humors, schwerblütig und genussfreudig, aber auch bei schwerer Arbeit ausdauernd und kräftig, für das Fremde nicht leicht einzunehmen, auf seine Stadt und ihre Schönheit stolz, wenn auch mit mancher großstädtischer Neuerung nicht immer sofort einverstanden. 

Im Hofbräuhaus, wo man sich selbst bedient, statt des Stuhls mit einem Fass, statt des Tellers mit einem Blatt Papier oder auch der flachen Hand begnügt, um Stand und Würden des Nachbarn unbekümmert, mit demselben rasch ein gemütliches Gespräch anknüpft, oder in den zahlreichen Lagerbierkellern [...] der Vorstädte, wo auch das schöne Geschlecht, das in München seinen Namen mit Recht führt, vertreten ist, spielen sich köstliche Volksbilder ab, deren Drastik sich steigert zur Zeit des Bocks, einer im Mai zum Ausschank gelangenden, besonders kräftigen Biersorte, oder des Salvators, der schon um Ostern im sogenannten Zacherlbräu verabreicht wird.“  

Vor 1888

München * Nachdem die Trinkwasser- und Abwasserproblematik gelöst ist, macht sich der Magistrat an die Beseitigung des Müllproblems. Um die Entsorgung der Abfälle ist es äußerst schlecht bestellt. Von einer regelmäßigen Sammlung des festen Hausmülls ist man in München noch weit entfernt.

Die Bürger werfen ihre Abfälle weiterhin in eine der 2.700 Asche-, Kehricht- und Düngegruben, die jährlich mindestens einmal entleert werden müssen. Das war's dann schon, mehr Müllbeseitigung gibt es bis dahin noch nicht.

1888

München * Eine eigens gebildete Kommission geht auf Reisen, um in Frankfurt, Hannover, Bremen, Hamburg, Dresden, Leipzig, Prag und Berlin die dortigen Methoden der Müllbeseitigung zu studieren. Danach will man die Zustände in München ändern.

27. Juni 1888

München - München-Haidhausen * Die „protestantischen Einwohner der Vorstädte rechts der Isar“ erheben bei der Lokalschulkommission die Forderung nach Errichtung je einer ersten und zweiten Klasse in Haidhausen. 

Die Schulbehörde ist jedoch - aufgrund der in Haidhausen herrschenden Schulraumnot - nicht in der Lage, dem Antrag zu entsprechen, stellt aber die Errichtung der gewünschten Klassen nach der Fertigstellung des Erweiterungsbaues der Wörthschule für das Jahr 1891/92 in Aussicht. 

29. Juli 1888<p><strong><em>München</em></strong> * Aus Anlass des 100. Geburtstags von König Ludwig I. findet vom 29. bis zum 31. Juli 1888 eine Centenarfeier als rauschende Festfolge statt. Eigentlich hätten die Münchner das Fest schon zwei Jahre zuvor feiern wollen, da König Ludwig I. ja bereits 1786 geboren worden war. Doch die Hoftrauer um den im Starnberger See ums Leben gekommenen Enkel des Jubilars und <em>„Märchenkönigs“</em> machen entsprechende Festlichkeiten im eigentlichen Jubiläumsjahr 1886 unmöglich. Aus diesem Grund verschob man das Fest und führte es parallel zur Deutsch-Nationalen Kunstgewerbe-Ausstellung durch.&nbsp;</p>
31. Juli 1888<p><strong><em>München</em></strong> * Zum Höhepunkt der Centenarfeier, dem drei Kilometer langen Festzug, formieren sich tausende Menschen und Tiere. Der <em>„Künstler- und Handwerkerzug“</em> beginnt am Karlsplatz-Stachus, führt zum Marienplatz und von da durch die Dienerstraße zum Max-Joseph-Platz. Von hier aus bewegte er sich über den Odeonsplatz zum Siegestor, wo der Zug wendet, um auf der westlichen Straßenseite wieder zurück zur Briennerstraße zu gelangen, von wo aus der Weg weiter zum Königsplatz führen soll.&nbsp;</p> <p>Die Festzugsgruppe der <em>„Kauf- und Handelsleute“</em> präsentiert sich dabei mit einem Wagen, zu dem acht indische Elefanten gehören. Diese entstammen einer Leihgabe des Zirkusdirektors Carl Hagenbeck. Beim Umzug durch die Ludwigstraße trotteen die exotischen Tiere gelassen und brav einher. Als der Festzug jedoch am Siegestor eine Schleife macht, treffen die von Berbern berittenen Elefanten auf die als feuerspeienden Drachen dekorierte Straßenlokomotive in der Gruppe der Eisenindustrie. Die Elefanten erschrecken durch ein unachtsames Dampfablassen und von dem Rattern und Gezische des grotesken Vehikels derart, dass sie scheuten und wild trompetend davonrasen. Die aufgescheuchten Elefanten lösen wiederum eine Massenpanik unter den Besuchern aus.&nbsp;</p> <p>Den Anfang macht ein Elefantenbulle, der wild zu trompeten beginnt, durch die&nbsp;Ludwigstraße nach Norden trampelt und vor der Staatsbibliothek randaliert. Drei Tiere folgen ihm, Panik bricht aus, im Gedränge sterben Menschen. Die Zirkuswärter brauchen die Hilfe der schweren&nbsp;Reiterei, um die Elefanten zu bändigen.&nbsp;</p> <p>Vier weitere Elefanten nehmen in die entgegengesetzte Richtung Reißaus und verbreiten Angst und Schrecken. Im ungezügelten Galopp rennen sie über die Ludwig- in die Maximilianstraße, steuern den Hofgraben zu, wo sie an der Königlichen Münze das Hauptportal einrennen. Über den Alten Hof laufen sie weiter zum Viktualienmarkt und richten unter den Verkaufsständen verheerende Verwüstungen an. Ein Elefant soll sogar ins Hofbräuhaus gerannt sein, bei denen Münchner Wirtshausbrüder und Elefanten einander Rüssel an Nase begegnen.&nbsp;</p> <p>Ihr weiterer Weg führt zum Gärtnerplatztheater und von dort zur Auenstraße 46, wo sie sich im Hof einfangen und beruhigen lassen. Später bringt man einen an die Vorgänge erinnernden Gedenkstein an. Immerhin verlieren durch die <em>„Elefanten-Katastrophe“</em> und der damit verbundenen Massenpanik zwei, nach anderer Quelle vier Menschen ihr Leben. Zudem verursacht sie 42 Verletzte.&nbsp;</p>
15. November 1888

München - Tegernsee * Herzog Max in Bayern stirbt in München. Seine Grabstätte befindet sich in der Gruft von Schloss Tegernsee. 


1889

17. Mai 1889

Schloss Hohenschwangau * Königinmutter Marie Friederike, Ludwig II. Mutter, stirbt auf Schloss Hohenschwangau  Ihre Grabstätte befindet sich in der Fürstengruft der Theatinerkirche in München. 

23. September 1889

München • In München findet der erste Bayerische Katholikentag statt. 

20. Oktober 1889

München-Haidhausen * Aktive Protestanten haben über 30.000 Mark an Spendengeldern gesammelt, um am Haidhauser Preysingplatz eine Notkirche, die Johannes-Kirche, mit 200 Sitzplätzen zu errichten. An diesem Tag wird die Kirche eingeweiht. 


1890

1890

München * München hat 349.024 Einwohner. 

1890

München * Im Verwaltungsbericht „Über den Stand der Gemeindeangelegenheiten der königlichen Haupt- und Residenzstadt München“ werden die Zweifel an den bisherigen Methoden der Abfallsammlung deutlich formuliert.

Im Abschnitt „Reinlichkeitspolizei“ heißt es:
„Die innerhalb eines Anwesens sich ansammelnden Abfälle, insbesondere der sogenannte Hauskehricht (Kehricht, Asche, Küchenabfälle), sind in München bisher zumeist in Gruben aufgespeichert worden, welche jährlich mindestens einmal geleert werden mußten.
In diesem Kehricht befinden sich fäulniserregende Stoffe, welche die Träger von Krankheiten sein können.
Dies ist für die Gesundheit umso nachtheiliger, als erfahrungsgemäß die Verschlüsse jener Gruben schlechte sind, ein oftmaliges Öffnen derselben nicht vermieden werden kann, ja dieselben häufig wegen Überfüllung überhaupt offen stehen bleiben.
Die Sorge für die Gesundheit der Stadt verlangt eine rasche Entfernung dieser Stoffe [...] aus den genannten Anwesen.
Desgleichen verlangt die Gesundheitspflege, daß bis zu dem Zeitpunkt ihrer Entfernung die Stoffe in gut verschließbaren Behältern aufbewahrt bleiben.
Der Transport der Abfälle muß in gesicherter Weise stattfinden, sodaß weder sanitäre Gefahr entsteht, noch die Reinlichkeit verletzt wird“
.

Nach 1890

München * Hugo Alois von Maffei ist stellvertretender Vorsitzender der „Siemens-Schuckert AG“.

1890

München-Graggenau * Der „Eisbach“ vor dem „Prinz-Carl-Palais“ wird überwölbt.

1. Januar 1890

München-Neuhausen * Die selbstständige Gemeinde Neuhausen wird mit dem Gemeindeteil Friedenheim nach München eingemeindet. 

15. März 1890<p><strong><em>München</em></strong> * Der bayerische Ministerpräsident Johann von Lutz stellt die Trennung der Altkatholiken&nbsp;von der Katholischen Kirche&nbsp;fest. Die Altkatholiken&nbsp;verlieren dadurch die Rechte einer öffentlichen Korporation.&nbsp;</p>
1. Mai 1890

München * In Anerkennung seiner Verdienste erhält Arnold Zenetti viele hohe Auszeichnungen:

  • die „Goldene Bürgermedaille der Stadt München“,
  • den Titel „Oberbaurat“ und
  • zu seinem 40jährigen Dienstjubiläum den mit dem persönlichen Adel verbundenen „Kronenorden“, der ihm vom Prinzregenten Luitpold persönlich an die Brust geheftet wird. 
20. November 1890

München-Schwabing * Die bislang selbstständige und mit einem eigenen Wappen versehene Stadt Schwabing wird mit den Gemeindeteilen Biederstein, Hirschau, Neuschwabing, Riesenfeld nach München eingemeindet. 


1891

1891

München * Der „Verband der süddeutschen katholischen Arbeitervereine“ wird in München gegründet. 

1891

München-Maxvorstadt * Das „Lenbach-Haus“, die Künstlerresidenz des „Malerfürsten“ Franz von Lenbach, ist fertiggestellt. 

1891

Schliersee * Das „Schlierseer Bauerntheater“ wird gegründet. 

20. Februar 1891

München-Schwabing * Der Dichter Stephan George lässt sich in München nieder. In Schwabing bildet sich um ihn der Kreis der „Kosmiker“

1. Juni 1891<p><strong><em>Berlin</em></strong> * Nach einer weiteren Änderung der Reichsgewerbeordnung wird&nbsp;</p> <ul> <li>das Mindestalter von Fabrikarbeitern auf 13 Jahre erhöht und&nbsp;</li> <li>die Beschäftigung schulpflichtiger Kinder in Fabriken grundsätzlich verboten.&nbsp;</li> </ul>
1. Juni 1891

München * Das Gewerbegerichtsgesetz tritt in Kraft. In ihm ist festgelegt,

  • dass Arbeitsstreitigkeiten vor einem Gewerbegericht ausgehandelt werden können. 
  • Zudem verbietet es die Sonntagsarbeit und regelt die Kinderarbeit. 
1. Juli 1891

München - München-Giesing * „Innerhalb der Anwesen bzw. Grundstücke sich ansammelnder Unrat“ darf nicht mehr in Gruben gelagert, sondern ist „in dichten - Feuerungsreste und Asche überdies in metallenen - mit Deckel versehenen Behältern aufzubewahren [...] und zur Abfuhr bereitzuhalten“.

Der Müll wird zweimal in der Woche abgeholt. Alle, die im Einzugsgebiet wohnen, müssen bei der neumodischen Müllabfuhr mitmachen und dafür Gebühren zahlen. Die außerhalb des Anschlussgebiets weiterhin benutzten Gruben müssen nun mindestens zweimal jährlich geleert werden.

Bald nach Erlass der Richtlinie von 1891 konstruiert ein Schmiedemeister aus Giesing namens Fischer einen Sammelwagen, den er patentieren lässt. Der Wagen ist einachsig, wird von einem Pferd gezogen, kann nach unten entleert werden und fasst 2,85 Kubikmeter UnratEr bekommt den etwas eigenartigen Namen „Harritsch“. Diese Namensgebung soll vom englischen carriage für Wagen, in das eher bayerische Harritsch umgewandelt worden sein. Auch diese Unrat-Sammelgefäße sind normiert.

1. Juli 1891

München * Der bayerische Sozialdemokrat Georg Heinrich von Vollmar hält am 1. und am 6. Juli seine sogenannten „Eldorado-Reden“ [so genannt nach dem Lokal]. Nach dem Auslaufen der „Sozialistengesetze“ - so Vollmar - könne man „den Weg der Verhandlungen betreten und versuchen, auf der Grundlage der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung Verbesserungen wirtschaftlich und politischer Art herbeizuführen“. Die Idee, eine gewaltsame soziale Revolution sei unvermeidlich, ist damit ebenso aufgegeben wie die Theorie von Karl Marx. Außerhalb Bayerns werden Vollmars Ansichten nur wenig akzeptiert. 

1. September 1891

München * Arnold Ritter von Zenetti stirbt im Alter von 67 Jahren in München. Seine Grabstelle befindet sich im Alten südlichen Friedhof.

Dezember 1891

München * Mit dem „Deutsch-Sozialen-Verein“ wird in München erstmals eine antisemitische Gesellschaft gegründet.

Er fordert unter anderem die „Aufhebung des Emanzipationsgesetzes von 1869“, das die jüdische Bevölkerung erstmals offiziell vor dem Gesetz gleichstellt.

Darüber hinaus die „Beschränkung der Gewerbefreiheit“, die „Einführung von Befähigungsnachweisen“ sowie ein „Verbot der neuen, die Existenz der ortsansässigen Detailhändler und des heimischen Handwerks bedrohende Verkaufsformen“, worunter in erster Linie die gerade aufkommenden „Warenhäuser“ gemeint sind.


1892

6. November 1892

Nürnberg * In Nürnberg wird aufgrund der Initiative des Prinzen Ludwig [III.] der Verein zur Hebung der Fluss- und Kanalschifffahrt in Bayern - kurz Bayerischer Kanalverein - gegründet. 


1893

20. April 1893<p><strong><em>Tiefenthal</em></strong> * Der spätere Scharfrichter&nbsp;Johann Reichhart kommt in Tiefenthal im Landkreis Regensburg zur Welt.&nbsp;Sein Vater besitzt eine kleine Landwirtschaft und ist im Nebenerwerb Wasenmeister.&nbsp;</p>
12. Juni 1893

München - München-Schwabing * Herzog Max Emanuel in Bayern stirbt im Alter von 43 Jahren. Schloss Biederstein erbt seine Gemahlin Amalie. 

15. Juni 1893

München - Deutsches Reich - Berlin * Bei der Reichstagswahl des Jahres 1893 sind über 106.800 Münchner Männer wahlberechtigt. 

  • Den Wahlkreis München I (Altstadt, Lehel, Maxvorstadt) gewinnt Georg Birk [SPD],
  • der Wahlkreis München II (Isarvorstadt, Ludwigsvorstadt, Au, Haidhausen, Giesing), München-Land, Starnberg, Wolfratshausen, wird von Georg von Vollmar [SPD] erobert. 
29. Juni 1893

München-Lehel * Der Grundstein für die evangelische Lukaskirche im Lehel wird gelegt. 

12. Juli 1893

Königreich Bayern * Bei der Neuwahl zum Bayerischen Landtag können zwei neue Parteien in die Abgeordnetenkammer einziehen.  

  • Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands - SPD erhält fünf Mandate,
  • der Bayerische Bauernbund - BBB stellt sogar neun Abgeordnete.  
  • Das Zentrum, das aus der Patriotischen Partei hervorgegangen ist, verfügt nur noch über 74 Mandate.  

Aufgrund der unterschiedlichen Bestimmungen in Reich, Land und Stadt sind

  • bei der Landtagswahl 56.100, hingegen
  • bei der Reichstagswahl 106.800, und
  • bei der Kommunalwahl aber nur 19.292 Münchner wahlberechtigt. 
28. September 1893

München-Kreuzviertel * Der 32. Landtag dauert vom 28. September 1893 bis zum 10. Juni 1899. 

Ab Oktober 1893

München * Im „Deutschen Volksblatt“ wird die von den Antisemiten propagierte Aktion „Kauft nicht bei Juden“ mit dem Abdruck einer Liste jüdischer Geschäftsinhaber in München begleitet.

Ziel ist dabei der Boykott der jüdischen Geschäfte durch die „christlichen Konsumenten“.

7. Oktober 1893

Miesbach * Das letzte Haberfeldtreiben von Bedeutung findet in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober 1893 im oberbayerischen Miesbach statt. Es soll „eine großartige Manifestation des Haberertums gegen die auf Beseitigung des Brauches gerichteten Bestrebungen der geistlichen und weltlichen Behörden“ werden.

Den 300 bis 350 Haberern stehen lediglich 22 „Schandarm“ gegenüber. Es kommt zu einer Schießerei, bei der dem Gendarmen Würdinger in die Hoden geschossen wird. Auch ein Haberer trägt eine Oberschenkelverletzung davon. Das Haberfeldtreiben gleicht dadurch einer Schlacht. 

5. Dezember 1893

München * Kommunalwahl: Von den rund 380.800 Einwohner Münchens haben gerade einmal 19.292 das Wahlrecht für die Stadtratswahl. Die Wahlberechtigten setzen sich vor allem Haus- und Grundbesitzern, selbstständigen Handwerkern, Geschäftsleuten und Industriellen zusammen.

  • Nur der darf wählen, der das (gebührenpflichtige) Bürgerrecht besitzt.
  • Voraussetzung dafür sind unter anderem der Besitz des Heimatrechts, ein ständiger Wohnsitz in München, die Entrichtung von Steuern sowie Unbescholtenheit und Volljährigkeit.
  • Tagelöhner, Handwerksgesellen, kleine Gewerbetreibende und Frauen sind vom politischen Leben nahezu ausgeschlossen.  

Trotzdem kann Georg Birk als erster Sozialdemokrat in das Gemeindekollegium einziehen. 


1894

20. Februar 1894

München-Haidhausen * Die Stromerzeugungsanlage im ehemaligen Muffatwerk auf der Kalkofeninsel liefert erstmals Strom für die Straßenbeleuchtung. 278 Bogenlampen erhellen nun die Stadt.

22. Juli 1894

Berg am Starnberger See * Oskar Graf, der spätere Schriftsteller Oskar Maria Graf, wird als neuntes von elf Kindern im elterlichen Bäckerhaus in Berg am Starnberger See geboren. 


1895

1895

München * Die evangelische Gemeinde Münchens umfasst 57.478 Mitglieder. 

1895

München-Ludwigsvorstadt * Nach Auffassung des Münchner Magistrats kann man so etwas „Unanständiges“ wie die „Brunnengruppe Satyrherme & Knabe“ des Bildhauers Matthias Gasteiger unmöglich an einem viel besuchten Platz aufstellen, weshalb der Brunnen in die Nähe des „Toilettenhäuschens“ in der „Stachusgrünanlage“ zur Aufstellung kommt.

Aber so gut kann man das „Brunnenbuberl“ gar nicht verstecken, dass sich nicht doch „Moralapostel“ und „Sittlichkeitsvereine“ über diese „Sauerei“ ereifern.

Es kommt zum Skandal, in deren Folge der Münchner Polizeipräsident bei Matthias Gasteiger vorspricht, um ihm „allen Ernstes zu erklären, daß das Bildwerk höchst anstößig sei und daß das Interesse der Aufrechterhaltung der Moral und guten Sitten unbedingt erfordere, daß 'etwas' geschehen“.

Matthias Gasteiger unternimmt nichts. Er will keinesfalls ein Feigenblatt an seinem „Buberl“ akzeptieren.


1896

1896

München-Isarvorstadt * Emil Reichenbach kauft die „Deutsche Eiche“.

Seine Familie betreibt das Lokal fast 100 Jahre.

4. April 1896<p><em><strong>München</strong></em> * Der von Köln über Paris kommende Zuckerfabrikanten-Erbe Albert Langen startet die Satire-Zeitung <em>„Simplicissimus“</em>. &nbsp;</p> <p>In seiner Begleitung befinden sich der Hannoveraner Frank Wedekind und der aus Leipzig stammende Thomas Theodor Heine, die Pariser Flair und Esprit ins <em>„Isar-Athen“</em> bringen möchten.&nbsp;Thomas Theodor Heine hatte seine Karriere als Zeichner bei den <em>„Fliegenden Blätter“</em> begonnen.&nbsp;</p>
29. November 1896

München-Lehel * Die evangelische Lukaskirche wird eingeweiht. Ihr Baustil ist historisierend mit eindeutig herausragenden Jugendstilelementen. Das Evangelische Gemeindeblatt stellt mit Genugtuung fest, dass die „Kirchengemeinde die Kosten des großen Werkes, ohne Lotterie, Kollekte oder dergleichen, auf ihre eigenen Schultern genommen“ hat.

Die Lukaskirche wird oftmals als der Dom der evangelischen Mitbürger in München bezeichnet. Sie wird heute vom tosenden Verkehr und Lärm der Steinsdorfer Straße eingezwängt. 


1897

1897

Miesbach * Insgesamt 98 „Verdächtigte“ des „Haberfeldtreibens“ vom 7./8. Oktober 1893 in Miesbach werden angeklagt.

95 Angeklagte werden wegen „Landfriedensbruch“ zu Gefängnisstrafen von neun Monaten bis zu einem Jahr und sechs Monaten verurteilt.

Der Polizei- und Justizerfolg bringt das Ende des „Rügebrauchs“.
Zwischen 1901 und 1922 werden nur noch vier „Haberfeldtreiben“ gezählt. 

1897

München - Puchheim * Die Stadtverwaltung schließt mit der „Gesellschaft Hausmüllverwertung München“ einen Vertrag, worin sich die Stadt verpflichtet, dieser Gesellschaft den „gesamten Hausunrat ohne Ausnahme“ zur Trennung in verwertbare und nicht verwertbare Teile zu überlassen.

Die Gesellschaft baut dafür in Puchheim eigens eine entsprechende Anlage.
Die Stadt sorgt dafür, dass der „Müll“ mit der Eisenbahn nach Puchheim transportiert wird.

Aufgabe der Gesellschaft ist es, aus dem „Hausmüll“ landwirtchaftlich verwertbaren Dünger herzustellen und die hierfür nicht geeigneten Bestandteile des Mülls „hygienisch einwandfrei zu verwerten“.
Ausgesondert werden Glas, Papier, Knochen, Lumpen und Metalle, außerdem Gummi, Kork und Holz.
Was übrig bleibt, wird auf unfruchtbarem Moorgrund aufgeschüttet.

Nach Darstellung der „Süddeutschen Sonntagspost“ ist danach der Moorboden so fruchtbar, dass darauf sogar Futterrüben angebaut werden können.

1897

München * Die „Israelitische Kultusgemeinde München“ wehrt sich massiv gegen die „Zionistische Bewegung“ von Theodor Herzl, der in der bayerischen Haupt- und Residenzstadt den ersten „Zionisten-Kongress“ abhalten will.

Herzl hat sich für München als Veranstaltungsort entschieden, weil „diese Stadt als gastfreundlich gilt und ein geeigneter Verkehrsmittelpunkt“ ist.

Der zionistische Gedanke, der auf die Verwirklichung einer jüdischen Nation mit einem eigenen Staat „Palästina“ hinzielt, wird von den bayerischen Juden abgelehnt.
Sie fühlen sich als deutsche Staatsbürger und sehen durch das zionistische Gedankengut ihre Bemühungen um Integration gefährdet.

Sie wollen alles unterlassen, was den antisemitischen Parolen von der „fremden jüdischen Rasse“ und „dass die Juden Liebe und Anhänglichkeit zu ihrem Vaterlande nicht besitzen“ neue Argumente liefern könnte.

Der Widerstand der Münchner Juden bewirkt, dass der erste „Zionisten-Kongress“ in Basel stattfinden muss.

1897

München * Der „Bayerische Bauernbund - BBB“ fordert unter anderem

  • die „Aufhebung der kirchlichen Schulaufsicht“ und
  • die „Abschaffung der aristokratischen Ersten Kammer“.  

Georg von Vollmar, der Führer der „SPD“ fordert die „Trennung von Staat und Kirche“ und kritisiert die „Vormundschaft der Kirche über die Lehrer“.  

Das Zentrum sieht darin ein Streben nach „Entchristlichung der Schule“, wie sie auch den „Liberalen“ vorschwebe, und fordert im Umkehrschluss „die volle Emanzipation der Kirche von den Fesseln staatlicher Bevormundung“.

4. Februar 1897

Fürth * Ludwig Erhard, der spätere Wirtschaftsminister und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland sowie CDU-Vorsitzende, wird in Fürth geboren. 

26. September 1897

Concesio * Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini, der spätere Papst Paul VI., wird in Concesio, nahe Brescia, geboren. 


1898

15. Januar 1898

München * Die Vorschrift tritt in Kraft, wonach „Neubeschaffene sowie nachbeschaffene Behälter in Bezug auf Maß und Form genau der beim Stadtbauamt aufbewahrten Mustertonne entsprechen“ müssen. Diese sind bis zum Jahr 1983 offiziell in Gebrauch.

11. Juni 1898

München-Isarvorstadt * Prinzregent Luitpold eröffnet die II. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung. Als Ausstellungsgelände dient die Kohleninsel, die auch „zu etwas anderem gut sei als zu schmutzigen Schuppen, nächtlichem Aufenthalt lichtscheuen Gesindels und ab und zu einer verschwiegenen Mord- oder Gewalttat“.

Der Ausstellungsbau ist ein gewaltiges Gebäude im neoklassizistischen Stil mit einer imponierenden, säulengeschmückten Eingangshalle, einem 45 Meter hohen Rundturm, dessen Aussichtsgalerie über einen elektrischen Fahrstuhl erreicht werden kann, und weiteren Nebengebäuden. Zusammen mit der integrierten Isarkaserne stehen rund 4.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Architektonisch folgt man zwar den großen Vorbildern der Weltausstellungen, doch der schöne Schein ist trügerisch, denn die Bauten bestehen aus zusammengenagelten und weiß getünchten Brettern, die Säulen und der üppige Figurenschmuck sind lediglich Gips und Stuck - und damit nur für eine begrenzte Dauer konzipiert. 

Im südlichen Teil der Insel erreicht man über einen Park das Hauptrestaurant. Dem gegenüber befindet sich das Automatenrestaurant, in dem man sich - eine absolute Neuheit für die Münchner - gegen Geldeinwurf verpflegen kann. Im Park gibt es außerdem eine große Gartenschau und täglich stattfindende Standkonzerte.

13. Juni 1898

München * In Bayern dürfen nur noch solche Personen an einer Hinrichtung teilnehmen, die ein „ernstes Interesse“ an ihr bekunden können.

September 1898

München-Theresienwiese * Der Krokodilwirt Georg Lang gilt als Erfinder der Bierzelt-Stimmung. Er engagiert für sein Festzelt eine eigene, dreißigköpfige Festkapelle, die in der Tracht auftritt und als „Lang‘s Original Oberlandler“ bekannt wird. Die Blaskapelle ist in Tracht gekleidet und greift auf ein breites Spektrum beliebter Unterhaltungsmusik zurück. Die Polizeibehörde hat gegen den Einsatz einer Hauskapelle, die noch dazu vom Festwirt bezahlt wird, keinerlei Einwände, da dadurch das lästige Sammeln der Musiker mit dem Teller entfällt.

Die revolutionäre Tat Georg Langs folgt einer Mode jener Jahre. In vielen Bierpalästen, Singspielhallen und Volkssängerlokalen sind Musikkapellen in Oberländer oder Dachauer Tracht gang in gäbe. Mit der Musik steigert er den Bierumsatz. 

10. September 1898

Genf * Die österreichische Kaiserin und Apostolische Königin von Ungarn, Elisabeth [Sisi], wird in Genf ermordet. Gegen 13:30 Uhr stößt ihr der 25-jährige italienische Anarchist Luigi Lucheni eine scharf geschliffene Feile ins Herz.

Kaiserin Elisabeth war zur falschen Zeit am falschen Ort, denn Ihr Mörder hat es ursprünglich nicht auf sie abgesehen, sondern auf den französischen Thronanwärter, den Prinzen Henri Philippe d’Orléans. Da das auserkorene Opfer aber kurzfristig seine Reisepläne änderte, ermordet Lucheni kurzerhand die 60-jährige Elisabeth, die im Hotel Beau Rivage abgestiegen war. Sisi bemerkt den Einstich nicht, kann ihre Vorhaben zunächst weiter verfolgen, bricht dann aber zusammen und stirbt um 14:40 Uhr. 


1899

1899

München * Das Kaufhaus Hermann Tietz, der spätere Hertie, wird als erstes Kaufhaus in München eröffnet. Der Kaufhausbesitzer muss sich mehrmals vor Gericht den Anschuldigungen der Antisemiten erwehren, dass er durch ihre niedrigen Löhne die Verkäuferinnen zur Prostitution treiben würde. Das bringt zwar den Anschuldigern hohe Geldstrafen ein, hat aber auch Auswirkungen auf das Geschäft des Warenhauses Tietz. 

1. Januar 1899

München-Nymphenburg * Die selbstständige Gemeinde Nymphenburg wird mit den Gemeindeteilen Ebenau, Gern und Hirschgarten nach München eingemeindet. 

8. Januar 1899

Pasing * Der Pasinger Pfarrer Engelbert Wörnzhofer gründet einen Kirchenbauverein zum Neubau der späteren Pfarrkirche Maria Schutz. Er kann dafür Prinz Ludwig [III.] als Schirmherrn gewinnen. 

17. Juli 1899

Bayern * Bei den Wahlen erhalten die Liberalen nur noch 44 Mandate [- 23], das Zentrum, der Bayerische Bauernbund und die SPD können leicht zulegen, die Sozialdemokraten ihr Ergebnis von fünf auf elf Mandate mehr als verdoppeln.  

Bei dieser Wahl schließen das Zentrum und die SPD, die sonst nur wenig Gemeinsamkeiten haben, erstmals ein Bündnis, wonach sie sich gegenseitig in den drei Wahlbezirken München, Zweibrücken und Speyer ihre Stimmen geben, je nach den größeren Wahlchancen der örtlichen Kandidaten. Auf diese Weise sollen die Tücken des Mehrheitswahlrechts überwunden werden, wonach sämtliche Stimmen für die unterlegenen Kandidaten innerhalb eines Wahlkreises verfallen. 

September 1899

München-Theresienwiese * Der Krokodilwirt Georg Lang führt auf dem Oktoberfest den Trinkspruch „Ein Prosit der Gemütlichkeit - Eins, zwei, drei, gsuffa!“ ein. Der Autor des Liedes ist Bernhard Dietrich aus Chemnitz, der auch Kirchenlieder komponiert.

Damit die Gäste die Stimmungslieder mitsingen können, verteilt Georg Lang Texthefte auf den Tischen. Mit Postkarten und Werbeartikel macht er auf sich aufmerksam. Der Festwirt lässt sogar Steckerl zum Taktschlagen und dirigieren an die Gäste austeilen. 

28. September 1899

Kreuzviertel * Die Sitzungsperiode des 33. Landtags dauert vom 28. September 1899 bis zum 11. August 1904. Ein erneuter Versuch der Änderung des Wahlrechts scheitert in beiden Kammern. 


1900

1900

München * München hat 499.959 Einwohner. 

1900

München * Rund 12.000 Anwesen und damit 78 Prozent der Einwohner sind an das Abwassersystem angeschlossen. Die Abwasserrohre münden allerdings noch direkt in die Isar.

1. Januar 1900

München-Thalkirchen * Die selbstständige Gemeinde Thalkirchen wird mit den Gemeindeteilen Maria-Einsiedel und Obersendling nach München eingemeindet. 

1. Januar 1900

München-Laim * Die selbstständige Gemeinde Laim wird nach München eingemeindet. 

März 1900

München-Hackenviertel * Als der Wiener Gemeinderat Lucian Brunner im Münchner „Kreuzbräu“ im Auftrag des Historikers und Pazifisten Ludwig Quidde für den liberalen „Demokratischen Verein“ einen Vortrag halten soll, kommt es durch Parteigänger der „Christlich-Sozialen-Vereinigung“ zu Ruhestörungen und einer Massenschlägerei.

Als Quidde das Rednerpult betritt, „ging ein wütendes Gejohle und Gepfeife an, unterbrochen von Rufen: [...] „Raus mit dem Juden".

Am Veranstaltungslokal bringen die Antisemiten ein Plakat mit folgender Aufschrift an: „Hier werden wegen Kohlemangels Juden verbrannt“.

5. Juni 1900

München * Die Augsburger Abendzeitung meldet, dass König Otto I. an Blasenkrebs leidet. Die Meldung basiert auf Gerüchte. 

31. Dezember 1900

München * München hat 499.432 Einwohner. Davon sind lediglich 180.381 in München geboren. 


1901

9. Februar 1901

München-Graggenau * Max von Pettenkofer erschießt er sich in seiner Wohnung in der Münchner Residenz

5. März 1901

Geisenhofen bei Aufkirchen * Der „Räuber“ Mathias Kneißl wird im Aumacher­anwesen in Geisenhofen bei Aufkirchen von einem aus sechzig Mann bestehenden Polizeiaufgebot aufgespürt, niedergeschossen und gefangen genommen.

Weil die Todesstrafe nur an gesunden Personen vollzogen werden darf, lästern die Bayern: „An Kneißl Hias hams zerst zuagricht, dann hamsn hergricht und erst dann hamsn higricht.“ 

14. November 1901

Augsburg * Der Prozess gegen den Räuber Mathias Kneißl beginnt vor dem Oberlandesgericht Augsburg. Nach vier Verhandlungstagen fällen die zwölf Geschworenen das Urteil: Mathias Kneißl wird zum Tode verurteilt. Ein eingereichtes Gnadengesuch lehnt Prinzregent Luitpold ab. Der Ablauf des Gerichtsverfahrens und das Urteil selbst sind heftig umstritten. 


1902

17. Februar 1902

Augsburg * Am Montag teilt die Gefängnisleitung dem Räuber Mathias Kneißl mit, dass er am Freitag hingerichtet wird. Sein Kommentar: „Sakradi, de Woch' fangt scho guat o!“

21. Februar 1902

Augsburg * Der „Räuber“ Mathias Kneißl wird vom Scharfrichter Franz Xaver Reichhart in Augsburg hingerichtet.


1903

30. März 1903<p><strong><em>Berlin</em></strong> * Der Deutsche Reichstag verabschiedet mit dem <em>„Gesetz, betreffend Kinderarbeit in gewerblichen Betrieben“</em> ein erstes allgemeines Kinderschutzgesetz, von dem die landwirtschaftliche Kinderarbeit jedoch weiterhin ausgeklammert ist.</p>

1904

1904

München-Graggenau * Karl Rosipal, ein vermögender und exzentrischer Münchner Kaufmann, spendet aus Anlass des hundertjährigen Bestehens seiner Modewarenfirma der Stadt München über 30.000 Mark für ein „Glockenspiel“ am „Neuen Rathaus“. 

Er trägt damit zu einer der bekanntesten und meistfotografiertesten Sehenswürdigkeit Münchens bei.

6. April 1904

Ebingen * Kurt Georg Kiesinger, der spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, wird in Ebingen in Württemberg geboren. 

4. Dezember 1904

München * Sofie Gräfin von Moy gründet mit engagierten Münchner Bürgern den Hauspflege-Verein München e.V.. 


1905

1905

Mittenwald * Das „letzte Floß“ verlässt Mittenwald in Richtung München. 

1905

München * Die erste „Kraftdroschken-Gesellschaft“ wird in München von 22 Personen gegründet.

2. Januar 1905

Deutsch-Südwestafrika * In der entscheidenden Schlacht schlagen die deutschen Kolonialtruppen die Aufständischen vernichtend. Im Winter 1904/05 haben sich in Deutsch-Südwestafrika die Nama, die von den Deutschen „Hottentotten“ genannt werden, erhoben. Doch das beendet den Krieg nicht. 

17. Juli 1905

Königreich Bayern * Die Landtagswahlen sind von einem erneuten und ausgeweiteten Wahlbündnis“zwischen der SPD und dem Zentrum geprägt. Bei den Bayerischen Landtagswahlen erhält

  • das Zentrum 102 (bisher 83),
  • die Fortschrittspartei 22 (44),
  • die SPD 12 (11) Mandate.

Die Liberalen setzten ihren Abstieg fort und können nur noch 22 [- 22] Mandate erringen. Doch damit ist der Weg für eine Zweidrittelmehrheit geebnet, welche zu einer Wahlrechtsreform benötigt wird. 

28. September 1905

München-Kreuzviertel * Große Veränderung bringt die Sitzungsperiode des 34. Landtags, der vom 28. September 1905 bis zum 23. März 1907 tagt. 


1906

18. Januar 1906

München * Die erste Automobildroschke fährt auf Münchens Straßen. Bis dahin erledigten die Aufgabe der Personenbeförderung rund 500 Pferdedroschken.  

Für die Kraftdroschken wird eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 15 Stundenkilometer festgelegt. Doch schon bald beschweren sich die Kutscher, dass sich ihre motorisierten Kollegen nicht an die Höchstgeschwindigkeit hielten und rücksichtslos die Kurven schneiden. 

6. April 1906<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> *&nbsp;Das neue bayerische Landtagswahlgesetz&nbsp;tritt in Kraft.&nbsp;Es sieht die direkte Wahl der Abgeordneten,vor.</p>
9. April 1906<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> * Der Entwurf zum Wahlgesetz&nbsp;wird erstmals nicht von der Regierung eingebracht, sondern vom Landtag&nbsp;in Form eines Antrags.&nbsp;</p> <ul> <li>Der Vorsitzende des.&nbsp;Ministerrats, Clemens Graf von Podewils, unterstützt das Anliegen.&nbsp;</li> <li>In der Kammer der Reichsräte&nbsp;bemüht sich besonders Prinz Ludwig [III.] um die Annahme des Entwurfs. &nbsp;</li> </ul> <p>Damit wird die <em>„direkte Wahl“</em> und die <em>„gesetzlich geregelten Wahlkreise“</em> eingeführt. Noch immer aber gilt das <em>„relative Mehrheitswahlrecht“</em>, das die kleineren Parteien benachteiligt.&nbsp;</p>
3. Juni 1906<p><strong><em>St. Louis, Missouri</em></strong> * Die spätere Tänzerin, Sängerin und Schauspielerin Josephine Baker wird als Freda Josephine McDonald in St. Louis geboren. Sie ist die uneheliche Tochter des Schlagzeugers Eddie Carson und der Waschfrau Carrie McDonald. Sie wächst in ärmlichen Verhältnissen auf.</p>

1907

31. Mai 1907

Königreich Bayern * Die Wahlen werden erstmals nach dem neuen Wahlgesetz durchgeführt. Durch das Mehrheitswahlrecht erreicht  

  • das Zentrum mit 44 Prozent der Stimmen 60 Prozent der Mandate,  
  • die Liberalen erhalten 16 Prozent der Mandate bei 24 Prozent der Stimmen,  
  • die SPD benötigt für zwölf Prozent der Mandate 17,7 Prozent der Stimmen. 
27. September 1907

München-Kreuzviertel * Der 35. Landtag dauert vom 27. September 1907 bis zum 14. November 1911. Die SPD will gemeinsam mit den Liberalen und dem Bauernbund das Verhältniswahlrecht durchsetzen. Doch so weit kommt es nicht. 


1909

1909

Untergiesing * Die „Zentrale der städtischen Abfallentsorgung“ wird in der Sachsenstraße eröffnet.

Gleichzeitig werden die „Reparaturwerkstätten der städtischen Hausunratabfuhranstalt“ von der Landsberger Straße hierher verlegt. Es gibt bereits 650 „Harritschwägen“.

Der damalige Jahresbericht erzählt von 19.631 „Pferdeschichten“ und 33.336 „Mannschichten“ die geleistet wurden, um 117.577 Tonnen „Unrat“ bei den 550.000 Münchnern einzusammeln.
Rund 69.000 Fuhren werden per Bahn zur „Hausmüllverwertungsanlage“ nach Puchheim verfrachtet.

Der Giesinger Wagenschmiedmeister Fischer darf nur die ersten 36 „Harritschwägen“ liefern.
Alle weiteren bauen die Schmiede und Wagner der städtischen „Unratabfuhr“ selbst in ihren Werkstätten.

Die Wägen bleiben Eigentum der Stadt und werden an private „Abfuhrunternehmer“ für die „Mülleinsammlung“ ausgeliehen.
Diese haben eigene Stallungen und beschäftigen die „Harritschkutscher“.

Um 6 Uhr in der Frühe müssen die „Müllmänner“ ihre Pferde striegeln und anschirren.
Dann rücken die Gespanne unter Hufgeklapper aus.

Dieses Müllsammlungs-, Verwertungs- und Beseitigungssystem ist in Deutschland einmalig und dient vielen Kommunen als Vorbild.
Es funktioniert bis zum Zweiten Weltkrieg.

Dann kommt die „Abfallsortierung“ in der Puchheimer „Verwertungsanlage“ aus Mangel an Ersatzteilen zum Erliegen.
Damit hat München keine geordnete „Müllbeseitigung“ mehr.

18. Februar 1909<p><em><strong>München-Graggenau</strong></em> * Das Glockenspiel auf dem Münchner Rathaus erlebt seine öffentliche Erstaufführung. Gleichzeitig wird es von der Stadt endgültig abgenommen und sein&nbsp;Betrieb genehmigt.&nbsp;</p>
7. März 1909

Pasing * Mit der Segnung des neuen Pasinger Gotteshauses, der späteren Pfarrkirche Maria Schutz, wird dieses für die Gottesdienste geöffnet. 

31. Dezember 1909

München * Die Schulden des „Märchenkönigs“ Ludwig II. sind auch mit den Geldern seines Bruders Otto restlos getilgt. 


1910

1910

München * München hat 595.467 Einwohner. 

1910

München * Der aus Salzburg stammende Gustl Annast betreibt bis 1913 das Münchner Kabarett „Serenissimus“

1. Mai 1910

München-Theresienwiese * Auf der Theresienwiese findet die erste polizeilich genehmigte „Maikundgebung“ statt.

31. Dezember 1910

München * In München sind bereits 194 Kraftdroschken unterwegs. Die Pferdedroschken haben sich auf 286 reduziert. 


1911

14. November 1911

München-Kreuzviertel * Das Zentrum verweigert die Beratung des Verkehrsetats, weil ihr der linksliberale Verkehrsminister Heinrich von Frauendorfer zu sozialistenfreundlich ist und dem der SPD nahestehenden Süddeutschen Eisenbahnerverband ein Streikrecht einräumt.  

Das Zentrum will sich dem Prinzregenten als regierungsfähig darstellen und versucht sich mit einem scharfen antisozialdemokratischen Kurs zu profilieren. Daraufhin macht Prinzregent Luitpold von seinem verfassungsmäßigen Recht Gebrauch, löst den Landtag vorzeitig auf und setzt Neuwahlen an. Die letzte derartige Landtags-Auflösung fand im Jahr 1869 statt.  

Bei der Verkündung dieses Beschlusses in der Abgeordnetenkammer vermerkt das Protokoll „lebhaften Beifall links und bei den Sozialdemokraten“


1912

1. Januar 1912

München-Forstenried * Die selbstständige Gemeinde Forstenried mit den Gemeindeteilen Fürstenried, Maxhof und Unterdill wird nach München eingemeindet. 

12. Januar 1912

München-Graggenau * 1.500 Arbeitslose demonstrieren vor dem Münchner Rathaus. 

2. Februar 1912

München * Zum letzten Mal wird „Lichtmess“ als offizieller Feiertag begangen. Wenige Monate später wird eine Neuordnung der Feiertage den Wegfall mehrerer katholischer Traditionstage mit sich bringen. Neben Lichtmess fallen auch Mariä Verkündigung [25. März] und Mariä Geburt [8. September] der Reform zum Opfer. 

25. März 1912

München * Zum letzten Mal wird „Mariä Verkündigung“ als offizieller Feiertag begangen. 

8. September 1912

München * Zum letzten Mal wird Mariä Geburt als offizieller Feiertag begangen. 

Ab Oktober 1912

München * In München sind deutliche Anzeichen einer wirtschaftlichen Depression spürbar. 

17. Oktober 1912

Forno di Canale * Albino Luciani, der spätere Papst Johannes Paul I., wird in Forno di Canale geboren. 

11. Dezember 1912

München * Der Ministerrat fordert die Beendigung von König Ottos Regenschaft. 

12. Dezember 1912

München-Graggenau * Der 91-jährige Prinzregent Luitpold stirbt. Er wird von der Kritik - wegen seines Desinteresses in politischen und wirtschaftlichen Fragen - schlicht für unfähig gehalten. 

Luitpolds 67jähriger Sohn Prinz Ludwig III. tritt seine Nachfolge als Prinzregent an. Der letzte bayerische Monarch „von Gottes Gnaden“ wird jedoch die Herzen seiner Untertanen nie erreichen. 


1913

Ab 1913

München * Gustl Annast betreibt bis 1926 das „Varieté Savoy“ im „Hotel Reichsadler“

1913

München * Münchens evangelische Gemeinde hat 86.000 Mitglieder. 

1913

Deutsches Reich * Deutschland führt im Jahr 1913 vier Millionen Kilo Rohseide im Wert von 158 Millionen Mark ein. 

1. April 1913

München-Moosach * Die selbstständige Gemeinde Moosach wird mit den Gemeindeteilen Fasanerie, Hartmannshofen und Nederling nach München eingemeindet. 

1. April 1913

München-Milbertshofen * Die Stadt Milbertshofen wird mit den Gemeindeteilen Neufreimann und Riesenfeld nach München eingemeindet. 

25. August 1913

Kelheim * Die 22 deutschen Bundesfürsten treffen sich nach Einladung durch Prinzregent Ludwig [III.] bei der Befreiungshalle in Kelheim. Die Befreiungshalle war am 18. Oktober 1863, dem 50. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig, der Öffentlichkeit übergeben worden und stellt ein Wahrzeichen des deutschen Patriotismus dar.

Gefeiert wird die endgültige Vertreibung Napoleons aus Deutschland vor einhundert Jahren. Es ist eine glänzende patriotische Feier, die zum ersten - und zum letzten - Mal alle regierenden Fürsten Deutschlands zusammenführt. Es ist sozusagen das „Totenfest des deutschen Monarchismus“.

Prinzregent Ludwig preist die Verdienste seiner Wittelsbacher Vorfahren um das deutsche Nationalbewusstsein und lobt das immer mehr erstarkte „Gefühl der Zusammengehörigkeit aller Teile des Reichs in Freud und Leid“. Er warnt zugleich: „Wer gleichwohl im Auslande je mit der Uneinigkeit, der Eifersucht der Reichsglieder rechnet, wird diese Rechnung grausam enttäuscht sehen.“ 

18. Dezember 1913

Lübeck * Willy Brandt, der spätere Regierende Bürgermeister von Berlin und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und SPD-Vorsitzende, wird als Herbert Ernst Karl Frahm  in Lübeck geboren. 


1914

Um den 30. April 1914<p><em><strong>München</strong></em> * In München findet eine großangelegte Sammlung zugunsten der Arbeitslosen statt.&nbsp;</p>
10. Mai 1914

München-Nymphenburg * Der Botanische Garten in Nymphenburg wird von König Ludwig III. eröffnet. 

29. Juni 1914

München-Haidhausen * Der Grundstein für die evangelische Johanneskirche in Haidhausen wird gelegt. Mit dem Anwachsen der evangelischen Kirchengemeinde ist der Behelfsbau zu klein geworden. Eine neue Kirche auf dem gleichen Platz muss her. 

Als Architekt wird Albert Schmidt erkoren, der zuvor schon die Lukas-Kirche erbaut hat. Außerdem hat er sich einen Namen gemacht mit dem Bau der Synagoge, der Deutschen Bank und des Löwenbräukellers. 

2. August 1914

München * Anfang August schließt die Münchner Börse kurzfristig, um Panikverkäufe zu verhindern. Und selbst das bayerische Finanzministerium zeigte sich alarmiert: Es warnt davor, dass die Bürger die Banknoten zum Teil nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptieren würden.  

Bei der Sitzung des Bayerischen Landtags stimmen die 21 anwesenden SPD-Abgeordneten gegen die Haushaltsgesetze. Das ist aber auch schon die einzige Reaktion gegen den Krieg.

Die beiden Kammern des Landtags befassen sich ebenfalls nicht mit dem Krieg sondern mit ungleich wichtigeren Fragen, wie beispielsweise dem Verbot des freireligiösen Unterrichts oder der Beschneidung des Streikrechts der Staatseisenbahner.

10. Oktober 1914

München * Das Bayerische Innenministerium verbietet wegen der Nahrungsmittelknappheit die Abgabe von Weißbrot in Gaststätten.

Um den 30. Oktober 1914

München * Die städtischen Kollegien sehen sich gezwungen, einen Arbeitsausschuss für Arbeitslosenfürsorge einzurichten. 

30. November 1914

München * Im November 1914 werden 50.000 Personen beziehungsweise Familien vom Wohlfahrtsausschuss, von den Stiftungsverwaltungen und von der Armenpflege dauernd unterstützt. 

13. Dezember 1914

München * Der Münchner Magistrat wird gewählt. 

  • Die 20 bürgerlichen Magistratsräte gehören folgenden Parteien an: Liberale Partei 8, Sozialdemokratische Partei 7, Zentrum 5. 
  • Die 60 Gemeindebevollmächtigten setzen sich zusammen aus: Sozialdemokratische Partei 22, Liberale Partei 18, Zentrum 17, Haus- und Grundbesitzer 3. 

Oberbürgermeister bleibt Dr. Wilhelm von Borscht. II. rechtskundiger Bürgermeister wird Dr. Otto Merkt. Die Wahlperiode dauert drei Jahre.


1915

1915

Dresden * In Dresden wird der Deutsche Seidenbauverband gegründet. In seinem Leitfaden für die deutsche Seidenraupenzucht stellt er - den früheren Misserfolgen zum Trotz - fest:

  1. Der Maulbeerbaum gedeiht in Deutschland vorzüglich.
  2. Die damit gezüchteten Raupen liefern eine wertvolle Seide.

In einem Punkt unterscheidet sich der Deutsche Seidenbauverband dann aber doch von der früheren Euphorie, indem er feststellt, dass der Seidenbau keinesfalls eine „glänzende und gewinnbringende Erwerbsquelle für weite Volkskreise“ sein wird. Im Gegenteil, die Seidenraupenzucht muss als Liebhaberei und Nebenerwerb gesehen werden, ähnlich wie die Bienenzucht

1915

München * Auch in München wird eine Ortsgruppe des Deutschen Seidenbauverbandes gegründet. In einem gemeinsamen Flugblatt wird dazu aufgerufen, die Seidenzucht als Nebenerwerb für Kriegsinvalide zu fördern. Denn: „Es ist die Ehrenpflicht des deutschen Volkes, nun mit allen Kräften für die bedauernswerten Opfer des blutigen Ringens um unsere Freiheit und Kultur zu sorgen“.

Auch Zeitungsartikel und weitere Flugschriften werben für den Seidenbau und für die notwendige Geduld, denn „die Kartoffel hat anderthalb Jahrhunderte gebraucht, um all die törichten Vorurteile des Volkes gegen dies billigste und gesunde Nahrungsmittel zu überwinden“

Januar 1915

München * Die Bäcker müssen dem Brot ein Drittel Roggenmehl beifügen.

8. Februar 1915

USA * Der amerikanische „Ku-Klux-Klan“ wird als „Massenorganisation“ neu gegründet. 

Mai 1915

München * Die Lebensmittelpreise sind seit August 1914 um 31 Prozent gestiegen.

6. September 1915

München * Franz Josef Strauß, der spätere Bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende, wird in München geboren. 

Oktober 1915

München * Die schlechte Ernte verschärft die unzureichende Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln.

November 1915

München * Das „Bayerische Kriegsministerium“ macht die Regierung auf Aktivitäten „pazifistischer Gruppen“ und auf die „Frauenbewegung“ aufmerksam.

16. November 1915

USA * Die Coca-Cola-Flasche wird patentiert. 

25. November 1915

Berlin * Albert Einstein trägt in der Preußischen Akademie der Wissenschaften den Kern seiner Allgemeinen Relativitätstheorie vor. 

Um den 24. Dezember 1915

München-Au - München-Giesing * In der Au und in Giesing tauchen anonyme Flugblätter mit folgendem Inhalt auf:

  • „Von Frauen an Frauen!
    Wir wollen nicht länger zusehen, wie man unsere Männer und Söhne hinschlachtet.
    Wir wollen Frieden! Frieden für alle!“

1916

1916

Berlin * Die „Sommerzeit“ wird im gesamten „Deutschen Reich“ eingeführt. 

7. März 1916

München * Die Bayerischen Motorenwerke - BMW werden unter dem Namen Bayerische Flugzeugwerke gegründet. 

2. April 1916<p><em><strong>München-Haidhausen</strong></em> * Die evangelische Johanneskirche&nbsp;in Haidhausen wird eingeweiht. Die Kirchenchronik vermerkt:&nbsp;<em>„Ein erstaunlicher Vorgang ist die Fertigstellung und Einweihung der St.-Johannes-Kirche in Haidhausen.&nbsp;</em></p> <p><em>In einer Zeit, in der alle Kräfte des Volkes angespannt werden müssen, um dem Krieg seinen Tribut zu zollen, kann die protestantische Gemeinde Münchens ihr sechstes Gotteshaus erstellen und in Gebrauch nehmen.&nbsp;Die große neuromanische Kirche mit ihrem hohen Turm tritt an die Stelle der Notkirche von 1889“</em>.</p>
11. Mai 1916

Leipzig * Der Komponist Max Reger stirbt in einem Hotelzimmer in Leipzig im Alter von 43 Jahren an einem Herzinfarkt. 

14. Mai 1916

München * Das Fest „Maria - Patronin des Königreichs Bayern“ wird in München erstmals begangen, im Jahr darauf in allen bayerischen Diözesen. 


1917

20. April 1917<p><strong><em>Vatikan - München</em></strong> *&nbsp;Papst Benedikt XV. ernennt Eugenio Pacelli zum Nuntius&nbsp;in München.&nbsp;</p>
25. Mai 1917

München * Der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli nimmt seine Tätigkeit in München auf. 

2. Juli 1917<p><strong><em>St. Louis, Missouri</em></strong> * &nbsp;Josephine McDonald erlebt in St. Louis Rassenunruhen. Wegen rassenbedingter Gewalt durch weiße Amerikaner kommt es zu einem mehrtägigen Massaker, das als <em>„schlimmster Fall arbeitsbedingter Gewalt in der amerikanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts“</em> und als eines der schlimmsten rassistischen Massaker in der Geschichte der USA beschrieben wird.</p> <p>Das ist ein so prägendes Erlebnis, dass Josephine Baker &nbsp;später zu einer engagierten Kämpferin gegen Rassismus werden wird.&nbsp;</p>
29. Oktober 1917

Berlin * Erstmals wird Handball in ein verbindliches Regelwerk gegossen. 

7. November 1917

München * Die Münchner Kraft- und Pferdedroschkenbesitzer gründen eine Einkaufsgenossenschaft, um die durch den Ersten Weltkrieg entstandene Mangelsituation an Kraftstoff, Reifen, Öle und Pferdefutter zu begegnen. Aus dieser Einkaufsgenossenschaft entwickelte sich die heutige Münchner Taxi eG. 

2. Dezember 1917

Berlin * Die ersten Handball-Spiele finden in Berlin statt. 


1918

1918

Deutsches Reich * Mit dem Auftreten einer tödlichen Raupenerkrankung ist das Abenteuer Seidenbau schon wieder vorbei. 

9. Januar 1918

Brest-Litowsk * Die Friedensverhandlungen zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland werden in Brest-Litowsk fortgesetzt. Die großen Hoffnungen, die man in die Friedensverhandlungen gesetzt hatte, werden bitter enttäuscht. Die harten Bedingungen, die das Deutsche Reich hinsichtlich der Gebietsabtretungen stellt, machen deutlich, dass die deutsche Regierung an einem Verständigungsfrieden nicht interessiert ist. 

Die Generalität will den Frieden mit Russland nur, um mit den dort frei werdenden Truppen und gestützt auf die Getreide- und Kohlelieferungen aus den besetzten russischen und ukrainischen Gebieten eine neue Offensive im Westen starten zu können. Für das Deutsche Kaiserreich gibt es nur Sieg oder Niederlage, dazwischen gibt es nichts. So rückt der Frieden in immer weitere Ferne.

31. Januar 1918

München * Die Münchner Kruppianer der Bayerischen Geschützwerke treten an diesem Donnerstag in den Streik ein. Am frühen Morgen marschieren sie - vorbei an verschiedenen Großbetrieben im Norden Münchens, die sie zum Anschließen auffordern - zum Schwabinger Bräu, wo Kurt Eisner zu ihnen spricht.

Die Krupp-Arbeiterschaft nimmt eine von Kurt Eisner verfasste Resolution einstimmig an. Darin erklären sich „die streikenden Arbeiter Münchens mit den Arbeitern der feindlichen Nationen einig in dem feierlichen Entschlusse, den Krieg des Wahnsinns und der Wahnsinnigen sofort ein Ende zu setzen“

7. März 1918

München * Der in der Reichsbahnhauptwerkstätte München als Werkzeugschlosser beschäftigte Anton Drexler ruft den Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden ins Leben. Die Gründung erfolgte in Anlehnung an eine fast gleichnamige und gleiche Ziele verfolgende Organisation in Bremen. Aus dem Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden wird später die Deutsche Arbeiterpartei - DAP hervorgehen. .

Es ist eine antisemitische und antimarxistische Gruppierung, die nie mehr als vierzig Mitglieder zählt und der es um eine Versöhnung der Arbeiterschaft mit der nationalen Rechten geht. Die bürgerlichen Parteien haben in ihren Augen versagt und der Marxismus erscheint ihnen für ihre nationalistischen Ziele ungeeignet. 

9. März 1918

München * Der Schriftsteller, Dramatiker und Schauspieler Frank Wedekind stirbt in München an den Nachwirkungen einer Blinddarmoperation. Seine Beisetzung am Waldfriedhof wird zum Skandal, da neben vielen Künstlern auch zahlreiche Prostituierte teilnehmen. Die Trauerrede hält Ludwig Ganghofer. 

21. Juni 1918

München-Kreuzviertel * Der Landtag beschließt die von Oskar von Miller angestrebte landesweite staatliche Stromversorgung und den Bau des Walchenseewerkes. 

20. August 1918<p><strong><em>Westfront</em></strong> * Das deutsche Heer wird zum langsamen Rückzug gezwungen.&nbsp;</p>
2. September 1918

Deutsches Reich * Der „Sedantag“ wird zum letzten Mal gefeiert, da er am 27. August 1919 abgeschafft wird. Der nationalistisch aufgeladene Gedenkrag war nie oder nur kaum ein Festtag der Arbeiterschaft. 

2. Oktober 1918

München * Gast der ersten öffentlichen Veranstaltung des „Freien Arbeiterausschusses für einen guten Frieden“ ist Karl Harrer, ein Mitglied der Thule-Gesellschaft und Sportjournalist bei der national-liberal orientierten München-Augsburger Abendzeitung. 

Um 10. Oktober 1918

München * Karl Harrer wird von der Thule-Gesellschaft beauftragt, Arbeiter für die völkische Politik zu gewinnen. Zu diesem Zweck ruft er einen Arbeiter-Ring ins Leben. Noch vor dem Sturz der Monarchie in Bayern - gründen Harrer und Anton Drexler gemeinsam den Politischen Arbeiterzirkel, der sich - laut seiner erst am 24. März 1919 festgelegten Satzung - als „eine Vereinigung ausgewählter Persönlichkeiten zwecks Besprechung und Studium politischer Angelegenheiten“ versteht. 

Die vom Vorstand zu Mitgliedern des Zirkels ernannten Personen werden zum Stillschweigen über die Tätigkeit und die personelle Zusammensetzung der Gruppe verpflichtet, woraus alleine schon der Einfluss der exklusiven und elitären Thule-Gesellschaft erkennbar ist. 

Die dominierende Figur und der geistige Führer dieses Politischen Arbeiterzirkels, dem zum größten Teil Arbeitskollegen Drexlers angehören, ist demzufolge auch nicht Drexler, sondern Karl Harrer, der vor diesem zwar vorwiegend, aber nicht ausschließlich im Hotel Vier Jahreszeiten tagenden kleinen Kreis - besonders im Winter 1918/19 - auch ständig Vorträge zu verschiedenen aktuellen Themen hält. 

17. Oktober 1918

München * Die Spanische Grippe breitet sich in München rasch aus. Etwa 20.000 Erwachsene und über 5.300 Schulkinder sind daran erkrankt. Circa 30 Tote müssen beklagt werden.

17. Oktober 1918

München * Ein städtisches Kriegsnotgeld im Wert von 10 Millionen Mark wird zu Scheinen zu 5 und 10 Mark ausgegeben.

Um 18. Oktober 1918

München * Dr. Fritz Gerlich warnt vor dem Ausbruch einer Revolution in Deutschland.

21. Oktober 1918

München * Die Spanische Grippe weitet sich weiter aus. Die Zahl der Toten beträgt rund 100.

6. November 1918

München * Die Münchner Erdbebenwarte verzeichnet und 8:22 Uhr und um 8:48 Uhr zwei starke Erdstöße.

Nach dem 10. November 1918

Berlin * Die demokratische Regierung nach der November-Revolution beschließt die Einführung von Volksgerichten. Die Aburteilung von Mördern unterliegt seither diesen Gerichten, die Vollstreckung erfolgt grundsätzlich durch Erschießen.

11. November 1918

Compiégne • Teil der Waffenstillstandsverhandlungen zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich in Compiégne ist die sofortige Rückgabe von Elsass-Lothringen.

19. November 1918

Metz • Die französische Armee zieht in Metz ein. 

22. November 1918

Straßburg • Die französische Armee zieht in Straßburg ein.

26. November 1918

Kochel * In Kochel wird mit den Arbeiten für das Walchensee-Kraftwerk begonnen.

23. Dezember 1918

Hamburg * Helmut Schmidt, der spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, wird in Hamburg geboren. 


1919

1919<p><strong><em>USA</em></strong> * Im Alter von 13 Jahren, heiratete Josephine McDonald den nur wenig älteren Willie Wells, um sich von ihrer Familie zu befreien. Nur wenige Monate später war diese Ehe schon wieder beendet.&nbsp;</p>
5. Januar 1919

München-Hackenviertel * Eine Woche vor der bayerischen Landtagswahl wird im Fürstenfelder Hof, in der Fürstenfelder Straße 14, die Deutsche Arbeiterpartei - DAP durch den Werkzeugschlosser Anton Drexler und den Sportjournalisten Karl Harrer sowie 22 weiteren Anwesenden gegründet. 

Die Deutschen Arbeiterpartei - DAP geht aus dem Münchner Freien Arbeiterausschuss für einen guten Frieden hervor, der am 7. März 1918 ebenfalls von Drexler gegründet worden war. Als Vorsitzender der neuen Partei wird Anton Drexler gewählt. 

Zu den ersten Mitgliedern der DAP zählen fast ausschließlich Arbeitskollegen Drexlers aus den Münchner Eisenbahnwerken. Die ersten Parteiversammlungen finden in Hinterzimmern kleiner Bierlokale statt. Der wenig begeisternde Redner Drexler hält zumeist kaum motivierende Reden, die oft in der Geräuschkulisse des Lokals untergehen.

Während der Politische Arbeiterzirkel eindeutig eine Schöpfung der Thule-Gesellschaft ist, soll die Deutsche Arbeiterpartei - aus taktischen Erwägungen - als Gründung Anton Drexlers erscheinen.

Vorbereitet wird die konstituierende Parteiversammlung von einem Dreier-Ausschuss, der sich aus Harrer, Drexler und Michael Lotter zusammengesetzt. An der eigentlichen Versammlung nimmt Harrer allerdings nicht teil. 

Umgekehrt werden Drexler und Lotter keine Mitglieder der Thule-Gesellschaft, verkehren aber als ständige Gäste in den Logenräumen im Hotel Vier Jahreszeiten, wo sie bald auch Personen wie Dietrich Eckart und Gottfried Feder kennenlernen.

In den von der Gründungsversammlung angenommenen Richtlinien der Deutschen Arbeiterpartei heißt es, dass die DAP eine aus „allen geistig und körperlich schaffenden Volksgenossen zusammengesetzte sozialistische Organisation“ ist. Die Deutsche Arbeiterpartei will

  • „die Adelung des deutschen Arbeiters. Die gelernten und ansässigen Arbeiter haben ein Recht, zum Mittelstand gerechnet zu werden. Zwischen Arbeiter und Proletarier soll ein scharfer Trennungsstrich gezogen werden. [...]
  • Das Großkapital ist als Brot- und Arbeitgeber zu schützen, sofern nicht rücksichtsloseste Ausbeutung des Arbeiters diesem ein menschenwürdiges Dasein unmöglich macht. 
  • Die DAP sieht in der Sozialisierung des deutschen Wirtschaftslebens einen Zusammenbruch der deutschen Volkswirtschaft. [...] Darum darf es nicht Sozialisierung, sondern Gewinnbeteiligung für den deutschen Arbeiter heißen. [...].“ 

Hier zeichnete sich deutlich eine eigentlich mittelständische Orientierung dieser pseudosozialistischen und antisemitischen Organisation ab.

Die anfallende Parteiarbeit der zunächst auf München beschränkten winzigen Vereinigung wird im Wesentlichen von dem mit dem Politischen Arbeiterzirkel nicht identischen Arbeitsausschuss der DAP bewältigt, der in den Anfängen auch die Führung der Gesamtpartei inne hat und dem im Sommer 1919 neben Anton Drexler und Karl Harrer weitere vier Personen angehören. Anton Drexler, der Vorsitzende der Deutschen Arbeiter Partei - DAP, bleibt es bis zum Juni 1921.

3. Februar 1919

Schloss Wildenwart * Marie Therese, Erzherzogin von Österreich-Este, Prinzessin von Modena sowie Ehefrau von Ex-König Ludwig III. und damit die abgesetzte letzte bayerische Königin, stirbt auf Schloss Wildenwart im Chiemgau. Das Direktorium des Magistrats und der Vorstand der Gemeindebevollmächtigten sprechen dem Ex-König ihr Beileid zum Tod der Ex-Königin aus und übersenden eine „Blumenspende“

1. Juni 1919

München-Oberwiesenfeld * Vom Münchner Flugplatz am Oberwiesenfeld bricht Hermine Körner, die neue Intendantin des Münchner Schauspielhauses, mit zwei Kollegen zu einem Gastspiel nach Augsburg auf. 

27. August 1919

Deutsches Reich * Der „Sedantag“ wird abgeschafft. 

25. November 1919

München * Der Reiseunternehmer Ludwig Siemer gründet den Volksbund für Kunst und Theater, aus dem später die Theatergemeinde München hervorgehen wird.

Siemer steht der katholischen Bewegung nahe und betrachtet die politische Linke als Gegner. Deshalb will er den sozialistischen Kräften auf dem Feld der Kultur etwas entgegensetzen. Er gründet eine Organisation für Schauspielfreunde, die „die Kunst im Theater und auf allen Gebieten der Kunst im Sinne volkstümlich-deutscher Kultur und christlicher Lebensauffassung fördern“ will. 


1920

1920

München-Graggenau * Der aus Salzburg stammende Gustl Annast übernimmt gemeinsam mit seiner Frau das „Hofgarten-Café“

1920

München-Graggenau * Die Münchner „Residenz“ wird als „Residenzmuseum“ der Allgemeinheit für Besichtigungen zugänglich gemacht. 

Nach 1920

München-Isarvorstadt * Die „Deutsche Eiche“ entwickelt sich zum Lieblingslokal von Künstlern und Homosexuellen.

Vor allem Tänzer des benachbarten „Gärtnerplatz-Theaters“ verkehren hier.

8. Januar 1920

München-Kreuzviertel * Im Konzertsaal des Hotels Bayerischer Hof findet die offizielle Gründungsfeier des Volksbundes für Kunst und Theater statt. Der antisemitisch gesinnte Komponist Hans Pfitzner spielt Klavier. Die Initiatoren des Verbandes rufen auf

  • zum Aufbau eines neuen Deutschlands und beschwört
  • die Wiedererweckung geistiger Werte in einer Zeit materialistischer Kultur,
  • die Volksseele muss veredelt werden „für eine neue größere Zukunft“.

Alles Schlagworte aus dem Repertoire völkischer Ideologen, die sich gegen die künstlerische Moderne und die Weimarer Demokratie richten. Damit will der Volksbund „alle christlichen Volksteile Münchens“ erreichen, um sie letztlich „von der Diktatur des Cliquenwesens und der Tagesmode“ zu befreien. 

13. März 1920<p><strong><em>Berlin</em></strong> * In Berlin findet der rechtsradikale Kapp-Putsch&nbsp;statt.&nbsp;Parallel dazu fordern in München der Regierungspräsident von Oberbayern&nbsp;Gustav von Kahr, Polizeipräsident&nbsp;Ernst Pöhner und Wehrkreiskommandant&nbsp;Arnold von Möhl den von der SPD&nbsp;gestellten bayerischen Ministerpräsidenten&nbsp;Johannes Hoffmann zum Rücktritt auf.&nbsp;</p> <p>Was in Berlin scheitert, gelingt in München.&nbsp;Gustav Ritter von Kahr bildet - unter Beteiligung der Bayerischen Volkspartei - BVP&nbsp;- eine rechtskonservative Regierung, die alle rechtsextremen Gruppierungen sowie militanten Verbände fördert und schützt.&nbsp;</p> <p>Ministerpräsident&nbsp;wird Gustav von Kahr, der&nbsp;zu dieser Zeit auch Adolf Hitler kennenlernt und&nbsp;den er als <em>„Trommler“</em> für die nationale Sache&nbsp;einspannen will, um mit seiner Hilfe den Kommunismus&nbsp;und den Marxismus&nbsp;abzuwehren und um die <em>„gestörte Ordnung“</em> in Deutschland wieder ins rechte Lot zu bringen.&nbsp;</p> <p>Die rechtsradikalen Verbände können umgekehrt von Bayern aus ihren ideellen Boden vorbereiten.<br /> Gustav von Kahr ist die Integrationsfigur all jener Kräfte in Bayern, die durch einen Staatsstreich&nbsp;die parlamentarische Demokratie&nbsp;abschaffen und die staatliche Unabhängigkeit Bayerns&nbsp;von Berlin vorbereiten wollen.</p>
16. März 1920<p><strong><em>München</em></strong> * Der <em>Antisemitismus&nbsp;</em>wird gewalttätig.</p> <ul> <li>Der konservative Ministerpräsident&nbsp;Gustav von Kahr (BVP) kündigt in seiner ersten Regierungserklärung an, gegen die <em>„Überfremdung durch Stammesfremde“</em> einzuschreiten und erklärt die <em>„Reinhaltung des eigenen Volkes von fremden Elementen“</em> zum Gebot der Stunde.&nbsp;Er meint damit den besonders verhassten <em>„Teil der jüdischen Rasse“</em>, die Ostjuden.</li> <li>Münchens Polizeipräsident&nbsp;Ernst Pöhner hält es für nicht ausgeschlossen, wenn <em>„wegen der unerträglichen Teuerung etwas unternommen, etwa einige Juden aufgehängt würden“</em>. Gegen die gewalttätigen und gewaltbereiten Antisemiten&nbsp;unternimmt die Münchner Polizei allerdings nichts.</li> <li>Nun wird die Situation für die jüdischen Mitbürger unerträglich.&nbsp;Viele verlassen die Stadt.</li> </ul>
1. April 1920<p><strong><em>Freistaat Bayern - Deutsches Reich</em></strong> • Das Deutsche Reich übernimmt die bayerische Eisenbahn und die Post. Die geleistete Entschädigung macht nur einen geringen Teil des Anlagewerts aus.&nbsp;</p>
18. Mai 1920

Wadowice * Karol Józef Wojtyla, der spätere Papst Johannes Paul II., wird in Wadowice, einem kleinen polnischen Städtchen bei Krakau, geboren. 

14. Juni 1920

München * Max Weber, der Soziologe, Ökonom, Jurist, Historiker und politische Analyst, stirbt in München. 

22. August 1920

Salzburg • Erstmals finden die Salzburger Festspiele statt. Auf dem Domplatz wird der „Jedermann“ aufgeführt. 

26. August 1920<p><strong><em>USA</em></strong> • Die amerikanischen Frauen erhalten durch einen Verfassungszusatz das nationale Wahlrecht.&nbsp;</p>

1921

1921<p><strong><em>USA</em></strong> * Josephine McDonald heiratet fünfzehnjährig den Zugbegleiter Willie Baker, dessen Nachnamen sie zeitlebens behält. Auch diese Ehe hält nicht lange.&nbsp;</p>
Ab 1921

München-Isarvorstadt * Zwischen 1921 und 1923 ist Adolf Hitler häufig Gast in der „Deutschen Eiche“.

Die Parteizentrale der Nazis befindet sich in der Corneliusstraße.

April 1921<p><strong><em>New York</em></strong> * &nbsp;Mit <em>„Shuffle Along“</em> wird das erste erfolgreiche afroamerikanische Musical am Broadway aufgeführt. Nach mehreren Versuchen schafft Josephine Baker die Aufnahme in das Ensemble.&nbsp;</p> <p>Gleich am ersten Abend tanzt sie - zum Ärger ihrer Kolleg*innen - aus der Reihe und improvisiert eine clowneske Tanznummer. Der Manager will ihr umgehend kündigen, doch der Komponist hält ihn davon ab. Und tatsächlich erreicht es Josephine, in fast allen Kritiken positiv erwähnt zu werden. So wird ihr die Aufmerksamkeit zuteil, die sie schon immer gesucht hat.&nbsp;</p>
13. Mai 1921

München * Hugo Alois von Maffei stirbt. Bis zuletzt ist er Aufsichtsratsvorsitzender der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. 

18. Oktober 1921

Sárvár * Der abgesetzte König Ludwig III. stirbt in seinem ungarischen Exil Sárvár an den Folgen einer Lungenentzündung. Der Tod und die Rückkehr der sterblichen Hülle des alten Königs wird von ultrakonservativen Kreisen zur politischen Demonstration hochstilisiert. Da für die Bayerische Staatsregierung ein Staatsbegräbnis nicht in Frage kommt, stellt sich Gustav von Kahr als Privatperson für die Organisation der Feierlichkeiten zur Verfügung. 

Kahr verfolgt zielgerichtet sein Anliegen, bei den Trauerzeremonien die „Kraft des monarchischen Gedankens“ herauszustellen. Die geplanten Beisetzungsfeierlichkeiten für den abgesetzten König sollen eine Antwort auf den Trauerzug für den Revolutionär Kurt Eisner werden, der sich am 26. Februar 1919 mit nahezu 100.000 Menschen durch die Straßen Münchens bewegt hatte. Es sollte eine „Trauerfeier werden, wie sie München und Deutschland noch nie gesehen haben, ein Akt treuer Huldigung, aber auch Abbitte für das dem König angetane große Unrecht“


1922

18. Juli 1922

Wien • Georg Franz Kreisler, der spätere Komponist, Dichter und Sänger, kommt in Wien zur Welt. 

30. September 1922

München-Maxvorstadt • Nach der Aufführung des Bert-Brecht-Bühnenstücks „Trommeln in der Nacht“ wird in den Münchener Kammerspielen in der Augustenstraße 89 in der Nachtvorstellung zwischen 22:00 und 23:30 Uhr die Uraufführung von „Die rote Zibebe. Improvisationen in zwei Bildern von Bert Brecht und Karl Valentin“ gezeigt.

  • Die  „Improvisationen“ bestehen laut Programmzettel im ersten Bild aus dem Bert-Brecht-Stück „Der Abnormitätenwirt“ und dem zweiten Teil „Weihnachtsabend“, der sich aus einer „Hochradnummer“ und dem Valentin-Karlstadt-Einakter „Das Christbaumbrettl“ zusammensetzt.
  • Für das Humoristenpaar Valentin-Karlstadt stellen die Auftritte in „Die rote Zibebe“ zugleich ihr Debüt auf einer Theaterbühne dar, womit ihnen erstmals der Sprung ins „richtige Theater“ gelingt. 

1923

9. März 1923<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong>&nbsp;* Der Landtag ruft per Gesetz den Wittelsbacher Ausgleichsfond - WAF ins Leben. In den Fonds gehen viele Kunstschätze, diverse Schlösser, Wälder und Geld über, aber nicht in Familienbesitz, sondern in eine Stiftung des öffentlichen Rechts. Deren Erträge kassieren die Wittelsbacher, der Staat gibt für sie kein Steuergeld aus. Auf alle weiteren Ansprüche verzichtet die Familie.</p>
11. November 1923<p><strong><em>Landsberg am Lech</em></strong> • Adolf Hitler kommt in der Justizvollzugsanstalt Landsberg am Lech in Schutzhaft.&nbsp;</p>
14. November 1923<p><strong><em>Landsberg am Lech</em></strong> • Adolf Hitler, der sich seit dem 11. November 1923 in Landsberg am Lech in Schutzhaft befindet, wird nun in Untersuchungshaft genommen. Für die Dauer des Prozesses [ab 1. April 1924] wird er nach München verlegt.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>

1924

1924

München * Die traditionellen „Schwurgerichte“ treten wieder an die Stelle der „Volksgerichte“.

Die Vollstreckung der Todesurteile erfolgt nun grundsätzlich durch die „Guillotine“.

1924<p><strong><em>New York</em></strong> * Bei der am Broadway aufgeführten Komödie <em>„Chocolate Dandies“</em> ist Josephine Baker auf der Besetzungsliste als <em>„das bestbezahlte Revuegirl der Welt“</em> aufgeführt. Sie verdient 125 $ in der Woche und tanzt eine Solonummer. Als selbstironischer Clown hat sie sich ein Alleinstellungsmerkmal ertanzt. Mit dieser Revue gelingt ihr auch der erfolgreiche Sprung nach Europa.</p>
24. Januar 1924

Walchensee * Das Walchensee-Kraftwerk geht in Betrieb. 

26. Februar 1924<p><em><strong>München-Neuhausen</strong></em> • Bis zum 1. April 1924 findet die Hauptverhandlung an 25 Verhandlungstagen gegen die Angeklagten Adolf Hitler, Erich Ludendorff, Ernst Pöhner, Wilhelm Frick, Heinz Otto Kurt Pernet, Ernst Röhm, Hermann Kriebel, Friedrich Weber, Wilhelm Friedrich Karl Brückner und Robert Wagner statt.&nbsp;</p> <p>Ursprünglich sollte die Verhandlung im Gerichtsgebäude am Mariahilfplatz in der Au durchgeführt werden, dann erwog man aus Sicherheitsgründen die Gefangenenanstalt Landsberg am Lech als Verhandlungsort. Schließlich entschied man sich aber für die Räume der ehemaligen Kriegsschule in der Blutenburgstraße in München.</p>
27. März 1924<p><strong><em>München</em></strong> * Der 31-jährige Johann Reichhart erhält vom Landgerichtsbezirk München I&nbsp;zum 1. April 1924 einen Arbeitsvertrag als Bayerischer Scharfrichter.</p>
1. April 1924<p><strong><em>Landsberg am Lech</em></strong> • Adolf Hitler und die anderen Verurteilten [Pöhner, Weber und Kriebel] treten am Tag der Urteilsverkündung ihre Strafe in der Strafvollzugsanstalt Landsberg am Lech an. Dort ist ein Gebäude zur <em>„Festungshaftanstalt Landsberg“</em> deklariert worden.&nbsp;</p> <p>Während seiner Haft kann Hitler zahlreiche Besucher empfangen. Dies steht ihm als Festungshäftling zwar grundsätzlich zu, doch wird ihm wesentlich mehr als nach der Hausordnung für den Vollzug der Festungshaft zulässig ist von der ihm wohlgesonnenen Anstaltsleitung genehmigt. Hitler schreibt in Landsberg den ersten Teil seines Buchs <em>„Mein Kampf“</em>.&nbsp;</p>
1. April 1924<p><strong><em>München-Neuhausen</em></strong> • Der Prozess gegen die Beteiligten am Hitler-Ludendorff-Putsch wird mit einem Urteil beendet.&nbsp;</p> <ul> <li>Hitler wird wegen Hochverrats zur gesetzlichen Mindeststrafe von fünf Jahren Festungshaft und einer Geldstrafe von 200 Goldmark verurteilt, ebenso Kriebel, Weber und Pöhner.&nbsp;</li> <li>Brückner, Röhm, Pernet, Wagner und Frick erhalten wegen Beihilfe jeweils ein Jahr und drei Monate Festungshaft sowie 100 Goldmark als Strafe auferlegt.&nbsp;</li> <li>Ludendorff wird mit der wenig glaubwürdigen Begründung, dass er keine Kenntnis von den eigentlichen Plänen Hitlers gehabt hätte, freigesprochen.&nbsp;</li> <li>Den Verurteilten Hitler, Pöhner, Weber und Kriebel wird durch Beschluss des Volksgerichts nach Verbüßung eines weiteren Strafteils von sechs Monaten Bewährung für den Strafrest in Aussicht gestellt.&nbsp;</li> <li>Für Brückner, Röhm, Pernet, Wagner und Frick wird diese Bewährung sofort bewilligt.&nbsp;</li> </ul> <p>Die Staatsanwaltschaft hatte für Hitler eine Strafe von acht Jahren beantragt.&nbsp;</p> <ul> <li>Von der zwingenden Ausweisung Hitlers als Ausländer nach § 9 Absatz 2 des Gesetzes zum Schutze der Republik sieht das Volksgericht ausdrücklich ab.&nbsp;</li> <li>Ebenso berücksichtigt es nicht, dass der 1922 wegen Landfriedensbruch verurteilte Hitler bereits unter Bewährung stand und ihm daher nicht erneut Bewährung gewährt hätte werden dürfen.&nbsp;</li> <li>Die Volksgerichte sind für die ihnen zugewiesenen Fälle in Bayern erste und letzte Instanz, so dass gegen ihre Urteile keine Rechtsmittel statthaft sind. Das Urteil ist somit sofort rechtskräftig.</li> </ul>
12. Mai 1924<p><em><strong>München</strong></em> • Die Staatsanwaltschaft München I stellt das Ermittlungsverfahren gegen Kahr, Seißer und Lossow mit der Begründung ein, dass bei den Beschuldigten ein Vorsatz, sich an dem Putsch zu beteiligen, nicht erwiesen sei.&nbsp;</p>
Bis zum 15. Mai 1924<p><strong><em>München-Neuhausen</em></strong> • Drei weitere Prozesse gegen die am Hitler-Ludendorff-Putsch Beteiligten finden noch bis Mitte Mai 1924 statt wegen der Angriffe auf die <em>„Münchener Post“</em>, der Beschlagnahme von Banknoten in Druckereien und Waffendiebstahls.</p>
24. Juli 1924

Landshut * Der Scharfrichter Johann Reichhart vollzieht im Hof des Landgefängnisses Landshut seine erste Hinrichtung. 

20. Dezember 1924<p><strong><em>Landsberg am Lech</em></strong> • Adolf Hitler wird, auch aufgrund der günstigen Prognosen des Anstaltsleiters und gegen die Auffassung der Staatsanwaltschaft, auf Bewährung aus der Festungshaftanstalt entlassen.</p>
31. Dezember 1924

USA * Der amerikanische Ku-Klux-Klan hat vier Millionen Mitglieder und verfolgt eine Politik weißer Vorherrschaft insbesondere gegenüber Afro-Amerikanern. Er vertritt aber auch einen militanten Antikatholizismus und Antisemitismus. 


1925

1925

München * München hat 680.704 Einwohner. 

27. Februar 1925

München-Haidhausen * Adolf Hitler gründet nach seiner Haftentlassung im Bürgerbräukeller die NSDAP neu. In seiner Rede über „Deutschlands Zukunft und unsere Bewegung“, in der er den Bürgerkrieg ankündigt und bemerkt, es gehe dabei entweder der Feind über seine Leiche oder er über die Leiche des Feindes. Das führt zu Hitlers Redeverbot in öffentlichen Versammlungen. Bis zum 5. März 1927 kann die NSDAP nur mehr geschlossene Veranstaltungen durchführen.

18. August 1925

München * Der päpstliche Nuntius Eugenio Pacelli beendet seine Tätigkeit in München. Seine Aufgabe übernimmt Alberto Vassallo di Torregrossa. 

22. August 1925

München-Maxvorstadt * Der päpstliche Nuntius Alberto Vassallo di Torregrossa nimmt seine Tätigkeit in München auf.

2. Oktober 1925<p><strong><em>Paris</em></strong> * Mit ihrem Auftritt im Théâtre des Champs Elysées betritt Josephine Baker die Bühne der Welt als Hauptdarstellerin der <em>„Revue Negre“</em> [= „<em>Negerrevue“</em>]. Das heute - mit Recht - verpönte Wort <em>„Neger“</em> ist damals gang und gäbe. Das Interesse an afrikanischer Kunst [= <em>„Negerkunst“</em>] ist in Paris bereits um 1900 erwacht. Künstler wie Henri Matisse und Pablo Picasso beschäftigen sich damit.</p> <p>Josephine bringt all das auf die Bretter, die die Welt bedeuten, was sich Paris unter <em>„schwarzer Kultur“</em> vorstellt: Sie ist wild, sie ist exotisch, sie ist Afrika. Eine Unterscheidung zwischen afroamerikanisch und afrikanisch wurde auch in Frankreich noch nicht gemacht. Schwarz ist Schwarz und Schwarz ist Afrika.&nbsp;</p>

1926

1926<p><strong>Paris</strong> * Als Josephine Baker im Folies-Bergère mit einem Gürtel aus 16 Plüschbananen über die Bühne fegt, sind ihr die Pariser Männer endgültig verfallen. Ihr schlanker, biegsamer Körper, der exotische Charme, die Verheißung erotischer Abenteuer jenseits von Zivilisation und abendländischer Moral passt genau zu dem nach Amüsement und Ekstase lechzenden Geist der Zwanzigerjahre.&nbsp;</p>
1926

München-Großlappen * Das „Klärwerk Großlappen“ geht in Betrieb.

14. Januar 1926<p><strong><em>Berlin</em></strong> * Josephine Bakers Auftritt im Nelson-Theater am Kurfürstendamm in Berlin löst bei etlichen Zuschauern nicht nur Schnappatmung aus, sondern verleiht - zum Entsetzen konservativer Kreise - auch Jazz und Charleston enorme Popularität. <em>„Berlin, das ist schon toll! Ein Triumphzug. Man trägt mich auf Händen“</em>, schreibt sie später.&nbsp;</p>
1. Juni 1926

Los Angeles * Die Schauspielerin Marilyn Monroe wird als Norma Jeane Mortenson (Baker) in Los Angeles geboren. 

September 1926

München-Au * Nach wenigen Monaten muss Johann Reichhart seine Wirtschaft am Mariahilfplatz 1 wieder aufgeben.

Sobald seine Gäste von seiner Nebentätigkeit als „Scharfrichter“ erfahren, verlassen sie entsetzt das Lokal.
„Zu Dir kann man nicht mehr kommen. An jedem Bierglas, das Du in der Hand hältst, klebt Blut“.

Seine Ehefrau hat ihn verlassen.
Seinen Kindern schreien die Mitschüler nach: „Dein Vater is a Kopfabschneider, Kopfabschneider!“


1927

1927

Berlin * In Berlin erscheint eine Broschüre mit dem euphorischen Titel: „Doch deutscher Seidenbau! Der lohnende neue Betriebszweig“. In der Broschüre ist die Rede vom „mangelnden Rohstoff im Lande“ und den durch Professor Pasteur besiegten Raupenkrankheiten.

Außerdem hätten deutsche Raupenzüchter neue „Blutlinien“ hervorgebracht, die die „deutsche Raupe“ einen bedeutend längeren Faden spinnen lässt, als ausländische Raupen. Sozusagen die „deutsche Turbo-Seidenraupe“. Und weiter: Es sollte unbedingt die „deutsche Edelbrut“ verwendet werden, da von „ausländischer Brut“ eine erhebliche Infektionsgefahr ausgeht. Schließlich will man sich ja auch die Unabhängigkeit vom Ausland bewahren. 

1927

Halle * In Halle kommt es zur Gründung des Reichsverbandes für deutschen Seidenbau.

Eine Denkschrift an den Deutschen Reichstag trägt den Titel „Deutscher Seidenbau schafft Werte für Volk, Staat, Familie, ist Kulturaufgabe, ist soziale Tat“. Natürlich dreht sich bei der schon von nationalsozialistischem Gedankengut durchdrungenen Schrift alles um die „deutsche Seide“, um die „deutsche Maulbeere“ und natürlich um die „deutsche Brut“

1927

Thüringen * Seit dem Jahr 1927 sammeln ehemals bayerische Pfarrer in Thüringen Protestanten, die den „völkischen Enthusiasmus“ an die Stelle des „christlichen Glaubensbekenntnisses“ setzen und in Adolf Hitler den neuen „Heiland und Erlöser“ sehen.

16. April 1927

Marktl * Joseph Aloisius Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI., wird in Marktl geboren. 

23. Mai 1927

Bunzlau * Dieter Hildebrandt kommt in Bunzlau (Schlesien) zur Welt. 

3. Juni 1927<p><strong><em>Paris</em></strong> * Josephine Baker heiratet den sizilianischen Steinmetz Giuseppe Pepito Abatino, der bereits zuvor künstlerisch in ihren Shows mitgewirkt hat. Abatino gibt sich als Graf Di Albertini aus. Damit trägt Josephine als erste schwarze Amerikanerin aus Publicity-Gründen einen europäischen Adelstitel.</p>

1928

1928

München * Die am 7. November 1917 von den Münchner „Kraft- und Pferdedroschkenbesitzern“ gegründete „Einkaufsgenossenschaft“ wird in „Ein- und Verkaufsgenossenschaft für das Droschkengewerbe Münchens, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ umbenannt.

Der Grund ist der Rückgang der von Pferden gezogenen Kutschen. 

1928

München-Graggenau * Die „Moriskentanzfiguren“ von Erasmus Grasser aus dem „Festsaal des Alten Rathauses“ werden abgenommen und durch Kopien ersetzt. 

Die Originale werden im „Bayerischen Nationalmuseum“ zunächst untersucht, restauriert und anschließend ausgestellt.
Bei der Restaurierung bleibt eine Figur umgefasst, um so die charakteristische Schnitzarbeit Erasmus Grassers darstellen zu können. 

Februar 1928<p><strong><em>Wien</em></strong> * Als Josephine Baker für Februar 1928 einen Auftritt im Wiener Ronacher ankündigt, gehen die Wogen hoch. Eine fast nackte, dunkelhäutige Frau ist für das Wien der 1920er-Jahre zu viel. Die &nbsp;konservativen und katholischen Kreise protestieren, organisieren Aufmärsche und warnen, dass <em>„der schwarze Teufel kommt“</em>.</p> <p>Tageszeitungen sprechen vom <em>„Negerskandal“</em>, Vertreter der katholischen Kirche organisieren Sondergottesdienste zur Buße gegen Bakers <em>„schwere Verstöße gegen die Moral“</em>, die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei - NSDAP - Wiens protestiert gegen ihre <em>„obszönen“</em> Auftritte und fordert ein Auftrittsverbot.</p> <p>Es wird öffentlich und sogar im Parlament diskutiert, ob man ihren Auftritt nicht verbieten sollte. Ein christsozialer Abgeordneter meint, dass Josephine Baker eine Gefährdung der öffentlichen Moral sei. <em>„Wir können keine pornografischen Tanzaufführungen zulassen.“</em> Worauf ein liberaler Abgeordneter kontert: <em>„Gott hat die Menschen nackt erschaffen. Wenn wir Nacktheit verbieten, kommt das Blasphemie gleich.“</em></p>
1. März 1928<p>Wien * Infolge des öffentlichen Drucks erhält das Ronacher keine Bewilligung für die Josephine-Baker-Show. Der Kompromiss ist, dass Baker ab dem 1. März für sechs Wochen im Johann-Strauß-Theater in der Revue <em>„Schwarz auf Weiß“</em> anstatt in einer Solo-Show auftritt.&nbsp;</p>
5. März 1928<p>Wien * Im <em>„Morgen“</em> ist zu lesen, dass in Erfahrung gebracht wurde, dass <em>„Dr. Jerzabek und Genossen ein Gesetz einzubringen gedenken, wodurch die Nacktarbeit im Bakergewerbe verboten wird.“</em></p>
9. März 1928<p>Wien * Die satirische Zeitung <em>„Götz von Berlichingen“</em> schreibt: <em>„Die Gerüchte, wonach Josephine Baker eine Menschenfresserin sein soll, beruhen auf der tendenziösen und böswilligen Entstellung dermTatsache, daß sie neulich im Café einen Weißen verlangt hat.“</em>&nbsp;</p>
Ab Mai 1928<p><strong><em>Europa</em></strong> * Nicht nur in Wien, sondern auch in Budapest, Stockholm und Zagreb kommt es während Josephine Bakers Europa-Tournee zu zum Teil massiven Protesten. Ihr Kommentar zu solchen Vorkommnissen lautete nur: <em>„Farbige sind nicht genötigt, zu provozieren: Die Zwischenfälle ereignen sich ganz von alleine.“</em></p>
Dezember 1928

München * Seit seinem Amtsantritt im April 1924 hat der „Scharfrichter“ Johann Reichhart insgesamt 23 Delinquenten hingerichtet.


1929

14. Februar 1929<p><strong><em>München</em></strong> * Wegen einer zu erwartenden <em>„Verletzung des öffentlichen Anstands“</em> erteilt die Stadt München der Tänzerin Josephine Baker zwei Tage vor ihrem Engagement im Deutschen Theater ein Auftrittsverbot. Der Grund: Ihr <em>„Bananentanz“</em> verstößt gegen die <em>„guten Sitten“</em>.&nbsp;</p>
16. Februar 1929<p><strong><em>München-Ludwigsvorstadt</em></strong> * Vom 16. bis 20. Februar 1929 soll Josephine Baker im Deutschen Theater auftreten. Zwei Tage vorher wird ihr Auftritt verboten.&nbsp;</p>
19. Februar 1929<p><strong><em>München</em></strong> • Die <em>„Münchner Zeitung“</em> berichtet: <em>„Josefine Baker, das umstrittene, farbige Tanzwunder, tanzt ab heute in ihrem ersten Großfilm ‚Papitou, die Sirene der Tropen‘ im Münchner Lichtspielhaus.“</em></p>
29. Oktober 1929

USA * Der „Schwarze Freitag“ wird mit einem legendären Börsencrash in den USA in Verbindung gebracht, der durch eine Spekulationsblase ausgelöst wird.

In den sogenannten Goldenen Zwanziger Jahren steigen die Aktienkurse ununterbrochen. Viele Anleger träumen vom großen Geld und nehmen sogar Kredite auf, um Aktien zu kaufen. Als dann die Aktien stagnieren bricht am Donnerstag, dem 24. Oktober eine Panik an der Wall Street aus. Der Handel bricht mehrmals zusammen. Das ist der Beginn einer Wirtschaftskrise, die alle Industrienationen betrifft. Massenarbeitslosigkeit und Deflation sind die Folge.

Der Crash zieht sich über Tage hin. Am Dienstag, dem 29. Oktober versuchen viele Investoren gleichzeitig ihre Aktien zu verkaufen. Damit fällt der „Schwarze Freitag“ auf einen Dienstag, weshalb die Amerikaner auch vom „Black Thursday“ sprechen. 

8. Dezember 1929

München * Bei der Kommunalwahl erringt  

  • die SPD 17 Sitze und wird damit stärkste Fraktion.  
  • Die BVP verliert leicht und erreicht 12 Sitze.  
  • Die NSDAP kann 8 Sitze erreichen.  

Karl Scharnagl [BVP] wird erneut Oberbürgermeister. 


1930

3. April 1930

Ludwigshafen * Helmut Kohl, der spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und CDU-Vorsitzende, wird in Ludwigshafen geboren. 


1931

April 1931

München-Angerviertel * Nach einer vierjährigen Umbauphase wird das „Münchner Stadtmuseum“ wiedereröffnet. 

Die Hauptattraktion sind die „Moriskentänzer“ von Erasmus Grasser aus dem „Festsaal des Alten Rathauses“

4. Mai 1931

München-Maxvorstadt * Die Pfandleihanstalt in der Augustenstraße 20/22 wird eröffnet. 


1932

1. April 1932<p><em><strong>München-Trudering</strong></em> * Die bis dahin eigenständige Gemeinde Trudering&nbsp;wird nach München eingemeindet.&nbsp;Um Mehrfachbenennungen von Straßennamen zu vermeiden müssen Straßen umbenannt werden.&nbsp;</p>

1933

1933

München * München hat 840.188 Einwohner. 

Februar 1933

München-Obergiesing * Nach dem Regierungswechsel erscheinen viele Gemeindemitglieder in ihren Partei- beziehungsweise SA-Uniformen zu den evangelischen Gottesdiensten in die Martin-Luther-Kirche.

29. März 1933<p><strong><em>Berlin</em></strong> * Die nationalsozialistische Regierung führt die Vollstreckungsmethode&nbsp;des Erhängens&nbsp;wieder ein.</p>
1. April 1933<p><strong><em>Berlin</em></strong> * Die NSDAP ruft zum reichsweiten <em>„Judenboykott“</em> auf.&nbsp;Über 600 jüdische Firmen in München werden boykottiert,<em> „zum Schutz der Inhaber und zur Belehrung des Publikums durch Posten gesichert und durch Plakatierung gekennzeichnet“</em>.&nbsp;Der reichsweite <em>„Boykott jüdischer Geschäfte“</em> dauert bis zum 3. April an.</p>
Juni 1933

München * Vor den Kirchenwahlen beginnen die nordisch-völkischen „Deutschen Christen“ auch in Bayern eine großangelegte Werbekampagne.

22. Juni 1933

München * Der dem NS-Reichsstatthalter Ritter von Epp unterstellte Freistaat Bayern schließt mit dem Scharfrichter Johann Reichhart einen neuen Vertrag. Damit erhöht sich dessen Jahresgehalt auf stattliche 3.000.- RMark (monatlich 250 RM). Er verfügt nun über ein regelmäßiges Einkommen, das dem eines Regierungsrates entspricht.

22. Juni 1933

München-Graggenau - München-Trudering * Der von den Nationalsozialisten dominierte Stadtrat lässt aufgrund der durch die Eingemeindung Truderings am 1. April 1932 notwendigen Straßenumbenennungen ein sogenanntes Kolonialviertel entstehen. 

Die NSDAP kommt damit den alten Forderungen der Kolonialverbände und der Kriegerschaft Deutscher Kolonialtruppen entgegen. Die Straßen dieses Viertels setzen seither zusammen aus reinen Länderbezeichnungen - aber auch aus Ehrungen für einige der grausamsten Offiziere der Kolonialgeschichte des Deutschen Reiches. 

22. Juli 1933

Berlin * Noch am Vorabend der Kirchenwahlen macht Hitler in einer Rundfunkrede klar, was die evangelischen Christen zu wählen haben:

„Die Kräfte einer lebendigen Bewegung. Diese Kräfte sehe ich in jenem Teil des evangelischen Kirchenvolkes in erster Linie versammelt, die als Deutsche Christen bewusst auf den Boden des NS-Staates getreten sind“.

23. Juli 1933

München-Obergiesing * Der gewählte Kirchenvorstand der evangelischen Martin-Luther-Kirche besteht zu fünfzig Prozent aus NS-Parteigenossen. Der Münchner Dekan sagt:

„Dass der Wunsch geherrscht hat, es möchten in unseren Kirchenvorständen besonders auch solche Männer Platz finden, die in der deutschen Freiheitsbewegung an hervorragender Stelle stehen - das war allen verständlich. Wir brauchen diese Männer in der kirchlichen Arbeit“

Hauptsache ist, dass die Gottlosen-Propaganda ihr Ende findet.

1. September 1933

München * Der Scharfrichter Johann Reichhart gehört verschiedenen Untergliederungen der NSDAP an.


1934

18. Januar 1934

München * Das Jahreseinkommen des Scharfrichters Johann Reichhart wird auf 3.720 RM (monatlich 310 RM) angehoben.

8. Mai 1934

Berlin - Deutsches Reich * Mit der Reichs-Straßenverkehrsordnung werden alle Bestimmungen über Geschwindigkeitsbegrenzungen aufgehoben. Damit soll der Autoabsatz angekurbelt werden. 

30. Mai 1934

München-Maxvorstadt * Die päpstliche Nuntiatur in München wird aufgelöst. 

31. Mai 1934

München * Der päpstliche Nuntius Alberto Vassallo di Torregrossa beendet offiziell seine Tätigkeit in München. 

20. Oktober 1934

München-Angerviertel * Die deutschlandweit erste, groß angelegte Razzia der Nazis gegen Homosexuelle. Im Zentrum dieser Maßnahme steht der Gasthof Schwarzfischer in der Dultstraße, zusammen mit dem Arndthof am Glockenbach und diversen einschlägig bekannten Parks, Bedürfnisanstalten und Privatwohnungen.  

Insgesamt werden bei dieser Aktion 145 Männer festgenommen und in die Ettstraße gebracht. Dort wird abgeglichen, ob es sich um Wiederholungstäter handelt, die sich anschließend Umerziehungsmaßnahmen unterziehen müssen. 39 Festgenommene kommen ins KZ Dachau, viele werden auch nach ihrer Freilassung noch jahrelang schikaniert. Wiederholungstäter ist, wer in der berüchtigten Rosa Liste verzeichnet ist. Dieses Verzeichnis der Homosexuellen besteht bereits seit der Kaiserzeit. 

November 1934

Goslar * Der Durchbruch für die erneute Seidenerzeugung in Deutschland kommt erst auf dem Reichsbauerntag in Goslar im November 1934.

Die NSDAP hat dort zur „Erzeugungsschlacht der deutschen Landwirtschaft“ aufgerufen. Das Ziel des Agrarprogramms ist die maximale Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion, um den Bedarf an Nahrungs- und Futtermitteln, aber eben auch an Textilrohstoffen weitestgehend aus eigener Erzeugung zu sichern.

Das bedeutete die Förderung der Seidenraupenzucht durch den Anbau von Maulbeerbäumen


1935

1. April 1935<p><strong><em>Berlin</em></strong> * Die Deutsche Gemeindeordnung&nbsp;tritt in Kraft.&nbsp;Die Stadträte&nbsp;heißen seither Ratsherren.</p>
29. Juni 1935

München - Holzkirchen * Der erste Abschnitt der Reichsautobahn München – Salzburg bis Holzkirchen wird eingeweiht. 

4. August 1935

Berlin - München * Adolf Hitler erklärt München zur „Hauptstadt der Bewegung“. a

Ab 20. September 1935

München-Geiselgasteig • Aufnahmen zu „Kirschen in Nachbars Garten“ in Geiselgasteig. Drehbeginn für Liesl Karlstadt.

9. November 1935<p><strong><em>München-Maxvorstadt</em></strong> * Die Särge der Toten des Hitler-Ludendorff-Putsches&nbsp;von 1923 werden in der Nacht mit einem Fackelzug durch das Siegestor&nbsp;getragen und am Tag in den neu erbauten Ehrentempeln am Königsplatz&nbsp;aufgestellt.</p>

1936

30. September 1936

München * Das gesamte Stadtgebiet wird von einer Hagelwalze zugeschüttet. 

23. Oktober 1936

München * Der ehemalige päpstliche Nuntius Alberto Vassallo di Torregrossa verlässt München. 


1937

1. Mai 1937

München * Der „Scharfrichter“ Johann Reichhart wird Mitglied der NSDAP.

1. Juli 1937<p>&nbsp;<strong><em>München-Ludwigsvorstadt - Lenggries</em></strong> • Liesl Karlstadt wird als <em>„gebessert, aber arbeitsunfähig“</em> aus der Psychiatrischen Klinik an der Nussbaumstraße&nbsp;entlassen. Sie fährt mit ihrer Schwester Amalie zur Erholung nach Lenggries.</p>
31. Juli 1937<p><em><strong>Lenggries - München</strong></em> • Liesl Karlstadt kehrt von Lenggries nach München zurück.&nbsp;</p>
20. August 1937<p><em><strong>München</strong></em> • Liesl Karlstadt und Karl Valentin treffen sich zu Schallplattenaufnahmen in den Räumen des <em>„Reichsenders München“</em>.&nbsp;</p>
25. August 1937

Berlin * Die Zuständigkeiten der Scharfrichter im Deutschen Reich werden neu festgelegt. Es gibt reichsweit drei Scharfrichter.

November 1937

München * Die „Ein- und Verkaufsgenossenschaft für das Droschkengewerbe Münchens, eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftung“ wird in „Genossenschaft der Münchner Droschkenunternehmer GmbH“ umbenannt. 


1938

1938

München-Maxvorstadt - München-Schwabing * Der Umzug „2000 Jahre Deutsche Kultur“ nutzt das „Siegestor“ für seine Propaganda.

22. Januar 1938

München * Die Stadt richtet die Sonderbaubehörde Ausbau der Hauptstadt der Bewegung ein. Stadtbaurat Hermann Alker leitet die Behörde.

Nach dem 22. Januar 1938

München-Ludwigsvorstadt * Vertrauliche Verhandlungen zwischen der Sonderbaubehörde Ausbau der Hauptstadt der Bewegung und der evangelischen Landesküche über den Abbruch der Matthäuskirche aus verkehrstechnischen Gründen beginnen. 

1. April 1938<p><em><strong>München-Großhadern</strong></em> * Die selbstständige Gemeinde Großhadern mit den Gemeindeteilen Großhadern und Kleinhadern wird nach München eingemeindet.&nbsp;</p>
Ab 1. Mai 1938<p><strong><em>München-Ludwigsvorstadt</em></strong> • Vom 1. bis 31. Mai 1938 steht im Deutschen Theater das Varieté Programm <em>„Lachen, Leistung, Schöne Frauen“</em> auf dem Spielplan. Es besteht aus zwei Teilen, im ersten Teil wirbelten Akrobatik-Künstler, der zweite Teil beginnt mit komischen Lichtbildern von Karl Valentin und darauf folgt die Szene <em>„Der Umzug“</em> mit Karl Valentin und Liesl Karlstadt.&nbsp;</p> <p>Das NS-System zensiert den ursprünglichen Schluss des Stücks, als ein Abrissbagger auf die Bühne rollt. Das Stück wird insgesamt 78 Mal aufgeführt.&nbsp;</p>
9. Juni 1938

München - München-Ludwigsvorstadt * Gegen 18:00 Uhr wird auf einer Besprechung im Bayerischen Innenministerium dem Pfarrer Friedrich Loy mitgeteilt, dass die evangelische Matthäuskirche umgehend abgerissen werden soll.

Um 22:00 berät die Kirchenverwaltung der Matthäuskirche, unter welchen Bedingungen sie sich zum Abbruch der Kirche bereit erklären kann. 

10. Juni 1938

München - München-Ludwigsvorstadt * Am Vormittag beschäftigt sich der Landeskirchenrat mit den Abrissplanungen der Matthäuskirche und bestätigt und ergänzt die Beschlüsse der Kirchenverwaltung der Matthäuskirche. In einer Besprechung im Innenministerium um 13 Uhr werden die Beschlüsse dargelegt.

Am Abend wird die evangelische Gemeinde benachrichtigt, dass das Innenministerium bereits eine Abrissfirma beauftragt hat. Die Abbrucharbeiten sollen am 13. Juni beginnen. 

11. Juni 1938

München-Ludwigsvorstadt * Der evangelische Landesbischof Dr. Hans Meiser interveniert am Vormittag gegen den Abriss der evangelischen Matthäuskirche. Da Meiser unter den gegebenen Umständen sich weiteren Verhandlungen verweigert, zieht das Innenministerium den Auftrag an die Baufirma vorläufig zurück. 

Um 16 Uhr erklärt sich Gauleiter Adolf Wagner bereit, auf die vom Landeskirchenrat erarbeiteten Forderungen einzugehen. Als vorläufiger Versammlungsraum wird der Matthäus-Kirchengemeinde der Weiße Saal in der ehemaligen Augustinerkirche, der inzwischen zum Polizeipräsidium gehört, zugesichert. 

12. Juni 1938

München-Ludwigsvorstadt * Am Abend findet ein Abschiedsgottesdienst der evangelischen Gesamtgemeinde in der Matthäuskirche statt. Der evangelische Landesbischof Dr. Hans Meiser hält die Predigt. 

13. Juni 1938

München-Ludwigsvorstadt * Um 20 Uhr wird der Abschiedsgottesdienst für die evangelische Matthäus-Kirchengemeinde mit einer Predigt des Pfarrers Friedrich Loy abgehalten. Noch während des Gottesdienstes werden die Abbruchgerüste aufgebaut. 

14. Juni 1938

München-Ludwigsvorstadt * Die Kult- und Kunstgegenstände werden aus der evangelischen Matthäuskirche entfernt. Die Abrissarbeiten beginnen. 

26. Juni 1938

München-Ludwigsvorstadt * Die evangelische Matthäus-Kirchengemeinde erfährt davon, dass der Architekt German Bestelmeyer mit Planungen für eine neue Matthäuskirche beauftragt worden ist. 

27. Juni 1938

München-Ludwigsvorstadt * Das Dach der der evangelischen Matthäuskirche ist abgedeckt. 

28. Juni 1938

München-Ludwigsvorstadt * Die Vorhalle der evangelischen Matthäuskirche wird gesprengt. 

3. Juli 1938

München-Ludwigsvorstadt * Der Turm der evangelischen Matthäuskirche wird gesprengt. 

6. Juli 1938

München-Ludwigsvorstadt * Die Abbrucharbeiten an der evangelischen Matthäuskirche sind beendet. Auf dem Gelände befindet sich jetzt ein Parkplatz.

13. Juli 1938

München-Au * Die Cenovis-Werke schreiben an die IHK München die Zeilen: „[…] teilen wir Ihnen hierdurch mit, dass die Gesamtanteile an unserer Gesellschaft nunmehr in arischen Besitz übergegangen sind.
Die Cenovis-Werke GmbH in München sind infolgedessen sowohl in personeller wie auch in kapitalmässiger Hinsicht eine reine arische Unternehmung“
. Dann folgte das obligatorische „Heil Hitler“ und die Unterschrift „Altenrath“.

Dr. Julius Schülein kann gerade noch rechtzeitig vor der sogenannten Reichs-Kristallnacht in die USA emigrieren.

Ab 9. August 1938<p><strong><em>München-Ludwigsvorstadt</em></strong> • Vom 9. August bis 15. September spielen Karl Valentin und Liesl&nbsp;Karlstadt ihre Szene <em>„Im Photoatelier“</em>.&nbsp;</p>
17. August 1938

Berlin * Die „Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen“ tritt in Kraft. Die Verordnung beinhaltet eine „Richtlinie über die Führung von Vornamen“. Darin dürfen neugeborene Juden nur solche jüdische Vornamen führen, die in einer Liste aufgeführt werden. Juden, die keinen typisch jüdischen Vornamen tragen, müssen einen zusätzlichen Vornamen annehmen - „Sara“ oder „Israel“

Ab 16. September 1938

München-Ludwigsvorstadt - Höllriegelskreuth - Bad Tölz - Wegscheid • Nach dem Gastspiel im Deutschen Theater ist Liesl Karlstadt vom 16. September 1938 bis zum Jahresende krank.

  • Zuerst begibt sie sich nach Höllriegelskreuth bei Pullach ins Biologische Krankenhaus zur Erholung, von dort wieder in die Psychiatrische Klinik in der Nussbaumstraße.
  • Nach ihrer Entlassung lässt sie sich in das Städtische Krankenhaus Bad Tölz einweisen, in dem Kurat Jakob Ostler als Krankenhauspfarrer tätig ist. Bei dessen Familie war sie im Jahr zuvor in Wegscheid, heimisch geworden. 
November 1938

Berlin - München-Ludwigsvorstadt * Adolf Hitler ordnet von Berlin aus den Bauplatz für den Neubau der evangelischen „Matthäuskirche“ am Sendlinger-Tor-Platz an. 

15. November 1938<p><em><strong>München-Geiselgasteig&nbsp;</strong></em>• In dem Kultfilm <em>„München 1938“</em> tritt Karl Valentin im Zusammenhang mit der <em>„Nacht der Amazonen“</em> in einer kurzen Szene auf. Die Dreharbeiten finden am 15. November 1938 statt. Sein Auftritt ist ohne Gage. In Abwandlung seines Dialogs aus dem <em>„Bittsteller“</em> erhält er auf die Frage: <em>„Sie Herr Festaufseher, was kriegt so a Amazone für eine Nacht?“</em>, die Antwort: <em>„Zwei Mark.“</em>&nbsp;Darauf folgt Valentins Feststellung <em>„Zwei Mark, fürs ganze Jahr. Da heißt‘s einteilen.“</em></p> <p>&nbsp;</p>

1939

1939

München * München hat 840.586 Einwohner. 

1. Januar 1939

Berlin * Der Arbeitspflichtdienst für alle Mädchen unter 25 Jahren wird eingeführt. 

1. Januar 1939

Berlin * Alle deutschen Juden mussten als zweiten Vornamen „Sara“ oder „Israel“ annehmen und in ihre Ausweise eintragen lassen. Ab diesem Zeitpunkt mussten sie ihre Briefe mit dem diskriminierenden Vornamen unterzeichnen, Briefköpfe, Praxisschilder und ähnliches ändern und ergänzen. Verstöße werden mit Gefängnishaft bestraft. 

24. Januar 1939

Berlin * Gestapo-Chef Reinhard Heydrich erhält den Auftrag, die „Endlösung der Judenfrage“ vorzubereiten.

2. Februar 1939

München-Maxvorstadt * Martin Bormann, Leiter der Partei-Kanzlei der NSDAP, gibt die vertrauliche Anweisung, in Reden der Partei alle christlichen Redewendungen und Begriffe zu vermeiden. 

10. Februar 1939

Rom-Vatikan * Papst Pius XI. stirbt. Sein Nachfolger wird der langjährige Nuntius in München, Eugenio Pacelli, als Pius XII.. 

2. März 1939

Rom-Vatikan * Eugenio Pacelli, der langjährige Nuntius in München, wird zum Papst Pius XII. gekrönt. 

15. März 1939<p><strong><em>Prag</em></strong> * Deutsche Truppen marschieren in das Reichsprotektorat Böhmen und Mähren&nbsp;ein.&nbsp;</p>
Ab 16. April 1939<p><strong><em>Augsburg</em></strong> • Ab dem 16. April 1939 treten Karl Valentin und Liesl Karlstadt im Apollotheater&nbsp;in Augsburg auf. <em>„Es war ein großer Kampf, weil Augsburg für Herrn Valentin eine Weltreise bedeutet. Ich hab fast heimlich abgeschlossen und da hat er dann doch die Mühen auf sich genommen und ist zu den Augsburgern gefahren.“</em>&nbsp;</p> <p>Und weiter: <em>„Das Publikum, das schon an den Lichtbildern Karl Valentins gehörigen Spaß hat, geht herrlich mit und kommt zum Schluß nicht mehr aus dem Lachen. Es gibt begeisterten Beifall für Karl Valentin und Liesl Karlstadt.“</em></p>
17. April 1939

Deutsches Reich * Bei einer Volkszählung bezeichnen sich 95 Prozent aller Deutschen als „Angehörige einer christlichen Kirche“

20. April 1939

München * Unter „herzlichem und dankbarem Gedenken“ - auch der Münchner evangelischen Gemeinde - begeht Adolf Hitler seinen 50. Geburtstag. 

21. April 1939<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> * Der evangelischen Matthäus-Kirchengemeinde&nbsp;wird die Nutzung des Weißen Saales&nbsp;in der ehemaligen Augustinerkirche&nbsp;- rückwirkend zum 15. Juni 1938 - vertraglich zugesprochen.&nbsp;Die Unterhalts- und etwaige Instandsetzungskosten gehen zu Lasten der Kirchengemeinde.&nbsp;</p>
28. April 1939

Berlin * Adolf Hitler kündigt den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt. 

Mai 1939

München * Sämtliche „Rundfunkgottesdienste“ werden eingestellt. 

14. Mai 1939

Berlin * Aus Anlass der Muttertagsfeiern werden erstmals „Ehrenkreuze der deutschen Mutter“ an kinderreiche Frauen verliehen. Frauen mit vier bis fünf Kindern erhalten den Mutterorden in Bronze, für mehr als sechs Kinder gibt‘s den Orden in Silber, und für mehr als acht Kinder wird das Mutterkreuz in Gold vergeben. Die Orden hängen an einem blauen Band mit der Aufschrift: „Das Kind adelt die Mutter“. 

Hinter vorgehaltener Hand wird das  Mutterkreuz auch als „Karnickelorden“ bezeichnet. Nationalsozialistische Politik drängt die Frauen zurück an Herd und Kinderbett. Außerhalb des Hauses gelten Frauen nur wenig. 

Reichspropagandaminister Joseph Goeppels meint zur Rolle der Frau: „Die Frau hat die Aufgabe, schön zu sein und Kinder zur Welt zu bringen. [...] Die Vogelfrau putzt sich für den Mann und brütet für ihn die Eier aus.“ 

16. Mai 1939<p><strong><em>München - Augsburg</em></strong> • Viel Zeit zur Erholung hatte Liesl Karlstadt nicht. Bereits Anfang Mai hatte sie Proben im Münchner Volkstheater. Am 16. Mai 1939 war dann die Uraufführung des Theaterstücks <em>„Glück im Spiel, Glück in der Liebe“</em>, einer Wiener Komödie, die ins Münchner Mileu verpflanzt wurde. Liesl Karlstadt wurde die Hauptrolle der Frau Betty Neubauer quasi auf den Leib geschrieben.&nbsp;</p> <p>Sofort nach dem Gastspiel im Volkstheater begibt sich Liesl Karlstadt wieder ins Augsburger Krankenhaus. Die Angina vom April 1939 ist nicht ausgeheilt und verursacht eine massive Blutvergiftung mit sehr großen Entzündungen in beiden Oberschenkeln. Beinahe hätte das rechte Bein amputiert werden müssen.</p>
22. Mai 1939

Berlin - Rom * Ein Militärbündnis mit Italien wird abgeschlossen, der sogenannte „Stahlpakt“.

1. Juni 1939

Augsburg - München-Hackenviertel • Eine 17-monatige Leidenszeit liegt vor Liesl Karlstadt. Vom 1. Juni bis 18. September ist sie im Städtischen Krankenhaus in Augsburg. Daraufhin zieht sie sich endgültig von der Zusammenarbeit mit Karl Valentin zurück.  

Mit seiner neuen Auftrittsstätte, der „Ritterspelunke“ am Färbergraben, hat sie nichts mehr zu tun. Valentin tritt hier mit seiner neuen Partnerin Annemarie Fischer auf. Einzig Aufnahmen von Sketchen für den Rundfunk machen sie noch gemeinsam.

17. Juli 1939<p><em><strong>München</strong></em> • Zwei Ereignisse im Jahr 1939 haben die Beziehung Valentin-Karlstadt grundlegend verändert. Mit der Schließung des<em> „Kabarett Benz“</em> gibt es für die beiden in München keine Möglichkeit mehr regelmäßig aufzutreten.</p> <ul> <li>Liesl Karlstadt kann Engagements im sogenannten <em>„normalen“</em> Theater annehmen, für Valentin kommt das nicht in Frage.</li> <li>Da es für ihn kein Theater mehr gibt, wo er hätte spielen können, eröffnet er am 17. Juli 1939 sein eigenes, die <em>„Ritterspelunke“</em>.</li> <li>Da seine gewohnte Partnerin Liesl Karlstadt aufgrund ihrer Blutvergiftung für Monate nicht zur Verfügung steht, braucht er neue Mitspieler.</li> <li>Valentin greift hierbei auch nicht auf bewährte klassische Valentinstücke zurück, wofür er Liesl Karlstadt gebraucht hätte, sondern entwickelt etwas völlig neues, den <em>„Ritter Unkenstein“</em>.&nbsp;</li> </ul>
23. August 1939

Berlin - Moskau * Abschluss des geheim gehaltenen Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes und Einigung über die Aufteilung Polens. 

25. August 1939

England - Polen * England schließt mit Polen einen Beistandspakt. 

1. September 1939

Deutsches Reich - Polen * Deutschland überfällt Polen ohne Kriegserklärung. Damit beginnt der Zweite Weltkrieg. 

2. September 1939

München * Mit einem Aufruf des Geistlichen Verwaltungsrates stellt sich die evangelische Kirche hinter Hitler und seinen Krieg mit Polen. 

3. September 1939

London - Paris - Berlin *  England und Frankreich erklären Deutschland den Krieg. 

5. September 1939

Berlin * Wenige Tage nach dem Kriegsbeginn wird eine Verordnung gegen Volksschädlinge erlassen. Sie bildet eine weitere rechtliche Grundlage für Todesurteile. Die Verordnung räumt ausdrücklich auch die Todesstrafe durch Erhängen ein.

1. Oktober 1939

München * Zum Erntedankfest wird in den evangelischen Kirchen eine „Kanzelabkündigung des Geistlichen Vertrauensrates“ verlesen. Darin wird für „die Ernte auf den polnischen Schlachtfeldern Gott gedankt“

3. Oktober 1939

München * Auf Anordnung des Landeskirchenrates der evangelischen Kirche werden nach dem Einmarsch in Warschau die Kirchenglocken sieben Tage lang von 12 bis 13 Uhr geläutet. 

6. Oktober 1939

Polen *  Kämpfe in Polen werden beendet. Polen wird Generalgouvernement. 

18. Oktober 1939

München * Ein Verbot der Versendung kirchlicher Druckschriften an Wehrmachtssoldaten wird erlassen. 

9. November 1939

München * Nach dem Attentat auf Hitler im Bürgerbräukeller wird die kirchliche Presse angewiesen, das „besondere Walten der Vorsehung“ hervorzuheben. 

19. November 1939

München * Das Evangelische Gemeindeblatt druckt ein „Dankgebet für die Bewahrung Adolf Hitlers“ beim Attentat im Bürgerbräukeller ab. 

21. Dezember 1939

Berlin * Mit einem Führererlass wird der Architekt Hermann Giesler zum Generalbaurat für die Hauptstadt der Bewegung ernannt.


1940

Ab 1940

Deutsches Reich * In der Zeit des Nationalsozialismus von 1940 bis 1945 vollstreckt der Scharfrichter Johann Reichhart 2.805 Todesurteile.

1940

Deutsches Reich * Der Seidenbau ist aus „volkswirtschaftlichen, medizinischen und wehrpolitischen Gesichtspunkten besonders wünschenswert“

Ab 1940

München-Untergiesing * Im Zweiten Weltkrieg missbraucht man das „Schyrenbad“ als „Sammelstelle zur Möbelbergung“ für die ausgebombten Untergiesinger Bürger.

22. Juni 1940<p><strong><em>Paris</em></strong> • Nach dem Waffenstillstand von Compiègne vom 22. Juni 1940 arbeitet Josephine Baker für die Résistance, der Widerstandbewegung gegen die nationalsozialistische Herrschaft in Frankreich. Auf ihrem Schloss Les Milandes, das einige Zeit in der unbesetzten Zone lag, versteckt sie Flüchtlinge, die von den Nationalsozialisten gesucht werden: Mitglieder der Résistance und Juden.</p> <p>Zudem wird sie Mitarbeiterin des französischen Nachrichtendienstes, wo sie als Kurier zum Einsatz kommt. Um die transportierten Geheiminformationen zu verstecken, werden diese zum Teil in unsichtbarer Tinte auf den Partituren Bakers notiert. Einige Dokumente versteckt sie auch in ihrer Unterwäsche, da ihr als Berühmtheit nicht die Gefahr einer Leibesvisitation droht.&nbsp;</p>
August 1940<p><strong><em>München-Ludwigsvorstadt</em></strong> • Als Liesl Karlstadt wieder einsatzfähig ist, tritt sie wieder gemeinsam mit Karl Valentin auf. Erst im August 1940 wagt sich Liesl Karlstadt wieder auf die Bühne. Gemeinsam mit Karl Valentin spielt sie im August und September 1940 die Szene <em>„Theater in der Vorstadt“</em> im Deutschen Theater.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>

1941

1941

München-Untergiesing * An der Claude-Lorrain-Straße wird ein achteckiger, fensterloser „Hochbunker“ gebaut, dessen Wände aus 2,40 Metern dicken Betonmauern bestehen, der nur über wenige Luftschlitze verfügt und in dem 450 „Schutzsuchende“ Platz finden können.

Der Münchner Stadtverwaltung ist inzwischen mehrfach bewiesen worden, dass das „Abwehrfeuer“ aus den „Fliegerabwehrkanonen“, kurz „Flak“ genannt, die alliierten Luftverbände nicht von den Bombenabwürfen abhalten kann.

Deshalb setzt man jetzt auf „Luftschutzräume“, die angeblich Schutz vor jeder erdenklichen Gefahr bieten - so gegen Splitter detonierender Bomben und Geschosse sowie gegen den Einsturz eines Hauses.
Als der sicherste Ort galt bei einem Luftangriff der Keller, dem angeblich auch „Sprengbomben“ nichts anhaben können.

Aber was macht man in einem Stadtviertel, in dem nicht jedes Haus über einen massiv gebauten Keller mit „Luftschutzraum“ verfügt und durch seine Nähe zur Isar kein Keller sein konnte?
Die Antwort sind die übers Stadtgebiet verteilten „Hochbunker“.

Im Erbauungsjahr des Untergiesinger „Hochbunkers“ - 1941 - werden keine Bombenabwürfe vermeldet.

April 1941

München * „Kultusminister“ Adolf Wagner lässt die „Kruzifixe“ aus den Schulräumen entfernen und durch „zeitgemäßen Wandschmuck“ ersetzen.  

Die Verordnung führt zu massiven Elternprotesten. 

Ab 29. Mai 1941

München • Am 29. und 30. Mai 1941 dreht Liesl Karlstadt mit Karl Valentin die Szene „In der Apotheke“ für die Tobis-Trichter-Filmreihe „Volkshumor in deutschen Gauen“ den Beitrag zum Münchner Humor. 

August 1941

München * Das „Reichssicherheitshauptamt“ stellt fest, dass in München und Umgebung verstärkt Flugblätter und Klebezettel mit Aufrufen zum Widerstand gegen das NS-Regime in Umlauf sind.

Darin tauchen Angriffe wie „Bluthund Hitler verrecke!“ oder „Vernichtet den Faschismus!“ auf. 

28. September 1941

Oberaudorf * Edmund Stoiber, der spätere Bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende, wird in Oberaudorf geboren. 


1942

Ende August 1942

München * Die alliierten Angriffe aus der Luft beginnen erneut.

20. September 1942

München * Der achte Luftangriff setzt bereits 6.000 obdachlose Menschen auf die Straße, nachdem das Bombardement ihre Wohnungen zerstört hat.


1943

1943

München * Das Einkommen des Scharfrichters Johann Reichhart ist aufgrund der zahlreichen Todesurteile innerhalb weniger Jahre in die Höhe geschnellt. Im abgelaufenen Jahr erhält der Henker zu seinem jährlichen Grundgehalt von 3.720 RM noch Sondervergütungen in Höhe von 41.748 RM zu. Alleine die Sondervergütungen für die 764 Enthauptungen betragen 35.790 RM, der Rest sind Fahrkosten und Aufwandsenschädigungen.

1943

Deutsches Reich * Der Seidenbau ist von kriegsentscheidender Bedeutung, denn: „Naturseide lässt sich nur durch Kunstseide ersetzen, wenn es sich um die Herstellung von Luxusgegenständen (Bekleidungsstücke) handelt. Sie ist unersetzlich für technische Zwecke und für den Bedarf des Heeres (Fallschirme).“ 

15. Februar 1943

München * Das sechste Flugblatt der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ wird fertiggestellt und versandt. Es beinhaltet den Aufruf zum „Sturz des NS-Regimes“ und fordert die Errichtung eines „neuen geistigen Europas“.

Das Flugblatt wird später in England nachgedruckt und von britischen Flugzeugen über Deutschland abgeworfen. Außerdem wird der Inhalt durch den Sender British Broadcast Corporation - BBC verbreitet.

16. Februar 1943

Berlin * Reichspropagandaminister Dr. Joseph Goeppels ruft im Berliner Sportpalast den „Totalen Krieg“ aus. Nun muss die Münchner Zivilbevölkerung erfahren, was Krieg wirklich bedeutet. Bis dahin gab es neun Bombenangriffe auf München. Ab diesem Zeitpunkt - bis zum 17. April 1945 - folgen noch weitere 49 Luftangriffe über der Stadt. 

  • So stehen bereits am 10. März 1943, nach dem zehnten Angriff, 9.000 Menschen auf der Straße,
  • am 25. April 1944, dem 18. Angriff, haben schon 70.000 ihre Wohnung verloren und
  • nach dem 28. Angriff sind bereits 200.000 Münchner ohne Dach über dem Kopf. 
18. Februar 1943

München-Maxvorstadt * Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ verteilen etwa 1.700 Flugblätter in der Münchener Universität. Der Hausmeister, der die ganze Aktion beobachtet hat, meldet sie bei der Gestapo. Sophie und Hans Scholl sowie Christoph Probst werden verhaftet und ins Wittelsbacher Palais gebracht.

22. Februar 1943

München - München-Obergiesing * Nach dem dreitägigen Verhör bei der Gestapo folgt der Prozess gegen die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ vor dem Volksgerichtshof unter dem Vorsitz des eigens aus Berlin angereisten Dr. Roland Freisler.

Hans und Sophie Scholl werden gemeinsam mit Christoph Probst zum Tod verurteilt. Das Urteil wird noch am selben Tag im Strafgefängnis München-Stadelheim durch den Scharfrichter Johann Reichhart vollstreckt.

8. März 1943<p><strong><em>München</em></strong> * Nach einem Erlass von Innenminister Heinrich Himmler marschieren Polizeibeamte los, um die Häuser der Sinti und Roma zu umstellen und die Angehörigen dieser Bevölkerungsgruppen in Gefängnisse zu bringen. In München ist dies das Gefängnis der Polizei in der Ettstraße. Fünf Tage später rollen die Deportationszüge vom Güterbahnhof los.</p>
13. Juli 1943

München-Obergiesing * Alexander Schmorell und Professor Kurt Huber, Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, sterben im Gefängnis München-Stadelheim unter der Guillotine von Johann Reichhart.

26. Juli 1943
2. Oktober 1943

München-Untergiesing * Die Bevölkerung des dicht besiedelten Untergiesing ist durch die Nähe zum Gauleiterbunker im bombensicheren Kellermassiv im Nockherberg und der Isar, an der sich die alliierten Bomber orientieren, stark bedroht. 

In der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 1943 ereignet sich in der Kühbachstraße eine Tragödie. Im Keller des Anwesens Nr. 18 und 20 ertrinken 47 Menschen in dem durch geplatzte Hydranten hereinstürzenden Wasser. Es handelt sich dabei um eine Hochzeitsgesellschaft, die in dem Gasthaus feiert. 

Da die Geladenen während des Bombenalarms nicht extra in den Bunker an der Sachsenstraße laufen wollten, gehen sie in den Keller, den sie nicht mehr lebend verlassen können. Ihre zum Teil weit entfernten Heimatwohnorte weisen die Toten als Münchenbesucher aus.

12. Oktober 1943

München-Obergiesing * Das Todesurteil gegen Willi Graf, einem Mitglied der „Weißen Rose“, wird durch den Scharfrichter Johann Reichhart im Gefängnis München-Stadelheim vollstreckt.

22. November 1943

Neuruppin * Jörg Hube, der spätere Schauspieler, Regisseur und Kabarettist, wird in Neuruppin in Brandenburg geboren. 


1944

1944

München-Maxvorstadt - München-Schwabing * Bei einem Bombenangriff wird das „Siegestor“ zerstört.

1944

München-Isarvorstadt * Eine Fliegerbombe zerstört das obere Stockwerk des Hauses in der Reichenbachstraße 13, in dem sich die „Deutsche Eiche“ befindet.

Ab dem 1. Januar 1944

München-Isarvorstadt * Auf dem Alten Südlichen Friedhof dürfen keine Bestattungen mehr durchgeführt werden. Zu diesem Zeitpunkt gibt es auf

  • dem älteren Teil: 13.066 Gräber und 95 Grüfte,
  • dem neueren Teil: 5.022 Gräber und 175 Grüfte. 
7. April 1944

Blomberg * Gerhard Schröder, der spätere Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland und SPD-Vorsitzende, wird in Blomberg geboren. 

Ende Juli 1944

Berlin * Um die vielen Hinrichtungen im Zusammenhang mit dem „Attentat vom 20. Juli“ vollstrecken zu können, wird der „Scharfrichter“ Johann Reichhart nach Berlin beordert.

An einem Tag erfolgen so viele Hinrichtungen, dass Reichhart und seine Gehilfen bis zum Knöchel im Blut waten.

Im Gegensatz zu Reichhart, der seine Todeskandidaten mit der „Guillotine“ hinrichtet, erhängt sein „Kollege“ Ernst Reichel, der berüchtigte „Henker und Schlächter von Berlin“, die Widerständler in Berlin-Plötzensee - auf Befehl Hitlers - an Fleischerhaken auf.

17. Dezember 1944

München-Graggenau * Durch Bomben wird der Tanz- und Festsaal des Alten Rathauses zerstört. 


1945

1945

München * München hat 479.000 Einwohner. 

Bis 1945

München-Englischer Garten - Lehel * Der Zusammenfluss aller äußeren Stadtbäche wird - bis zur Kreuzung mit dem „Eisbach“ - als „Schwabinger Bach“ bezeichnet.
Dieser Bachabschnitt wird seither „Eisbach“ genannt. 
Er beginnt unter der Prinzregentenstraße mit der Vereinigung des „Stadtmühlbachs“ und des „Stadtsägmühlbachs“.

Genau umgekehrt ist es beim jetzigen „Schwabinger Bach“.
Er heißt bis 1945 „Eisbach“.
So heißt der Bachabschnitt ab der Galeriestraße nach dem Zusammenfluss von „Kögelmühlbach“ und „Kainzmühlbach“.

Ab der Kreuzung zwischen „Eisbach“ und „Schwabinger Bach“ besteht wieder die alte Namensgebung.

1945

München-Isarvorstadt * Ella und Toni Reichenbach werden Wirtinnen der „Deutschen Eiche“.

27. Januar 1945

Auschwitz * Sowjetische Truppen befreien das Konzentrationslager Auschwitz. 

Um April 1945

Straubing * Die „Guillotine“ wird aus dem „Gefängnis München-Stadelheim“ nach Straubing transportiert.

Kurz vor dem Einmarsch der Amerikaner wird die Köpfmaschine - angeblich - in den Fluten der Donau versenkt - und nie gehoben. 

Das Mordinstrument von Johann Reichhart soll sich nach den neuesten Recherchen im Depot der Bayerischen Nationalmuseums befinden. 

Bis Ende April 1945

Deutsches Reich * In der Zeit von 1924 bis 1945 vollstreckt alleine der „Scharfrichter“ Johann Reichhart die Todesurteile an 3.009 Personen, darunter an 250 Frauen.

17. April 1945

München * Der letzte und zugleich 73. Luftangriff der alliierten Bomber auf München findet statt. Bei den Luftangriffen der alliierten Truppen sind insgesamt

  • 6.632 in München lebende Personen ums Leben gekommen,
  • 15.800 werden verwundet.
  • Rund 300.000 Münchner sind obdachlos geworden.
  • Die Bevölkerungszahl Münchens geht von 824.000 im Jahr 1939 auf 479.000 im Jahr 1945 zurück.
29. April 1945

Dachau * Am späten Nachmittag befreien die 45. und 42. Infanterie-Division der US-Armee rund 32.000 Insassen aus 31 Nationen aus den überfüllten Baracken des Konzentrationslagers Dachau

30. April 1945<p><strong><em>München</em></strong> * Die <em>„Befreiung Münchens“</em>.</p> <p>Amerikanische Truppen marschieren in der bayerischen Landeshauptstadt ein.&nbsp;Die Situation der Münchner folgendermaßen dar:&nbsp;</p> <ul> <li>Es gibt mehr als 6.000 Bombentote.</li> <li>82.000 zerstörte Wohnungen.</li> <li>5 Millionen Kubikmeter Schutt mit einem Gesamtgewicht von 7 Millionen Tonnen.&nbsp;</li> <li>In 9 Stadtbezirken sind mehr als die Hälfte der Häuser zerstört.</li> <li>Hunderttausende Münchnerinnen und Münchner sind obdachlos.</li> <li>Die Münchner Straßen sind von 3.500 Bombeneinschlägen verwüstet.</li> <li>Die Gas-, Wasser-, Strom- und Telefonleitungen sind unterbrochen.</li> <li>90 Prozent der Bahnanlagen sind zerstört.</li> <li>Die Münchner Straßenbahn ist die am schwersten beschädigte in allen drei Westzonen.&nbsp;</li> </ul>
Ab Mai 1945

Bayern - Amerikanische Besatzungszone * Nach dem Einmarsch der Amerikaner in München holt man den „Scharfrichter“ Johann Reichhart aus seinem Haus im Gleißental.

Er muss jetzt für die Besatzungsmacht arbeiten und auf Befehl der amerikanischen Militärregierung bis 1947 weitere 156 Hinrichtungen vollziehen.

Den „Mastersergant“ Hazel Woods hat er in der „Kunst des schnellen Tötens am Galgen“ einzuweisen.

Woods erhängt die im „Nürnberger Prozess“ verurteilten „Hauptkriegsverbrecher“.

Mai 1945

München-Untergiesing * Von den 1.350 „Harritschwägen“, die im Jahr 1939 im Dienst der „Müllabfuhr“ standen, sind bei Kriegsende fünfzig Prozent vernichtet, der Pferdebestand ist sogar um siebzig Prozent gesunken.

Um den Betrieb aufrecht erhalten zu können, behilft sich die Stadt mit Holzvergaser-Autos und alten Wehrmachtsfahrzeugen. Die Arbeitskräfte kommen aus anderen städtischen Stellen.

Da es sonst keine Entsorgungsmöglichkeiten gibt, lässt man den „Müll“ einfach in Bombentrichtern, Geländemulden und Kiesgruben verschwinden, die bei späteren Bauvorhaben als teuere „Altlasten“ wieder zum Vorschein kommen.

Mai 1945

München * Als die Amerikaner Ende April 1945 München besetzen, finden sie nur noch 84 Juden vor.

Ab Mai 1945

München * Bei der Schutträumung haben die Verkehrswege Vorrang, sodass bereits erste Straßenbahnen ihren Betrieb wieder aufnehmen können. 

Die ersten Straßen werden von kriegsgefangenen deutschen Soldaten freigelegt. Diese werden unterstützt von NSDAP-Mitgliedern, die von den US-Besatzern zur Mitarbeit gezwungen werden. Ohne ihre Mithilfe bekommen sie keine Marken für Lebensmittel. 

Das Münchner Stadtarchiv zählt nicht mehr als 1.500 Menschen, die sich in nennenswertem Umfang am Schutträumen beteiligt haben. Davon waren etwa 1.300 Männer und 200 Frauen.

Von diesen waren wiederum 90 Prozent zuvor in nationalsozialistischen Organisationen tätig gewesen. 

4. Mai 1945

München • Karl Scharnagel [CSU] wird von der amerikanischen Besatzungsmacht als Münchner Oberbürgermeister eingesetzt. 

8. Mai 1945

Deutschland * Der Tag der bedingungslosen Kapitulation oder Tag der Befreiung vom Nazi-Terror. Der Zweite Weltkrieg ist für Deutschland verloren.

12. Mai 1945

München-Maxvorstadt * Radio München geht - von der US-Militärregierung betrieben und kontrolliert - auf Sendung. 

28. Mai 1945

München * Als erster Bayerischer Ministerpräsident wird auf ' Vorschlag von Kardinal Michael von Faulhaber der vorletzte Vorsitzende der Bayerischen Volkspartei - BVP, Fritz Schäffer, von den Amerikanern eingesetzt. Die Amerikaner haben den Kardinal gebeten, ihnen einen geeigneten Mann für dieses Amt zu nennen. 

  • Fritz Schäffer gehört zu den Gründern der Christlich-Sozialen Union - CSU, die sich als Nachfolgerin der katholischen Bayerischen Volkspartei versteht. Mit der CSU“erhält die Kirche eine politische Organisation, die ihre Belange durchsetzen hilft.
  • Der Verbindungsmann zwischen Kirche und Partei ist Prälat Georg Meixner, der als Vorsitzender des kulturpolitischen Ausschusses der CSU fungiert. 
14. Juli 1945<p><em><strong>München</strong></em> • In einer Leserzuschrift empört sich Alfred Schwingenstein darüber, dass bei den Trümmerbeseitigungen kriegsgefangene deutsche Soldaten eingesetzt werden, während heute noch ehemalige NSDAP-Parteifunktionäre frei durch die Straßen der Stadt gehen.&nbsp;</p>
18. September 1945

München * Die mangelnden Bemühungen bei der Entnazifizierung führen zur Absetzung des Ministerpräsidenten Fritz Schäffer. Gleichzeitig wird Wilhelm Hoegner von der SPD zum Ministerpräsidenten ernannt.

6. Oktober 1945

München * Die Süddeutsche Zeitung erscheint zum ersten Mal, als erste Zeitung im Nachkriegs-Bayern. Sie umfasst acht Seiten und kostet 20 Pfennige. 

8. November 1945

München-Graggenau * Kardinal Michael von Faulhaber weiht die Mariensäule am Marienplatz neu ein. 

Um Dezember 1945

München-Maxvorstadt - München-Schwabing * Der Abriss des „Siegestores“ wird beschlossen.


1946

Ab März 1946

München * Der Gebäudeschutt wird - professionell und systematisch - geräumt. 

Mit Baggern und Flaschenzügen werden Mauerreste zum Einsturz gebracht, Sprengfirmen und das Sprengkommando der städtischen Feuerwehr sind im Einsatz, komplizierte Manöver plant die städtische „Bauwacht“

Mit einem Netz aus Kleinbahnen mit Dampflokomotiven und Kipploren werden die Trümmer beseitigt. Mit der „Bockerlbahn“ wird der Schutt nach Sendling, zum Luitpoldpark und aufs Oberwiesenfeld gebracht, wo die großen „Schuttberge“ entstehen. 

5. März 1946

Amerikanische Besatzungszone * Auf Initiative des amerikanischen Militärgouverneirs Lucius D. Clay wird das „Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“ vom Länderrat des amerikanischen Besatzungsgebiets verabschiedet. Das Gesetz regelt die Spruchkammerverfahren [= Entnazifizierungsverfahren] in Bayern, Groß-Hessen und Württemberg-Baden.

Im Laufe des Jahres 1946 wird das sogenannte „Befreiungsgesetz“ auch auf die anderen Besatzungszonen übertragen. 

26. März 1946

München-Maxvorstadt * Knapp zehn Monate nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und des Zusammenbruchs des Dritten Reichs. - gibt Oberbürgermeister Karl Scharnagel - anlässlich des „Tages der Opfer des Faschismus“ - bekannt, dass das Rondell zwischen Brienner Straße und Maximiliansplatz künftig den Namen „Platz der Opfer des Nationalsozialismus“ tragen wird. 

Seine Lage inmitten der Stadt und „vor allem die Tatsache, dass  das Denkmal des großen deutschen Dichters Friedrich von Schiller trägt, der Freiheit und Menschenwürde in seinen Werken feierte“, lassen diesen Ort „als Erinnerungsstätte besonders geeignet erscheinen“

Der Standort wird allerdings bewusst gewählt, denn schräg gegenüber - im 1944 zerstörten ehemaligen Wittelsbacher Palais an der Brienner Straße 50 - befand sich das gefürchtete Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei. Das war das Zentrum der politischen Verfolgung.

Die Länge des Platznamens macht sein Aussprechen zwar praktisch unmöglich. Doch das macht nichts, denn der Platz dient nicht als Adresse. Er ist einfach ein Verkehrsknoten mit Grünfläche. Der Form halber hat er aber trotzdem eine Postleitzahl erhalten: 80333. 

11. April 1946<p><strong><em>München</em></strong> * Die Stadt München ruft die Bewohner zur freiwilligen Räumhilfe auf.&nbsp;4.943 Personen melden sich.&nbsp;Doch den Großteil der Räumarbeiten erledigen beauftragte sowie bezahlte Profis und&nbsp;keine Freiwilligen, auch&nbsp;keine <em>„Trümmerfrauen“</em>.&nbsp;</p>
30. April 1946

München * Die Stadt begeht den ersten „Jahrestag der Befreiung Münchens“

2. Mai 1946

München-Maxvorstadt * Die Benennung des „Platzes der Opfer des Nationalsozialismus“ sorgt bei Münchnerinnen und Münchner, denen die „Befreiung“ offensichtlich als Niederlage erscheint, für Unmut.  

In der Nacht zum 2. Mai wird eines der neuen Namensschilder abgeschraubt und an seiner Stelle eines mit dem Namen „Platz der Opfer demokratischer Menschenverdummung“ angebracht. 

Doch nicht nur die ehemaligen Täter - auch viele andere wollen keine Diskussion über die Verbrechen.
Oberst James Kelly, „Vorsitzender der US-Verwaltung“, wünscht keine Aufarbeitung der Vergangenheit.
Obwohl seine Aufgabe die Erziehung der Münchnerinnen und Münchner hin zur Demokratie ist, meint er, es ist angebracht, von der vergangenen Zeit überhaupt nicht mehr zu sprechen und sie und ihre Ereignisse nicht mehr dauernd zu erwähnen.

Die Vorbehalte bleiben bis in die heutige Zeit.
Dennoch wird der Platz zunehmend dazu genutzt, eine Gedenkkultur in München zu etablieren. 

30. Juni 1946

Freistaat Bayern - München-Maxvorstadt * Erstmals nach der Nazi-Diktatur finden in Bayern wieder demokratische Wahlen statt. Die CSU wird mit 109 Abgeordneten stärkste Fraktion. Der Landtag wird in der Aula der Ludwig-Maximilians-Universität tagen. 

20. September 1946

München - Freistaat Bayern • Die Verfassunggebende Landesversammlung nimmt den im Verfassungsausschuss entworfenen Text mit den Stimmen von CSU und SPD an. 

16. Oktober 1946

Nürnberg * Der Mastersergant Hazel Woods legt neun Hauptkriegsverbrechern die Schlinge um den Hals. Es sind dies

  • der Außenminister Joachim von Ribbentrop;
  • der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht Wilhelm Keitel;
  • der Chef der Sicherheitspolizei Ernst Kaltenbrunner;
  • der Reichsminister für die besetzten Ostgebiete Alfred Rosenberg;
  • der Generalgouverneur von Polen Hans Frank;
  • der Innenminister Wilhelm Frick;
  • der Herausgeber der antisemitischen Zeitung Der Stürmer Julius Streicher;
  • der Gauleiter von Thüringen Fritz Sauckel;
  • Generaloberst Alfred Jodl und
  • der Reichskommissar für die Niederlande Arthur Seyss-Inquart.

Reichsmarschall Hermann Göring hat sich mit einer Zyankali-Kapsel am 15. Oktober 1946 seiner Hinrichtung durch Selbstmord entzogen.

24. Oktober 1946

München - Freistaat Bayern * General Lucius D. Clay von der US-Army, der Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone in Deutschland, teilt dem Präsidenten der Landesversammlung mit, dass die Genehmigung für die Verfassung erteilt wird. 

1. Dezember 1946

München - Freistaat Bayern * In einer Volksabstimmung wird die unter der Führung des SPD-Politikers Wilhelm Hoegner ausgearbeitete Bayerische Verfassung mit einer Mehrheit von 70,6 Prozent angenommen. Die Verfassung des Freistaates Bayern regelt die Selbstständigkeit des Freistaates als Land der Bundesrepublik Deutschland. 

2. Dezember 1946

München - Freistaat Bayern * Ministerpräsident Wilhelm Hoegner [SPD] fertigt die Verfassungsurkunde aus. 

4. Dezember 1946

München - Freistaat Bayern * Die Bayerische Verfassung wird nach der Volksabstimmung und der Ausfertigung der Verfassungsurkunde durch Ministerpräsident Wilhelm Hoegner [SPD] im Ministerrat beschlossen. 

8. Dezember 1946

München - Freistaat Bayern * Die Bayerische Verfassung tritt mit ihrer Veröffentlichung im Bayerischen Gesetz- und Verordnungsblatt in Kraft. 

26. 1946

München - Freistaat Bayern * Die Bayerische Verfassung wird von der Landesversammlung mit 136 Stimmen von CSU und SPD, bei 14 Gegenstimmen von KPD, WAV und FDP beschlossen. Nun kann das bayerische Volk am 1. Dezember über die Verfassung entscheiden. 


1947

1947

München-Englischer Garten * Eine Ulmen-Krankheit vernichtet im Englischen Garten 6.000 Bäume.

1947

München * In München existiert eine Vereinbarung, die den „freien Samstagnachmittag“ für Verkäufer/innen festlegt.

Auf Bundesebene gilt noch immer die „Arbeitszeitverordnung“ aus dem Jahr 1938, die zum Samstagnachmittag keine Aussagen macht.

1947

München-Maxvorstadt * Der 22-jährige, aus Marktl am Inn stammende Theologiestudent Joseph Ratzinger beginnt im Georgianum seine Laufbahn.

23. März 1947<p><strong><em>München-Ludwigsvorstadt</em></strong> * Die evangelische Matthäus-Notkirche&nbsp;- Ecke Nußbaum- und Ziemssenstraße vor dem Krankenaus - wird eingeweiht.&nbsp;Das provisorische Gotteshaus ist eine Holzbaracke.&nbsp;</p>
27. März 1947

München-Ramersdorf * Unter dem Motto „In der vereinten Kraft muss unsere Stärke liegen“ findet vom 27. bis 29. März 1947 in einer Großküche in der Rosenheimer Straße in München der „Gründungskongress des Bayerischen Gewerkschaftsbundes - BGB“ statt. Der „BGB“ bildet den Dachverband für insgesamt 13 Gewerkschaften.

Als Lehre aus den Erfahrungen in der Weimarer Republik ist das Prinzip der Einheitsgewerkschaft zentral: Überkonfessionell, parteipolitisch ungebunden, „ein Betrieb, eine Gewerkschaft“

Bis April 1947

München * Der „Scharfrichter“ Johann Reichhart hat seit seinem Amtsantritt am 1. April 1924 bis 1947 an insgesamt 3.165 Menschen die Todesurteile vollstreckt.

April 1947

München * Der Münchner Stadtrat beschließt, einen Teil des Fuhrparks zu motorisieren.

Die „Müllkutscher“ stellen ihre Peitsche in die Ecke; an ihre Stelle treten „Kraftfahrer“.

Mai 1947

Moosburg * Der „Scharfrichter“ Johann Reichhart wird in das „Internierungslager Moosburg“ gebracht, wo er im Kreis der Nazi-Prominenz auf sein Verfahren warten muss.

Diese sieht in ihm einen „amerikanischen Henkersknecht“, der als „Vaterlandsverräter und Volksschädling“ den Tod verdient. 

Reichhart schneidet sich die Pulsadern auf, wird gerettet und von den Nazi-Bonzen erneut verfolgt. Die Ärzte retten wieder sein Leben.

Juli 1947

München * Das Münchner „Wiederaufbaureferat“ meldet einen Rekord: 

In diesem Monat werden 112.650 Kubikmeter Kriegsschutt bewegt, so viel wie noch nie. 

31. Juli 1947<p>&nbsp;<strong><em>München</em></strong> • Im Juli 1947 erreicht die Schutträumung ihren vorläufigen Höhepunkt mit 112.650 Kubikmeter beseitigtem Bombenschutt.&nbsp;</p>

1948

Nach Juni 1948

München * Die Stadt München beauftragt Baufirmen mit dem Beseitigen der Trümmer. 

Bezahlt wird nach geräumter Schuttmenge und nicht nach Arbeitszeit. 

30. Juni 1948

München • Die Amtszeit von Karl Scharnagel [CSU] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

1. Juli 1948

München • Thomas „Dammerl“ Wimmer [SPD] wird Münchner Oberbürgermeister. 

1. Juli 1948

Frankfurt am Main * Im Verwaltungsgebäude der I.G. Farbenindustrie in Frankfurt am Main, dem Sitz des US-amerikanischen Hauptquartiers, treffen sich auf Anweisung der drei Militärgouverneure der westlichen Siegermächte die elf westdeutschen Ministerpräsidenten.

Ihnen wird - wie Befehlsempfänger - der Auftrag erteilt, bis zum 1. September 1948 eine „Verfassungsgebende Versammlung“ für die künftige Bundesrepublik Deutschland einzuberufen. Diese muss eine demokratische Verfassung ausarbeiten, die Garantien der individuellen Rechte und Freiheiten schafft. 

1. September 1948

Bonn * Der Parlamentarische Rat beginnt im Museum Alexander Koenig in Bonn mit der Formulierung des Grundgesetzes. Den elf westdeutschen Ministerpräsidenten war am 1. Juli 1948 von den drei Militärgouverneuren der westlichen Siegermächte der Auftrag für eine Verfassungsgebende Versammlung für die künftige Bundesrepublik Deutschland erteilt worden. 

13. Dezember 1948

München * Der Prozess gegen den Scharfrichter Johann Reichhart vor der Spruchkammer IV beginnt. Er wird als Hauptschuldiger angeklagt und nach zweitägiger Verhandlung als „belastet“ eingestuft und verurteilt.


1949

1949

München-Untergiesing * Die Ära der „Harritschwägen“ endet endgültig.

1949

München * München ist die am besten vom Schutt befreite Großstadt in Westdeutschland. 

Von 5 Millionen Kubikmetern Kriegsschutt sind bereits 4 Millionen beseitigt. 

Bis Mai 1949

Westdeutschland * In Westdeutschland werden durch die Alliierten etwa 750 Personen wegen Verbrechen unter dem nationalsozialistischem System hingerichtet.

8. Mai 1949

Bonn * Der Parlamentarische Rat in Bonn beschließt das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Es wird in der Woche vom 16. bis 22. Mai 1949 zur Zustimmung den Volksvertretungen der beteiligten deutschen Länder vorgelegt. 

20. Mai 1949

München - Freistaat Bayern * Nach mehr als vierzehn Stunden heftiger und leidenschaftlicher Diskussion beschließen die Abgeordneten des Bayerischen Landtags die Ablehnung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland. Von den 174 Abgeordneten stimmen 

  • 64 mit „Ja“,
  • 101 mit „Nein“,
  • 9 „enthalten“ sich.

Die Ablehnung erfolgt aufgrund einer Empfehlung der bayerischen Staatsregierung. Große Teile der regierenden CSU empfinden das Grundgesetz in seiner vorliegenden Fassung als Angriff auf die Eigenständigkeit Bayerns. 

23. Mai 1949

Bonn - Bundesrepublik Deutschland * Der Parlamentarische Rat stellt in öffentlicher Sitzung fest, dass das am 8. Mai 1949 vom Parlamentarischen Rat beschlossene Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland von mehr als Zweidritteln der beteiligten deutschen Länder angenommen worden ist.

Das Grundgesetz wird - nach der Ratifizierung durch alle anderen Bundesländer - in einer feierlichen Sitzung des Parlamentarischen Rates verkündet. Es tritt mit Ablauf des Tages in Kraft. 

24. Mai 1949

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Die Todesstrafe wird durch das Grundgesetz in der Bundesrepublik Deutschland mit Artikel 102 abgeschafft. Zwischen 1946 bis zur Verabschiedung des Grundgesetzes werden 125 Todesurteile gefällt und davon 24 vollstreckt.

24. Mai 1949

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Seit 0:00 Uhr ist das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland rechtskräftig. 

4. Juli 1949

Ingolstadt * Horst Seehofer, der spätere Bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende, wird in Ingolstadt geboren. 

14. August 1949

Bundesrepublik Deutschland -Bonn * Bei der Wahl zum 1. Deutschen Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem Bundeskanzler-Kandidaten Konrad Adenauer 31,0 Prozent und 139 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Kurt Schumacher erringt 29,2 Prozent der Stimmen und 131 Sitze.
  • Die FDP bekommt 11,9 Prozent und 52 Sitze.
  • Die DKP kommt auf 5,7 Prozent und 15 Sitze.

Insgesamt sind zehn Parteien im Deutschen Bundestag mit Abgeordneten vertreten. Konrad Adenauer [CDU] wird Bundeskanzler einer Koalition aus CDU/CSU, FDP und DP. 

8. September 1949

Garmisch-Partenkirchen * Der Komponist und Dirigent Richard Strauss stirbt in Garmisch-Partenkirchen. 

November 1949

München * Das Urteil gegen den ehemaligen „Scharfrichter“ Johann Reichhart wird abgemildert.


1950

1950

München * München hat 831.937 Einwohner. 

1950

München * Hans Reichhart, der 23-jährige Sohn des „Scharfrichters“ Johann Reichhart, nimmt sich das Leben.

Die Demütigungen die er ertragen musste und die Schande, die der Beruf des Vaters über die Familie gebracht hat, haben ihn verzweifeln lassen.

Ab 1950

München-Maxvorstadt * Dieter Hildebrandt kommt nach München, um hier an der „Ludwigs-Maximilian-Universität“ Literatur- und Theaterwissenschaften sowie Kunstgeschichte zu studieren. 

1. November 1950

Vatikan * Der frühere päpstliche Nuntius in München, Eugenio Pacelli, verkündet als Papst Pius XII. das vierte und bisher letzte Marktnische Dogma. Es lautet: „Maria wurde mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen.“


1951

1951<p><strong><em>Florida</em></strong> • Josephine Baker kehrt trotz heftigen, rassistischen Anfeindungen regelmässig in ihre alte Heimat auf der anderen Seite des Atlantiks zurück.</p> <p>1951 gelingt es ihr, die Türen eines der berühmtesten Nachtklubs von Florida, des <em>„Copa City“</em>, auch für ein schwarzes Publikum zu öffnen: Baker besteht darauf, nur aufzutreten, wenn es keine Rassendiskriminierung beim Publikum mehr gibt - und öffnete damit erstmals einen weißen Nachtklub für alle Amerikaner.&nbsp;</p>
14. Februar 1951<p><strong><em>Rom</em></strong> * Der Vatikan verbietet allen katholischen Christen, <em>„Das Kapital“</em> von Karl Marx zu lesen.</p> <p>&nbsp;</p>
8. Mai 1951

1952

27. März 1952<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> * Im Polizeipräsidium an der Ettstraße explodiert ein an Bundeskanzler Konrad Adenauer [CDU] adressiertes Päckchen.&nbsp;Dabei wird der Polizeibeamte Karl Reichert getötet.&nbsp;</p>
8. Juli 1952

München-Kreuzviertel * Straßenarbeiter bringen in der Neuhauser Straße den ersten Zebrastreifen Deutschlands auf die Fahrbahn.


1953

1953

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Verheiratete Frauen dürfen ein Bankkonto eröffnen.

1953

München-Graggenau * Dieter Hildebrandt legt am Münchner „Residenztheater“ die Prüfung der Schauspieler-Genossenschaft ab. 

Vor dem 24. April 1953

München * Einige Münchner Firmen, darunter C&A Brenninkmeyer und Salamander, wollen ihre Läden auch am Samstagsnachmittag nach 14:00 Uhr offen halten. Dagegen wehren sich die Gewerkschaften und rufen zu Protesten auf.

25. April 1953

München-Ludwigsvorstadt * Mehrere tausend Verkäuferinnen und Verkäufer demonstrieren vor dem Münchner Gewerkschaftshaus für einen „freien Samstagsnachmittag“.

1. Mai 1953

München-Maxvorstadt * Im Anschluss an die „Mai-Kundgebung“ des „Deutschen Gewerkschaftsbundes - DGB“ auf dem Königsplatz bewegt sich ein Protestzug mit Transparenten zum „freien Samstagsnachmittag“ durch die Luisenstraße in Richtung Bahnhofsplatz.

Da sich der Protestzug nach der polizeilichen Aufforderung nicht auflöst, greift die Staatsmacht auf der Höhe des „Luisenbunkers“ mithilfe eines „Wasserwerfers“ ein. 
Die mit Stahlhelm und Karabiner bewaffnete „Bereitschaftspolizei“ löst mit Kolbenhieben den Protestzug auf. 

Vom Wasserwerfer gejagt bricht der 59-jährige Bahnangestellte Georg Bachl an der Ecke Luisen-/Prielmayerstraße tot zusammen.

13. Juni 1953

München * Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen - HBV und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft - DAG haben zur Kundgebung für den Samstag-Nachmittag-Ladenschluss aufgerufen.

Der Protestmarsch bewegt sich vom Arbeitsamt in der Maistraße über den Sendlinger-Tor-Platz zum Stachus und von dort weiter in die Altstadt, wo er sich in der Kaufingerstraße vor C&A Brenninkmeyer staut. Demonstranten blockieren im Inneren des Geschäfts die neumodernen Rolltreppen.

20. Juni 1953

München * Die Firmen C&A Brenninkmeyer und Salamander halten ihre Geschäfte - wie angekündigt - auch an diesem Samstag bis 17:00 Uhr offen. Etwa 10.000 Münchner protestieren gegen diese Maßnahme. Es kommt zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen.

Vier Hundertschaften der Bayerischen Bereitschaftspolizei - wieder mit Stahlhelm und Karabiner bewaffnet - versuchen unter Zuhilfenahme eines Wasserwerfers die Aufständischen zu vertreiben. Die Protestierer flüchten zwar beim Anblick des Wasserwerfers, doch wenn dieser nach fünf Minuten wieder zum Befüllen der Wassertanks in die Ettstraße fahren muss, sind die Demonstranten schon wieder da.

Nach Auffassung der Polizei ist der Wasserwerfer „das humanste Zwangsmittel der Polizei, er schafft keine Märtyrer, wie das vielleicht beim Gebrauch des Gummiknüppels der Fall wäre, sondern er macht lächerliche Gestalten aus den Demonstranten“

6. September 1953

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum 2. Deutschen Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Konrad Adenauer 45,2 Prozent [+ 14,2] und 249 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Erich Ollenhauer erringt 29,8 Prozent der Stimmen [- 0,4] und 162 Sitze.
  • Die FDP bekommt 9,5 Prozent [- 2,4] und 53 Sitze.
  • Die DKP scheitert an der Fünf-Prozent-Hürde.
  • Der Gesamtdeutsche Block/Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten - GB/BHE zieht mit 5,9 Prozent und 27 Sitzen in den Deutschen Bundestag ein.

Unter den 487 Abgeordneten befinden sich 129 ehemalige Mitglieder der NSDAP.

Konrad Adenauer [CDU] wird Bundeskanzler einer Koalition aus CDU/CSU und FDP.


1954

Ab 1954

Fall * Die Arbeiten am Sylvensteinspeicher beginnen. Die Arbeiten dauern bis 1957 an. Ein Hochwasser führt dazu, dass der Damm um zwei Meter höher ausgeführt wird, als ursprünglich geplant. Damit kann die reißende Isar gezähmt werden. 

1954

München-Kreuzviertel * Die im Krieg teilweise zerstörte „Karmeliten-Kirche“ wird bis 1957 von dem Architekten Sep Ruf zu einem modernen Versammlungs- und Vortragssaal sowie zu einer Kapelle und einer Bibliothek umgebaut.

Die vom „Erzbischöflichen Ordinariat“ genutzten Gebäudeteile des vollkommen zerstörten Klosters werden abgetragen und im Stil der Zeit neu erbaut.

13. Februar 1954

München * Die Münchner Einzelhandelsgeschäfte sind mit den Gewerkschaften einig, dass die Geschäfte am Samstagnachmittag - mit Ausnahme des ersten Samstags im Monat - um 14:00 Uhr schließen.

Nur die Firmen „C&A Brenninkmeyer“ und „Salamander“ wollen ihre Geschäfte jeden Samstag bis 17:00 Uhr geöffnet halten.

20. Februar 1954

München * Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen - HBV und die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft - DAG haben wieder ihre Mitglieder mobilisiert. Ab 14 Uhr halten etwa 1.000 Demonstrant*innen die Zugänge der Filialen der Firmen C&A Brenninkmeyer und Salamander besetzt.

Gegen 16 Uhr wird die Kaufingerstraße von einer Hundertschaft der Polizei mit vorgehaltenem Karabiner, berittener Polizei und dem Wasserwerfer geräumt. Sechs Demonstranten werden verhaftet.

27. März 1954

München * Der DGB und die Einzelgewerkschaften haben zu einem neuen Protestmarsch mobilisiert, den das Verwaltungsgericht wenige Stunden vor Beginn der Veranstaltung auf Antrag des „Kaufhauses C&A Brenninkmeyer“ verbietet.

Unabhängig davon setzt sich der Protestmarsch mit rund 2.000 Demonstranten von der Herzog-Wilhelm-Straße aus in Bewegung.
Es kommt zur Eskalation mit der „martialisch auftretenden“ Polizei, nachdem etwa fünfzig berittene Polizisten versuchen, die Demonstranten und Passanten in die Seitenstraßen abzudrängen. 

Mehrere hundert Polizisten gehen mit ihren Karabinern gegen die Menschen vor, schlagen zum Teil auf diese ein und nehmen 53 Demonstranten fest.
Schaufensterscheiben gehen durch Polizeipferde zu Bruch.
Der berühmt-berüchtigte Wasserwerfer steht bereit.

Einige Demonstrantinnen und Demonstranten werden schwer verletzt, der Verkehr ist für Stunden unterbrochen, das normale Leben setzt erst in den Abendstunden wieder ein.

10. April 1954<p><strong><em>München</em></strong> * Die Firmen C&amp;A Brenninkmeyer, Salamander&nbsp;und Woolworth&nbsp;halten ihre Geschäfte wieder offen.&nbsp;5.000 Gewerkschafter demonstrieren durch die Neuhauser- und Kaufingerstraße zum Jakobsplatz.&nbsp;Sie ziehen an den geöffneten Geschäften lediglich vorbei und rufen dabei ihre Parolen.</p>
Um den Mai 1954

Edinburgh * Münchens erste Städtepartnerschaft wird mit der schottischen Hafenstadt Edinburgh geschlossen.

Es beginnt ganz klassisch mit einem Schüleraustausch. 

Mai 1954

München-Großlappen * Nach nur viermonatiger Bauzeit wird in Großlappen eine „Großanlage für Müllverwertung“ in Betrieb genommen.

Sie ist für eine Jahreskapazität von 500.000 Kubikmetern ausgelegt und soll die Abfallentsorgung und Verwertung für die kommenden Jahrzehnte sicherstellen.

Das Kernstück der Anlage ist eine „Sortierhalle“, in der Magnete das Eisen aus dem „Müll“ fischen. Die anderen zur Verwertung geeigneten Altstoffe wie Buntmetalle, Papier, Textilien, Bettfedern, Glas und Schweinefutter - es gibt eine eigene „Schweinemästerei“ - werden von Hand aussortiert.

Damit kann die in der „Deponie Großlappen“ endgültig auszulagernde Restmüllmenge beachtlich reduziert werden.

1. Mai 1954

München * Der „Deutsche Gewerkschaftsbund - DGB“ fordert die Einführung der „Fünf-Tage-Woche“ und eine „Wochenarbeitszeit von 40 Stunden“.

An den Litfaßsäulen hängen Plakate mit der Aufschrift „Samstags gehört Vati mir“.

Anfang Juni 1954

München * Die Gewerkschaften schließen mit „C&A Brenninkmeyer“ einen Vergleich.

Die Firma verzichtet auf eine Entschädigung von 250.000 DMark und die Gewerkschaften entschuldigen sich für die Beleidigungen in einem Flugblatt vom 20. Februar 1954.

Und nachdem sich viele andere Groß- und Mittelbetriebe für Samstagnachmittags-Öffnungszeiten nach 14 Uhr aussprechen, bricht der Widerstand zusammen.

Der „Ladenschluss-Krieg“ ist damit beendet.

17. Juli 1954

Hamburg * Angela Merkel, die spätere Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland und CDU-Vorsitzende, wird in Hamburg geboren. 

14. Oktober 1954

Bonn - Bundesrepublik Deutschland * Das Kindergeld wird in der Bundesrepublik Deutschland eingeführt. Es beträgt 25.- DM pro Monat und wird ab dem dritten Kind bezahlt. 


1955

1955

München * Dieter Hildebrandt bricht seine Arbeiten an der Dissertation zur Erlangung des Doktortitels ohne Abschluss ab. 

Dafür gründet er das Kabarett „Die Namenlosen“ und hat damit erste Erfolge.

1955

München-Ludwigsvorstadt * Einweihung der neuen evangelischen „Matthäuskirche“ am Sendlinger-Tor-Platz. 

1955

München-Maxvorstadt * In der Amalienstraße 23 eröffnet der frühere Oberkellner Friedrich Jahn das „Linzer Stüberl“.

Der anfängliche Publikumsrenner „Hühnersuppe mit Nudeln“ wird bald vom „Grillhendl“ abgelöst, weshalb das Lokal in „Weinstube zum Wienerwald“ umbenannt wird.

Bald heißt der Slogan: „Heute bleibt die Küche kalt, wir gehen in den Wienerwald“

20. Dezember 1955

Bundesrepubklik Deutschland - Italien * Zwischen Italien und der Bundesrepublik Deutschland wird ein Abkommen zur Anwerbung italienischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt abgeschlossen. 

Nach dem 21. Dezember 1955

München * Die ersten Italiener treffen als Gastarbeiter auf Gleis 11 am Münchner Hauptbahnhof ein. In einem ehemaligen Luftschutzbunker befindet sich die „Weiterleitungsstelle“.

Die Neuankömmlinge sollen „möglichst schnell vom Bahnsteig verschwinden, um nicht den Eindruck des Sklavenhandels“ entstehen zu lassen. 


1956

1956

München-Maxvorstadt - München-Schwabing * Der Stadtrat beauftragt die Architekten Otto Roth und Josef Wiedemann mit der Instandsetzung des „Siegestores“.

1956

München-Schwabing * Dieter Hildebrandt gründet gemeinsam mit Sammy Drechsel die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“

Das erste Programm trägt den Titel „Denn sie müssen nicht, was sie tun“.
Ihm folgen noch weitere 19. 

23. Januar 1956

München * Die Vereinigung Münchner Kraftdroschken- und Mietwagenunternehmen wird gegründet. 

3. Mai 1956<p><em><strong>München</strong></em> * Ludwig Greiner, der <em>„Erfinder“</em> von Karl Valentin stirbt. Der Münchner Grafiker, Bühnenbildner und Theatermaler schuf zu fast allen Szenen Valentins Plakate und Zeichnungen. Sein Humor war höchst inspirierend. Zu allen Ideen Valentins hatte er die passenden Einfälle. Ein Leben lang befruchteten sich die beiden gegenseitig.</p>
28. November 1956

Bonn * Der Bundestag verabschiedet das Gesetz über den Ladenschluss. Demnach dürfen Geschäfte nur noch montags bis freitags von 7.00 bis 18.30 Uhr und samstags bis 14.00 Uhr geöffnet sein. Die Gesamtstundenzahl der Ladenöffnungszeiten pro Woche liegt bei 63,5 Stunden.


1957

1957

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Die Steuervorschrift, wonach berufstätige Ehefrauen höher besteuert - und damit „ins Haus zurückgeführt“ werden, wird aufgehoben.

3. Mai 1957<p><strong><em>Bonn</em></strong> * Der Deutsche Bundestag beschließt das Gesetz über die Gleichberechtigung von Mann und Frau.&nbsp;</p>
17. Juni 1957

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Ein Bundesgesetz erweitert die Ladensöffnungszeiten am ersten Samstag im Monat bis 18.00 Uhr.

15. September 1957

Bundesrepublik Deutschland -Bonn * Bei der Wahl zum 3. Deutschen Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Konrad Adenauer 50,2 Prozent [+ 5,0] und 277 Sitze.
  • Die CSU kommt in Bayern auf 57,2 Prozent.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Erich Ollenhauer erringt 31,8 Prozent der Stimmen [+ 3,0] und 181 Sitze.
  • Die FDP bekommt 7,7 Prozent [- 1,8] und 43 Sitze.  

Die DKP tritt nicht zur Wahl an. Sie wurde im Vorjahr verboten.

Konrad Adenauer [CDU] wird Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er kann mit der CDU/CSU mit absoluter Mehrheit regieren.  

15. Dezember 1957

München-Pasing * Mit dem Pasinger Thomas Seehaus kommt der 1.000.000ste Münchner Bürger in der Frauenklinik Dr. Wilhelm Krüsmann zur Welt. München wird damit Millionenstadt. 


1958

1958

München-Maxvorstadt - München-Schwabing * Nach einer heftig kontrovers geführten Diskussion wird das „Siegestor“ zu einem „Mahnmal gegen den Krieg“.

Seine Inschrift lautet jetzt: „DEM SIEG GEWEIHT * VOM KRIEG ZERSTÖRT * ZUM FRIEDEN MAHNEND“.

1958

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Ehefrauen dürfen ihren Wohnort erstmals selbst bestimmen.

Bis dahin hat der Ehemann dieses Vorrecht.

6. Februar 1958

München-Riem * Nach einem misslungenem Startversuch eines Flugzeugs kommen in Riem 23 der 43 Flugzeuginsassen ums Leben. Unter den Toten befindet sich die Halbe Fußball-Mannschaft von Manchester United. 

29. August 1958

Gary * Der spätere Sänger, Songwriter und Tänzer Michael Joseph Jackson wird in Gary im US-Staat Indiana geboren. 

9. Oktober 1958

Castel Gandolfo * Papst Pius XII. stirbt in Castel Gandolfo. 

28. Oktober 1958

Rom-Vatikan * Angelo Giuseppe Roncalli wird als Papst Johannes XXIII. zum Nachfolger von Papst Pius XII. als Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. 


1959

1959

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Das „Letztenscheidungsrecht“ des Vaters über die Kindererziehung wird aufgehoben.

1959

München-Maxvorstadt * Das „Schiller-Denkmal“, das bis dahin auf dem „Platz der Opfer des Nationalsozialismus“ gestanden hat, kommt in die gegenüberliegende Grünanlage. 

Um den 28. Mai 1959

Fall * Das sogenannte Beamtenhaus im Dorf Fall wird gesprengt. Darin hatte sich zuvor der letzte Bewohner von Fall verschanzt. Damit kann der Sylvenstein-Stausee in Betrieb genommen werden. 

Ab 12. Juni 1959

Fall * Der Sylvensteinspeicher wird erstmals aufgestaut. Ergiebige Niederschläge füllen den Speichersee bis zum 16. Juni mit einem Spitzenzufluss von 626 Kubikmetern Wasser in der Sekunde.

Das übertrifft das auf 600 Kubikmeter festgelegte sogenannte „Katastrophenereignis“ um 26 Kubikmeter. Zum Glück hat man die Höhe des Damms um zwei Meter höher ausgeführt als ursprünglich geplant. Dadurch kann Bad Tölz und München vor größeren Schäden bewahrt werden. 


1960

17. März 1960<p><strong><em>München - Verona</em></strong> * Die Städtepartnerschaft zwischen dem oberitalienischen Verona und München wird gegründet. München erhält zwei <em>„Julia-Statuen“</em>.</p> <ul> <li>Eine Figur steht - häufig blumengeschmückt und am Busen abgewetzt - am Alten Rathaus.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</li> <li>Das andere Standbild befindet sich in Bogenhausen am&nbsp;Shakespeare-Platz.&nbsp;&nbsp;</li> </ul>
29. März 1960

Bundesrepublik Deutschland - Spanien * Zwischen Spanien und der Bundesrepublik Deutschland wird ein „Abkommen zur Anwerbung spanischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt“ abgeschlossen.

30. März 1960

Bundesrepublik Deutschland - Griechenland * Zwischen Griechenland und der Bundesrepublik Deutschland wird ein „Abkommen zur Anwerbung griechischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt“ abgeschlossen. 

3. Mai 1960

München • Die Amtszeit von Thomas „Dammerl“ Wimmer [SPD] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

3. Mai 1960<p><strong><em>München</em></strong> • Hans-Jochen Vogel [SPD] wird Münchner Oberbürgermeister.&nbsp;</p>
9. August 1960<p>Bonn *&nbsp; Kinderarbeit wird in der Bundesrepublik Deutschland durch das <em>„Jugendarbeitsschutzgesetz“</em> generell verboten, indem es&nbsp;</p> <ul> <li>das Mindestalter für die Beschäftigung Jugendlicher auf 14 Jahre festlegt.&nbsp;</li> <li>Akkord- und Fließbandarbeit werden strikt untersagt.&nbsp;</li> </ul> <p>&nbsp;</p>
Dezember 1960

München * An den vier Adventssamstagen wird eine Ladenöffnungszeit bis 18.00 Uhr erlaubt.

17. Dezember 1960

München-Ludwigsvorstadt * 52 Menschen sterben, nachdem eine amerikanische Militärmaschine die Turmspitze der Paulskirche nahe der Theresienwiese streift und an der Kreuzung Bayer-/Martin-Greif-Straße auf eine Straßenbahn fällt. 


1961

1961

München * München hat 1.084.500 Einwohner. 

1961

München-Großlappen * Schon wenige Jahre nach der Inbetriebnahme der Großanlage für Müllverwertung in Großlappen ist die Anlage zu klein.

Der Stadtrat setzt jetzt auf die Müllverbrennung.

18. September 1961

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum 4. Deutschen Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Konrad Adenauer 45,3 Prozent [- 4,9] und 251 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Willy Brandt erringt 36,2 Prozent der Stimmen [+ 4,4] und 203 Sitze.
  • Die FDP bekommt 12,8 Prozent [+ 5,1] und 67 Sitze.

Konrad Adenauer [CDU] wird Bundeskanzler einer Koalition aus CDU/CSU und FDP. 

31. Oktober 1961

Bundesrepublik Deutschland-Bonn - Ankara * Zwischen der Türkei und der Bundesrepublik Deutschland wird das „Abkommen zur Anwerbung türkischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt“ abgeschlossen. 


1962

Um den 3. Juni 1962

München * Das Ergebnis eines vom Münchner Verkehrsverein ausgeschriebenen Wettbewerbs für ein neues München-Image steht fest. Der Slogan lautet: „München - Weltstadt mit Herz.“

5. Juni 1962

München-Maxvorstadt * Im Anschluss an ein Jazzkonzert kommt es an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und rund 2.000 Personen, als nach dem Ende des Konzerts in der Aula der Universität zahlreiche Konzertbesucher die Musiker auffordern, auf dem Geschwister-Scholl-Platz weiterzuspielen.

Als die mit Buhrufen begrüßte Polizei eintrifft, kommt es zu Rangeleien und zwei Festnahmen. Die Polizei wird von den Protestierern durch eine Blockade am Wegfahren gehindert. Dabei werden auch die Reifen des Einsatzwagens zerstochen. 

Die bedrängten Polizisten rufen Verstärkung, die mit zwei Funkstreifenwagen, dem Kleinen und Großen Überfallkommando sowie dem Bereitschaftszug der Stadtpolizeischule am Ort der Auseinandersetzung eintrifft. Der Polizeimacht gelingt es an diesem Abend die Menge zu zerstreuen. Es kommt zu weiteren sieben Festnahmen. Die so Festgesetzten werden alle wegen Auflauf und Landfriedensbruch angezeigt.

Dieses Geplänkel geht als „Unikrawall“ in die Geschichte ein.

20. Juni 1962

München-Schwabing * Der nächste Polizeieinsatz, der letztlich zu den Schwabinger Krawallen führen wird, erfolgt am Wedekindplatz. Am späten Abend schreiten die Ordnungshüter gegen eine Gruppe Gitarristen und deren rund 150 Zuhörer ein, weil sie „ruhestörenden Lärm verursachten, indem sie musizierten, sangen, in die Hände klatschten, zum Teil auch tanzten und grundlos grölten“.

Weil die Beamten mit Pfeifen und Buhrufen empfangen werden, rufen sie umgehend das Kleine Überfallkommando herbei. Nach einer dreimaligen über Lautsprecher verbreiteten Aufforderung den Platz zu verlassen, räumen die Zuschauer - ohne nennenswerten Widerstand - den Wedekindplatz.

21. Juni 1962

München-Schwabing * An Fronleichnam, einem katholischen Feiertag in Bayern, beginnen die sogenannten „Schwabinger Krawalle“. Das erste Aufeinandertreffen zwischen Polizei und etwa 50 Zuhörern von drei Gitarrenspielern erfolgt gegen 21:45 Uhr - weit weg von jedem Wohnblock - im Englischen Garten am Monopteros. Doch es läuft glimpflich ab, denn die Jugendlichen folgen der Aufforderung der Polizei und gehen auseinander.

Eine knappe halbe Stunde später löst am Wedekindplatz eine andere Streifenwagenbesatzung - ebenfalls ohne größere Probleme - eine aus etwa 150 Personen bestehende Ansammlung auf, die sich um drei Gitarristen gruppiert hat.

Um 22:35 Uhr kommt es an der Leopold-/Ecke Martiusstraße zum dritten Polizeieinsatz und daraus resultierend zur tätlichen Auseinandersetzung zwischen der Polizei und einer aus etwa 200 Personen bestehenden Gruppe, die sich um fünf Gitarristen gebildet hat. Die Band besteht aus den Gymnasiasten Michael Erber und Klaus Olbrich, den Lehrlingen Wolfram Kunkel und Hans (Sitka) Wunderlich und dem jungen Schreiner Rüdiger Herzfeldt. Sie singen und spielen russische Volkslieder.

Nachdem sich einige Anwohner über die Störung der Nachtruhe bei der Polizei beschwert haben, treffen zwei Beamte am „Tatort“ ein und fordern die jungen Gitarrespieler zum Einsteigen in den Funkstreifenwagen auf. Das Einschreiten der Polizei gegen die Musiker wird von den Zuhörern - „spontan und ohne vorherige Planung“ - als Festnahme gedeutet.

Diese artikulieren daraufhin ihren Unmut ziemlich laut und unmissverständlich. Es kommt zu Rangeleien mit den Ordnungshütern, die nun ihrerseits Verstärkung anfordern, nachdem die Randalierer die Luft aus den Reifen des Polizeiautos lassen. Mit einem ersten Gummiknüppeleinsatz kann die Polizei die auf mehrere hundert Menschen angewachsenen Protestierer vom Schauplatz abdrängen. Kaum dass die Polizisten abgerückt sind, läuft eine noch größere Menschenmenge als zuvor (Schätzungen sprechen von 5.000 Personen) auf die Leopoldstraße und blockiert den Auto- und Straßenbahn-Verkehr mit Stühlen und indem sie sich selbst auf der Straße niederlassen.

Erst nach der zweimaligen Räumung der Straße und der Festnahme von 41 Personen erklärt die Polizei um 1:40 Uhr den Einsatz für beendet. Laut Polizeibericht kommen 90 Beamte zum Einsatz. Zwei Protestierer werden nachträglich zur Anzeige gebracht.

22. Juni 1962

München-Schwabing * Freitag. Die Schwabinger Krawalle gehen weiter. Ab 21 Uhr laufen „unzählige junge Leute [...] immer weiter in die Fahrbahn hinein“ und blockieren damit die Leopoldstraße. Nach Beschwerdeanrufen trifft die Polizei ein.

Der Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel und der Polizeipräsident Manfred Schreiber sprechen mit den Protestierenden. Letztlich werden sie aber von den 10.000 Anwesenden niedergeschrieen und ausgepfiffen, weshalb es zur zweiten gewaltsamen Räumung der Leopoldstraße kommt.

Die Auseinandersetzungen dauern bis in die frühen Morgenstunden an. Laut Polizeibericht kommen über 100 Polizisten zum Einsatz, die 24 Protestierer festnehmen und vier weitere nachträglich zur Anzeige bringen.

23. Juni 1962

München-Schwabing * Samstag. Wieder versammeln sich bis zu 10.000 Protestierer auf der Leopoldstraße und erstellen Straßenblockaden. Mit Feuerwerkskörpern versuchen sie die Pferde der berittenen Polizei scheu zu machen. Flaschen und Steine fliegen in Richtung der Polizei. Dabei werden drei Beamte verletzt.

Bei einer regelrechten Straßenschlacht, bei der die Polizei vom massiven Schlagstockeinsatz gebrauch macht, werden 14 Randalierer schwer verletzt. Der Student Georg Friz schwebt nach einem Leberriss in Lebensgefahr. Nach Ansicht von Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel haben an diesem Samstag weniger die Studenten als „vor allem der Pöbel aller Stadtviertel“ in Schwabing ihr Unwesen getrieben.

Laut Polizeibericht kommen über 150 Polizisten zum Einsatz. 16 Protestierer werden festgenommen und neun nachträglich zur Anzeige gebracht.

24. Juni 1962

München-Schwabing * Sonntag. Die Proteste der Schwabinger Krawalle lassen zwar nach, doch Pressebeobachter zählen immer noch 3.000 Teilnehmer. Sogar Studentengruppen wenden sich nun gegen die Fortsetzung des Protests. Wieder beginnen die Straßenblockaden. Es kommt zu den „härtesten Auseinandersetzungen“, die sich auch an der besonders hohen Zahl von Festnahmen ablesen lässt. 

Man schiebt die Gewalttätigkeit der Halbstarken-Szene zu. Doch spätere Untersuchungen können diese Mutmaßung nicht bestätigen. Der Anteil der Studenten an den Protestveranstaltungen hat sich gegenüber dem Vortag prozentual sogar erhöht. Laut Polizeibericht kommen über 450 Polizisten zum Einsatz, die 85 Protestierer festnehmen und 13 nachträglich zur Anzeige bringen.

25. Juni 1962

München-Schwabing * Montag. Rund 2.500 Protestierer versammeln sich an der Leopoldstraße. Mehrere hundert Jugendliche blockieren erneut den Verkehrauf dem Boulevard. Gegen 1 Uhr räumt die Polizei die Straße. Rund 200 Protestierer werden „eingekesselt“ und anschließend festgenommen, darunter auch der spätere RAF-Terrorist Andreas Baader. Damit enden die Schwabinger Krawalle. Laut Polizeibericht kommen an diesem Tag rund 360 Polizisten zum Einsatz. 35 Protestierer werden festgenommen, sieben nachträglich zur Anzeige gebracht. Darüber hinaus werden über 200 Anwesende zur Personalienfeststellung kurzfristig in Gewahrsam genommen.

Dass die Stadtpolizei an allen Tagen keine Wasserwerfer einsetzt, liegt an der in der Leopoldstraße verkehrenden Straßenbahn. Man hätte nämlich aus Sicherheitsgründen die Strom führenden Oberleitungen außer Betrieb nehmen müssen. Außerdem befürchtet man angesichts der sommerlichen Temperaturen, dass ein Wasserwerfer zur weiteren „Erheiterung“ der Protestierenden beigetragen hätte.

Fazit: Gegen 248 Personen werden Ermittlungen wegen der Beteiligung an den Schwabinger Krawallen aufgenommen. Darunter finden sich lediglich 13 Frauen. Fast drei Viertel der Verfahren werden eingestellt. 54 Angeklagte werden verurteilt; es gibt 13 Freisprüche. Das Durchschnittsalter der Verurteilten liegt bei 22 Jahren.

Von den jungen Berufstätigen werden auffällig viele verurteilt. Während aus dem akademischen Nachwuchs nur jeder Zehnte eine Strafe erhält, ist es bei den Nichtakademikern nahezu jeder Zweite. Es werden sechs Gefängnisstrafen zwischen drei und dreizehn Monaten ausgesprochen, wovon fünf auf Nichtakademikern fallen. Die Geldstrafen liegen zwischen 40 und 1.000 DMark. Die Jungakademiker kommen mit Geldbußen und Strafen auf Bewährung davon.

Gegen Angehörige der Stadtpolizei werden 143 Verfahren eröffnet. Lediglich 14 Polizisten werden aber mit Anklagen konfrontiert. Vier Ordnungshüter werden rechtskräftig verurteilt. Darunter ist nur ein Stadtpolizist, der an den Einsätzen vor Ort beteiligt war. Die drei Anderen sind als Aufseher in der Polizeihaftanstalt tätig.

Der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann protestiert in einer Resolution gegen die Ausschreitungen, die das „Machwerk verantwortungsloser, ortsfremder Elemente“ gewesen sei und bedankt sich ausdrücklich bei der Münchner Polizei für das mutige und tatkräftige Einschreiten.

26. Juni 1962

München-Lehel - Englischer Garten * Am Monopteros im Englischen Garten treffen sich rund 250 Protestierer zu einer vom Ortnungsamt verbotenen Kundgebung. Doch statt der Protestkundgebung wird über die Ereignisse der Schwabinger Krawalle diskutiert und in einer Resolution eine genaue Überprüfung der Vorfälle und die Kennzeichnung der Polizisten mit Dienstnummern gefordert. Die Versammlung wird aufmerksam von der Polizei beobachtet.

Der Allgemeine Studenten-Ausschuss der Ludwig-Maximilians-Universität distanziert sich per Flugblatt von den Protesten.

27. Juni 1962

München-Graggenau * In einer Interfraktionellen Erklärung stellen sich nahezu alle Mitglieder des Stadtrats hinter die Münchner Stadtpolizei.

29. Juni 1962

München-Maxvorstadt * Das Studentenparlament der Ludwig-Maximilians-Universität missbilligt das „teilweise kriminelle Verhalten“ einzelner Protestierer. Es schreibt aber die Hauptschuld an den Ausschreitungen bei den Schwabinger Krawallen dem „unklugen und rücksichtslosen Vorgehen der Polizei“ zu.

5. August 1962<p><em><strong>Los Angeles</strong></em> * Die Schauspielerin Marilyn Monroe stirbt in Los Angeles an noch immer nicht geklärten Ursachen.&nbsp;</p>
1. September 1962

München-Maxvorstadt * Der Allgemeine Studenten-Ausschuss der Ludwig-Maximilians-Universität veröffentlicht seinen Untersuchungsbericht zu den Schwabinger Krawallen. Er stellt fest, dass es sich dabei insgesamt um keine Studentenunruhen gehandelt hat. Nur an den ersten Protestabenden waren Studenten führend beteiligt. Der Stadtpolizei wird ein „taktisch unkluges Vorgehen“ bescheinigt. 


1963

1963

Köln * Die „Wiedereinführung der Todesstrafe“ wird diskutiert.

Der gewesene „Scharfrichter“ Johann Reichhart meldet sich zu Wort und wird vom in Köln gegründeten „Verein zur Wiedereinführung der Todesstrafe e.V.“ zum Ehrenmitglied ernannt.

1963

Bundesrepublik Deutschland - Marokko * Zwischen Marokko und der Bundesrepublik Deutschland wird ein „Abkommen zur Anwerbung marokkanischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt“ abgeschlossen. 

3. Juni 1963

Vatikan * Papst Johannes XXIII. stirbt im Vatikan. 

21. Juni 1963

Vatikan * Giovanni Battista Enrico Antonio Maria Montini wird im fünften Wahlgang als Papst Paul VI. zum Nachfolger von Papst Johannes XXIII. gewählt. 

3. August 1963

Liverpool • Die Beatles geben ihr letztes Konzert im Loverpooler Cavern Club. Seit dem 9. Februar 1961 spielten sie in dem Lokal insgesamt 262 Mal. 

24. August 1963

Bundesrepublik Deutschland * Die Fußball-Bundesliga, die höchste Spielklasse des deutschen Fußballs, startet. 

28. August 1963<p><strong><em>Washington D.C.</em></strong> * Josefine Baker schreitet an der Seite des Baptistenprediger Martin Luther King auf Washington und träumt mit ihm den Traum eines gleichen und freien Amerika.</p> <p>So wird aus Baker, der erfolgreichen Tänzerin, eine Kämpferin für den Frieden, eine Galionsfigur der Bürgerrechtsbewegung und - weil sie ihre Bisexualität stets offen gelebt hatte und bewusst an der Seite homosexueller Künstler aufgetreten ist - bis heute auch eine Ikone der LGBT-Bewegung.&nbsp;</p>
15. Oktober 1963

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Konrad Adenauer [CDU] tritt als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zurück. 

16. Oktober 1963

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Ludwig Erhard [CDU] wird zum neuen Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. 

6. November 1963

München * Manfred Schreiber wird neuer Polizeipräsident. Er zieht praktische Konsequenzen aus den polizeilichen Fehlern der „Schwabinger Krawalle“ und entwickelt - unterstützt von Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel - ein flexibleres Polizeikonzept bei Großeinsätzen, das unter der Bezeichnung „Münchner Linie“ bekannt wird.

16. Dezember 1963

Bundesrepublik Deutschland - Seoul * Zwischen [Süd-] Korea und der Bundesrepublik Deutschland wird ein Abkommen zur Anwerbung koreanischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt abgeschlossen. In der Vereinbarung wird die vorübergehende Beschäftigung von koreanischen Bergarbeitern im westdeutschen Steinkohlenbergbau geregelt.

Ziel der Beschäftigung ist es, „die beruflichen Kenntnisse der koreanischen Bergarbeiter zu erweitern und zu vervollkommnen“

Ab 31. Dezember 1963

München-Schwabing * Zwischen 1963 und 1971 tritt Dieter Hildebrandt mit der Münchner Lach- und Schießgesellschaft im zweijährigen Abstand mit „Schimpf vor zwölf“ live im Silvesterprogramm der ARD auf. Das macht die Kabarettisten-Gruppe einer breiten Öffentlichkeit bekannt.


1964

1964

München-Maxvorstadt * Friedrich Jahn übernimmt das „Hofgarten-Café Annast“.

1964

München * Dieter Hildebrandt schreibt das Drehbuch zum Film „Doktor Murkes gesammeltes Schweigen“ nach einer Erzählung von Heinrich Böll. 

Hildebrandt spielt darin auch die Hauptrolle. 

1964

Bundesrepublik Deutschland - Portugal * Zwischen Portugal und der Bundesrepublik Deutschland wird ein „Abkommen zur Anwerbung portugisischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt“ abgeschlossen. 

16. Juni 1964

München-Unterföhring * Das Müllverbrennungs-Kraftwerk München Nord nimmt seinen Betrieb auf.


1965

1965

Tunis - Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Zwischen Tunesien und der Bundesrepublik Deutschland wird ein „Abkommen zur Anwerbung tunesischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt“ abgeschlossen. 

13. Januar 1965

München-Maxvorstadt * Nach einem Stadtrats-Beschluss soll auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus ein provisorisches Denkmal errichtet werden. Als Mahnmal wird ein 2,50 Meter hoher und 1,10 Meter breiter Findling aus Flossenbürger Granit aufgestellt, den der Bildhauer Karl Oppenrieder mit der Inschrift „Den Opfern des Nationalsozialismus“ versehen hat. 

1. Februar 1965

München-Schwabing * Die Bauarbeiten für die Münchner U-Bahn beginnen in der Ungererstraße am Bahnhof Schenkendorfstraße, heute: Nordfriedhof. 

23. Februar 1965<p><strong><em>Bahamas</em></strong> * Die Dreharbeiten zu dem Beatles-Film „Help!“ beginnen auf den Bahamas und dauern bis zum 9. März an.&nbsp;</p>
2. März 1965<p><strong><em>Obertauern</em></strong> * Am Faschingsdienstag reißt zwischen Ober- und Untertauern eine Schneelawine einen Autobus mit 37 jungen schwedischen und finnischen Jugendlichen in den Abgrund.</p> <p><em>„Die Wagenkarosserie wurde im rückwärtigen Drittel aufgefetzt, Schneemassen wurden mit ungeheuerlicher Wucht in das Innere des Wagens gepresst und die unglücklichen Insassen buchstäblich einbetoniert. Man musste sie zum Teil mit Schweißbrennern aus ihrem Schneegrab befreien. Sie waren allesamt erstickt“</em>, berichtet das <em>„Salzburger Volksblatt“</em>.&nbsp;</p>
10. März 1965<p><strong><em>Bonn</em></strong> * Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften setzt <em>„Die Memoiren der Fanny Hill“</em> auf den Index.&nbsp;</p>
13. März 1965<p><strong><em>Salzburg</em></strong> * Die Beatles landen zusammen mit der 66 Mann starken Filmcrew am Salzburger Flughafen Maxglan. Beim Verlassen des Flugzeugs schallt den <em>„Fab Four“</em> von viertausend begeisterten Fans, die zum Teil aus dem benachbarten Bayern in Sonderbussen angereist waren, ein tausendfaches „Yeah, yeah, yeah!“ entgegen.&nbsp;</p> <p>Unter die Beatles-Verehrer*innen mischen sich vierzig bis fünfzig Schüler*innen, die Transparente hochhalten, auf denen zu lesen ist: <em>„Beatles go home“, „Verstärkung für den Alpenzoo“</em> oder <em>„Hoch dem Eunuchen-Chor“</em>. Geschmacklos ist angesichts des wenige Tage zuvor geschehenen Unglücks die Aussage <em>„Lawinen, marsch!“</em>.&nbsp;</p> <p>Die Fans bewerfen die Kritiker mit Schneebällen, sodass diese - begleitet von Blasmusik-Klängen - abziehen.&nbsp;</p>
14. März 1965<p><strong><em>Obertauern</em></strong> * Die Dreharbeiten zum Beatles-Film <em>„Help!“</em> in Obertauern, in den österreichischen Alpen, beginnen. Sie dauern bis zum 20. März an.&nbsp;</p>
15. März 1965<p><strong><em>Vietnam</em></strong> * Die USA werfen erstmals Napalm-Brandbomben im Vietnam-Krieg ab.&nbsp;</p>
16. März 1965<p><strong><em>Österreich</em></strong> * Die <em>„Arbeiter-Zeitung“</em> schreibt im Zusammenhang mit einem in Obertauern aufgenommenen Foto von John Lennon: <em>„Beatles-Häuptling John Lennon stochert in seinen Zähnen. Das und Nasenbohren sind die Lieblingsbeschäftigungen der Beatles in Obertauern. Womit man Millionen verdient.“</em> Da war die Rede von <em>„Zottelköpfen“</em>, von <em>„komischen ungepflegten Frisuren dieser Paradeidole“</em> oder von den <em>„Schreihälsen aus Liverpool“</em>.&nbsp;</p>
17. März 1965<p><strong><em>Großbritannien</em></strong> * Das baldige Erscheinen des Beatles-Films <em>„Eight Arms to Hold You“</em> [= <em>„Acht Arme, um dich festzuhalten“</em>] wird verkündet. Der Titel bezieht sich auf die achtarmige indische Statue, die als Filmrequisite verwendet wird, aber auch auf die vier Liverpooler Musiker mit ihren acht Armen und Händen. Man arbeitete mit diesem Arbeitstitel, obwohl <em>„Help“</em> als Filmtitel schon längere Zeit im Gespräch war, aber die Rechte bereits vergeben und damit urheberrechtlich geschützt waren.&nbsp;</p> <p>Zum Glück kommt man später auf die Idee, hinter das Wort <em>„Help“</em> noch ein Ausrufezeichen zu setzen. Damit ist das bestehende Filmrecht ausgehebelt und das Copyright für den neuen Namen <em>„Help!“</em> errungen.</p>
20. März 1965<p><strong><em>Salzburg - London</em></strong> * Nach Beendigung der Dreharbeiten für den Beatles-Film <em>„Help!“</em> in Obertauern reisen die <em>„Fab Four“</em> wieder nach London ab.&nbsp;</p>
24. März 1965<p><strong><em>London</em></strong> * Die Arbeiten zum Beatles-Film <em>„Help!“</em> werden in den Twickenham Filmstudios in London fortgesetzt.</p>
7. Mai 1965

Unterföhring * Das Müllverbrennungs-Kraftwerk München Nord geht in Flammen auf und brennt völlig nieder.

21. Mai 1965<p><em><strong>München</strong></em> * Die englische Königin und ihr Ehemann Prinz Philip treffen im Rahmen ihrer Deutschlandreise bei eher kühlem Frühlingswetter in München ein. Ihr Aufenthalt dauert&nbsp;14 Stunden. Lange genug, um in den Straßen der Landeshauptstadt eine wahre Volksfeststimmung herrschen zu lassen. Hunderttausende säumten die Straßen und bereiteten der freundlich lächelnden und jugendlich wirkenden Queen bei ihrer Fahrt im offenen Wagen frenetische Ovationen. Ministerpräsident Alfons&nbsp;Goppel drückte diese Stimmung mit den Worten aus: <em>„Die Herzen des bayerischen Volkes schlagen Eurer Majestät entgegen!“</em></p> <p>Die Bayern widersetzten sich allen von oben erlassenen Anordnungen zum Aufenthalt der Queen und gestalteten den Besuch weitgehend nach ihrem eigenen Willen. Die Staatsregierung reizte mal wieder alle Möglichkeiten aus, um vor der Weltöffentlichkeit ihr ausgeprägtes weiß-blaues Staatsbewusstsein zu zelebrieren und mithilfe von Zeremoniell und Symbolik souveräne Staatlichkeit zu beweisen.&nbsp;</p> <p>Auf Veranlassung des bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel spielt die Blaskapelle beim Ankommen des Sonderzuges der britischen Königin Elisabeth die Bayerische Nationalhymne, obwohl der Bundespräsident Heinrich Lübke dies der Staatsregierung zuvor ausdrücklich untersagt hatte. &nbsp;</p> <p>Die königlichen Gäste von der Insel mussten sich alle Strophen der&nbsp;<em>„Bayern-Hymne“</em>&nbsp;anhören, was Prinz Philip zur Bemerkung hinreißen lässt:&nbsp;<em>„Oh, ein ganzes Konzert.“&nbsp;</em></p> <p>Wegen der <em>„Bayern-Hymne“</em> schlitterte die Bundesrepublik Deutschland beinahe in eine Staatskrise. Der bayerische Ministerpräsident riskierte wegen seines Trotzes ein Verfahren wegen <em>„separatistischer Machenschaften“</em>. Letztlich stärkte der Queen-Besuch nicht nur den Freistaat Bayern, sondern auch die Popularität des Ministerpräsidenten Alfons Goppel.</p>
1. Juni 1965

München-Oberwiesenfeld * Die Bauarbeiten am 291 Meter hohen Fernsehturm beginnen. Der Turm hat zu diesem Zeitpunkt noch nichts mit der Sommer-Olympiade 1972 zu tun. Er wird eigentlich nur zur Verbesserung der Sendeleistung erbaut. Ursprünglich hätte der Turm 330 Meter hoch werden sollen, doch aufgrund der Nähe zum Flughafen München-Riem muss man sich mit den 291 Metern begnügen. 

19. August 1965<p><strong><em>Frankfurt am Main</em></strong> * Die Urteile im Auschwitz-Prozess werden verkündet. Der Prozess stellt einen wichtigen Schritt bei der Vergangenheitsbewältigung dar und löst in der Bevölkerung, der Justiz und im Parlament eine Verjährungsdebatte über Mord aus.&nbsp;</p>
19. September 1965

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum 5. Deutschen Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Ludwig Erhard 47,6 Prozent [+ 2,3] und 251 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Willy Brandt erringt 39,3 Prozent der Stimmen [+ 3,1] und 217 Sitze.
  • Die FDP bekommt 9,5 Prozent [- 3,3] und 50 Sitze.

Ludwig Erhard [CDU] wird Bundeskanzler einer Koalition aus CDU/CSU und FDP. 

25. September 1965<p><strong><em>Bremen</em></strong> * Radio Bremen strahlt mit dem <em>„Beat Club“</em>die erste Musiksendung mit englischsprachigen Interpreten im deutschen Fernsehen aus.&nbsp;</p> <p>&nbsp;</p>
28. Oktober 1965

München * Das IOC-Mitglied Willy Daume frägt den Münchner Oberbürgermeister Hans-Jochen Vogel: „Warum bewirbt sich München nicht um die Olympischen Spiele?“  Jetzt muss schnell gehandelt werden, denn spätestens am 1. Dezember 1965 muss die Bewerbung beim IOC in Lausanne vorliegen. 

16. Dezember 1965<p><strong><em>Bundesrepublik Deutschland</em></strong> * Der Beatles-Film <em>„Help!“</em> startete unter dem Titel <em>„Hi-Hi-Hilfe!“</em> in den deutschen Kinos.</p>

1966

1966

Unterföhring * Der zweite Block des „Müllverbrennungs-Kraftwerks München Nord“ geht in Betrieb.

26. April 1966

Rom * Der IOC-Präsident Avery Brundage verkündet in Rom München als Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 1972. Weitere Bewerber waren Detroit, Madrid und Montreal. 

28. Mai 1966

München * Der TSV 1860 München wird erstmals - und bislang zum einzigen Mal - Deutscher Fußballmeister. Mit der Meisterschaft sind Namen wie Rudi Brunnenmeier, Friedhelm „Timo“ Konietzka und Petar „Radi“ Radenkovic verbunden.  

Der FC Bayern München wird Dritter, der 1. FC Nürnberg belegt den sechsten Platz in der Bundesliga-Tabelle. 

24. Juni 1966

München * Die neue Münchner Linie wird bei den zwei Beatles-Konzerten im Cirkus Krone eingesetzt. Es treten keine Zwischenfälle auf.

2. September 1966

München - Rom-Vatikan - Freising - Regensburg * Kultusminister Ludwig Huber und Nuntius Corrado Bafile unterzeichnen in München die Verträge über  

  • die Ausbildung an der Katholischen Hochschule Freising sowie  
  • die Errichtung einer Katholischen Fakultät an der Universität Regensburg. 
17. September 1966

München - Bundesrepublik Deutschland * Um 20:15 Uhr sendet das Erste deutsche Fernsehen die erste Folge von „Raumpatrouille - Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“. Ab dann können die Bundesbürger dieses „Märchen von übermorgen“ jeden zweiten Samstag bewundern.

Der Start der Orion ist der Höhepunkt der Tricktechnik. Er wird auf den noch mit Granitplatten belegten Königsplatz gedreht und anschließend verfälscht. 

27. Oktober 1966

Bonn * Die FDP zieht nach einer Auseinandersetzung über den Bundeshaushalt ihre vier Minister aus der Regierung Erhard zurück. Bundeskanzler Ludwig Erhard [CDU] bildet daraufhin eine Minderheitsregierung aus CDU und CSU. 

2. November 1966

Karlsruhe * In einem Urteil des Bundesgerichtshofs heißt es: „Die Frau genügt ihren ehelichen Pflichten nicht schon damit, dass sie die Beiwohnung teilnahmslos geschehen lässt.

Wenn es ihr infolge ihrer Veranlagung oder aus anderen Gründen versagt bleibt, im ehelichen Verkehr Befriedigung zu finden, so fordert die Ehe von ihr doch eine Gewährung in ehelicher Zuneigung und Opferbereitschaft und verbietet es, Gleichgültigkeit oder Widerwillen zur Schau zu tragen.“

10. November 1966

Bonn * Kurt Georg Kiesinger [CDU] setzt sich im dritten Wahlgang gegen seine Konkurrenten - Bundesaußenminister Gerhard Schröder [CDU] und den CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Rainer Barzel - als Kanzlerkandidat der CDU durch. Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier hat zuvor zugunsten Kiesingers verzichtet.

25. November 1966

Bonn * Die Verhandlungen Kurt Georg Kiesingers [CDU] mit der FDP zur erneuten Regierungsbildung scheitern. 

26. November 1966

Bonn * Zwischen dem Kanzerkandidaten der CDU, Kurt Georg Kiesinger, und dem oppositionellen Kanzerkandidaten der SPD, Willy Brandt, wird eine Große Koalition vereinbart.

30. November 1966

Bonn * Ludwig Erhard [CDU] tritt als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland zurück. 

1. Dezember 1966

Bonn * Kurt Georg Kiesinger wird Bundeskanzler der ersten Großen Koalition auf Bundesebene. 


1967

1967

Deutsche Demokratische Republik - DDR * In der „Deutschen Demokratischen Republik - DDR“ werden Todesurteile mit der „Guillotine“ vollstreckt.

1967

München-Haidhausen * In den Maximiliansanlagen, zwischen dem Maximilianeum und dem Friedensengel, an der Stelle, an der König Ludwig II. - eigens für die Werke seines verehrten Musikeridols Richard Wagner - ein Festspielhaus errichten lassen wollte, wird eine 2,60 Meter hohe Bronzestatue zu Ehren des bayerischen Märchenkönigs erstellt.

1967

München-Graggenau * Bedingt durch den Bau der U- und S-Bahn wird die „Mariensäule“ abgetragen, wobei der früher schon erneuerte Säulenschaft zerbricht.  

Sie wird durch eine Kopie in „Adneter Marmor“ ersetzt. 

1. Januar 1967

München * Aufgrund des Bevölkerungsrückgangs werden alle vier Innenstadtbezirke zum Stadtbezirk 1 - Altstadt zusammengefasst.

19. April 1967

Bad Honnef * Der ehemalige Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Konrad Adenauer [CDU] stirbt im Alter von 91 Jahren in Bad Honnef. 

28. Juni 1967

New York * Oskar Maria Graf stirbt in New York. 

1. Dezember 1967

München - Freistaat Bayern • Erstmals findet der bayerische Verfassungstag statt. Er erinnert daran, dass sich das bayerische Volk am 1. Dezember 1946 selber eine Verfassung gegeben hat. 


1968

1968

Bundesrepublik Deutschland - Jugoslawien * Zwischen Jugoslawien und der Bundesrepublik Deutschland wird ein „Abkommen zur Anwerbung jugoslawischer Arbeitskräfte für den deutschen Arbeitsmarkt“ abgeschlossen.

4. Januar 1968

München * Die Komödie „Zur Sache, Schätzchen“ der Regisseurin May Spils wird uraufgeführt. Der Streifen mit Uschi Glas und Werner Enke in den Hauptrollen erreicht bald Kultstatus.  

22. Februar 1968

München-Oberwiesenfeld * Der Münchner Fernsehturm ist fertig gestellt und geht in Betrieb. Der Aussichtskorb ist zwischen 174,15 Meter und 192,6 Meter angebracht. Auf dieser Höhe befindet sich auch das „Rock Museum Munich“

19. März 1968<p><strong><em>München</em></strong> * Der <em>„Josefi-Tag“</em> ist letztmals in Bayern ein Feiertag. Er wird in der Amtszeit des Ministerpräsidenten“&nbsp;Alfons Goppel abgeschafft.&nbsp;</p>
7. April 1968<p><strong><em>München-Isarvorstadt</em></strong> * Im Münchner <em>„Action-Theater“</em>&nbsp;in der Müllerstraße wird Rainer Werner Fassbinders sozialkritisches Drama <em>„Katzelmacher“</em> uraufgeführt. Im Mittelpunkt steht ein griechischer Gastarbeiter in einem bayerischen Dorf.&nbsp;</p>
7. November 1968

Berlin * Beate Klarsfeld verschafft sich mit einer Pressekarte Zugang zum CDU-Parteitag in der Berliner Kongresshalle und ohrfeigt den deutschen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, der der NSDAP seit 1933 angehört hatte, wegen seiner Nazi-Vergangenheit.  

Beate Klarsfeld wird noch an demselben Tag zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die Strafe wird jedoch zur Bewährung ausgesetzt. „Es war eine symbolische Aktion der jungen Generation, der Nazi-Kinder gegen die Nazi-Väter“, sagt Beate Klarsfeld.


1969

1969

München-Thalkirchen * Das „Müllverbrennungswerk Süd“ geht in Betrieb.

23. Februar 1969

München * Bei einem Brand der Baustelle im Tunnel der U-Bahn unter dem Marienplatz kommen drei Arbeiter ums Leben. 

2. Juli 1969

Saugerties * Eine Bürgerinitiative der Kleinstadt Saugerties im US-Bundesstaat New York verhinderte die Ausrichtung des Woodstock-Festivals im 15 Kilometer entfernten Woodstock mit einem lokalen Gesetzerlass. Die Kleinstädter befürchten den zu erwartenden Ansturm der Hippies.

Deshalb wird das geplante Festival ins 70 Kilometer südwestlich von Woodstock gelegene White Lake verlegt. 

15. August 1969

Woodstock - White Lake * Vom 15. bis zum 18. August findet auf einem Weideland in White Lake bei Bethel im US-Bundesstaat New York das große Flower-Power-Open-Air-Musikfestival statt. Rund 400.000 Musikbegeisterte sind anwesend und verfolgen die Darbietungen der 32 Bands und Einzelkünstler.

In dem Namengebenden Woodstock sollte das Festival ursprünglich abgehalten werden, doch eine Bürgerinitiative der Kleinstadt Saugerties verhinderte die Ausrichtung des Festivals. Deshalb wird der Veranstaltungsort ins 70 Kilometer südwestlich von Woodstock gelegene White Lake verlegt. 

28. September 1969

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum 6. Deutschen Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger 46,1 Prozent [- 1,5] und 250 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Willy Brandt erringt 42,7 Prozent der Stimmen [+ 3,4] und 237 Sitze.
  • Die FDP bekommt 6,8 Prozent [- 3,7] und 31 Sitze.
  • Die NPD scheitert mit 4,3 Prozent an der Fünf-Prozent-Hürde.

Willy Brandt [ SPD] wird Bundeskanzler einer Koalition aus SPD und FDP. 


1970

1970

München * München hat 1.293.590 Einwohner. 

1. Januar 1970<p><strong><em>Bundesrepublik Deutschland</em></strong> • Die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall für Arbeiter wird eingeführt.&nbsp;</p>
Februar 1970

Freising * Die „Freisinger Bischofskonferenz“ legt den Termin des Festes „Maria - Patronin Bayerns“ auf den 1. Mai fest.  

Er bildet so den Auftakt zum „Marienmonat“

31. Juli 1970

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Durch eine Änderung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland wird das aktive Wahlrecht für die Bundestagswahl von 21 auf 18 Jahre gesenkt. 

7. Oktober 1970

Bayerischer Wald • Der erste deutsche Nationalparks wird im Bayerischen Wald eröffnet. 

31. Oktober 1970

Frankfurt am Main • Der Deutsche Fußballbund - DFB hebt das seit 1955 bestehende Verbot des Frauenfußballs auf. Stollenschuhe sind verboten. Ein Spiel dauert 60 Minuten

29. November 1970

Bundesrepublik Deutschland • Der erste „Tatort“-Krimi wird im ARD gezeigt. Es ist der Hamburger Fall „Taxi nach Leipzig“

8. Dezember 1970

München-Graggenau * Kardinal Julius Döpfner weiht die auf leicht verschobenem Standort wieder aufgerichtete Mariensäule ein. 


1971

Ende 1971

München-Thalkirchen * Das Müllverbrennungswerk Süd erhält einen zweiten Block. Mit diesen Kapazitäten lässt sich damals der gesamte Abfall verbrennen. Sogar Gemeinden aus dem Landkreis München liefern ihren Müll an.Damit erzeugen die Kraftwerke Strom und Fernwärme - aber auch giftige Abgase, weshalb die Müllverbrennung immer umstritten war.

Ab 1971

München-Isarvorstadt * Die „Homosexuelle Aktionsgruppe“ trifft sich in der „Deutschen Eiche“.

1971

München-Graggenau * Der an das „Alte Rathaus“ anschließende Turm wird nach dem Aussehen von 1462 rekonstruiert. 

Im Turm befindet sich heute das „Spielzeugmuseum“

1. April 1971<p><strong><em>München</em></strong> * Der Bayerische Rundfunk startet seines neues Programm <em>„Bayern 3“</em>.&nbsp;Es ist Deutschlands erste Servicewelle, die auf der Frequenz des früheren Gastarbeiterprogramms gesendet wird.</p>
29. September 1971

Bonn * Die Bundesrepublik Deutschland erhält ihr erstes Umweltprogramm. Bundeskanzler Willy Brandt spricht von „Existenzfragen der Menschheit“. Damit wird der Grundstein gelegt für nahezu alle großen Umweltgesetze,

  • von der Luftreinhaltung über die Klärung von Abwässern bis hin zum Umgang mit wachsenden Abfallmengen.  
  • Das Verursacherprinzip findet Eingang in die deutsche Gesetzgebung, es lässt diejenigen für Umweltschäden haften, die sie verbockt haben.  
  • Fuß fasst auch das Vorsorgeprinzip, demzufolge der Staat einschreiten muss, ehe Probleme entstehen.
19. Oktober 1971

München * Die U-Bahn-Strecke [U 6] zwischen Kieferngarten und Goetheplatz wird eröffnet. 


1972

1972

München-Schwabing * Die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ löst sich als Ensemble auf. 

1972

München-Maxvorstadt - München-Schwabing * Nach einer umfassenden Restaurierung wird die „Löwen-Quadriga mit der Bavaria“ wieder auf dem „Siegestor“ aufgestellt. 

Die Bavaria und der Wagen mussten neu gegossen werden; nur die vier Löwen sind original. 

26. April 1972

München - München-Obergiesing * Der Scharfrichter Johann Reichhart stirbt. Sein Grab befindet sich auf dem Münchner Ostfriedhof.

8. Mai 1972

München-Schwabing * Die U-Bahn-Strecke [U 3] zwischen Münchner Freiheit und Olympiazentrum wird eröffnet. 

10. Juni 1972

München • Die Amtszeit von Hans-Jochen Vogel [SPD] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

11. Juni 1972

München • Georg Kronawitter [SPD] wird erstmals Münchner Oberbürgermeister. 

30. Juni 1972<p><strong><em>München</em></strong> * Trotz der bis heute andauernden Argumentation gegen die Abschaffung des Autoverkehrs in der Innenstadt eröffnet&nbsp;Oberbürgermeister Hans Jochen Vogel - rechtzeitig vor dem Beginn der Olympischen Spiele - die Münchner Fußgängerzone. Tausende Gäste sind&nbsp;geladen, es gibt&nbsp;2.100 Mass Freibier und 10.000 Gratisbrezn.&nbsp;</p>
30. Juni 1972

München-Kreuzviertel * Ein Brunnen mit der technokratischen Bezeichnung „Schwerer Granit und zarte Wasserglocken“ wird im Schatten der Türme der Frauenkirche in Betrieb genommen. Die Wasserglocken werden 1980 durch Bronzepilze ersetzt. 

Gleichzeitig wird auch der Bennobrunnen aufgestellt und angeschlossen.

28. August 1972

Sapporo - München * Weil beide Städte im selben Jahr Veranstalter der Olympischen Spiele sind, gehen Sapporo und München eine Städtepartnerschaft ein. Das Japanische Teehaus im Englischen Garten [1972] und der Japanische Garten im Westpark zur Internationalen Gartenschau 1983 sind Gastgeschenke der Partnerstadt. 

19. November 1972

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum 7. Deutschen Bundestag erhält

  • die SPD mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Willy Brandt 45,8 Prozent [+ 3,1] und 242 Sitze.
  • Die CDU/CSU mit ihrem Kanzlerkandidaten Rainer Barzel erringt 44,9 Prozent der Stimmen [- 1,2] und 234 Sitze.
  • Die FDP bekommt 8,4 Prozent [+ 2,6] und 42 Sitze.

Willy Brandt [SPD] wird Bundeskanzler einer Koalition aus SPD und FDP. 


1973

22. Juni 1973

Großbritannien * Die George-Harrison-LP „Living in Material World“ wird veröffentlicht

26. August 1973

München * Start der Satiresendung „Notizen aus der Provinz“ im ZDF mit Dieter Hildebrandt. 


1974

1974

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Kinder deutscher Mütter können jetzt auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten.

Bis dahin konnten das nur Kinder deutscher Väter. Erkannte zum Beispiel ein amerikanischer Soldat das Kind mit seiner deutschen Freundin nicht an, war das Kind „staatenlos“.

1974

München * Dieter Hildebrandt tritt gemeinsam mit Werner Schneyder auf. 

1974

München-Maxvorstadt * Das Gelände des ehemaligen „Wittelsbacher Palais“, an der Brienner Straße 50, kauft die „Bayerische Landesbank“, die darauf ihre „Verwaltungszentrale“ errichtet.

Der zu erwartende Erlös von 50 Millionen DMark soll als Grundstock für ein später zu errichtendes „Kulturhaus“ zu verwenden. Dabei soll dann auch das „Mahnmal für die Opfer des NS-Terrors“ mit verwirklicht werden.

Damit sind die Gemüter vorerst beruhigt und so kann das Projekt eines „Mahnmals“ am Ort der „Gestapo-Zentrale“ ebenso zu den Akten gelegt werden, wie die Planungen für ein „Kultur- und Volksbildungshaus“

1974

München-Isarvorstadt * Rainer Werner Fassbinder, das Enfant terrible der deutschen Filmszene, gesellt sich zu der bunten Gesellschaft der „Deutschen Eiche“.

Er verliebt sich unsterblich in den Schankkellner Armin Meier und bezieht mit ihm eine Wohnung auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Reichenbachstraße. 

2. April 1974<p><strong><em>Bundesrepublik Deutschland - Bonn</em></strong> * Der Paragraf 361 Abs. 1 Nr. 4 des Strafgesetzbuches&nbsp;wird gestrichen und damit das Betteln&nbsp;deutschlandweit erlaubt. Bis dahin wird, <em>„wer bettelt oder Kinder zum Betteln anleitet oder ausschickt“</em> mit 500 Mark oder einer Freiheitsstrafe bis zu sechs Wochen verurteilt.&nbsp;</p>
6. Mai 1974

Bonn * Willy Brandt erklärt seinen Rücktritt als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Der Grund ist die Enttarnung des DDR-Spions Günter Guillaume, der als Referent für Parteiangelegenheiten einer der engsten Mitarbeiter von Willy Brandt gewesen ist. 

Dies ist auf eine Fahrlässigkeit innerhalb der Bundesregierung zurückzuführen. Denn Guillaume stand bereits seit über einem Jahr im Verdacht, Spionage zu betreiben. 

16. Mai 1974

Bonn * Nach dem Rücktritt von Willy Brandt wird Helmut Schmidt [SPD] zum 5. Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Die größten Herausforderungen während seiner Amtszeit sind die weltweite Wirtschaftsrezession und die Ölkrisen der 1970er Jahre, die die Bundesrepublik unter seiner Führung besser überstand als die meisten anderen Industriestaaten. 

17. Oktober 1974

Eching * In Eching eröffnet auf 32.000 Quadratmetern das erste deutschlandweite IKEA-Einrichtungshaus.


1975

1975

München * München hat 1.317.700 Einwohner. 

1975

Bonn - Bundesrepublik Deutschland * Das Kindergeld gibt‘s jetzt auch fürs erste Kind.

Es beträgt je 194.- DM für das erste und zweite Kind, 200.- DM für das dritte und 225.- DM für jedes weitere Kind. 

Bis 4. April 1975<p><strong><em>München-Untergiesing</em></strong> * In der Sachsenstraße 25 existiert seit 1924 auch die zentrale <em>„Desinfektionsanstalt Biebl &amp; Söhne“</em>.&nbsp;Dort werden nicht nur Geräte keimfrei gemacht, sondern bei Bedarf auch Münchner Schulkinder von Läusen und Heiligenfiguren von Holzwürmern befreit.</p>
8. April 1975<p><em><strong>Paris</strong></em> * Die 68-jährige Josephine Baker feiert ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Im Publikum sitzen unter vielen anderen Alain Delon, Mick Jagger, Sophia Loren und Jeanne Moreau. Kurze Zeit später erleidet die Tänzerin, Sängerin und Entertainerin eine Gehirnblutung, an deren Folgen sie vier Tage später, am 12. April 1975, in Paris stirbt.&nbsp;</p>
10. April 1975<p><strong><em>Paris</em></strong> • Wenige Stunden vor ihrem abendlichen Auftritt erleidet Josefine Baker einen Schlaganfall und stirbt zwei Tage später im Hôpital de la Salpêtrière in Paris.&nbsp;</p>
12. April 1975<p><strong><em>Paris</em></strong> * Josephine Baker stirbt an einer Gehirnblutung in Paris.&nbsp;</p>
15. April 1975<p><strong><em>Paris</em></strong> * 20.000 Menschen säumen die Straßen von Paris, als Joséphine Baker mit einem militärischen Staatsbegräbnis geehrt wird.&nbsp;</p>
15. April 1975<p><strong><em>Paris</em></strong> • 20.000 Menschen säumen die Straßen von Paris, als Josephine Baker mit einem militärischen Staatsbegräbnis geehrt wird.</p>
22. November 1975

München * Die Verlängerung der U-Bahn-Strecke [U 3/6] bis zum Harras wird eröffnet. 


1976

1976

München * Die für München geltende „Badeverordnung“ sieht ein generelles Badeverbot „außerhalb der Badeanstalten in fließenden oberirdischen Gewässern“ vor.  

Ausgenommen sind mehrere Abschnitte am Ostufer der Isar - vor allem im Süden der Stadt. 

1976

München-Schwabing * Die „Münchner Lach- und Schießgesellschaft“ wird wieder gegründet und tritt in wechselnden Besetzungen auf. 

Um den August 1976

Bundesrepublik Deutschland - Freistaat Bayern * Bei der „Bundestagswahl 1976“ steht die Parole „Freiheit statt Sozialismus“ bei der CDU im Vordergrund.

Die CSU ändert den Slogan in „Freiheit oder Sozialismus“ ab. 

3. Oktober 1976

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum 8. Deutschen Bundestag erhält

  • die SPD mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Helmut Schmidt 42,6 Prozent [- 3,2] und 224 Sitze.
  • Die CDU/CSU mit ihrem Kanzlerkandidaten Helmut Kohl erringt 48,6 Prozent der Stimmen [+ 3,7] und 254 Sitze.
  • Die FDP bekommt 7,9 Prozent [-0,5] und 40 Sitze.

Die CSU erringt in Bayern 60,0 Prozent der Stimmen und trägt damit 10,6 Prozent zum Gesamtergebnis der Union (48,6 Prozent) bei.
CDU und CSU sind mit insgesamt 243 Sitzen die stärkste Fraktion im Bundestag, doch die sozialliberale Koalition aus SPD und FDP kann mit einer Mehrheit von zehn Sitzen weiter regieren.

Helmut Schmidt [SPD] wird Bundeskanzler einer Koalition aus SPD und FDP. 

18. November 1976

Wildbad Kreuth * Mit 30 gegen 18 Stimmen bei einer Enthaltung beschließt die CSU-Landesgruppe im Deutschen Bundestag auf ihrer Klausurtagung am 18. und 19. November in Wildbad Kreuth, die Fraktionsgemeinschaft mit der Christlich Demokratischen Union - CDU im Deutschen Bundestag aufzukündigen und im 8. Deutschen Bundestag eine selbstständige Fraktion zu bilden.  

Der Beschluss bedeutet eine tiefe Zäsur im traditionell schwierigen Bündnisverhältnis zwischen CDU und Christlich Sozialer Union - CSU. Aktueller Anlass für den einseitigen Trennungsbeschluss waren das Ergebnis und die Folgen der Bundestagswahl vom 3. Oktober 1976. 

29. November 1976

Bonn * Der CDU-Bundesvorstand fordert die CSU-Führung auf, bis zum Tag der konstituierenden Sitzung des 8. Deutschen Bundestages die Fraktionsgemeinschaft wieder herzustellen. Andernfalls wird die CDU in Bayern einen Landesverband gründen. 

1. Dezember 1976

Bonn * Der Rheinland-Pfälzische Ministerpräsident Helmut Kohl wird zum Vorsitzenden der künftigen CDU-Bundestagsfraktion gewählt. 

Um den 2. Dezember 1976

München * Die CSU-Führung beginnt einzulenken. In Bayern ruft der Trennungsbeschluss von Kreuth vor allem an der fränkischen und schwäbischen CSU-Basis Unmut und Widerspruch hervor.

Drei CSU-Bezirksverbände fordern einen Sonderparteitag. Sie befürchten, dass die Gründung eines CDU-Landesverbandes der bayerischen Regierungspartei und damit der Gesamtunion gravierend schaden können. 

9. Dezember 1976

Bonn * Franz Josef Strauß bietet nach einer Sitzung des CSU-Landesvorstandes und der CSU-Landesgruppe der CDU neue Gespräche an. Der Trennungsbeschluss von Wildbad Kreuth ist zwar nicht aufgehoben, aber „durch neue Vorschläge“ überlagert worden. 

12. Dezember 1976

Bonn * CDU und CSU vereinbaren, die Fraktionsgemeinschaft der CDU/CSU auf der Grundlage neuer Abmachungen fortzusetzen. In umfangreichen schriftlichen Vereinbarungen werden neue Verfahren der Konfliktregelung im Sinne einer politischen Parität beider Parteien festgelegt. Die CSU bahnt mit diesen Vereinbarungen zugleich die Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß im Bundestagswahlkampf 1980 an.


1977

1977

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Ehefrauen können erstmals selbst entscheiden, ob sie arbeiten wollen.

Bis dahin musste der Ehemann diesem Wunsch zustimmen. Voraussetzung war, dass sie ihre „häuslichen Pflichten“ nicht vernachlässigte.

1977

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Die Pflicht der Ehefrau, „den Haushalt zu führen“, entfällt.

5. Mai 1977

Bonn * Ludwig Erhard, der ehemalige Wirtschaftsminister und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland sowie CDU-Vorsitzende, stirbt in Bonn. 


1978

1978

Bundesrepublik Deutschland * Frauen können in den ersten Bundesländern „Schutzpolizistinnen“ werden.

4. März 1978

München • Die erste Amtszeit von Georg Kronawitter [SPD] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

5. März 1978

München • Erich Kiesl [CSU] wird Münchner Oberbürgermeister. 

28. Mai 1978

München * Der U-Bahn-Bahnhof Poccistraße wird bei laufendem Betrieb in den bestehenden Streckentunnel eingefügt. 

1. August 1978

München - Berchtesgaden * Der Nationalpark Berchtesgaden wird gegründet. Das 210 Quadratkilometer große Schutzgebiet im äußersten Südostzipfel Bayerns ist der einzige Alpen-Nationalpark Deutschlands. 

Hier befindet sich mit dem 2.713 Metern hohe Watzmann auch der zweithöchste Berg Deutschlands. Der Königssee mit der berühmten Wallfahrtskirche Sankt Batholomä liegt tiefeingeschnitten zwischen Felsen und urwüchsigen Wäldern. 

6. August 1978

Castel Gandolfo * Papst Paul VI. stirbt auf Castel Gandolfo an den Folgen eines Herzinfarkts. 

26. August 1978

Rom-Vatikan * Albino Luciani wird in einem eintägigen Konklave im vierten Wahlgang zum Nachfolger von Papst Paul VI. gewählt. Sein Gegenkandidat ist der konservative Guiseppe Siri, der bereits im Jahr 1958 als „zum Papst geeignet“ bezeichnet wurde.

Er nimmt als Papst den Namen Johannes Paul I. an. Beide Namen erinnern an seine Vorgänger, die Päpste Johannes XXIII. und Paul VI.. Als erster Papst trägt er einen Doppelnamen. 

28. September 1978

Rom-Vatikan * Papst Johannes Paul I. stirbt nach 33 Tagen im Vatikan. Eine Obduktion des Leichnams wird von der seiner Familie und vom Vatikan verweigert. Kein Wunder, dass dadurch zahlreiche Verschwörungstheorien entstehen. Damit geht das Jahr als Dreipäpstejahr in die Geschichte ein. 

18. Oktober 1978

Rom-Vatikan * Karol Józef Wojtyla wird als Papst Johannes Paul II. zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt. Er folgt auf den 33-Tage-Papst Johannes Paul I.. 


1979

24. Mai 1979

München * Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß gibt seine Kanzlerkandidatur bekannt. 

28. Mai 1979

Bonn * Der CDU-Bundesvorstand benennt den niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht zum Kanzlerkandidaten. Der CDU-Vorsitzende Helmut Kohl hatte zuvor auf eine erneute Kandidatur verzichtet. 

2. Juli 1979

Bonn * Franz Josef Strauß wird von der CDU/CSU-Fraktion des Deutschen Bundestages als erster Kanzlerkandidat der CSU für die Unionsparteien nominiert. Er erhält 135 Stimmen der 237 anwesenden Abgeordneten (57 Prozent). 102 Abgeordnete stimmen für Ernst Albrecht (43 Prozent).

Die Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß ist von großer Bedeutung für die Unionsparteien, weil sich die CDU als größere Schwesterpartei der Fraktionsgemeinschaft seit der Kanzlerschaft von Konrad Adenauer ein gewohnheitsmäßiges erstes Zugriffsrecht auf die Kanzlerkandidatur gesichert hatte. Die Kanzlerkandidatur eines CSU-Politikers gilt als Ausnahme, da ein Erfolg eines bayerischen Politikers auf Bundesebene als nur wenig wahrscheinlich angesehen wird.

22. November 1979

München * Zwischen 1973 und 1979 werden im ZDF 66 Folgen von Dieter Hildebrandts „Notizen aus der Provinz“ ausgestrahlt. 


1980

1980

München * München hat 1.298.000 Einwohner. 

1980

München-Kreuzviertel * Die „Wasserglocken“ des Brunnens mit der technokratischen Bezeichnung „Schwerer Granit und zarte Wasserglocken“ werden durch „Bronzepilze“ ersetzt. 

Nach 1980

München-Isarvorstadt * Freddie Mercury kommt nach München, wo er im Studio „Musicland“ von Giorgio Moroder mit seiner Gruppe „The Queen“ Schallplatten produziert. 

Schnell wird er Stammgast in der „Deutschen Eiche“.

12. Juni 1980

Berlin * Im Jahr der Bundestagswahl verordnet der ZDF-Programmdirektor Dieter Stolte dem Dieter-Hildebrand-Magazin Notizen aus der Provinz eine „Denkpause“. Das führt zum Wechsel Hildebrandts zur ARD. Im Sender Freies Berlin - SFB startet Dieter Hildebrandt die Satiresendung „Der Scheibenwischer“.

23. September 1980

München-Graggenau • Der Kanzlerkandidat der CDU/CSU, Franz Josef Strauß, will vor seiner Rede auf dem Marienplatz von der Polizei Demonstranten entfernen lassen, die auf Transparenten Stoppt Strauß fordern und durch Sprechchöre auf sich aufmerksam machen.

Da der Einsatzleiter dazu keine rechtliche Grundlage sieht, wird auf der Stelle von Strauß (jetzt in seiner Eigenschaft als bayerischer Ministerpräsident) abgesetzt. Die Demonstranten sehen sich kurz darauf von einem großen Polizeiaufgebot umzingelt. 

5. Oktober 1980

Bundesrepublik Deutschland * In dem sehr emotionsgeladenen Wahlkampf [„Stoppt Strauß“] konzentrieren sich die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Kanzlerkandidaten Helmut Schmidt und Franz Josef Strauß. Bei der Wahl zum 9. Deutschen Bundestag erhält

  • die SPD mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Helmut Schmidt 42,9 Prozent der Stimmen [+ 0,3] und 228 Sitze.
  • Die CDU/CSU mit ihrem Kanzlerkandidaten Franz Josef Strauß erhält 44,5 Prozent [- 4,1] und 237 Sitze.
  • Die FDP bekommt 10,6 Prozent [+ 2,7] und 54 Sitze.
  • DIE GRÜNEN, die erstmals bei einer Bundestagswahl antreten, kommen aber nur auf 1,5 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Helmut Schmidt [SPD] wird Bundeskanzler einer Koalition aus SPD und FDP. 

18. Oktober 1980

München * Die U-Bahn-Strecke zwischen Scheidplatz und Neuperlach Süd wird eröffnet. 

30. Oktober 1980

München * Das Verwaltungsgericht entscheidet nach einem zwölfjährigen Widerstand gegen den „Todesflughafen im Erdinger Nebelloch“ für den sofortigen Vollzug des Baubeginns von München II im Erdinger Moos. 

2. November 1980

München * Einen Tag vor Baubeginn des Flughafens München II im Erdinger Moos demonstrieren rund 150 GegnerInnen in der Münchner Innenstadt. Der Flughafen wird als ein „Jahrhundert-Projekt bayerischen Größenwahns“ bezeichnet. 

3. November 1980

München-Flughafen MUC * Die Bauarbeiten am Flughafen München II im Erdinger Moos beginnen. 

4. November 1980

München-Flughafen MUC * Rund 2.000 Menschen demonstrieren im Erdinger Moos gegen den neuen Flughafen. Hinterher veranstalten sie einen Autocorso durch die Region. 

6. November 1980

München-Maxvorstadt * Aus Anlass des 25-jährigen Bestehens der Bundeswehr legen 2.000 Rekruten auf dem Königsplatz ihr Feierliches Gelöbnis ab. Generalmajor Wolfgang Kessler und Ministerpräsident Franz Josef Strauß sprechen dabei von der „Erhaltung des Friedens durch Abschreckung“.  

Die Vereidigung auf dem Königsplatz ruft Erinnerungen an die Aufmärsche während der NS-Zeit wach, weshalb parallel zur Gelöbnisfeier eine Protestveranstaltung der Münchner Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung stattfindet. Transparente mit der Aufschrift „Auf Hitlers Plattenmeer gelobt nunmehr die Bundeswehr“ werden von den Demonstranten mitgetragen. 

15. November 1980

München-Maxvorstadt * Am Königsplatz findet eine Demonstration gegen den Baubeginn des Flughafens im Erdinger Moos mit mehr als 2.000 TeilnehmerInnen statt. 


1982

Um 1982

München * Es gibt Überlegungen, ein drittes „Müllverbrennungs-Kraftwerk“ zu bauen. 

Es gibt aber auch „grünen“ Widerstand, der fordert, die „Verbrennungsanlagen“ zu entgiften und die „Wiederverwertbarkeit von Rohstoffen“ zu fördern.

Um den 20. Januar 1982

München * Während sich Dieter Hildebrandt in seiner Satiresendung „Scheibenwischer“ über den Rhein-Main-Donau-Kanal lustig macht, geifert Franz Josef Strauß von „politischer Giftmischerei“.

17. September 1982

Bonn * Bundeskanzler Helmut Schmidt fordert die Opposition nach dem Kabinettsrückzug der FDP zur Durchführung eines Konstruktiven Misstrauensvotums auf. 

1. Oktober 1982

Bonn * Helmut Kohl wird durch ein Konstruktives Misstrauensvotum zum Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er leitet eine Koalition bestehend aus CDU/CSU und FDP. 

17. Dezember 1982

Bonn - Bundesrepublik Deutschland * Durch eine bewusst verlorene Vertrauensfrage werden Neuwahlen für den Deutschen Bundestag ausgelöst. CDU/CSU und FDP hatten sich schon zuvor auf die Durchführung von vorgezogenen Neuwahlen verständigt. 


1983

1983

München * Der Gebrauch der im Jahr 1897 eingeführten „Mülltonne" wird eingestellt.

1983

München * Dieter Hildebrandt übernimmt im Gerhard-Polt-Film „Kehraus“ eine Schauspielrolle. 

1983

München-Maxvorstadt * Nachdem vermehrt Einwände gegen die provisorische Lösung auf dem „Platz der Opfer des Nationalsozialismus“ laut geworden sind, beschließen im Jahr 1983 die Fraktionen des Münchner Stadtrats, einen Wettbewerb für den Entwurf eines neuen „Mahnmals“ ausloben zu lassen. 

6. März 1983

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum 10. Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Helmut Kohl 48,8 Prozent der Stimmen [+ 4,3] und 255 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Hans-Jochen Vogel erringt 38,2 Prozent [- 4,7] und 202 Sitze.
  • Die FDP bekommt 7,0 Prozent [- 3,6] und 35 Sitze.
  • Die Grünen kommen mit 5,6 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 4,1] und 28 Sitzen erstmals in den Deutschen Bundestag.  

Helmut Kohl wird Bundeskanzler einer Koalition bestehend aus CDU/CSU und FDP. 

18. März 1983<p><strong><em>München-Lehel</em></strong> * Michael Käfer übernimmt das <em>„P1“</em> im Ostflügel des Hauses der Kunst.&nbsp;Er macht den Club durch eine außergewöhnliche Publikumsauswahl und extravaganten Partys zu Deutschlands Tanztempel Nr. One.&nbsp;</p>
16. April 1983

München * Die Streckenverlängerung der U-Bahn [U 3/6] nach Holzapfelskreuth zur Internationalen Gartenbauausstellung - IGA wird eröffnet. 

5. Mai 1983

München * Die Stadtverwaltung startet mit 40 eigenen Fahrzeugen einen Modellversuch mit „bleifreiem Benzin“.

28. Mai 1983

München * Der U-Bahn-Streckenabschnitt [U 1] zum Rotkreuzplatz geht in Betrieb. 

7. November 1983

München-Untermenzing * Bundesinnenminister Friedrich Zimmermann nimmt die erste kommerzielle Bleifrei-Zapfsäule Europas in der Allguth-Tankstelle in der Untermenzinger Von-Kahr-Straße in Betrieb. Der Liter Bleifrei kostet 1,389 DMark.


1984

1984

München-Graggenau * Die Madonna auf der „Mariensäule“ ist nun „ölvergoldet“ und damit hochglänzend. 

7. Januar 1984<p><strong><em>München-Ludwigsvorstadt</em></strong> * Zwei rechtsextreme Täter, ein Münchner und ein Italiener, werfen zwei Benzinkanister in den Eingang der Diskothek Liverpool an der Schillerstraße 11a. Das Feuer verletzt die 20-Jährige Corinna Tartarotti so schwer, dass sie drei Monate später stirbt.</p>
16. Januar 1984

München-Angerviertel * Im Vollmar-Haus wird die bundesweit erste Regionalgruppe der Aids-Hilfe gegründet. Die Gründung des Vereins ist „eine politische Reaktion auf eine noch nicht sichtbare Bedrohung“. Die Berichterstattung in Deutschland über Aids stellt einen Angriff auf die Münchner Schwulenszene und deren Lebensstil dar.

10. März 1984

München * Der U-Bahn-Streckenabschnitt [U 5] zwischen Stachus und Westendstraße wird eröffnet. 

17. März 1984

München • Die Amtszeit von Erich Kiesl [CSU] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

18. März 1984

München • Georg Kronawitter [SPD] wird erneut Münchner Oberbürgermeister. 

12. Juli 1984

München * Ein Unwetter zieht über den Münchner Osten und hinterlässt eine Schneise der Verwüstung. Gegen 20:05 Uhr fallen Hagelkörner, zum Teil so groß wie Tennisbälle, auf die Erde. Sie durchschlagen Dachplatten und Fassadenverkleidungen. Aus Pflanzen und Gemüse wird in wenigen Minuten Matsch.  

  • 400 Menschen werden so stark verletzt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen,  
  • Drei Menschen sterben vor Aufregung.  
  • Rund 70.000 Wohngebäude werden zum Teil erheblich beschädigt,  
  • ebenso 1.000 Gewerbebetriebe, darunter viele Gärtnereibetriebe, deren Gewächshäuser zu Bruch gehen.  
  • 20.000 Hektar landwirtschaftlicher Flächen werden durch den Hagel umgepflügt,  
  • 150 Flugzeuge werden von den Hagelkörnern demoliert,  
  • über 200.000 Autos werden zerbeult.  

Nach 20 Minuten ist alles vorbei. Doch das hat gereicht. Das Unwetter richtet den bisher größten Schaden in Deutschland an. Die Versicherungen müssen insgesamt 1,5 Milliarden DMark an Entschädigungen zahlen. 


1985

1985

München * München hat 1.266.100 Einwohner. 

1985

München-Isarvorstadt * Die Landeshauptstadt München fördert die neu gegründete Regionalgruppe der „Münchner Aids-Hilfe“

8. November 1985

München-Maxvorstadt * Oberbürgermeister Georg Kronawitter enthüllt auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus ein „würdiges Denkmal“, das den provisorischen Gedenkstein ersetzt. Der Bildhauer Andreas Sobeck hat einen sechs Meter hoher symbolischer Kerker aus südafrikanischen Impalagestein geschaffen, in dem eine ewige Flamme an die Verfolgten erinnern soll. 

Das Denkmal trägt die Inschrift: „Den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.“ 

Nach dem 8. November 1985

München-Maxvorstadt - München-Neuhausen * Der alte Gedenkstein vom Platz der Opfer des Nationalsozialismus wird - mit neuer Inschrift versehen und zur „Erinnerung an die Opfer des Widerstands gegen den Nationalsozialismus“ auf dem Platz der Freiheit in Neuhausen aufgestellt. 

Dezember 1985

München-Maxvorstadt * Knapp drei Wochen nach der Einweihung des neuen „Mahnmals“ auf dem „Patz der Opfer des Nationalsozialismus“ beschließt der Münchner Stadtrat, dass die „Ewige Flamme“ nur an besonderen Gedenktagen beziehungsweise nur nachts brennen soll. 


1986

1986

München * Dieter Hildebrandt spielt in Helmut Dietls TV-Serie „Kir Royal“ an der Seite von Franz Xaver Kroetz den schmierigen Klatschfotografen Herbie Fried. 

Um 1986

München-Isarvorstadt * Der - vorläufige - Abstieg der „Deutschen Eiche“ in der Reichenbachstraße 13 beginnt.

1. März 1986

München-Graggenau * Der U-Bahnhof Odeonsplatz für die U 5 wird eröffnet. Er verknüpft die Strecken der U 5 mit der der U 3/6. 

22. Mai 1986

München * Der Bayerische Rundfunk blendet sich aus Dieter Hildebrandts „Scheibenwischer“-Sendung über den Reaktorunfall in Tschernobyl aus und macht sich damit bundesweit lächerlich. 

Um den August 1986

Rom-Vatikan * Papst Johannes Paul II. bekräftigt die Existenz des Satans.

„Hexenangst“ ist aber beileibe keine rein katholische Angelegenheit.
„Hexenglauben“ findet sich auch unter Protestanten.
Vor allem pietistisch geprägte Richtungen innerhalb der protestantischen Konfession bejahen eine angstbesetzte Vorstellung vom „Teufel“

November 1986

München-Maxvorstadt * Der Stadtrat hebt die „Sparmaßnahme“, wonach die „Ewige Flamme“ im neuen „Mahnmals“ auf dem „Patz der Opfer des Nationalsozialismus“ nur an besonderen Gedenktagen beziehungsweise nur nachts brennen soll, wieder auf, weil damit die „wesentliche Symbolik des Mahnmals außer Kraft gesetzt“ würde. 

Damit wird eine mehr als peinlich zu bezeichnende Diskussion beendet. 


1987

1987

München * München hat 1.185.421 Einwohner. 

1987

Deutsche Demokratische Republik - DDR * In der „Deutschen Demokratischen Republik - DDR“ wird die Todesstrafe abgeschafft.

Bis dahin wurden etwa 200 Todesurteile ausgesprochen und davon circa 130 vollstreckt.

1987

München * Kultusminister Hans Zehetmair greift zum Vokabular des Herrenmenschen:  

  • Aids ist das „Symptom einer maroden Gesellschaft“.
  • Homosexualität gehört in den „Randbereich der Entartung“.
  • „Das Umfeld der ethischen Werte muss wiederentdeckt werden, um diese Entartung auszudünnen“.
  • „Es geht darum, dass dies contra naturam ist - naturwidrig“.
  • „Dieser Rand muss dünner gemacht werden, er muss ausgedünnt werden!“ 
25. Januar 1987

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum 11. Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Helmut Kohl 44,3 Prozent [- 4,5] und 234 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Johannes Rau erringt 37,0 Prozent der Stimmen [- 1,2] und 193 Sitze.
  • Die FDP bekommt 9,1 Prozent [+ 2,1] und 48 Sitze.
  • Die Grünen kommen mit 8,3 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 2,7] und 44 Sitzen in den Deutschen Bundestag.

Helmut Kohl wird Bundeskanzler einer Koalition bestehend aus CDU/CSU und FDP. 

26. Februar 1987

München * Peter Gauweiler, CSU-Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, setzt sich für scharfe Anti-Aids-Regelungen in Bayern ein - mit Zwangstests für Prostituierte, Drogenabhängige und angehende Beamte. Er bezeichnet an Aids erkrankte Personen als Aussätzige. 

26. Februar 1987

Bonn * Horst Seehofer, aufstrebender CSU-Bundestagsabgeordneter, wird im Stern zitiert, dass er Aidskranke „in speziellen Heimen“ sammeln, sogar „konzentrieren“ will.

Später lässt Seehofer übrigens ausrichten, dass man damals in der Aids-Politik noch auf der „Suche nach dem richtigen Weg“ gewesen sei. Der damalige Weg wäre inzwischen „längst überholt“

19. Mai 1987

München * Auf Betreiben von Peter Gauweiler, CSU-Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, beschließt Bayerns Regierung unter der Führung von Franz Josef Strauß einen umstrittenen, bundesweit einmaligen Anti-Aids-Maßnahmenkatalog. Damit soll Bayern zum Vorbild eines „europäischen Hygienekreises“ werden (Franz Josef Strauß). 

16. Dezember 1987<p><em><strong>Bonn</strong></em> * Der CSU-Politiker Erich Riedl spricht in der Münchner Abendzeitung im Zusammenhang mit Aids-Erkrankten von <em>„absondern“</em>.&nbsp;</p>

1988

1988

München * Dieter Hildebrand spielt an der Seite von Gerhard Polt und Gisela Schneeberger in dem Film „Man spricht deutsh“

9. März 1988

Tübingen * Kurt Georg Kiesinger, der ehemalige Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, stirbt in Tübingen.

24. März 1988

München * Die U 5 wird bis zum Laimer Platz verlängert. 

27. Oktober 1988

München-Berg am Laim - München-Bogenhausen * Die U 5 fährt jetzt bis zum Innsbrucker Ring. Die neue Linie U 4 bindet den Arabellapark an. 


1989

18. September 1989

München - Cincinnati * Die amerikanische Stadt Cincinnati wird zur Münchner Partnerstadt erwählt. In Cincinnati findet jährlich rund um den Davidson-Brunnen das größte Oktoberfest der Vereinigten Staaten statt. 

Oktober 1989

München * Als „Dienstleistungsabend“ wird der lange Donnerstag bis 20.30 Uhr eingeführt. 

Die betroffenen Beschäftigten sprechen vom „SchlaDo“ [Scheiß langer Donnerstag].

6. Oktober 1989

München - Kiew * Zwischen der ukrainischen Hauptstadt Kiew und München wird eine Städtepartnerschaft gegründet. Bei der Auswahl geht es dem Stadtrat um eine politische Entspannung und die Ost-West-Annäherung.  

28. Oktober 1989

München * Die U 3 fährt nun von der Implerstraße zur Forstenrieder Allee. 

9. November 1989

Berlin * Die Berliner Mauer fällt. 


1990

1990

München * Der „Müll“, der an die „Verbrennungsanlagen“ und „Deponien“ angeliefert wird, hat sich gegenüber 1970 verdoppelt.

14. Juli 1990

München * Walter Sedlmayr wird blutüberströmt in seiner Wohnung gefunden. Er ist mit einem Hammer erschlagen und mit einem Küchenmesser erstochen worden.

Schnell stehen seine homosexuellen Neigungen im Vordergrund des Interesses. Nach aufwändigen Ermittlungen werden Sedlmayrs Freund und Geschäftspartner Wolfgang W. und dessen Bruder Manfred L. verhaftet und in einem Indizienprozess verurteilt. 

3. Oktober 1990

Bundesrepublik Deutschland * Die deutsche Wiedervereinigung. 

2. Dezember 1990

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Die Bundestagswahl 1990 steht massiv unter dem Eindruck der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990.

Bei der Wahl zum 12. Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Helmut Kohl 43,8 Prozent [- 0,5] und 319 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Oskar Lafontaine erringt 33,5 Prozent der Stimmen [- 3,5] und 239 Sitze.
  • Die FDP bekommt 11,0 Prozent [+ 1,9] und 79 Sitze.
  • Die Grünen kommen auf 3,8 Prozent der abgegebenen Stimmen [- 4,5] und ziehen deshalb nicht in den Deutschen Bundestag ein.
  • Die PDS erkämpft nur 2,4 Prozent der Stimmen und verfehlt damit bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde. Es ist aber vor der Wahl vereinbart worden, dass es genügt, nur in einem der beiden Wahlgebiete diese Klausel zu überspringen. Und das gelingt der PDS in den neuen Bundesländern unproblematisch. Die Partei erhält dadurch 17 Sitze. 
  • Das Gleiche gilt für die nur in der ehemaligen DDR antretendem Bündnis 90. Es erhält nur 1,2 Prozent vom Stimmenanteil, zieht aber mit acht Abgeordneten in den Deutschen Bundestag ein.

Helmut Kohl wird Bundeskanzler einer Koalition bestehend aus CDU/CSU und FDP. 

3. Dezember 1990

Bundesrepublik Deutschland * Die westdeutschen Grünen und das ostdeutsche Bündnis 90 schließen sich zum Bündnis 90/DIE GRÜNEN zusammen. 


1991

Seit dem Jahr 1991

München-Graggenau - München-Angerviertel * Die seit dem Jahr 1991 in den Werkstätten des „Bayerischen Landesamtes­ für Denkmalpflege“ restaurierten „Heldenputti“ werden zwischen 1994 und 1998 durch Abgüsse ersetzt.  

Die Originale befinden sich seither im Münchner „Stadtmuseum“

6. Mai 1991

München * Der Bayerische Rundfunk startet sein Programm „B5 aktuell“. Es ist die erste bundesdeutsche Informationswelle.


1992

??? 1992

München-Berg am Laim * In Berg am Laim werden - als Modellversuch - „Bio- und Papiertonnen“ aufgestellt.

??? 1992

München * Dieter Hildebrandt erhält die Medaille „München leuchtet“ in Gold. 

??? 1992

München-Graggenau * Mit dem Bau der „Bayerischen Staatskanzlei“ wird der „Kögelmühlbach“ wiederbelebt.

4. März 1992

Passau * Ministerpräsident Max Streibl bezeichnet die SPD-Landesvorsitzende Renate Schmidt beim Politischen Aschermittwoch in Passau als „Krampfhenne“

24. April 1992

München * Die Münchner Abendzeitung meldet, dass 16 Prozent der erwachsenen Bundesbürger an die reale Existenz von Hexen glauben. Bayern steht mit der höchsten Zahl von Hexengläubigen an der Spitze. 

13. Juli 1992

Großbritannien * Die George-Harrison-LP Live in Japan, die er mit Eric Clapton und dessen Band auf der Tournee aufgenommen hat, kommt in die Plattenläden. 

8. Oktober 1992

Unkel * Willy Brandt, der ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin und Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland sowie SPD-Vorsitzende, stirbt in Unkel. 

6. Dezember 1992

München * 400.000 Münchnerinnen und Münchner protestieren mit Kerzen und Fackeln gegen brutale Übergriffe auf Ausländer. 


1993

1993

München-Isarvorstadt * Das Haus in der Reichenbachstraße 13, in dem sich die „Deutsche Eiche“ befindet, soll „entkernt“ und gewerblich gewinnbringend gestaltet werden.

Nach weltweiten Protesten trennt sich die Grund- und Hausbesitzerin „Monachia“ von der „problematischen Immobilie“.

Dietmar Holzapfel, sein Vater Nicki Holzapfel und Dietmars Partner Josef Sattler kaufen gemeinsam die heruntergekommene und renovieungsbedürftige „Deutsche Eiche“.

27. Mai 1993

München-Graggenau * Ministerpräsident Max Streibl muss wegen der sogenannten „Amigo-Affäre“ zurücktreten. Den Ministerpräsidenten-Sessel übernimmt sein Parteifreund Edmund Stoiber.

30. Juni 1993

München • Die zweite Amtszeit von Georg Kronawitter [SPD] als Münchner Oberbürgermeister endet. 

12. September 1993

München • Christian Ude [SPD] wird Münchner Oberbürgermeister. 

20. November 1993

München * Die U 2 zweigt nun vom Scheidplatz zur Dülferstraße ab. 


1994

Ab dem 12. August 1994

Saugerties * In Saugerties, im US-Bundesstaat New York findet zum 25. Jubiläum des Musikfastivals in Woodstock eine Erinnerungsveranstaltung mit etwa 350.000 Teilnehmern statt. Sie dauert bis zum 14. August. 

16. Oktober 1994

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum 13. Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Helmut Kohl 41,4 Prozent [- 2,4] und 294 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Rudolf Scharping erringt 36,4 Prozent der Stimmen [+ 2,9] und 253 Sitze.
  • Die FDP bekommt 6,9 Prozent [- 4,1] und 47 Sitze.
  • Bündnis 90/DIE GRÜNEN kommen auf 7,3 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 2,2].
  • Die PDS erkämpft nur 4,4 Prozent der Stimmen und verfehlt damit bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde. Aufgrund der Grundmandatsklausel zieht die Partei trotzdem mit 30 Abgeordneten in den Deutschen Bundestag ein.  

Helmut Kohl wird erneut Bundeskanzler einer Koalition bestehend aus CDU/CSU und FDP. 


1995

1995

München * Durch die „Mülltrennung“ hat sich die „Müllmenge“ Münchens nahezu halbiert.

1995

München * Frauen dürfen erstmals als „Feuerwehrleute“ tätig werden.

1995

München-Maxvorstadt * Der Künstler Toni Preis installiert auf dem Platz der Opfer des Nationalsozialismus ein Mahnmal speziell für die Opfer der Sinti und Roma.

1995

München-Isarvorstadt * Sonja Reichenbach, die Wirtin der „Deutschen Eiche“ in der Reichenbachstraße 13, gibt auf.
Das Lokal wird geschlossen.

Die neuen Besitzer, Dietmar Holzapfel und Josef Sattler, bauen die Immobilie behutsam um.
Das „Badehaus“ der „Deutschen Eiche“, eine der schönsten und größten Schwulensaunen der Welt, kann eröffnet werden.

Münchens Kreisverwaltungsreferent Hans-Peter Uhl lässt eine Woche vor der Eröffnung der „Schwulensauna“ eine andere schließen.
Auch sein Vorgänger Peter Gauweiler wollte die „Münchner Homo-Szene“ ausmerzen.

Ab 1995

Fall * In den 1970er Jahren beginnenden Diskussionen über den zu erwartenden Klimawandel führen ab dem Jahr 1995 zu Nachrüstungen des Sylvensteinspeichers. Zur zusätzlichen Hochwasserentlastung wird der Damm um weitere drei Meter erhöht. 

28. Oktober 1995

Garching-Hochbrück * Die U-Bahn-Erweiterungsstrecke der U 6 nach Garching-Hochbrück geht in Betrieb. Erstmals überschreitet die U-Bahn die Stadtgrenze. 

Dezember 1995

München-Maxvorstadt - München-Schwabing * Das „Siegestor“ wird bis März 1999 generalsaniert.


1996

1996

München-Isarvorstadt * Alle Hotelzimmer der „Deutschen Eiche“ in der Reichenbachstraße 13 werden aufwändig renoviert.

27. Januar 1996

Berlin * Bundespräsident Roman Herzog ernennt den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“

1. April 1996

Harare - München * Die in Simbabwe gelegene Stadt Harare geht eine Städtepartnerschaft mit München ein. 

13. September 1996

München-Berg am Laim * Auf dem 80.000 Quadratmeter umfassenden ehemaligen Pfanni-Gelände an der Grafinger-/Ecke Friedensstraße öffnet der Kunstpark Ost seine Tore. Nach nur kurzer Zeit gilt der Kunstpark als Europas größter Partyzone.

In über dreißig Clubs, Hallen und Kneipen steht der Jugend der Stadt und des Umlands ein Areal für Konzerte, aber auch zum Feiern und Partymachen zur Verfügung. Die Initiative für das Münchner Vergnügungsviertel ging von dem Hallenmogul Wolfgang Nöth aus. 

1. November 1996

München * Die Ladenöffnungszeiten werden erneut gelockert. Während der Woche darf jetzt zwischen 6.00 und 20.00 Uhr, am Samstag bis 16.00 Uhr geöffnet werden. Der „lange Donnerstag“ entfällt.


1997

1997

München * München hat 1.216.500 Einwohner. 

1997

München-Thalkirchen * Das „Kraftwerk Süd“ wird aus wirtschaftlichen Gründen abgestellt.

1997

München-Isarvorstadt * Das „Badehaus“ der „Deutschen Eiche“ wird erweitert.

Auf vier Etagen und 1.400 Quadratmeter finden sich eine finnische Sauna, Salzsauna, Whirlpool, ein großes Dampfbad, Duschbereich, Massageräume, Solarium, Dachgarten, Wintergarten, TV-Räume, Einzel- und Exklusivkabinen und ein gemütlicher Bewirtungsbereich.

Im Keller geht es zur Sache. Es gibt „Darkrooms“, in denen sich Paarungswillige vergnügen können.

In einer Ecke gibt es eine Wand mit Löchern, sogenannte „glory holes“, für „Oralverkehr“ - und vieles mehr.

24. Februar 1997

München-Graggenau * In der Rathaus-Galerie wird die „Wehrmachtsausstellung“ eröffnet. 90.000 Münchnerinnen und Münchner werden die Ausstellung besuchen.

Peter Gauweiler, der Münchner CSU-Vorsitzende, verschickt an alle Münchner Haushalte einen Brief, in dem er schreibt: „Den Ausstellern wird vorgeworfen, dass sie deutsche Soldaten [...] generell herabwürdigen und faktisch auf eine Stufe mit Kriegsverbrechern stellen.
[...] Eine pauschale Verurteilung ist ein Schlag von Millionen Familien, die im Krieg ihren Vater, Bruder, Sohn oder Ehemann verloren haben und eine späte absichtsvolle Demütigung zahlloser Männer, die ehrenhaft gekämpft hatten.“
  

Statt an der Eröffnungsfeier der „Wehrmachtsausstellung“ teilzunehmen, legt Peter Gauweiler mit Gleichgesinnten am Grabmal des Unbekannten Soldaten im Hofgarten einen Kranz nieder. 

Oktober 1997

Berlin * Das Berliner „Kulturkaufhaus Dussmann“ umgeht mit der „Prokuristenregel“ das „Ladenschlussgesetz“.

„Leitende Angestellte“ dürfen in der Hauptstadt auch außerhalb der gesetzlichen Öffnungszeiten arbeiten. Dussmann hat fortan wochentags bis 22.00 Uhr sowie an sechs Sonntagen im Jahr geöffnet.

9. November 1997

München-Giesing * Eröffnung der südlichen U-Bahn-Streckenverlängerung der U 1 zum Mangfallplatz. 


1998

1998

München * Das neue „Abfallkonzept“ räumt der „Verwertung wertvoller Stoffe“ Vorrang ein.

Zur Durchsetzung dieser Ziele wird bis September 1989 das „Amt für Abfallwirtschaft“ eingerichtet.

1998

München-Isarvorstadt * Das Restaurant der „Deutschen Eiche“ erhält ein neues Aussehen.

Die Küche wird erweitert und auf den neuesten technischen Stand gebracht.

1998

Berlin * Der aus Bayern stammende Bundespräsident Roman Herzog stellt mit dem Bild „Laptop und Lederhose" die Verbindung von Tradition und Moderne her.

Das Zitat wird seither inflationär verwendet.

20. Februar 1998

München * Im Freistaat Bayern wird die Todesstrafe abgeschafft. Bis dahin heißt es im Artikel 47 der Bayerischen Verfassung: „Der Vollzug der Todesstrafe bedarf der Bestätigung  der Staatsregierung.“  Zum Glück hat das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland die Todesstrafe bereits im Jahr 1949 beseitigt. 

4. Mai 1998

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Der sogenannte „Kranzgeldparagraph“ wird gestrichen. Als „Kranzgeld“ bezeichnet man bis dahin eine finanzielle Entschädigung, die eine Frau von ihrem ehemaligen Verlobten fordern kann, wenn sie auf Grund eines Eheversprechens ihre Jungfräulichkeit verloren hat, und er anschließend das Verlöbnis löst. Gleiches gilt übrigens auch für neuverlobte Witwen.

23. Mai 1998

München * Eröffnung der nördlichen U-Bahn-Streckenverlängerung der U 1 zum Waldfriedhof. 

Juli 1998

München-Isarvorstadt * Das wiederentdeckte alte „Klenze-Denkmal“ wird mit Spenden der „Deutschen Eiche“  in der Reichenbachstraße 13 aufgestellt.

27. September 1998

Bundesrepublik Deutschland - Bonn * Bei der Wahl zum 14. Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Helmut Kohl 35,1 Prozent [- 6,3] und 245 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder erringt 40,9 Prozent der Stimmen [+ 4,5] und 298 Sitze.
  • Die FDP bekommt 6,2 Prozent [- 0,7] und 43 Sitze.
  • Bündnis 90/DIE GRÜNEN kommen auf 6,7 Prozent der abgegebenen Stimmen [- 0,6].
  • Die PDS erkämpft 5,1 Prozent der Stimmen [+ 0,7] und mit 36 Abgeordneten in den Deutschen Bundestag ein.

Gerhard Schröder wird Bundeskanzler einer Koalition bestehend aus SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN. 


1999

1999

München * Das „Amt für Abfallwirtschaft“, die „Zentrale der städtischen Abfallentsorgung“, zieht zum Georg-Brauchle-Ring um.

1999

München-Isarvorstadt * Das Hotel „Deutsche Eiche“ erhält „3 Sterne“.

1999

München * Die „CSU-Stadtratsfraktion“ fordert die Errichtung eines Denkmals für die „Wiederaufbau-Generation“ in München. 

29. Mai 1999

München * Die U-Bahn-Streckenverlängerung der U 2 zum Bahnhof Messestadt Ost geht in Betrieb. 

Juli 1999

Berlin * Der Berliner „Kaufhof am Alexanderplatz“ deklariert sein Angebot komplett als „Berliner Souvenirs“, die gesetzlich auch außerhalb der Ladenöffnungszeiten verkauft werden dürfen.

Mit diesem Trick er seine Verkaufsräume am Samstag und am Sonntag geöffnet.

Juli 1999

München * Das „3-Tonnen-System“ wird flächendeckend eingeführt.

11. August 1999

München * Um 12:37 Uhr erlebt München eine totale Sonnenfinsternis, liebevoll SOFI genannt. Die Menschen betrachten das Schauspiel mit speziell hergestellten Brillen. 


2000

2000

München-Lehel * Die evangelische „Lukaskirche“ erregt die Gemüter, als sich aus einer großen Rosette Steine lösen und auf einen Spielplatz fallen.  

Zum Glück passiert nichts, außer dass endlich mit der dringend notwendigen Sanierung begonnen wird.

3. September 2000

Rom-Vatikan * Papst Johannes Paul II. spricht Johannes XXIII. selig. 


2002

2002

München * München hat 1.234.692 Einwohner. 

Januar 2002

München * Das „Amt für Abfallwirtschaft“ wird ein städtischer Eigenbetrieb und heißt jetzt „Abfallwirtschaftsbetrieb München“.

22. September 2002

Bundesrepublik Deutschland - Berlin • Bei der Wahl zum 15. Bundestag erhält

  • die SPD mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Gerhard Schröder 38,5 Prozent [- 2,4] und 251 Sitze.
  • Die CDU/CSU mit ihrem Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber erringt ebenfalls 38,5 Prozent der Stimmen [+ 3,4] und 248 Sitze.  
  • Die FDP bekommt 7,4 Prozent [+ 1,2] und 47 Sitze.
  • Bündnis 90/DIE GRÜNEN kommen auf 8,6 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 1,9].
  • Die PDS erkämpft 4,0 Prozent der Stimmen [- 1,1] und zieht - durch die direkt gewonnenen Berliner Wahlkreise - lediglich mit zwei Abgeordneten in den Deutschen Bundestag ein.

Gerhard Schröder wird Bundeskanzler einer Koalition bestehend aus SPD und Bündnis 90/DIE GRÜNEN. 

9. Oktober 2002

Bundesrepublik Deutschland - Berlin * Das amtliche Endergebnis der Bundestagswahl 2002 wird bekannt gegeben. SPD und Bündnis 90/ DIE GRÜNEN können zusammen 577.000 mehr Wähler als CDU/CSU und FDP für sich gewinnen. 

12. November 2002

München-Maxvorstadt * Der inzwischen stark beschädigte Zinksarg - der 1854 verstorbenen und 1857 in die Sankt-Bonifazius-Kirche überführten Königin Therese - wird aus der Gruft geholt und in einen eigens angefertigten Marmorsarkophag an der Rückseite des Königsgrabes abgestellt. 


2003

2003

München * In der Städtischen Verwaltung wird über die Aufstellung eines „Trümmerfrauen-Denkmals“ beraten.

Die Mehrheit lehnt dieses Vorhaben mit nachstehender Begründung ab: 

„Die im Antrag genannten Trümmerfrauen gab es in München nicht. Herangezogen wurden in der Regel arbeitsfähige Männer. Dabei ist besonders zu beachten, dass man die Trümmerbeseitigung direkt nach dem Krieg vor allem ehemaligen Nationalsozialisten als Sühneleistung auferlegt hat“

1. Juni 2003

München * Die Ladenöffnungszeiten werden nochmals verlängert. Auch an Samstagen können Geschäfte nun bis 20.00 Uhr öffnen. Die Gesamtstundenzahl der Ladenöffnungszeiten pro Woche hat sich damit seit dem 28. November 1956 von 63,5 auf 84 Stunden erhöht.

16. Juni 2003

München-Graggenau * Stadtrat Siegfried Benker forderte im Namen der Fraktion der GRÜNEN in einem Antrag, sich mit der Kolonalgeschichte in den Münchner Straßennamen und dem Umang mit diesem Erbe verstärkt zu befassen: 

  • Dem Stadtrat wird dargestellt, welche Straßennamen nach Personen, Ereignissen und Orten aus der Geschichte der ehemaligen deutschen Kolonien benannt sind.
  • Dem Stadtrat wird ein Vorschlag unterbreitet, wie mit diesem Kolonialerbe umgegangen werden soll.

Die Diskussion drehte sich im Vorfeld um die Von-Trotha-Straße, die Von-Gravenreuth-Straße, die Dominikstraße und die Wißmannstraße.

1. August 2003

München * Der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion, Hans Podiuk, selbst Bewohner des Kolonialviertels, entrüstet sich über den Antrag auf mögliche Straßenumbenennungen: „Ich persönlich kann keine Verherrlichung von Kolonialverbrechen erkennen, wenn Straßen nach Orten oder Personen aus der Kolonialzeit benannt sind“

21. September 2003

Freistaat Bayern - München • Nach der Auszählung der Landtagswahl gehören dem Bayerischen Landtag in dieser 15. Legislaturperiode 180 Mitglieder an. Bei der Wahl zum 15. Bayerischen Landtag erhält

  • die CSU mit ihrem amtierenden Ministerpräsidenten Edmund Stoiber 60,7 Prozent [+ 7,8] und 124 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kandidaten Franz Maget erringt 19,6 Prozent der Stimmen [- 9,1] und 41 Sitze.
  • DIE GRÜNEN kommen auf 7,7 Prozent der Wählerstimmen [+ 2,0] und 15 Sitze.

Edmund Stoiber wird erneut Bayerischer Ministerpräsident und kann mit seiner CSU-Alleinregierung mit einer Zweidrittel-Mehrheit regieren. 

25. September 2003

München * Mit den Stimmen der SPD und der GRÜNEN beschließt der Stadtrat, dass 29 Straßennamen gutachterlich überprüft werden, die einen unmittelbaren Zusammenhang mit der Kolonialzeit haben. 

Noch am gleichen Tag spricht die CSU von einem „Entkolonisierungs-Feldzug“ und davon, dass „es überhaupt keine Notwendigkeit gibt [...] die Straßenumbenennungen aus der Kolonialzeit [...] intensiver zu durchleuchten“

2. Oktober 2003

München * Dieter Hildebrandt ist nach 145 Sendungen letztmals Gastgeber in der Satiresendung Scheibenwischer. 

4. November 2003

Karlsruhe * Vor dem Bundesverfassungsgericht wird nach einer Klage der Kaufhof AG erstmals über die Ladenöffnungszeiten verhandelt. Die Warenhauskette will das Verkaufsverbot an Werktagen nach 20.00 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen beseitigen.


2004

9. Juni 2004

Karlsruhe * Das Bundesverfassungsgericht bestätigt das grundsätzliche Verbot der Ladenöffnung an Sonn- und Feiertagen.

20. September 2004

München-Graggenau * Carl von Pilotys Monumentalgemälde „Allegorie Monachia“ im Großen Rathaussaal wird wieder eingeweiht. Das überdimensionierte Bild entstand 1879 und misst 15,30 mal 4,60 Meter. Es zeigt 128 Personen der Münchner Stadtgeschichte, unter deutlicher Vernachlässigung des Wittelsbacher Herrscherhauses. Das Bild ruhte viele Jahre im Depot. 

1. Dezember 2004

München-Oberwiesenfeld * Das Rock Museum Munich auf dem Fernsehturm wird eröffnet. Es ist im Aussichtskorb des Olympiaturms untergebracht und liegt auf ungefähr 180 Metern Höhe. Damit ist es das weltweit höchstgelegene „Rock-Museum der Welt“. Betrieben wird das Rock Museum Munich von Herbert Hauke und Arno Frank Eser. 


2005

2005

München * Durch die Zuwanderung von Juden aus der ehemaligen Sowjetunion erhöht sich die Zahl der Gemeindemitglieder auf 9.000. Die Münchner Gemeinde gilt als „sehr orthodoxe, wenn nicht die orthodoxeste Gemeinde in Deutschland“

2005

München-Graggenau * Während der Restaurierung des „Cuvilliès-Theaters“ ergießen sich aus einem alten Rohr ganze Fluten in das Theater. 

2005

München-Isarvorstadt * Die Hotelzimmer in der „Deutschen Eiche“ werden renoviert und modernisiert.

2005

Rom-Vatikan * Der alte „VW Golf“ von Joseph Ratzinger wird im Jahr seiner „Papstwahl“ um 189.000 € nach Amerika verkauft.  

Das „Heilige Blechle“ ist damit aber noch lange keine „Reliquie“.  
Dazu müsste Benedikt XVI. erst gestorben und zumindestens zum „Seligen“ erklärt worden sein. 

2. April 2005<p><strong><em>Rom-Vatikan</em></strong> * Papst Joannes Paul II. stirbt im Vatikan.&nbsp;Dieser Papst hat während seiner Amtszeit alleine 482 Personen <em>„zur Ehre der Altäre“</em> in den Heiligenstand erhoben.&nbsp;So viele wie kein anderer Papst in den vergangenen 500 Jahren vor ihm.&nbsp;</p> <p>Mit seiner eigenen Heiligsprechung am 27. April 2014 ist die Zahl der seit 1594 in den&nbsp;Heiligenstand erhobenen&nbsp;auf 839 angestiegen.&nbsp;</p>
4. Mai 2005

München * Eröffnung des U-Bahnhofs am Fröttmaninger Stadion. 

18. September 2005

Bundesrepublik Deutschland - Berlin * Bei der Wahl zum 16. Bundestag erhält

  • die SPD mit ihrem amtierenden Bundeskanzler Gerhard Schröder 34,2 Prozent [- 4,3] und 222 Sitze.
  • Die CDU/CSU mit ihrer Kanzlerkandidatin Angela Merkel erringt 35,2 Prozent der Stimmen [- 3,3] und 226 Sitze.
  • Die FDP bekommt 9,8 Prozent [+ 2,4] und 61 Sitze.
  • Bündnis 90/DIE GRÜNEN kommen auf 8,6 Prozent der abgegebenen Stimmen [- 0,5] und 51 Sitze.
  • Die PDS erkämpft 8,7 Prozent der Stimmen [+ 4,7] und zieht mit 54 Abgeordneten in den Deutschen Bundestag ein.

Angelika Merkel wird Bundeskanzlerin in einer Großen Koalition bestehend aus CDU/CSU und SPD. 

8. Dezember 2005

München - München-Trudering * Nach einer erbitterten Redeschlacht beschließt der Kommunalausschuss die Umbenennung der Von-Trotha-Straße in Hererostraße. Die anderen drei strittigen Straßen werden ausgenommen.

Doch alle 29 Straßenbenennungen mit kolonialgeschichtlichem Hintergrund werden mit gedenkenden und erläuternden Schildern zur Namensherkunft versehen. 


2006

24. April 2006

Würzburg * Die Deutsche Bischofskonferenz stellt in einer Erklärung fest, dass der Austritt aus der katholischen Kirche den Tatbestand des Schismas darstellt und die Strafe der Exkommunikation nach sich zieht. 

26. Juni 2006

Spitzingsee * Der „Problembär“ Bruno wird in der Nähe der Rotwand im Spitzingseegebiet erschossen.

12. August 2006

München-Isarvorstadt * Dietmar Holzapfel, der Wirt der Deutschen Eiche nimmt mit einem provokant-politischen Wagen am Christopher-Steet-Day teil. Mit seinem Papa-Mobil sorgt er dabei für einen Skandal.

1. September 2006

Berlin * Mit der Föderalismusreform gehen die Zuständigkeiten für den Ladenschluss geht auf die Bundesländer über.

5. Oktober 2006

München-Graggenau - München-Trudering * Die Vollversammlung des Münchner Stadtrats beschließt die Umbenennung der Von-Throta-Straße in Hererostraße. 

14. Oktober 2006

Garching * Die Untertunnelung Garchings zur Verlängerung des Streckenabschnitts der U 6 bis zum Forschungszentrum ist abgeschlossen. 

9. November 2006

München-Angerviertel * Die neue Hauptsynagoge der Israelitischen Kultusgemeinde am Jakobsplatz wird eingeweiht. 

17. November 2006

Berlin * Als erstes Bundesland kippt Berlin den Ladenschluss an Werktagen komplett. Geschäfte können von Montag bis Samstag rund um die Uhr öffnen. Zudem dürfen die Läden auch an den Adventssonntagen und bis zu sechs weiteren Sonntagen öffnen. Das benachbarte Brandenburg, aber auch andere Bundesländer ziehen nach.


2007

2007

München * München hat 1.348.650 Einwohner. 

2007

München-Maxvorstadt * Das „Mahnmal“ für die „Opfer der Sinti und Roma“ auf dem „Platz der Opfer des Nationalsozialismus“ wird erneuert und erhöht.

??? 2007

München-Graggenau * Der „Ältestenrat“ beschäftigt sich abschließend mit der Erstellung eines „Trümmerfrauen-Denkmals“ und befindet, dass es den Begriff der „Trümmerfrauen“ in München nie gegeben hat. 

Einzig die CSU äußert sich positiv zum neuen Denkmal. 

Fraktionschef und Oberbürgermeisterkandidat Josef Schmid sieht die Argumente gegen ein Denkmal als nicht schwerwiegend genug an: „Natürlich wollen wir keine Nationalsozialisten ehren“, so Schmid. „Doch es gibt keine Kollektivschuld des deutschen Volkes, und die Aufbauarbeit der Zivilbevölkerung muss gewürdigt werden“.  

9. Januar 2007

USA * Apple-Gründer Steve Jobs stellt das iPhone vor und startet damit den Siegeszug der Smartphones. 

29. Juni 2007

USA * Das iPhone wird erstmals verkauft.

11. Juli 2007

München-Waldtrudering * Das Verwaltungsgericht München weist die Klagen des damaligen Truderinger Bezirksausschuss-Vorsitzenden und weiterer Anwohner zur Umbenennung der Von-Throta-Straße in Hererostraße endgültig ab. 

9. November 2007

München-Waldtrudering * Das Baureferat entfernt die alten Straßenschilder „Von-Trotha-Straße“ und bringt dafür die Neuen mit der Bezeichnung „Hererostraße“ an. Sie werden noch einige Zeit beschädigt und beschmiert. 

22. November 2007

München-Graggenau * Die Volkssänger-Ausstellung im Nordturm des Valentin-Karlstadt-Musäums wird eröffnet. 


2008

24. Juli 2008

München-Graggenau * Mit einem Festakt im Innenhof des Isartors wird das völlig neu gestaltete Valentin-Karlstadt-Musäum eröffnet. 

28. September 2008

Freistaat Bayern * Bei der Wahl zum 16. Bayerischen Landtag 

  • stürzt die CSU mit ihrem amtierenden Bayerischen Ministerpräsidenten Günter Beckstein auf 43,4 Prozent [- 17,3] ab und verliert nicht nur 32 Abgeordnetenmandate [jetzt 92], sondern auch die seit 1962 ununterbrochen erreichte absolute Mehrheit der Landtagsmandate. 
  • Die SPD mit ihrem Kandidaten Franz Maget erringt 18,6 Prozent der Stimmen [- 1,0] und 39 Sitze das bisher schlechteste Ergebnis seit 1946.
  • Die FDP bekommt 8,0 Prozent [+ 5,4] und 16 Sitze und kommen nach 14 Jahren Abwesenheit im bayerischen Parlament wieder zurück.
  • Erstmals ziehen die Freien Wähler mit 10,2 Prozent der Stimmen [+ 6,2] und 21 Sitzen in den Bayerischen Landtag ein. 
  • DIE GRÜNEN kommen auf 9,4 Prozent der Wählerstimmen [+ 1,7] und 19 Sitze. 
27. Oktober 2008

München * Horst Seehofer wird vom Bayerischen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt. 

Dezember 2008

München * Der „Ältestenrat“ des Münchner Stadtrats spricht sich einstimmig für eine würdigere Gestaltung des „Platzes der Opfer des Nationalsozialismus“ aus. 

Es besteht Einvernehmen darüber, dass dieser Ort die zentrale Gedenkstätte bleiben müsse. 


2009

2009

München * München hat 1.364.194 Einwohner. 

2009

Freistaat Bayern * Mit der „Photovoltaik“ werden in Bayern 3.900 Megawatt Strom produziert. 

2009

München-Graggenau * 8.000 Liter Wasser ergießen sich nach einer Vorstellung im „Cuvilliès-Theater“ über Beleuchtungskörper, die Tonanlage und die Bühnenmaschinerie sowie die elektronischen Schaltschränke. 

19. Juni 2009

München * Der Schauspieler, Regisseur und Kabarettist Jörg Hube stirbt im Alter von 65 Jahren in München. 

25. Juni 2009

Los Angeles * Der Sänger, Songwriter und Tänzer Michael Jackson stirbt in Los Angeles an einer akuten Vergiftung durch das Narkosemittel Propofol, das er wegen seiner Schlaflosigkeit verschrieben bekam. 

27. September 2009

Berlin * Bei der Wahl zum 17. Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrer amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel 33,8 Prozent [- 1,4] und 239 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier erringt 23,0 Prozent der Stimmen [- 11,2] und 146 Sitze.
  • Die FDP bekommt 14,5 Prozent [+ 4,7] und 93 Sitze.
  • Bündnis 90/DIE GRÜNEN kommen auf 10,7 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 2,6] und 68 Sitze.
  • Die PDS erkämpft 11,9 Prozent der Stimmen [+ 3,2] und zieht mit 76 Abgeordneten in den Deutschen Bundestag ein.

Angelika Merkel wird Bundeskanzlerin einer Koalition bestehend aus CDU/CSU und FPD. 

1. Dezember 2009

Karlsruhe * Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe untersagt die Freigabe der Adventsonntage zur Öffnung der Einzelhandelsgeschäfte in Berlin. „Die 2006 getroffene Regelung verletzt das Recht der Kirchen auf Religionsfreiheit“, heißt es in der Urteilsbegründung.


2010

März 2010

München-Maxvorstadt * Dem Stadtrat wird ein Konzept über die Neugestaltung des „Platzes der Opfer des Nationalsozialismus“ vorgestellt.

Eine zusammenhängende Platzfläche soll ein ungestörtes, zur Besinnung anregendes Verweilen ermöglichen.
Den Schwerpunkt des Platzes bildet eine nahezu quadratische Fläche, in deren Zentrum das bestehende Denkmal neu platziert wird.
Durch zusätzliche Inschriften werden das Gedenken an alle Opfergruppen sowie der Hinweis auf den örtlichen Bezug zur „Gestapo-Zentrale“ und dem künftigen „NS-Dokumentationszentrum“ stärker hervorgehoben.

11. Oktober 2010

München-Moosach * Der Streckenabschnitt der U 3 bis Moosach geht in Betrieb. Erstmals in der Geschichte der Münchner U-Bahn wird an keinem neuen Streckenabschnitt gebaut. 


2011

2011

Bundesrepublik Deutschland * Der Anteil der Christen an der Bevölkerung in Deutschland sinkt innerhalb von fünf Jahren um drei Prozent.

  • Die evangelischen Kirchenmitglieder sinken in diesem Zeitraum um gut zwei Millionen auf 23,6 Millionen.
  • Die Zahl der Katholiken sinkt um gut 1,5 Millionen auf 24,5 Millionen.
  • Von rund 80 Millionen Bewohnern Deutschlands sind nur mehr 48,1 Millionen christlichen Glaubens. Das sind sechzig Prozent.
2011

München * München ist die am dichtesten besiedelte Großstadt Deutschlands. In der mit 1,4 Millionen Menschen bundesweit drittgrößten Stadt leben 4.340 Einwohner auf dem Quadratkilometer.

1. Mai 2011

Rom-Vatikan * Papst Benedikt XVI. spricht seinen Vorgänger, Papst Johannes Paul II., selig. 

22. November 2011

Salzburg • Der Dichter, Komponist und Sänger Georg Franz Kreisler stirbt im Alter von 89 Jahren in Salzburg. 


2012

2012

Freistaat Bayern * In Bayern erzeugen 4.220 „Wasserkraftanlagen“ 12.500 Gigawattstunden Strom. 

Damit werden 15 Prozent des bayerischen Stromverbrauchs gedeckt.
In 93 Prozent der bayerischen Flüsse sind Anlagen zur Stromgewinnung eingebaut. 

11. Dezember 2012

München-Graggenau * Der Historische Verein von Oberbayern feiert im Saal des Alten Rauhauses sein 175. Jubiläum.


2013

2013

Freistaat Bayern * Mit der „Photovoltaik“ werden in Bayern mehr als 10.000 Megawatt Strom erzeugt. 

Zum Vergleich: das „Kernkraftwerk Isar 2“ hat eine Leistung von 1.485 Megawatt. 

2013

München * 177 „Falschparker“ behindern die Weiterfahrt der Straßenbahn. 

7. Februar 2013

Mount Hagen * In Mount Hagen in Papua Neu-Guinea wird die zwanzigjährige Leniata Kepari bei lebendigem Leib als „Hexe“ verbrannt.  

Die junge Frau soll einen Knaben verhext haben.  
Der Sechsjährige hat zuvor über Schmerzen in Magen und Brust geklagt und ist daraufhin in das Krankenhaus gebracht worden.  
Am nächsten Tag stirbt er.  

Die Männer ziehen die mutmaßliche „Hexe“ aus, foltern sie mit einer erhitzten Eisenstange, fesseln sie und übergießen sie mit Benzin.  
Danach wird Kepari Leniata ins Feuer geworfen.  

Sie verbrennt bei lebendigem Leib.  
Bilder zeigen sie unter einem brennenden Lkw-Reifen, der offenbar noch auf sie geschmissen wurde.
Sie selbst ist Mutter eines acht Monate alten Mädchens.  

Polizisten und Feuerwehrleute schreiten nicht ein.  
Angeblich lässt die Meute ihr Einschreiten nicht zu. 

März 2013

München * Bald werden 75 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, wobei in Deutschland München mit 4.516 Einwohnern pro Quadratkilometer an der Spitze steht.

Zum Vergleich: Es folgen Berlin mit 3.899, Herne mit  3.205, Stuttgart mit 2.925 und Oberhausen mit 2.762 Einwohnern pro Quadratkilometer.
Herne und Oberhausen schrumpfen zurzeit allerdings. 

Manila, die Hauptstadt der Philippinen bringt es auf mehr als 43.000 Menschen pro Quadratkilometer.

Die dichtbesiedelte europäische Stadt ist Levallois-Perret bei Paris mit 26.000 Einwohnern auf dem Quadratkilometer.
Immerhin fast dreimal so viel wie in New York mit etwas mehr als 10.000 Einwohnern pro Quadratkilometer.

8. Mai 2013

München-Graggenau * Am Marstallplatz wird ein schulterhoher Gedenkstein für die „Trümmerfrauen und der Aufbaugeneration“ aufgestellt. Das Denkmal ist stark umstritten, weil nach den Recherchen des Stadtarchivs der klassische Trümmerfrauen-Mythos in München nicht zu halten ist.

Nachdem die Stadt die Anträge auf Errichtung eines „Trümmerfrauen-Denkmals“ mehrfach abgelehnt hat, wendet sich der der CSU nahestehende Verein „Dank und Gedenken der Aufbaugeneration, insbesondere der Trümmerfrauen e.V.“ an den CSU-geführten Freistaat Bayern, der ein Plätzchen zur Verfügung stellt. 

30. Juni 2013

München-Graggenau * Die Confiserie Rottenhöfer Café Hag in der Residenzstraße 26 schließt seine Pforten. 

September 2013<p><em><strong>Welt</strong></em> * Die Internationale Arbeitsorganisation der Vereinten Nationen - ILO nennt Zahlen über Kinderarbeit. Darin wird berichtet, dass&nbsp;</p> <ul> <li>168 Millionen Kinder unter 17 Jahren arbeiten müssen,&nbsp;</li> <li>davon 85 Millionen unter ausbeuterischen Bedingungen.&nbsp;</li> <li>73 Millionen sind jünger als 11 Jahre.</li> </ul> <p>Im Jahr 2013 leben auf der Welt 7,16 Milliarden Menschen.&nbsp;</p>
September 2013

München-Graggenau * Die Stadt München kauft nach 18 Jahren das von dem Künstler Bruno Wank geschaffene Werk „Argumente“ zu einem „aus Datenschutzgründen“ nicht genannten Preis. 

Die Kunstinstallation aus Bronzesteinen erinnert in der Viscardigasse an jene Münchner, die zwischen 1933 und 1945 den „Hitlergruß“ vor der „Feldherrnhalle“ nicht leisten wollten und deshalb über die Viscardigasse ausgewichen sind. 

September 2013

München-Graggenau * Das „Trümmerfrauen-Denkmal“ am Marstallplatz wird vom Münchner CSU-Vorsitzenden Ludwig Spaenle und kirchlichen Würdenträgern eingeweiht. 

15. September 2013

Freistaat Bayern - München * Nach der Auszählung der Landtagswahl gehören dem Bayerischen Landtag in dieser 17. Legislaturperiode 180 Mitglieder an.

Bei der Wahl zum 17. Bayerischen Landtag erreicht

  • die CSU mit ihrem amtierenden Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer 47,7 Prozent [+ 4,3] und 101 Sitze. Damit erreicht sie wieder die absolute Mehrheit.
  • Die SPD mit ihrem Kandidaten Christian Ude erringt 20,6 Prozent der Stimmen [+ 2,0] und 42 Sitze.
  • Die Freien Wähler erhalten 9,0 Prozent der Stimmen [-1,2] und 19 Sitze.
  • DIE GRÜNEN kommen auf 8,6 Prozent der Wählerstimmen [- 0,8] und 18 Sitze.
  • Die FDP fliegt mit 3,3 Prozent (- 4,7 Prozent) aus dem Bayerischen Landtag.

Horst Seehofer wird erneut Bayerischer Ministerpräsident und kann mit einer CSU-Alleinregierung arbeiten. 

22. September 2013

Bundesrepublik Deutschland - Berlin • Bei der Wahl zum 18. Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrer amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel 41,5 Prozent [+ 7,7] und 311 Sitze.
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück erringt 25,7 Prozent der Stimmen [+ 2,7] und 193 Sitze.
  • Die FDP bekommt 4,8 Prozent [- 9,8] und scheitert damit an der Fünf-Prozent-Hürde.
  • Bündnis 90/DIE GRÜNEN kommen auf 8,4 Prozent der abgegebenen Stimmen [- 2,3] und 63 Sitze.
  • Die PDS erkämpft 8,6 Prozent der Stimmen [- 3,3] und zieht mit 64 Abgeordneten in den Deutschen Bundestag ein.

Angelika Merkel wird Bundeskanzlerin einer Großen Koalition bestehend aus CDU/CSU und SPD. 

20. November 2013

München * Der Kabarettist Dieter Hildebrandt stirbt in München. 

31. Dezember 2013

Freistaat Bayern * Bayerns Königsschlösser sind wahre Publikumsmagneten.

  • Ewige Nummer Eins ist Schloss Neuschwanstein mit 1,5 Millionen Besuchern [+ 8,2 Prozent],
  • Schloss Linderhof besichtigen immerhin noch 426.400,
  • Schloss Herrenchiemsee 377.300,
  • Schloss Nymphenburg immerhin noch 273.500 und
  • die Münchner Residenz 264.100 Menschen. 
31. Dezember 2013

München * 526.000 Mal haben arabische Touristen in Münchner Hotels übernachtet. Das ist eine Steigerung von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vermögende Großfamilien reservieren ganze Etagen teurer Luxushotels.

Die zahlungskräftigen Münchenbesucher machen nicht nur Urlaub, sondern auch Geschäfte und lassen ihr Geld in den Luxusboutiquen. Ein arabischer Tourist gibt pro Tag zwischen 500 und 1.000 Euro aus.Beliebt sind arabische Selbstzahler auch bei Fachärzten und Schönheits-Chirurgen. 


2014

2014

München * 197 Falschparker, zwanzig mehr als im Vorjahr, verhindern die Weiterfahrt der Straßenbahn. 

27. Januar 2014

München-Maxvorstadt * Der neu gestaltete Platz der Opfer des Nationalsozialismus wird der Öffentlichkeit übergeben. Der Platz wurde seit 2012 für 3,9 Millionen Euro umgestaltet und ergänzt.

  • Bäume schirmen den Platz jetzt besser vom Verkehr ab, der Parkplatz wurde verkleinert und die Säule mit der Ewigen Flamme ist in den Mittelpunkt gerückt worden.
  • Eine 18,5 Meter lange und 1,3 Meter hohe Bronzetafel erinnert nun an die verschiedenen Opfergruppen.
  • Ein Bronzeband im Boden weist auf den Standort der früheren Gestapo-Zentrale und zum NS-Dokumentationszentrum hin. 
12. Februar 2014

München-Graggenau * Vermutlich die Pink Panthers, die erfolgreichste Diebesbande der Welt, überfällt gegen 11 Uhr das Juweliergeschäft Chopard in der Maximilianstraße 11. Der Überfall dauert nur Sekunden. Die Räuber zertrümmern mit einer Stoff umwickelten Axt die versperrte Eingangstüre, bedrohen den Sicherheitsmann mit einem Schraubenzieher, schlagen vier Vitrinen ein und erbeuten hauptsächlich Uhren und Schmuck von noch unbekanntem Wert. Anschließend flüchten die fünf Männer zu Fuß in verschiedene Richtungen.

Die Räuber haben aber nicht mit den Münchnern gerechnet, die sofort die Verfolgung aufnehmen und über ständigem Handy-Kontakt mit der Einsatzzentrale der Polizei kommunizieren. Nur knapp 20 Minuten später werden vier Jugendliche in der Nähe des Viktualienmarktes festgenommen. Dem fünften Täter gelingt scheinbar die Flucht. Die Polizei nimmt zusätzlich zwei Serben fest. 

Die Räuber sind noch halbe Kinder: ein 14-jähriger Ukrainer und drei 15 und 16 Jahre alte Moldawier, dazu die 27 und 32 Jahre alten Serben. Ob die Tat wirklich den Pink Panthers zugeordnet werden kann, ist unter den gegebenen Umständen fraglich. 

10. März 2014<p><strong><em>München</em></strong> * Prozessbeginn gegen den Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden des FC Bayern München, Uli Hoeneß.&nbsp;Die Anklage lautet auf Steuerhinterziehung&nbsp;in Höhe von 3,5 Millionen Euro.&nbsp;Zu Prozessbeginn gesteht Uli Hoeneß, dass nicht nur 3,5 Millionen, sondern 18,5 Millionen Euro Steuern hinterzogen habe.&nbsp;Er begründet dieses Geständnis damit, dass er einen reinen Tisch machen möchte, <em>„ohne Wenn und Aber“</em>.</p>
12. März 2014

München-Graggenau * Der Stadtrat beschließt die Errichtung einer Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt. 

13. März 2014<p><strong><em>München</em></strong> * Die Steuerschuld&nbsp;des Bayern-Präsidenten&nbsp;Uli Hoeneß hat sich um weitere 1,26 Millionen Euro erhöht. Der Solidaritätszuschlag&nbsp;muss noch einberechnet werden. Die Summe kann noch weiter steigen, weil sie von den Steuerfahndern bisher nur überschlägig berechnet worden ist.&nbsp;</p> <p>Das Landgericht München II&nbsp;verurteilt Uli Hoeneß wegen Steuerhinterziehung&nbsp;in Höhe von 28,46 Millionen Euro zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren.&nbsp;Die Staatsanwaltschaft&nbsp;hat fünfeinhalb Jahre Haft gefordert.&nbsp;Die Anwälte des FC-Bayern-Präsidenten&nbsp;kündigen umgehend Revision&nbsp;beim Bundesgerichtshof&nbsp;in Karlsruhe an.&nbsp;Bis das Urteil rechtskräftig ist, bleibt Uli Hoeneß auf freiem Fuß.</p>
13. März 2014<p><strong><em>München</em></strong> * Sepp Krätz handelt mi dem Landgericht München I&nbsp;einen Deal aus. Vor Gericht gibt der Wiesnwirt Steuerverkürzungen&nbsp;zu. So hat er in seinem Wiesnzelt Hippodrom&nbsp;rund 988.000 Euro und in seinem Innenstadtlokal Andechser am Dom&nbsp;etwa 115.000 € Steuern hinterzogen. Im Gegenzug sichert ihm das Gericht eine Freiheitsstrafe von eineinalb bis maximal zwei Jahren auf Bewährung zu.&nbsp;Der Prozess geht weiter.</p> <p>Für den Erfolgsgastronomen Krätz kann das - durch die Entziehung der Schankkonzession&nbsp;durch das Kreisverwaltungsreferat - dennoch das Aus als Wiesnwirt, für die Genehmigung zum Frühlingsfest&nbsp;und für die Schankkonzession im Andechser am Dom&nbsp;bedeuten.</p>
16. März 2014<p><strong><em>München</em></strong> * Bei der Wahl zum Oberbürgermeister treten erstmals zwölf Kandidaten gegeneinander an.</p> <p>Dieter Reiter [SPD] erhält 40,4 Prozent, Josef Schmid [CSU] kommt auf 36,7 Prozent.&nbsp;Sabine Nallinger von den GRÜNEN kommt auf 14,7 Prozent der Stimmen. Die Entscheidung unter den beiden Erstplatzierten fällt nun bei der Stichwahl&nbsp;am 30. März.</p> <ul> <li>Bei der Wahl zum Stadtrat&nbsp;erhält die CSU 32,6 Prozent [+ 4,9] und 26 [+ 3] Sitze.</li> <li>Die SPD erringt 30,8 Prozent der Stimmen [- 8,9] und 25 [- 8] Sitze.</li> <li>Die GRÜNEN kommen auf 16,6 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 3,6] und 13 Sitze [+ 2].</li> </ul> <p>Weiter sind bei Kommunalwahl in München 14 Parteien angetreten:</p> <ul> <li>Die FDP erhält 3,4 Prozent [- 3,4] und 3 Stadtratsmandate [- 2], &nbsp;</li> <li>die Freien Wähler bekommen 2,7 Prozent [+ 1,1] und 2 Stadtratsmandate [+ 2], &nbsp;</li> <li>die AfD&nbsp;kommt auf 2,5 Prozent [+ 2,5] und 2 Stadtratsmandate [+ 2],&nbsp;</li> <li>die ÖDP erreicht 2,5 Prozent [+ 0,8] und 2 Stadtratsmandate [+ 1], &nbsp;</li> <li>die Linke bekommt 2,4 Prozent [- 1,3] und 2 Stadtratsmandate [- 1], &nbsp;</li> <li>die Rosa Liste&nbsp;kommt auf 1,9 Prozent [+/- 0] und ein Stadtratsmandat, &nbsp;</li> <li>die Partei Hut&nbsp;erklimmt 1,3 Prozent [+ 1,3] und ein Stadtratsmandat [+ 1], &nbsp;</li> <li>die Piraten&nbsp;erhalten 1,2 Prozent [+ 1,2] und ein Stadtratsmandat [+ 1], &nbsp;</li> <li>die Bayernpartei - BP&nbsp;bekommt 0,9 Prozent [- 0,7] und ein Stadtratsmandat, &nbsp;</li> <li>die rechtsradikale Bürgerinitiative Ausländerstopp - BIA&nbsp;kommt auf immerhin 0,7 Prozent [- 0,7] und erhält ein Stadtratsmandat, &nbsp;</li> <li>die islamfeindliche Partei Die Freiheit&nbsp;kommt auf 0,6 Prozent [+ 0,6], bekommt aber keinen Platz im Münchner Stadtrat.</li> </ul> <p>Damit ist das seit 1990 bestehende Rot-Grüne Bündnis gescheitert.</p> <p>Auch bei der Wahl zum&nbsp;Bezirksausschuss&nbsp;verliert die SPD massiv.&nbsp;</p> <ul> <li>Nur noch in 9 von 25 Gremien ist die SPD stärkste Fraktion (Bisher: 21).&nbsp;</li> <li>Die CSU wird in 13 Stadtbezirken stärkste Kraft (Bisher: 4)&nbsp;</li> <li>​Die GRÜNEN werden stärkste Fraktion in Au/Haidhausen, in der Ludwigsvorsadt-Isarvostadt und in der Maxvorstadt.&nbsp;</li> </ul>
17. März 2014

München * Nachdem auch die Staatsanwalt verzichtet Rechtsmittel beim Bundesgerichtshof einzulegen, ist das Urteil gegen den Ex-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß rechtskräftig. 

30. März 2014<p><strong><em>München</em></strong> * Bei der Stichwahl&nbsp;der Oberbürgermeisterkandidaten erhält</p> <ul> <li>Dieter Reiter [SPD] 56,7&nbsp;Prozent.&nbsp;</li> <li>Sein Kontrahent Josef Schmid [CSU] kommt auf 43,3&nbsp;Prozent der Stimmen.</li> </ul> <p>Gewählter Oberbürgermeister der Landeshauptstadt&nbsp;München ist damit Dieter Reiter.&nbsp;</p>
8. April 2014

München * Nachdem das Bayerische Innenministerium im Herbst 2013 die Badeverordnung hat auslaufen lassen, endet in Bayern auch der darin enthaltene „Zwang zur Badekleidung“. Das Münchner Kreisverwaltungsreferat will das Nacktbaden in der Stadt auf insgesamt fünf Bereiche festschreiben. Das sind jene Orte, an denen der hüllenlose Bade- und Sonnengenuss auch bisher schon erlaubt war und deren Adressen sich seit Jahren in diversen Reiseführern wiederfinden.  

Gerade die Nackerten im Englischen Garten sind - vor allem bei Besuchern aus Ländern, in denen solche textilfreien Zonen als „unsittlich“ gelten - eine bekannte Touristenattraktion. Und das sind die künftigen Nackerten-Paradiese:

  • Im Englischen Garten auf der Schönfeldwiese hinterm Haus der Kunst, innerhalb des Ovals der Reitbahn. Die sogenannte „Poebene“
  • In der Schwabinger Bucht, zwischen Sulzbrücke und Alte-Heide-Steg im nördlichen Teil des Englischen Gartens.
  • Am Ostufer der Isarinsel Oberföhring.
  • Bei Maria Einsiedel im westlichen Hochwasserbett der Isar.
  • An der Brudermühlbrücke im östlichen Hochwasserbett der Isar bis hinauf zur Braunauer Eisenbahnbrücke. 
  • Am Südufer des Feldmochinger Sees dürfen die Münchner auch künftig auf ihre Badekleidung verzichten. 
  • Und selbst am Flaucher, dem Nacktbadestrand Nummer Eins, an dem bisher - sehr zur Verwunderung der Stadtpolitiker - Textilzwang bestand, dürfen jetzt offiziell die letzten Hüllen fallen. 
9. April 2014

München-Maxvorstadt * Die bisher für den 9. November 2014 vorgesehene Eröffnung des NS-Dokumenationszentrum als Lern- und Erinnerungsort muss auf den 30. April 2015 verschoben werden. 

14. April 2014<p><strong><em>München-Theresienwiese</em></strong> * Ex-Wiesnwirt Sepp Krätz zieht seinen eigenen Antrag auf Gestattung für das Frühlingsfest&nbsp;zurück.&nbsp;Statt ihm sollen seine Ehefrau Tina Krätz und seine Schwester Johanna Barsy das Hippodrom&nbsp;betreiben. Das Kreisverwaltungsreferat - KVR&nbsp;stimmt dem Antrag zu.</p> <p>Ob Sepp Krätz seine Schankkonzession&nbsp;und damit seine Zukunft als Wirt des Andechser am Dom&nbsp;weiter behalten kann, entscheidet das KVR nach Ostern. Erst Anfang Mai will das Landratsamt&nbsp;über die Zukunft seiner Konzession als Wirt der Waldwirtschaft&nbsp;in Großhesselohe entscheiden.&nbsp;</p>
25. April 2014

München-Theresienwiese * Beim Frühlingsfest auf der Theresienwiese wird das Hippodrom nicht mehr vom Ex-Wiesnwirt Sepp Krätz, sondern von dessen Ehefrau Tina Krätz und seiner Schwester Johanna Barsy betrieben. Die beiden Damen stehen inzwischen auch an der Spitze der Hippodrom Oktoberfest OHG

27. April 2014

Rom-Vatikan * Papst Franziskus spricht zwei Päpste heilig.

Papst Johannes XXIII. und Papst Johannes Paul II. werden unter den 839 Heiligen aufgenommen, die seit 1594 formal anerkannt sind. Sie gelten als Vorbilder eines christlich geführten Lebens und dürfen von den Katholiken in Gebeten angerufen werden. 

30. April 2014

München-Graggenau * Oberbürgermeister Christian Ude verabschiedet sich an seinem letzten Arbeitstag auf dem Marienplatz von den Münchnerinnen und Münchnern. 

1. Mai 2014

München-Graggenau * Seinen ersten Arbeitstag beginnt der neue Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter auf der Kundgebung des DGB auf dem Marienplatz. Weil er im Zusammenhang mit den städtischen Kliniken auch von Personalabbau spricht, erntet er bei den anwesenden Gewerkschaftern Buh-Rufe und Pfiffe.  

Ob er sich jetzt den Schlegel zur Hand herbei gewünscht hat, dem ihm zuvor seine Mitarbeiter - verbunden mit dem Wunsch für einen „guten Start und einer glücklichen Hand - auch beim Anzapfen“ - geschenkt haben, ist nicht bekannt. 

2. Mai 2014

München * Der neugewählte Stadtrat konstituiert sich.  

6. Mai 2014

München * Ex-Wiesnwirt Sepp Krätz klagt gegen den Entzug seiner Schanklizenz zum 1. Juni für den Andechser am Dom gegen das Kreisverwaltungsreferat. Sepp Krätz‘ Rechtsbeistand ist Peter Gauweiler. 

19. Mai 2014

München * Der Ex-Wiesnwirt Sepp Krätz hat vor dem Verwaltungsgericht einen Etappensieg errungen und darf seinen Andechser am Dom über den 1. Juni hinaus gemeinsam mit seiner Tochter betreiben. Mit dem juristischen Sieg hat Krätz den Sofortvollzug ausgehebelt. Bis zu einem abschließenden rechtskräftigen Urteil wird es noch Monate dauern. 

20. Mai 2014

München * Das Kreisverwaltungsreferat legt beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof Beschwerde ein, nachdem das Verwaltungsgericht in einem Eilverfahren entschieden hat, dass der Andechser am Dom des Ex-Wiesnwirts  Sepp Krätz bis zum abschließenden Urteil über den Entzug der Konzession geöffnet bleiben darf. Doch das könnte Jahre dauern.  

Damit, so das Kreisverwaltungsreferat, würde das Gaststättenrecht „zum stumpfen Schwert“ gemacht. 

21. Mai 2014

München-Maxvorstadt * Im Eingangsbereich des Justizgebäudes an der Prielmayersteaße 5 wird eine Gedenktafel für jüdische Juristen angebracht, die in der Zeit des nationalsozialistischen Unrechtsregimes zwangsweise aus dem Justizdienst entfernt worden sind. 

1. Juli 2014

München-Graggenau * Die Süddeutsche Zeitung berichtet über einen sensationellen Fund im Apothekenhof der Münchner Residenz. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um das fast unversehrte Grab einer 40- bis 60-jährigen Frau, die nach ihrem Tod an anderer Stelle verbrannt und im späteren Apothekenhof beigesetzt wurde.  

Die Archäologen fanden einen stattlichen Scherbenhaufen an Feinkeramik, die zum Teil kunstvoll mit in den Ton geritzten Schraffuren, Bändern und Zickzack-Mustern. Auch verschiedene Bronzeutensilien haben die Forscher entdeckt, darunter zwei Vasenknopfnadeln. Die Ur-Münchnerin hat vor mehr als 3.000 Jahren in der späten Bronzezeit (1350 bis 1200 vor Christi) nahe der Isar und ihren Seitenarmen gelebt. Nach der wissenschaftlichen Auswertung sollen die schönsten Fundstücke in der Residenz ausgestellt werden. 

13. Juli 2014

Rio de Janairo * Mario Götze schießt in der Verlängerung der offiziellen Spielzeit das einzige Tor des Spieles gegen die Argentinische Nationalmannschaft. Damit ist die deutsche Fußballmannschaft Weltmeister

20. Juli 2014

München * Mit einem „Big Jump“ demonstrieren Münchnerinnen und Münchner für die Aufhebung des innerstädtischen Badeverbots.  

31. Juli 2014

München-Theresienwiese * Auf der Theresienwiese sollte im Juni 2015 ein Kamelrennen stattfinden. Auf einem 1,8 Kilometer langen Sand-Rundkurs sollen die bis zu 70 Stundenkilometer schnellen Renn-Dromedare erstmals außerhalb der Arabischen Halbinsel gegeneinander antreten. Die bis zu zehn Millionen Dollar teueren Kamele werden mit Spezialflugzeugen nach München gebracht.  

Als Jockeys wurden bis vor kurzem - wegen dem geringen Gewicht - Kinder eingesetzt, die ihren Familien in Asien abgekauft wurden. Diese viel kritisierte Praxis haben die Golfstaaten inzwischen aufgrund der Interventionen der Unicef eingestellt. Die Kinder wurden von teueren Computern ersetzt, die ihre Peitschen ferngesteuert schwingen. Gelenkt werden diese von den Kamelbesitzern, die neben der Dromedar-Rennbahn mit ihren Off-Road-Pick-Ups fahren. Auch hier sollen sich spektakuläre Duelle abspielen. 

Von dem Kamelrennen werden die Münchner nichts mehr hören. 

4. August 2014

München * Der neue „Familienreport“ des „Bayerischen Sozialministeriums“ zeigt, dass sich die Zahl der „unehelich geborenen Kinder“ seit den 1990er Jahren verdreifacht hat.  

Außerordentlich hohe uneheliche Geburtsraten zeigen die ost- und nordbayerischen Randregionen auf.  
Anders gesagt: Je christlicher die Bevölkerung, desto höher die Zahl der „unehelich geborenen Kinder“

8. September 2014

München * Die Frau und die Kinder von dem in der Strafvollzugsanstalt Landsberg wegen Steuerhinterziehung zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe einsitzenden Ex-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß geben seinen Bayerischen Verdienstorden persönlich bei Ministerpräsident Horst Seehofer zurück.  

Die Bayerische Staatskanzlei soll Hoeneß zu diesem Schritt bedrängt haben. Es sei ein ungeschriebenes Gesetz, dass zu einer Strafe ohne Bewährung Verurteilte den Orden zurückgeben müssen. Der Bayerische Verdienstorden wurde Uli Hoeneß im Jahr 2002 verliehen. 

22. Dezember 2014<p><strong><em>München-Graggenau</em></strong> * Auf dem Max-Joseph-Platz demonstrieren nach Polizeiangaben mindestens 12.000, nach Aussagen der Veranstalter um 20.000 Münchner für Humanität, Respekt und Vielfalt&nbsp;und gegen die fremdenfeindlichen und rechtsextremen Parolen der PEGIDA-Bewegung&nbsp;[=&nbsp;Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes].</p> <p>Organisiert hat die Veranstaltung die Initiative Bellevue di Monaco&nbsp;um Till Hofmann, Alex Rühle, Matthias Weinzierl und andere.&nbsp;Auf der Bühne stehen Künstler wie Konstantin Wecker, die Sportfreunde Stiller, Koflgschroa, Ami Warning, The Notwist&nbsp;sowie die Kabarettisten Christian Springer, Max Uthoff, Claus von Wagner, Michael Mittermeier, Georg Ringsgwandl und andere.</p> <p>Dieter Reiter kommt in seiner Funktion als Münchner Oberbürgermeister. In seiner Ansprache sagt er: <em>„Die Teilnahme an einer Demonstration ist eine bewusste Entscheidung und damit tragen die Teilnehmer auch eine Verantwortung. &nbsp;Aus dieser Verantwortung dürfen wir die Teilnehmer der Pegida-Demonstrationen nicht entlassen“</em>.</p> <p>Am Ende der Demonstration singen Tausende Ludwig van Beethovens <em>„Ode an die Freude“</em>.&nbsp;Die Hymne des Abends heißt <em>„Freude schöner Götterfunke“</em>.</p>
31. Dezember 2014

München * In der Zusammenstellung der städtischen Zuschüsse, die der Münchner Stadtkämmerer Ernst Wolowicz jedes Jahr veröffentlicht, werden die Subventionen im Kultur-, Unterhaltungs- und Bildungsbereich deutlich.  

  • Das Stadtmuseum wird pro Besucher mit 106,55 Euro unterstützt,  
  • die Münchner Philharmoniker erhalten pro Zuhörer 97,13 Euro,  
  • das Volkstheater kriegt für jeden Zuschauer 77,67 Euro,  
  • in der Stadtbibliothek wird jedes ausgeliehene Buch mit 2,99 Euro bezuschusst,  
  • nur der Tierpark Hellabrunn sorgt 2014 für ein positives Ergebnis. Die Eisbär-Babies führten zu einem enormen Besucheranstieg von 1,7 auf 2,12 Millionen. Damit überstiegen die Einnahmen die Ausgaben. Trotzdem wird jede Eintrittskarte mit 93 Cent subventioniert. 

2015

2015

München * Die Zahl der „Falschparker“, die die Weiterfahrt der Straßenbahn verhindern, hat sich auf 160 [2014: 197] reduziert.  

Die „Münchner Verkehrsgesellschaft - MVG“ führt den Rückgang auf das warme Wetter zurück.
„Bei Schneefall wären es erfahrungsgemäß noch einige mehr gewesen“.  

Durch den sich schnell bildenden „Trambahn-Stau“ sind oft Hunderte Fahrgäste betroffen.  
Das Abschleppen der Fahrzeuge wird beschleunigt. 

30. April 2015<p><strong><em>München-Maxvorstadt</em></strong> * Das NS-Dokumentationszentrum&nbsp;an der Brienner Straße wird als Lern- und Erinnerungsort&nbsp;eröffnet. An diesem Tag jährt sich die <em>„Befreiung Münchens“</em> vom NS-Terror durch die US-Streitkräfte zum 70. Mal.&nbsp;</p>
8. Mai 2015

München * Amelia Meyer wird als eineinhalbmillionste Einwohnerin Münchens geboren.  

Der millionste Einwohner Thomas Seehaus wurde 1957 geboren. Innerhalb von 58 Jahren erhöhte sich die Einwohnerzahl um 500.000 Menschen. Das Wachstum ist ähnlich wie zwischen 1850 und 1910. 

16. Dezember 2015

München-Graggenau * Der bayerische Finanz- und Heimatminister Markus Söder eröffnet im Vierschäftesaal der Münchner Residenz eine zeitlich befristete Ausstellung von Bronzeskulpturen aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert. Es handelt sich dabei um Bronze-Skulpturen, die durch Kopien ersetzt und danach aufwändig restauriert worden sind. 

Die Ausstellung ist bis zum 14. Februar 2016 für die Öffentlichkeit zu besichtigen. Danach können die Werke im Bronzesaal nur noch geladene Gäste und Teilnehmer gelegentlich stattfindender öffentlicher Führungen erleben.  


2016

15. Februar 2016

München-Graggenau * Die zeitlich befristete Ausstellung von Bronzeskulpturen aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert im Vierschäftesaal der Münchner Residenz wird wieder geschlossen. Nun können die Werke im Bronzesaal nur noch geladene Gäste und Teilnehmer gelegentlich stattfindender öffentlicher Führungen erlebt werden. 

31. Oktober 2016

München * Der Stadtratsbeschluss, der das Füttern von Tauben im Stadtgebiet verbietet, läuft nach 20 Jahren aus. 

25. November 2016

München * Uli Hoeneß wird neun Monate nach seiner Haftentlassung erneut zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. 


2017

2017<p><strong><em>München - Welt</em></strong> *&nbsp;Endlich gibt es Klarheit über die richtige Schreibweise <em>„Wiesn“</em> oder <em>„Wies‘n“</em> als Synonym von <em>„Oktoberfest“</em>. Die richtige und offizielle Schreibweise ist seither <em>„Wiesn“</em> und wird in die digitale Version des Duden aufgenommen.</p> <p>Diese weltbewegende Aktion hat der Münchner Radiosender Gong 96.3 initiiert, die beim bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und dem Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter Unterstützung fand.</p>
18. Mai 2017

München-Graggenau - München-Berg am Laim * Die Entscheidung über den Architekten-Wettbewerb für den neuen Konzertsaal im Werksviertel ist für diesen Termin vorgesehen. Aufgrund des juristischen Verfahrens, das der Architekt Stephan Braunfels eingeleitet hat, wird die Entscheidung erst Ende Oktober - Anfang November 2017 fallen. 

30. Juni 2017<p><strong><em>Berlin</em></strong> * Der Bundestag beschließt mit großer Mehrheit die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe.&nbsp;</p>
14. Juli 2017<p><em><strong>Tierpark Hellabrunn</strong></em> * Mit dem ersten Spatenstich beginnen die Arbeiten für das im künftigen <em>Parkteil Europa</em> des <em>Tierparks Hellabrunn</em> gelegene <em>Mühlendorf</em>.&nbsp;</p>
6. September 2017

München-Oberwiesenfeld * Die Gedenkstätte für die Opfer des Olympia-Attentats wird auf dem Lindenhügel im Münchner Olympiapark eröffnet. 

24. September 2017

Bundesrepublik Deutschland - Berlin * Bei der Wahl zum 19. Bundestag erhält

  • die CDU/CSU mit ihrer amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel 32,9 Prozent [- 8,6] und 240 Sitze [- 71].
  • Die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Schulz erringt 20,8 Prozent der Stimmen [- 4,9] und 152 Sitze [- 41].
  • „Bündnis 90/DIE GRÜNEN“ kommen auf 9,0 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 0,6] und 66 Sitze [+ 3].
  • Die FDP bekommt 10,4 Prozent [+ 5,6] und erreicht damit 76 Sitze.
  • Die Linke erkämpft ebenfalls 9,0 Prozent der Stimmen [+ 0,4] und zieht mit 66 Abgeordneten [+ 2] in den Deutschen Bundestag ein.
  • Der große Siegerin der Bundestagswahl ist die Alternative für Deutschland - AfD mit 13,0 Prozent [+ 8,3] und 95 Sitzen.  

Angelika Merkel wird Bundeskanzlerin einer Koalition bestehend aus CDU/CSU und SPD. 

24. September 2017

Freistaat Bayern - München * Bei der Wahl zum 19. Bundestag erhält

  • die CSU in Bayern lediglich 38,8 Prozent der Stimmen [- 10,5].
  • Die SPD kommt gerade einmal auf 20,0 Prozent [- 4,7],
  • die Grünen erhalten 9,8 Prozent [+ 1,2],
  • die Linke erreicht 6,1 Prozent [+ 2,3],
  • die FDP kann 10,2 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen [+ 5,1].
  • Auch im Freistaat ist die Alternative für Deutschland - AfD die große Gewinnerin, mit 12,4 Prozent der Stimmen, was einem Plus von 8,1 Prozent entspricht.
27. September 2017

Saudi Arabien * Ein Dekret von König Salman von Saudi Arabien schafft die notwendigen praktischen Voraussetzungen, um ab Juni 2018 als letztes Land der Welt den Frauen das Autofahren zu erlauben.

Aktivistinnen kämpften seit 1990 für diese Errungenschaft und mussten oft einen hohen Preis dafür zahlen: Beispielsweise eine Gefängnisstrafe von 73 Tagen. 

14. Oktober 2017

München-Isarvorstadt * Das Gärtnerplatz-Theater wird mit einer Eröffnungsgala nach fünfjähriger Sanierung wieder in Betrieb genommen. 

16. Dezember 2017

Nürnberg * Auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg wählen die Delegierten Markus Söder zum designierten Ministerpräsidenten. 


2018

6. Februar 2018

München * München ist wieder einmal mit weitem Abstand Deutschlands Stauhauptstadt. 51 Stunden im Jahr verbringt der Münchner im Stau. Im internationalen Vergleich steht München auf Platz 76 von 1.360. 

16. März 2018<p><em><strong>München-Haidhausen</strong></em> * Die aus der CSU bestehende Mehrheit der Abgeordneten des Bayerischen Landtags wählt Markus Söder zum Ministerpräsidenten.&nbsp;</p>
24. April 2018

München - Freistaat Bayern * Die bayerische Staatsregierung beschließt, dass im Eingangsbereich von Dienstgebäuden künftig Kreuze - als Symbol „unserer bayerischen Identität und Lebensart“ aufgehängt werden sollen. 

4. Mai 2018

München * Mit seiner Aussage: „Ich sehe keine Veranlassung, die städtischen Regelungen hierzu zu verändern“, erteilt Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter der Empfehlung des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, im Eingangsbereich künftig Kreuze aufzuhängen, eine deutliche Abfuhr. 

1. Juni 2018

Freistaat Bayern * In jedem Dienstgebäude des Freistaats Bayern muss ein Kreuz angebracht werden. Das löst Proteste und deutschlandweit eine kontroverse Diskussion aus. Selbst Vertreter der christlichen Kirchen widersprechen dem Beschluss. Auch deshalb, weil Ministerpräsident Markus Söder erklärt: „Das Kreuz ist nicht ein Zeichen einer Religion.“ Im Kreuz spiegle sich vielmehr „unsere bayerische Identität und Lebensart“. 

24. Juni 2018

Saudi Arabien * Saudi Arabien erlaubt als letztes Land der Welt den Frauen das Autofahren. Dazu mussten seit September 2017 die notwendigen praktischen Voraussetzungen geschaffen werden - etwa um Fahrlehrerinnen einzustellen und Verkehrspolizisten im Umgang mit Frauen im Straßenverkehr zu schulen.

Von einer Gleichberechtigung von Mann und Frau ist das Land jedoch noch weit entfernt. 

15. September 2018

München * Das Bayerische Oberlandesgericht - BayObLG, das im Jahr 2006 vom damaligen Ministerpräsident Edmund Stoiber aufgelöst worden war, wird wieder gegründet. 

14. Oktober 2018

Freistaat Bayern - München * Nach der Auszählung der Landtagswahl gehören dem Bayerischen Landtag in dieser 18. Legislaturperiode 205 Mitglieder an. Bei der Wahl zum 18. Bayerischen Landtag erreicht

  • die CSU mit ihrem amtierenden Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder 37,2 Prozent [- 10,5 %] und 85 Sitze [- 16]. Das ist das schlechteste Wahlergebnis der CSU seit 1950.
  • Die GRÜNEN kommen auf 17,6 Prozent der Wählerstimmen [+ 9,0 %] und 38 Parlamentssitze [+ 20], davon 6 Direktmandate.
  • Die Freien Wähler erhalten 11,6 Prozent der Stimmen [+ 2,6] und 27 Mandate [+ 8].
  • Die AfD bekommt 10,2 Prozent der Wählerstimmen [+ 10,2] und 22 Sitze [+ 22] und zieht erstmals in den Bayerischen Landtag ein.
  • Die SPD erringt 9,7 Prozent der Stimmen [- 11,0] und 22 Landtags-Mandate [- 20]. Das ist das schlechteste Landtagswahlergebnis der SPD seit 1893.
  • Die FDP erringt 5,1 Prozent der Wählerstimmen [+1,8] und 11 Mandate [+ 11] und kann damit wieder in den Landtag einziehen.

Die Wahlbeteiligung liegt bei 72,3 Prozent, so hoch, wie seit 1982 nicht mehr.

Markus Söder wird Bayerischer Ministerpräsident und kann mit einer Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählern arbeiten. 


2019

23. Juni 2019

München * Mehrere Männer eines Sicherheitsdienstes haben barbusige Frauen am Isarufer zwischen Wittelsbacherbrücke und Reichenbachbrücke angesprochen und sie an das Nacktbadeverbot erinnert, das mit einigen Ausnahmen überall in der Landeshauptstadt gilt, obwohl der Wachdienst angewiesen worden war, das textilfreie Baden an der Isar auch außerhalb der FKK-Zonen nicht von sich aus zu verfolgen.

Die Badeverordnung verlangt etwas unpräzise: „Wer öffentlich badet, muss im Stadtgebiet der Landeshauptstadt München Badekleidung tragen“. Der Stadtrat muss sich nun in seiner Sitzung am 26. Juni damit beschäftigen, wie viel Nacktheit München verträgt und was unter „nackt“ überhaupt zu verstehen sei. 

26. Juni 2019

München * Die CSU-Stadtratsfraktion stellt einen Dringlichkeitsantrag für die Vollversammlung des Stadtrats in dem es heißt: „Die Badekleidungssatzung der Landeshauptstadt München wird dahingehend geändert, dass Badebekleidung im Sinne dieser Satzung die primären Geschlechtsorgane vollständig bedecken muss.“ Damit ist geklärt, was „nackt“ ist. 

2. Juli 2019

München * Der Stadtrat beschäftigt sich mit der Detailplanung für das neue König-Ludwig-Zwo-Denkmal auf dem Isarbalkon der Corneliusbrücke. Damit geht ein Herzens-Projekt des Deutsche-Eiche-Wirts Dietmar Holzapfel endlich in Erfüllung.

23. September 2019

München-Theresienwiese • Das Varietétheater Schichtl feiert seinen 150. Geburtstag. Zum Empfang kommt die gesamte Stadtspitze zum Schausteller Manfred Schauer auf die Wiesn. 

18. Dezember 2019

München-Graggenau * Der Münchner Stadtrat beschließt den Klimanotstand und will schon bis zum Jahr 2035 klimaneutral werden. 


2020

2020<p><em><strong>München - Welt</strong></em> * Das Wort <em>„Wiesn“</em> als richtige Schreibweise für das Synonym <em>„Oktoberfest“</em>&nbsp;&nbsp;findet nun auch in die 28. Auflage der gedruckten Version des Rechtschreibwörterbuches Duden seinen Niederschlag.</p>
6. März 2020

Freistaat Bayern • Das bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege gibt ein in allen Apotheken aufgelegtes Merkblatt heraus, in dem auf die Gefahren der Corona-Pandemie hingewiesen wird. 

9. März 2020

Freistaat Bayern • Größere Versammlungen werden wegen der heraufziehenden Corona-Pandemie verboten. 

10. März 2020

München - Freistaat Bayern • Der Generalsekretär der CSU verbietet alle Parteiversammlungen. 

15. März 2020

Freistaat Bayern • Im Freistaat Bayern finden die Kommunalratswahlen trotz der heraufziehenden Corona-Pandemie statt. Da Wahlhelfer reihenweise absagen, werden Lehrer (Beamte) per Anordnung für diese Tätigkeit zwangsverpflichtet. 

21. April 2020

München • Das Oktoberfest 2020 wird wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Der Inzidenzwert liegt bei 34,2. 

26. Juli 2020

München * Der Münchner Alt-Oberbürgermeister und spätere Bau- und Justizminister sowie SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel stirbt im Alter von 94 Jahren in München.  

19. September 2020

München-Theresienwiese • Das Oktoberfest 2020 fällt nach der Entscheidung vom 21. April 2020 aus. Der Inzidenzwert liegt in München inzwischen bei über 50. 

12. Oktober 2020

München • Der Corona-Sieben-Tage-Inzidenzwert [= Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen] liegt in München erstmals über 50. 

20. Dezember 2020

München • Der Corona-Sieben-Tage-Inzidenzwert erreicht in München mit 300,7 seinen vorläufigen Höchstwert. 


2021

4. Februar 2021

München • Die Corona-Sieben-Tage-Inzidenz [= Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen] liegt in München bei 48,0. Sie liegt damit wieder auf dem Stand vom 12. Oktober 2020. Das sind 10 Tage bis wann der landesweite Lockdown begrenzt ist. Lockerungen wird es laut Oberbürgermeister Dieter Reiter deshalb nicht geben.

Der bayernweite Corona-Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt bei 83,1, in Deutschland bei 80,7. 

7. März 2021

München • Der Corona-Sieben-Tage-Inzidenzwert [= Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen] liegt in München erneut über 50, bei exakt 52,1. 

31. März 2021<p><em><strong>München</strong></em> • Der Corona-Sieben-Tage-Inzidenzwert [= Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen] liegt</p> <ul> <li>in München erneut über 100, bei exakt 100,2.&nbsp;</li> <li>Der bayernweite Corona-Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt bei 137,</li> <li>in Deutschland bei 132.&nbsp;</li> </ul>
3. Mai 2021

München • Das Oktoberfest 2021 wird wegen der Corona-Pandemie zum zweiten Mal abgesagt. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert sinkt zwar seit Tagen, liegt aber immer noch bei 126,4. 

5. Mai 2021

München * Der Corona-Sieben-Tage-Inzidenzwert für München sinkt auf 99,0 ab. Damit ist der Wert wieder auf dem Stand vor dem 31. März 2021. 

6. Mai 2021

München-Maxvorstadt * In Erinnerung an die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 hat der Künstler Arnold Dreyblatt auf dem Königsplatz ein Mahnmal errichtet. Es trägt den Titel „The Blacklist / Die Schwarze Liste“.  

Das am historischen Ort in den Boden eingelassene Mahnmal zeigt Werke von 310 Autor*innen, die im NS-Regime geächtet wurden. Dreyblatt wählte jeweils die letzte Veröffentlichung der Autor*innen bis einschließlich 1933. 

18. Mai 2021

München * Verwirrung um den Münchner Inzidenzwert: Am Morgen meldet das Robert-Koch-Institut, dass der Wert in der Stadt auf 46,2 gesunken sei. Am Vormittag wird die Zahl dann aber nach oben korrigiert, Gründe dafür aber nicht genannt.

19. Mai 2021

München * Die Sieben-Tage-Inzidenz in der bayerischen Landeshauptstadt ist erneut unter den Schwellenwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gesunken. Das Robert-Koch-Institut meldet an diesem Tag eine Inzidenz von 47,3.

27. Mai 2021

München • Der Sieben-Tage-Inzidenz-Wert sinkt in München mit 34,9 erstmals wieder unter 35. 

27. Mai 2021

Berlin • Deutschland bekennt sich nach über 110 Jahren zu dem Völkermord an den Herero und Nama. Das Deutsche Reich war von 1884 bis 1915 Kolonialmacht im heutigen Namibia. Bei der Niederschlagung von Aufständen durch die deutsche Schutztruppe zwischen 1904 und 1908 wurden etwa 65.000 von 80.000 Herero und mindestens 10.000 von 20.000 Nama getötet. 

30. Mai 2021

Bundesrepublik Deutschland * In allen deutschen Bundesländern ist der Sieben-Tage-Inzidenzwert auf unter 50 gerutscht, nachdem auch Thüringen mit 47,5 unter dieser Marke liegt.

  • Bundesweit liegt der Wert bei 35,2.
  • München hat - trotz leichten Anstiegs - die Marke von 30,7 erreicht. 
9. Juni 2021

München * Die durch Corona bedingte Maskenpflicht in der Innenstadt und am Viktualienmarkt wird aufgehoben. 

22. Juni 2021

München • Der Sieben-Tage-Inzidenzwert sinkt in München auf 9,8. Im Vergleich: BRD: 7,2; Bayern: 9,92. 

29. Juni 2021

München * Nur eine Woche liegt der Sieben-Tage-Inzidenzwert für München unter der Marke von 10,0. Am 29. Juni steigt er wieder auf 10,6 an. 

28. Juli 2021

München * Der Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt für die bayerische Landeshauptstadt wieder bei 25,7. Tendenz steigend! 

26. September 2021

Freistaat Bayern * Bei der Wahl im Freistaat Bayern zum 20. Bundestag erhält

  • die CSU als bayerisches Anhängsel der Union erhält im Freistaat immerhin 31,7 Prozent [-7,1]. Das sind allerdings bundesweit lediglich 5,2 Prozent. Unabhängig von den Direktmandaten schrammt die bayerische Splitterpartei knapp am Scheitern an der Fünf-Prozent-Hürde vorbei. 
  • Die SPD erringt 18,0 Prozent der Stimmen [+ 2,7].
  • Bündnis 90/Die Grünen kommen auf 14,1 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 4,3].
  • Die FDP bekommt 10,5 Prozent [+ 0,4].
  • Die Alternative für Deutschland - AfD erhält 9,0 Prozent [-3,4].
  • Die Linke erkämpft ebenfalls 2,8 Prozent der Stimmen [- 3,3].

Bis auf ein Direktmandat im Freistaat Bayern entfallen die anderen 45 auf die CSU. Die Ausnahme ist die 28-jährige Jamila Schäfer, die das Direktmandat in München-Süd gewinnt. 

26. September 2021

München * Bei der Wahl in München zum 20. Bundestag erhält

  • das Bündnis 90/Die Grünen 26,1 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 8,9].
  • die CSU 23,8 Prozent [- 6,2].
  • Die SPD wird Drittklassig und erringt 19,0 Prozent der Stimmen [+ 2,8].
  • Die FDP bekommt 13,7 Prozent [- 0,5].
  • Die Alternative für Deutschland - AfD erhält 4,5 Prozent [- 3,8].
  • Die Linke erkämpft lediglich 4,1 Prozent der Stimmen [- 4,2].

Insgesamt 14 Münchnerinnen und Münchner ziehen in den neuen Bundestag ein. CSU: 3 Direktmandate, GRÜNE: 3, davon 1 Direktmandat, SPD: 2, FDP: 3, AfD: 2, Linke: 1

26. September 2021

Bundesrepublik Deutschland - Berlin * Bei der Wahl zum 20. Bundestag erhält

  • die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Olaf Scholz erringt 25,7 Prozent der Stimmen [+ 5,2] und 206 Sitze. 
  • CDU/CSU mit Armin Laschet als Kanzlerkandidat kommen auf 24,1 Prozent [- 8,9] und 196 Sitze.
  • Bündnis 90/Die Grünen erhalten mit ihrer Kanzlerkandidatin Analena Baerbock 14,8 Prozent der abgegebenen Stimmen [+ 5,9] und 118 Sitze.
  • Die FDP bekommt 11,5 Prozent [+ 0,8] und erreicht damit 92 Sitze.
  • Der Alternative für Deutschland - AfD erhält 10,3 Prozent [-2,3] und 83 Sitze.
  • Die Linke erkämpft lediglich 4,9 Prozent der Stimmen [-4,3] und zieht aufgrund von Überhang- und Direktmandaten mit 39 Abgeordneten in den Deutschen Bundestag ein.
  • Der Südschleswigsche Wählerverband - SSW erhält 1 Mandat.

Der Anteil der Frauen bei den Abgeordneten beträgt 35 Prozent. Die Fraktionen von CDU/CSU, FDP und AfD stellen sich als besonders männerlastig dar. 

21. Oktober 2021

München-Moosach * Am Westfriedhof wird in München erstmals ein Verstorbener allein im Tuch zur ewigen Ruhe gebettet. Damit das nach den Regeln des Ritus und der hygienischen Verordnungen klappt, übt das Münchner Friedhofspersonal seit Monaten den selbst konzipierten Ablauf mit einer 1,75 Meter großen und 80 Kilo schweren Puppe.


2022

25. März 2022<p><strong><em>München-Berg-am-Laim</em></strong> * Ministerpräsident Markus Söder (CSU) rückt vom geplanten Konzerthaus im Werksviertel ab. Er schätzt die Kosten für den Bau inzwischen auf mehr als eine Milliarde Euro. Nach seinen Aussagen geht es ihm <em>„um eine Pause zum Denken“</em>.</p> <p>Deutlich hört man aber heraus, dass er die Kosten für zu groß hält. Das auch angesichts der entstandenen Kosten und Einnahmeausfälle nach zwei Jahren Corona und der noch nicht bezifferbaren ökonomischen Auswirkungen von Russlands Krieg gegen die Ukraine.</p>
10. August 2022<p><strong><em>München</em></strong> * München ist für zwölf Tage Schauplatz der <em>„European Championships“</em>. Etwa 4700 Sportlerinnen und Sportler kämpfen in neun Disziplinen um Europameistertitel. Es ist das größte Sportereignis in München seit Olympia 1972.&nbsp;</p>
28. August 2022<p><strong><em>München-Maxvorstadt</em></strong> * Zwei Aktivisten der <em>„Letzten Generation“</em> kleben sich in der Alten Pinakothek an das Gemälde <em>„Der bethlehemitische Kindermord“</em> von Paul Rubens aus dem 17. Jahrhundert.</p>
17. September 2022<p><em><strong>München-Theresienwiese</strong></em> * Zwei Jahre nach der durch die Corona-Epidemie erzwungene&nbsp;Oktoberfest-Pause zapft Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter mit drei Schlägen in der Schottenhamel-Festhalle das erste Wiesn-Fass an. Nach seinem Ruf <em>„Ozapft is! - Auf eine friedliche Wiesn!“</em> ist das weltweit größte Bierfest offiziell eröffnet. Es ist das 187. Oktoberfest.</p>
25. Oktober 2022<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> * Unter Federführung von <em>„Scientist Rebellion“</em>, einer Gruppe von &nbsp;Wissenschaftlern aus mehreren Ländern, beginnt eine Aktionswoche. Am Lenbachplatz demonstrieren rund zwei Dutzend Menschen vor den Büros des globalen Finanzinvestors Blackrock, 14 kleben sich im und am Gebäude fest. Sie werden vorläufig festgenommen und nach Feststellung ihrer Identität wieder freigelassen.&nbsp;</p>
26. Oktober 2022<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> * Gegen Mittag blockieren Aktivisten der <em>„Letzten Generation“</em>&nbsp;die Brienner Straße am Odeonsplatz; die meisten haben sich mit einer Hand auf den Asphalt geklebt. Die Polizei nimmt 18 Personen mit und hält sie über Nacht fest.</p>
28. Oktober 2022<p><strong><em>München-Maxvorstadt</em></strong> * Kurz vor zwölf Uhr stoppen ein Dutzend Aktivisten den Verkehr vor dem Justizpalast, indem sie sich an der Ecke Karlsplatz und Prielmayerstraße auf die Straße stellen oder setzen. Der Jesuitenpriester Jörg Alt macht solidarisch mit. Er und ein weiterer Mann kleben sich fest.&nbsp;</p>
29. Oktober 2022<p><strong><em>München-Milbertshofen</em></strong> * Gegen elf Uhr lösen Aktivisten in der BMW-Welt Alarm aus: 14 kleben mit einer Hand an einem Sportwagen, einer filmt die Aktion. Die Polizei nimmt alle fest und beantragt einen Gewahrsam, der nach richterlicher Prüfung auch angeordnet wird: Zwei Wissenschaftler bleiben bis 1. bzw. 2. November in Haft, die übrigen bis zum 4. November, also eine Woche.</p>
3. November 2022<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em> * </strong>Die <em>„Letzte Generation“</em> setzt die Klimaproteste in München fort. Um 10:30 Uhr setzen und kleben sich 17 Aktivisten am Stachus auf die Straße und blockieren den Verkehr in beide Richtungen.&nbsp;</p> <p>Gegen 18:45 Uhr kommt es an gleicher Stelle zu einer weiteren Blockade, diesmal sind 15 Personen beteiligt. Weil sie schon am Vormittag mitgemacht haben und weitere Verkehrsstörungen ankündigen, beantragt die Polizei beim Amtsgericht erneut Gewahrsam. Der wird bei zwölf Personen für 30 Tage bis zum 2. Dezember angeordnet, die längstmögliche Dauer nach dem novellierten Bayerischen Polizeiaufgabengesetz. Zwei Aktivisten müssen am 4. November freigelassen werden, einer am 9. November.</p> <p>&nbsp;</p>
7. November 2022<p><strong><em>München-Kreuzviertel</em></strong> * Der Stachus wird erneut blockiert, diesmal von fünf Personen; drei haben sich festgeklebt. Auch hier ordnet ein Richter den beantragten Gewahrsam an, in drei Fällen bis zum 14. November.</p>
18. November 2022<p><strong><em>München-Giesing</em></strong> * Es wird bekannt, dass sich einer der bis zum 2. Dezember in Gewahrsam genommenen männlichen Klimaaktivisten in der JVA Stadelheim im Hungerstreik befindet.&nbsp;</p>
21. November 2022<p><strong><em>München-Bogenhausen</em></strong> * Die Luitpoldbrücke wird von Klimaaktivisten zweimal blockiert, zunächst um acht Uhr von neun Personen. Zwei behält die Polizei in Gewahrsam, eine bis zum 24. November, die andere bis zum 29. November. Sechs der Freigelassenen wiederholen die Aktion um 15 Uhr. Auch sie bleiben in Gewahrsam, drei bis zum 2. Dezember.&nbsp;</p>

2024

5. September 2024<p><strong><em>München-Isarvorstadt</em></strong> * An der Fassade des Hotels Deutsche Eiche in der Reichenbachstraße 13 wird ein Mosaik des Queen-Sängers und Songschreibers Freddie Mercury enthüllt. Mercury hatte zwischen 1979 und 1985 seinen Hauptwohnsitz in München. Hier konnte er in den <em>„Musicland Studios“</em>&nbsp;Alben aufnehmen und seine damals noch nicht öffentlich gemachte Homosexualität ausleben.</p>

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